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    <title>mindestenshaltbar 0402 (Verwandtschaft!)</title>
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    <description>Verwandtschaft!</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:date>2008-02-10T13:42:57Z</dc:date>
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    <title>mindestenshaltbar 0402</title>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2192/">
    <title>We are Family</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2192/</link>
    <description>In der Familie erlebt der Mensch zuerst das Wechselspiel von Freiheit und Verantwortung. Zugleich geht aus den Familien die Vielfalt der Pers&amp;ouml;nlichkeiten mit ihren F&amp;auml;higkeiten hervor,auf die unsere Gesellschaft angewiesen ist.&lt;br /&gt;
(Aus dem im Dezember 2007 auf dem 21. Parteitag beschlossenen Grundsatzprogramm der CDU)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In our family portrait we look pretty happy&lt;br /&gt;
We look pretty normal, let&apos;s go back to that&lt;br /&gt;
In our family portrait we look pretty happy&lt;br /&gt;
Let&apos;s play pretend, act like it goes naturally&lt;br /&gt;
(Pink - Family Portrait)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pr&amp;uuml;gelnde Eltern, saufende Eltern, p&amp;auml;dophile Verwandte. Eltern, die ihre Kinder schon im Grundschulalter darauf trimmen, dass die Kleinen den Haushalt alleine schmei&amp;szlig;en, weil die Alten nie zu Hause sind. Eltern eben, die dann auffallen, wenn der Dreck an die Oberfl&amp;auml;che der medialen Wahrnehmung gesp&amp;uuml;lt wird, wenn mal wieder eine Kinderleiche gefunden wird. Wenn es soweit kommt, kommt es meist von Eltern, die vom untersten Rand der Gesellschaft sind. Doch wenn ich in die eigene Familie schaue,in die Familien meiner Freunde und Bekannten, dann ist das alles auch da. Nur Kinderleichen gab es nicht. Alles bleibt sch&amp;ouml;n versteckt hinter der Fassade einer Doppelhaush&amp;auml;lfte im Neubaugebiet. Ich bin nicht im Prekariat aufgewachsen, sondern im gutb&amp;uuml;rgerlichen, gr&amp;ouml;&amp;szlig;tenteils gar akademischen Milieu. Familiendramen dieser Leute erscheinen nicht in der Zeitung. Der Suff der Eltern wird von deren Freunden und Kollegen gedeckt. Die Tablettensucht auch. Kinder zu schlagen geh&amp;ouml;rte zum Standardprogramm wertkonservativer Erziehung. Muss ja gar nicht der G&amp;uuml;rtel sein, der so h&amp;auml;ssliche Striemen hinterl&amp;auml;sst. Aber ganz klassisch &amp;uuml;bers Knie gelegt wurden die meisten von uns schon. In Ausnahmef&amp;auml;llen auch um zu streicheln statt zu hauen. Wenn dann der Onkel oder die Oma etwas zu gierig im Schritt des Nachwuchses rumspielten, wollte es keiner in der Familie gesehen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als wir zw&amp;ouml;lf, dreizehn Jahre alt waren, sa&amp;szlig; ich mit ein paar Freunden abendelang in irgendeinem Geb&amp;uuml;sch oder auf einem Spielplatz, weil wir nicht nach Hause wollten und uns w&amp;uuml;nschten, dass es endlich ein Ende f&amp;auml;nde, das Schreien und W&amp;uuml;ten, das kein Geschirr mehr umherfliegt und keine B&amp;uuml;cher zerrissen werden. Nur einen Monat, ohne dass jemand dich nachts aus dem Bett zerrt, weil gerade mal wieder Kinder-Instrumentalisieren im Ehestreit angesagt war.&lt;br /&gt;
Wir wurden gegen einen Elternteil in Stellung gebracht und mussten diesen unbedingt hassen lernen, w&amp;auml;hrend der andere uns zus&amp;auml;tzlich zur Pubert&amp;auml;t mit der Aufgabe &amp;uuml;berfrachtete, bester Kumpel, Psychiater, Diplomat und Laufbursche zu werden.&lt;br /&gt;
F&amp;uuml;r viele ging irgendwann unser Wunsch in Erf&amp;uuml;llung, die Eltern lie&amp;szlig;en sich scheiden. Das aber war oft die Traufe nach dem Regen. Der Krieg ums Sorgerecht, die Stasimethoden, mit denen du von einer Seite ausgefragt wurdest, wenn du mal wieder bei der anderen warst. Um den Unterhalt k&amp;auml;mpfen, versuchen, das Kindergeld dort ankommen zu lassen, wo es hingeh&amp;ouml;rt (bei dir selbst letztendlich). Die neuen Beziehungen der Eltern, die Beziehungslosigkeit der Eltern. Wir lernten, auch Scheidung muss keine Befreiung sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst bei Freunden, bei denen auch wir lange an die gl&amp;uuml;ckliche Familie glaubten, brach irgendwann der Horror ein. Ich meine nicht das bittere Erlebnis, wenn die V&amp;auml;ter, die vor lauter Arbeit und Karriere nie daheim waren, irgendwann Mitte 50 dank Schlaganfall oder Herzinfarkt den L&amp;ouml;ffel abgeben. Auch die Affairen neben der Ehe sind vergleichsweise harmlos. Denn es gibt depressive Eltern und schizophrene Eltern. Eltern, die sich im Beisein der Kinder eine Kugel in den Kopf jagen. Eltern, die sich vor den Zug werfen. Oder Eltern, die so sehr die Fassade des Gl&amp;uuml;cks aufrecht erhalten wollen, dass sie ihre schwere Krebserkrankung vor der Welt verheimlichen und dasselbe von den Kindern verlangen. Diese Kinder sind es gewohnt zu gehorchen, auch als junge Erwachsene noch, denn als sie nach dem Abitur auf die Kunstakademie wollten, wurden sie zum Jura-Studium gezwungen. Manche halten das aus. Andere drehen durch. Die Besuchsfrequenz bei Psychotherapeuten und Nervenkliniken ist unter uns ziemlich hoch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht (hoffentlich) ist der Umstand, dass sich Gleich und Gleich gern zusammen gesellt Schuld daran, dass der gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Teil meines sozialen Umfelds aus kaputten Mittelschichtsfamilien besteht, aber von dieser Warte aus gibt es einige gute Gr&amp;uuml;nde, Familie schei&amp;szlig;e zu finden. Diese Qual braucht niemand. Die wenigen Freunde aus der Schulzeit, die gleich nach Schulabschluss und Berufsausbildung, kurz nach Erreichen der Vollj&amp;auml;hrigkeit heirateten und Kinder bekamen, best&amp;auml;tigen meine Abneigung gegen Familie. Keine dieser Ehen hat l&amp;auml;nger als acht Jahre gehalten, die Kinder machen jetzt den gleichen Mist mit, wie wir damals.&lt;br /&gt;
Doch obwohl wir fast alle so oder &amp;auml;hnlich die oben beschriebenen Formen der modernen Familie erlebten, so langsam werden die Kinderw&amp;uuml;nsche gr&amp;ouml;&amp;szlig;er und die Geburten h&amp;auml;ufiger. Fast alle leben oder suchen wir ehe&amp;auml;hnliche Gemeinschaften und wir sind auf dem besten Weg, selbst Familien zu gr&amp;uuml;nden. Nat&amp;uuml;rlich wollen wir es anders und besser machen als unsere Eltern. Aber das haben die auch schon gesagt.&lt;br /&gt;
Sind wir wahnsinnig? Gibt es doch eine biologische Uhr? Wie instinktgetrieben sind wir? Wie konnte Ursula von der Leyens Propaganda f&amp;uuml;r mehr Akademikerkinder so erfolgreich wirken? Wie stark ist die soziale Pr&amp;auml;gung der b&amp;uuml;rgerlichen Gesellschaft und der Religionen?&lt;br /&gt;
Ich wei&amp;szlig; es nicht. Oft verfluche ich meine Familie. Aber wenn ich wie vor einigen Tagen meine viereinhalbj&amp;auml;hrige Cousine durch den Park trage, sie das erste Mal in der Gro&amp;szlig;stadt an meiner Hand &amp;uuml;ber riesige Strassen stapft und begeistert neben mir in der U-Bahn sitzt, dann liebe ich Familie.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T16:09:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2194/">
    <title>Ich habe noch Verwandtschaft in der Schweiz</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2194/</link>
    <description>...zog in die Schweiz, gebar einen Sohn und sprach fortan nur noch Schwyzerd&amp;uuml;tsch. Das ist eine erstaunlich bemerkenswerte Leistung, wenn man in Flensburg geboren und aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit ich denken kann, fuhren meine Eltern mit mir, immer in der Vorweihnachtszeit, zum Fondue-Essen nach Z&amp;uuml;rich zu Tante, Onkel und Cousin. Ich liebte diese Ausfahrten. Erst gab es hauchd&amp;uuml;nnes B&amp;uuml;ndnerfleisch, dann ein cremiges K&amp;auml;sefondue und man musste den Onkel nur vor dem ersten Schnaps nach seinem Auto fragen und schon ging es noch mal im Porsche durch Z&amp;uuml;rich. Nach dem Essen musste ich mit meinem Cousin auf sein Zimmer gehen. Das war der doofe Teil des Abends. Er war schon sehr viel &amp;auml;lter als ich, sehr viel besser in der Schule als ich und hatte ein seltsames Hobby. Er baute Dampfmaschinen und Flugzeuge. Die f&amp;uuml;hrte er mir dann vor und ich dachte, dass er ein bisschen komisch ist. Er besa&amp;szlig; auch nur zwei Musikkassetten. Beide von der Gruppe &quot;Toto&quot;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal mussten wir, bevor wir auf sein Zimmer gingen, in der Fernsehecke Platz nehmen und eine Kindersendung im Schweizer Fernsehen ansehen. Die Titelmelodie geh&amp;auml;rt zu den unabwerfbaren Gehirn-Altlasten, denen man kopfsch&amp;uuml;ttelnd gegen&amp;uuml;ber steht: &quot;Wenn de wotsch, gch&amp;auml;rt da ganze Himmal dieer, wenn de wotsch, sin diee Schternli au dabi...&quot; zu dieser Melodie, zu diesem Kleinod Schweizer Lyrik, verschwanden auf dem Bildschirm, debil grinsende Kinder in einem Raumschiff Richtung Mond. Ich w&amp;auml;re gerne mitgeflogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Weihnachten gab es dann immer ein gro&amp;szlig;es Hallo, wenn das P&amp;auml;ckchen aus Z&amp;uuml;rich eintraf. Wir Kinder konnten sich sein, es w&amp;uuml;rde sich wieder exotisches in den P&amp;auml;ckchen finden, teuer und am&amp;uuml;sant. Nie geschmeckte Schokolade. Vielteilige, mit Samt ausgeschlagene, Beautysets f&amp;uuml;r meine sechsj&amp;auml;hrige Schwester und Messer f&amp;uuml;r die Buben und Globi-Comic-B&amp;uuml;cher und Orientierungshilfen f&amp;uuml;r Schweizer Teenager, mit klingenden Namen, wie: &quot;Pfadis, di Druppe wo de Schpas h&amp;auml;sch.&quot; Pfadfinder, die Truppe wo du Spa&amp;szlig; hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich achtzehn Jahre alt wurde, stellte die Schweizer Verwandtschaft die Postsendungen an mich ohne weitere Begr&amp;uuml;ndung ein. Ich war beleidigt-erleichtert, zum Fondueessen fuhr ich schon lange nicht mehr und so taugten die Familienbande nur noch zu kabarettistischen Schwyzerd&amp;uuml;tsch-Auftritten in den Kneipen von Berlin und Hamburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zw&amp;ouml;lf Jahren zerschnitt ich, ungewollt, das letzte Band. Ein Missverst&amp;auml;ndnis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eben frisch nach Hamburg gezogen, k&amp;uuml;ndigte mein Cousin seinen Besuch in der Hansestadt an. Er habe dort gesch&amp;auml;ftlich zu tun, am Wochenende k&amp;auml;nnte man doch aber zusammen &quot;&amp;auml;bis erl&amp;auml;be&quot; und seine Verlobte k&amp;ouml;nne ich dann auch gleich kennen lernen,&quot;s&apos;Nadesch&quot;&lt;br /&gt;
Als Neuneu-Hamburger, stellte mich die Bespa&amp;szlig;ung einer, teils blutsverwandten, Delegation aus der Schweiz vor gewisse Probleme und ich ging pragmatisch vor. Erstmal was Essen. Alster. Sommer. Sonne. Drau&amp;szlig;en. Bootssteg. &lt;br /&gt;
Cousin und s&apos;Nadesch erschienen p&amp;uuml;nktlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er im Anzug von Hugo Boss, sie im Kleid von Dior, nebst funkelndem T&amp;auml;schchen der gleichen Marke. Ich erwartete meine G&amp;auml;ste in einem T-Shirt, das mich als gl&amp;uuml;henden Anh&amp;auml;nger von Supa DJ Dmitri auswies, Jeans mit sommerfrischen L&amp;uuml;ftungsschlitzen und streng rasierter Glatze. Die &amp;Uuml;berraschung war beiderseits gelungen und wir sprachen &amp;uuml;ber die Vorz&amp;uuml;ge des Z&amp;uuml;rich-Sees gegen&amp;uuml;ber der Alster. Dann wollte s&apos;Nadesch was S&amp;uuml;&amp;szlig;es. Es gab aber nur Fisch auf dem Bootssteg. &lt;br /&gt;
Ganz in der N&amp;auml;he aber, wusste ich, lag ein Kaffee mit dem wunderbarsten Kuchenb&amp;uuml;ffet der Stadt, das Kaffee Gnosa. Hamburger lachen gerne schon an dieser Stelle, den anderen sei folgender Kaffee-Plausch nicht vorenthalten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich: also der Kuchen hier, der ist wirklich..&lt;br /&gt;
Cousin: das ischt doch ein Schwulenlokal!&lt;br /&gt;
Ich: ja, aber der Kuchen!&lt;br /&gt;
Nadesch: s gibt doch gwis no &amp;auml;bis andres?&lt;br /&gt;
Cousin: du bisch aber n&amp;auml;d ebwa schwul, odrr, Paulsen?&lt;br /&gt;
Ich: also der Kuchen hier. Der Kuchen. NAAAEIN!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind dann noch auf den Kiez. St. Pauli. War eine bl&amp;ouml;de Idee von mir. S&apos;Nadesch fror in Dior und umklammerte panisch ihre T&amp;auml;schchen. In der n&amp;auml;chsten Kneipe nannte ich sie dann, aus Versehen, Nat&amp;auml;schli. Beim anschlie&amp;szlig;enden Tanz im &quot;Mojo&quot;, beobachteten die beiden mich genau und es erh&amp;auml;rteten sich die Verdachtsmomente des Fr&amp;uuml;habends. Die  Situation entspannte sich auch nicht auf dem Fischmarkt. Morgens um F&amp;uuml;nf bestellte ich dort f&amp;uuml;r meine G&amp;auml;ste Fischbr&amp;auml;tchen und Fanta mit Korn. Die habe ich dann alle alleine austrinken m&amp;uuml;ssen und mein Cousin sagte zum Abschied ich sei &quot;&amp;auml;bis ganz bsondres&quot;. &lt;br /&gt;
Seitdem habe ich nie wieder was geh&amp;ouml;rt von den Schweizern.&lt;br /&gt;

</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T16:15:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2196/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2196/</link>
    <description>In der ersten Ausgabe des neuen Jahres haben die Autoren von &quot;Mindestenshaltbar&quot; sich mit ihrer Verwandtschaft auseinander gesetzt. Die Spannbreite der Texte reicht von liebevollen Betrachtungen &amp;uuml;ber schief gelaufenen Besuch bis hin zu kritischen &amp;Uuml;berlegungen, was die Familie heute eigentlich noch bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
F&amp;uuml;r &quot;Mindestenshaltbar&quot; geht es mittlerweile ins vierte Jahr. Und auch in diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, die besten Autoren und Texte der deutschsprachigen Blogszene zu finden und hier zu ver&amp;ouml;ffentlichen. Dazu wird es auch mindestens wieder eine Musikausgabe geben. Wir wollen in diesem Jahr aber auch mal aus dem Netz rauskommen. Deswegen wird es in den n&amp;auml;chsten Wochen eine Lesung von &quot;Mindestenshaltbar&quot; Autoren in Berlin geben. Nach der Ver&amp;ouml;ffentlichung der besten Texte in Buchform im Jahr 2006 ist das nur konsequent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den genauen Termin f&amp;uuml;r die Lesung gibt es bei mir im Blog und als Update in diesem Editorial. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Dank gilt in diesem Monat wieder den viele Autoren, die ihre Geschichten hier zur Verf&amp;uuml;gung stellen. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T16:21:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2195/">
    <title>Aus dem Leben meiner kleinen Schwester</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2195/</link>
    <description>Ich wei&amp;szlig; jetzt auch gar nicht, ob dir das steht, in der Vogue sieht ja immer alles toll aus, und du schminkst dich ja nicht einmal. Du k&amp;ouml;nntest echt was aus dir machen, ich habe da auch mit Mama gesprochen, die findet das auch. Wenn eine h&amp;auml;sslich ist ? bittesch&amp;ouml;n! Aber wenn man gut aussieht, so an sich, und man macht dann nichts aus sich, das ist S&amp;uuml;nde. Haben wir ja oft genug dar&amp;uuml;ber gesprochen. - H&amp;auml;ssliche Leute gibt&amp;acute;s genug, finde ich. Manchmal sieht man ja Frauen, da denkt man, wieso die nicht einfach zu Hause bleibt, hat ja eh keinen Sinn, aber das ist ja auch gemein, sowas darf man gar nicht denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der T.&amp;sup2; findet dich aber auch ganz h&amp;uuml;bsch. Also du, der hat soviele Kollegen, richtig nette Jungs, alles bestens, aber ohne Frau, weil die n&amp;auml;mlich soviel arbeiten m&amp;uuml;ssen, der T.&amp;sup2; kommt auch immer erst ganz sp&amp;auml;t heim, und glaub nicht, dass die schlecht aussehen. Also im Gegenteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie &quot;nein&quot;? Die sind wirklich nett. Ich wei&amp;szlig; nicht, was du gegen Berater hast, ich habe echt so genug von diesen verschlurften Typen, wenn ich so einen schon seh&amp;acute;. Der T.&amp;sup2; findet aber auch, das ist Berlin, Kunst machen wollen und bis zum Hals im Dispo. Ich sehe das ja alles schon ein bi&amp;szlig;chen differenzierter, aber der T.&amp;sup2;, der sieht das so.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, die Wohnung ist so eine Sache, der T.&amp;sup2; muss so schrecklich viel arbeiten, im Urlaub ist ja alles liegengeblieben, und seine Kollegen, die k&amp;uuml;mmern sich um nichts, er macht alles alleine. Ich war aber heute in so einem Gesch&amp;auml;ft. Und dann noch in einem anderen. - Findest du Tapeten besser oder gemalte W&amp;auml;nde? Man hat ja jetzt wieder Tapeten, aber ich habe mich noch nicht ganz wieder dran gew&amp;ouml;hnt. Ich bin ja nicht so, &quot;heute dies ? morgen das&quot;. Eine Badewanne habe ich auch ausgesucht, ich k&amp;ouml;nnte ja nicht leben ohne Badewanne. Ich schick&amp;acute; dir mal Photos, bis jetzt sieht man da aber blo&amp;szlig; Baustelle, da wird n&amp;auml;mlich noch gebaut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nat&amp;uuml;rlich nehme ich den Hund mit ? glaubst du, ich lasse den Hund einfach da? Du hast ja eine sch&amp;ouml;ne Meinung von mir, wenn du denkst, ich bringe den Hund einfach ins Tierheim oder zur Mama. Eigentlich sind in dem Haus Tiere gar nicht erlaubt, aber da soll sich erst einmal einer beschweren, da k&amp;uuml;mmert sich der T.&amp;sup2; schon drum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und bei Dir? Die Diss? K&amp;ouml;nnte ich gar nicht, so ein dickes Ding, da bin ich viel zu zappelig zu. Ich mache ja gern was mit Menschen. Und privat? Viel zu tun? Ach, du bist im Stress.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann lass uns doch demn&amp;auml;chst nochmal telephonieren.&quot;</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T16:18:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2193/">
    <title>Pl&amp;ouml;tzlicher Tod eines Primaten</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2193/</link>
    <description>Der eine Familienstrang, jener der sein Gl&amp;uuml;ck als Fischer probierte, ist jedoch ausgestorben, da die meisten nicht schwimmen konnten. So setzten sich durch darwinistische Auslese die Bauern durch. Als Bauer f&amp;uuml;hrte man fr&amp;uuml;her wie heute ein einfaches Leben und kannte nur die relevanten Dinge des Alltags. Andere D&amp;ouml;rfer, St&amp;auml;dte, Gepflogenheiten oder gar Strom und damit verbunden z.B. Fernsehen h&amp;auml;lt man f&amp;uuml;r unn&amp;uuml;tzen Tand, mit dem sich verst&amp;auml;ndlicherweise niemand belastet. Einem Fremden mag meine Familie aufgrund gewisser Informationsdefizite deswegen ein wenig hinterw&amp;auml;ldlerisch erscheinen. Es bleibt jedoch anzumerken, dass sich der Informiertheitsstand in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert hat. Hat man durch die Gastarbeiterfamilien, die Anfang der 1950er das Land verlassen haben und Ende der 1980er wieder in die D&amp;ouml;rfer zur&amp;uuml;ck kamen doch eine Menge an Wissen durch H&amp;ouml;rensagen aufholen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
1960 hingegen war das Wissen jedoch begrenzt und so trug es sich zu, dass mein Urgro&amp;szlig;vater, seines Zeichens ein t&amp;uuml;chtiger Bauer, an einem Dienstag um 5.30 Uhr aus dem Schweinestall zu meiner Urgro&amp;szlig;mutter kam und sagte: ?Anna, aufe de Futterkasten sitzte ein Tier, das kenne ich nix. Was solle ich mache?*?&lt;br /&gt;
?Antonio, wenn Du nixe kennste die Tier, besser erstmal erschlage.?&lt;br /&gt;
Das schien meinem Urgro&amp;szlig;vater logisch, er packte eine Harke, die er normalerweise f&amp;uuml;r leichtere Feldarbeiten nutzte, erschlug das Tier und warf es auf den Misthaufen.&lt;br /&gt;
Nun war es gleichzeitig so, dass an diesem Mittag die Enkel, die gerade im Sommerurlaub waren, bei den Gro&amp;szlig;eltern vorbei schauten. Sofort berichteten Anna und Antonio von dem gro&amp;szlig;en Ereignis am Morgen. Die Kinder waren, wie man sich leicht denken kann, entsetzt. Nicht nur ob des tierschutzwiderrechtlichen Eingreifens in das Leben eines unschuldigen Lebewesens sondern vielmehr ob der Tatsache, dass sie am Tag zuvor geh&amp;ouml;rt hatten, dass die Nachbarn sich, so wie es aus seltsamen Gr&amp;uuml;nden in den 60er Jahren unter wohlhabenden Gutsherren &amp;uuml;blich war, k&amp;uuml;rzlich einen Affen als Haustier zugelegt hatten.&lt;br /&gt;
Mein Urgro&amp;szlig;vater hatte in seinem Leben nat&amp;uuml;rlich noch nie einen Affen gesehen und so dr&amp;auml;ngte sich die Vermutung auf, dass der Affe der reichen Nachbarn sich auf den Futterkasten der Schweine meines Urgro&amp;szlig;vaters verirrt hatte und dort einen &amp;uuml;berraschenden Tod fand.&lt;br /&gt;
?Nonno Antonio, vermutlich hast Du den Affen der Nachbarn erschlagen!?, schrieen die Kinder mit entsetzen Stimmen im Chor.&lt;br /&gt;
?Ache Papperlapappe. Affe! Das war nixe Affe, das hat sich einewandefreie erschlage lasse!?, entgegnete Antonio voller &amp;Uuml;berzeugung.&lt;br /&gt;
Sicherheitshalber schaute man jedoch noch mal auf den Misthaufen. Dort lag jedoch einen allen Anwesenden unbekanntes Tier. Damit der Fall abgeschlossen werden konnte, wurde der Dorf&amp;auml;lteste geholt, der das Tier als einen au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlich h&amp;auml;sslichen Hund identifizierte. Damit waren alle zufrieden und man konnte endlich dazu &amp;uuml;bergehen die l&amp;auml;ngst &amp;uuml;berf&amp;auml;llige Mittagspause einzul&amp;auml;uten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Ich &amp;uuml;bersetze hier f&amp;uuml;r diejenigen, die des Italienischen nicht m&amp;auml;chtig sind. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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    <title>Ihr Gesicht w&amp;uuml;rd&apos; ich ja jetzt gern mal seh&apos;n</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2191/</link>
    <description>Ist fast die ehrlichste Form der Verwandtschaft, die uns verbindet: Ich, Florian Zinnecker, kenne Sie, Florian Zinnecker, kein St&amp;uuml;ck. Bis vorhin wussten wir nicht mal von einander, vielleicht ahnte es einer, aber das war&apos;s dann auch. Und nun, da wir von uns erfahren haben, egal, dass es via Google passiert ist, besteht kein Zweifel daran: Schuld ist ein Missverst&amp;auml;ndnis. (Kann innerfamili&amp;auml;r alles exakt genau sein. Nur gibt?s da erstmal keiner zu.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Muss trotzdem zugeben: Die Situation &amp;uuml;berfordert mich. Sicher, sind in Deutschland gut 800 Leute, in deren Pass &quot;Zinnecker&quot; steht - dass darunter nur einer, n&amp;auml;mlich ich, Florian hei&amp;szlig;t, war, so gesehen, mindestens unwahrscheinlich. Dass es zwei sind, kriege ich aber, so egozentrisch jenes Problem auch ist, gerade noch nicht auf die Reihe. &lt;br /&gt;
Tschuldigung, ist eben mein erstes Mal in dieser Beziehung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Kriegen Sie, wenn Sie sich in geselliger, aber Ihnen unbekannter Runde vorstellen, auch immer den Spruch zu h&amp;ouml;ren, Oh heiliger St. Florian, besch&amp;uuml;tz&apos; mein Haus, z&amp;uuml;nd&apos; andre an? Wurde Ihnen fr&amp;uuml;her bei diesem Spruch auch immer g&amp;uuml;tig &amp;uuml;ber den Kopf gestreichelt? Und h&amp;auml;tten Sie Ihre Eltern um ein Haar wom&amp;ouml;glich gleichfalls Alexander genannt?)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
War mir &amp;uuml;brigens auch nicht klar, dass ich, sobald ich meinen Namen schreibe, damit gleichzeitig auch ihren schreibe. Allein bei Google, ich meine - sind jetzt bestimmt 30 Mal, dass ich nach mir selbst gesucht habe, um zu sehen, was da so alles herumschwirrt mit meinem Stempel auf dem Umschlag. Ist mehr, als ich dachte, am Rande bemerkt, sicher, nicht zuletzt wurde Ihre Existenz davon ja v&amp;ouml;llig begraben, virtuell jetzt. Dass mein Mathe-Abitur damals so ungl&amp;uuml;cklich endete, war &amp;uuml;brigens keine Absicht. Nur der Vollst&amp;auml;ndigkeit halber, steht ja ihr Name drauf, nicht, dass Sie als Wirtschaftspr&amp;uuml;fer arbeiten und irgendwann deshalb &amp;Auml;rger kriegen, sollte sich f&amp;uuml;r mein Abi &amp;uuml;berhaupt nochmal jemand interessieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Nennen Ihre Freunde Sie eigentlich Florian? Flo? Zinni? Ecki? Hatte ich alles schon, meistens hat sich Flo durchgesetzt, Flori konnte ich dagegen weitgehend vermeiden, das einzige, was mir zu Flori einf&amp;auml;llt, ist Wuff.)&lt;br /&gt;
Ohne Google, nat&amp;uuml;rlich, w&amp;uuml;ssten wir jetzt immer noch nicht von einander. Hatte mir zwar durchaus spa&amp;szlig;eshalber ausgemalt, dass da jemand ist, der ist wie ich, ging allerdings doch eher in Richtung Klon, und meistens bin ich schnell wieder davon abgekommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Google w&amp;auml;r&apos;s - wenn wir doch &amp;uuml;ber uns gestolpert w&amp;auml;ren - wahrscheinlich auch sehr viel komplizierter geworden. Ich meine, zum Beispiel am Telefon, Hallo, Zinnecker hier, ja, hier ist Zinnecker, nein, ich meine, _hier_ ist Zinnecker, Florian Zinnecker, nein, der ist hier, mit wem spreche ich bitte? Oder auf einer Konferenz - ein Name zweimal auf der Liste, zwei identische Namensschilder, da zweifelt doch die f&amp;auml;higste Konferenzleitung an sich, vom Pausensmalltalk gar nicht zu reden, darf ich Ihnen Herrn Zinnecker bekannt machen?&lt;br /&gt;
Oder per E-Mail - h&amp;auml;tte wahrscheinlich gar nicht geklappt, E-Mails mit meinem Namen im Absender landen bei mir grunds&amp;auml;tzlich im Spam, genau das ist ja die Masche von etlichen dieser d&amp;auml;mlichen Viagra-Reklamen. Und, klar, um zu registrieren, dass ich hier nicht ich bin, sondern Sie, obwohl der gleiche Name - dazu ist mein Notebook zu simpel gestrickt. Habe ja ich, unkompliziert hin oder her, schon genug zu tun, um das mit uns auf die Reihe zu kriegen (w&amp;auml;re vermutlich anders, w&amp;uuml;rde ich Stefan M&amp;uuml;ller hei&amp;szlig;en oder Michael Meier, dann aber w&amp;uuml;rde ich die Sache auch nicht auf die Reihe kriegen m&amp;uuml;ssen, weil wir wohl kaum &amp;uuml;bereinander gestolpert w&amp;auml;ren, wir h&amp;auml;tten quasi den Wald vor lauter B&amp;auml;umen nicht? aber ich schweife ab. Brauchen schlie&amp;szlig;lich auch in der Provinz locker ein kleines Vereinsheim, wenn sie sich treffen, all die Stefan M&amp;uuml;llers oder Michael Meiers.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob wir uns auch mal treffen? Was gibt&apos;s zu sagen, wenn man seinen - wie hei&amp;szlig;t das eigentlich, was Sie und mich verbindet? Namensdoppelvetter? Nomenklon? Googleg&amp;auml;nger? Jedenfalls: Was redet man, wenn man sich trifft, von Smalltalk und Social Noise mal abgesehen? CWie lebt sich&apos;s denn so mit meinem Namen?&quot; - &quot;Haben Sie auch eine teuflische Vorliebe f&amp;uuml;r Innereien mit Spiegelei?&quot; - &quot;Wie buchstabieren Sie ,Zinnecker??&quot; - &quot;Wollen wir uns nicht duzen? Ich bin Florian.&quot; - &quot;Ich wei&amp;szlig;.&quot; &lt;br /&gt;
&amp;Uuml;berhaupt merke ich gerade, ich gehe fortw&amp;auml;hrend davon aus, dass Sie in etwa zehn Jahre &amp;auml;lter sind als ich. Keine Ahnung wieso. Kann mich dabei nat&amp;uuml;rlich t&amp;auml;uschen, tue ich wahrscheinlich auch, Sie k&amp;ouml;nnen locker Ende f&amp;uuml;nfzig sein und ein mittelst&amp;auml;ndisches Unternehmen leiten, das, sagen wir, Wellpappe produziert, k&amp;ouml;nnen seit 30 Jahren die CDU w&amp;auml;hlen und seit zwanzig Jahren dieselbe Brille tragen. Kann genauso sein, dass Sie gerade erst pubertieren und gestern mit schwarzem Lack &quot;Burn, Motherfucker, Burn&quot; auf die wei&amp;szlig;e Wand &amp;uuml;ber Ihr Bett geschrieben haben. (Sollten Sie doch der wertkonservative Pappefabrikant sein und sich daran st&amp;ouml;ren, dass jetzt, wenn jemand &quot;Florian Zinnecker&quot; googelt, ein Treffer den Terminus &quot;Motherfucker&quot; beinhaltet: Melden Sie sich kurz, wir machen das dann raus.) Sind Sie eher der Geranien-Typ, oder dulden Sie nichts als wei&amp;szlig;e Lilien auf schwarzem Fl&amp;uuml;gel? Fahren Sie Ente oder E-Klasse?  Sind Sie einer der Menschen, die morgens eine Stunde durch die K&amp;auml;lte rennen m&amp;uuml;ssen, um danach die Welt und sich selbst auszuhalten, oder haben Sie immer genug Bier im K&amp;uuml;hlschrank, um ersteres f&amp;uuml;r nicht n&amp;ouml;tig zu erachten? Gibt&apos;s bei Ihnen um sieben Uhr Abendessen, weil die Kinder Rituale brauchen, oder essen Sie prinzipiell nach 16 Uhr keine Kohlenhydrate mehr, entschuldigung, wenn ich das hier unterstelle, aber ich kannte da mal jemanden? Haben Sie ein Handy? Bluetooth? Oder Strahlenangst? Rauchen Sie? Jetzt nicht mehr? Oder erst recht? Gibt offenbar doch allerhand zu sagen. Beziehungsweise zu fragen. Interessiert mich, wen ich da gefunden habe bei Ihrer Suche nach meinem, pardon, unserem Namen. Wir m&amp;uuml;ssen uns sehen, ich fahre Sie besuchen, okay? Selbstfindungstrip nennt man das wohl. Und wer wei&amp;szlig; - vielleicht finden wir ja noch einen von uns. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T16:06:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2190/">
    <title>5 Tage</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2190/</link>
    <description>...welches k&amp;uuml;nftig nicht mehr ohne das Attribut &quot;ehemalig&quot; auskommen sollte. Zuerst Kreuzberg und dann die ganze Welt! Wir tauchten mit Wonne in eine Warenvielfalt, die zuvor nur in West-Paketen steckte. Ich wollte deren Geruch immer in kleine Flakons f&amp;uuml;llen, um das wohlige Gef&amp;uuml;hl nach dem ?ffnen nicht so lange missen zu m&amp;uuml;ssen. Es war eine Mischung aus Weichsp&amp;uuml;ler, Kaffee und Schokolade, doch in dem unbedeutenden Pappkarton verband sich alles zu einem einzigen rauschenden Fest. Dabei waren mir die Absender jenes kleinen Wunders g&amp;auml;nzlich unbekannt. Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen - bisher waren wir uns h&amp;auml;chstens auf Fotos begegnet. Lediglich ein paar &amp;auml;ltere Gro&amp;szlig;tanten brachten es zu regelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Besuchen und verstr&amp;auml;mten neben einer Aura von &quot;4711&quot; stets dieses unbeschreiblich Besondere: Die West-Verwandtschaft war da! Meine Mutter durfte zu speziellen Anl&amp;auml;ssen manchmal &quot;r&amp;uuml;ber&quot; und irgendwann, nach gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Anstrengungen, sogar meinen Vater mitnehmen. Wir h&amp;auml;rten sp&amp;auml;ter immer mit tellergro&amp;szlig;en Augen die &amp;uuml;berschwenglichen Geschichten von Feiern und Familienmitgliedern, welche uns allesamt v&amp;ouml;llig fremd waren. Dass wir diese Menschen nicht sehen durften, damit unsere Eltern auch brav in den real existierenden Sozialismus zur&amp;uuml;ckkehrten, lag fern jeder naiven Ahnung. Es ging eben nicht. So war es.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch es kam besagter Dezember und eine kleine himmelblaue Trabanten-Karawane bahnte sich freudig ihren Weg in den Norden der gewachsenen Republik. Auf dass dort Leute nach Jahren zusammenfinden sollten, die sich als Gro&amp;szlig;es und Ganzes Familie nannten. An Weihnachten w&amp;uuml;rde es geschehen. Und so standen die Menschen hinter den Paketen pl&amp;auml;tzlich vor mir. Unendliche Neugier auf beiden Seiten und keine besorgten Gedanken mehr, ob wir alle &amp;uuml;berhaupt dort Platz h&amp;auml;tten. Ein gr&amp;auml;&amp;szlig;eres Haus hatte ich nie zuvor gesehen. Man konnte sich darin verlieren, wir kamen hier erst einander n&amp;auml;her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;F&amp;uuml;hlt euch ganz wie Zuhause! Ich meine das ernst!&quot; Alle vor dem riesenhaften Fernseher versammelt, der das Bild von Kohl und Modrow bot, als sie das Brandenburger Tor durchschritten. Nachdenklich klingende Spazierg&amp;auml;nge im Wald. Eine Einladung zum besten Italiener am Ort. &quot;Wie hei&amp;szlig;t das jetzt? Ka..., ka...?&quot; - &quot;Carpaccio.&quot; - &quot;Und was soll das sein?&quot; Unruhiges Herumrutschen w&amp;auml;hrend der Mitternachtsmesse. &quot;Mama, was machen die da vorne mit dem Kind?&quot; Mein Cousin, wie er auf dem Treppenabsatz Trompete spielt, sich bei &quot;Stille Nacht&quot; einen kleinen Schnitzer leistend. Der gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Weihnachtsbaum der Welt. Erwachsene, die reden, reden und reden. Als m&amp;uuml;ssten alle Worte noch in diesem Jahr aufgebraucht werden. Am meisten aber lachten sie. Nur wenig Schlaf in der ersten Nacht. Karius und Baktus waren von der Einschlafkassette in meine Tr&amp;auml;ume geklettert. Das erste Mal Kellogg&apos;s Frosties und damit die &amp;Ouml;ffnung eines geschmacklichen Himmelreichs. Ein Barbie Traummobil f&amp;uuml;r mich. Selbstverst&amp;auml;ndlich ein riesiger Traum in Rosa, den Vater und Onkel aus unz&amp;auml;hligen Einzelteilen zusammenbauen durften. Meine peinlich ber&amp;uuml;hrte Mutter. Weil sie nicht ahnte, was sie da als Wunsch an den West-Weihnachtsmann weitergegeben hatte. &quot;Jetzt mach dir mal &amp;uuml;ber Geld keine Gedanken!&quot; Meine Cousine bekam eine dieser neuen Puppen. Mit einem wassergef&amp;uuml;llten Stift lie&amp;szlig; sich die rosa Kleidung verzieren. Ich suchte den tollen Kniff vergeblich und &amp;uuml;bergoss das Plastik schlie&amp;szlig;lich aus Versehen. Mein Gl&amp;uuml;ck, dass sie sofort ihren Bruder der tropfnassen Missetat verd&amp;auml;chtigte. Verkaterte Eltern am n&amp;auml;chsten Morgen, die &amp;uuml;ber das ganze Gesicht strahlten. Eine komplette Hi-Fi-Anlage wurde der Wiedervereinigung geopfert als wir schon l&amp;auml;ngst im Bett lagen. Sie schw&amp;auml;rmen noch heute davon.
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    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T16:03:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2189/">
    <title>Rosa Strauch</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2189/</link>
    <description>Ich bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem es mehrere Generationen und sehr sehr sehr sehr sehr sehr viele Frauen gab. &amp;Uuml;ber die Nachteile dieser Auslieferung habe ich bereits geschrieben, aber es gab auch einen Vorteil: meine Tante Rosa. Ausnahmsweise werde ich mal einen Namen nicht &amp;auml;ndern, weil ihr Name so poetisch und Zeichentrickfilmm&amp;auml;&amp;szlig;ig war, dass mir kein ad&amp;auml;quates Pseudonym einf&amp;auml;llt. Meine Gro&amp;szlig;tante hie&amp;szlig; n&amp;auml;mlich Rosa Strauch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Rosa hatte ihren Mann und Sohn im Krieg verloren und bewohnte dank Witwenrente ein kleines Einfamilienhaus mit Garten. Tante Rosa hatte den Gr&amp;uuml;nen Daumen. Bei ihr wuchs und gedieh alles, nur der Geraniengeruch im Wohnzimmer im Winter war etwas, auf das ich gerne h&amp;auml;tte verzichten k&amp;auml;nnen. Tante Rosa wurde nicht von allen Kindern gemocht und das hatte seine Gr&amp;uuml;nde: sie bevorzugte mich aufs Extremste. Wenn wir im Sommer drau&amp;szlig;en spielten, kam sie mit frisch gebuttertem Zwieback vorbei - selbstverst&amp;auml;ndlich nur f&amp;uuml;r mich, nicht f&amp;uuml;r die Nachbarskinder. Die mochte sie nicht, wie auch sonst keine Kinder, mit denen sie nicht verwandt war. Tante Rosa drohte fremden Kindern mit Pr&amp;uuml;gel, wenn sie sich mir gegen&amp;uuml;ber schlecht verhielten. Und da sie aufgrund ihres strengen Auftretens eine Respektsperson war, brachte sie den b&amp;auml;sen Kindern Ehrfurcht bei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tante Rosa bezog diverse Magazine: das Goldene Blatt, die Frau im Spiegel, die Neue Revue. Da sie nichts wegwarf, war ihr Dachboden mein Paradies - dort las ich Bertichterstattungen &amp;uuml;ber Hollywoodparties zu Zeiten, als Marilyn noch lebte. Ich erinnere mich, mit Tante Rosa &amp;uuml;ber Zeitschriften gebr&amp;uuml;tet zu haben als Romy Schneider heiratete.&lt;br /&gt;
&quot;Dieser Biasini - das wird doch nichts. Und rauchen hat sie auch nicht in Deutschland gelernt.&quot; Einmal sah sie mich mit verschr&amp;auml;nkten H&amp;auml;nden sitzen und sagte &quot;Siehst Du - Du betest DOCH!&quot; (Sie war sehr katholisch, ich schon sehr fr&amp;uuml;h sehr ungl&amp;auml;ubig.) Anfang der 80er stand Rosa eines Tages in ihrem Garten und gestikulierte dem Nachbarn. Ihr Gesicht wirke verzweifelt und sie brachte nur ein Wort hervor - den Namen meines Vaters. Als er mit dem Arzt eintraf stellte sich heraus, dass sie einen Schlaganfall erlitten hatte. Der Name meines Vaters war das letzte, was sie jemals aussprach. Ein paar Wochen sah es bedenklich aus - sie lag im Krankenhaus und uns war klar, dass sie sterben w&amp;uuml;rde. Ich habe sehr viel geweint, damals, und als es ihr pl&amp;auml;tzlich besser ging, waren wir erstaunt und erleichtert. Sie bezog ein Zimmer in einem katholischen Altenheim, von dem sie das ganze Dorf beobachten konnte. Tante Rosa mochte vielleicht nicht mehr sprechen k&amp;auml;nnen, aber zuh&amp;ouml;ren und verstehen klappte noch prima. Und Magazine lesen sowieso. Sie eignete sich hervorragende mimische und gestische F&amp;auml;higkeiten an und so gelang es ihr sogar mich gegen&amp;uuml;ber meinen Eltern zu verpfeifen, weil sie mich aus ihrem Panoramafenster heraus hatte rauchen sehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sie einige Jahre sp&amp;auml;ter starb, wurde die Welt noch ein wenig dunkler, als sie schon geworden war, als der liebe Gott die liebe Rosa vom Mittel der Sprache befreit hatte. Diese Geschichte hat keine Pointe. Weder stelle ich regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig Blumen auf ihr Grab (nur unregelm&amp;auml;&amp;szlig;ig), noch habe ich das Gef&amp;uuml;hl, dass meine verstorbene Gr&amp;uuml;ne-Daumen-Rosa-Strauch-Gro&amp;szlig;tante &amp;uuml;ber mich wacht. Aber wenn ich an sie denke, sehe ich sie schlesisch lachen, sehe ihr faltiges Gesicht wie einen Holzschnitt und denke, dass ich irgendwann einmal gerne eine Firma nach ihr benennen w&amp;uuml;rde. Rosa Strauch Inc. Und als Logo gibt es keinen rosa Strauch sondern einen Holzschnitt ihres Lachens.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T15:56:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2188/">
    <title>Mal lieb sein</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2188/</link>
    <description>Ohja, Weihnachten bei meinen Eltern. Ich mag sie sehr, aber man muss ja nicht immer gleich die ganze Dosis Liebe abrufen. Deswegen beschr&amp;auml;nkt sich die Dauer meines Aufenthaltes zu meist auf wenige Tage. H&amp;ouml;chstens vier. Nach vier Tage f&amp;uuml;hle ich eine leichte Anspannung in mir wachsen, so eine Verh&amp;auml;rtung unter der Bauchdecke, die Kiefermuskeln werden auch hart w&amp;auml;hrend die Schulter langsam aber sicher nach oben wandern. Vier Tage mit meiner Mutter zu fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cken hat allerdings bisher auch noch jeden umgebracht. Was weniger an ihrem Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck liegt, sondern an ihrer ph&amp;auml;nomenalen Eigenschaft morgens in jedem Zustand wie ein Wasserfall reden zu k&amp;ouml;nnen. Dabei st&amp;ouml;rt es sie auch in keinster Weise, wenn man die Zeitung weit ausgeklappt vors Gesicht h&amp;auml;lt und sich quasi dahinter versteckt. Sie redet einfach durch die Zeitung durch, weil sie genau wei&amp;szlig;, dass man sich bei dem lauten und enervierenden Geplapper sowieso nicht aufs Lesen konzentrieren kann. Das ist schlimm - besonders, wenn man wie ich morgens eher zu den Menschen geh&amp;ouml;rt, bei denenlautes und unabl&amp;auml;ssiges Reden eine Reihe von imagin&amp;auml;ren Bildern ausl&amp;ouml;st, bei denen es um scharfe Messer, sehr viel Blut und evtl. um eine Axt die in einem Kopf steckt geht. Versch&amp;auml;rft wird die Situation dann, wenn man am Vorabend mit alten Freunden versackt ist, man ungef&amp;auml;hr 4 Stunden geschlafen hat, sich noch gen&amp;uuml;gend Wodka in der Blutbahn f&amp;uuml;r ein zweites Bes&amp;auml;ufnis befindet und zu dem langsam aber sicher die Erinnerung hochkommt, dass man sich von jemanden hat nach Hause fahren lassen, den man f&amp;uuml;nf Stunden vorher noch nicht gekannte, man aber ihm trotzdem (oder deswegen) im Auto noch einen runtergeholt hat w&amp;auml;hrend er vergeblich versuchte sich bei mir zu revanchieren. Und wenn dann die eigene Mutter den unsch&amp;ouml;nen Erinnerungstrom damit toppt, dass sie Geschichten aus der Nachbarschaft erz&amp;auml;hlt UND eine Antwort erwartet, kann es zu unsch&amp;ouml;nen Szenen kommen. Mein Vater hat sich das Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cken wohl deswegen abgew&amp;ouml;hnt und verzieht sich mit einem Kaffee immer in sein B&amp;uuml;ro.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Art meiner Mutter bringt mich jedenfalls verl&amp;auml;sslich auf die Palme. Sie wei&amp;szlig; das, ich wei&amp;szlig; das. Sie macht es trotzdem. Vielleicht auch noch als Rache f&amp;uuml;r die Weihnachtsfeste, die ich fr&amp;uuml;her mit sch&amp;ouml;ner Regelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeit versaut habe. Es gab da mal so eine Zeit, kurz nachdem ich endlich ausgezogen war, wo die Konflikte zwischen mir und meiner Mutter an den Feiertagen eskalierten. Gerne bin am 23.12. Abends noch weg gegangen, habe mir einen sch&amp;ouml;nen, gut gebauten jungen Herrn gegriffen, in die elterlichen Zimmerfluchten geschleppt und angelehnter Zimmert&amp;uuml;r besonders laut gev&amp;ouml;gelt. Auch gerne schon mal in der Diele oder auf der Treppe. Der Sex war mir wurscht. Wichtig war mir, dass meine Mutter es h&amp;ouml;ren konnte. Dabei interessierte sie es schon lange nicht mehr, ob und mit wem ich rumv&amp;ouml;gelte. Was sie wirklich &amp;auml;rgerte war die Tatsache, dass am n&amp;auml;chsten Morgen mit Sicherheit ein ihr unbekannter Mensch im Haus sein w&amp;uuml;rde, den sie am Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ckstisch ertragen musste. In solchen Momenten war sie morgens n&amp;auml;mlich ruhig. War ja ein Fremder da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber man wird ja weiser. Oder &amp;auml;lter. Oder beides. Und dieses Jahr habe ich mir das alles verkniffen. Ich bin brav gewesen. Habe meinen Vater geholfen den Weihnachtsbaum am 23.12. Abends zu schm&amp;uuml;cken, anstatt in dubiosen Kneipen zu trinken. Ich hab meiner Mutter geholfen den Rehbraten perfekt werden zu lassen, hab die Hunde durch den Garten gejagt, hab es mir verkniffen sie an zu schnauzen, wenn sie morgens auf mein m&amp;uuml;des Hirn eingeredet hat. Ich war ein braves Lamm. Eine gute Tochter. Ich hab sogar nicht meinen kurzen Rock angezogen, sondern was langweiliges blaues. Ich hab mich artig &amp;uuml;ber was noch langweiligeres in dunkelrot gefreut. Ich hab meine Eltern am 24.12. gezwungen mit mir Wodka zu trinken. Solange, bis beide betrunken waren, und meine Mutter heute morgen zum ersten Mal seit Jahren still war. Was daran lag, dass sie mit einem Sch&amp;auml;del im Bett lag und jammerte. Ich hab dann beschwingt meine Sachen gepackt und bin nun wieder in Berlin. Und jetzt muss ich ganz schnell und ganz dringend raus</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T15:46:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2187/">
    <title>Auto-Klaus und Tante Dolores</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2187/</link>
    <description>Klaus war Autoh&amp;auml;ndler im Nachbarort und wurde von allen Auto-Klaus genannt. Tante Dolores hatte ihn sich bei einem der Sparvereinsabende in der Dorfkneipe eingetreten. Sie hatte eine Schw&amp;auml;che f&amp;uuml;r gro&amp;szlig;e, muskul&amp;ouml;se und bierb&amp;auml;uchige M&amp;auml;nner in schmutzigen Overalls, und diese Schw&amp;auml;che lebte sie an jenem Abend mit Auto-Klaus auf dem R&amp;uuml;cksitz seines gr&amp;uuml;nen Ford Taunus aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurze Zeit sp&amp;auml;ter zog Auto-Klaus bei Tante Dolores ein, und mit ihm ein leichter Geruch nach altem Motor&amp;ouml;l. Sie nannte es immer den PS-Geruch. Nach nicht mal vier Monaten wurde aus Auto-Klaus Onkel Klaus und aus Tante Dolores die Besitzerin eines gr&amp;uuml;nen Ford Taunus GT mit Weber-Vergaser, 88 PS, Ledersitzen und Autoradio. Klausimausi hatte ihn ihr zur Hochzeit geschenkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wenn ich Tante Dolores besuchte, lag Onkel Klaus auf dem Wohnzimmersofa und trank Bier. Oder er schlief. Die Tageszeit war dabei ganz egal, Bier trinken und schlafen konnte Onkel Klaus immer. Zumindest so lange, bis ihn Tante Dolores wieder vor die T&amp;uuml;r setzte. Das Auto behielt sie, und von nun an hie&amp;szlig; Onkel Klaus bei uns nicht mehr Onkel Klaus und auch nicht Auto-Klaus, sondern nur noch Klaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dem Loch im Stammbaum hatte Klaus also diesen sch&amp;ouml;nen Ford Taunus hinterlassen, in dem ich mit Tante Dolores einige Ausfahrten machte. Dabei sangen wir Eisgek&amp;uuml;hlter Bommerlunder oder das Lied vom Pipihendi und lachten. Tante Dolores war keine gute Autofahrerin, und wenn sie sang, klatschte sie oft in die H&amp;auml;nde. Vor einer Kurve klatschte sie einmal zu oft, und der gr&amp;uuml;ne Ford Taunus fuhr in den Stra&amp;szlig;engraben und sp&amp;auml;ter auf dem Abschleppwagen auf den Autofriedhof. Somit war nicht nur Klaus Geschichte, sondern auch der sch&amp;ouml;ne Ford Taunus. Schade drum...</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T15:43:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2186/">
    <title>Gestern</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0402/stories/2186/</link>
    <description>-  Wie Leben, sagt Karina leise vor sich hin.&lt;br /&gt;
Jens sieht weiter auf den Sonnenaufgang, blinzelt nicht, sein Gesicht ohne jede Regung. Karina sieht auf ihre Sandalen, die in einer Ecke des Balkons liegen, dann auf ihre F&amp;uuml;&amp;szlig;e. Blaue Flecken am Spann. Es hat eine Weile gedauert, dass sie Jens &amp;uuml;berreden konnte, auch seine Schuhe auszuziehen. Davor hatte es schon ewig gedauert, ihn zu &amp;uuml;berreden &amp;uuml;berhaupt zu tanzen. Dann auch noch ohne Schuhe.&lt;br /&gt;
Ein L&amp;auml;cheln streicht &amp;uuml;ber ihr Gesicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ich hatte nie einen leiblichen Bruder, fl&amp;uuml;stert sie in die k&amp;uuml;hle Morgenluft. Jens zieht einen Fu&amp;szlig; unter seinen K&amp;ouml;rper und lehnt sich mit seinem R&amp;uuml;cken an die Wand.&lt;br /&gt;
- Und mit meinem Vater, sie seufzt, seit der Scheidung.&lt;br /&gt;
Sie stockt, weil ihre Gedanken ihr Einhalt gebieten.&lt;br /&gt;
- Das sind nicht die richtigen Worte, denkt sie, ich m&amp;uuml;sste andere finden.&lt;br /&gt;
Sie sieht zu ihm hin&amp;uuml;ber, wartet. Sie beoachtet eine Haarstr&amp;auml;hne, die sich fast unmerklich in der zarten Luftstr&amp;ouml;mung dieses Morgens bewegt. Seine langen Haare wollte er schon so lange abschneiden. Vielleicht w&amp;uuml;rde er jetzt den Weg zum Friseur finden, selbst nach der Schere greifen oder dem Haarschneider. Immer wieder gibt es diese Menschen, die eine innere Ver&amp;auml;nderung durch eine &amp;auml;u&amp;szlig;ere sichtbar machen. Wie er wohl mit B&amp;uuml;rstenhaarschnitt aussieht, fragte sie sich.&lt;br /&gt;
Die Haarstr&amp;auml;hne bewegt sich, streift &amp;uuml;ber seine Augen. Da ist kein Blinzeln, keine Regung in seinem Gesicht. Karina senkt den Blick, l&amp;auml;sst ihre H&amp;auml;nde miteinander spielen. Nicht wild, wie in Kindertagen, spielen wie das erste Treffen. Langsame Schritte, vorsichtig wie in einem unbekannten Moor. Sie sieht auf ihre H&amp;auml;nde wie auf zwei Fremde. So pl&amp;ouml;tzlich fremd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karina hebt ihren Blick und blinzelt in den Sonnenaufgang.&lt;br /&gt;
- Ich dachte wir zwei w&amp;auml;ren Seelenverwandte, sagt sie wie zu sich selbst.&lt;br /&gt;
Sie denkt wieder daran wie schwer es war Jens zum tanzen zu &amp;uuml;berreden. Und daran, dass er, einmal erst auf der Tanzfl&amp;auml;che, nicht mehr aufh&amp;ouml;ren wollte. Dass sie wilder tanzten, umeinander sprangen, er sie an den H&amp;uuml;ften hochhob.&lt;br /&gt;
Und langsam wieder zu Boden schweben lie&amp;szlig;. So langsam. Schweben. Zu Boden.&lt;br /&gt;
- Seelenverwandt, sagt sie wieder zu sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es klingt kaum wie eine Frage, als seine Worte ihr wie ein lang verschollener Brief zufallen.&lt;br /&gt;
- Wenn das so ist, er muss schlucken, wenn das so ist, sehn wir uns wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Gitter des Balkons sieht sie ihn barfu&amp;szlig; in Richtung der aufgehenden Sonne gehen. Die H&amp;auml;nde in den Hosentaschen l&amp;auml;sst er pl&amp;ouml;tzlich einen Tanzschritt erahnen. Dann senkt sich wieder der Kopf und sein K&amp;ouml;rper ist eine Marionette ohne Puppenspieler.&lt;br /&gt;
- Seelenverwandt, fl&amp;uuml;stert Karina.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-29T15:40:00Z</dc:date>
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