
Immer die selben die in der Kirche rauchen
von Benjamin Reichstein
Für mich, ein recht rastloses Kind das süchtig nach konstanter Unterhaltung ist, war die "ungewisse Wartezeit"-Folter eines der negativen Höhepunkte meines Lebens. Man wusste vorher nie, über was der schläfrig redende Priester da vorne sprach und vor allem wie lange. Also hangelte ich mich von Viertelstunde zu Viertelstunde, dann von Minute zu Minute und irgendwann zwang ich mich nur noch durch einzelne Zehn-Sekunden-Blöcke bis zum Ende durchzuhalten um den begehrten Stempel im Konfirmationsheftchen zu bekommen. Im Kopf klang das dann immer wie in diesen Fitnesssendungen im Fernsehen:
Künstlich lächelnde Fitnessfrau: "Noch zehn! Und neun! Und acht! Noch sieben!"
Generver Konfirmant: "Bald vorbei, bald vorbei, baldvorbeibaldvorbei!"
Niemals transpirierende Aerobicdame: "Und noch mal zehn! Und neun! Und acht!"
Genervter Konfirmant: "Das hast du gerade eben schon mal gesagt du verdammte $%&@!"
"Noch eins! Und nur noch zehn! Und neun!"
"UAAAARRRRRGGGHH!"
Um es auf den Punkt zu bringen: in meinem Kopf war Kirmes aber nach aussen hin musste ich so ruhig bleiben wie die komatöse Oma vor mir, damit ich ja nicht negativ auffalle und mir damit die Chance auf einen weiteren Stempel verspielt hätte.
Die einzig wahre religöse Erlösung die ich je erfahren habe war der Sekundenbruchteil nachdem das Geräusch der Glocken an mein Ohr gedrungen war, und mein Gehirn realisierte: Es ist vorbei!
Leicht benommen taumelte ich nach draußen, starrte in den blauen Himmel und ich sah, das es gut war! Mittlerweile ist es fast schon zehn Jahre her das ich regelmäßig in der Kirche war und das einzige was mich davon abhält aus der Kirche auszutreten ist die chronische Faulheit gegenüber nervigen Amtsangelegenheiten.
Dabei hab ich eigentlich nichts gegen den Glauben an sich, ich sehe das eher so wie mein Vater der immer sagt: "Ich hab nichts gegen die Kirche - nur gegen Ihre Anhänger". Meiner Ansicht nach braucht eine Religion keine ständige Unterwürfigkeit und prunkvolle Gebäude, sondern nur den puren Glauben, den jeder in sich trägt. Selbst ich als Atheist mit stark nihilistischen Zügen habe so etwas in mir. Das Warme Gefühl der Sicherheit, ob einem Gott, sich selbst oder einer anderen Person gegenüber, das in Millionen unterschiedlichen Facetten existiert und all die anderen Gefühle und Gedanken mit denen jeder Mensch persönlich seinen Glauben definiert existieren in jedem einzelnen von uns.
Der eine klebt ein Etikett namens "Religion" darauf, der andere "Liebe" oder vielleicht sogar "Selbstbewusstsein". Doch das spielt im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Und Wann immer man geistig einen Schritt zurücktritt und sich selbst aus allen möglichen Perspektiven betrachtet, sollte man die imaginäre Brille einmal abnehmen und Abstand halten. Denn erst wenn man sich selbst einmal verschwommen wahrnimmt, ohne die ganzen Etiketten und das Definitionsgewand das man sich selbst zurechtgeschneidert hat, erkennt man wer man wirklich ist.
Das ist nichts greifbares, nichts fest definiertes, sondern eine sich ständig ändernde Persönlichkeit - mal mehr, mal weniger stark. Ein fliessendes Gebilde, das sich in Wahrheit gar keine beschrifteten Klebezettel anheften lassen will.
Künstlich lächelnde Fitnessfrau: "Noch zehn! Und neun! Und acht! Noch sieben!"
Generver Konfirmant: "Bald vorbei, bald vorbei, baldvorbeibaldvorbei!"
Niemals transpirierende Aerobicdame: "Und noch mal zehn! Und neun! Und acht!"
Genervter Konfirmant: "Das hast du gerade eben schon mal gesagt du verdammte $%&@!"
"Noch eins! Und nur noch zehn! Und neun!"
"UAAAARRRRRGGGHH!"
Um es auf den Punkt zu bringen: in meinem Kopf war Kirmes aber nach aussen hin musste ich so ruhig bleiben wie die komatöse Oma vor mir, damit ich ja nicht negativ auffalle und mir damit die Chance auf einen weiteren Stempel verspielt hätte.
Die einzig wahre religöse Erlösung die ich je erfahren habe war der Sekundenbruchteil nachdem das Geräusch der Glocken an mein Ohr gedrungen war, und mein Gehirn realisierte: Es ist vorbei!
Leicht benommen taumelte ich nach draußen, starrte in den blauen Himmel und ich sah, das es gut war! Mittlerweile ist es fast schon zehn Jahre her das ich regelmäßig in der Kirche war und das einzige was mich davon abhält aus der Kirche auszutreten ist die chronische Faulheit gegenüber nervigen Amtsangelegenheiten.
Dabei hab ich eigentlich nichts gegen den Glauben an sich, ich sehe das eher so wie mein Vater der immer sagt: "Ich hab nichts gegen die Kirche - nur gegen Ihre Anhänger". Meiner Ansicht nach braucht eine Religion keine ständige Unterwürfigkeit und prunkvolle Gebäude, sondern nur den puren Glauben, den jeder in sich trägt. Selbst ich als Atheist mit stark nihilistischen Zügen habe so etwas in mir. Das Warme Gefühl der Sicherheit, ob einem Gott, sich selbst oder einer anderen Person gegenüber, das in Millionen unterschiedlichen Facetten existiert und all die anderen Gefühle und Gedanken mit denen jeder Mensch persönlich seinen Glauben definiert existieren in jedem einzelnen von uns.
Der eine klebt ein Etikett namens "Religion" darauf, der andere "Liebe" oder vielleicht sogar "Selbstbewusstsein". Doch das spielt im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Und Wann immer man geistig einen Schritt zurücktritt und sich selbst aus allen möglichen Perspektiven betrachtet, sollte man die imaginäre Brille einmal abnehmen und Abstand halten. Denn erst wenn man sich selbst einmal verschwommen wahrnimmt, ohne die ganzen Etiketten und das Definitionsgewand das man sich selbst zurechtgeschneidert hat, erkennt man wer man wirklich ist.
Das ist nichts greifbares, nichts fest definiertes, sondern eine sich ständig ändernde Persönlichkeit - mal mehr, mal weniger stark. Ein fliessendes Gebilde, das sich in Wahrheit gar keine beschrifteten Klebezettel anheften lassen will.
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