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    <title>mindestenshaltbar 0403 (Angst!)</title>
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    <description>Angst!</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:date>2008-03-16T15:11:05Z</dc:date>
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    <title>mindestenshaltbar 0403</title>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2218/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2218/</link>
    <description>Dem einen rutscht das Herz vor einer Pr&amp;uuml;fung in die Hose, dem anderen packt die Panik, wenn es darum geht einen Berg zu erklimmen. Angst ist allergegenw&amp;auml;rtig. Sie steuert uns, sie behindert uns, aber sie hilft uns auch dabei lebensgef&amp;auml;hrliche Fehler zu begehen. Angst, Sex und Hunger sind die drei Dinge, die uns fast t&amp;auml;glich besch&amp;auml;ftigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da lag es nahe, mal eine Ausgabe zu diesem Thema ins Netz zu stellen. Ich war selber vorher gespannt, welcher Autor etwas schreiben w&amp;uuml;rde, und wer mit welcher Geschichte aufwartet. Das es weniger als sonst sind, hat mich nicht &amp;uuml;berrascht. Manchen Autoren fiel zum Thema nichts ein, mancher wollte sich nicht damit besch&amp;auml;ftigen. &quot;Wenn ich da anfange zu w&amp;uuml;hlen, &quot; schrieb mir eine Autorin, &quot;dann kann ich gleich wieder in Therapie gehen.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher gilt den Autoren, die sich getraut haben, in diesem Monat ein ganz besonderer Dank. Insbesondere m&amp;ouml;chte ich Glamourdick danken, der die Titelgeschichte liefert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Ank&amp;uuml;ndigung: Eine Autoren von &quot;Mindestenshaltbar&quot; werden demn&amp;auml;chst live auf der B&amp;uuml;hne lesen. Am 05.04.08 gibt es eine &quot;Mindestenshaltbar&quot; Lesung. Zugesagt haben bisher:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jochenausberlin&lt;br /&gt;
Bj&amp;ouml;rn Grau&lt;br /&gt;
Maike&lt;br /&gt;
Axel Wegner&lt;br /&gt;
Ally Klein&lt;br /&gt;
Modeste&lt;br /&gt;
Susanne Englmayer&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ort:&lt;br /&gt;
Ori&lt;br /&gt;
Friedelstra&amp;szlig;e 8 &lt;br /&gt;
Berlin-Neuk&amp;ouml;lln&lt;br /&gt;
20.00 Uhr&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Banner folgt noch am n&amp;auml;chsten Wochenende. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:35:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2217/">
    <title>Don&apos;t smoke in bed</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2217/</link>
    <description>Zur Ehrenrettung des M&amp;ouml;belhauses, und deshalb habe ich Deko-Schaf Sven&amp;ouml; angef&amp;uuml;hrt, muss ich sagen, dass die dort vertriebenen Matratzen erstklassigen Brandschutz bieten. Denn mein erstes &quot;Oh oh&quot;-Erlebnis in der Kategorie &quot;so kann&apos;s mit mir nicht weitergehen&quot; hat etwas mit dem von einer Zigarette verursachten Brandloch in meiner relativ neuen Matratze zu tun. Mit zwei Ecstasy und mehreren Litern Alkohol intus ist es nie eine gute Idee, im Bett zu rauchen, und schon gar nicht mit brennender Zigarette einzuschlafen. Ikea saved my life. Das war im Februar. Ein paar Tage nach diesem Vorfall beschloss ich, mich in Behandlung zu begeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fakten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Depression und dem Alkoholismus ist die Sozialphobie die dritth&amp;auml;ufigste psychische Erkrankung. Lebenszeitbezogen erkranken 15,5% der Bev&amp;ouml;lkerung. Wiederum 15% dieser Betroffenen versuchen oder begehen Selbstmord. Was mit einer &quot;normalen&quot; Sch&amp;uuml;chternheit beginnen mag, steigert sich langsam in eine ausgewachsene Misere. Viele Patienten begeben sich mit einer ganz anderen Symptomatik in Behandlung, z.B. Depression und/oder Alkoholismus, psychovegetative St&amp;ouml;rungen. Das bringt mich zum nicht unverwandten Thema der axili&amp;auml;ren Saugcurettage... Ca. ein Jahr bevor ich mich zur station&amp;auml;ren Therapie entschloss, hatte ich den Plan meine  Achsel-Schwei&amp;szlig;dr&amp;uuml;sen entfernen zu lassen, da meine Psyche die unangenehme Angewohnheit hatte, bei leisester Stress-Indikation Achselschwei&amp;szlig; zu produzieren. Stress konnte bedeuten, dass sich jemand au&amp;szlig;er mir im Raum aufhielt. Aber es reichte auch v&amp;ouml;llig aus, morgens allein vor meinem Computer zu sitzen und zu &amp;uuml;berlegen, was der Tag noch so f&amp;uuml;r mich bereit hielt. F&amp;uuml;r wen sich jetzt das Achselschwei&amp;szlig;problem l&amp;auml;cherlich anh&amp;ouml;rt - gehen Sie mal im Winter schwitzend durch die Stadt. Sie ernten nicht nur skeptische Blicke, sondern auch h&amp;auml;ufiger Erk&amp;auml;ltungen als die anderen. Hinzu kommt, dass das Bewusstsein &quot;ich schwitze&quot; dazu f&amp;uuml;hrt, sich selbst, und der eigenen Anormalit&amp;auml;t st&amp;auml;ndig bewusst zu sein. Von den Waschmittekosten ganz zu schweigen. Dies nur als Beispiel f&amp;uuml;r ein psychosomatisches Symptom. Selbst an Tagen, an denen ich mich stark f&amp;uuml;hlte, wies mein K&amp;ouml;rper mich daraufhin, dass ich st&amp;auml;ndig unter Druck, st&amp;auml;ndig in Alarmbereitschaft stand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ca 20% aller Sozialphobiker missbrauchen Alkohol. Viele Bekannte und Freunde von mir waren &amp;uuml;berrascht, als ich ihnen sagte, woran ich litt. Sie kannten mich als aufgeschlossenen, heiteren Menschen, mit dem man gut feiern kann. Nach ein paar Gl&amp;auml;sern Wein war ich grunds&amp;auml;tzlich auch ein gel&amp;ouml;ster Mensch und das Schwitzen, das Err&amp;ouml;ten, das zwanghafte Schlucken verschwand in der Regel. Alkohol enthemmt. Wie die meisten anderen Drogen auch. Also waren Alkohol und Drogen f&amp;uuml;r mich schon einmal grunds&amp;auml;tzlich eine gute Sache. Nur manchmal fragte ich mich, ob ich es nicht ein wenig &amp;uuml;bertrieb (siehe meine Matratze).&lt;br /&gt;
Doch auch die folgenden Verhaltensauff&amp;auml;lligkeiten sind charakteristisch f&amp;uuml;r den Sozialphobiker:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Putz- und Ordnungszwang (von dem ich Gott sei Dank verschont bin)&lt;br /&gt;
- Kontrollzw&amp;auml;nge aus Angst, den von au&amp;szlig;en gestellten Anspr&amp;uuml;chen nicht zu gen&amp;uuml;gen.&lt;br /&gt;
- Handlungsunf&amp;auml;higkeit basierend auf der Vorwegnahme zu bef&amp;uuml;rchtender negativer Reaktionen. (Ich geh nicht auf die Party,weil mich jemand f&amp;uuml;r unattraktiv oder dumm oder krank halten k&amp;ouml;nnte.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei all diesen Zw&amp;auml;ngen, inklusive dem Drogenmissbrauch, handelt es sich um Bew&amp;auml;ltigungsma&amp;szlig;nahmen der sozialen Angst. Sich der Angst ausl&amp;ouml;senden Situation gar nicht erst zu stellen, ist zun&amp;auml;chst nicht die schlechteste Methode, sich der Angst zu entziehen. Doch nach ein paar Jahren dieser Methodik wird man sich seiner Defizite bewusst. In vielen F&amp;auml;llen ist der soziale Kontakt auf ein Minimum geschrumpft. Auch schon w&amp;auml;hrend der Vermeidungstaktik f&amp;uuml;hlt man sich schlecht. Man sch&amp;auml;mt sich f&amp;uuml;r seine Unf&amp;auml;higkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Drogenmissbrauch ist ein anderes Mittel, die Wand einzurei&amp;szlig;en, die der Geist den K&amp;ouml;rper veranlasst zwischen der Welt und mir zu errichten. Ich hatte und habe immer ein soziales Netz gehabt. Ich bin (auch wenn es mir oft schwer fiel) auf  Theaterpremieren gegangen, habe Freunde in Caf&amp;eacute;s getroffen. Allerdings fast immer half ein Glas Sekt auf Eis. Ohne dies schaltete sich die gewohnte Selbstbeobachtung ein. Man verbringt &amp;uuml;berhaupt irrsinnig viel Zeit damit, sich mit sich selbst zu besch&amp;auml;ftigen. Wenn ich mich einmal vergessen sollte, weist mein K&amp;ouml;rper durch Schwei&amp;szlig;bildung immer wieder verl&amp;auml;sslich darauf hin, wie vorhanden ich eigentlich bin. Er zwingt mich zur Selbstbeobachtung und st&amp;auml;ndigen Selbstkritik. Nicht so sch&amp;ouml;n f&amp;uuml;r den Selbstwert. Man sp&amp;uuml;rt sich. Aber nie in dem Gef&amp;uuml;hl, mit sich selbst im Einklang zu sein. Ich kann mich an symptomfreie Zeiten erinnern, aber leider merkt sich die Psyche ihre somatischen Tricks und ich zweifle noch stark daran, dass ich sie ihr jemals dauerhaft werde austreiben k&amp;ouml;nnen. Trotzdem will ich meine soziale Kompetenz wiederhaben. Und wenn das sechs Wochen station&amp;auml;re Behandlung bedeutet und m&amp;ouml;glicherweise noch einige Jahre ambulanter Therapie, dann ist das mein Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zweite Tag&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufwachen um 5.35. Augen vom Heulen geschwollen wie beim Down-Syndrom. Eine Morgendepression springt mich an. Aber  vielleicht ist es auch die Depression von gestern und sie ist mit mir aufgewacht. 6.15 Blut- und Urinabgabe. Messen, Blutdruck, wiegen - wo kommen die 5 Kilo her, von denen ich nicht wusste, dass ich sie zugenommen habe? Rauchen, dann Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck. Aus Versehen setze ich mich in den Bereich von Team 5. Ich hoffe, dass es mir die Team 2-Kollegen nicht &amp;uuml;bel nehmen. Aber na ja - ich hab mich gestern ziemlich isoliert, bin sogar zum Rauchen nicht zu ihnen gegangen, sondern blieb Ipod-beschallt allein. Vielleicht legen sie das jetzt gegen mich aus. Bei Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck in Team 5 komme ich mit einem Berliner ins Gespr&amp;auml;ch, der nicht Kanufahren darf. Kanu nur f&amp;uuml;r Angstpatienten. Das erste Mal in Wochen kann ich meiner Angst etwas abgewinnen. Um 8.15 Fr&amp;uuml;htreff - auch &quot;der Appell&quot; genannt. Hier bekommen wir Patienten unsere Termine. Frau F. hat um 9.15 Depri in der Aula, aber das &amp;uuml;berschneidet sich mit dem Seminar &quot;Stress und Stressbek&amp;auml;mpfung&quot; im Gartengeschoss, das im Grunde ein Keller ist. Ich erfahre, dass ich um 9.15 Uhr meine Psychologin treffe. Die Patienten, mit denen ich ins Gespr&amp;auml;ch komme und die mir sympathisch sind reisen alle schon n&amp;auml;chste Woche ab. Dass ich sie sympathisch finde hat aber vielleicht damit zu tun, dass sie die Therapie schon fast hinter sich haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gespannt auf&apos;s Drogenscreening und die Leberwerte. Wenn es da Auff&amp;auml;lligkeiten gibt, dann muss ich eine Abstinenzerkl&amp;auml;rung unterschreiben und w&amp;uuml;rde mich &amp;auml;rgern, meine ersten beiden Tage (die, schenkt man den anderen Glauben, die schlimmsten sein sollen) nichts getrunken zu haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Gespr&amp;auml;ch mit meiner Therapeutin verl&amp;auml;uft den Umst&amp;auml;nden entsprechend angenehm. Ich kann die Tr&amp;auml;ne zur&amp;uuml;ckhalten, aber sie quillt ganz sch&amp;ouml;n vorm Auge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Gespr&amp;auml;ch mit dem Chefarzt (&quot;Sie sind dumm!&quot; &quot;Warum? &quot;Weil Sie erst jetzt kommen.&quot;) mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Spaziere durch die Altstadt von W. und trinke einen Eistee, weil ich nirgends Cola Light Lemon finden kann. Auf dem R&amp;uuml;ckweg am Hafen entlang hole ich den Ipod raus und setze mich auf eine Bank mit Blick auf Wasser und Boote. An einer mietbaren Yacht links von mir steht ein Typ mit schwarzem Lockenkopf und Sonnenbrille und sieht angenehm entspannt aus. Er st&amp;ouml;rt nicht im Bild. Ist nicht zu attraktiv, nicht zu aggressiv wirkend. Eyecandy ohne Kalorien. Nach einer viertel Stunde (&quot;Razzle Dazzle them&quot;, Richard Gere, &quot;Trouble in mind&quot; Marianne Faithfull) setzt er sich neben mich. Ich &amp;uuml;berlege, ob mich das befangen macht. Du Tarzan, Ich Patient. Wieder ein paar Minuten sp&amp;auml;ter kommt ein weiterer attraktiver junger Mann vorbei und die beiden geben sich einen fl&amp;uuml;chtigen und liebevollen Kuss. Lockenkopf geht, junger Mann bleibt neben mir sitzen und liest Zeitung. Ich verschwinde. Soviel schwule Normalit&amp;auml;t halte ich gerade nicht aus. Warum sieht meine Leben nicht so aus? Warum sitze ich auf dem Berg bei den Psychos und er auf der Bank vor der Yacht? Life sucks. Beim Abendbrot lerne ich L. kennen. Sie zeigt mir den k&amp;uuml;rzesten Weg von der Klinik zum Wasser und wir setzen uns auf den Bootssteg. ?Wenn ich nicht mehr kann ? dann komm ich immer hierher. Manchmal geht&amp;acute;s einfach nicht, da kannst Du Dir das Elend der anderen nicht auch noch antun. Wenn ich den Blick auf dem Wasser habe, geht&apos;s mir wieder gut.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Weshalb bist Du hier?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Das gleiche wie Du ? Sozialphobie.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soviel Zeit wie m&amp;ouml;glich drau&amp;szlig;en verbringen ist eine gute Strategie. Laubb&amp;auml;ume, hoppelnde Hasen, Eichh&amp;ouml;rnchen, Bambi und seine &quot;Mutti&quot; (so bezeichnet selbst meine Therapeutin eine Frau mit Kindern), schwarze Katzen, Elstern, M&amp;uuml;cken, kleine K&amp;auml;fer, Schnecken, nackt und angezogen. Wasser, Wasser, Wasser. Der Himmel liefert heute spektakul&amp;auml;re Wolkendeko. Ich rauche und schaue und h&amp;ouml;re Musik und denke gerade, wie sch&amp;ouml;n, dass ein Kopfh&amp;ouml;rer ein so allgemein verst&amp;auml;ndliches Signal liefert, als ein Herr sich neben mich setzt und mich in ein Gespr&amp;auml;ch verwickelt, in das ich mich nicht verwickeln lassen m&amp;ouml;chte, aber dessen F&amp;auml;den ich aus Schicklichkeitsgr&amp;uuml;nden nicht zu kappen verstehe. Als es endlich vorbei ist klingelt das Handy an, es ist J&amp;uuml;rgen und ich bin froh, seine Stimme zu h&amp;ouml;ren, und nicht, wie gestern noch, um Fassung ringen zu m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;
Ich erkl&amp;auml;re: &quot;Es ist wie beim &apos;Frauentausch&apos; auf RTL2. Da heult jede Tauschmutti, wenn sie ihre Familie verl&amp;auml;sst, so dass man sich fragt, warum macht die bl&amp;ouml;de Kuh es dann? Aber man wei&amp;szlig; erst wie es ist, wenn man selbst die bl&amp;ouml;de Kuh ist. Au&amp;szlig;er, dass ich keine Tauschmutti bin. Weil, es ist ja keine Mutti in meine Wohnung eingezogen. Nur die beiden Spanier. Und ich krieg auch kein Honorar.&quot; Als ich zum Schlafengehen das Licht ausmache, sehe ich aus dem Fenster ein Feuerwerk und die Kl&amp;auml;nge des Grauens (&quot;&amp;Uuml;ber sieben Br&amp;uuml;cken musst du geh&apos;n&quot;) wabern her&amp;uuml;ber. In W. ist Volksfest. In der Klinik erstmal Schicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter geht es hier: &lt;a href=&quot;http://batesmotel.twoday.net&quot;&gt;http://batesmotel.twoday.net&lt;/a&gt;</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:26:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2216/">
    <title>Die Behandlung</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2216/</link>
    <description>Vielleicht war der Zettel sogar leer. Niemand sonst war auf dem Korridor, der nur einer Beh&amp;ouml;rde geh&amp;ouml;ren konnte, das stumpfe Linoleum unter meinen Sohlen, das wohl einen Steinboden imitieren sollte, die abwischbaren W&amp;auml;nde, halbhoch gelb gestrichen, und von einem tristen, gebrochenen Wei&amp;szlig; bis unter die Decke. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz allein sa&amp;szlig; ich auf dem Gang, die T&amp;uuml;ren waren noch geschlossen, und hielt mich fest an der Wartemarke, die ich in der Hand drehte, zusammenrollte, knickte und faltete. Ein wenig nerv&amp;ouml;s war ich, weil man mich dahingesetzt hatte, einbestellt von Nacht und Traum, wozu auch immer. Hoch war der Korridor und schmal, ein wei&amp;szlig;es, diffuses Licht sog die Farbe aus meiner Haut, die k&amp;auml;sig schien, farblos, als h&amp;auml;tte man etwas abgezogen, was eigentlich noch zu mir geh&amp;ouml;rte, eine elastische Schicht aus Farbe zwischen mir und der Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Frau Modeste!&quot;, wurde ich hereingerufen, eine Frauenstimme drang verzerrt aus den Lautsprechern unter der Decke, und hinter einem Tisch sa&amp;szlig;en drei Maskierte und sahen mich an. Kreisrunde L&amp;ouml;cher hatten ihre Masken um die Augen, die ich zu erkennen meinte, zuerst. Aber nein, erschreckte ich mich. Das w&amp;uuml;rdet ihr nicht tun, und ich sprach sie nicht an mit Namen. Vielleicht h&amp;auml;tte ich sie rufen sollen, vielleicht erinnern an alles, alte Zeiten, Liebe, Freundschaft und Vertrauen, aber sie sahen mich an, als seien sie&apos;s nicht, und ausziehen musste ich mich und wurde gewogen und gemessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;1,67!&quot;, quakte wieder der Lautsprecher, und ich sah an mir herab, rotes, rohes Fleisch und die Tr&amp;auml;nen liefen mir &amp;uuml;ber die Wangen. &quot;Sie k&amp;ouml;nnen jetzt in den Behandlungsraum.&quot;, k&amp;uuml;ndigte die Vorsitzende mir an, und ich l&amp;auml;chelte ihr versuchsweise ein wenig zu, aber sie schien es wirklich nicht zu sein, denn die Maske behielt sie auf und sah streng an mir vorbei durch die runden L&amp;ouml;cher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch eine T&amp;uuml;r musste ich gehen, durch eine zweite, und es wurde ziemlich hei&amp;szlig;, so warm wie in meinem Schlafzimmer vielleicht, und ich hob die Arme, weil man das so machen musste, um behandelt zu werden. Ein gro&amp;szlig;es Waffeleisen stand zur Behandlung bereit, und ich stellte mich folgsam in die Mitte. &quot;Jetzt schlie&amp;szlig;en sie die Augen!&quot;, sprach man mir beruhigend zu, und die beiden Seiten des Eisens senkten sich und schlossen mich ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hei&amp;szlig; wurde es. Sehr hei&amp;szlig;, und eng dazu, und die Stacheln des Eisens stachen mir in die Haut. Jetzt erst bekam ich Angst, man hatte mir also eine Falle gestellt. Das h&amp;auml;tte ich nicht von euch gedacht, konnte ich nicht mehr sagen, und im Hintergrund tuschelte die Spruchkammer leise, wann man das Eisen in Betrieb nehmen sollte, wie sie sagten, und ich schnappte nach Luft. In meiner Hand begann die Wartemarke zu gl&amp;uuml;hen und zu qualmen, aber um sie fallen zu lassen war es zu eng, und die Marke fra&amp;szlig; sich in meine Hand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es werde schnell gehen, versprach man mir, und ich versuchte zu nicken.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:24:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2215/">
    <title>Akrophobie</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2215/</link>
    <description>&lt;i&gt;Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage: Wovor.&lt;br /&gt;
Frank Thie&amp;szlig;&lt;br /&gt;
deutscher Essayist, Romancier, B&amp;uuml;hnenautor und Novellist&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war etwa neun Jahre alt, als er es zum ersten Mal bemerkte. Eigentlich hatte er in der Kaserne, in der er die ersten Lebensjahre verbrachte, keine Probleme gehabt. Im Gegenteil, es war immer eine Abwechslung, aus dem Zimmer hinauszukommen, in dem die Fl&amp;uuml;chtlingsfamilie zu viert wohnte. Er genoss es, der Enge zu entfliehen, durch den Vorhang, der den Raum in Eltern- und Kinderteil trennte, raus in den Flur mit den Gewehrst&amp;auml;ndern, vorbei am Etagenbad und der Toilette ins Gel&amp;auml;nde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gel&amp;auml;nde war spannend, man konnte auf B&amp;auml;ume klettern, und wenn man gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Energie hatte, ging es auf D&amp;auml;cher von Ruinen, alten, nicht gebrauchten Flughallen, Geb&amp;auml;uden, von denen man die Dachpappe abbrechen konnte, um sie in die Gegend zu schleudern. Allerdings war nichts mehr als 2-3 Stockwerke hoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als er sieben war, waren sie umgezogen, in eine sch&amp;ouml;ne Wohnung, hoch, im dritten Stock, da hatte er gemeinsam mit seiner Schwester sogar ein eigenes Zimmer. Wilde Gel&amp;auml;nde gab es auch, aber ohne die Flughallen oder hohe Geb&amp;auml;ude. DIe Dorfschule war getauscht gegen eine richtige Schule, f&amp;uuml;r jeden Jahrgang eine Klasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gesagt, vielleicht war er neun oder acht, und die Klasse hatte einen Ausflug vor. Das war immer eine Abwechslung, raus aus der Klasse, mal etwas anderes, Abwechslung vom Unterricht, wo die Lehrerin vorne stand und alles erkl&amp;auml;rte, er hatte das Gef&amp;uuml;hl, alles viel zu ausf&amp;uuml;hrlich, er langweilte sich h&amp;auml;ufig. Deswegen freute er sich als angek&amp;uuml;ndigt wurde, man wolle die alte Backsteinkirche in der Innenstadt besuchen, super, mal etwas ganz anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
St. Petri wirkte gewaltig, der Turm war gut erhalten, auch wenn in der Stadt viel zerbombt war. Die ganze Klasse wanderte erwartungsfroh zur Kirche, rein in den Turm, ein tolles Erlebnis, ein Weitblick war angek&amp;uuml;ndigt. Drinnen war es dunkel und der Blick nach oben wirkte auf die kleine Person gewaltig. Es war ein hoher Raum, ganz leer, und an den Seiten f&amp;uuml;hrte eine luftige Holztreppe nach oben zum Ziel des Ausflugs: der Ausblick von ganz oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorsichtig setzte er seinen Schritt auf die Holztreppe, sie wirkte gewaltig, f&amp;uuml;hrte immer au&amp;szlig;en am Turm entlang in die H&amp;ouml;he. Ein weiterer Schritt. Irgendwie wurden die Knie weich. Ein weiterer vorsichtiger Schritt. Leider konnte man zwischen den Stufen nach unten schauen. Das Gef&amp;uuml;hl wurde st&amp;auml;rker, die Beine schienen zu versagen. Doch das Ziel der Ausblick lockte. Und die anderen hatten doch gar keine Probleme. Ein weiterer Schritt. Nein, es ging nicht, langsam begannen die Tr&amp;auml;nen zu flie&amp;szlig;en. Er schaffte es nicht, er weinte und sagte er kann nicht. Er war allein, der einzige, musste die anderen ziehen lassen, die das, was er ersehnt hatte, machen konnten, ohne ihn. Er f&amp;uuml;hlte sich allein, so allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was f&amp;uuml;r eine Blamage, man muss doch eigentlich stark sein. Es dauerte ein paar Wochen, bis er diese Schmach verga&amp;szlig;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lange waren dann keine Gelegenheiten mehr da, wo das Problem auftrat. 20 Jahre sp&amp;auml;ter, auf dem Eiffelturm, da hielt er sich halt zur&amp;uuml;ck, ging nicht an den Rand, das konnte man aushalten, die Knie wurden nur weich als die Begleiterin ganz selbstverst&amp;auml;ndlich an die Br&amp;uuml;stung lief, er zitterte. Beim Gesch&amp;auml;ftsbesuch in Boston, mit dem Essen im 24. Stock, ja, die Fenster reichten bis zum Boden, da war er froh, dass der Tisch doch um einiges von den Fenstern Weg war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch, er versuchte es immer wieder. Sogar auf das World Trade Center, als es noch stand fuhr er hinauf. Was f&amp;uuml;r ein Horror, nach au&amp;szlig;en Fenster bis auf den Boden, nach innen ein ?Graben? von 50 Zentimetern. Mit zitternden Knien musste er eine Runde machen, vom Fahrstuhl nach oben zu dem nach unten, kein Gel&amp;auml;nder, zitternd, kein Blick nach links oder rechts, 3 angstvolle Minuten bis es wieder runter ging, zu Gl&amp;uuml;ck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann wei&amp;szlig; er es und hat sich arrangiert. Trotzdem gibt es immer wieder ganz besondere Situationen. Die K&amp;uuml;stenstra&amp;szlig;e zum Beispiel in Spanien zwischen San Sebastian und Frankreich. Er am Steuer und eigentlich liebt er ja kurvige Bergstra&amp;szlig;en, ist ja viel interessanter als Autobahn. Aber pl&amp;ouml;tzlich verschwinden die B&amp;auml;ume. Die Stra&amp;szlig;e schraubt sich hoch und pl&amp;ouml;tzlich gibt es keine Leitplanke mehr. Das Auto wird langsamer und langsamer. Er sagt, dass er glaube es gehe nicht mehr. Seine Frau wundert sich und fragt, ob was mit dem Auto sei. Nein da war nichts, es war die H&amp;ouml;henangst. Aber er schafft es und kommt sicher runter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit H&amp;ouml;he hat all das nicht viel zu tun, er liebt es zu fliegen. Und er genie&amp;szlig;t es im Hubschrauber neben dem Piloten zu sitzen und durch seine F&amp;uuml;&amp;szlig;e und den Glasboden nach unten zu schauen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:21:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2214/">
    <title>Ich habe keine Angst</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2214/</link>
    <description>Das ist Quatsch. Nicht nur Liebe, auch Texte sind Arbeit, Arbeit, Arbeit. Und als solche zu bew&amp;auml;ltigen, wenn das richtige Handwerkszeug vorhanden ist. Das Viagra des Textens ist die Recherche. Die Kontaktanzeige, mit der sich die neue Liebe findet, entspricht der Assoziationskette. Fehlt spontan die Idee zum Thema, wird sie eben gesucht und das Hirn gest&amp;uuml;rmt. Na dann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe keine Angst. So lautet der Titel eines italienischen Films, den ich bis heute nicht gesehen habe. Die DVD aber hat mir eine Freundin ausgeliehen vor eineinhalb Jahren und sie steht immer noch ungenutzt im Regal. Ich bin nicht gut im Sachen zur&amp;uuml;ckgeben. Vor bald zehn Jahren hat mir eine auch damals schon ehemalige Schulkameradin eine Armbanduhr ausgeliehen, die mir kurz nach der Entleihung kaputt ging. Ich habe das nun nutzlose Ding immer noch, den Kontakt zur Verleiherin aber verloren. Ich hatte aber lange Angst, sie wiederzutreffen. Denn mir fehlte das Geld f&amp;uuml;r die Reparatur des Zeitanzeigers. Jetzt, wo die Verbindungen gekappt sind, habe ich nur noch ein schlechtes Gewissen, aber keine Angst mehr. &lt;br /&gt;
Das hilft jetzt aber nicht weiter, denn wenn ich keine Angst habe, kann ich nicht dr&amp;uuml;ber schreiben. Also weitersuchen.&lt;br /&gt;
Als Kind hatte ich Angst vor einem Krieg. Vor Fliegerangriffen und Panzerbeschuss. Ich hatte mit zehn Jahren einen Bildband zum Dritten Reich in die Finger bekommen und fasziniert gelesen. Und war v&amp;ouml;llig &amp;uuml;berfordert. &lt;br /&gt;
&quot;Sexualit&amp;auml;t und Angst entsprechen zwei entgegengesetzten Richtungen vegetativer Erregungsempfindung&quot;, hat Wilhelm Reich mal behauptet. Ich glaube, das stimmt. Als ich meine Sexualit&amp;ouml;t entdeckte, endete die Angst vorm Krieg. Ob ich in die richtige Richtung gegangen bin? F&amp;uuml;r diesen Text wohl nicht. Die eigene Erinnerung taugt nicht zum Angst machen. Also suche ich die Angst woanders. Wo kommt sie her?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie das lateinische angustia (und das italienische angoscia) wohl von einem indogermanischen Wort, dass &quot;Enge&quot; meint. Interessant, dass das nie im Englischen ankam. Die mussten Angst ja importieren, die hatten nur die Furcht in Form von &quot;fear&quot;. Eng. Hmmm.&lt;br /&gt;
Mittelhochdeutsch schrieben die M&amp;ouml;nche und Artusromaneschreiber Angst noch mit e: &quot;angest&quot;. Mich erinnert das an Angus. Angus Young. AC/DC. Deren drittes Studioalbum hei&amp;szlig;t &quot;Let there be rock&quot;. So hei&amp;szlig;t doch auch eine Tocotronic-Single. Eine andere: &quot;Keine Angst f&amp;uuml;r niemand&quot;. Ja super. Dann eben nicht. Aber ist das nicht eine Anspielung auf den Titel von Ton Steine Scherben: &quot;Keine Macht f&amp;uuml;r Niemand&quot;? Doch. Und was haben die zur Angst gesungen: &quot;Wir haben nichts zu verlieren, au&amp;szlig;er unserer Angst&quot;. Ich will sie aber nicht verlieren, sondern finden. &amp;Uuml;berhaupt. &quot;Angus&quot; ist keltischen Ursprungs und bedeutet was ganz anderes, &quot;eine Wahl&quot; vielleicht. Wenn ich w&amp;auml;hlen d&amp;uuml;rfte, h&amp;auml;tte ich jetzt gern einen Einfall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur&amp;uuml;ck zur Grundbedeutung: Irgendwas mit Enge. Wer Angst hat, ist im Wortsinne beengt. Aus &quot;beengt&quot; aber entwickelt sich im Laufe der Zeit das sch&amp;ouml;ne Wort &quot;bange&quot; Wenn mir angst und bange ist, dann ist es also eigentlich doppelt eng. Ob aber engstirniges Verhalten auf Angst zur&amp;uuml;ckzuf&amp;uuml;hren ist? Was wohl die Bangles mit Angst zu tun haben? Gut, &quot;Eternal Flame&quot; war der Horror, wenn Du Engtanz nicht mochtest, aber der Bandname kommt mitnichten vom Bangen, sondern hei&amp;szlig;t schlicht und ergreifend &quot;Armreif&quot;. Haben Headbanger Angst? Wer wei&amp;szlig;.&lt;br /&gt;
&quot;Habt keine Angst&quot; hatte Papst Johannes Paul II zu seinem Amtsantritt gesagt und wie der alte Kierkegaard als Heilmittel die Religion vorgeschlagen. Promotion f&amp;uuml;r seinen Chef sozusagen. Hilft aber jetzt auch nicht weiter. Ich h&amp;auml;tte gerade sehr gerne Angst, dann h&amp;auml;tte ich was zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angst kommt von &quot;eng&quot;. Eng wird es langsam allerdings mit der Zeit, ich sollte hier bald mal zu Potte kommen mit dem Text. Habe ich jetzt Angst vor dem Redaktionsschluss? Ich habe jedenfalls keinen Text. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Panik! Alles L&amp;ouml;schen. Das leere Blatt. Absagen? Sorry, der versprochene Text wollte einfach nicht zu mir kommen. Es fehlte an Eingebung. Es mangelte nicht an Selbst&amp;uuml;bersch&amp;auml;tzung. Ich bin doch kein Genie. Ich bin gescheitert. Jetzt bin ich ganz in mein Dasein geworfen. Ich habe nichts. Au&amp;szlig;er mir. Das wei&amp;szlig;e Blatt. Ist das Angst? &lt;br /&gt;
Jedenfalls kein Text.
</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:17:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2213/">
    <title>Wie ich meine Liebe zu James Dean in den Sand setze</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2213/</link>
    <description>Aber welche Frau h&amp;auml;tte diesem verlorenen jungen Mann, der voll Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung das Leid der Welt auf seinen Schultern trug, schon wiederstehen k&amp;ouml;nnen? Es zerriss mir das Herz, ihn nicht von der Leinwand herunterholen zu k&amp;ouml;nnen, um ihn zu knuddeln, in meine starken Arme zu nehmen, um ihn zu retten und zu besch&amp;uuml;tzen. &lt;br /&gt;
Steven hingegen war real. Nicht ganz so gut gebaut wie James und auch ohne fesche Tolle, aber aus Fleisch und Blut und bereit, von der B&amp;uuml;hne der amerikanischen Highschool direkt in mein Leben gezerrt zu werden. Der Dramakurs hatte sich zu Beginn meines Austauschjahres die Inszenierung des gleichnahmigen Theaterst&amp;uuml;ckes zur Aufgabe gemacht. Noch heute bin ich davon &amp;uuml;berzeugt, dass Steven dem wirklichen James Dean in der Rolle des Jim Stark die Show gestohlen h&amp;auml;tte. Er sah nicht nur blendend aus, sondern war dar&amp;uuml;ber hinaus hochbegabt. Mit einem Blick konnte er die Geschichte seiner ganzen verkorksten Jugend, seine Suche nach dem Sinn des Lebens und sein Bed&amp;uuml;rfnis nach Liebe ausdr&amp;uuml;cken. So fragil wie der Charakter, den er darstellte, war auch sein Erscheinungsbild. Strohblondes Haar, das er halblang trug, ein weiches, filigran gezeichnetes Gesicht, braune, sanfte Augen, schmale H&amp;auml;nde und lange, feingliedrige Finger, mit denen er immer wieder durch seine Haare fuhr. Er war gro&amp;szlig; und androgyn und seine ganze Gestalt hatte etwas &amp;auml;therisches, fast schon weibliches an sich, eingeh&amp;uuml;llt in eine Aura der Verletzbarkeit und Reinheit.&lt;br /&gt;
Ich schmolz in einem Pl&amp;uuml;schsessel dahin. Nicht nur einmal, sondern in jeder Vorstellung, die der Dramakurs gab. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Erfahrungen mit dem m&amp;auml;nnlichen Geschlecht begrenzten sich damals auf ein bi&amp;szlig;chen knutschen und fummeln (in Unterw&amp;auml;sche) mit Jungen, die mir egal waren und unerf&amp;uuml;llte Schw&amp;auml;mereien f&amp;uuml;r Jungen, f&amp;uuml;r die ich - nun ja - schw&amp;auml;rmte. In letzterem Fall hatte meine bisherige Eroberungstaktik darin bestanden, jeglichen Kontakt mit dem Objekt meines Herzens zu meiden, allen Gespr&amp;auml;chen durch verst&amp;auml;ndnisloses Kopfsch&amp;uuml;tteln auszuweichen und das Weite zu suchen, falls man sich doch zuf&amp;auml;llig &amp;uuml;ber den Weg lief. &lt;br /&gt;
Den Jungen erschloss sich die Raffinit&amp;auml;t dieser Verf&amp;uuml;hrung leider nicht und so hatte ich bis zum fortgeschrittenen Alter von 18 Jahren keine echte Beziehung vorzuweisen. Mit Steven sollte sich dies nun &amp;auml;ndern. Ich wollte ausnahmsweise meine Sch&amp;uuml;chternheit vergessen und so verbrachte ich ein Jahr mit der aktiven Eroberung seines Herzens.&lt;br /&gt;
Die Schw&amp;auml;rmerei einer seiner Freunde f&amp;uuml;r mich, der mich mit roten Rosen, selbstverfassten Gedichten und liebevoll zusammengestellten CDs &amp;uuml;berh&amp;auml;ufte, nutzte ich gnadenlos aus, um in seinen Dunstkreis zu gelangen. Ich schrieb mich f&amp;uuml;r die geplante neue Auff&amp;uuml;hrung des Dramakurses ein und verbrachte viele einsame Stunden mit dem Bemalen und Bekleben von B&amp;uuml;hnenbildern, musste in jeder Mittagspause eine Freundin beknien, mich zu dem kleinen Fastfoodladen ausserhalb des Campus&apos;, wo sich die Raucher immer aufhielten, zu begleiten, obwohl ich, genau wie die Freundinnen, damals noch gar nicht rauchte - tat eben alles menschenm&amp;ouml;gliche, um in seiner N&amp;auml;he zu sein und ihm die Gelegenheit zu bieten, mich anzusprechen. &lt;br /&gt;
Ich hatte viel Zeit ihn zu beobachten. Er besch&amp;auml;ftigte sich ausschlie&amp;szlig;lich mit geistigen Dingen und verzichtete g&amp;auml;nzlich auf die Teilnahme an den f&amp;uuml;r die amerikanischen Highschools so typischen sportlichen Ert&amp;uuml;chtigungen. Statt dessen las er viel, sang im Konzertchor der Schule und spielte leidenschaftlich gerne Theater. Geredet haben wir zwei Mal miteinander. Jeweils einen Satz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schulcampus bestand aus mehrenen kleinen Geb&amp;auml;uden, die den Fachrichtungen zugeordnet waren. Irgendwann bemerkte ich, dass Steven die 6. Stunde t&amp;auml;glich in dem Geb&amp;auml;ude verbrachte, in dem meine 5. Stunde abgehalten wurde. Daraufhin &amp;auml;nderte ich meine Route zum anderen Geb&amp;auml;ude, in dem meine 6. Stunde stattfand so ab - nicht ohne dabei einen betr&amp;auml;chtlichen Umweg in Kauf zu nehmen - dass wir uns &amp;uuml;ber den Weg liefen. Diese Ma&amp;szlig;nahme perfektionierte ich im Laufe der Monate. Sobald das Ende der 5. Stunde eingel&amp;auml;utet wurde, st&amp;uuml;rzte ich zum Fenster. Dort verharrte ich so lange, bis ich ihn beim Verlassen des gegen&amp;uuml;berliegenden Hauses erblickte, rannte dann in Windeseile den Flur entlang und 3 Stockwerke nach unten, um ihm ganz beil&amp;auml;ufig genau an der T&amp;uuml;r zu treffen. &lt;br /&gt;
Meist war mein Timing derart perfekt, dass wir uns gegenseitig die T&amp;uuml;r &amp;ouml;ffneten. Von Zeit zu Zeit blickte er mir dabei tief in die Augen. Ich verbrachte ganze N&amp;auml;chte damit, l&amp;auml;chelnd daran zu denken, mich an diesen Blick zu erinnern, ihn zu analysieren und darin seine Gef&amp;uuml;hle f&amp;uuml;r mich zu entdecken. Gegr&amp;uuml;&amp;szlig;t hat er mich nie. &lt;br /&gt;
Irgendwann hatte er dann so eine kleine, h&amp;auml;ssliche Punkfreundin mit schwarzgef&amp;auml;rbten Zottelhaaren und schlechten Z&amp;auml;hnen. Seltsamerweise begegneten wir uns kaum noch im Treppenhaus und obwohl ich mir wenig sp&amp;auml;ter die Haare schwarz f&amp;auml;rbte, schien ich mich in seiner Gegenwart in Luft aufzul&amp;ouml;sen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Jahre sp&amp;auml;ter kehrte ich nach Amerika zur&amp;uuml;ck, um meine Gasteltern zu besuchen. Ich wei&amp;szlig; nicht, aus welcher Motivation heraus ich zum Telefonbuch griff, um Stevens Nummer herauszusuchen. Zuhause in Deutschland wartete eine &quot;echte&quot; Beziehung auf mich, mit der ich meistens recht gl&amp;uuml;cklich war und ich hatte in den vergangenen Jahren nicht mehr an Steven gedacht. &lt;br /&gt;
Aber ich war vermutlich neugierig auf meine Empfindungen meinem Highschool-Schwarm gegen&amp;uuml;ber und empfand das Bed&amp;uuml;rfnis, ihm zu gestehen, dass ich ihn ein Jahr lang aus der Ferne angebetet hatte. Bei einem Kaffee k&amp;ouml;nnten wir bestimmt beide dar&amp;uuml;ber lachen.&lt;br /&gt;
Steven hatte sich kaum ver&amp;auml;ndert. Ein wenig in sich zur&amp;uuml;ckgezogen, unsicher, wor&amp;uuml;ber er mit mir sprechen k&amp;ouml;nnte und dar&amp;uuml;ber, warum ich mich mit ihm hatte treffen wollen und mit den typischen Verlegenheiten k&amp;auml;mpfend, die ein Teenager so mit sich herum schleppt. Mir war der Altersunterschied von zwei Jahren zuvor gleichg&amp;uuml;ltig gewesen, doch nun zeigte sich, dass ich als Berufst&amp;auml;tige mit dem 12Kl&amp;auml;ssler, der noch immer nicht wusste, was er mit seinem Leben anfangen sollte, wenig gemeinsam hatte. S&amp;uuml;&amp;szlig; und besch&amp;uuml;tzenswert fand ich ihn immer noch, doch von der starken fr&amp;uuml;heren Anziehungkraft war nichts mehr zu sp&amp;uuml;ren. Nach dem einen oder anderen Kaffee (was anderes durfte er leider nicht trinken) wurde der Abend immer entspannter. Wir lachten &amp;uuml;ber gemeinsame Bekannte und irgendwann fasste ich mir ein Herz und erz&amp;auml;hlte ihm von den Gef&amp;uuml;hlen ihm gegen&amp;uuml;ber, die ich ein Jahr mit mir herumgetragen hatte. Zuerst wurde Steven ganz still. Dann zauberte er ein L&amp;auml;cheln auf seine Lippen und gestand mir, da&amp;szlig; er damals in mich verliebt war. Da&amp;szlig; er jeden Tag nach der 5. Stunde in dieses eine Geb&amp;auml;ude lief, obwohl sein n&amp;auml;chster Unterricht ganz woanders stattfand, nur um mir zu begegnen. Dass er sich nie getraut hat, mich anzusprechen, aus Angst vor Zur&amp;uuml;ckweisung und weil sein Freund von mir schw&amp;auml;rmte.&lt;br /&gt;
An diesem Abend brachte er mich nach Hause. Wir standen vor der T&amp;uuml;r und schwiegen uns an. Und da war er wieder. Dieser Blick aus dem Treppenhaus nach der 5. Stunde. Ich &amp;uuml;berlegte, ob ich ihn k&amp;uuml;ssen sollte, um wenigsten ein klein wenig f&amp;uuml;r all&apos; die verlorenen, weil nicht gemeinsam verbrachten Stunden, Wochen und Monate gutzumachen. Das Gef&amp;uuml;hl seiner H&amp;auml;nde auf meiner Haut und seiner Lippen auf den meinen als Trost f&amp;uuml;r verpasste Chancen im Leben mit nach Hause nehmen zu k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
Ich hauchte ihm einen Abschiedskuss auf die Wange, drehte mich um und ging ins Haus.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:13:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2212/">
    <title>Von Phobikern und Phobielisten</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2212/</link>
    <description>Geisterbahnbetreiber, Drehbuchautoren, Sicherheitstechniker und Herr Sch&amp;auml;uble verdanken ihr den Lebensunterhalt. Angst hindert uns daran, eigenh&amp;auml;ndig feststellen zu wollen, wie sich das Fell eines ausgewachsenen sibirischen Tigers anf&amp;uuml;hlt oder auszuprobieren, was passiert, wenn man die Mutter eines italienischen Mafiabosses in seinem Beisein beschuldigt, sich regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig daf&amp;uuml;r bezahlen zu lassen, den Papst oral zu befriedigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angst ist eine schlechte Sache. Manchmal l&amp;auml;hmt sie nur unsere Reaktionsf&amp;auml;higkeit, oft genug unseren Verstand. Angst ist kein guter Ratgeber. Sie l&amp;auml;sst die K&amp;ouml;rpertemperatur ansteigen, wenn ein k&amp;uuml;hler Kopf nutzbringender ist. So vergisst man zum Beispiel, wenn man mitten in der Stadt in eine Demonstration militanter Umweltsch&amp;uuml;tzer ger&amp;auml;t, so schnell wie m&amp;ouml;glich den Mein-Auto-f&amp;auml;hrt-auch-ohne-Wald-Aufkleber von der Sto&amp;szlig;stange des SUV zu kratzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sei nur gerechtfertigt vor zwei Dingen im Leben Angst zu haben, meinte die Schweizer Psychologin Elisabeth K&amp;uuml;bler-Ross: pl&amp;ouml;tzliche, laute Ger&amp;auml;usche und das Fallen aus gro&amp;szlig;er H&amp;ouml;he. Alles andere sei unbegr&amp;uuml;ndet und &amp;uuml;bertrieben. Eine stetig wachsende Gruppe, die sich selbst &quot;Die Phobiker&quot; nennen, bezweifelt dies und entdeckt t&amp;auml;glich Neues, das sie zu schrecken vermag. Sie erfinden Krankheiten wie die Gymnogasterphobie (Angst vor nackten B&amp;auml;uchen), die Babushkaphobie (Angst vor Gro&amp;szlig;m&amp;uuml;ttern) oder die Neoorthographogermanophobie (Angst vor der neuen deutschen Rechtschreibung). Die Angst vor ellenlangen, unaussprechlichen Fremdw&amp;ouml;rtern ist zwar noch nicht erfunden, doch allein der Gedanke an sie soll Nachrichtensprechern den Schwei&amp;szlig; auf die Stirn treiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leben d&amp;uuml;rfte f&amp;uuml;r Menschen mit einer Zemmiphobie (Angst vor Nacktmullen) oder einer Arachibutyrophobie (Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt) leichter zu bew&amp;auml;ltigen sein, als f&amp;uuml;r solche mit einer Optophobie (Angst, die Augen zu &amp;ouml;ffnen), einer Rhypophobie (Angst vor dem Stuhlgang) oder einer Dipsophobie (Angst vor dem Trinken). Irgendwann langweilten Erstere sich und experimentierten deshalb mit Kombinationen verschiedener Phobien. Was aber, wenn jemand gleichzeitig eine Automysophobie (Angst davor, schmutzig zu sein) und eine Hydrophobie (Angst vor Wasser) hat? Gibt er sich dann selbst in die chemische Reinigung? Und was ist Personen mit einer Lamiaphobie (Angst vor Vampiren) und einer gleichzeitig auftretenden Alliumphobie (Angst vor Knoblauch) zu raten? Es bleibt ihnen wohl nur ihr Kreuz zu tragen wie weiland der Sohn Gottes oder ihre Sprinkleranlage mit Weihwasser zu bef&amp;uuml;llen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Menschen, die sowohl eine Dextrophobie (Angst vor Dingen, die sich an der rechten K&amp;ouml;rperh&amp;auml;lfte befinden), als auch eine Levophobie (Angst vor Dingen, die sich an der linken K&amp;ouml;rperh&amp;auml;lfte befinden) hegen und pflegen, kann man einen geduldigen Guru w&amp;uuml;nschen, der sie auf der Suche nach ihrer Mitte unterst&amp;uuml;tzt. Aber was tun Individuen, die sowohl unter Kathisophobie (Angst sich hinzusetzen) und unter einer Ambulophobie (Angst zu stehen und zu laufen) leiden? Vermutlich arbeiten sie als schwebende Jungfrau beim n&amp;auml;chsten Uri Geller - es sei denn, sie leiden an einer Aviophobie, Aviotophobie oder Pteromerhanophobie. In allen drei F&amp;auml;llen handelt es sich um die Angst vorm Fliegen. Dagegen hilft die Lekt&amp;uuml;re von Erica Jong. Sogenannte Anti-Flugangst-Seminare, deren Teilnehmer im Hangar dar&amp;uuml;ber staunen d&amp;uuml;rfen, das ein Flugzeug im Grunde nur aus einem unkontrollierbaren Kabelwirrwarr und einer pergamentd&amp;uuml;nnen Aluminiumr&amp;ouml;hre besteht, helfen nicht. Glauben Sie mir, ich wei&amp;szlig; das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich pers&amp;ouml;nlich leide seit Ausstrahlung der Serie &quot;Ausgerechnet Alaska&quot; latent ? aber nur latent! - an einer ganz leichten Form einer Keraunothentophobie (Angst vor herabst&amp;uuml;rzenden Satelliten), habe daf&amp;uuml;r aber meine langj&amp;auml;hrige Testophobie (Angst vor Pr&amp;uuml;fungen) besiegt. Wie gut das ist, wei&amp;szlig; ich noch nicht so recht, denn sie erwies sich als durchaus praktisch. So konnte ich etwa erkl&amp;auml;ren, dass nicht pure D&amp;auml;mlichkeit, sondern vielmehr psychologische Zw&amp;auml;nge ausschlaggebend daf&amp;uuml;r waren, dass meine ersten drei F&amp;uuml;hrerscheinpr&amp;uuml;fungen keine drei Minuten dauerten. Das erste Mal durfte ich gar nicht erst losfahren, da ich mich nicht angeschnallt hatte, das zweite Mal &amp;uuml;bersah ich eine rote Ampel und das dritte Mal gelang es mir nur knapp, auf einem Zebrastreifen einem Kinderwagen auszuweichen. Der diente zwar nur zum Transport zweier Bierk&amp;auml;sten, aber das lie&amp;szlig; der Pr&amp;uuml;fer als Argument nicht gelten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Zeit zu Zeit &amp;uuml;berf&amp;auml;llt mich ein Anflug von &amp;Auml;hrfurcht (Angst vor Getreide) und einmal im Jahr manifestiert sich eine vor&amp;uuml;bergehende Santaclaustrophobie (Angst vor Weihnachtsm&amp;auml;nnern) - aber sonst geht?s mir gut. Denn Menschen, die so gar keine Angst vor irgend etwas haben, k&amp;ouml;nnen eine Hypopphobie entwickeln (Angst vor dem Mangel an Angst) ? und denen stellt der Therapeut gern die meistgef&amp;uuml;rchtete klassische Frage: was w&amp;uuml;rden Sie tun, wenn Sie keine Angst h&amp;auml;tten?</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:07:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2211/">
    <title>Alleine</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2211/</link>
    <description>W&amp;auml;hrend man die Zeitungen in der Wohnung wie eine Brotkrumenspur auslegt, versucht man bewaffnet mit Roibush-Tee, Murakami und der Fernbedieung der Langweile Paroli zu bieten. Zwischendrin ertappt man sich dabei, mit der Stirn gegen ein Fenster gelehnt den Schn&amp;uuml;rregen einzuf&amp;auml;deln, damit wenigstens er in Ordnung ist. Die K&amp;auml;lte kriecht vom Fenster &amp;uuml;ber Stirn hinein in den Kopf, nur um entt&amp;auml;uscht festzustellen, dass es da drin noch k&amp;auml;lter ist. &lt;br /&gt;
Gelangweilter Griff ziwschen Beine Sonntag Nachmittag um kurz vor vier, w&amp;auml;hrend irgendein Skispringer durch den Wald segelt und auf einem langen, wei&amp;szlig;en Bettlaken einen Knicks macht. Zwischen den Beinen ist nichts und man greift ins Leere. Keine W&amp;auml;rme str&amp;ouml;mt, kein von Nadeln getriebenes Ansinnen qu&amp;auml;lt sich heraus. Die Hand ruht im Nichts. Vielleicht doch schon was trinken? Die Decke bis zum Kinn, eine Hand zwischen den Beinen eingeklemmt verliert sich der Blick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigene Kosmos ist implodiert. Keine Ablenkung ausser der Ablenkung, dass die Dinge eine b&amp;ouml;se durch die Gegend schubsen. Dass man selber gar nicht wirklich lenken kann, nur abwarten, dass man wieder etwas erkennt und fr&amp;ouml;hlich sagen kann: &quot;Das ist ja h&amp;uuml;bsch&quot;. Ich muss lachen, als ich denke &quot;Mein inneres Konzentrationslager&quot;. Mein politisch korrektes Gewissen tadelt mich sofort f&amp;uuml;r den Gedanken. Ich beschlie&amp;szlig;e meinem politisch korrekten Gewissen eins auszuwischen, in dem ich weiter kichere. Vielleicht mal die Wohnung umr&amp;auml;umen? Das Sofa von hier nach dort, das Bett mehr ans Fenster. Warum steht das Bett &amp;uuml;berhaupt so weit weg vom Licht? &lt;br /&gt;
Achja, keine Vorh&amp;auml;nge. Innenhof. Die achtk&amp;ouml;pfige Familie aus Taiwan, die von ihrer K&amp;uuml;che aus mir direkt ins Schlafzimmerfenster schauen kann, wird sicher nicht erfreut sein, wenn sie mir w&amp;auml;hrend ihres dritten Abendessens beim V&amp;ouml;geln zusehen kann. Die Nachbarn haben im Sommer eh immer mit einer Mischung aus Neugier und Abscheu geschaut, wenn ich vergessen hatte das Fenster vorm Sex zu zu machen. Was ich eigentlich immer vergessen habe. Wenn man angetrunken Samstagsmorgens um 2.00 Uhr nach Hause kommt, hat man andere Dinge im Sinn. Komischerweise f&amp;auml;llt einem dann immer mittendrin auf, dass ja das bl&amp;ouml;de Fenster sperrangelweit aufsteht und man gerade dabei ist eine akustische Liveshow abzuliefern, aber dann ist man auch zu faul und zu besch&amp;auml;ftigt um aufzustehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte man eine Aff&amp;auml;re mit jemanden, der mir, wenn ich ihm zu laut wurde, den Mund zugehalten hat. Beim ersten Mal bin ich erschrocken zumal ich keine Luft bekommen habe. Koksnase. Ich hab seine Hand weggeschlagen und ihn b&amp;ouml;se angeschaut. Er hat sich entschuldigt. Er k&amp;ouml;nne es nicht ertragen, wenn es zu laut w&amp;uuml;rde. Es w&amp;uuml;rde ihn ablenken, aus dem Rhythmus bringen. Also liebten wir uns leise. Wie zwei Teenies unter der Decke, unterdr&amp;uuml;ckt keuchend, schwitzend, die Lippen aufeinander gepresst, nur beim K&amp;uuml;ssen ein leises St&amp;ouml;hnen. Schwer f&amp;uuml;r jemanden wie mich, die eigentlich nie dar&amp;uuml;ber nach gedacht hat, ob und was f&amp;uuml;r Ger&amp;auml;usche sie macht. Es war ein verbissener, taubstummer Kampf zweier Menschen, die sich dabei in die Augen starrten, die mit dem Becken versuchten dem andern die Luft aus den Lungen zu pressen, die darauf warteten, dass der andere endlich in einem Ger&amp;auml;usch explodierte. Aber immer wenn ich nahe dran war zu verlieren, legte er mir seine Hand auf den Mund und ich wehrte mich nicht mehr, sondern schlo&amp;szlig; die Augen und hielt den Atem an, w&amp;auml;hrend er sich schneller in mir bewegte. In manchen Momenten konnte ich vergessen, dass da eine Hand auf meinen Mund lag, und ich atmete mit irgendwas anderem. Mit der Haut, mit der Vagina, mit den H&amp;auml;nden. Bis mir der Kopf zu platzen drohte, die Wangen sich nach innen st&amp;uuml;lpten, er die Hand wegnahm und die Luft in einer leisen Explosion wieder nach in die Lungen str&amp;ouml;mte. Klare, kalte Luft die meinen Brustkorb f&amp;uuml;llte, alles wieder weich machte und meine Finger dazu bewegten in die Haut des anderen zu wollen. Sich darunter zu schieben, wie unter eine weiche Decke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fern, das alles. Die Romantik des Alleinseins ist auch dahin. Keine tickende Uhr mehr, die anzeigte, dass es nicht mehr lange dauern w&amp;uuml;rde, bis man sich getrost in den Schlaf langweilen konnte. Nur noch digitale Anzeigen und leise zischende Wecker. Uhren, die sich nicht mehr bewegen, sondern nur noch still die Anzeige wechseln. Keine Sorge, die &quot;5&quot; kommt gleich wieder. Und weil die Zahlen immer wieder kommen, und weil die Uhr die Zeit nur rechnet, vergeht die Zeit auch nicht. Sie ist nur ein paar Leuchtbalken, die nicht zittern, die nichts machen, au&amp;szlig;er an und aus zu gehen. Nichts passiert, nur die Balken wechseln. Alles nur noch perfekt. Perfekte Zeit, perfekte Ruhe. Morgen kaufe ich einen alten Wecker. Und ich werde darauf achten, dass er laut tickt, damit die Zeit nicht mehr verloren geht, sondern im Ged&amp;auml;chtnis meines Geh&amp;ouml;rs bleibt. Damit ich mich daran erinnere, dass ich gar nicht so viel davon habe.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-11T20:05:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2210/">
    <title>Zero</title> 
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    <description>Nur nicht im Weg stehen, nur das nicht. Die konsequente Umsetzung dieses einen, gerade noch fa&amp;szlig;baren Gedankens, scheint auf den ersten Blick eine Notwendigkeit, ein rein taktisches Bestreben zu sein. Dennoch steigert sich im Anschlu&amp;szlig; an das zumeist unzul&amp;auml;nglich durchgef&amp;uuml;hrte Ausweichman&amp;ouml;ver das Zittern und Flattern, tief innen, augenblicklich ins Unerme&amp;szlig;liche. Das ist Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist das. Eines fri&amp;szlig;t das andere, und durch jede noch so geringf&amp;uuml;gige, mitunter kaum merkliche Ver&amp;auml;nderung der K&amp;ouml;rperhaltung aller oder auch nur einer der Beteiligten &amp;auml;ndern sich die Grundvoraussetzungen. Immer. Das ist fundamental. Das mu&amp;szlig; man wissen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Angst, die Macht. Im Nacken tritt sie ein, das ist ihre liebste Stelle. Langsam, unendlich langsam. Schmerzhaft, Wirbel f&amp;uuml;r Wirbel. Abw&amp;auml;rts. Das ist der beste Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch das R&amp;uuml;ckgrat, das Zentrum des Lebens. Von oben nach unten erfolgt die Vernichtung, immer und immer wieder. Von oben bis ganz nach unten f&amp;auml;llt die Eigendynamik. Vitalit&amp;auml;t und Schaffenskraft sammeln sich in l&amp;auml;ngst erstarrten Minusbereichen. Furcht staut sich m&amp;auml;chtig an. Wut friert fest, markiert ungeahnte Tiefpunkte des Innenlebens. Bis weit unter Null reicht der Absturz. Immer wieder, bis ins Nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Fehler sich abzuwenden, wenn es anf&amp;auml;ngt gef&amp;auml;hrlich auszusehen. Doch der K&amp;ouml;rper ist Angst. Ist Atemnot und Zwerchfellbeben, weiter nichts. Er bricht im ersten Augenblick.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt. Und jedesmal aufs neue.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0403/stories/2207/">
    <title>kein zweiter</title> 
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    <description>Und noch mehr: auch in Mathe oder Erdkunde hatte er meist die Aufgaben vor den anderen gel&amp;ouml;st. Er war es gewohnt, Erster zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch an diesem Tag im M&amp;auml;rz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er kann noch genau die Farbe der Erde beschreiben, den Geruch der Luft, das Stechen in den Lungen ? und an dieses Gef&amp;uuml;hl, dass &amp;uuml;berall in seinem K&amp;ouml;rper war.&lt;br /&gt;
Selbst die Gedanken sprachen im Dialekt dieser Empfindung, dieses Instinkts.&lt;br /&gt;
Er denkt an zu Hause, an seine Eltern, die von siegen sprachen, als er los zog. Sie wollte er nicht entt&amp;auml;uschen. Mehr als das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Tag im M&amp;auml;rz tragen ihn seine F&amp;uuml;&amp;szlig;e schneller als jemals zuvor, doch er fliegt noch nicht. Er w&amp;uuml;nschte sich, er k&amp;ouml;nnte fliegen. Wie ein Vogel. Str&amp;ouml;men, wie der Wind.&lt;br /&gt;
Doch er ist nicht wie der Wind. Der Wind w&amp;uuml;rde nicht stolpern, mit den Armen rudern, ums Gleichgewicht k&amp;auml;mpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er rennt, rennt, rennt, l&amp;auml;sst alle hinter sich. Hinter sich zur&amp;uuml;ck. Und er rennt. Seine Lunge f&amp;uuml;llt sich schon lange nicht mehr mit Luft. Seitenstechen? Vielleicht. Er w&amp;uuml;rde auch das nicht mehr f&amp;uuml;hlen. Da vorn ist so etwas wie ein Ziel. Doch in ihm ist dieser Gedanke. Dass es vorher schon vorbei sein k&amp;ouml;nnte. Und vielmehr noch ist tief in ihm der Wunsch, dass es schon vorbei w&amp;auml;re. Dann h&amp;auml;tte er dieses eine Mal nicht gewonnen. Dieses eine Mal h&amp;auml;tt er verloren. &lt;br /&gt;
Vielleicht w&amp;uuml;rde die, die jetzt noch hinter ihm waren, ihn wieder einholen. Es k&amp;ouml;nnte ja sein, dass sie es mehr verdient hatten, als er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hat an diesem Tag im M&amp;auml;rz gewonnen. So viel gewonnen. Und vieles mehr dort gelassen. Auf dieses letzten Metern zum rettenden Sch&amp;uuml;tzengraben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So oft hat er mir diese Geschichte erz&amp;auml;hlt. Seine Stimme klingt dabei mittlerweile, als sei dies alles jemand anderem passiert. Nur seine Augen geben etwas anderes preis.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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