
Ein philosophischer Schaukampf
von Christian "plomlompom" Heller
Die Kunst des ironischen Weihnachtsgeschenks könnte dieses Jahr unter so manchen Weihnachtsbaum die deutsche Übersetzung von Richard Dawkins' Bestseller "The God Delusion" zaubern: "Der Gotteswahn". Evolutionswissenschaftler Dawkins bemüht sich seit Jahrzehnten über Bücher, öffentliche Debatten und Fernsehsendungen um Verbreitung von
Leidenschaft für die wissenschaftliche Methode und Faszination für die Komplexitäten der Natur. Seit einer Weile betreibt er auch einen Generalangriff auf Religion.
Die Überzeugung, dass die Welt ohne Religion eine bessere wäre, vertritt Dawkins respektlos und in Ablehnung selbst solcher religiöser Strömungen, die sich moderat und tolerant geben. Für ihn ist religiöser Glaube ein geistiges Virus der Irrationalität, das sich Selbsterhalt und Verbreitung über erhebliche psychologische Kosten für seine menschlichen
Wirte erkauft: Es fördert Leid und Terror, Selbstpeinigung und Hass. Es fördert aber vor allem auch Ignoranz. Der Gläubige akzeptiert die Autorität der unbezweifelbaren heiligen Schrift, des unfehlbaren Hohepriesters, des unergründlichen Mysteriums. Religiöser Glaube, so Dawkins, suspendiert kritisches Denken, Neugier nach Erklärungen und
Offenheit für neue Denkansätze. Er untergräbt Prinzipien der Hinterfragbarkeit, Plausiblität und Logik.
Daher können für Dawkins wissenschaftliche und religiöse Welterklärung nicht friedlich koexistieren.
Ein Schaukampf
Vielleicht hat er damit recht. Ich stelle mir also Wissenschaft und religiösen Glauben als zwei um einen Platz in den Köpfen der Menschen konkurrierende Welterklärungssysteme vor. Ich bin Atheist. Ich hoffe auf den Sieg der Wissenschaft.
Dawkins dürfte die Wissenschaft schon deshalb für den verdienten Gewinner halten, weil er die Ergründung der Wirklichkeit als einen hohen Wert an sich erachtet. Fraglos ist die wissenschaftliche Methode ein geeigneteres Mittel, zur Wirklichkeit vorzudringen, als der religiöse Glaube, der sein Weltbild aus Quellen zweifelhaften Wahrheitswertes wie
Erziehung, Halluzinationen, Drogenerfahrungen oder selbsternannten Autoritäten -- Koran, Papst -- bezieht.
Aber es drängt sich mir auf, Dawkins' Maßstab nicht als allgemeinen Maßstab der Menschen anzunehmen. Aus seinen Schriften spricht eine mitreißende Faszination für die wissenschaftliche Ergründung des Unergründeten und zugleich ein kopfschüttelndes Unverständnis gegenüber jenen, die diese Faszination nicht teilen. Dawkins ist passionierter
Wissenschaftler; aber wieviele Menschen wollen Wissenschaftler sein? Sind im psychologischen Haushalt der meisten Menschen nicht andere Forderungen drängender als die nach der Erforschung der Wirklichkeit?
Die Hoffnung
Glauben wir der Welterklärung der Wissenschaft, erwartet uns nach dem Tod das Verrotten. Glauben wir der Welterklärung der Religion, erwartet uns nach dem Tod das ungebrochene Weiterexistieren unserer unsterblichen Seele. Nun soll ich mich zwischen beiden entscheiden. Lässt sich mein Bewusstsein von der Erforschung der Wirklichkeit leiten, werde ich wohl zähneknirschend und hoffnungslos das Modell der Wissenschaft wählen müssen. Aber käme es nicht gelegen für mein inneres Wohlbefinden, den Tod nicht fürchten zu müssen?
Ein außenstehender Beobachter würde mir zurecht Wunschdenken attestieren, wenn ich mich entgegen der Wirklichkeit dafür entschiede, eine unsterbliche Seele zu haben. Aber kann er es mir auch vorwerfen? Sicher kann ich dem Erlangen von Glückseligkeit eine große Bedeutung für meine Wahl zurechnen. Die Gewissheit von Unsterblichkeit verschafft mir Glückseligkeit. Wenn ich fähig bin (und das menschliche Gehirn ist zu den sonderbarsten Tricks und Selbsttäuschungen fähig), mir überzeugend einzureden, eine unsterbliche Seele zu haben, wäre diese Handlung dann nicht für meinen
psychologischen Haushalt die rationale Entscheidung? Schließlich gibt es keine Enttäuschung zu befürchten: Ein Bewusstsein, das nicht mehr ist, kann sich nicht enttäuscht fühlen. In der Frage der Hoffnung auf
Unsterblichkeit kann ich mit der Wahl der Religion scheinbar nur gewinnen und nichts verlieren.
Dawkins findet ein solches Wunschdenken kindisch und propagiert wie auch manch anderer Atheist die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit als etwas Erwachsenes und damit irgendwie Überlegenes. Man kann auch noch weitergehen: Derlei Wunschdenken ist nicht nur kindisch, es kann auch sehr gefährlich für die Mitmenschen sein. Denken wir nur an die
Selbstmordattentäter, die im Glauben an die Unsterblichkeit der eigenen Seele Massenmord begehen.
Aber aus Sicht des individuellen, egoistischen Bewusstseins ist und bleibt die realitätsferne Gewissheit, unsterblich zu sein, eine attraktivere und damit rationalere Entscheidung als die realitätsnahe Gewissheit, zum Tode verurteilt zu sein. Selbst wenn der dafür notwendige Glaube ein paar erhebliche Qualen, Entbehrungen oder Selbstkasteiungen im Diesseits mit einfordert, ist das immer noch ein sehr günstiger Preis für die glückselig stimmende Gewissheit der eigenen Unsterblichkeit. Ist die Entscheidung für die Wissenschaft also vielleicht irrationaler als der religiöse Glaube, gegen den sie einst aufbegehrte?
Die Verwirklichung der Hoffnung
Nun ja. Es gibt einen -- zugegeben etwas waghalsigen -- Hoffnungsschimmer für die Wissenschaft. Hierzu bedarf es einer größeren historischen Perspektive auf den Kampf zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlicher Methode um die Köpfe der Menschen. Der religiöse Glaube war das erste Welterklärungsmodell, um den psychologischen Haushalt des Menschen in Anbetracht seiner Ohnmacht gegenüber der allmächtigen grausamen Natur zu beruhigen. Vor allem der
Glaube an die eigene Unsterblichkeit -- sei sie nun in Form einer unsterblichen Seele, Anteil an einem Weltgeist oder kannibalistischer Integration in die eigenen Nachfahren -- erwies sich bis heute als konkurrenzloses Erfolgsrezept.
Um dem religiösen Glauben beim Umwerben des menschlichen Bewusstseins zumindest punktuell Konkurrenz machen zu können, musste die wissenschaftliche Methode sich fähig erweisen, auf einem bestimmten Spielfeld einen größeren Glückseligkeitsgewinn für den Menschen zu erwirtschaften als der religiöse Glaube auf demselben. Das konnte zum
Beispiel durch Erkenntnisse über die Natur und ihre Gesetze geschehen, um ihre Grausamkeit und Allmacht mit größerer Erfolgsquote zu zähmen, mittels Vorhersagbarkeit und Maschinerie statt Gebet und Opfer.
Allerdings musste die wissenschaftliche Methode vorsichtig sein, dem religiösen Glauben nicht in wesentlichen Spielfeldern auf die Füße zu treten -- denn die großen Versprechungen der Religion waren dort immer noch psychologisch einflussreicher auf das menschliche Bewusstsein als die vergleichsweise geringfügigen realen Verbesserungen durch die
Wissenschaft. Im Zweifel musste das Start-up Wissenschaft dem marktbeherrschenden Riesen Religion weichen und nicht umgekehrt.
Erst wo Wissenschaft das Leben so radikal verbessert, dass sie die Versprechungen der Religion überrumpelt, kann sie sie restlos austreiben. Es muss selbst für einen Gläubigen ergiebiger erscheinen, auf ein Problem eine bestimmte wissenschaftlich erzeugte Lösung anzuwenden, als für eine übernatürlich bewirkte Lösung des Problems zu beten. Damit die Wissenschaft die Religion vom Spielfeld vertreiben kann, bedarf es also der Eroberung ihrer Kernfelder, zum Beispiel des Versprechens der Unsterblichkeit.
Na, das sollte ja wohl machbar sein -- mit den zu erwartenden Fortschritten etwa der Biotechnologie in den nächsten fünfzig bis hundert Jahren. Schon jetzt reihen sich die Propheten aneinander: Der Biogerontologe Aubrey de Grey hat gerade mit seinem Buch "Ending Aging"die Zeit für gekommen erklärt, die Disziplin der Erforschung des
biologischen Alterns in eine Ingenieursdisziplin zum Bremsen oder Umkehren desselben umzuwidmen. Futurist und Erfinder Ray Kurzweil dagegen sieht uns in exponentiell beschleunigter technologischer Entwicklung auf eine sogenannte "Technologische Singularität" in nächster Zeit zusteuern, die neben vielen anderen interessanten Sachen zu einer Entrückung menschlichen Bewusstseins in unsterbliche Maschinengehirne führen wird, wie der Untertitel "When Humans Transcend Biology" seines apokalyptisch betitelten Buches "The Singularity Is Near" andeutet. Wer Angst hat, ein paar Jahrzehnte zu früh auf die Welt gekommen zu sein, um das Zeitfenster in die wissenschaftlich bewirkte Unsterblichkeit noch zu erwischen, kann sich indes gegen moderate Geldbeträge von der Kryonik-Firma "Alcor Life Extension Foundation"
einfrieren lassen, die schon jetzt siebenundsiebzig Kunden in Tiefkühlung hält -- eine Praxis des Erkaufens von Lebenssicherheit nach dem Tod, die Richard Dawkins gegen Ende von "The God Delusion" mit der
mittelalterlichen Stiftung von Klöstern und Universitäten durch reiche Adelige vergleicht, die so über erkaufte Gebete ihre Chancen für ein erfreulicheres Dasein im Jenseits verbessern wollten.
Sollte es der Wissenschaft dagegen nicht gelingen, die Hoffnungen derReligion einzulösen, werden wir letztere wohl noch ein ganzes Weilchen mit uns rumschleppen müssen.
Leidenschaft für die wissenschaftliche Methode und Faszination für die Komplexitäten der Natur. Seit einer Weile betreibt er auch einen Generalangriff auf Religion.
Die Überzeugung, dass die Welt ohne Religion eine bessere wäre, vertritt Dawkins respektlos und in Ablehnung selbst solcher religiöser Strömungen, die sich moderat und tolerant geben. Für ihn ist religiöser Glaube ein geistiges Virus der Irrationalität, das sich Selbsterhalt und Verbreitung über erhebliche psychologische Kosten für seine menschlichen
Wirte erkauft: Es fördert Leid und Terror, Selbstpeinigung und Hass. Es fördert aber vor allem auch Ignoranz. Der Gläubige akzeptiert die Autorität der unbezweifelbaren heiligen Schrift, des unfehlbaren Hohepriesters, des unergründlichen Mysteriums. Religiöser Glaube, so Dawkins, suspendiert kritisches Denken, Neugier nach Erklärungen und
Offenheit für neue Denkansätze. Er untergräbt Prinzipien der Hinterfragbarkeit, Plausiblität und Logik.
Daher können für Dawkins wissenschaftliche und religiöse Welterklärung nicht friedlich koexistieren.
Ein Schaukampf
Vielleicht hat er damit recht. Ich stelle mir also Wissenschaft und religiösen Glauben als zwei um einen Platz in den Köpfen der Menschen konkurrierende Welterklärungssysteme vor. Ich bin Atheist. Ich hoffe auf den Sieg der Wissenschaft.
Dawkins dürfte die Wissenschaft schon deshalb für den verdienten Gewinner halten, weil er die Ergründung der Wirklichkeit als einen hohen Wert an sich erachtet. Fraglos ist die wissenschaftliche Methode ein geeigneteres Mittel, zur Wirklichkeit vorzudringen, als der religiöse Glaube, der sein Weltbild aus Quellen zweifelhaften Wahrheitswertes wie
Erziehung, Halluzinationen, Drogenerfahrungen oder selbsternannten Autoritäten -- Koran, Papst -- bezieht.
Aber es drängt sich mir auf, Dawkins' Maßstab nicht als allgemeinen Maßstab der Menschen anzunehmen. Aus seinen Schriften spricht eine mitreißende Faszination für die wissenschaftliche Ergründung des Unergründeten und zugleich ein kopfschüttelndes Unverständnis gegenüber jenen, die diese Faszination nicht teilen. Dawkins ist passionierter
Wissenschaftler; aber wieviele Menschen wollen Wissenschaftler sein? Sind im psychologischen Haushalt der meisten Menschen nicht andere Forderungen drängender als die nach der Erforschung der Wirklichkeit?
Die Hoffnung
Glauben wir der Welterklärung der Wissenschaft, erwartet uns nach dem Tod das Verrotten. Glauben wir der Welterklärung der Religion, erwartet uns nach dem Tod das ungebrochene Weiterexistieren unserer unsterblichen Seele. Nun soll ich mich zwischen beiden entscheiden. Lässt sich mein Bewusstsein von der Erforschung der Wirklichkeit leiten, werde ich wohl zähneknirschend und hoffnungslos das Modell der Wissenschaft wählen müssen. Aber käme es nicht gelegen für mein inneres Wohlbefinden, den Tod nicht fürchten zu müssen?
Ein außenstehender Beobachter würde mir zurecht Wunschdenken attestieren, wenn ich mich entgegen der Wirklichkeit dafür entschiede, eine unsterbliche Seele zu haben. Aber kann er es mir auch vorwerfen? Sicher kann ich dem Erlangen von Glückseligkeit eine große Bedeutung für meine Wahl zurechnen. Die Gewissheit von Unsterblichkeit verschafft mir Glückseligkeit. Wenn ich fähig bin (und das menschliche Gehirn ist zu den sonderbarsten Tricks und Selbsttäuschungen fähig), mir überzeugend einzureden, eine unsterbliche Seele zu haben, wäre diese Handlung dann nicht für meinen
psychologischen Haushalt die rationale Entscheidung? Schließlich gibt es keine Enttäuschung zu befürchten: Ein Bewusstsein, das nicht mehr ist, kann sich nicht enttäuscht fühlen. In der Frage der Hoffnung auf
Unsterblichkeit kann ich mit der Wahl der Religion scheinbar nur gewinnen und nichts verlieren.
Dawkins findet ein solches Wunschdenken kindisch und propagiert wie auch manch anderer Atheist die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit als etwas Erwachsenes und damit irgendwie Überlegenes. Man kann auch noch weitergehen: Derlei Wunschdenken ist nicht nur kindisch, es kann auch sehr gefährlich für die Mitmenschen sein. Denken wir nur an die
Selbstmordattentäter, die im Glauben an die Unsterblichkeit der eigenen Seele Massenmord begehen.
Aber aus Sicht des individuellen, egoistischen Bewusstseins ist und bleibt die realitätsferne Gewissheit, unsterblich zu sein, eine attraktivere und damit rationalere Entscheidung als die realitätsnahe Gewissheit, zum Tode verurteilt zu sein. Selbst wenn der dafür notwendige Glaube ein paar erhebliche Qualen, Entbehrungen oder Selbstkasteiungen im Diesseits mit einfordert, ist das immer noch ein sehr günstiger Preis für die glückselig stimmende Gewissheit der eigenen Unsterblichkeit. Ist die Entscheidung für die Wissenschaft also vielleicht irrationaler als der religiöse Glaube, gegen den sie einst aufbegehrte?
Die Verwirklichung der Hoffnung
Nun ja. Es gibt einen -- zugegeben etwas waghalsigen -- Hoffnungsschimmer für die Wissenschaft. Hierzu bedarf es einer größeren historischen Perspektive auf den Kampf zwischen religiösem Glauben und wissenschaftlicher Methode um die Köpfe der Menschen. Der religiöse Glaube war das erste Welterklärungsmodell, um den psychologischen Haushalt des Menschen in Anbetracht seiner Ohnmacht gegenüber der allmächtigen grausamen Natur zu beruhigen. Vor allem der
Glaube an die eigene Unsterblichkeit -- sei sie nun in Form einer unsterblichen Seele, Anteil an einem Weltgeist oder kannibalistischer Integration in die eigenen Nachfahren -- erwies sich bis heute als konkurrenzloses Erfolgsrezept.
Um dem religiösen Glauben beim Umwerben des menschlichen Bewusstseins zumindest punktuell Konkurrenz machen zu können, musste die wissenschaftliche Methode sich fähig erweisen, auf einem bestimmten Spielfeld einen größeren Glückseligkeitsgewinn für den Menschen zu erwirtschaften als der religiöse Glaube auf demselben. Das konnte zum
Beispiel durch Erkenntnisse über die Natur und ihre Gesetze geschehen, um ihre Grausamkeit und Allmacht mit größerer Erfolgsquote zu zähmen, mittels Vorhersagbarkeit und Maschinerie statt Gebet und Opfer.
Allerdings musste die wissenschaftliche Methode vorsichtig sein, dem religiösen Glauben nicht in wesentlichen Spielfeldern auf die Füße zu treten -- denn die großen Versprechungen der Religion waren dort immer noch psychologisch einflussreicher auf das menschliche Bewusstsein als die vergleichsweise geringfügigen realen Verbesserungen durch die
Wissenschaft. Im Zweifel musste das Start-up Wissenschaft dem marktbeherrschenden Riesen Religion weichen und nicht umgekehrt.
Erst wo Wissenschaft das Leben so radikal verbessert, dass sie die Versprechungen der Religion überrumpelt, kann sie sie restlos austreiben. Es muss selbst für einen Gläubigen ergiebiger erscheinen, auf ein Problem eine bestimmte wissenschaftlich erzeugte Lösung anzuwenden, als für eine übernatürlich bewirkte Lösung des Problems zu beten. Damit die Wissenschaft die Religion vom Spielfeld vertreiben kann, bedarf es also der Eroberung ihrer Kernfelder, zum Beispiel des Versprechens der Unsterblichkeit.
Na, das sollte ja wohl machbar sein -- mit den zu erwartenden Fortschritten etwa der Biotechnologie in den nächsten fünfzig bis hundert Jahren. Schon jetzt reihen sich die Propheten aneinander: Der Biogerontologe Aubrey de Grey hat gerade mit seinem Buch "Ending Aging"die Zeit für gekommen erklärt, die Disziplin der Erforschung des
biologischen Alterns in eine Ingenieursdisziplin zum Bremsen oder Umkehren desselben umzuwidmen. Futurist und Erfinder Ray Kurzweil dagegen sieht uns in exponentiell beschleunigter technologischer Entwicklung auf eine sogenannte "Technologische Singularität" in nächster Zeit zusteuern, die neben vielen anderen interessanten Sachen zu einer Entrückung menschlichen Bewusstseins in unsterbliche Maschinengehirne führen wird, wie der Untertitel "When Humans Transcend Biology" seines apokalyptisch betitelten Buches "The Singularity Is Near" andeutet. Wer Angst hat, ein paar Jahrzehnte zu früh auf die Welt gekommen zu sein, um das Zeitfenster in die wissenschaftlich bewirkte Unsterblichkeit noch zu erwischen, kann sich indes gegen moderate Geldbeträge von der Kryonik-Firma "Alcor Life Extension Foundation"
einfrieren lassen, die schon jetzt siebenundsiebzig Kunden in Tiefkühlung hält -- eine Praxis des Erkaufens von Lebenssicherheit nach dem Tod, die Richard Dawkins gegen Ende von "The God Delusion" mit der
mittelalterlichen Stiftung von Klöstern und Universitäten durch reiche Adelige vergleicht, die so über erkaufte Gebete ihre Chancen für ein erfreulicheres Dasein im Jenseits verbessern wollten.
Sollte es der Wissenschaft dagegen nicht gelingen, die Hoffnungen derReligion einzulösen, werden wir letztere wohl noch ein ganzes Weilchen mit uns rumschleppen müssen.
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