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    <title>mindestenshaltbar 0404 (April Musik)</title>
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    <description>April Musik</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:date>2008-04-19T12:59:57Z</dc:date>
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    <title>mindestenshaltbar 0404</title>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2245/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2245/</link>
    <description>Zum zweiten Mal wagen wir die Kombination von Musik und Literatur. Nachdem die erste Ausgabe im &lt;a href=&quot;http://www.mindestenshaltbar.net/0311&quot;&gt;November&lt;/a&gt; sehr viel und vor allem sehr positive Reaktionen hervorgerufen hat, war klar, dass wir das Experiment wiederholen w&amp;uuml;rden. Und so gibt es in dieser Ausgabe kein festes Thema. Den Autoren wurde freie Hand gelassen, sie mussten nur zu ihren Texten ein passendes St&amp;uuml;ck Musik aussuchen, das unter einer CC-Lizenz steht. Die Kombination der Texte mit der Musik ist teilweise atemberaubend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang April ging dann auch die Lesung von &quot;mindestenhaltbar&quot; in Berlin &amp;uuml;ber die B&amp;uuml;hne. Unsere Gastgeber im &lt;a href=&quot;http://www.ori-berlin.de/&quot;&gt;Ori&lt;/a&gt; waren so freundlich, die gesamte Lesung aufzuzeichnen. So k&amp;ouml;nnen wir jenen, die leider nicht da waren (ihr habt echt was verpasst) die Lesung zumindest als mp3 Datei zum Download anbieten. Die gesamte Lesung findet sich hinter den folgenden Links&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.mindestenshaltbar.net/static/podcast/files/mh_lesung1.zip&quot;&gt;Teil Eins&lt;/a&gt; (zip File, 25 MB)&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.mindestenshaltbar.net/static/podcast/files/mh_lesung2.zip&quot;&gt;Teil Zwei&lt;/a&gt; (zip File, 15 MB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im n&amp;auml;chsten Herbst wird es auf jeden Fall eine weitere Lesung in Berlin geben!</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:57:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2244/">
    <title>Editorial</title> 
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    <description>Zum zweiten Mal wagen wir die Kombination von Musik und Literatur. Nachdem die erste Ausgabe im &lt;a href=&quot;http://www.mindestenshaltbar.net/0311&quot;&gt;November&lt;/a&gt; sehr viel und vor allem sehr positive Reaktionen hervorgerufen hat, war klar, dass wir das Experiment wiederholen w&amp;uuml;rden. Und so gibt es in dieser Ausgabe kein festes Thema. Den Autoren wurde freie Hand gelassen, sie mussten nur zu ihren Texten ein passendes St&amp;uuml;ck Musik aussuchen, das unter einer CC-Lizenz steht. Die Kombination der Texte mit der Musik ist teilweise atemberaubend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang April ging dann auch die Lesung von &quot;mindestenhaltbar&quot; in Berlin &amp;uuml;ber die B&amp;uuml;hne. Unsere Gastgeber im &lt;a href=&quot;http://www.ori-berlin.de/&quot;&gt;Ori&lt;/a&gt; waren so freundlich, die gesamte Lesung aufzuzeichnen. So k&amp;ouml;nnen wir jenen, die leider nicht da waren (ihr habt echt was verpasst) die Lesung zumindest als mp3 Datei zum Download anbieten. Die gesamte Lesung findet sich hinter den folgenden Links&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.mindestenshaltbar.net/static/podcast/files/mh_lesung1.zip&quot;&gt;Teil Eins&lt;/a&gt; (zip File, 25 MB)&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.mindestenshaltbar.net/static/podcast/files/mh_lesung2.zip&quot;&gt;Teil Zwei&lt;/a&gt; (zip File, 15 MB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im n&amp;auml;chsten Herbst wird es auf jeden Fall eine weitere Lesung in Berlin geben!</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:57:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2243/">
    <title>Die Narr-Narration</title> 
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    <description>Ich h&amp;auml;tt dann noch zwei Fragen, sagte Till und ich dachte mir im Stillen, dass es besser w&amp;auml;re, wenn er endlich die Fresse hielte. Darf ich bleiben, wenn Du gehst? Einen Augenblick lang wollte ich mich entr&amp;uuml;sten, war dann aber doch bis dahin schon reichlich genervt davon, dass er mir bisher &amp;uuml;berall hin gefolgt war und lie&amp;szlig; ihn mit einem Nicken stehen, als die gro&amp;szlig;en T&amp;uuml;ren hinter die W&amp;auml;nde gerollt wurden und die Massen mit ihren Kaffeebechern in der Hand und den St&amp;ouml;pseln im Ohr auf das orangefarbene Boot zustr&amp;ouml;mten, welches sich alsbald in Bewegung setzte.&lt;br /&gt;
Die Stadt wurde kleiner, immer kleiner, eine Postkartenansicht. Jetzt sah sie wieder aus, wie ich sie bisher gekannt hatte, jetzt konnte ich sie getrost in meiner Erinnerung versenken. Die einbrechende Dunkelheit sollte mir dabei helfen. Als wir das gro&amp;szlig;e Leuchtfeuer passierten, hatte ich abgeschlossen mit allem.&lt;br /&gt;
Nur eine Aufgabe blieb, ich suchte Marie. Die wollte ich noch treffen, bevor ich mich verga&amp;szlig;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So begann ich, das Boot zu begehen. Ich schaute mir unz&amp;auml;hlige Frauen an. Ich fragte einige nach ihren Beweggr&amp;uuml;nden hier zu sein. Ich fragte andere, ob sie vielleicht etwas w&amp;uuml;ssten.&lt;br /&gt;
Am anderen Ende des Mitteldecks (hier befanden sich die Ein- und Ausg&amp;auml;nge, die in den H&amp;auml;fen mit den Landungsbr&amp;uuml;cken zusammenkamen), am anderen Ende des Mitteldecks also traf ich die Einbuchleserin. Sie sa&amp;szlig; dort auf einer der harten gr&amp;uuml;nen Plastikb&amp;auml;nke und um sie herum war viel Platz und ich wollte mich kurz setzen, bevor ich die Konsequenzen zog. Das Buch, das die Einbuchleserin las, war alt, zerfleddert und zerlesen. Ich muss es angestarrt haben, was sie anstachelte, sich zu rechtfertigen.&lt;br /&gt;
Ich lese nur dieses eine Buch. Tagein, tagaus. Weil ich nicht vergessen kann. Aber dann kennen sie es doch schon auswendig? Nur so kommt wenig hinzu, was ich mir merken m&amp;uuml;sste, antwortete sie. Eine &amp;uuml;berzeugende Strategie, wie ich fand. Ich allerdings wollte erinnert werden. Wenn ich weg bin, werdet ihr schon merken, was ihr an mir hattet. Schmerzen soll euch die Erinnerung, wenn sie verblasst, dachte ich. Sie l&amp;auml;chelte sanft und ich bekam ein schlechtes Gewissen. Sie wird mein Bild behalten. F&amp;uuml;r immer. Ich hatte nur ein weiteres Fragment zu meiner Zettelwirtschaft namens Wahrnehmung hinzubekommen. Nur brachte dieses Fragment, das fragile Haus Ged&amp;auml;chtnis nicht zum Einst&amp;uuml;rzen, es f&amp;uuml;llte eine L&amp;uuml;cke im Gem&amp;auml;uer. Einer vagen Verunsicherung ausweichend, verabschiedete ich mich hastig von der Einbuchleserin.&lt;br /&gt;
Dann traf ich Lynn. Lynn war nicht Marie. Lynn war alt und schwarz, sehr schwarz. Woher ich komme, fragte sie, sichtlich erfreut, meine Bekanntschaft zu machen. Oh, aus Deutschland, welch ein Zufall. Ihre Urgro&amp;szlig;mutter sei auch aus Deutschland, aus der N&amp;auml;he von D&amp;uuml;sseldorf gekommen, sie habe noch ein Foto von ihr irgendwo zuhause. Leider spreche sie kein deutsch. Au&amp;szlig;er &quot;Wie geht&apos;s&quot;. Und &quot;Guten Morgen&quot;. Doch jetzt ist es Nacht. Ich sagte Lynn, dass ich auf der Suche nach einer alten Bekannten sei (kannte Marie mich?) und dass es mir sehr leid tue, unser Gespr&amp;auml;ch zu unterbrechen, aber sie habe sicher Verst&amp;auml;ndnis und das hatte sie und wir verabschiedeten uns freundlichst und w&amp;uuml;nschten uns alles Gute und ich ging zur Treppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz unten im Bauch des Bootes lag ein grauer Herr auf der M&amp;auml;nnertoilette und kotzte sich die Seele aus dem Leib und auf den Kittel.&lt;br /&gt;
Zwei Mannesl&amp;auml;ngen entfernt standen Uwe und Robert. Uwe trug eine riesige Hornbrille unter der Glatze und nur noch schief auf der Nase, er hatte eine Pfeife in den Mundwinkel geklemmt und lallte einigerma&amp;szlig;en betrunken, wie sehr er sich freue, dass ich mich in seiner Welt so wohl f&amp;uuml;hren w&amp;uuml;rde. Was tat ich? Er sprach mit dem grauen Herrn, oder? Der fand sein Wohlbefinden eindeutig zum Kotzen und ich konnte bei meinen Pl&amp;auml;nen auf mein Wohl gut verzichten. Doch je l&amp;auml;nger wir &amp;uuml;ber die sanft rollende See fuhren, je eindeutiger f&amp;uuml;hlte ich mich. Ich versp&amp;uuml;rte Hunger, fand etwas in der Manteltasche und a&amp;szlig; es.&lt;br /&gt;
Wieder dozierte der betrunkene Autor. Du machst dir meine Welt, wie sie dir gef&amp;auml;llt, du h&amp;ouml;rst meine Geschichte und wenn sie einigerma&amp;szlig;en informativ ist, hast Du sie mir l&amp;auml;ngst geklaut. Geklaut! Genau! Das war Robert. Und der zeigte eindeutig auf mich. Wer immer du bist, du bist ein dreckiger Dieb! Du! Hast mir! Meinen Rausch geklaut!&lt;br /&gt;
Ich sp&amp;uuml;rte einen stechenden Schmerz an der vorderen Hirnrinde. Entfernt erinnerte er mich an das kleine H&amp;auml;mmern in der Stirn, an dessen Ende ich knapp ein Jahr zuvor niedergeschlagen wimmerte: Ich kann nicht mehr. Die Schl&amp;auml;ge waren zu hart und die Stilettos zu spitz. Tragt mich hier weg. Nun aber sp&amp;uuml;rte ich ein Rumoren im Bauch, eine sanfte, aber doch dr&amp;auml;ngende Kolik und unmittelbar war mein K&amp;ouml;rper vollst&amp;auml;ndig entleert. Das war Wohlbefinden. Auf einmal sah ich mich ganz scharf. Ich lief. Das Komische war, ich kannte dieses Wohlbefinden. Ich hatte so etwas schon einmal erlebt, aber wann? Ich rannte &amp;uuml;ber die Decks. Ich rannte in einer gl&amp;uuml;cklichen Motorik, jeder Schritt, jede Bewegung, schien zum Lichtstrahl zu werden, die Erinnerung, die Hoffnung, der Wunsch, die Ideen, sie strahlten durch meine Blutbahn, das Herz pumpte, die Schleimh&amp;auml;ute waren ausgereizt.&lt;br /&gt;
Jetzt konnte ich sie finden. Ich wusste, dass ich es konnte. Ich wollte mich nicht mehr verabschieden, ich wollte alles aufschreiben. Ich wollte kein falsch Zeugnis geben. Ich lief zu ihr. Es war fast schon egal. Und so wurde im Lauf der Entwicklung alles fr&amp;uuml;her Wirkliche unwirklich, es verlor seine Notwendigkeit, sein Existenzrecht, seine Vern&amp;uuml;nftigkeit; an die Stelle des absterbenden Wirklichen trat eine neue, lebensf&amp;auml;hige Wirklichkeit. Sie w&amp;uuml;rde egal werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am hinteren Ende des Oberdecks stand sie. So stellte ich mir Marie vor, die ich zuletzt als Kind kannte, die doch aber l&amp;auml;ngst gro&amp;szlig; geworden war, nicht zuletzt dank all der Schicksalsschl&amp;auml;ge. Sie beobachtete das Treiben an Deck, das Sch&amp;auml;kern, die Bar, die Deko mit den bewegten Bildern, die Kulisse des Jetzt. Sie lachte. Stultifera Navis ist ein Haus, das f&amp;auml;hrt, sagte sie zu mir und lachte dabei. Es mag dein Haus sein, sagte sie. Ein Haus voller Erinnerungsr&amp;auml;ume, voller Sehnsuchtszimmer, dachte ich und: Aber genau dieses Haus wollte ich verlassen, als ich an Deck kam. Du armes Schwein hast aber ein gro&amp;szlig;es Haus, rief einer, der mir &amp;auml;hnlich sah, von der Treppe her und ich dachte, was wei&amp;szlig; denn ich, wie gro&amp;szlig; dieses Haus ist. Dieses Boot jedenfalls hat drei Decks, es fasst 3000 Passagiere. So sieht es doch aus.&lt;br /&gt;
Ich schaute sie an und freute mich und fragte: Wieso bist du hier? Sie sagte: Weil ich hier angefangen habe, weil ich hier jeden Sonntag herkomme. Ich fragte: Bist Du&apos;s, Marie? Sie lachte. Ich bin nicht die, die du suchst, ich bin nicht dein Wunschbild. Lachte sie mich aus? Ich musste meinen Blick von ihr nehmen und wollte nach drau&amp;szlig;en schauen, doch es war dunkel. Ich sah die Projektion auf der Leinwand hinter mir durch das spiegelnde Glas der Fensterscheibe, sah wie sich das liebende P&amp;auml;rchen aus dem 40er-Jahre-Film vermischte mit den Schemen derer, die an der Reling standen und ihre Drinks im Sturm zu sich nahmen.&lt;br /&gt;
Ich hatte nur Plastikfolie gegessen.&lt;br /&gt;
Als ich mich wieder zu ihr drehte, war sie weg. Mein Wohlbefinden aber blieb. Ich stellte mich zu denen, die an der Reling standen. I was one of the fools on the boat, saw the sun going down and the eyes in my head saw the world spinning &apos;round. Ich streckte den Kopf in den Fahrtwind, lie&amp;szlig; die Nebelfetzen an meinen Schl&amp;auml;fen kleine K&amp;auml;lteschmerzschocks produzieren und h&amp;ouml;rte mich und mehr als tausend Stimmen &amp;uuml;bers Deck br&amp;uuml;llen. Aber keiner h&amp;ouml;rte uns oder unsern L&amp;auml;rm, aber das war egal. Es war egal, dass der Kapit&amp;auml;n ein Wendeman&amp;ouml;ver verk&amp;uuml;ndete, es war egal, dass das Schweigen der kleinen Qu&amp;auml;kergruppe im Unterdeck weder ein g&amp;ouml;ttliches Licht noch ein Beben mit sich brachte, es war egal, dass wir zur&amp;uuml;ckruderten, um am Ende zu glauben, es sei nichts passiert. Nur eine fr&amp;ouml;hliche Nacht, an deren Ende uns wieder das feste Land aufnehmen sollte.&lt;br /&gt;
Der Morgen graute, ich war wieder am Ende. Wie sch&amp;ouml;n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
I was very tired and now very merry,&lt;br /&gt;
I had gone forth and back all night on the ferry.&lt;br /&gt;
I hailed, ?Good morrow, mother!? to a shawl-covered head,&lt;br /&gt;
And bought a morning paper, which I didn&apos;t read;&lt;br /&gt;
And she wept, ?God bless you!? for the apples and pears,&lt;br /&gt;
And I gave her all my money but my subway fares.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die gro&amp;szlig;en T&amp;uuml;ren offen waren, z&amp;ouml;gerte ich, hinaus in die Stadt zu treten. Am Ende der Empfangshalle lag Till auf einer Bank, zugedeckt mit seiner Windjacke schlief er hier, als ob er auf etwas wartete. In der Deckung der Masse huschte ich an ihm vorbei und auf dem Weg in einen Tag, den ich nicht erwartet hatte, fragte ich mich, was eigentlich w&amp;auml;re seine zweite Frage gewesen?</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:48:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2242/">
    <title>Sarabande</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2242/</link>
    <description>&quot;Komm n&amp;auml;her.&quot;, fl&amp;uuml;stere ich in den Schatten neben dem Schrank, in die Falten der Vorh&amp;auml;nge und setze mich auf. Schon r&amp;uuml;hrt sich etwas zwischen Balkont&amp;uuml;r und Bett, jemand tanzt in meinen Augenwinkeln ein paar Schritte &amp;uuml;ber die Dielen und singt ganze und halbe Takte mit schwankender, trunkener Stimme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Du kannst doch gar nicht singen.&quot;, lache ich ihn aus und greife nach seiner Hand. &quot;Tanz mit mir&quot;, singt er, dreht mich um die eigene Achse und zieht mich an seine Brust, wo es nach Zimt riecht, nach Pfeffer und Zedern, und er dreht mich immer schneller, mit sicherem Griff um die eigene Achse, dreht mich wieder aus, und seine Hand wird w&amp;auml;rmer auf meinem R&amp;uuml;cken. &quot;Du atmest ja wieder.&quot;, fl&amp;uuml;stere ich ihm zu, und lasse Nina Simone lauter singen, black is the color of my true love&apos;s hair. Sicher und fest setzt er seine F&amp;uuml;&amp;szlig;e auf meine Dielen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Bist du es auch?&quot;, frage ich ihn und fahre ihm zweifelnd durch das Haar und &amp;uuml;ber die rissigen Lippen. Er lacht mich aus, dreht mich schneller, wirft mich heftiger &amp;uuml;ber den Boden, und seine F&amp;uuml;&amp;szlig;e sto&amp;szlig;en das Holz, als wolle er L&amp;ouml;cher in die Dielen treten. Seine rechte Hand greift kraftvoll um meinen Nacken, meinen Hals, und mit dem Zeigefinger tastet er den Kehlkopf ab und die Sehnen, die den Kopf halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Komm n&amp;auml;her.&quot;, bitte ich ihn, und er gr&amp;auml;bt seine Finger tief in meine weichen Seiten. &quot;Komm n&amp;auml;her.&quot;, bettele ich, und er f&amp;auml;hrt mir mit seinen N&amp;auml;geln durch die Haut und greift mir ins blutige Fleisch, bis ich schreie. &quot;Sp&amp;uuml;rst du mich?&quot;, fragt er und schiebt seinen kleinen Finger in meine Adern, dass das Blut an den Seiten brennend &amp;uuml;ber seine H&amp;auml;nde l&amp;auml;uft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rauh leckt er mir &amp;uuml;ber die Lider, bis es dunkel wird, Purpur und Schwarz. &quot;Noch n&amp;auml;her?&quot;, fragt er, und streicht durch das klaffende Fleisch den Knochen entlang, und ich nicke. Lauter wird das Rei&amp;szlig;en an meiner Haut, schmatzend l&amp;ouml;st sich das Fleisch von meinen Knochen, und am Ende wird er meine Haut in den Wind h&amp;auml;ngen, der durch die B&amp;auml;ume streicht, und allein weitertanzen, die ganze Nacht und sp&amp;auml;ter, irgendwann, wenn es mich nichts mehr angehen wird, in aller Helligkeit des Morgens.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:41:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2241/">
    <title>Die Freundliche</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2241/</link>
    <description>&lt;p&gt;Meine Montagmorgenfahrt nach Hamburg l&amp;auml;uft immer nach dem gleichen Muster ab. Am Ostkreuz einsteigen in den 2. Wagen der S-Bahn, dann bin ich im Hauptbahnhof direkt an der Rolltreppe. Da der Bahnhof komplett rauchfrei ist, geht es Erstes raus aus dem Nordeingang zum Europaplatz, um den Nikotinpegel noch einmal aufzuf&amp;uuml;llen vor den zigarettenlosen zwei Stunden. Direkt vor der Anfahrt hat sich dort ein schm&amp;auml;chtiger Mann aufgebaut, einen Tapetentisch vor sich, und verkauft Zeitungen. Wetterfest gekleidet mit dickem Anorak und Baseballkappe steht er da und blickt sehr fr&amp;ouml;hlich in die Welt. Wenn es sein muss, dirigiert er schon mal die Taxis oder weist Leuten, die eine Fahrgelegenheit suchen, den richtigen Weg oder h&amp;auml;lt einen Plausch mit den Leuten vom DB-Wachdienst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Vor einigen Wochen habe ich mich dann spontan entschlossen, ein Berliner Zeitung zu kaufen f&amp;uuml;r die Fahrt. 80 Cent, das Wechselgeld kommt aus einem antik wirkenden Wechselgeldbeh&amp;auml;lter vor dem Bauch, aus dem er die 20 Cent knipst, ein Beh&amp;auml;lter wie ihn fr&amp;uuml;her die Stra&amp;szlig;enbahnschaffner hatten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Irgendwann stand ich dann da, rauchte meine Zigarette und dachte, ich k&amp;ouml;nne ja schon einmal mein Wechselgeld abz&amp;auml;hlen f&amp;uuml;r den Kauf. Er beobachtet das mit seinem wachen Blick, greift sich die Zeitung und schie&amp;szlig;t auf mich zu mit einem breiten L&amp;auml;cheln, ganz unbeeinflusst von seinem schadhaften Gebiss, mit blitzenden Augen, aus denen der Stolz spricht, sich an mich und meine Gewohnheiten erinnert zu haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Seitdem kommt er immer gleich an, wenn ich aus der T&amp;uuml;r trete, Zeitung in der Hand und l&amp;auml;chelt mich an. Ich bin schon gespannt, ob er mich auch erkennt, wenn ich meine signalrote Sp&amp;auml;twinterjacke nicht mehr an habe.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;2. Die Seite des Kampfes&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Heute morgen hatte ich Zeit, nach einem Termin, der schneller vorbei war als gedacht, war ich fr&amp;uuml;her am Hauptbahnhof und entschloss mich, noch einmal durch das Geb&amp;auml;ude zu bummeln. Ich finde, ja, all die Gesch&amp;auml;fte haben wenig Zuspruch, auch die Gleise, besonders unten, sind nur wenig ausgelastet, da ist noch viel Kapazit&amp;auml;t drin. Wie die Gesch&amp;auml;fte existieren k&amp;ouml;nnen, bleibt mir unklar, aber ich bin ja nur an zwei Tagen in der Woche dort, vielleicht sieht es sonst dort anders aus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nachdem ich heute knapp 10 Euro zum Umsatz beigetragen hatte in Form eines englischen Taschenbuches, sagte ich mir, dass die Zeit noch da war f&amp;uuml;r eine zweite Auff&amp;uuml;llung des Nikotinpegels. Ich bin da komisch, wollte nicht noch einmal zum Zeitungsverk&amp;auml;ufer hinaustreten, muss ja niemand meinen Zigarettenkonsum mitz&amp;auml;hlen k&amp;ouml;nnen. Aber es gibt ja zwei Ausg&amp;auml;nge, also entschloss ich mich, zum S&amp;uuml;den hinauszutreten und den Blick auf die Waschmaschine zu genie&amp;szlig;en, in der das Merkel wahrscheinlich still vor sich hin grinst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Kaum war ich drau&amp;szlig;en, da schienen sie los gelassen. Horden vom schwarzbem&amp;auml;ntelten Schlipstr&amp;auml;gern zogen ihre schwarzen Trolleys mit oben drauf abgestellten Computertaschen hinter sich her und st&amp;uuml;rmen auf den Taxistand zu. Schlange stehen ist in Deutschland keine Gewohnheit, also st&amp;uuml;rzen sich die schwarzen Massen auf die beigen Fahrzeuge. An der Spitze der Schlange steht ein Asiate, vielleicht auch Japaner und wartet geduldig. Alle anderen st&amp;uuml;rmen die Schlange, ab zum sechsten oder siebten Taxi. Die Zufuhr an Taxis ist gro&amp;szlig;, alle Fahrer konzentriert, keinen anderen zu rammen, vor an die Spitze der Schlange, zwischendurch in L&amp;uuml;cken gedr&amp;auml;ngelt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Der Japaner macht einen vorsichtigen Schritt auf ein Taxi zu, das an der Spitze der Schlange zu stehen kommt, er ist aber zu h&amp;ouml;flich. Eigentlich der Erste in der Schlange, dr&amp;auml;ngt ihn ein Businesspaar beiseite und besteigt den Wagen. Irgendwann sind alle Taxis weg, der Japaner steht noch da und wei&amp;szlig;, seinen Kopf sch&amp;uuml;ttelnd, nicht, was hier passiert ist.&lt;/p&gt;</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2240/">
    <title>w&amp;auml;hlen</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2240/</link>
    <description>Er wollte nie ein Handy haben. Auch, wenn ihm alle anderen erkl&amp;auml;rten, dass es nur Vorteile bringen w&amp;uuml;rde UND man k&amp;ouml;nne ja schlie&amp;szlig;lich selbst entscheiden, wann man f&amp;uuml;r andere erreichbar sei.&lt;br /&gt;
Das erkl&amp;auml;rten sie ihm alle. Und konnten dann nicht mal f&amp;uuml;nf Minuten auf den Bus warten, ohne aufs Display zu schauen. &lt;br /&gt;
Mittlerweile telefonierten sie nicht nur damit oder kommunizierten mit kurzen Nachrichten. Sie checkten auch ihre Mails, Blogs und die wichtigsten Internetseiten. &lt;br /&gt;
- Dabei habe ich auch schon mal zwei Busse hintereinander verpasst, grinste einer von ihnen neulich und guckte stolz in die Runde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute Abend h&amp;auml;tte er auch kein Handy gebraucht. Alles hat funktioniert. Mehr als das. Der Veranstalter hat ihn vom Bahnhof abgeholt. Sie waren intuitiv aufeinander zugegangen, hatten sich begr&amp;uuml;&amp;szlig;t. Erst hinterher war ihm aufgefallen, dass der Veranstalter keine gro&amp;szlig;e &amp;Auml;hnlichkeit mit dem Bild auf der Website hatte ? und auch er wurde darauf angesprochen, dass sein Pressefoto wohl etwas &amp;auml;lter war.&lt;br /&gt;
- Wenn nicht, h&amp;auml;ttest du ja meine Handynummer gehabt, hatte der Veranstalter gelacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuerst war er erschlagen. Wie oft finden schon Lesungen in Konzerts&amp;auml;alen statt? Die B&amp;uuml;hne gro&amp;szlig; genug f&amp;uuml;r die typische Besetzung, die Fl&amp;auml;che vor der B&amp;uuml;hne eng genug f&amp;uuml;r ein Moshpit und oben auf der Empore der Platz f&amp;uuml;r die Leute, die sehen wollen, vielleicht br&amp;uuml;llen. &lt;br /&gt;
Die W&amp;auml;nde waren mit einer Tapete beklebt, die in alten englischen Herrenh&amp;auml;usern die B&amp;auml;der mit farbigem Grau zudecken. Die Bar hatte eine Sorte Bier, zwei Sorten Schnaps, Kaffee schwarz und gesalzene, in Fett ger&amp;ouml;stete Erdn&amp;uuml;sse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lief. Es lief wie von selbst. Die ersten Lacher. Die Stories zwischen den Geschichten, heute einfach frei erz&amp;auml;hlt, wie es passte, wie es kam. Wie drei Akkorde f&amp;uuml;r eine schwitzende, schreiende Menge.&lt;br /&gt;
Auch die Balladen, in den Zwischenr&amp;auml;umen. Luft holen, vielleicht eine Zigarette anstecken und dann weiter reichen. Vielleicht dachte der eine oder andere auch an surfen. Sich von der Menge tragen lassen. Und dann. Dann eine kurze Ansage. Und wieder Rock&apos;n&apos;Roll.&lt;br /&gt;
Auch bei dieser Lesung ist niemand von der B&amp;uuml;hne in den Menge gesprungen, kein Stagediving, auch kein Moshpit. Aber es lag da etwas in der Luft. Energie vielleicht. Wut im Bauch, vielleicht. Vielleicht Freude, die springen will, tanzen, schreien. Bis sie platzt. Es lag in der Luft.&lt;br /&gt;
Diese Lesung war n&amp;auml;her an einem Konzert, als manche Konzerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun? Jetzt waren alle weg. Der Hausmeister hatte hinter ihm abgeschlossen. Er war hinaus auf die Stra&amp;szlig;e getreten. In dieser Stadt, in der l&amp;auml;ngst selbst die Tankstellen geschlossen waren, die Jugendlichen durch die Stra&amp;szlig;en zogen, die letzten Bushaltestellen zerlegten und die letzten Telefonzellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses eine Mal w&amp;uuml;nschte er sich ein Handy. Nur, um dieses Gef&amp;uuml;hl im Bauch, das Rauschen im Kopf in Worte packen zu k&amp;ouml;nnen. Und ihr diese Worte geben k&amp;ouml;nnen. Per Telefon. &lt;br /&gt;
Dieses eine Mal w&amp;uuml;nschte er sich, er h&amp;auml;tte ein Handy.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:29:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2239/">
    <title>Herr Ernst</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2239/</link>
    <description>Vielleicht h&amp;auml;tte man es an dem Christbaum merken m&amp;uuml;ssen, der im M&amp;auml;rz immer noch geschm&amp;uuml;ckt auf dem kleinen Balkon stand. Vielleicht h&amp;auml;tte man es einfach daran merken m&amp;uuml;ssen, dass man dem alten Herrn Ernst gar nicht mehr im Treppenhaus begegnete. Aber nach dem Tod seiner Frau im Herbst war er ohnehin immer seltener aus der Wohnung gekommen und sein immer m&amp;uuml;rrisches Wesen machte es einem leicht, ihn nicht zu vermissen. Erst hinterher fragte man sich, ob man nicht etwas h&amp;auml;tte bemerken m&amp;uuml;ssen, fragte sich, warum man denn nicht an ihn gedacht und sich gesorgt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Frau war ganz anders gewesen, das genaue Gegenteil, sehr lebhaft, lebensfroh und kontaktfreudig, jeden sprach sie im Treppenhaus an, sie lauerte den Bewohnern regelrecht auf, um sie in ein Schw&amp;auml;tzchen zu verstricken und oft h&amp;ouml;rte man sie laut und mit sch&amp;ouml;ner Alt-Stimme singen, tags&amp;uuml;ber, wenn ihr Mann nicht zu Hause war. W&amp;auml;hrend er in der Arbeit war, sang sie die alten Schlager aus ihrer Jugend und manchmal musste man sich dann ein Lachen verkneifen, wenn die alte Dame mit tiefer Stimme &quot;Kann denn Liebe S&amp;uuml;nde sein?&quot; oder &quot;Warum soll eine Frau kein Verh&amp;auml;ltnis haben?&quot; tr&amp;auml;llerte. Ihr Mann hatte das gar nicht gern. Auch das Klavierspiel hatte er ihr verboten und ihr Klavier kurz nach der Hochzeit verkauft, denn das Musikmachen war ihm verd&amp;auml;chtig und geh&amp;ouml;rte sich nicht f&amp;uuml;r eine anst&amp;auml;ndige Ehefrau, das war seine Meinung. Deshalb blieb es still, sobald er nach Hause gekommen war, sehr still, kein Gesang, kein Radio, kein Lachen mehr von Frau Ernst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie vermisste ihr Klavier, sie sprach oft davon, wie sie als junges M&amp;auml;dchen Klavierstunden bekommen hatte und trotz ihrer kleinen H&amp;auml;nde sofort Schlager spielen wollte, ohne l&amp;auml;stige Anf&amp;auml;nger- und Finger&amp;uuml;bungen und wie ihr das auch gelungen war. Ihr Klavier hatte ihr Mann ihr genommen, aber ihre Stimme konnte er ihr doch nicht nehmen. Und so sang sie fr&amp;ouml;hlich und trotzig, auch ohne Klavierbegleitung, sobald er nur das Haus verlie&amp;szlig;. Jeden der Hausbewohner packte sie mindestens einmal nach einem Gespr&amp;auml;ch bei der Hand und f&amp;uuml;hrte ihn mit leuchtenden Augen in ihre Wohnung, wo sie stolz wie ein Kind ihren gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Schatz herzeigte: ein original Autogramm von Zarah Leander, ihrem gro&amp;szlig;en Idol, extra f&amp;uuml;r sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man musste sie einfach m&amp;ouml;gen, die Frau Ernst, auch wenn sie einem manchmal geh&amp;ouml;rig auf die Nerven gehen konnte, wenn man es eilig hatte, sie einen aber doch im Gespr&amp;auml;ch festhielt. Ihr Tod kam pl&amp;ouml;tzlich, kurz nachdem ihr Mann in Rente gegangen war, so pl&amp;ouml;tzlich wie sie es sich immer gew&amp;uuml;nscht hatte. Auch ihre Mutter war damals mitten am Tag, im fahrenden Linienbus ganz unvorbereitet zwischen all den Leuten vom Schlag getroffen worden und sofort tot, wie sie erz&amp;auml;hlte, so wolle sie auch sterben, so ohne jede Vorwarnung, ohne Krankheit, ohne Schmerzen. Denn sie, sie sei niemals im Leben krank gewesen, nie, nicht einmal eine Erk&amp;auml;ltung habe sie jemals gehabt und sie k&amp;ouml;nne es sich auch gar nicht vorstellen, auch nicht im Alter, das passe einfach nicht zu ihrer Rossnatur. Dann lieber kerngesund und pl&amp;ouml;tzlich umfallen. Dieser Wunsch war ihr dann tats&amp;auml;chlich erf&amp;uuml;llt worden, aber viel fr&amp;uuml;her, als sie gedacht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn eigentlich freute sie sich sehr auf die Rente ihres Mannes, sie erz&amp;auml;hlte immer wieder begeistert von den Pl&amp;auml;nen, die sie f&amp;uuml;r diese Zeit hatte, sie h&amp;auml;tten ja endlich noch reisen, noch so viel erleben k&amp;ouml;nnen! Ein Leben lang hatte Herr Ernst gearbeitet, von fr&amp;uuml;h bis sp&amp;auml;t, auch f&amp;uuml;r sie, sagte er, f&amp;uuml;r sie, die keine Ausbildung hatte, weil schon ihre Mutter das nach dem Besuch der Hauswirtschaftsschule f&amp;uuml;r ein gutb&amp;uuml;rgerliches M&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig gehalten hatte, obwohl sie gerne etwas h&amp;auml;tte lernen wollen, f&amp;uuml;r sie hatte Herr Ernst gearbeitet, f&amp;uuml;r die es sich seiner Meinung nach auch &amp;uuml;berhaupt nicht ziemte zu arbeiten. Anst&amp;auml;ndige Frauen blieben zu Hause, machten den Haushalt, umsorgten den Ehemann und brachten abends p&amp;uuml;nktlich das Essen auf den Tisch, anst&amp;auml;ndige M&amp;auml;nner sorgten daf&amp;uuml;r f&amp;uuml;r den Lebensunterhalt, so einfach war das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann war es endlich so weit, mit der Rente. Vielleicht ertrug sie es einfach nicht, diesen m&amp;uuml;rrischen Menschen und sein strenges Regiment pl&amp;ouml;tzlich den ganzen Tag zu Hause um sich zu haben, ertrug es nicht, dass er ihr jetzt dauernd sagte, was zu tun war und sie bei jeder Regel&amp;uuml;bertretung ermahnte, dass er jedes Schw&amp;auml;tzchen mit den Nachbarn, die f&amp;uuml;r ihn Unbekannte waren, f&amp;uuml;r &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig hielt und es missbilligte, vielleicht ertrug sie es einfach nicht, dass sie jetzt auch tags&amp;uuml;ber nicht mehr singen durfte. Vielleicht entzog ihr seine reine Anwesenheit die Lebenslust. Jedenfalls lag sie eines Morgens einfach tot neben ihm im Bett, nur wenige Wochen, nachdem er seine Rente angetreten hatte, und an diesem Tag sah man den Herrn Ernst zum ersten und letzten Mal emotional aufgew&amp;uuml;hlt und erregt. Er lief durchs Treppenhaus und klingelte alle Nachbarn aus dem Schlaf, weil er nicht wusste, was er tun solle mit seiner toten Frau, weil er &amp;uuml;berhaupt nicht wusste, was er tun sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Beerdigung von Frau Ernst, an der s&amp;auml;mtliche Hausbewohner teilnahmen, zog Herr Ernst sich zur&amp;uuml;ck und verlie&amp;szlig; die Wohnung nur noch schwarz gekleidet zu seinen seltenen Eink&amp;auml;ufen, sprach mit niemandem, nur den lautgestellten Fernseher h&amp;ouml;rte man ab und zu durch die W&amp;auml;nde. Nie bekam er Besuch, er hatte keine Freunde, seine Frau war wohl die einzige gewesen, die seinen strengen Charakter aushalten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann war es Fr&amp;uuml;hling geworden, die Jahreszeit, in der Frau Ernst sonst Fr&amp;uuml;hlingslieder gesungen und fr&amp;ouml;hlich den sorgf&amp;auml;ltig verteilten Weihnachtsschmuck gegen eine verfr&amp;uuml;hte Osterdekoration ausgetauscht hatte, die Jahreszeit, in der sie jedem, dessen sie im Treppenhaus habhaft werden konnte, froh erz&amp;auml;hlte, dass es in einem Fr&amp;uuml;hling gewesen sei, in einem Fr&amp;uuml;hling im Krieg, in dem sie ihren Mann kennengelernt habe, ein Fr&amp;uuml;hling, in dem die Bomben noch die aufgerissenen Felder zu einem gl&amp;uuml;henden Bl&amp;uuml;hen gebracht hatten. Freudestrahlend berichtete sie dann von ihrem &quot;Ernstl&quot;, wie &quot;schmuck&quot; er damals in Uniform ausgesehen habe - wof&amp;uuml;r sie auch gerne Fotos als Beweis vorlegte - und wie gl&amp;uuml;cklich sie damals mit ihm gewesen sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Jaja,&quot;, sagte sie dann, &quot;eine Frau wird erst sch&amp;ouml;n durch die Liebe.&quot; Wenn man &quot;Ernstl&quot; aber kannte, dann musste man den Schluss ziehen, dass dies niemals an ihm hatte liegen k&amp;ouml;nnen, sondern vielmehr Frau Ernst &amp;uuml;ber die F&amp;auml;higkeit verf&amp;uuml;gte, mit beinahe jedem Menschen, in beinahe jeder Situation gl&amp;uuml;cklich zu sein. Ihre Augen verschatteten sich nur, wenn sie erz&amp;auml;hlte, dass sie keine Kinder hatten bekommen k&amp;ouml;nnen, obwohl sie sich Kinder so sehr gew&amp;uuml;nscht habe, aber sie fand sicher sehr bald einen Grund, das Thema zu wechseln und fr&amp;ouml;hlich von etwas anderem zu sprechen. Vielleicht war sie dann l&amp;auml;chelnd damit fortgefahren, dass nur der Nachname ihres Mannes nun wirklich nicht zu ihr passe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Fr&amp;uuml;hjahr, nach ihrem Tod, blieb der Christbaum, den Herr Ernst trotz allem im Dezember hinausgestellt hatte, bis in den M&amp;auml;rz auf dem kleinen Balkon stehen, aber niemand wunderte sich, niemand dachte &amp;uuml;berhaupt noch an Herrn Ernst. Vielleicht h&amp;auml;tte man einmal bei ihm klingeln, ihm Hilfe anbieten sollen, aber andererseits war man sich sicher zur&amp;uuml;ckgewiesen zu werden und es schien doch alles in Ordnung. Auch roch man nichts, der Winter war kalt und Herrn Ernsts Sparsamkeit f&amp;uuml;hrte dazu, dass er die Heizung meist ausgeschaltet lie&amp;szlig;. Erst als der gro&amp;szlig;e Briefkasten vor Werbung und Kontoausz&amp;uuml;gen &amp;uuml;berquoll, rief irgendwer aus dem Haus die Polizei, nachdem Herr Ernst auch nach mehrmaligem Klingeln nicht ge&amp;ouml;ffnet hatte. Er musste schon im Dezember gestorben sein, Verwesung und teilweise Mumifikation waren schon fortgeschritten, als man ihn auf der Couch sitzend fand, auf seinem Scho&amp;szlig; das alte Notenheft mit dem Autogramm von Zarah Leander.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:24:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2238/">
    <title>Feuerrot</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2238/</link>
    <description>Mit zitternden H&amp;auml;nden rei&amp;szlig;e ich ihn an mich, an meine Brust. Meine Finger krallen sich in seine blaue Daunenjacke, um ihn noch n&amp;auml;her an mich zu ziehen, ihn zu sp&amp;uuml;ren. Seine Augen sind nur einen Spalt weit ge&amp;ouml;ffnet und ich bin mir nicht sicher, ob er mich sieht, ob er &amp;uuml;berhaupt wei&amp;szlig;, dass ich bei ihm bin. ?Matti. Oh, Matti!? Ich fl&amp;uuml;stere heiser seinen Namen, wiege ihn langsam hin und her. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie konnte das nur passieren? Er war doch immer ein so aufmerksamer, vorsichtiger Junge gewesen. Als er noch klein war, gerade f&amp;uuml;nf Jahre alt, bekam er zu seinem neuen roten Tretroller einen feuerroten Fahrradhelm geschenkt. Ich glaube, er hat diesen Helm sogar mehr gemocht, als den Tretroller, denn nicht selten rannte er laut johlend durchs Haus, bekleidet mit einer Latzhose und diesem Helm und spielte Feuerwehrmann. Als er sp&amp;auml;ter in die Schule kam und der feuerrote Fahrradhelm zu klein wurde, musste auch der neue rot sein.&lt;br /&gt;
Sein erstes Fahrrad und auch das letzte, welches er sich vergangenen Sommer gekauft hatte, waren rot. So auch sein erstes eigenes Auto. Ein alter, klappriger Ford Fiesta, den er zur H&amp;auml;lfte von seinem Nebenjob selber bezahlt hatte. Den Rest hatten Oma und Opa dazu getan. Wie stolz Matti doch auf seinen fahrbaren Untersatz war.&lt;br /&gt;
Als er uns das Auto zum ersten Mal pr&amp;auml;sentierte, konnte ich mir ein Stirnrunzeln nicht verkneifen. ?Und das soll sicher sein??, habe ich ihn damals gefragt und Matti hat gelacht. ?Es ist ein feuerrotes Feuerwehrauto. Nat&amp;uuml;rlich ist das sicher.? Er nahm es mir nicht &amp;uuml;bel, dass ich weiterhin skeptisch blieb und mich am Griff der Beifahrert&amp;uuml;r festhielt, wenn ich mit ihm fuhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Blick fiel auf den jungen Mann in meinem Armen. Er war kein Kind mehr, wie ich mir in Erinnerung rief. Wir beide waren keine Kinder mehr. Ich strich ihm mit der linken Hand die Haare aus der Stirn, w&amp;auml;hrend ihn meine Rechte weiterhin fest umklammerte. Seine Stirn war kalt, eiskalt und das Gemisch aus Blut und Schwei&amp;szlig; klebte an meinen Fingern. Wie, zum Teufel, hatte das passieren k&amp;ouml;nnen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir waren verabredet. Matti und ich waren h&amp;auml;ufig verabredet. Manchmal kochte ich f&amp;uuml;r ihn, weil ich bis heute der festen &amp;Uuml;berzeugung war, dass er sonst verhungern oder an einer Fettleber sterben w&amp;uuml;rde. Und dabei war Matti wirklich alles andere als dick. Dieses ganze Fast Food konnte seinem durchtrainierten und sportlichen K&amp;ouml;rper einfach nichts anhaben, w&amp;auml;hrend ich vom Anblick einer Pizza schon H&amp;uuml;ftspeck bekam. Das hatte ich oft als unfair empfunden und er hatte dann versucht, mich zu vers&amp;ouml;hnen. ?Ach Mietze, dass ist doch gar nicht wahr. Du hast eine Traumfigur, ein wundersch&amp;ouml;nes Gesicht und einen unglaublich tollen Charakter. Du Traumfrau, Du.? Auch wenn ich wusste, dass er mit dem was er sagte &amp;uuml;bertrieb, so liebte ich es, wenn Matti mich Traumfrau nannte. Und das hatte er schon sehr fr&amp;uuml;h getan. Als er gerade mal zehn Jahre alt war, erkl&amp;auml;rte er mir eines Abends, dass er fest davon &amp;uuml;berzeugt war, dass die perfekte Frau genauso aussehen musste, wie ich. Mal abgesehen davon, dass er ebenfalls fest davon &amp;uuml;berzeugt war, dass er mich mal heiraten w&amp;uuml;rde. Der verr&amp;uuml;ckte Kerl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine winzige Regung rei&amp;szlig;t mich aus meinen Gedanken, l&amp;auml;sst meine Fingerspitzen &amp;uuml;ber seine Wangen gleiten und erneut seinen Namen fl&amp;uuml;stern. ?Matti? Matti. Lieber Matti!? Seine Augenlider flackern kurz, &amp;ouml;ffnen tun sie sich aber nicht. Vorsichtig lege ich seinen Kopf schlie&amp;szlig;lich in meinen Scho&amp;szlig;, nehme sein Gesicht in beide H&amp;auml;nde und fange leise an zu weinen. ?Oh Matti, bitte. Bitte, bitte, bitte.? Ich wei&amp;szlig; nicht, worum ich ihn eigentlich bitte. Vielleicht darum, dass er mir diese Angst nimmt, die mir die Luft abschn&amp;uuml;rt. Darum, dass er aufsteht, lacht, sich den Dreck von er Hose klopft und mich an der Hand hinter sich her zieht. So, wie fr&amp;uuml;her. ?Oh Matti.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Matti dreizehn war, hatte er seine wilde Stunt- und Aktionheldenphase. Ich wei&amp;szlig; gar nicht mehr, wie oft er sich mit Ketschup beschmierte und sich mit verdrehten Beinen irgendwo im Haus auf dem Boden drapierte, um darauf zu warten, dass jemand vorbei kam und sich beinahe zu Tode erschreckte. Oft sprang er zehn Treppenstufen herunter, st&amp;uuml;rzte mit einer gekonnten Judorolle quer durch den Flur und erschreckte uns alle f&amp;uuml;rchterlich. Ich fand das selten wirklich lustig und habe mehrere Stunden sehr nachtragend kein Wort mit Matti gewechselt. Seine Versuche, mich mit schlechten Witzen wieder aus der Reserve zu locken, waren dann meist doch erfolgreich. Sein Lieblingswitz war ein ?Fritzchen?-Witz und ging ungef&amp;auml;hr so: Fritzchen geht mit seiner Oma in den Park. Als er einen f&amp;uuml;nf Euroschein findet, will er diesen aufheben, doch seine Oma ermahnt ihn: ?Fritzchen, was auf dem Boden liegt, hebt man nicht auf.? Einige Minuten sp&amp;auml;ter rutscht Fritzchens Oma auf feuchten Bl&amp;auml;ttern aus und streckt verzweifelt ihre Hand nach Fritzchen aus. Dieser stemmt die H&amp;auml;nde in die H&amp;uuml;fte und sch&amp;uuml;ttelt den Kopf: ?Nee Oma, was aufm Boden liegt, darf man nicht aufheben!?&lt;br /&gt;
Der Witz war abgedroschen, aber wenn Matti ihn erz&amp;auml;hlte, musste ich doch jedes Mal aufs Neue lauthals lachen. Wieso nur Matti?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich blinzle w&amp;uuml;tend die Tr&amp;auml;nen weg, die mir die Sicht verschleiern und erkenne, dass Mattis Lippen sich schwach bewegen. Sofort beuge ich mich tief zu ihm hinunter und versuche zu verstehen, was er sagt. Ob er &amp;uuml;berhaupt etwas sagt. Doch Matti bleibt stumm. Erneut spreche ich auf ihn ein, bem&amp;uuml;ht, nicht hysterisch zu klingen. Er hat immer sofort gewusst, wenn etwas nicht mit mir stimmte und in dieser Sekunde stimmte gar nichts mit mir. Mein geliebter Matti lag regungslos und bewusstlos in meinen Armen. Sein Kopf blutete und sein K&amp;ouml;rper war k&amp;auml;lter als ein Dezembermorgen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verstand die Welt nicht mehr. Matti war stets f&amp;uuml;r andere Menschen da gewesen. Schon in der Schulzeit war er &amp;ouml;fters in Schl&amp;auml;gereien geraten, wenn er andere, schw&amp;auml;chere Sch&amp;uuml;ler hatte verteidigen wollen. Sp&amp;auml;ter, bei der Bundeswehr, hatte er oft zwei Rucks&amp;auml;cke getragen, wenn einer seiner Kameraden k&amp;ouml;rperlich zu sehr ersch&amp;ouml;pft war. Nat&amp;uuml;rlich hat er uns diese Dinge nie selber erz&amp;auml;hlt, denn Matti ist ein bescheidener Mensch, der ungern von sich selber redet. Aber sein bester Freund Tino hatte uns seine kleinen Heldentaten immer wieder zugetragen. Wir waren so unsagbar stolz auf Matti. Damals schon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?Mietze?? Seine Lippen sind blass und trocken, als er mich anspricht. So leise und zaghaft, dass man es glatt &amp;uuml;berh&amp;ouml;ren k&amp;ouml;nnte. Aber ich h&amp;auml;nge an seinen Lippen, an seinen Augen, an seinem Leben. Ohne Matti bin ich niemand! ?Ja, Matti. Ich bin hier. H&amp;ouml;rst Du? Ich bin hier bei dir.? Ich beuge mich erneut zu ihm runter, bis unsere Wangen sich ber&amp;uuml;hren. Erneut schaudere ich, als ich bemerke, wie kalt seine Haut ist.&lt;br /&gt;
?Was ich passiert?? Seine Augen sind tr&amp;uuml;b und seine Lider flackern immer wieder. Ich habe Angst, dass ich ihn verliere. Dass er die Augen schlie&amp;szlig;t und sie nie wieder &amp;ouml;ffnet.&lt;br /&gt;
?Oh Matti.? Ich schlucke, um nicht laut loszuheulen. ?Du bist von einem Auto angefahren worden?, fl&amp;uuml;stere ich.&lt;br /&gt;
?Wo bin ich?? Ich komme mir vor wie in einem schlechten Film, in dem der Verunfallte erst nach dem Was, dann nach dem Wo fragen und zum Schluss wissen will, ob er sterben wird. Matti wird nicht sterben. Nicht hier und schon gar nicht heute!&lt;br /&gt;
?Vor meiner Haust&amp;uuml;r. Wir waren verabredet. Du bist aus dem Auto gestiegen, &amp;uuml;ber die Stra&amp;szlig;e gegangen ? Das schwarze Auto ist einem Radfahrer ausgewichen, der gegen die Einbahnstra&amp;szlig;e fuhr und dann ?? Ja, ich hatte alles gesehen, habe am Fenster auf Matti gewartet und ihm zu gewunken, als er aus seinem roten Fiesta stieg. Aus seinem Feuerwehrauto.&lt;br /&gt;
?Es tut mir Leid, Mietze.? Seine Stimme ist nicht mehr als ein Lufthauch auf meiner Wange und ich wei&amp;szlig;, wie ernst ihm das ist, was er gerade gesagt hat. So war das schon immer. Matti und ich, wir verstanden uns auch ohne Worte, manchmal sogar ohne Blicke. ?Das ist Bl&amp;ouml;dsinn, Kleiner. Du hast keine Schuld. Du hast ja nichts verkehrt gemacht.? Er mag es eigentlich nicht, wenn man ihn Kleiner nennt, immerhin ist er ein Meter und neunzig gro&amp;szlig;, was ihm bei der Bewerbung zum Feuerwehrmann sehr geholfen hat. Im Ernstfall k&amp;ouml;nne man sich dann die Drehleiter sparen, hatte sein Chef gescherzt.&lt;br /&gt;
?Ach, Mietze.? Er seufzt sehr leise und schlie&amp;szlig;t die Augen. Sofort bekomme ich Panik, r&amp;uuml;ttle sachte an ihm und rufe seinen Namen. Als er nicht reagiert, sch&amp;uuml;ttle ich ihn fester und mein Rufen wird lauter. ?Matti! MATTI! Verdammt! Matthias!? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Schaudern durchf&amp;auml;hrt seinen K&amp;ouml;rper so deutlich, dass ich ihn sp&amp;uuml;ren kann. Dann sieht er mich wieder an. ?Du hast mich schon ewig nicht mehr Matthias genannt.? Sein linker Mundwinkel zuckt und es sieht ganz kurz so aus, als wolle er l&amp;auml;cheln. Mein Herz setzt f&amp;uuml;r eine Sekunde aus und mich beschleicht das Gef&amp;uuml;hl, als wolle er mich veralbern. So wie damals, wenn er am Fu&amp;szlig; der Treppe gelegen hatte, mit Ketschup beschmiert. Dann hatte ich ihn bei seinem vollen Namen genannt. Wenn eine Situation ernst war, nannten wir uns immer bei unseren vollen Namen. Aber es schien schon ein halbes Leben her zu sein, dass Matti mich Mia genannt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Gedanken daran schie&amp;szlig;en mir erneut Tr&amp;auml;nen in die Augen und ich kann meine Angst nicht mehr verbergen. Leise weine ich, w&amp;auml;hrend meine Stirn gegen die meines kleinen Bruders gepresst ist. Einundzwanzig Jahre sind einfach viel zu wenig. Wenn das Alles sein soll, wieso hat man mir &amp;uuml;berhaupt einen Bruder geschenkt? Wieso nimmt man ihn mir jetzt schon wieder weg? Ich kann nicht ohne ihn leben. Er ist meine andere H&amp;auml;lfte. Nichts habe ich mir sehnlicher gew&amp;uuml;nscht, als einen Bruder. Und ich war so verdammt stolz, als Mama mir an meinem vierten Geburtstag verriet, dass ich ein Geschwisterchen bekommen wurde. Einundzwanzig Jahre waren nicht genug! Und was war schon ein Augenblick, gegen einundzwanzig Jahre? Der Radfahrer, das ausweichende Auto, Matti ? das war nicht mehr als ein Augenblick. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?Mietze?? Ich schluchze nur, zu mehr bin ich nicht f&amp;auml;hig. ?Ich glaub, ich muss jetzt gehen.? Seine Stimme klingt pl&amp;ouml;tzlich so fest, dass ich erschrocken hoch fahre, ihm panisch in die Augen sehe und dieses beruhigende L&amp;auml;cheln erkenne, welches nur Matti zu Stande bringt. ?Nein Matti, Du gehst nirgends hin. Verstanden?!? Mein Blick ist w&amp;uuml;tend, doch Matti erschickt nicht davor. Er l&amp;auml;chelt immer noch und schlie&amp;szlig;t langsam die Augen. Sofort zerre ich an ihm, schreie ihn an. Meine Stimme &amp;uuml;berschl&amp;auml;gt sich zu einem hysterischen Kreischen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlie&amp;szlig;lich greife ich nach Mattis Jackenkragen und will ihn von der Erde hoch ziehen, ihn auf die Beine rei&amp;szlig;en und so alles ungeschehen machen, was in den letzten f&amp;uuml;nf Minuten passiert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?Mia, du Tramfrau. Man soll nichts aufheben, was auf dem Boden liegt.? Ich verharre in der Bewegung, starre meinen kleinen Bruder an, der in diesem Augenblick seine Augen erneut schlie&amp;szlig;t und dabei l&amp;auml;chelt. V&amp;ouml;llig apathisch sitze ich auf dem kalten Asphalt, meinen geliebten Matti im Arm und muss erkennen, dass ich jetzt alleine bin. Dass meine andere H&amp;auml;lfte gerade gegangen ist. Dass ich zur&amp;uuml;ck bleibe. Mit tausend Erinnerungen, aber alleine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
***&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?Mia, wie lang willst Du diesen Schrottk&amp;uuml;bel noch fahren?? Genervt zerrt meine beste Freundin Tina an der Beifahrert&amp;uuml;r, die schon seit drei Jahren klemmt. Ich l&amp;auml;chle ihr &amp;uuml;ber das Autodach hinweg zu. ?So lange er f&amp;auml;hrt, ist er noch in Ordnung, hat Matti gesagt.? An Tinas Gesicht sehe ich, wie unangenehm ihr pl&amp;ouml;tzlich ihr genervter Ausruf ist. Ich lache leise und deute ihr mit einem Wink, dass sie einsteigen soll, nachdem ich die Beifahrert&amp;uuml;r von innen ge&amp;ouml;ffnet habe. Als wir nebeneinander im feuerroten Fiesta sitzen, sieht sie mich einen Moment pr&amp;uuml;fend von der Seite an. ?Geht es Dir gut?? Ich nicke und will den Wagen starten. Doch der Motor springt nicht an. Nicht mal ein Glucksen oder Stottern ist zu h&amp;ouml;ren. Tr&amp;auml;nen sammeln sich in meinen Augen und langsam ziehe ich den Schl&amp;uuml;ssel aus dem Z&amp;uuml;ndschloss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
?Exitus.?, sage ich leise und versuche zu lachen. Doch alles, was aus mir heraus bricht, ist ein bitterlicher Schmerz, den ich laut in die Welt hinaus weine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich diesem Augenblick stirbt Matti ein zweites und letztes Mal unter meinen H&amp;auml;nden.&lt;br /&gt;
Ich lasse ihn endlich los.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:14:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2237/">
    <title>14:47</title> 
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    <description>die nacht war hell und wir schliefen unter der br&amp;uuml;cke, w&amp;auml;hrend schwarze wasserlilien an uns vorbeizogen. wir streuten uns gegenseitig mohnbl&amp;uuml;ten in die kehle und liebten uns, jeder f&amp;uuml;r sich, an der betonwand. diese finger, die noch vor einigen stunden die regler am mischpult ber&amp;uuml;hrten. vinyl streiften. der fr&amp;uuml;hling hat noch nicht begonnen. wir tranken billigen whisky und sein giftiger geschmack zers&amp;auml;belte unsere sprachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am morgen lag er zusammengekauert auf dem wei&amp;szlig;en bettlacken. in einem fremden zimmer. von kakao und beiger milch bet&amp;auml;ubt. schulterbl&amp;auml;tter und rippen. blasser r&amp;uuml;cken. stolpernde pupillen meinerseits. rollten vorw&amp;auml;rts. meine worte verstaucht und zertr&amp;uuml;mmert auf seiner zunge. zwischen den z&amp;auml;hnen. platzten in schweigenden sprechblasen. ich hatte meine dummheit wieder und wusste damit nichts anzufangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er zuckte und ersp&amp;auml;hte mein gesicht. naive, kindliche gl&amp;uuml;ckseligkeit zog seine mundwinkel auseinander. er roch nach sp&amp;auml;tem mittag. dehnte sich so, dass der wei&amp;szlig;e lappen, der sich decke nannte, h&amp;uuml;ftknochen enth&amp;uuml;llte, an denen mein widerstand am tag zuvor brach. all meine jas und meine neins. und alle &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die nacht hindurch kratzte ich alle sterne vom himmel, um fortzugehen. m&amp;uuml;de h&amp;auml;nde. all diese h&amp;auml;nde, h&amp;auml;nde, h&amp;auml;nde. tausende kilometer weiter ein remake: milchkaffee mit zucker, billige zigaretten. spider lashes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fremdanalyse. man antwortete. fl&amp;uuml;sternd. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;baal ist jung. er ist asozial. hat keine moral. alles, was er kennt, sind sterne. er frisst und verkl&amp;auml;rt sich. fickt und tanzt mit seinen wolken. leb wohl, zirrus. bald ist fr&amp;uuml;hling.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daraufhin sah er hoch. zu mir. l&amp;auml;chelte irritiert. l&amp;auml;chelte dann einfach. sah immer noch hoch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne zu fragen die antwort. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;meine heimat braucht meinen schutz nicht. ich habe keine. alles, was ich besitze, atme ich ein. bald ist fr&amp;uuml;hling. da stolpert der himmel &amp;uuml;ber kraniche.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hand, hinterh&amp;auml;ltiges, verr&amp;auml;terisches biest an das vorlaute libido angen&amp;auml;hnt, riss ihm den wei&amp;szlig;en lappen vom leib</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T17:01:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2236/">
    <title>Es muss ja</title> 
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    <description>Verschlagworten, einordnen, aufr&amp;auml;umen, sortieren, belegen, beweisen. Was mache so mit ihrem Leben machen, frag ich mich oft. Ich hab schon gen&amp;uuml;gend Probleme damit, mein Leben einzuordnen, aber es gibt doch immer wieder welche, die sich die ganze Zeit damit besch&amp;auml;ftigen, den Dingen ihren Sinn zu geben. Sie einzuordnen in ihr Koordinatensystem, und wenn es nicht passt, dann wird es eben so lange niedergemacht, bis die anderen doch einsehen m&amp;uuml;ssen, wie man es richtig macht. Festgefressenes Ideologiegekrampfe, an dem schon mehr als eine Generation zu Grunde gegangen ist. Hab ich nie verstanden. Diese Arbeit und M&amp;uuml;he, die sich mache da machen. Leben und vor allem die Randbezirke des Lebens in denen man selber wandelt, haben mich immer fasziniert. Ich habe nicht den Anspruch des Verstehens, eher des feinstofflichen Erf&amp;uuml;hlens. Die Sch&amp;ouml;nheit am Abgrund. Muss ich immer alles verstehen? Nope, will ich auch gar nicht. Aber ich schaue es mir an, ziehe hier und da was raus, probiere vieles aus, manchmal zu meinem eigenen Schaden. Aber die Lust, Dinge anders zu erleben, zu erf&amp;uuml;hlen, ist eben immer da. Ich wei&amp;szlig; nicht, was es aus mir macht, aber ich probiers mal aus, dann werde ich ja schon sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugierde hat mir eine Menge Drogenerfahrungen eingebracht. Ich hab meine Nase in knietiefe Kokainteppiche gedr&amp;uuml;ckt und fand es sehr geil, wenn der die kleinen Kristalle durch meine Adern ger&amp;auml;ubert sind, und alles weggerissen habe, was mich bremst. Wie eine wildgewordene Kehrmaschine. Ich hab mir danach auf gr&amp;uuml;nen Badewannenvorleger zwischen die Beine gegriffen, bin mit 220 &amp;uuml;ber die Autobahn gebrettert, die Fenster offen, und auf jeden Fall jenseits von gut und b&amp;ouml;se. Ich hab mir mir auf einem Goa irgendwo im Osten zusammen mit einem gef&amp;auml;hrlich d&amp;uuml;rren Rastamenschen Pilze in den Hals geworfen, solange, bis ich wirklich dachte, ich k&amp;ouml;nnte die Aurafarben der Steine erkennen. Am n&amp;auml;chsten Tag war es mir zwar ein bisschen peinlich, dass ich jedem stundenlang erz&amp;auml;hlt habe, wie toll die Steine doch seien, aber sch&amp;ouml;n war?s dennoch. Ich habe Extasy genommen und gedacht, das gleich entweder mein Herz zerspringt oder mein Kopf platzt. Was in einem Fall dann zu einer unangenehmen Nacht gef&amp;uuml;hrt hat, weil ich wirklich davon &amp;uuml;berzeugt war, dass gleich mein Herz platzt. Ich hab in einer Wasser/Urinlache neben einem undichten Klo gelegen, meine Hand unter meine Brust gepresst, weil ich dachte, ich k&amp;ouml;nnte das Herz so zusammenhalten, es &amp;uuml;berreden, vielleicht doch nicht zu platzen. Ich sah winzige Haarrisse in den Adern, die das Herz umgeben, sah die Risse gr&amp;ouml;&amp;szlig;er werden, mein Blut in meinen K&amp;ouml;rper str&amp;ouml;men, und es war mir sonnenklar, dass mein Herz dem Druck einfach nicht standhalten k&amp;ouml;nnte, und dass man mich gleich tot in der bl&amp;ouml;den Urinlache in dem bl&amp;ouml;den Club finden w&amp;uuml;rde, und ich hab immer wieder den Namen meines l&amp;auml;ngst toten Hundes gejammert. &lt;br /&gt;
Ich hab mich piercen lassen, hab mich mal aus einem Flugzeug sto&amp;szlig;en lassen, mit zwei Frauen im Bett gelegen, mit zwei M&amp;auml;nnern auch, und einem l&amp;auml;ngst verschollen Freund dabei geholfen, mit meiner besten Freundin ins Bett zu gehen. Ich hab meine Grenzen ausgetestet ich mache das heute wahrscheinlich immer noch, sonst h&amp;auml;tte ich den irren Maler wahrscheinlich l&amp;auml;ngst aus meinem Leben verbannen m&amp;uuml;ssen, weil er ein versoffener Irrer ist, der den Gin schneller wegs&amp;auml;uft, als ich ihn anschleppen kann, und er neulich einen Tobsuchtsanfall bekommen hat, weil ich zu wenig dabei hatte, und er mich angebr&amp;uuml;llt, beschimpft und rumgeschubst hat. Daraufhin hab ich in ein gerade von ihm angefangenes Bild meine High Heels reingedonnert, was ihn derartig fertigmachte, dass ich im ersten Moment dachte, dass er mich jetzt umbringt, aber er hat nur geheult und gesagt, dass ich ihn nicht lieben w&amp;uuml;rde, was vermutlich stimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll man machen? Die Pfade, die man gehen muss, damit man leben kann, sind so vorgegeben. Arbeit, Geld, Miete, Essen, Schlafen. Ich kann Leute verstehen, die das sch&amp;ouml;n finden, die ihr Leben darauf ausrichten, immer weitere Leitplanken zu bauen, immer mehr Netze ziehen, die irgendwann feststellen, dass sie Bully lustig finden, auch wenn dessen Humor noch spie&amp;szlig;iger ist, als der von Peter Alexander, die das brauchen, dass die Grenzen immer enger gesteckt werden, das die Regeln dauerhaft sind, die sagen, dass die vielen neuen &amp;Uuml;berwachungsgesetze ja niemanden st&amp;ouml;ren der keinen Dreck am Stecken hat, die die Di&amp;auml;ten aus der Brigitte/Freundin/Petra machen, weil dieses Jahr die verdammte Modeindustrie die Gr&amp;ouml;&amp;szlig;en wieder runtergesetzt haben, wegen der ganzen M&amp;auml;dchen mit den Winz&amp;auml;rschen, die sonst in der Kinderabteilung ihre Hosen einkaufen m&amp;uuml;ssten. Kann man alles machen, bitte. Aber das ist nicht meins. Ich will was anderes, auch wenn ich vielleicht Gefahr laufe, eine durchgev&amp;ouml;gelte, alte Frau mit schlechten Z&amp;auml;hnen und zu alter Haut zu werden. (Botox, my love). Ich mache den Leuten mit den Regeln keine Vorw&amp;uuml;rfe, ich bemitleide sie nicht. Sie haben ihr, ich hab mein Leben. Ich verstehe nur oft nicht, warum sie ihre Regeln auch unbedingt auf andere ausweiten m&amp;uuml;ssen. Warum sie versuchen, alles und jeden diesen Regeln zu unterwerfen, warum die glauben zu beurteilen zu k&amp;ouml;nnen, ob meine Sicht der Welt richtig oder falsch ist, ob ich etwas verstanden habe, oder immer haarscharf an ihrer vordefinierten Dummheit entlang schramme. Manchmal haue ich meine Nase in einen Kokshaufen, manchmal lasse ich mich auf einem dreckigen Tisch neben vollen Aschenbechern v&amp;ouml;geln, mir blaue Flecken an meinen Br&amp;uuml;sten verpassen lassen, weil ich denke, dass es der einzige Weg ist, etwas zu lernen. Und darum geht?s ja wohl, ums eigene lernen. Um die eigenen Schmerzgrenzen, um zu sehen, was dahinter kommt, ob der Ekel da ist, oder dieses Kribbeln, dieses Gef&amp;uuml;hl einen verbotenen Schritt gemacht zu haben. Wohin auch immer. Die Erkenntnis ist ja ein alter, lahmer Gaul, der immer als letzter einl&amp;auml;uft.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T16:49:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2235/">
    <title>Balanced</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2235/</link>
    <description>Unendlich m&amp;uuml;de wachte ich auf, es f&amp;uuml;hlte sich an als h&amp;auml;tte ich gar nicht geschlafen. Starkes Kopfweh, Gliederschmerzen. Die Albtr&amp;auml;ume der letzten Nacht hatten mir wirklich zugesetzt. Es war einer dieser typischen, verregneten Montage im November.  Nachdem ich mich wieder einigermassen in meiner eigentlich vertrauten Umgebung zurechtgefunden hatte, bemerkte ich das ich sehr unbequem lag und versuchte m&amp;uuml;hsam aufzustehen. Mit schmerzendem R&amp;uuml;cken taumelte ich ungelenk durch den kalten Flur. Was f&amp;uuml;r ein verdammt schlechter Morgen, dachte ich mir, als ich auf den stillosen, verfilzten Teppich blickte. Doch irgendwas war anders, ich f&amp;uuml;hlte mich so viel schwerer als gestern Abend, ich schwankte regelrecht - und nicht aus M&amp;uuml;digkeit. Unf&amp;auml;hig einen klaren Gedanken zu fassen trat ich bibbernd auf die kalten Badfliessen, schloss aus Gewohnheit die T&amp;uuml;r hinter mir und drehte den Wasserhahn auf. &quot;Nur nicht in den Spiegel sehen, mit ein wenig kaltem Wasser wirst du schon wach&quot;, dachte ich so vor mich hin. Doch als ich meinen Gesicht in die Richtung des Wasserstrahls neigte, fiel mir im Augenwinkel irgendetwas auf. Ich hob langsam den Kopf, sah direkt in den alten, schlichten Spiegel und mir wurde schlagartig schwindelig.&lt;br /&gt;
Mir waren Fl&amp;uuml;gel gewachsen!&lt;br /&gt;
Ich betrachtete meinen R&amp;uuml;cken mit einer Mischung aus Neugier und Furcht. Aus meiner linken Schulter war mir ein sch&amp;ouml;ner, weisser Engelsfl&amp;uuml;gel gewachsen. Die Federn f&amp;uuml;hlten sich an wie Samt, alle Konturen waren weich und trotzdem sah man ihm eine Kraft an, die unbeschreiblich war. Der Fl&amp;uuml;gel auf der rechten Schulter war das genaue Gegenst&amp;uuml;ck davon: Er war hart, bedeckt mit dunkelroten bis fast schon schwarzen Schuppen und auf der Wurzel und dem Gelenk befand sich jeweils ein tiefschwarzer, knochenharter Stachel. W&amp;auml;hrend ich meine beiden neuen K&amp;ouml;rperteile inspizierte durchzuckte mich pl&amp;ouml;tzlich ein stechender Schmerz und ich sank auf den Fussboden. So lag ich da, halb nackt auf kalten Fliessen, und wimmerte und wand mich vor Qual. Ich krallte meine H&amp;auml;nde in meine Schl&amp;auml;fen und betete um Erl&amp;ouml;sung, doch schon nach wenigen Sekunden klang es langsam wieder ab. Um mich herum war es schlagartig still geworden. Dann hob sich mein linker Fl&amp;uuml;gel langsam von ganz alleine, streckte sich immer weiter, bis er schliesslich aus der Badt&amp;uuml;r bis zur Mitte des Flurs ragte und mein ganzer K&amp;ouml;rper von einem warmen Kribbeln durchflutet wurde. &lt;br /&gt;
In den darauf folgenden Tagen war ich ein Heiliger, immer im Reinen mit der Welt und vollkommen erf&amp;uuml;llt von dem Bed&amp;uuml;rfnis allen zu helfen und jeden bedingungslos zu lieben. Ich opferte mich vollkommen auf, auch wenn es mir selbst Kummer und Schmerzen bereitete. So starr auf &quot;gut&quot; getrimmt h&amp;auml;tte ich sogar meine Beine amputieren lassen um jemand anderen das Laufen wieder zu erm&amp;ouml;glichen. Doch schon bald kam der Zorn, langsam, schleichend aber unausweichlich. Je mehr Schmerzen und Frustrationen sich in mir sammelten, desto h&amp;ouml;her hob sich mein rechter Fl&amp;uuml;gel. Wie bei einer schweren Geburt schien er immer mehr Leben eingehaucht zu bekommen, w&amp;auml;hrend der Engelsfl&amp;uuml;gel immer schw&amp;auml;cher wurde und schliesslich herabhing. Und dann war es soweit. Ich kochte vor qu&amp;auml;lender Wut die in meinem Kopf brodelte und meine Aug&amp;auml;pfel verwandelten sich in giftig-gelbe Teller, deren Pupille nur noch ein scharfer, schwarzer Keil war. Ich zog mit messerscharfen Z&amp;auml;hnen, zum f&amp;uuml;rchten grinsend und selbstgef&amp;auml;llig durch die Strassen. Ich log, betrog, verriet meine Freunde und empfand nur bissige K&amp;auml;lte in mir, bis auf den letzten, kleinen Rest meiner Selbst, der tief hinten in meiner Seele zusammengekauert weinte und verzweifelt auf seine Rettung wartete. Dann fing ich an zu verletzen und zu brandschatzen, ich vergewaltigte und mordete, lies alle meine hasserf&amp;uuml;llten Triebe in einem wahnsinnigen Inferno explodieren bis ich schlussendlich innehielt und in einem zerbrochen Schaufenster mein eigenes Spiegelbild betrachtete. Ich blickte intensiv in meine gl&amp;auml;nzend gelben Augen und in die schwarzen Tiefen meiner Seele und fing an heftig zu weinen.&lt;br /&gt;
W&amp;auml;hrend der Engelsfl&amp;uuml;gel sich mit jeder Tr&amp;auml;ne weiter aufrichtete fasste ich einen schweren Entschluss. Weder wusste ich woher die Fl&amp;uuml;gel kamen, noch welche Kraft in ihnen steckte. Das einzige was ich wusste war, das sie verschwinden mussten. Durch die unglaubliche G&amp;uuml;te, die der Engelsfl&amp;uuml;gel in mir weckte, st&amp;auml;rkte ich die Kr&amp;auml;fte des D&amp;auml;monenfl&amp;uuml;gels. Irgendwann konnte mein Kopf seinem Bann nicht mehr wiederstehen und ich lies mich von ihm f&amp;uuml;hren, w&amp;auml;hrend mein Blut sich in kochende Lava verwandelte und mein Mund mit spitzen Z&amp;auml;hnen best&amp;uuml;ckt wurde. Das Ganze endete in einem pl&amp;ouml;tzlichen Moment der Klarheit, der mich zutiefst verletzte und Schuldgef&amp;uuml;hle weckte, was wiederum dem guten Fl&amp;uuml;gel Leben einhauchte. Also blieb mir nur eine L&amp;ouml;sung und so stand ich auf alten Zeitungen mit einer grossen Knochenschere bewaffnet vor dem Badspiegel. Ich setzte die Schere an der Wurzel meines b&amp;ouml;sen Fl&amp;uuml;gels an und dr&amp;uuml;ckte sie mit aller Kraft zu. Ein lautes, nach splitternden Knochen klingendes Ger&amp;auml;usch drang an mein Ohr und ohne das ich etwas f&amp;uuml;hlte fiel der Fl&amp;uuml;gel zu Boden und zerfiel zu grauem Schwefelstaub. Nur noch ein kleiner, blutender Stummel an meiner Schulter zeugte von seiner Existenz. Ich wurde schlagartig weiss im Gesicht. Doch ich wusste das ich den Schock ausnutzen musste, also setzte ich erneut an und mit einem weiteren Krachen sank der Engelsfl&amp;uuml;gel wie ein Blatt Papier zu Boden, l&amp;ouml;se sich dabei in lauter Federn auf bis auch er schlussendlich verschwunden war. Nach diesem Anblick wurde mir schwindelig und ich versuchte noch vergeblich ein Handtuch von der Wand zu nehmen, um meine Blutung zu stoppen. Aber ich konnte mich nicht einmal daran festhalten und rutschte einfach an der kalten Fliessenwand nach unten und verlor das Bewusstsein. Als ich nach ein paar Stunden aufwachte und meinen R&amp;uuml;cken begutachtete, waren die Stummel verschwunden, nicht einmal Narben waren noch geblieben. Nur das vertrocknete Blut, das mir den R&amp;uuml;cken heruntergelaufen war, und die Spuren an der Wand warfen mich hart zur&amp;uuml;ck in die Realit&amp;auml;t und hinterliessen dieses flaue Gef&amp;uuml;hl in meinem Magen, das bis heute niemals ganz verschwunden war.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-15T16:41:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2234/">
    <title>Music was my first love</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0404/stories/2234/</link>
    <description>Man erf&amp;auml;hrt viel &amp;uuml;ber jemanden, wenn man zum ersten mal seine Wohnung betritt und sich anschaut, wie derjenige seine Musik aufbewahrt. Es gibt Menschen, die ihr Gew&amp;uuml;rzregal alphabetisch sortiert und die Schrauben der T&amp;uuml;rangeln mit einge&amp;ouml;lten Wattest&amp;auml;bchen polieren haben, bei denen die Unterhosen geb&amp;uuml;gelt und auf Kante gefaltet in der Schublade liegen - und wo die CDs gedankenlos aneinandergereiht in der staubfreien Vitrine verwahrt werden. Bei solchen Leuten sieht man auch hin und wieder noch in Folie verschwei&amp;szlig;te Exemplare im Regal stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere wiederum treiben es in umgekehrter Richtung auf die Spitze. Sie sortieren zun&amp;auml;chst nach Datentr&amp;auml;gertypus (Schallplatten, Kassetten, CDs, DVDs, BDs), diese wiederum nach Genre, diese nach Interpreten, diese nach dem Erscheinungsjahr des Albums, diese nach dem Tierkreiszeichen-Aszendenten der damaligen Freundin des Managers der Band, diese nach der durchschnittlichen Fingern&amp;auml;gell&amp;auml;nge des Drummers, diese nach der Aufenthaltsdauer des Leads&amp;auml;ngers in Entziehungskliniken in Tagen ? und so fort. Compilations kommen nicht vor oder stehen in einem Extra-Regal in der Besenkammer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Eltern h&amp;ouml;rten ausschlie&amp;szlig;lich klassische Musik, alphabetisch sortiert. Sonntagsnachmittags &amp;ouml;ffnete mein Vater s&amp;auml;mtliche Fenster und drehte den Lautst&amp;auml;rkeregler bis zum Anschlag hoch, um auch die Nachbarn an der Erhabenheit von Wagners Walk&amp;uuml;renritt, Bachs Orgelkonzerten oder Beethovens Neunter teilhaben zu lassen. W&amp;auml;hrend der Woche h&amp;ouml;rte meine Mutter franz&amp;ouml;sische Chansons. Jacques Brel, Charles Aznavour, Gilbert B&amp;eacute;caud, Serge Gainsbourg und Michel Sardou sangen von Frauen, die sich gehen lie&amp;szlig;en und M&amp;auml;nnern, die deshalb gingen, w&amp;auml;hrend meine Mutter kochte, b&amp;uuml;gelte, Staub wischte und vor dem Flurspiegel ihren Lippenstift nachzog, bevor mein Vater heimkam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ersten f&amp;uuml;nf Jahre meines Lebens verbrachte ich als Gasth&amp;ouml;rer, doch an meinem sechsten Weihnachten bekamen wir tragbare Kassettenrekorder unter den Baum gelegt. Damit begann meine eigene musikalische Entdeckungsreise, f&amp;uuml;r die ich allerdings zun&amp;auml;chst die elterliche Wohnung nicht verlie&amp;szlig;. Auf der Suche nach Abspielbarem fand ich ganz hinten im Schrank versteckte Buchclub-Zwangsk&amp;auml;ufe: Udo J&amp;uuml;rgens und Reinhard Mey lugten hinter finster schauenden Dirigenten und wichtig dreinblickenden Ten&amp;ouml;ren hervor. Schon bald verk&amp;uuml;ndete ich singend, noch niemals in New York oder auf Hawaii gewesen zu sein, w&amp;auml;hrend Gabi im Park wartete und von der unendlichen Freiheit &amp;uuml;ber den Wolken schw&amp;auml;rmte. Meine Eltern wanden sich vor Peinlichkeit, aber es half Ihnen nichts, ich war lauthals und unwiderruflich der Seichtigkeit anheim gefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Zeiten, als Musik noch zwischen die Rillen schwarzer Kunststoffscheiben gepresst wurde, traf man sich nach Schulschluss zum Plattenh&amp;ouml;ren. Die diamantene Nadelspitze knisterte &amp;uuml;ber die ersten Furchen und man sa&amp;szlig; schweigend auf dem Teppich vor den Lautsprecherboxen und h&amp;ouml;rte gemeinsam and&amp;auml;chtig zu. Ich bekam die ersten selbst aufgenommenen Kassetten geschenkt. Diese Kassetten kosten viel M&amp;uuml;he in der Herstellung und waren mit bedeutsamen Botschaften verkn&amp;uuml;pft. Wenn das erste Lied darauf This is not a love song von den Sex Pistols war, wusste man zum Beispiel, dass der Beziehung &amp;uuml;ber das schwitzige H&amp;auml;ndchenhalten und jene kurze Fummelei im Partykeller der katholischen Landjugend hinaus kein weiterer Bestand beschieden sein w&amp;uuml;rde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Lieder, da mag man das ganze St&amp;uuml;ck, solche, die man vor allem wegen des Refrains h&amp;ouml;rt und solche, bei denen man minutenlang nur auf eine einzige bestimmte Stelle wartet (auf das Schlagzeugsolo von Phil Collins in In the air tonight zum Beispiel). Gemeinsam haben sie, dass sie sich abnutzen, wenn man sie zu oft h&amp;ouml;rt, denn Musik ist ein Speichermedium f&amp;uuml;r Emotionen. Sinneswahrnehmungen gehen in die Lieder und bewahren sich dort auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Bright Eyes von Paul Simon f&amp;uuml;hle ich die Arme meines ersten Schwarms um den Nacken, w&amp;auml;hrend ich auf Rollschuhen meinen ersten Engtanz absolviere (da ich die ?richtigen? Schuhe zuhause vergessen hatte und meine damalige beste Freundin es f&amp;uuml;r eine abgefahrene Idee hielt, auf Rollschuhen zur Klassenfete zu fahren). Heart of Glas von Blondie: die erste selbst im Laden gekaufte Schallplatte, mit der ich an sommerlichen Feldern vorbei auf dem Fahrrad zu meiner besten Freundin Heike unterwegs bin, die sie sich zum Geburtstag gew&amp;uuml;nscht hatte. Love will tear us apart von Joy Division: deprimierender Nachmittag auf einer Bank im Park, als ich durch die Nachpr&amp;uuml;fung rasselte und klar war, dass ich die zehnte Klasse w&amp;uuml;rde wiederholen m&amp;uuml;ssen. Twist in my sobriety von Tanita Tikaram: die erste Fahrt allein im Auto nach bestandener F&amp;uuml;hrerscheinpr&amp;uuml;fung, erst nach D&amp;uuml;sseldorf zum shoppen, dann nach Essen ins Kino. Das Album B&amp;ecirc;te noire von Bryan Ferry: lief auf Endloswiedergabe in einem uns f&amp;uuml;r zwei Wochen &amp;uuml;berlassenem Appartement in New York und sollte &amp;uuml;bert&amp;ouml;nen, dass meine Freundin ein Zimmer weiter die ganze Nacht ohne Pause laut v&amp;ouml;gelte. Weshalb ich irgendwann hin&amp;uuml;berging, als ihr Lover im Bad war und ihr Psycho Killer von den Talking Heads in die Ohren st&amp;ouml;pselte: I can?t seem to face up to the facts, I?m tense and nervous and I can?t relax?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte einst einen Freund, der mir ein Seelengef&amp;auml;hrte war. In seinem letzten Sommer, den wir zusammen verbrachten, sa&amp;szlig;en wir auf der Veranda seines Elternhauses in einem Ostberliner Vorort, rauchten zwei Schachteln Westzigaretten pro Tag, diskutierten &amp;uuml;ber unsere Zukunftspl&amp;auml;ne, Camus und Satre, Gott und die Welt und h&amp;ouml;rten uns durch die Jazzplatten-Sammlung seines Vaters. Fitzgerald, Armstrong. Davis, Getz, das Ratpack. Moonlight in Vermont, I get no kick of champagne, If ever I would leave you, When autumn leaves, Fly me to the moon, From this Moment on, Just one of those things.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der R&amp;uuml;ckfahrt, noch mitten im Sommer, wehte der Wind mir ein einzelnes welkes Ahornblatt durchs offene Zugfenster. Das Blatt habe ich heute noch, Camus h&amp;auml;tte das gefallen, denn der Freund ist? fort und gegen&amp;uuml;ber seinem Grab wachsen Birken, Kiefern und Ahornb&amp;auml;ume. Doch wenn ich die Lieder von damals h&amp;ouml;re und die Augen schlie&amp;szlig;e, dann kann ich auf die Veranda jenes Sommers zur&amp;uuml;ckkehren, die so viele Jahre in der Zeit versunken ist und heute nur noch aus morschen Brettern besteht. Und er sitzt mir wieder gegen&amp;uuml;ber und lacht mich an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Musik kann einem das Herz zerrei&amp;szlig;en. Musik kann es wieder grob zusammenflicken. Musik ist ein St&amp;uuml;ck Unsterblichkeit. Sie erinnert dich an das, was wichtig ist, was dich ausmacht. Musik kann dich zum tanzen bringen und ins Stolpern. Musik kann dich traurig machen, wenn du froh bist und froh machen, wenn du traurig bist. Musik bringt dich durch den Tag und wohin immer du willst, wenn du sie l&amp;auml;sst.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
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    <title>Test</title> 
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