Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort

von .meike
Wie habe ich die Mädchen in meiner Klasse beneidet, die mit acht Jahren herzallerliebste Lackschuhe trugen, als ich zu hässlichen Sandalen verdammt war, die für die orthopädischen Einlagen aber nicht für meinen Kleinmädchenstolz geschaffen waren. Die Konfirmation fiel leider in eine Lebensphase, in der ich meinen Körper merkwürdig fand. Genauso sehe ich auf den Fotos aus. Mein Hochzeitskleid trug ich dann ohne Altar. Man merkt, mein Verhältnis zur Kirche ist ein wenig gestört. Also bin ich Anfang der Neunziger ausgetreten. Die Dame auf dem Amt in Ostberlin lobte mich dafür. Das hatte ich nun nicht erwartet.

In den letzten Jahren hatte ich mit der Kirche nicht mehr viel am Hut, doch ein Gedanke ließ mir keine Ruhe. Wie schön wäre es doch, eine Katholikin zu sein, fröhlich sündigen zu können und anschließend durch Beichte und Buße wieder strahlend schön und gereinigt einfach so aus der unangenehmen Sache - dem schlechten Gewissen - herauszukommen. Ich hatte keine Ahnung, wie das Ritual von Statten ging, doch ich stellte mir die katholische Kirche diesbezüglich effizient vor: Rein-Beichten-Absolution-Raus und weiter gehts mit dem lustigen Leben.

Nicht, dass ich sonderlich sündig lebte, aber das eine oder andere schlechte Gewissen hat man doch hin und wieder. Es wäre zu schön, eine einfache Möglichkeit zu finden, die kleinen Sünden einfach zu entsorgen. Dafür würde ich sogar den betäubenden Weihrauch in Kauf nehmen. Doch so richtig zum Katholizismus konvertieren wollte ich aber auch nicht. Eine Freundin von mir, trat studentisch, ledig, umtriebig aus der Kirche aus und wollte entweder zur kirchlichen Hochzeit oder spätestens zur Taufe ihrer Erstgeborenen wieder eintreten. Was sie erzählte, bestürzte mich: mußte Sie doch bei dem obligatorischen Einstellungsgespräch mit dem Pfarrer allen Ernstes dem Teufel abschwören!

Meine Mutter hat für vieles eine Lösung, also fragte ich sie, was ich mit meinen kleinen Sünden, dem schlechten Gewissen und dem Wunsch nach Erlösung machen könnte. Meine Mutter weiß nicht nur, warum die Fastnacht jedes Jahr an einem anderen Tag beginnt, sie hatte auch auf meine Frage zur Beichte eine interessante Antwort. "Kind," sagte sie, "mach dir keine Sorgen. Für uns Evangelischen ist das alles ganz anders. Er ist für uns gestorben - damit ist die Sache erledigt." Ob das auch für Leute gilt, die keinen Mitgliedsbeitrag zahlen?
.meike ist seit 1996 in das Internet verliebt. Morgens wird als erstes der Rechner eingeschaltet und abends ist es das letzte, das - außer dem Gatten - Aufmerksamkeit bekommt. Schreiben ist ihre Berufung aber nicht immer Passion. Seit dem Sommer 03 bloggt .meike in ihrem Blog "wundervolles Leben", doch manchmal fragt sie sich, ob das Leben wirklich derart gestaltet ist. Allerdings steckt es immer wieder voller Wunder - mal mehr, mal weniger.
mindestens haltbar 12/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 12
ISSN 1816-8159
Autor: .meike
Titel: Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort
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am 17. Dez, 09:04

Diese Frage stelle ich mir auch schon seit Jahren... Ich bin ebenfalls in den 90´ern ausgetreten - und wurde allen Ernstes von meiner Tante beschimpft ich könne meine Kinder nie taufen lassen und sie würden deshalb nicht in den Himmel kommen. In zwischen glaube ich fest daran, dass das Himmelreich nicht an einen "Mitgliedsbeitrag" gebunden ist ;-) - sondern eher an die Art und Weise, wie wir unser Leben verbringen - empathisch und mitfühlend, helfend - oder egoistisch und a - loch mäßig?! Ich denke, DAS zählt mehr als eine Kirchensteuer...

Abgerechnet wird am Ende - und nicht in Euro oder Dollar!

am 18. Dez, 10:15

Ne man muss tatsächlich nirgends Mitglied sein. Vergebung ist ne ganz persönliche Sache :-)