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    <title>Ausgabe 04/05 (War jung, brauchte das Geld)</title>
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    <description>War jung, brauchte das Geld</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:date>2008-10-28T09:01:08Z</dc:date>
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    <title>Ausgabe 04/05</title>
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    <title>Liebe LeserInnen!</title> 
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    <description> &lt;div style=&quot;color: #96C042&quot;&gt;Wir bedanken uns bei den vielen engagierten AutorInnen und FotografInnen f&amp;uuml;r die interessanten Texte und die sch&amp;ouml;nen Illustrationen und bei den LeserInnen f&amp;uuml;r angeregte Diskussionen! &lt;br/&gt;
Die &lt;a href=&quot;http://www.sierralog.com/stories/5048995/&quot;&gt;Entscheidung&lt;/a&gt; von Knallgrau die Erscheinung neuer Ausgaben nicht mehr weiterhin zu begleiten, muss allerdings nicht die Einstellung des Magazins bedeuten. Wir laden hiermit alle Interessierten herzlich dazu ein sich der Betreuung des Magazins in Eigenregie anzunehmen und sich mit uns in &lt;a href=&quot;mailto:office@knallgrau.at&quot;&gt;Verbindung&lt;/a&gt; zu setzen!&lt;/div&gt;
</description>
    <dc:creator>kristina</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 kristina</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-28T08:21:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2257/">
    <title>Schreiben. F&amp;uuml;r Geld</title> 
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    <description>...irgendwann einmal Kontakt mit den knallharten Bedingungen ihrer Berufsaussichten aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In vielen F&amp;auml;llen hei&amp;szlig;t das, f&amp;uuml;r irgendwen irgendwas zu schreiben. F&amp;uuml;r Geld. Und das dann auch noch ziemlich toll zu finden, zumindest anfangs. Sp&amp;auml;ter relativiert sich dann diese Einsch&amp;auml;tzung, mitunter sogar ziemlich schnell. Sp&amp;auml;testens wenn die Realit&amp;auml;t des Zeilenz&amp;auml;hlens einsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich selbst bin seinerzeit bei einem regionalen Anzeigenbl&amp;auml;ttchen gelandet. Die Zeile wurde mit 20 Cent abgerechnet, Fotos lagen zwischen 15 und 20 Euro. Dar&amp;uuml;ber hinaus gab es noch 22 Cent pro gefahrenen Kilometer. Also zwei Cent mehr als f&amp;uuml;r die Zeile. Obwohl doch fahren wesentlich einfacher ist als schreiben. Dachte ich damals. Kilometergeld habe ich dann auch nie abgerechnet, wenn ich mich recht erinnere. Ich wei&amp;szlig; gar nicht warum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herumgefahren bin ich allerdings viel. Ich war bei Hallenbaderwieder&amp;ouml;ffnungen zugegen, habe in Zirkus- und Bierzelten geschwitzt, unendlich viele Jubilare im Kreise ihrer Lieben abgelichtet und auf Stra&amp;szlig;en- und Kirchenfesten getanzt. Zu allem und jedem habe ich mir die vorgeschriebene Zeilenzahl abgerungen. Selbst dann, wenn es im Grunde nichts zu sagen gab. Spa&amp;szlig;ig ist das nicht, das habe ich bald herausgefunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder sind einfacher. Bilder habe ich immer gern gemacht, auch nach zwei Jahren noch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Autohaus Matschke habe ich den sp&amp;auml;teren Oberb&amp;uuml;rgermeister im neuesten Cabriomodell der Marke - die mir inzwischen leider entfallen ist, war aber ein gro&amp;szlig;er Anzeigenkunde, der Matschke, das wei&amp;szlig; ich noch genau - fotografiert. Ein Schnappschu&amp;szlig;, zusammen mit seiner Frau, wie ich dachte. Ein Bild, das leider nicht benutzt werden durfte. Aus wahltaktischen Gr&amp;uuml;nden. Es war n&amp;auml;mlich gar nicht seine Frau, wie sich herausstellte. Zum Weltaidstag 1997 dr&amp;auml;ngte sich der beste Freund des Vereinsvorsitzenden irgendeines F&amp;ouml;rdervereins vor die Linse. Um welchen Verein es sich eigentlich handelte, wei&amp;szlig; ich heute nicht mehr. Ich wei&amp;szlig; nicht einmal, ob ich es damals wu&amp;szlig;te. Aber eine h&amp;uuml;bsche Spende hatte der Mann locker gemacht. Es handelte sich &amp;uuml;brigens um unseren Chefredakteur. Ordentlich frisiert, mit Schlips und Kragen, sogar n&amp;uuml;chtern war er. Wenn ich mich recht erinnere. Der Typ, von dem zur selben Zeit Bilder vom Betriebssommerfest die Runde in der Redaktion machten. Die, wo er sturzbetrunken in die letzte Grillkohleglut pinkelt. Und das Foto von dem Golfplatzbesitzer habe ich gar nicht erst selbst gemacht. Das habe ich mir zuschicken lassen, von seinem Sekret&amp;auml;r, per Email. War ganz einfach. Abgerechnet habe ich es nat&amp;uuml;rlich trotzdem. Farbfoto, 20 Euro.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ging das damals. Wenn der Chef ein S&amp;auml;ufer ist, geht fast alles. Doch nach einer Weile war das Schreiben Routine. Mehr noch, es wurde l&amp;auml;stig und ungenau. Und noch sp&amp;auml;ter eine Qu&amp;auml;lerei, die im Grunde mit allen Mitteln zu vermeiden ist. Streckenweise grauenhaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Interview mit dem Golfplatzmenschen zum Beispiel habe ich dann auch komplett erfunden. Am Telefon habe ich lange mit seinem Sekret&amp;auml;r geschwatzt, das schon. Den kannte ich noch von der Uni, aus dem Schwulen- und Lesbenreferat. Es war lustig, mit ihm zu reden nach all der Zeit. Er hatte Jahre vor mir seinen Abschlu&amp;szlig; gemacht, und ich verstehe wirklich &amp;uuml;berhaupt nichts von Golf. Der Rest war reine Phantasie. Dem Golfplatz hat das nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Ich wurde sogar zitiert, und der Besitzer war dar&amp;uuml;ber vermutlich h&amp;ouml;chst zufrieden. Oder sein Sekret&amp;auml;r hat ihn irgendwie bes&amp;auml;nftigt. Oder mein Chef hat doch noch das extragro&amp;szlig;e Weihnachtspr&amp;auml;sent f&amp;uuml;r regelm&amp;auml;&amp;szlig;ige Gro&amp;szlig;kunden herausger&amp;uuml;ckt, das er seit Monaten schon sinnlos in seinem Luxussportwagen mit sich spazierenfuhr. Keine Ahnung, ich hab nie etwas dar&amp;uuml;ber geh&amp;ouml;rt. Vielleicht hat dem Golfer auch einfach nur gefallen, was ich geschrieben habe. Er war darin, glaube ich, als eine Art K&amp;uuml;nstler dargestellt. Irgendwie lag mir das wohl nahe. Damals. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Besten aber waren die Dreiundneunzigj&amp;auml;hrige und ihr Urenkel in Beyenburg. Eigentlich ist gerade so etwas immer besonders langweilig. Die Alten h&amp;ouml;ren und sehen nix mehr, und die Lieben, die sie umkreisen, schreien nicht nur auf die Oma ein. Sondern br&amp;uuml;llen routinem&amp;auml;&amp;szlig;ig l&amp;auml;ngst alle und jeden an. Auch mich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dieser Alten allerdings hockt ein kleiner Kerl, kaum gr&amp;ouml;&amp;szlig;er als sie, der ihr nicht von der Seite weicht. Der Urenkel eben. Er hat lange, schwarz gef&amp;auml;rbte Haare, schwarz geschminkte Augen und tr&amp;auml;gt &amp;uuml;berhaupt nur schwarz. Genau wie die Alte. Ein Grufti, wie mir scheint. Mit geweiteten Ohrl&amp;auml;ppchenl&amp;ouml;chern und diversen Metallsteckern im Gesicht. Ein fantastisches Bild, auch wenn es vermutlich nur in schwarz-wei&amp;szlig; gebracht wird. (15 Euro, immerhin!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jubilarin t&amp;auml;tschelt ihrem Liebling den Arm, w&amp;auml;hrend ich das Bild mache. Etliche &amp;auml;ltere Damen und Herren dr&amp;uuml;cken sich derweil etwas abseits herum und wissen nicht wissen, was sie tun, was sie sagen sollen. Die Oma sei eine alte Hexe, hei&amp;szlig;t es sp&amp;auml;ter hinter vorgehaltener Hand. Fr&amp;uuml;her habe sie h&amp;auml;ufig mit wechselnden M&amp;auml;nnern verkehrt, die zuletzt auch noch wesentlich j&amp;uuml;nger gewesen seien als sie. Au&amp;szlig;erdem habe sie vermutlich mit Abtreibungen zu tun gehabt, heute d&amp;uuml;rfe man ja dar&amp;uuml;ber reden. Und der Junge, der k&amp;auml;me ganz nach ihr. Ein Satanist sei er. Einer, der es mit den dunklen M&amp;auml;chten habe, das w&amp;auml;re doch un&amp;uuml;bersehbar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Alte lacht derweil. Laufen kann sie nicht mehr, sitzt nur da, tief in ihren alten Sessel gedr&amp;uuml;ckt. Und nickt und wackelt mit dem Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Alles Unsinn&quot;, erkl&amp;auml;rt sie mir, w&amp;auml;hrend sie zum Abschied meine Hand dr&amp;uuml;ckt. &quot;Aber lustig, oder? Die wissen eben nichts, gar nichts vom Leben. Ich wei&amp;szlig; auch nicht warum. An mir liegt das nicht. Nur der hier, der hat ein Herz.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Junge neben ihr grinst, wie man es so einer schwarzen Gestalt gar nicht zugetraut h&amp;auml;tte. Die Alte schaut zu ihm hoch, &amp;uuml;ber ihre dicke Brille hinweg. Dann stupst sie ihm kr&amp;auml;ftig mit der Faust in die Rippen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schade, da&amp;szlig; man so etwas nicht schreiben kann. Nicht unter einem Jubilarenfoto in einem Anzeigenbl&amp;auml;ttchen. Da steht dann: &lt;em&gt;Die Jubilarin ist f&amp;uuml;r ihr hohes Alter topfit. Soweit ihr das m&amp;ouml;glich ist, h&amp;auml;lt sie regen Kontakt zu heutigen Jugend. &quot;Das h&amp;auml;lt jung&quot;, sagt sie. &quot;Und viel Lachen nat&amp;uuml;rlich.&quot;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist das eben, Schreiben f&amp;uuml;r Geld. Alles L&amp;uuml;ge, aber eine hohe Kunst. Doch das Bild zumindest, das war exquisit. H&amp;auml;ngt heute noch &amp;uuml;ber der Kaffeemaschine in der Redaktionsk&amp;uuml;che. Wetten? Ich bin sicher.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T12:38:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2267/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2267/</link>
    <description>&quot;Ich war jung und brauchte das Geld&quot; ist schon zu einem gef&amp;uuml;gelten Wort geworden. Was macht man nicht alles, wenn man sein Interrail-Ticket bezahlen, oder seiner Freundin imponieren m&amp;ouml;chte. Das f&amp;auml;ngt beim eher unpeinlichen Rasen m&amp;auml;hen bei den Eltern an und h&amp;ouml;rt auf bei Jobs, die einem so peinlich sind, dass man aus seiner Vita streicht. Auf der anderen Seite sind es genau diese Jobs und Begegnungen mit den dort arbeitenden Menschen, die spannende und sch&amp;ouml;ne Geschichten beinhalten. Diesen Monat haben sich neun Autoren bereit gefunden in der Vergangenheit zu w&amp;uuml;hlen und dabei kam so einiges an Tageslicht. Nachzulesen in dieser Ausgabe von &quot;mindestenshaltbar&quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
F&amp;uuml;r den Sommer gibt es auch einen kleinen Versuch mit dieser Seite. Normalerweise arbeiten wir mit einem festen Stamm von Autoren, aber nun m&amp;ouml;chte ich zus&amp;auml;tzlich mal etwas Neues ausprobieren, und auch allen Lesern und Interessierten die M&amp;ouml;glichkeit geben, hier eine Geschichte zu ver&amp;ouml;ffentlichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Thema f&amp;uuml;r den Juni lautet: Sch&amp;uuml;leraustausch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht also um Erlebnisse und Geschichten von Sch&amp;uuml;leraustauschen, die man ja in seiner Schulzeit mindestens einmal erlebt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abgabetermin: 13.06.08, gern auch fr&amp;uuml;her. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Honorare k&amp;ouml;nnen wir, wie wohl bekannt, leider keine zahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den fertigen Text bitte als .txt Datei an: mindestenshaltbar@dondahlmann.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt aber erst einmal viel Spa&amp;szlig; mit der neuen Ausgabe!</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T13:20:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2266/">
    <title>Das ABBA-Trauma und der Supabba</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2266/</link>
    <description>Und bis zu meinem 17. Lebensjahr war mit das auch v&amp;ouml;llig schnuppe. Egal. Es gab nichts, was mir noch weiter entfernt an meinem Allerwertesten vorbeigehuscht w&amp;auml;re. Ich konnte auf Parties, wenn der Super Trooper aus den Boxen schallte, immer noch lachend mein Bier in genau der Hand halte, die heute bei der kleinsten bekannten ABBA-Tonfolge zu zittern anf&amp;auml;ngt wie die eines Alkoholikers am Montagmorgen. Meine Lippen zu Schlitzen gepresst, meine Augen schreckgeweitet str&amp;ouml;mt mir der Angstschwei&amp;szlig; aus allen Poren, bekleckert mein Shirt, die Bierflasche rutscht aus meinen nassen H&amp;auml;nden und zerschellt am Boden neben den nerv&amp;ouml;s scharrenden Turnschuhen in tausende Scherben aus braunem Glas. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und das kam so:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es begab sich also im Jahre 1991, dass dem allseits beliebten Ren&amp;eacute; die Herbstferien ins Haus standen und da man als 17j&amp;auml;hriger Gymnasiast notorisch unter Geldmangel leidet, suchte er sich einen Job und fand den in einer Supermarktkette, die Jahre sp&amp;auml;ter von einem amerikanischen Unternehmen mit zweifelhaftem Ruf aufgekauft wurde, nur um zu erkennen, dass die Dinge in Deutschland anders ticken als in Amerika, wo man Apfelscheiben in hei&amp;szlig;en Schmelzk&amp;auml;se tunkt. Ich hatte schon vorher in Superm&amp;auml;rkten gejobbt, bei Inventuren oder auch als Eink&amp;auml;ufer f&amp;uuml;r eine Abteilung, war also auf alles gefasst, was da kommen sollte. Doch nicht auf die Qual und Pein, die ich dort zwischen Kassen und Kunden erleiden sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich am ersten Tag p&amp;uuml;nktlich meine Aushilfsstelle antrat, verpasste man mir zun&amp;auml;chst den blauen Kittel samt Namensschild, auf dem schlicht &quot;Walter&quot; stand. Meinen Spitznamen hatte ich f&amp;uuml;r das n&amp;auml;chste halbe Jahr weg, ich war von da an der &quot;Wertkauf-Walter&quot;, eine meiner Meinung nach ungeschickte und viel zu holprige Formulierung f&amp;uuml;r einen Spitznamen. Aber was will man machen, denn 1.) man kann sich seine Freunde nicht aussuchen und 2.) stand es ja so auf dem Schild schwarz auf wei&amp;szlig; geschrieben. Was will man machen. Viel gr&amp;ouml;&amp;szlig;er die Freude meinerseits, als der Marktleiter mir er&amp;ouml;ffnete, was mein Job sein sollte in den anstehenden zwei Wochen: ich sollte im Ausgangsbereich des Marktes Videos und CDs verkaufen. Musik! Filme! Mein Leben! Ich rieb mir die H&amp;auml;nde in der Vorstellung von Ren&amp;eacute; als hauseigenem Supa-Deejay, der sich der Groupies Kundinnen kaum erwehren konnte und als sich Bonus f&amp;uuml;r seine Verdienste einhundert CDs aus dem Komplettangebot aussuchen durfte. Aber es kam alles ganz anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zun&amp;auml;chst baute ich also den Stand auf, ein CD-Regal, best&amp;uuml;ckt mit Samplern und Best-Ofs, fuhr ich mit einem Hubwagen zum dem Ort, an dem ich mir in den n&amp;auml;chsten zwei Wochen die Beine in den Bauch stellen sollte. Hiernach noch ein Regal gef&amp;uuml;llt mit Zeichentrick- und billigen Musik-Videos. Die Auswahl entsprach also schonmal nicht meinem damals schon immensen Anspruch an Film- und Musik-Qualit&amp;auml;t, aber ich dachte mir: &quot;Ren&amp;eacute;, jeder f&amp;auml;ngt mal klein an!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Stand aufgebaut und sogar mit einem Stuhl in der Ecke versehen war (&quot;Aber nicht dauernd rumsitzen, Junge! Sonst verkaufen wir nix! Ich kontrollier das!&quot;), holte Mr. Marktleiter einen tragbaren Fernseher mit integriertem Videoteil, damals eine hochmoderne Medienkovergenzmaschine - heute w&amp;uuml;rde man Video-iPod dazu sagen -, packte eine Kassette aus (&quot;Den Rest musst Du verkaufen&quot;), auf der ich, ihr werdet es ahnen, &quot;ABBA Gold - Greatest Hits&quot; lesen konnte. Er schob die Kassette in den Player, dr&amp;uuml;ckte auf Play und erkl&amp;auml;rte mir zu &quot;Waterloo&quot; die Funktionen der Kasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wenn Du Fragen hast, frag einfach die Anna&quot; sagte er und zeigte auf eine Kassiererin um die Vierzig, ein Alter, das mir damals so alt vorkam, wie das der uralten Morla aus der unendlichen Geschichte. Sie war dennoch sehr nett und erkl&amp;auml;rte mir jeden Abend die Endabrechnung an jeden Tag dieser zwei Wochen, und am Ende hatte ich sie wirklich ins Herz geschlossen, im Gegensatz zu Agnetha F&amp;auml;ltskog, Anni-Frid Lyngstad, Benny Andersson und Bj&amp;ouml;rn Ulvaeus, die bei ihrem Bandnamen so kreativ waren, eine Abk&amp;uuml;rzung aus ihren Vornamen zu bilden. Man m&amp;ouml;ge mir verzeihen, aber was nun folgte, machte mich ABBA-technisch tats&amp;auml;chlich fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach meinem ersten Tag mit circa 5 Stunden Beschallung durch Abbas 19 gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Hits tr&amp;auml;umte ich, ich sei Benny und s&amp;auml;&amp;szlig;e am Klavier und begleite zwei schwedische Sch&amp;ouml;nheiten beim Vortrag von &quot;Mama Mia&quot;. Nach zwei Tagen und 13 Stunden ABBA-Folter, bat ich Mr. Marktleiter doch bitte ein weiteres Tape auszupacken, der Abwechslung willen. &quot;Nix, wir m&amp;uuml;ssen ja auch was verkaufen, oder? Und ABBA sind doch toll, was haste denn?&quot; war seine &amp;auml;u&amp;szlig;erst unbefriedigende Antwort. Nach f&amp;uuml;nf Tagen mit insgesamt 37 Stunden ABBA-Vertonung war ich dem Wahnsinn nahe und &amp;uuml;berlegte ernsthaft, den Job wegen eines Videotapes in Endlosschleife hinzuschmei&amp;szlig;en. Doch ich &amp;uuml;berwand meinen inneren Schweinehund und hielt durch, volle 10 Arbeitstage mit 77 Stunden intensiven Studiums des ABBAschen Popverm&amp;auml;chtnisses f&amp;uuml;r ganze 1600 Mark. Wenn ich heute also sage: &quot;Ich HASSE ABBA!&quot;, dann wei&amp;szlig; ich verdammt nochmal ganz genau, wovon ich rede, denn niemand auf diesem verfluchten Planeten hat sich so intensiv mit der Musik dieser Band auseinandergesetzt wie ich in diesen zwei Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sah Sterne bei den Kl&amp;auml;ngen von &quot;Waterloo&quot;, ich kotzte innerlich im Rythmus von &quot;Knowing Me, Knowing You&quot; B&amp;auml;che in meine musikalische Sensibilit&amp;auml;t und das &quot;Supapa Supapa&quot; aus &quot;Super Trooper&quot; verfolgt mich noch heute. Aber wisst Ihr was? Ich habe meinen Frieden gemacht mit den schwedischen Harmonie-Superfrisuren, deshalb traue ich mich auch, ein Video von ABBA hier reinzuklatschen und tr&amp;auml;ume heute nacht sicherlich wieder von Agnetha.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T13:17:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2265/">
    <title>Talkin&apos; all that jazz</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2265/</link>
    <description>Ein d&amp;uuml;steres Dub-Monster mit minimalistischen TripHop-Ankl&amp;auml;ngen. Niemand in meinem Freundeskreis wusste mit der Platte etwas anzufangen, der hohe Eintrittspreis war ebenfalls eine H&amp;uuml;rde und so ging ich an diesem Abend alleine los. Das Konzert war auf 23:00 Uhr angesetzt, ich hatte es mir an einem Bierstand, vor dem hell erleuchteten &lt;br /&gt;
Festivalzelt gem&amp;uuml;tlich gemacht, genoss die warme Sommernacht und kaltes Bier. Die Herren Rocker lie&amp;szlig;en auf sich warten, mittlerweile war es halb eins und au&amp;szlig;er vereinzelten &quot;Test-Test...&quot;-Rufen aus dem Zelt, tat sich nichts, ich langweilte mich ein wenig und kam auf dumme Gedanken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fand, es sei nun an der Zeit, mal nachzusehen warum es denn nicht voran gehe, mit dem B&amp;uuml;hnenaufbau und n&amp;auml;herte mich unauff&amp;auml;llig dem Eingang zum Backstage-Bereich. Zwischen dem Konzertzelt und einer lang gezogenen, kleinen Steinmauer f&amp;uuml;hrte ein Weg direkt hinein ins Allerheiligste. Damit nun nicht ein jeder gelangweilte, bierbefl&amp;uuml;gelte Festivalbesucher da rein rennt um mal nachzusehen, warum es denn nicht voran geht mit dem B&amp;uuml;hnenaufbau, wurde der Weg bewacht von einem schrank-&amp;auml;hnlichen Fleischkappenmonster mit bunten T&amp;auml;towierungen, die verk&amp;uuml;ndeten, das er privat eher nicht so auf Rockers Hifi steht. Ich gr&amp;uuml;&amp;szlig;te &lt;br /&gt;
Zerberus freundlich und lie&amp;szlig; mich auf der Steinmauer nieder. Hinter Zerberus. Ich trank beherzt mein Bier aus, wurde beherzt unsichtbar, drehte mich um hundertachtzig Grad und lie&amp;szlig; mich von der Mauer fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drin!&lt;br /&gt;
Zerberus hatte mein Kunstst&amp;uuml;ck nicht bemerkt und starrte pflichtbewusst vor sich hin, ich lief eilig um die Ecke, ein paar Treppen noch und ich stand auf der B&amp;uuml;hne. Um mich herum wurde emsig geschraubt und verkabelt, angestrengte Minen &amp;uuml;berall, ich selbst legte auch gleich meine Stirne in sorgenvolle Falten und &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fte die Plattenspieler von Rockers Hifi. Der Mann am Mischpult bemerkte mich, mit hochgezogenen Augenbrauen sah er erstaunt zu mir her&amp;uuml;ber, ich winkte ihm freundlich zu, formte meine H&amp;auml;nde zu einem Trichter und rief: &quot;Alles in Ordnung hier!&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ein Aufbau macht Durst, ich folgte den Pfeilen zum VIP-Zelt, machte ein wichtiges Gesicht und bestellte ein Bier auf englisch: &quot;Hi, Darling, one beer please!&quot;, dabei bem&amp;uuml;hte ich mich um einen britischen Akzent. Es funktionierte und mit meinem Gratisbier setzte ich mich an einen Tisch zu den anderen Musikern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Tischnachbar, ein goodlooking black brother mit schicker Hornbrille, drehte sich erwartungsvoll zu mir, ich hob meinen Becher und prostete ihm zu: &quot;Cheers!&quot;. Freundlich l&amp;auml;chelnd prostete er zur&amp;uuml;ck und ich fragte, ob er auch Rockers Hifi sehen wolle. Ja,ja, hochinteressant seien die, antwortete er mir, sein Akzent war amerikanisch, eine angenehme, weiche &lt;br /&gt;
Stimme. Wir schlossen schnell Freundschaft, mein Gegen&amp;uuml;ber entpuppte sich als ein Fachmann in Sachen Jazz und wir unterhielten uns &amp;uuml;ber die Einfl&amp;uuml;sse der elektronischen Musik auf den Jazz, ich erw&amp;auml;hnte in diesem Zusammenhang lobend die Pionierleistungen von Herbie Hancock auf diesem Gebiet, mein Gespr&amp;auml;chspartner war da ganz einer Meinung mit mir. So spannend war unser Gespr&amp;auml;ch, das alle am Tisch uns gebannt zu h&amp;ouml;rten, keiner sprach ein Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wurde ich ein wenig entt&amp;auml;uscht, einer der Zuh&amp;ouml;rer hatte sich erhoben, ich nahm an, er wolle Bier besorgen, aber nein, er kam zur&amp;uuml;ck und hatte Zerberus mitgebracht. Zerberus unterbrach uns unfreundlich, legte seine Hand auf meine Schulter und fragte nach: &quot;Die harte Tour oder freiwillig.&quot; Ich entschied mich f&amp;uuml;r freiwillig, verabschiedete mich per Handschlag von meinem kompetente Gespr&amp;auml;chspartner und folgte Zerberus zum Ausgang. Ich kann mich irren, meine aber, entfesseltes Gel&amp;auml;chter aus dem Vip-Bereich geh&amp;ouml;rt zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu meinem gro&amp;szlig;en Erstaunen entdeckte ich am n&amp;auml;chsten Tag in der Zeitung ein Foto meines Gespr&amp;auml;chspartners. Die Bildunterschrift: &quot;hoher Besuch beim Westport: Mr. Herbie Hancock gibt sich die Ehre.&quot;</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T13:15:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2264/">
    <title>Lack und Langeweile</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2264/</link>
    <description>20 Jahre alt, und der Job war haupts&amp;auml;chlich Teil meiner Kampagne &quot;ich freunde mich mit meinem dicken K&amp;ouml;rper an&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnernswerter ist da schon der Sommer Anfang der 90er, in dem die Redaktion, in der ich sonst die Semesterferien &amp;uuml;ber Urlaubsvertretung machte, mich nicht brauchen konnte. Ich war gottsfroh, beim gro&amp;szlig;en Automobilproduzenten am Ort zu landen. Mein Job als &quot;Werkstudentin&quot; (keine Ahnung, warum die Ferienjobber dort bis heute so hei&amp;szlig;en) war in der Lackiererei, Qualit&amp;auml;tssicherung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Arbeitsplatz lag so richtig mitten in einer der riesigen Produktionshallen. Er erinnerte ein wenig an eine Pferdebox: Ein schulterhohes Metallgestell umgab eine gut autogro&amp;szlig;e Fl&amp;auml;che, die an einer Seite offen war. An dem Gestell waren Scheinwerfer befestigt, &amp;uuml;ber die offene Seite wurden frisch lackierte Karossen eingeschoben. Der v&amp;auml;terliche Meister im gr&amp;uuml;nen Kittel, der sein Kabuff gleich nebenan hatte, gab mir einen wei&amp;szlig;en und einen schwarzen dicken Wachsmalstift, ein Klemmbrett mit Formularen und ein Pr&amp;uuml;fger&amp;auml;t in der Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e eines Kassettenrekorders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechs Wochen lang war es meine Aufgabe, Karossen in das Gatter zu schieben und die Lackierung zu &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen. Einschl&amp;uuml;sse und Unregelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeiten umkringelte ich mit dem Wachsstift (wei&amp;szlig; f&amp;uuml;r dunkle Lacke, schwarz f&amp;uuml;r helle). Das Ger&amp;auml;t war dazu da, die Dicke der Lackschichten zu messen. Alle Ergebnisse und Funde trug ich in ein Formular ein, das ich an der Karosse befestigte, bevor ich sie zur&amp;uuml;ck auf die Fertigungslinie schob. In der Nebenbox arbeitete ein fest angestellter, d&amp;uuml;rrer alter Mann in blauem Kittel. Vielleicht war er gar nicht so alt, aber sein fehlender Arm sah nach Kriegsverletzung aus, Jahrzehnte langer Alkohol-Abusus hatte seinen Teint korrodiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gro&amp;szlig;e Haken: &amp;Uuml;ber den Tag verteilt sollte ich sechs Karossen &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen. Pro Karosse brauchte ich selbst bei peinlichst genauer Untersuchung h&amp;ouml;chstens 25 Minuten. Damit musste ich aber t&amp;auml;glich siebeneinhalb Stunden f&amp;uuml;llen - netto, denn Pausen wurden addiert. Ich war unterbesch&amp;auml;ftigt bis weit &amp;uuml;ber die Schmerzgrenze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also nahm ich schon bald ein Buch mit in die Arbeit und stellte mich lesend an das Metallgestell. Keine gute Idee: Der Meister wies mich darauf hin, dass ein vorbeilaufender Abteilungsleiter aus meinem Lesen schlie&amp;szlig;en k&amp;ouml;nnte, dass nicht genug Arbeit f&amp;uuml;r zwei Qualit&amp;auml;tspr&amp;uuml;fer da sei (richtig!) und eine Stelle streichen k&amp;ouml;nnte (das wollte ich nat&amp;uuml;rlich nicht).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Somit verwandte ich sechs Wochen lang all meine Energie darauf, besch&amp;auml;ftigt zu erscheinen. Ich hatte nie einen anstrengenderen Job. Zehn-Minuten-weise verkroch ich mich in einen der Brotzeitr&amp;auml;ume bei den Werkst&amp;auml;tten im Keller zum Lesen. Dann musste ich mich mal wieder blicken lassen. Ich setzte einiges an Ehrgeiz daran, die Karossen immer noch gr&amp;uuml;ndlicher zu kontrollieren. Aber irgendwann gab es Reklamationen, weil alle Karossen, die ich gepr&amp;uuml;ft hatte, fast fl&amp;auml;chendeckend von Wachsmal-Kringeln &amp;uuml;berzogen waren. In meiner Not hatte ich sogar besonders glatte Fl&amp;auml;chen angekringelt: Derart &amp;uuml;berglatt, das konnte doch nicht normal sein? Das musste doch auf einen Fehler in der Programmierung der Spritzroboter hindeuten? Ich begann mich zum Zeitvertreib intensiv mit Lackiertechniken im Markenvergleich und aus historischer Perspektive zu befassen. Doch als Quelle hatte ich nur Kollegen, die entweder tats&amp;auml;chlich etwas zu tun hatten oder mir bei aller Freundlichkeit bedeuteten, dass ich sie nervte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehnte mich inbr&amp;uuml;nstig nach den Lokalredaktionen meiner Zeitungsjobs, nach den Scharm&amp;uuml;tzeln mit Freien Mitarbeitern (&quot;So ungek&amp;uuml;rzt ver&amp;ouml;ffentlichen, da ich eigens zu dem Termin gefahren bin!!!&quot;), nach der G&amp;auml;nsehaut &amp;uuml;ber Vereinsfotos, nach der Beh&amp;auml;bigkeit eines Monopolblattes. Ich sp&amp;uuml;rte, wie mein Hirn &amp;uuml;ber die Wochen hinweg in Stand-by-Modus fiel, &amp;uuml;berfordert von Leere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen echten Nutzen hatte der Job dann doch: Ich durfte die speziellen Wachsstifte mit nach Hause nehmen. Und nutzte sie, um eines Nachts einem Freund auf die Motorhaube seines roten Citro&amp;euml;n 2CV einen Brief zu schreiben.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T13:11:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2262/">
    <title>Waschen, Legen, Haare fegen</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2262/</link>
    <description>Als mein Vater im Familienkreis verwundert berichtete, dass in seiner Lieblingssauna montags immer nur M&amp;auml;nner und diese gerne p&amp;auml;rchen- oder gr&amp;uuml;ppchenweise verkehrten, erkl&amp;auml;rte mein Onkel diesen Umstand s&amp;uuml;ffisant grinsend mit: &quot;Na, montags haben Fris&amp;ouml;re frei.&quot; Ich sa&amp;szlig; mit am Tisch, wohl wissend, dass die beiden in ihrer Skepsis gegen&amp;uuml;ber Homosexuellen und mit ihren Vorurteilen gegen&amp;uuml;ber Fris&amp;ouml;ren gerade einen Moment lang nicht daran gedacht hatten, welche Berufsausbildung ich k&amp;uuml;rzlich aufgenommen hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir waren vier M&amp;auml;nner im Salon. Es war so ein Hipsterladen. Wir waren in einem Team von Friseuren, die eigene Schnittmoden und F&amp;auml;rbekonzepte entwickelten. F&amp;uuml;r deren Entwicklung und Pr&amp;auml;sentation brauchten wir Models. Junge, gutaussehende, zeigefreudige Frauen. Um deren oft lange Haare in neue Formen und Farben zu bringen und um dabei nicht die Gew&amp;auml;nder der Versuchspersonen zu ruinieren, hatten wir sogenannte Schneidekleider im Angebot. Das waren Stofft&amp;uuml;cher, die frau sich so um den Oberk&amp;ouml;rper wickeln konnte, dass nach dem Ausziehen von Blazern, Blusen, Shirts etc. der R&amp;uuml;cken frei blieb. Wir &amp;uuml;berlie&amp;szlig;en es den M&amp;auml;dchen, wie eng sie die Schneidekleider banden. Die neuen Haarmoden entwickelten und testeten wir abends nach den regul&amp;auml;ren Salonzeiten, gern mit ein wenig Schaumwein und Fingerfood. Irgendwann schickte der Chef uns andere nach Hause und machte allein weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Stammkundinnen waren Gattinen und Geliebte der lokalen Unternehmer- und Managementelite, die unbedingt unsere ausgefallenen Kreationen auf dem Kopf tragen wollten. Nicht nur junge, meist wohlhabende, immer exsaltierte Frauen.&lt;br /&gt;
Um deren edles Haar akkurat schneiden zu k&amp;ouml;nnen und um nicht regresspflichtig die oft teuren Leibchen beim F&amp;auml;rben zu versauen, hatten wir auch im Kundenbetrieb die Schneidekleider im Angebot. Wir &amp;uuml;berlie&amp;szlig;en es den Kundinnen, wie eng sie die Schneidekleider banden. Vor Festtagen m&amp;ouml;belten wir die &amp;ouml;rtliche Damenwelt gern auch in Extraterminen nach den regul&amp;auml;ren Salonzeiten auf. Sollte ja keine ohne unser Werk beispielsweise beim Weihnachtsdiner sitzen oder bei einer Industriellenhochzeit auflaufen m&amp;uuml;ssen. Die Kundinnen brachten zu diesen Sondertreffen gerne Schaumwein und Fingerfood mit.&lt;br /&gt;
Wir vier M&amp;auml;nner im Salon hatten eine kleine Entertainmentshow entwickelt, in der wir uns zum einen Konversationsb&amp;auml;lle geschickt und voller Esprit zuspielten, zum andern die Arbeitsschritte so aufteilten, das sich ein jeder nach seinen F&amp;auml;higkeiten (und seinem Platz in der Rangordnung) f&amp;uuml;r eine gewisse Zeit um die Kundin k&amp;uuml;mmerte. Meine Spezialit&amp;auml;t war eine Kombination aus gr&amp;uuml;ndlicher Haarw&amp;auml;sche und au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlicher Kopfmassage. Es gab Kundinnen (und einen Kunden, der mittlerweile ein guter Freund ist), die auch au&amp;szlig;erhalb der besonderen Termine gezielt nach mir fragten f&amp;uuml;r den Waschgang. Das mochte ich. Manche zeigten ihren Genuss, den ihnen mein Service bereitete, durch tiefes, entspanntes Atmen und entkrampftes im Waschsessel Liegen. Wenige schnurrten wie K&amp;auml;tzchen. Das schmeichelte mir. Eine aber meinte einmal, sie m&amp;uuml;sse mir f&amp;uuml;r f&amp;uuml;nf Minuten Haarw&amp;auml;sche zehn Mark Trinkgeld geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir war wieder bewusst, dass sie zum Shoppen am Samstag kurz mal nach Mailand, London oder Paris flogen, w&amp;auml;hrend ich versuchte, mit knapp unter 500 Mark Ausbildungsverg&amp;uuml;tung im Monat &amp;uuml;ber die Runden zu kommen. Ich habe das kein Jahr ausgehalten, sondern lieber den Taxischein gemacht und mich f&amp;uuml;r Philosophie an der Uni eingeschrieben.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T13:01:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2261/">
    <title>Supermarkt</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2261/</link>
    <description>Klein bin ich zwar immer noch, aber damals war das mit dem Geldverdienen noch so eine Sache. Bevor man die &quot;magische 16&quot; erreicht hatte, waren Nebenjobs so h&amp;auml;ufig wie Geschlechtsverkehr mit den Sch&amp;ouml;nheiten der weiterf&amp;uuml;hrenden Schulen. Ja, auch das gab es damals nicht so fr&amp;uuml;h! Jedenfalls nicht bei mir, nicht mal mit der Klassenmatratze. Aber ich schweife ab!&lt;br /&gt;
Irgendwann bekam ich doch mal die Gelegenheit. Einer meiner besten Freunde bot mir die H&amp;auml;lfte seines Lohnes an, wenn ich daf&amp;uuml;r auch die H&amp;auml;lfte seiner Zeitungen austrug. &amp;Uuml;bergl&amp;uuml;cklich nahm ich sein Angebot an, nur um am n&amp;auml;chsten Fr&amp;uuml;h murrend in einer Tiefgarage zu sitzen und darauf zu warten das der Regen sich verzog. &quot;Drei Stunden rumlaufen und nass werden f&amp;uuml;r die paar Kr&amp;ouml;ten? Arbeiten is&amp;#8217; scheisse!&quot;, rief ich und schmiss den Stapel Zeitungen dramatisch in die Ecke.&lt;br /&gt;
&quot;Geh-nau! Aabeidn is schai&amp;#8230;&quot;, erschallte es hinter mir, gefolgt von einem lauten R&amp;uuml;lpser und dem Ende des Satzes, der mir mit einer Bierfahne entgegenwehte&lt;br /&gt;
&quot;&amp;#8230; schaisse!&quot;&lt;br /&gt;
Als ich dem Rechtsradikalen, der aussah als h&amp;auml;tte er mit einem dutzend irischer Holf&amp;auml;ller ein Trinkspiel gespielt und verloren, tief in die Augen starrte hob ich meine Zeitungen hastig wieder auf. Mit so einem, nein, so etwas wollte ich &amp;uuml;berhaupt nichts gemeinsam haben. Also weiterverteilen, sich von alten Damen beschimpfen lassen und dem biestigen Rauhaardackel meiner Nachbarin ausweichen, der fr&amp;uuml;h am Morgen genauso unkoordiniert wie die Betrunkenen umherwankte. Wie ich diese zottelige Fu&amp;szlig;hupe hasste!&lt;br /&gt;
Doch mit meinem ersten Job sollte es schon bald zuende gehen. Am zweiten &quot;Allerherrgotsscheissfr&amp;uuml;h!&quot; &amp;#8211; wie ich das immer nannte  &amp;#8211; lagen dem Paket nicht nur Zeitungen sonder AOL-CDs bei. Die Praline hab ich ja gern verteilt und selbst bei der Bild hab ich damals mangels Hintergrundwissen noch ein Auge zugedr&amp;uuml;ckt, aber AOL? Das war gegen meine Grundprinzipien! Aber was sollte ich machen, das Zeug stand vor meiner T&amp;uuml;r. Also verteilte ich auch diesmal: Die Zeitungen in die Briefk&amp;auml;sten, die CDs in die M&amp;uuml;lleimer. W&amp;auml;ren ja doch im Endeffekt dort gelandet. Die H&amp;uuml;llen behielt ich jedoch um mir fortan nur noch Rohlinge in der Spindel zu kaufen und trotzdem nicht auf den Komfort eines selbstgestapelten CD-Turms verzichten zu m&amp;uuml;ssen &amp;#8211; ich sparte ja wo ich konnte.&lt;br /&gt;
Bald schon wurde ich erl&amp;ouml;st von dem Elend, denn ich wurde 16 Jahre alt und somit &quot;eingeschr&amp;auml;nkt arbeitsf&amp;auml;hig&quot;. Klang zwar als w&amp;auml;re ich blind, taub und h&amp;auml;tte nur noch einen Arm &amp;#8211; aber das war mir v&amp;ouml;llig egal, denn ich konnte in einem nicht n&amp;auml;her betitelten Supermarkt arbeiten. Echt jetz. Also quasi Real,-&lt;br /&gt;
Dort &amp;uuml;bertrug man mir die ehrenwerte Aufgabe des Kartoniers. Ich weis nicht mehr  genau wie man die Hilfskr&amp;auml;fte nannte die die leeren Kartons einsammelten, aber &quot;Aushilfe&quot; klang mir einfach zu langweilig. Zwei bis drei Stunden leichte Arbeit, vier Tage die Woche und jede Menge Proviant. Jedes Mal wenn irgendwo eine aufgerissene Packung im Regal lag oder eine Dose herunterfiel und auslief musste sie ins Lager zum &quot;Ausbuchen&quot; gebracht werden. Das heisst nur das die Packung in einen Karton geschmissen wird, damit sp&amp;auml;ter ein h&amp;ouml;herwertiger Mitarbeiter erfassen kann was alles kaputt ging. Der Inhalt wurde vernichtet. Meistens von uns.&lt;br /&gt;
Ich sage euch: was damals in den zwei Monaten in denen ich dort arbeitete alles zu bruch ging &amp;#8211; man glaubt es nicht! Sehr beliebt waren diese Schokopralinen mit Espressof&amp;uuml;llung, Haribo Gummib&amp;auml;ren und nat&amp;uuml;rlich RedBull. Die ganz harten von uns &quot;entdeckten&quot; eine kaputte Schachtel Zigaretten an der Kasse. Nat&amp;uuml;rlich musste man manchmal auch das billige Zeug fressen, damit es nicht auffiel.&lt;br /&gt;
Das entsch&amp;auml;digte jedoch f&amp;uuml;r die vielen nervigen bis verbl&amp;ouml;deten Kunden, die einen nach dem Weg fragten oder gar wegen der &amp;uuml;berteuerten Preise beschimpften und f&amp;uuml;r die motivationssteigernden Reden des Chefs, der nichtmal unsere Namen kannte, obwohl wir sie als Schilder auf der Brust trugen.&lt;br /&gt;
Alle Anekdoten dieser Zeit zu erz&amp;auml;hlen w&amp;uuml;rde wohl den Rahmen sprengen, eine muss ich jedoch noch loswerden. Eines Abends stand ich gerade im Spiritousenregal und war auf der Suche nach zwei kleinen Schnapsflasche zum &quot;ausbuchen&quot;, da einer meiner Kartonierskollegen seinen letzten Arbeitstag hatte und bald als Grenadier durch eine Bundeswehrkaserne gehetzt werden w&amp;uuml;rde. Pl&amp;ouml;tzlich stand ein Riese neben mir und brummte folgende Frage in einem so tiefen Ton, das es meine Imitationsk&amp;uuml;nste &amp;uuml;berschreitet: &quot;Chabt ihr auch Vodka Gorbatschow?&quot;&lt;br /&gt;
Auf seinem Firmenschild am Pullover konnte ich lesen, das er Ivan hies.&lt;br /&gt;
Ein Russe namens Ivan der nach Vodka fragt war ja eigentlich der Inbegriff eines Klischees und wer mich kennt, der weis das ich solchen Vorlagen absolut niemals widerstehen kann.&lt;br /&gt;
Aber aufgrund seiner gigantischen, vernarbten H&amp;auml;nde, zwischen dessen Daumen und Zeigefinger ich sicher wie in einer Baumkrone sitzen konnte, traute sich kein Witz &amp;uuml;ber meine zitternden Lippen. &lt;br /&gt;
&quot;Ja, direkt hier vorne&quot;, antwortete ich also und zeigte auf die drei Flaschen im Regal.&lt;br /&gt;
&quot;Zu wenig!&quot;, dr&amp;ouml;hnte er lautstark, &quot;brauche zwei Karton!&quot;&lt;br /&gt;
Verwirrt und halb taub steuerte ich ins Lager und holte ihm zwei Kartons &amp;#8211; insgesamt also 12 Flaschen &amp;agrave; 0,7 Liter Vodka. Mit weit ge&amp;ouml;ffneten Augen &amp;uuml;berreichte ihm die Munition und mein Gesicht schrie gerade zu &quot;WHAT THE FUCK!?&quot;&lt;br /&gt;
Dies schien Ivan bemerkt zu haben, da er ein breites Lachen aufsetzte, meine ungestellte Frage mit: &quot;Hahahah&amp;#8230; Party!&quot; beantwortete und dann mit dem Vodka und einer Packung Chips zur Kasse wankte.&lt;br /&gt;
Und ich k&amp;ouml;nnte schw&amp;ouml;ren das zwischen zwei seiner riesigen Z&amp;auml;hnen der mittlerweile als vermisst gemeldete Rauhaardackel meiner Nachbarin steckte.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T12:52:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2259/">
    <title>Wei&amp;szlig;er Sonntag</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2259/</link>
    <description>Ich pers&amp;ouml;nlich verbinde mit dem wei&amp;szlig;en Sonntag schon lange nicht mehr den Tag, als ich im ersten schwarzen, nein: dunkelblauen Anzug meines Lebens am Altar stand sondern eher einen anderen. Einen, von dem ich damals sagte, dass ich sp&amp;auml;ter bestimmt dar&amp;uuml;ber lachen w&amp;uuml;rde. Mal sehen, obs heute klappt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich jobbte damals f&amp;uuml;r eine Werbeagentur. Normalerweise fuhr ich Druckvorlagen zu Druckereien oder lieferte die druckfrischen Kataloge aus, die aufgrund der in der Branche &amp;uuml;blichen Abl&amp;auml;ufe (&quot;Hallo? Hallo Agentur? &amp;Uuml;bermorgen ist Messe und wir brauchen doch neue Kataloge!&quot;) erst zum zweiten Messetag aus der Druckerei gekommen waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurz vor Ostern jedoch kam eine andere Anfrage. Die Agentur arbeitete auch f&amp;uuml;r eine &amp;ouml;rtliche Grossb&amp;auml;ckerei die beschlossen hatte jedem Kommunionkind zur Feier des Tages einen Kuchen zu schenken.&lt;br /&gt;
Also jedem im Ort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das waren aber immer noch genug Kinder &amp;amp; Kuchen um ein paar Freunde und mich den gesamten Tag zu besch&amp;auml;ftigen. Wir hatten zusammen die Namen und Stra&amp;szlig;en aufgeteilt, hatten uns Routen &amp;uuml;berlegt und uns Konstruktionen gebaut, mit denen wir jeweils so ca 50 Teighalbkugeln mit Schokogu&amp;szlig; und einem Marzipanherz drauf im Auto transportieren konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So jedenfalls die Theorie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Praxis erg&amp;auml;nzte diesen sch&amp;ouml;nen Plan mit folgenden Details:&lt;br /&gt;
Es war warm. Zu warm f&amp;uuml;r die Jahreszeit und erst recht zu warm, um Schokogu&amp;szlig; ungesch&amp;uuml;tzt im Auto zu transportieren. Die Kuchen bekamen einen feuchten Glanz und mein Auto roch wie das Schokoladenmuseum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Mendener Familien nicht zu &amp;uuml;berlasten hatten sich die Kirchengemeinden darauf geeinigt, die Feierlichkeiten auf den wei&amp;szlig;en Sonntag selbst und den darauffolgenden Sonntag zu verteilen - die H&amp;auml;lfte der Gemeinden am einen, die andere am anderen Sonntag. Unsere Listen waren leider nicht nach Gemeinden sortiert und so klingelten wir an jeder T&amp;uuml;r und mu&amp;szlig;ten erst einmal fragen, ob den heute hier &amp;uuml;berhaupt gefeiert werden w&amp;uuml;rde, denn wenn ja, ja dann h&amp;auml;tten wir da eine kleine Aufmerksamkeit ...&lt;br /&gt;
Sehr peinlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;Uuml;berhaupt reagieren Familien an so einem Familienfeiertag manchmal gar nicht so erfreut auf so eine kleine Aufmerksamkeit. Jedenfalls nicht, wenn man w&amp;auml;hrend des Essens, w&amp;auml;hrend der Geschenke&amp;uuml;bergabe, w&amp;auml;hrend des Eintreffens der bayrischen Verwandtschaft die man ja nur einmal im Jahr sieht, w&amp;auml;hrend des gemeinsamen Schnapses nach dem Essen, w&amp;auml;hrend der Vorbereitung zur Andacht oder w&amp;auml;hrend des Kaffeetrinkens nach der Andacht st&amp;ouml;rt. Dazwischen gehts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass meine damalige Freundin zwar begeistert bei der Sache dabei war, aber leider beim zweiten Haushalt f&amp;uuml;r sich entschied, dass sie nicht mehr klingeln w&amp;uuml;rde (zu peinlich), war eigentlich nur noch das I-T&amp;uuml;pfelchen.&lt;br /&gt;
So &amp;auml;hnlich wie die Tatsache, dass sie meinen Passat nicht fahren konnte (zu gro&amp;szlig;) und sie sich so den Rest des Tages auf dem Beifahrersitz langweilte (zu &amp;ouml;de) auch.&lt;br /&gt;
Oder dass ihr von Schokolade und deren Geruch leicht &amp;uuml;bel wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den letzten der &amp;uuml;briggebliebenen und eingefrorenen Kuchen haben wir im Freundeskreis &amp;uuml;brigens zu Nikolaus gegessen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T12:49:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2258/">
    <title>Porno Galore</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2258/</link>
    <description>Es gibt viele Dinge im unserem Leben, die nimmt man einfach so als gegeben hin, ohne sich Gedanken dar&amp;uuml;ber zu machen, was f&amp;uuml;r eine Arbeit dahinter steckt. Gerade im Textbereich. Irgendjemand muss ja die Gebrauchsanleitungen schreiben, oder die Hinweise, wie man man den Fahrkartenautomaten bedient. Oder was genau in dieser Fertigsauce f&amp;uuml;r 59 Cent drinsteckt und wie sie schmeckt. So einen Job hab ich auch mal gemacht. Ich habe wichtige Informationen zusammen getragen, mir Filme dazu angesehen, Verlagsprogramme studiert um schlie&amp;szlig;lich alles in wenigen Zeilen so genau und verkaufsf&amp;ouml;rdend zusammenzustellen, dass der Verbraucher erheitert und gut informiert das zu erwerbende Produkt leichten Herzens erwerben w&amp;uuml;rde. Ich hab die Kurzinhalte auf Pornofilmverpackungen geschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also zumindest auf denen, die es in der Videothek gab, f&amp;uuml;r die ich gearbeitet habe. Denn eigentlich hat die Porno-Industrie ihre Kunden schon sehr gut verstanden. Es geht nicht so wirklich um das Lesen, es geht halt ums ficken. Und da ist der Endkunde nicht sehr w&amp;auml;hlerisch, was die Verpackungspr&amp;auml;sentation angeht. Er will Bilder sehen und davon m&amp;ouml;glichst viele. Dem Besitzer der kleinen Videothekenkette in K&amp;ouml;ln mit drei Filialen sah in dieser Einstellung einen gro&amp;szlig;en Fehler der Industrie. &quot;D&amp;auml; Leut&apos; wollen jo wisse wat se leihen. Bildschen kann ja jeder.&quot; Der Mann war ein richtiger K&amp;ouml;lner. Nicht besonders gro&amp;szlig;, stark behaart, Kugelbauch, Goldkettchen, Siegelring, nicht mehr allzu viele Haare. Seine L&amp;auml;den hatten vorne den &amp;uuml;blichen Bereich mit den Hollywoodfilmen, aber der 120qm gro&amp;szlig;e Keller bestand nur aus Pornos aus allen Herren L&amp;auml;ndern und f&amp;uuml;r jeden erdenklichen Wunsch. Rund 500 Filme hatte er st&amp;auml;ndig im wechselnden Angebot und damit machte er knapp 70% seines Umsatzes, wie er mir mal verriet. Deswegen wechselte er die Filme auch st&amp;auml;ndig aus, denn &quot;...d&amp;auml; Kunden sin do w&amp;auml;hlerisch und gucken nix zweimal.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war damals, wie sollte es auch anders sein, knapp bei Kasse, versuchte im Journalismus Fuss zu fassen, in dem ich f&amp;uuml;r Fanzines und kleine Magazine Film,- Musik- und Konzertkritiker verfasste. Im &quot;K&amp;ouml;lner Stadtanzeiger&quot; entdecke ich dann eine Anzeige, die ungef&amp;auml;hr lautete: &quot;Freier Journalist f&amp;uuml;r neues Filmmagazin gesucht.&quot; Ah! Endlich eine Chance meine au&amp;szlig;erordentlich guten, fein geschriebenen und absolut treffenden Filmkritiken an den Mann zu bringen. Es w&amp;uuml;rde sicher nicht lange dauern, bis ich im erlauchten Kreis deutscher Kinokritiker eine f&amp;uuml;hrende Rolle spielen w&amp;uuml;rde, so viel war klar. Eine Stunde sp&amp;auml;ter hatte ich dann die drei Stufen der Erkenntnis durchlebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Hoffnung&lt;br /&gt;
- Entt&amp;auml;uschung&lt;br /&gt;
- Irgendwie muss die Butter ja aufs Brot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ging nicht im ein richtiges Magazin, sondern um ein Faltbl&amp;auml;ttchen f&amp;uuml;r eine Videothek. Es ging nicht um tolle Kritiken, sondern um Inhaltangaben. Daf&amp;uuml;r g&amp;auml;be es Geld (wenig) und ich k&amp;ouml;nne mir alle Filme aus seiner Videothek umsonst ansehen. Ich solle doch mal vorbei kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am n&amp;auml;chsten Tag stand ich vor dem dunklen Eingang der kleinen Videothek in K&amp;ouml;ln-S&amp;uuml;lz zog nerv&amp;ouml;s an meiner Zigarette und versuchte motiviert zu sein. Immerhin ein Anfang, dachte ich, und ging rein. Der Besitzer bot mir einen bitteren Kaffee und eine HB an, dann kam er gleich zu Sache. Er erl&amp;auml;uterte seine Gesch&amp;auml;ftsmodell und die Idee seine Kunden besser zu informieren. Er wolle ein Magazin heraus bringen in dem er seine Kunden &amp;uuml;ber die Neuerscheinungen informieren w&amp;uuml;rde. Dort sollten nur die wichtigsten Inhaltsangaben stehen, die Daststeller, die L&amp;auml;nge des Films und eine Bewertung. Das kann man machen, meinte ich, aber es gibt doch schon Video-Magazine, die sich mit den Neuerscheinungen besch&amp;auml;ftigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Jo,&quot; sagte er und blinzelte mich vorsichtig an, &quot;aber nisch f&amp;uuml;r Sex-Filmchen.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;F&amp;uuml;r Pornos?&quot; antwortete ich einigerma&amp;szlig;en &amp;uuml;berrascht&lt;br /&gt;
&quot;Jo.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Idee war folgende: Monat f&amp;uuml;r Monat kamen neue Filme auf den Markt, aber es gab kein Medium, wo man sich &amp;uuml;ber die neuen Filme informieren k&amp;ouml;nne (Internet gab es damals noch nicht, liebe Teenager). Auf den Filmen stand auch nie was drauf und viele seiner Kunden h&amp;auml;tten sich schon oft beschwert, dass sie bei der Auswahl eines Filmes ins...&amp;auml;hm...Klo gegriffen h&amp;auml;tten. Da lag es doch nahe, die Filme schnell vor dem Verleih zu sichten, ein Inhaltsangabe zu schreiben und so weiter. Da h&amp;auml;tten die Kunden einen Anhaltspunkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Inhaltsangabe???&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Jo. Ich hab mir das so gedacht: Man macht so eine Ankreuzliste &apos;Bumsen&apos;, &quot;Blasen&apos;, &apos;Anal&apos;, &apos;Lesben&apos;, &apos;Gruppensex&apos; und so weiter. Und dann noch vielleicht, wie oft das vor kommt. Dann die Darsteller, die sind n&amp;auml;mlich teilweise sehr ber&amp;uuml;hmt, und noch ein paar Worte dazu. Aber nich&apos; zu kritisch.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich soll Pornos kritisieren?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Jo. Ich zahl sieben Mark die Stunde! Und Du kannst alle Filme mit nach Hause nehmen, die Du sehen willst. Ich hab hier auch Kunst.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Tage sp&amp;auml;ter sa&amp;szlig; ich in einem Kabuff in der Videothek. Vor mir ein riesiger steinalter Grundig Fernseher, der verd&amp;auml;chtig knackte, einem Videorekorder einer Schreibmaschine, einem Stapel vorgedruckter &quot;Kritik&quot; Formularen mit vielen K&amp;auml;stchen und ca. 25 Pornos. Zu jedem Porno musste ich den Verleiher, den Titel und die Darsteller aufschreiben, dann kam die Arbeit. Erster Pornofilm rein. Anschauen. Gut, das war nicht der erste Porno, den ich in meinem Leben gesehen hatte. Aber man sieht normalerweise ja vielleicht mal einen, oder zappt sich im Hoteltzimmer auf Firmenkosten duch die beiden anderen, die da noch angeboten werden. Aber 25? An einem Tag? Es war klar, dass musste ich anders angehen. Also flugs die Vorspultaste gedr&amp;uuml;ckt und das ganze im Zeitraffer angesehen. So dauerte ein Film dann nur noch eine Viertelstunde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings artete die Arbeitsweise richtiggehend in Stress aus, denn der Auftraggeber wollte nicht nur wissen, welche Praktiken im Film vorkamen, sondern auch wie oft. Also sa&amp;szlig; ich da, schaute angestrengt in den Fernseher und f&amp;uuml;hrte eine Liste, die dann am Ende meist so aussah&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blasen |||||||||&lt;br /&gt;
Normaler Sex ||||||||||&lt;br /&gt;
Anal |||&lt;br /&gt;
Sichtbarer Orgasmus ||||||||&lt;br /&gt;
Zwei ||||&lt;br /&gt;
Dreier o. mehr |&lt;br /&gt;
Lesben |&lt;br /&gt;
Sonstiges ||||&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonstiges meinte halt... sonstiges. Was sich die Industrie, und die Lust der Menschen mal was anderes zu machen, eben so einfallen lie&amp;szlig;. Und so sa&amp;szlig; ich da einen ganzen Tag. Einen Film nach den anderen durchjagend und nat&amp;uuml;rlich zur&amp;uuml;ckspulend, kostet ja sonst eine Mark. Nach f&amp;uuml;nf Filmen war ich v&amp;ouml;llig abgestumpft und z&amp;auml;hlte monoton laut die H&amp;ouml;hepunkte des Films mit, damit ich auf meiner Strichliste ja nicht durcheinander komme. Das schnelle Vorspulen hatte nur zeitweise den Vorteil, dass die Filme alle aussahen wie Slapstickfilm aus den 20er Jahren. Die Geschwindigkeit war anstrengend, die springenden Bildern die ich aus einem Abstand von nicht mal einem Meter sah, machten Kopfschmerzen. Am Ende des Tages hatte ich gef&amp;uuml;hlte 346 blondierte, dickbr&amp;uuml;stige, schlecht geschminkte Frauen beobachtet, kannte alle Geheimnisse von Teresa Orlowski (jedenfalls die sichtbaren), hatte &quot;Junge Teenies hart gefickt&quot; Vol.1 bis 4 gesehen, hatte Str&amp;ouml;me von Sperma gesehen und zeitweise den merkw&amp;uuml;rdigsten Dialogen der Pornofilmgeschichte gelauscht. Und Sachen wie diese geschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;&apos;Hausfrauen, flei&amp;szlig;ig flach gelegt&apos; erz&amp;auml;hlt die Geschichte von Manuela, die von ihrem Ehemann vernachl&amp;auml;ssigt wird. Das &amp;auml;ndert sich, als der h&amp;uuml;bsche Markus ihr Nachbar wird und die beiden sich zuf&amp;auml;llig im Keller treffen. Er zeigt Manuela, was ein richtiger Sex ist und sie kann nicht mehr genug bekommen. Gottseidank gibt es da noch andere Nachbarn und den geilen Tankwart Peter mit seinem Riesenschwanz. Einen hei&amp;szlig;eren Film hat man selten gesehen. Manuela wird von allen Seiten genomme und die Lust sprudelt nur so aus dem Bildschirm.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In &quot;Anale Grande in Italia&quot; erlebt die geile Ramona auf einem Sch&amp;uuml;leraustausch die wildesten Dinge. Kaum angekommen lernt sie Giorgio kennen, der ihr zeigt, was die Italiener unter einer hei&amp;szlig;en Nacht am Strand verstehen. Aber auch Luigi hat es ihr angetan und er besorgt es ihr durch den Hintereingang. Daf&amp;uuml;r zeigt sie zusammen mit ihrer Freundin Monika, was die beiden in den kalten N&amp;auml;chten in Deutschland gelernt hat. Ein harter Streifen, voll mit geilem Sex und wilden N&amp;auml;chten in Italien.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends fiel ich dann ersch&amp;ouml;pft ins Bett in tr&amp;auml;umte von Sex im Zeitraffer. Dem Videothekar gefiel es. Drei Monate wanderte ich einmal pro Woche in die Kammer, schaute mal zehn, mal 20 Pornos, z&amp;auml;hlte, bewertete und schrieb schreckliche Texte, bei denen mir die Finger bluteten. Dann war Schluss. Nicht weil ich aufgegeben hatte, sondern weil der Inhaber feststellt, dass seine Kunden &amp;uuml;berhaupt kein Interesse daran hatten schon vorher das Ende des Films zu kennen. &lt;br /&gt;

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    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T12:42:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2256/">
    <title>Spiel&apos;n Se doch mal Sinatra</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0405/stories/2256/</link>
    <description>Wer Musik gegen Geld macht, der hat&amp;#8217;s n&amp;ouml;tig &amp;#8211; diesen Satz hatte mir ein &amp;auml;lterer, eher idealistisch eingestellter Pianistenkollege mit auf den Weg gegeben, als ich gerade mit meiner Klavierfibel durch war. Musik, wollte er damit sagen, kannst du mit Kohle nicht aufwiegen (er spielte damals haupts&amp;auml;chlich Liszt, sp&amp;auml;tabends und alleine). &lt;br /&gt;
Als ich &amp;uuml;ber &quot;F&amp;uuml;r Elise&quot; hinaus war, gefiel mir der Satz aber besser so, wie er ihn gesagt hatte. W&amp;ouml;rtlich. Weil ich dann, falls mein Gewissen Bedenken anmeldet, entgegnen k&amp;ouml;nnte: Dann mal los.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeldet hat sich mein Gewissen nie. Im Gegenteil, uns beiden gefiel die Idee ziemlich gut, f&amp;uuml;r ein paar Stunden an einem, nun ja, verlebten Wirtshausklavier zu sitzen, zu spielen - also: Spa&amp;szlig; zu haben - und damit auch noch ein paar Mark zu verdienen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim ersten Mal, an einem Sonntagabend, war Schuhbeck da. Besser gesagt: ich seinetwegen. Er kochte, ich unterhielt beim Essen, er stand im Vordergrund, ich sa&amp;szlig; dahinter. Ran durften wir abwechselnd: Ich spielte ein paar Takte aus &quot;Cabaret&quot;, er erz&amp;auml;hlte, wie er gleich aus ein paar Schwammerl ein So&amp;szlig;erl kreiert, w&amp;auml;hrend er das tat, improvisierte ich Boogie Woogie, dann sprach wieder er, dann spielte wieder ich, hin und her, am Ende des Abends sch&amp;uuml;ttelten wir uns die H&amp;auml;nde, dann verdr&amp;uuml;ckte ich ein Schnitzel und fuhr nach Hause, am n&amp;auml;chsten Morgen stand eine Lateinklausur an. Ich durfte wiederkommen. Immer sonntags, sofern da nicht Brunch ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Einstieg spielte ich meistens einen langsamen Walzer &amp;#8211; damit kannst du dich sch&amp;ouml;n unauff&amp;auml;llig in den Hintergrund schleichen, ohne dass gleich jemand ausruft, Aha, der Pianist,  spiel&apos;n Se doch mal Sinatra, k&amp;ouml;nnen Sie doch, oder? Keine Frage, dass ich diesen Satz trotzdem regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig zu h&amp;ouml;ren kriegte, einmal pro Nachmittag mindestens. Auch immer wieder gerne genommen: As Time goes by. Die Schicksalsmelodie. Und: In the Mood. Alles kein Ding &amp;#8211; ich h&amp;auml;tte, w&amp;auml;re ich gebeten worden, sogar den Bratmaxe-Song gespielt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsame Walzer gingen &amp;uuml;berhaupt gut. Weil du da immer noch eine weitere Wiederholung spielen kannst, ohne dass es langweilt. Mal schnell, dann wieder langsamer, vielleicht alles ein paar T&amp;ouml;ne h&amp;ouml;her &amp;#8211; und nat&amp;uuml;rlich mit langem Intro. Was du eben so machst, wenn du f&amp;uuml;r drei Stunden gebucht bist, dein Repertoire aber nur zwei Stunden hergibt. Egal, ein guter Boogie darf schon mal ein Viertelst&amp;uuml;ndchen dauern, fand ich, zuz&amp;uuml;glich Applaus wegen der halsbrecherischen Improvisationen. Das kam vor. Trinkgeld? Bitte einfach oben auf den Resonanzkasten. Kam auch vor, dass mir jemand ein Bier hinstellen lie&amp;szlig;, &quot;Gebt dem Mann am Klavier&amp;#8230;&quot; und so weiter, kennt jeder, habe ich gemerkt. Danke, signalisierte ich dann l&amp;auml;chelnd in Richtung des winkenden Spenders, und lie&amp;szlig; es stehen. Ein Bier, zehn Finger und 88 Tasten vertragen sich bei mir nicht wirklich gut. So breit sind die Tasten ja auch wieder nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meistens aber wurde ich einfach in Ruhe gelassen. Ich kam, sa&amp;szlig; und spielte, trank zwei doppelte Espressi, ging irgendwann pinkeln, spielte weiter. Drei Stunden sind viel Zeit zum Nachdenken &amp;#8211; und wenn du nicht gerade von As-Moll nach Fis-Dur modulieren musst, kannst du das sehr ausgiebig tun. Ausgangspunkt: meist eine Textzeile des Liedes, das ich gerade spielte (dann wurde es sehr schnell melancholisch). Oder die Duftschwaden eines Gerichts, das am Tisch hinter dir gegessen wird (einen Schweinsbraten mit einem Schwammerl-So&amp;szlig;erl essen manche Leute ja auch zur Kaffeezeit). Oder auch ganz andere Sachen. Dass Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e im Vergleich zu Virtuosit&amp;auml;t keine Rolle spielt, dass aber die Frage, wie lange du durchh&amp;auml;lst, noch wichtiger ist. Dass komplexe Improvisationen meistens eher mittelm&amp;auml;&amp;szlig;ig ankommen, die simple Anf&amp;auml;nger-Bearbeitung von Memory aus Cats aber immer einschl&amp;auml;gt. Und dass du, wenn du fertig bist und merkst, du wirst nicht mehr gebraucht, am besten austrinkst und gehst. Weil du dann am ehesten wiederkommen darfst. Au&amp;szlig;er es ist dann Brunch.  </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-17T12:33:00Z</dc:date>
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