Er war froh

von Ben
Seine Freundin hätte ihm ne Menge gebracht, seine Eltern sprechen wieder mit ihm und er zieht in eine neue Wohnung, die alte sei? naja in keinem guten Zustand.
Ich hatte die Wohnung einmal gesehen, es war im Sommer wir saßen auf dem Flachdach und tranken, erzählten uns Geschichten. Er erzählte und ich trank. Er hatte Menschen kennen gelernt, die wichtige Sachen machen, also persönlich wichtig. "verstehst du?" immer wieder "verstehst du?". Ich verstand ihn irgendwie. Als ich dann auf die Toilette wollte musste ich seine Wohnung betreten, also durch das Fenster in das Treppenhaus, den langen Flur mit den Neonröhren und dem braunen Teppich. Die Tür war angelehnt, Abschließen hätte sich nicht gelohnt. Hier hatte er sich versteckt, Monate lang, vor seinen Eltern, vor den Menschen, vor der Welt. Er hatte Dinge an die Wand geschrieben, um sich selbst zu bestätigen, Dinge die ihm sagen, dass es richtig ist, was er tut. Er hatte Vorräte angelegt. Zeitungen, Zigarettenhülsen, Konserven; dafür musste erimmer samstags früh raus, oder nachts an die Tankstelle. Als ich wieder draußen bin sagt er: "Ich muss hier weg, dass ist wie ne alte Haut, aus der man raus muss."
Er sagt also das von dem Zustand der Wohnung und ich denke an den Sommer und das Flachdach; er wolle sich auch nicht mehr betäuben, hat gemerkt wie es ihn einschnürt, die Gedanken raubt und er sich ständig fühlt, als hätte er Watte in den Socken und den Schuhen. Ich frage ihn, ob er denkt, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Er nickt heftig, wieder die Freundin, die Wohnung, der neue Job, seine Eltern. Ich war sowieso nicht da, um ihn zu bestätigen oder ihm etwas auszureden. ichhabe immer nur versucht, mit ihm klarzukommen, so wie es die anderen nicht konnten. Nicht aus Mitleid, sondern wegen der anderen Dinge, er hatte Humor undeinen scharfen Verstand,bisweilen zu scharf. Er braucht diesen Kram nicht mehr. Er will endlich leben, ohne Watte in den Socken und Schuhen.
Zwei Wochen später ein Anruf er habe gemerkt, dass ermit seinen Gedanken Dinge geschehen lassen kann, auf der Straße, im Fernsehen, bei sich zu Hause. Er fühle sich wie Gott, das Problem sei nur,er könne nicht mehr schlafen, wenn er schliefe würden Dinge geschehen. Er müsse sich doch um die Menschen kümmern, könne sie nicht alleine lassen. Er müsse aus dem Fenster gucken, in der Stadt herumlaufen, die Menschen beschützen. Ich weiß, dass sein Vater Pfarrer ist. Er wisse nicht, was von ihm erwartet würde. Was mir denn so einfalle."Seid wann kannst du das?" "Seid 4 Tagen und ich werde immer besser!"
Nächstes Jahr ist er wohl wieder da, im Sommer, mit Watte in den Socken und Schuhen.
mindestens haltbar 12/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 12
ISSN 1816-8159
Autor: Ben
Titel: Er war froh
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