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    <title>mindestenshaltbar 0311 (November Musik)</title>
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    <description>November Musik</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:date>2008-03-26T11:42:45Z</dc:date>
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    <title>mindestenshaltbar 0311</title>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2077/">
    <title>Glaube ist, was bei mir im Herbst passiert</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2077/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Andere backen jetzt Apfelkuchen, ziehen Winterreifen auf oder k&amp;uuml;mmern sich um ihre Steuererkl&amp;auml;rung. Ich nicht. Ich muss jetzt dran glauben - an Gott. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allm&amp;auml;chtigen, den Sch&amp;ouml;pfer des Himmels und der Erde, wie andere Apfelkuchen backen: im Herbst. Aus einer Laune heraus. Wie immer schon. Und zwar vielleicht nicht nachhaltig - aber es f&amp;uuml;hlt sich gut an. &lt;br /&gt;
Am Anfang ist da blo&amp;szlig; ein vages Kribbeln. Erst zwischen den Schulterbl&amp;auml;ttern, dann im Magen und dann im Kopf. Vor allem im Kopf. Wobei der Magen bei der Geschichte, so gesehen, keine unwesentliche Rolle spielt. Konkret wird das Kribbeln allerdings nur im Kopf, mittendrin, irgendwo zwischen dem Langzeitged&amp;auml;chtnis und dem gesunden Menschenverstand. Letzterer macht, wenn&apos;s soweit ist, erstmal Pause. Komfffme gleich wieder. &lt;br /&gt;
Hausmittel helfen nicht dagegen. Los kriegt man&apos;s nur, wenn es von selbst verschwindet - fr&amp;uuml;hestens nach ein paar Tagen, sp&amp;auml;testens nach zwei, drei Wochen. Bis Weihnachten jedenfalls war ich mit der Geschichte bis jetzt jedesmal wieder durch. Gottseidank gewisserma&amp;szlig;en. Weihnachten hat meinen Glauben schon immer kaputt gekriegt. Okay, in die Kirche gehe ich trotzdem am Heiligen Abend, so viel Widerspruch muss sein. Aber: Wirklich gl&amp;auml;ubig bin ich nur, wenn die Bl&amp;auml;tter fallen und der Nebel steigt. Immer dann. &lt;br /&gt;
Und immer l&amp;auml;uft es gleich: Ein Spaziergang, ein Gespr&amp;auml;ch, ein unbedachter Gedanke, und zack! - hat&apos;s mich erwischt. Ob ich will oder nicht. Wobei ich, ganz tief in mir drin, wahrscheinlich doch irgendwie will. Sonst w&amp;auml;re mein Immunsystem resistent. &lt;br /&gt;
Mein Arzt sagt, die Sache sei harmlos. Reine Kopfsache. Meine Ex-Freundin sagt das Gleiche, nicht ohne anzumerken, da zeige sich mal wieder, wie hammerm&amp;auml;&amp;szlig;ig egozentrisch ich doch sei. Mein bester Kumpel hat, als ich ihm davon erz&amp;auml;hlte, eine Viertelstunde lang gelacht. Meinen Therapeuten kann ich nicht fragen, weil es ihn nicht gibt. Meine Mutter beginnt, sobald ich das Thema auf den Tisch bringe, von ihren Blumenk&amp;auml;sten zu erz&amp;auml;hlen. &lt;br /&gt;
Nur ein mir gut bekannter Pfarrer hat  eine differenziertere Meinung: Interessanter Ansatz, steckt allerhand drin, &amp;auml;u&amp;szlig;erte er einst beim gemeinsamen Fu&amp;szlig;ballgucken (wir kannten uns schon, als er noch kein Pfarrer war und ich frisch konfirmiert). Eigentlich sei das ja christlich durch und durch, am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und so. Dass unser Gespr&amp;auml;ch an dieser Stelle ein abruptes Ende fand, lag daran, dass Lehmann einen entscheidenden Elfmeter hielt und Deutschland im WM-Halbfinale stand - auch ein Wunder, so gesehen.&lt;br /&gt;
Dass andere im Stadion gl&amp;auml;ubig werden, immer nur sonntagvormittags, vor dem Staatsexamen, im Stau, beim Marathon-Zieleinlauf oder nach sieben Bier - ihre Sache. Bei mir ist&apos;s der Herbst. &lt;br /&gt;
Ohne Rituale am Sonntagmorgen kann aber auch ich nicht. Morgens sind, um zwischendurch wieder die Parallelen zur Herbstgrippe zu ziehen, die Symptome generell am schlimmsten. Und auch die Ansteckungsgefahr ist am gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten: Aufgehende Sonne. Nebel. Morgenr&amp;ouml;te. Eisesk&amp;auml;lte. Vielleicht ein paar B&amp;auml;ume. Dampfender Atem. Wunderbar  - und zack!, ist sie da, die Frage, ob das alles - jene Szenerie, der ich in diesem Moment den Stempel WUNDERBAR aufdr&amp;uuml;cke - wirklich nur evolution&amp;auml;rer Zufall sein kann. Die Sonne scheint zuf&amp;auml;llig golden durch zuf&amp;auml;llig verdunstendes Wasser, bricht sich zuf&amp;auml;llig an zuf&amp;auml;llig hier gewachsenen B&amp;auml;umen, und ich, der ich zuf&amp;auml;llig geboren bin und zuf&amp;auml;llig das hier sehe, finde all das zuf&amp;auml;llig fantastisch? Na, ich wei&amp;szlig; ja nicht. Ich glaube nur. Und glauben hei&amp;szlig;t nicht wissen. Zumal mein gesunder Menschenverstand, wie gesagt, ja au&amp;szlig;er Betrieb ist. &lt;br /&gt;
Zu Weihnachten, wie gesagt, bin ich mit der Geschichte l&amp;auml;ngst wieder durch. Kein Ding, Glaube ist bei uns ja gottseidank Privatsache. Fast. Das Finanzamt wird mir das alles nie abnehmen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T18:43:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2090/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2090/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Diese Ausgabe ist ein echtes Experiment. Der Gedanke, dass man eigene Texte mit einem Soundtrack unterlegen kann, schwirrte mir schon l&amp;auml;nger durch den Kopf. Nicht wenige Texte von mir sind entstanden, als mich irgendein St&amp;uuml;ck Musik inspiriert hat. Zur Musik entstanden Bilder oder Emotionen im Kopf, die ich versucht habe in Worte zu fassen. Wirklich bedauerlich ist, dass man selten genau die Musik, die mitverantwortlich f&amp;uuml;r einen Text ist, nicht zusammen mit dem Text ver&amp;ouml;ffentlichen darf. Deswegen habe ich f&amp;uuml;r diese Ausgabe die Idee gehabt, dass man den Text zur St&amp;uuml;cke schreibt, die unter einer CC Lizenz liegen. Das ist nicht so ganz leicht, aber es haben doch wieder viele Autoren mitgemacht und sich auf das Wagnis eingelassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Worte zu Handhabung. Die Musik kann man h&amp;ouml;ren, wenn man &amp;uuml;ber dem Text den kleinen blauen Pfeil anklickt. Wer keinen blauen Pfeil sieht, muss Javaskript aktivieren. Anders geht es leider nicht.Nach dem Klick streamt die Datei automatisch los. Klickt man auf den Namen der Band, l&amp;auml;dt automatisch das mp3 und wird im eigenen Player auf dem Rechner abgespielt. Leider kann man wegen der Formatierungen im Kopf der Texte die Links nicht sehen. Ich habe alle Links zu den Webseiten der Musiker (wenn vorhanden) ins letzte Wort gepackt. Meist findet man dort mehr Infos und vor allem auch noch mehr Musik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer keine Lust hat, sich die Sachen einzeln runterzuladen, der kann die Musik der gesamten Ausgabe bei Rapidshare in einem zip File &lt;a href=&quot;http://rapidshare.com/files/68572938/MH0311.zip&quot;&gt;runterladen&lt;/a&gt;(64 MB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dank geht diesen Monat an &lt;a href=&quot;http://www.opsound.org&quot;&gt;Opsound&lt;/a&gt;, die mir viele Tipps zu Thema CC Musik gegeben haben und die sehr viele unbekannte K&amp;uuml;nstler vorstellen. Ein Blick auf die Seite lohnt allemal. Weiterer Dank geht an twoday.net, die das dauerhafte Hosting der St&amp;uuml;cke &amp;uuml;bernommen haben, so dass den Musikern keine Kosten entstehen. Und zu guter Letzt geht der Dank nat&amp;uuml;rlich wieder an die Autoren und vielen Helfer im Hintergrund. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel Spa&amp;szlig; also mit den Texten und der Musik. Und nicht vergessen: manche Musiker verkaufen ihre CDs im Selbstvertrieb und freuen sich &amp;uuml;ber eine Bestellung.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T21:47:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2076/">
    <title>Wie der Herbstwind</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2076/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Vor sich hin alternd sa&amp;szlig; der d&amp;uuml;rre Mann hoch oben auf dem Rand des kalten Felsvorsprung. Sein Gesicht war gezeichnet von der K&amp;auml;lte und dem Regen, doch es st&amp;ouml;rte ihn nicht. Geistesabwesend starrte er hinunter ins Tal und beobachtete den Windsto&amp;szlig;, der vor ihm ein paar braune Bl&amp;auml;tter aufwirbelte. &quot;Carmen&quot;, sagte er zaghaft und lies die Worte ungeh&amp;ouml;rt in der kalten Luft erfrieren.&lt;br /&gt;
Hier hatte Sie ihn zum ersten Mal gek&amp;uuml;sst. Damals, vor zwei Jahrzehnten.&lt;br /&gt;
Sie stand ganz nah neben ihm - genau so wie jetzt. Der k&amp;uuml;hle Herbstwind liess ihr langes Haar sanft in der Luft schweben und ihr Gesicht passte in diese Landschaft als w&amp;auml;re alles in seinem Blickfeld ein einziges, meisterhaftes Gem&amp;auml;lde. Jeder ihrer Gesichtsz&amp;uuml;ge erhaben wie ein Pinselstrich von Michelangelo, alle ihre Konturen wie von Rembrandts Hand selbst geschaffen. Anmutig drehte sie ihren Kopf und l&amp;auml;chelte den alten Mann an. Sie war seit ihrem ersten Kuss keinen einzigen Tag gealtert und noch immer gl&amp;auml;nzten ihre Rehaugen vertr&amp;auml;umt, wenn sich ihre Blicke trafen und ihr Mund die sch&amp;ouml;nsten drei Worte der Welt formten.&lt;br /&gt;
Ihre Seelen waren fest miteinander verbunden, davon war er &amp;uuml;berzeugt. &lt;br /&gt;
Denn seit sie ihn verlassen hatte f&amp;uuml;hlte er das klaffende Loch in seinem Herzen, wo einst ihr Platz gewesen war. Kein Gef&amp;uuml;hl drang mehr zu ihm durch, sondern wurde unbarmherzig in dieses kalte Nichts gezogen und kein noch so sch&amp;ouml;ner Gedanke konnte ihn auch nur zu einem einzigen, ehrlichen L&amp;auml;cheln bewegen. Er war eiskalt und rau geworden, genau wie der scharfkantige Fels, auf dem er so gerne sa&amp;szlig;.&lt;br /&gt;
Kaum erhoben sich in ihm diese Gedanken, begann ihre Erscheinung zu verblassen und mit ihr auch das L&amp;auml;cheln aus seinem Gesicht. Sie war nun schon zwanzig Jahre tot, doch er konnte sie immer noch nicht loslassen. Also erhob er sich langsam und ging auf Carmen zu um sie endlich wieder in seine Arme zu schliessen und f&amp;uuml;r immer bei ihr zu sein.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T18:13:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2081/">
    <title>Enden</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2081/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Farblosigkeit, der Verlust von Farben zeigt sich so bunt in dieser Jahreszeit. &amp;Uuml;berall gibt es K&amp;uuml;rbisse zu kaufen. Und die Sachen der Leute, die daf&amp;uuml;r anstehen, tragen den ersten klammen Geruch des Jahres in sich. Auf den Feldern stehen Strohballen, die auch zu Treckern, zu Puppen gestapelt werden f&amp;uuml;r das Erntedankfest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wind fegt &amp;uuml;ber die Felder und dr&amp;uuml;ckt gegen mein Auto. Die Felder, die in meiner Kindheit so endlos schienen. Und mit Stoppeln &amp;uuml;bers&amp;auml;ht waren, dass ich beim Rennen aufpassen musste, nicht u fallen. &lt;br /&gt;
Wenn ich dann mit aufgekratzten H&amp;auml;nden und Rissen in der Hose zu meinem Gro&amp;szlig;eltern ins Haus lief, in die gute, warme Stube kam, lachten sie. Bis ich auch lachte.&lt;br /&gt;
- Du brauchst nicht so zu eilen, sagte mein Opa, das Leben wartet  &amp;uuml;berall und immer auf dich.&lt;br /&gt;
Auch, als mein Drachen vom Wind fortgerissen wurde, versuchte er mich zu tr&amp;ouml;sten.&lt;br /&gt;
- So ist das Leben, und vielleicht findest du deinen Drachen eines Tages wieder und er erz&amp;auml;hlt dir von der Welt. Dinge gehen verloren, werden gefunden.&lt;br /&gt;
So ist das Leben. Vielleicht ist das Leben nur so im Herbst, wenn sich die Farben verlieren. So bunt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wind dr&amp;uuml;ckt gegen das Auto bis ich in den Windschatten der H&amp;auml;user gelange. Ich bremse ab. Werde langsamer, als ich in meine Heimatstadt einfahre. Den Berg ein St&amp;uuml;ck hinunter. Vor dem Blitzer noch etwas abbremsen und dann die Anh&amp;ouml;he hinauf. Einparken, &amp;uuml;ber den Platz vor dem Haus. Die Schiebet&amp;uuml;r &amp;ouml;ffent sich automatisch. Ich gr&amp;uuml;&amp;szlig;e eine Schwester, klopfe an und &amp;ouml;ffne die Zimmert&amp;uuml;r.&lt;br /&gt;
Er hat mich nicht geh&amp;ouml;rt, sieht vertr&amp;auml;umt aus dem Fenster. Seine H&amp;auml;nde ruhen auf dem Armlehnen. Der Fernsehen ist immer noch defekt. Die Zeitung stapelt sich ungelesen. Ist das ein L&amp;auml;cheln auf seinem Gesicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich folge seinem Blick. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei jedem kleinen Windsto&amp;szlig; tanzen die Bl&amp;auml;tter vom Baum. Bei grobem Wind werden sie abgerissen. Ich folge seine Blick hinauf zu dem obersten Blatt an diesem Baum. An den anderen &amp;Auml;sten weit oben ist schon kein anders Blatt mehr. Dieses eine hat sein Blick fixiert. H&amp;auml;lt es fest im Auge, w&amp;auml;hrend die anderen fallen.&lt;br /&gt;
Fast erscheint es, als ob dieses Blatt dort viel zu lange h&amp;auml;ngt. Viel zu lange, um einfach nur vom Wind gerissen zu werden. Als m&amp;uuml;sse es selbst entscheiden, wann es Zeit ist. Wie lange mag es dort oben noch ausharren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er dreht seinen Kopf zu mir. Er l&amp;auml;chelt. Als ob er meine Gedanken lesen k&amp;ouml;nnte, spricht er zu ihnen.&lt;br /&gt;
- Alles wird gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, alles wird gut. &lt;br /&gt;
Alles wird gut.&lt;br /&gt;
Enden.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T19:56:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2084/">
    <title>Wintervorboten</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2084/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Es ist immer noch da. Hab dich lange nicht mehr gesehen, eigentlich lange genug. Aber wenn ich Bilder von dir sehe, zuf&amp;auml;llig, wenn man so will, dann ist es unbestreitbar noch da. Kein Kribbeln, das w&amp;auml;re zu viel, nach all der Zeit mit all ihren Inhalten. Aber es bewegt sich was, irgendwo da, wo mal irgendwann ein Kribbeln war. Ich denke nicht besonders oft an dich, eigentlich nie, dachte ich. Erinnerungen, ja, da sind noch viele da, an damals, als ich noch oft an dich gedacht habe. Eine ziemlich verr&amp;uuml;ckte Zeit. Aber das sagen vermutlich alle &amp;uuml;ber ihre erste Liebe. Du warst meine, unbestreitbar. Das werde ich nicht mehr wettmachen k&amp;ouml;nnen, egal was noch kommt und das ist ein bisschen schade, denn eigentlich hast du das nicht verdient. Du warst der erste, der mir wehtun konnte und hast die Chance genutzt. Eine ziemlich lange Zeit dachte ich, dass du mich damit f&amp;uuml;r alles, was danach kommt, versaut hast. Das hast du nicht geschafft, tut mir leid. Tut mir leid, das hast du damals auch gesagt zu mir, mehrmals, und ich war jung genug, um dir zu glauben. Aber auch verletzt genug, um gegenteilig zu handeln. Ich bin damals nicht wieder zur&amp;uuml;ck zu dir. Ja, ich wei&amp;szlig;, ich war darin &amp;uuml;ber einige Jahre nicht besonders konsequent, hab dich sogar sehr lange zu meiner Liebeslebensversicherung gemacht. Topf und Deckel, ja das waren wir, au&amp;szlig;er, dass du nicht treu sein konntest. Aber dar&amp;uuml;ber w&amp;uuml;rde ich hinwegsehen k&amp;ouml;nnen, bevor ich alt, einsam und verbittert sterben w&amp;uuml;rde. Das habe ich dir gesagt, du hast zugestimmt, dein Gr&amp;uuml;bchen-L&amp;auml;cheln gelacht und aus deinem Weinglas getrunken. Wein, den hast du schon immer gerne getrunken, auch, als du mich zum ersten Mal zu dir nach Hause eingeladen hast. Deine Eltern waren nicht da, ganz klassisch. Und du hast irgend so einen Maggi-Nudel-Auflauf gemacht und einen Rotwein auf. Schon w&amp;auml;hrend des Essens bekam ich Bauchschmerzen, denn du hattest Kerzen angez&amp;uuml;ndet. Ich war zwar nie besonders romantisch und du auch nicht, aber ich wusste was das hie&amp;szlig;, um es nicht zu wissen, h&amp;auml;tte ich weniger Daily Soaps sehen m&amp;uuml;ssen. Du hast dann gesagt, ich m&amp;uuml;sse keine Angst haben, auch ganz klassisch. Deswegen hatte ich dann zwar nicht weniger Angst, aber ich war verliebt in dich und du warst der Richtige. &lt;br /&gt;
Nun sitze ich hier und schreibe dir, nein, eigentlich kratzt nur der Stift &amp;uuml;ber das Papier. Denn auch wenn sowas im normalen Leben eigentlich nicht passiert, so kommt das alles ganz von allein aus mir heraus. Und ich dachte auch nicht, dass ich S&amp;auml;tze wie diese im normalen Leben jemals denken w&amp;uuml;rde, aber ich schreibe dir einen Brief, von dem ich nicht wei&amp;szlig;, ob ich ihn abschicke. Eigentlich sollte ich es nicht tun, denn dann ist es wie jeden Herbst, seit dem Jahr, als ich dich damals kurz vor Weihnachten verlassen hatte. Jeden Herbst hast du irgendwie Kontakt zu mir aufgenommen, eine kleine Nachricht &amp;uuml;ber den kitschigen Liebesfilm, den wir damals zusammen im Kino gesehen hatten oder ob es deinem Bernd, mir, gut ginge. Bernd, das war ziemlich lange dein Zauberwort und Bernd hei&amp;szlig;t auch der Teddy, den du mir damals zu Weihnachten schenken wolltest, der mit den Kugeln im Bauch, der echt weich und flauschig ist und den ich bekommen habe, obwohl ich dich verlassen hatte. Den ich behalten habe, obwohl ich dich verlassen hatte. Ich glaube, jetzt ist Bernd in irgendeiner Kiste, nach dem letzten Umzug ist er nicht wieder ausgepackt worden und ich musste jetzt sehr lange &amp;uuml;berlegen, wo er &amp;uuml;berhaupt ist. Trotzdem habe ich, als du dich diesen Herbst wieder wie jedes Jahr gemeldet hast - du scheinst also doch irgendwo ein Faible f&amp;uuml;r Romantik oder eher Sentimentalit&amp;auml;t zu haben ? kurz daran gedacht, wie es w&amp;auml;re, wenn es ablaufen w&amp;uuml;rde, wie jedes Jahr, seit du meine erste Liebe warst. Wie es w&amp;auml;re, wenn wir uns wieder irgendwo, halb heimlich, halb offiziell, dir war das ja schon immer egal, treffen w&amp;uuml;rden. Wenn wir das gleiche Spiel spielen w&amp;uuml;rden, wie jedes Jahr: Topf und Deckel, nur kochen die Kartoffeln eben noch nicht. Hitze haben wir trotzdem jedes Jahr zugef&amp;uuml;gt, ganz genauso, wie es auf unserem Lebensrezept stand. Es hat nie funktioniert und irgendwie haben wir beide wohl schon immer geahnt, dass es das wohl auch nie tun w&amp;uuml;rde. Dieses Jahr wird, es nicht so laufen, das war mir sehr schnell nach meiner Irritation &amp;uuml;ber dein pl&amp;ouml;tzlich-regelm&amp;auml;&amp;szlig;iges Auftauchen klar. Zum ersten Mal hab auch ich was zu verlieren. Das hast du nicht verhindern k&amp;ouml;nnen, tut mir leid.&lt;br /&gt;
Meine Finger sind inzwischen kalt, das hier ist inzwischen auch schon ein sehr langer Brief. &amp;Auml;hnlich lang, wie der, den du mir damals geschrieben hast und mir mein Herz, nachdem du es erst gebrochen hast, fast wieder geflickt h&amp;auml;ttest. Ein rotes Blatt f&amp;auml;llt vom Baum auf mein wei&amp;szlig;es Blatt, nat&amp;uuml;rlich passiert das! Es ist Herbst, es weht Wind und ich sitze auf einer Parkbank unter einem Ahorn-Baum. Und schreibe einen Brief, von dem ich nicht dachte, dass ich ihn jemals schreiben w&amp;uuml;rde. Und den ich nicht abschicken werde. Ich werde ihn nicht mal mit nach Hause nehmen, denn ich brauche ihn nicht. Es ist endg&amp;uuml;ltig Herbst geworden und ich wei&amp;szlig;, dass es zum ersten Mal nach Jahren auch einen Winter geben wird. Ich freue mich darauf, dann kann ich endlich nach Hause gehen, mir dein Foto anschauen und dabei merken, dass es immer noch da ist. Aber auch, dass ich es nicht mehr brauche. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T20:49:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2086/">
    <title>Die Schrecken der Roxana</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2086/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

...also beschlossen, aus der Therapiegruppe auszusteigen.&quot;&lt;br /&gt;
Erst wird sie blass, dann lindgr&amp;uuml;n, dann setzt das rosa ein und intensiviert sich zu O&apos;Hara-w&amp;uuml;rdigem scharlach. &lt;br /&gt;
&quot;Dit JLOB ick nich, dit KANNSTE nich machn! Wat JLOBSTE eijntlich wer de bist, verdammteSCHEISSEnochma. H&amp;auml;ltst dir woll f&amp;uuml;r watt bessret oder wie? Mit dene Dulci und Gabana-T&amp;auml;schken und deen Jlanzhaarspr&amp;auml;h. ICK SEH DOCH DESSDE SPLISS HAST!&quot;&lt;br /&gt;
Der Dick starrt entsetzt den befehlhabenden Therapeuten an, der muss doch EINGREIFEN, verdammt. Doch der betrachtet ganz interessiert und auch irgendwie beleidigt seine Fingern&amp;auml;gel. &lt;br /&gt;
Zwischen Mandys Augen entsteht eine Sorgenfalte. Mit gro&amp;szlig;er Vorsicht legt sie Roxana die Hand auf den Unterarm.&lt;br /&gt;
&quot;NimmdieflossenweckschlampeabersowattvonZACKICH!&quot;&lt;br /&gt;
Mandy gehorcht und f&amp;auml;ngt an zu weinen. &lt;br /&gt;
&quot;Der einzje Mann hier und zieht den Schwanz ein, so hab ick mir dit vorjestellt.&quot;&lt;br /&gt;
Der traurige Joachim schaut traurig und verletzt.&lt;br /&gt;
&quot;Aber Roxana - ich habe doch-&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ruhe, Schwuchtel, jetz red ICK! Jrad wo ick mir an dir jew&amp;ouml;hnt hab machste dir vom Acker? Verjisset! So leicht kommste mir nich davon, det kann ick dir vasichan-&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Frau Roxana, merken sie es? Merken sie es? Halten Sie diesen Moment fest. Was sehen Sie? Ihr Verhalten auf die K&amp;uuml;ndigung von Herrn Dick, w&amp;uuml;rden sie das als angemessen bewerten? Ist Ihre Gef&amp;uuml;hlsexplosion nicht schon bei ihrem Exmann und Sandro, dem LKW-Fahrer aus Zieh-&amp;auml;sar auf taube Ohren gesto&amp;szlig;en? Glauben Sie, dass sie Herrn Dick halten k&amp;ouml;nnen, wenn sie ihn als Schwuchtel bezeichnen?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Fresse Fettsack, dir nehmickma sp&amp;auml;ter vor.&quot;&lt;br /&gt;
Fettsack chucklt, es gibt kein deutsches Wort daf&amp;uuml;r. Er chucklt auf Wienerisch. &lt;br /&gt;
Mandy springt auf und verl&amp;auml;sst den Raum. Hans-Joachim z&amp;ouml;gert, steht schwankend auf und folgt ihr mit einer Packung Zewa-Softis.&lt;br /&gt;
&quot;Hastedir EINMAL &amp;uuml;berlecht, dassde hier vielleicht ne wichtje Rolle spielst, Schwuchtel? Mann, ick fand dir irjendwann richtje schau! Und dit obwohlde dir in Arsch -&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Bitte Frau Roxana, das muss nun wirklich-&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die traurige Trina holt das Handy raus und ruft den Notarzt an. Fettklo&amp;szlig; liegt auf dem Boden und reibt sich den schmerzenden Magen. Es hat sich ausgechucklt. Vom Flur dr&amp;ouml;hnt ein Ger&amp;auml;usch, als schl&amp;uuml;ge jemand seinen Sch&amp;auml;del wiederholt gegen eine Rigips-Wand. Das liegt daran, dass jemand wiederholt seinen Sch&amp;auml;del gegen die Rigipswand schl&amp;auml;gt (Hans-Joachim), dann h&amp;ouml;ren wir Mandy drau&amp;szlig;en brechen w&amp;auml;hrend Roxana wie ein Tiger durch den Raum tigert und sich an den Haaren zieht. Annalena mit dem Waschzwang h&amp;auml;lt sich die Augen zu und Monika, die Manische lacht glockenhell.&lt;br /&gt;
&quot;Und die Beitr&amp;auml;je von dir, dit hatte immer Haut und Haar und du hast dit hier immer so richtje aufjelockert mit diese lockere Art und die kesse Spr&amp;uuml;che. Sollick jetzt hier mit die Frustk&amp;ouml;ppe alleene sitzen und mir dit Jejammer anh&amp;auml;rn? Dit kannste vajessen, Schwuchtel, abschminken, vastehste! Nichmitmir, nich MIT MMIIRR!&quot;&lt;br /&gt;
Herr Dick nickt und schluckt. Dann fliegt der Stuhl durch den Raum, knallt an die Wand und st&amp;uuml;rzt auf Fettsack. Er jault auf. Esther, die klaustrophobische Fleischereifachverk&amp;auml;uferin aus Kladow, geistesgegenw&amp;auml;rtig!, hechtet los, erwischt Roxana von hinten und bringt sie zu Fall. &lt;br /&gt;
&quot;OOOOUUUUARRRRGGGGHHHH! Ick brech dir die Beene du schlabbrige Altweiberf-&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Polizei und der Notarzt ankommen und ihn b&amp;ouml;se anschauen, merkt Herr Dick, dass er sich eine Zigarette angez&amp;uuml;ndet hat. Er dr&amp;uuml;ckt sie auf einer Wick Hustenbonbonschachtel aus, wirft einen Blick auf die Entgleisung und f&amp;uuml;hlt sich stark und gesund. Nur noch einmal, sagt er sich. Nur noch einmal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ach, jetzt ist es schon wieder sehr sp&amp;auml;t geworden, da m&amp;uuml;ssten wir die Abschieds-Feedbackrunde f&amp;uuml;r Herrn Dick vielleicht mit dem Schlussblitzlicht zusammenlegen, wenn das f&amp;uuml;r Sie okay ist.&quot;&lt;br /&gt;
Als ob wir das jetzt noch &amp;auml;ndern k&amp;auml;nnten. Sylvia aus Pankow hat 73 Minuten lang von dem Verh&amp;auml;ltnis zu ihrem Vater berichtet. Wie schon letzte Woche. Und zwei Wochen davor. Aber ich steh eh nicht so gern im Mittelpunkt - deshalb bin/war ich ja hier. Werde gewesen sein. Gott sei Dank sind wir heute nur zehn und nicht neunzehn, wie neulich.&lt;br /&gt;
&quot;Tja Herr Dick.&quot; Der Wiener Therapeut chucklt.&lt;br /&gt;
Ich l&amp;auml;chele in die Runde.&lt;br /&gt;
&quot;Soll ich jetzt sagen, wie ich das ganze hier erlebt habe?&quot;&lt;br /&gt;
Der Wiener l&amp;auml;chelt ein wenig mystisch zur&amp;uuml;ck. &lt;br /&gt;
&quot;Also, ich m&amp;ouml;chte mich bei allen bedanken, dass sie immer so nett und so ehrlich waren und ich bin etwas aufgeregt, denn in Zukunft kann ich Donnerstags zum Beispiel ins Kino gehen anstatt mir traurige Geschichten anzuh&amp;ouml;ren, aber ich m&amp;ouml;chte niemanden verletzen, das ist schon okay, wenn man seine traurigen Geschichten hier loswerden m&amp;auml;chte.&quot;&lt;br /&gt;
Die Runde schut mich an. Manche l&amp;auml;cheln. Mandy schaut nach unten und nestelt an einem Zewa-Softi. Der traurige Hans-Joachim starrt aus dem Fenster.&lt;br /&gt;
&quot;Sie haben enorme Fortschritte gemacht, Herr Dick. Und Sie haben eine echte Bereicherung f&amp;uuml;r die Gruppe dargestellt.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Dankesch&amp;ouml;n.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ick finde, Du hast hier immer frischen Wind reinjebracht. Und jute Laune.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ick w&amp;uuml;nsch Dir allet jute f&amp;uuml;r die Zukunft.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Du wirstma fehln. Und ick hoff, det es Dir weiterhin juut jeht.&quot;&lt;br /&gt;
Ich starre zwischendurch an den Zettel an der Wand, auf dem eine Selbsthilfegruppe f&amp;uuml;r Austherapierte um Mitglieder wirbt. Das ist was f&amp;uuml;r die Therapiejunkies, die selbst nach Klinik und Einzel und Gruppentherapie noch immer mit ihrem Elend verheiratet bleiben wollen. Einige der Anwesenden h&amp;uuml;ten ihre Gem&amp;uuml;tskrankheit wie einen teuren Schatz. Sekund&amp;auml;rer Krankheitsgewinn nennt man das.&lt;br /&gt;
&quot;Du hast immer allet aufn Punkt jebracht.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;F&amp;uuml;r Dein Weiterleben nach der Gruppe w&amp;uuml;nsche ich Dir alles Gute.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Wat soll ick sagen? Ick kenn Dir ja nich. Na ja. Allet Jute.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ick - ick ick kann nich.&quot; Mandy legt mir die Hand aufs Knie und schluchzt. Seit Roxana wieder auf Bonnies Ranch ist hat die Depression sie wieder voll im Griff. Erst gestern musste sie nach einer Fress-Attacke wieder brechen.&lt;br /&gt;
Der traurige Hans-Joachim sagt als letzter Adieu. &quot;Es macht mich - - - traurig, dass Du gehst, Gl&amp;auml;mma. Es macht mich traurig.&quot;&lt;br /&gt;
Und in seinen immer noch nicht leergeweinten Augen blitzen Tr&amp;auml;nen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mandy und Sylvia nehmen mich in den Arm. Das erste mal, dass eine Geste des Vertrauens und der Zuneigung physische Form annimmt. Kurz &amp;uuml;berlege ich, ob ich nicht vielleicht doch meine Telefonnummer da lasse. N&amp;auml;. &lt;br /&gt;
&quot;Vielleicht l&amp;auml;uft man sich ja mal &amp;uuml;ber den Weg?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich wollte grad nochmal dem Therapeuten Danke sagen.&quot;&lt;br /&gt;
Gehe zum Therapeute, reiche ihm die Hand, sage: &quot;Danke!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Lift l&amp;auml;cheln wir uns alle zuversichtlich an. Hans-Joachim ist schon weg. Ich halte den Damen die T&amp;uuml;r auf, wir winken uns noch einmal zu und dann verschwinden sie im Dunkeln.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T21:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2089/">
    <title>Um f&amp;uuml;nf schon dunkel und andere Ungeheuerlichkeiten</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2089/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Ist man gezwungen, sich seinen Stadtteil mit einer Vielzahl von Bewohnern zu teilen, dann kommt man nicht umhin, gelegentlich Menschenansammlungen zu passieren, aus deren Mitte ein aufgeregtes Schnattern t&amp;ouml;nt. Ein solches Gr&amp;uuml;ppchen w&amp;auml;rmte sich k&amp;uuml;rzlich bei meinem Konditor auf, so dass ich in der gl&amp;uuml;cklichen Lage war, bei Kaffee und Geb&amp;auml;ck Studien zu betreiben, um die mich Konrad Lorenz beneidet h&amp;auml;tte. Das Schnattern entpuppte sich n&amp;auml;mlich als Gespr&amp;auml;ch, und ich erfuhr Erstaunliches. Dass es &quot;um f&amp;uuml;nf schon dunkel&quot; sei, stellte ein schm&amp;auml;chtiger kleiner Opa erbost fest. Eine beigefarbene Dame wies darauf hin, dass sie schon gezwungen sei, Handschuhe zu tragen, was die Umstehenden mit entr&amp;uuml;steten Ausrufen quittierten. Vollends machte sich Entsetzen breit, als eine weitere Dame bemerkte, sie habe ihre Heizung gestern &quot;auf drei&quot; stellen m&amp;uuml;ssen. Ach Herbst, dachte ich, bei denen hast du es dir aber endg&amp;uuml;ltig verschissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann das nicht verstehen. Die Menschen tun so, als zw&amp;auml;nge man sie, bei funzligem Lichte in kalten H&amp;uuml;tten zu kauern und an schimmligen Brotkrusten zu nagen. Doch dies trifft nicht zu, denn ein g&amp;uuml;tiger Gott hat bereits vor geraumer Zeit die Gl&amp;uuml;hbirne erschaffen und den Nachtspeicherofen obendrein. Offenbar hat sich das noch nicht gen&amp;uuml;gend herumgesprochen, denn anders kann ich mir das Gejammer nicht erkl&amp;auml;ren. Ich muss gestehen, dass ich von beiden Erfindungen ordentlich Gebrauch mache, und ich sch&amp;auml;me mich dessen nicht. Wenn es im Herbst knallt im Atomkraftwerk, dann sind es vermutlich nicht die Reaktoren oder Trafoh&amp;auml;uschen, die in die Luft fliegen, sondern die Champagnerkorken, die man steigen l&amp;auml;sst, nachdem ich Licht und Heizung angestellt habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute Abend geschah etwas Bemerkenswertes. Als ich nach Hause kam, lungerte ein betont unauff&amp;auml;lliger Mann vor meinem Hauseingang herum. Kaum hatte ich den Schl&amp;uuml;ssel ins Schloss gesteckt, holte er sein Telefon heraus und fl&amp;uuml;sterte: &quot;Er ist da. Schiebt schnell einen Brennstab rein!&quot; &quot;Besser zwei!&quot; rief ich ihm schmunzelnd zu und betrat frohgemut meine Wohnung, gl&amp;uuml;cklich dar&amp;uuml;ber, von einer zu Unrecht am Pranger stehenden Industrie so liebevoll umsorgt zu werden. M&amp;ouml;gen die Uranvorkommen nie versiegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum hatte ich es mir gem&amp;uuml;tlich gemacht, klingelte das Telefon. Es war mein alter Freund Al. Er sagte: &quot;H&amp;ouml;r mal, ich sitze gerade in meinem Weltklimaschutzzentrum und registriere so ein merkw&amp;uuml;rdiges Zucken in meiner Weltklimazustandsmesskurve. Hast du etwa wieder die Heizung...&quot; Ich legte sofort auf. Im Herbst kann man mit Al Gore nicht reden, ohne ein schlechtes Gewissen verpasst zu bekommen. Im Sommer dagegen ist er der umg&amp;auml;nglichste Kerl, mit kleinen Einschr&amp;auml;nkungen. Oft sitzen wir gemeinsam im Stra&amp;szlig;encafe, nehmen unsere Toupets ab und lassen uns die Sonne auf die blanken K&amp;ouml;pfe scheinen. Fr&amp;uuml;her trank ich dazu gerne ein Mineralwasser, aber nachdem mich Al darauf aufmerksam gemacht hatte, dass zuk&amp;uuml;nftig Kriege um Wasser gef&amp;uuml;hrt w&amp;uuml;rden, traue ich mich das nicht mehr. Die Furcht davor, vermummte Freisch&amp;auml;rler k&amp;ouml;nnten aus den umliegenden B&amp;uuml;schen springen, um mir wegen 0,33l Staatlich Fachinger die Kehle aufzuschlitzen, lie&amp;szlig; mich zu alternativen Durstl&amp;ouml;schern wechseln. Kurzzeitig war Cola das Getr&amp;auml;nk meiner Wahl, bis ich erfuhr, dass Samuel P. Huntington gerade an &quot;The Clash of Civilizations Part 2: Coke vs. Pepsi&quot; schreibt. Meine Besorgnis, in diesem Konflikt unversehens auf der falschen Seite zu stehen, war gro&amp;szlig;. Nun trinke ich Kr&amp;auml;utertee. Von Kriegen um Kr&amp;auml;utertee habe ich noch nichts geh&amp;ouml;rt und ich halte auch ihre zuk&amp;uuml;nftige Wahrscheinlichkeit f&amp;uuml;r gering. Kr&amp;auml;uterteetrinker sind keine M&amp;ouml;rder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber eigentlich wollte ich ja vom Herbst erz&amp;auml;hlen. Den Herbst muss man n&amp;auml;mlich einfach lieb haben. W&amp;auml;hrend der Fr&amp;uuml;hling aufdringlich mit seinen blauen B&amp;auml;ndern rumwedelt, der Sommer uns hei&amp;szlig;bl&amp;uuml;tig umschw&amp;auml;nzelt und der Winter, ach reden wir nicht vom Winter; w&amp;auml;hrend diese Jahreszeiten uns also eher l&amp;auml;stig auf die Pelle r&amp;uuml;cken, kommt der Herbst angenehm dezent daher. Man stelle sich eine Party vor, die sich langsam dem Ende zuneigt und bei der die interessantesten G&amp;auml;ste bereits aufgebrochen sind. Da stehen pl&amp;ouml;tzlich zwei attraktive Damen vor einem. Es sind Frau W&amp;auml;rme und Frau Licht und sie sagen &quot;So, wir ziehen uns dann mal zur&amp;uuml;ck. Ihr kommt doch auch ohne uns klar, Jungs&quot;, und weil man etwas ungl&amp;uuml;cklich dreinschaut ob dieser Bekanntmachung, erg&amp;auml;nzen sie: &quot;Gr&amp;auml;mt euch nicht. Schaut lieber mal da hinten, zu dem br&amp;uuml;netten Wirbelwind und der k&amp;uuml;hlen Lady daneben, die sind doch auch ganz bezaubernd.&quot; Und so sagt man Licht und W&amp;auml;rme frohgemut Ade und verbringt seine Tage f&amp;uuml;rderhin mit den beiden anderen Damen, um gemeinsam mit ihnen, in Pelze geh&amp;uuml;llt, durch den herbstlichen Mischwald zu m&amp;auml;andern, in den einen oder anderen g&amp;uuml;lden schimmernden Laubhaufen zu treten und sich am bunten Blattgest&amp;ouml;ber zu erg&amp;ouml;tzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun will ich nicht so tun, als h&amp;auml;tte der Herbst nur Schokoladenseiten. Tats&amp;auml;chlich f&amp;uuml;hrt auch er eine h&amp;auml;ssliche Fratze in der Innentasche seines &amp;Uuml;bergangsmantels mit sich, die er gelegentlich mal rausholt und aufsetzt. In diesem Fall vermeide der Mensch tunlichst Sichtkontakt, denn andernfalls droht ihm ein gewaltiges Heulen und Z&amp;auml;hneklappern. Durch vehement geschlossene Fenster und T&amp;uuml;ren kann man sich dem entziehen. Des Weiteren halte man ausreichend hei&amp;szlig;e Schokolade und einen Kamin bereit. Oft kommen Menschen zu mir und erz&amp;auml;hlen davon, wie wunderbar es sich vor einem prasselnden Kaminfeuer gem&amp;uuml;teln lie&amp;szlig;e, w&amp;auml;hrend drau&amp;szlig;en vor der Thermoverglasung fr&amp;ouml;stelnmachende Winde tobten. Dieses Wissen h&amp;auml;tten sie aus einer Pro7-Vorabendserie oder einem Calvin &amp;amp; Hobbes-Cartoon bezogen. Ich bezweifle das nicht. Mit Bedauern muss ich allerdings kundtun, dass sich mein Leben bislang weitgehend kaminfrei gestaltet. Ich besitze keinen, besa&amp;szlig; nie einen und kenne auch niemanden n&amp;auml;her, der einen bes&amp;auml;&amp;szlig;e und mich davor residieren lassen k&amp;ouml;nnte. Ich sollte meinen Freundeskreis vielleicht einmal einer kritischen &amp;Uuml;berpr&amp;uuml;fung unterziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist allerdings auch so eine Sache mit den Kaminen. So ist der Gebrauch von ehrlichen Holzscheiten offenbar v&amp;ouml;llig aus der Mode gekommen. Flaniert man wochenends durch die Vorstadt, sieht man nirgendwo mehr schwitzende Familienv&amp;auml;ter mit freien Oberk&amp;ouml;rpern in den Vorg&amp;auml;rten stehen, um mit blitzenden &amp;Auml;xten B&amp;auml;ume zu spalten und die Scheite zu imposanten Stapeln aufzuschichten. Stattdessen heizt man mit sogenannten &quot;Pellets&quot;, den Fischst&amp;auml;bchen der Heizmittelbranche, die man sich im n&amp;auml;chstgelegenen Baumarkt aus dem Regal nimmt, bei einer leicht adip&amp;ouml;sen Kassiererin namens &quot;Frau Wolters&quot; mit seiner Kundenkarte bezahlt und im Kofferraum des geleasten Nissan Kombi nach Hause f&amp;auml;hrt, zusammen mit einer Packung vierlagigen Toilettenpapiers und sechs Flaschen Merlot (halbtrocken). Ich finde das nicht gut. Wer mit Pellets heizt, der isst auch Spanferkel aus Dosen, statt sich das kross gebr&amp;auml;unte Fleisch direkt aus dem rotierenden Tier zu schneiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Apropos gebr&amp;auml;untes Fleisch: Eine brennende Sorge des Menschen im Herbst gilt offenbar seiner Oberfl&amp;auml;chenbeschaffenheit. Immer wieder stelle ich fest, dass nur derjenige gesellschaftliche Akzeptanz zu genie&amp;szlig;en scheint, dem es gelingt, auch in dunklen Jahreszeiten seine Epidermis zu einer gewissen Mindestpigmentproduktion anzuregen. Gegebenenfalls muss dem nachgeholfen werden. Karotten sollen diesem Ziel dienlich sein, sind aber in den ben&amp;ouml;tigten Mengen allergologisch bedenklich. Gottlob gibt es Sonnenstudios. Ein Sonnenstudio ist ein Raum, in dem Menschen ohne eigene Sonne f&amp;uuml;r kurze Zeit und gegen ein geringes Entgelt der Zugriff auf k&amp;uuml;nstliche Fremdsonnen gestattet wird (vergl. auch &quot;Tonstudio&quot;). Das Sonnenstudio in meiner Stra&amp;szlig;e (&quot;Hier werden Sie garantiert braun!&quot;) liefert sich mit dem gegen&amp;uuml;berliegenden Restaurant (&quot;Hier werden Sie immer satt!&quot;) ein unerbittliches Rennen um B&amp;ouml;rse und Barschaft der B&amp;uuml;rger. M&amp;uuml;sste ich mich entscheiden f&amp;uuml;r eines der Etablissements, fiele mir die Wahl nicht schwer, denn ein gegrilltes Steak ist einem gegrillten Selbst unbedingt vorzuziehen. Mit dieser Einstellung scheine ich jedoch einer Minderheit anzugeh&amp;ouml;ren, denn gerade im Herbst sieht man die Menschen in die Sonnenstudios str&amp;ouml;men, wie S&amp;uuml;chtige auf der verzweifelten Jagd nach legalen Pigmentstimulanzien. &quot;Was wollen Sie denn dort? Sie sind doch schon braun!&quot;, rufe ich einer Dame der Gattung &quot;Gut durch&quot; hinterher. &quot;Nicht braun genug! Nicht braun genug!&quot; erwidert sie und eilt dem verhei&amp;szlig;ungsvollen Lichte entgegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir soll es recht sein. Ich werde heute Abend das gegen&amp;uuml;berliegende Restaurant aufsuchen, ein knuspriges Spanferkel bestellen und dem Herbst bei seinem arttypischen Verhalten zuschauen. Vielleicht kann ich den Wirt zum Einbau eines Kamins &amp;uuml;berreden? Beim Holzhacken w&amp;uuml;rde ich ihn tatkr&amp;auml;ftig unterst&amp;uuml;tzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sp&amp;auml;ter werde ich noch Al zur&amp;uuml;ckrufen. War ja wirklich etwas unh&amp;ouml;flich von mir.
</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T21:38:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2088/">
    <title>In der H&amp;ouml;lle spielt Musik</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2088/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Es ist Herbst. Es ist Zeit, auch wenn sie wiegt. Wie Blei, diese Zeit. Wie der Blues, manchmal. Ich mag keinen Blues. Ich bin im Herbst nicht zu gebrauchen, im Gegenteil. Herbst ist eine &amp;uuml;ble Zeit. Die &amp;uuml;belste &amp;uuml;berhaupt. Jeden Abend, schon in der D&amp;auml;mmerung. Da hilft nichts, mir nicht. Auch nicht Musik. Nicht mehr. Dunkles Blau wiegt durch die N&amp;auml;chte. Endlos, bis zum April. Sind alle N&amp;auml;chte, lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist Zeit, mahnt Master Don. Redaktionsschlu&amp;szlig;. Mindestens haltbar, doch eigentlich nicht mehr zu halten. So ist das eben. So ist das immer. Autoren kommen zu sp&amp;auml;t, und das nicht nur im Herbst. Wenn sie den Blues haben. Doch das Thema pa&amp;szlig;t, diesmal. Depression und Musik. Schreibt der Don, ganz lapidar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Depression und Musik, das mu&amp;szlig; man sich einmal vor Augen f&amp;uuml;hren. Depression &lt;strong&gt;UND&lt;/strong&gt; Musik! Also nicht nur das eine. Oder das andere. Als w&amp;uuml;rde eines von beiden nicht vollkommen ausreichen. Um einen Autor ins Grab zu bringen. Nein, es mu&amp;szlig; beides sein. Zur gleichen Zeit. Sagt der Don, einfach so. Und das im tiefsten Herbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also wirklich? Also los!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Musik entsteht nicht im Kopf, wie ein Text. Nein, so ist das nicht. Das k&amp;ouml;nnte man meinen, und das w&amp;auml;re sch&amp;ouml;n. Wenn man Musik einfach hinschreiben k&amp;ouml;nnte, und dann w&amp;auml;re sie fertig. Wie die Buchstaben hier, einer nach dem anderen. Nichts steht ihnen im Weg. Und die Worte, immer sch&amp;ouml;n folgerichtig. Oder auch nicht folgerichtig, das ist ziemlich egal. Meistens jedenfalls, wenn es gut l&amp;auml;uft. Und wenn nicht, dann eben nicht. Wen k&amp;uuml;mmert das? Das leere Blatt vielleicht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch es ist ein Trugschlu&amp;szlig;, da&amp;szlig; es mit Musik auch so ginge. Mehr noch, das ist blanker Unsinn. Was immer andere auch behaupten m&amp;ouml;gen, Musik ist etwas anderes. Etwas grundlegend anderes. Ich wei&amp;szlig; das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Musik entsteht in Prober&amp;auml;umen. In engen, verdreckten, verraucht- und verrotteten L&amp;ouml;chern, irgendwo am Rand der Stadt. Abgelegen, wegen der kaum zu vermeidenden L&amp;auml;rmentwicklung. Wegen m&amp;ouml;glicher Nachbarn, die sich unter Umst&amp;auml;nden gest&amp;ouml;rt f&amp;uuml;hlen k&amp;ouml;nnten. Die sich mit Sicherheit gest&amp;ouml;rt f&amp;uuml;hlen werden, denn sie sind &amp;uuml;berall. So werden die Fenster im Proberaum nicht ge&amp;ouml;ffnet, niemals. (Wenn es &amp;uuml;berhaupt Fenster gibt.) Wegen des einen Nachbarn, den es dann doch gibt. Den es immer gibt. Am anderen Ende der Stra&amp;szlig;e, 800 Meter Luftlinie entfernt. Ein Schulhausmeister vielleicht, oder ein Forstverwalter. Ein einziger nur, das ist genug. Und nichts ist mit Musik. Wenn der sich beschwert, regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig, nach sp&amp;auml;testens zehn Minuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bullenhitze im Sommer. Diese Enge. Probel&amp;auml;ufe im Pumak&amp;auml;fig, stundenlang. Immer hin und her und hin und her. Immer dasselbe, immer im Takt. Oder daneben, das kommt vor. Zwischendrin die Kriege. Raucher und Nichtraucher. S&amp;auml;ufer und Nichts&amp;auml;ufer. P&amp;uuml;nktlichkeit und Geld. Und das ist l&amp;auml;ngst nicht alles. Miteinander und gegeneinander, wie es eben kommt. Jeder h&amp;auml;ngt f&amp;uuml;r sich an seiner Strippe. Die mit dem Mikro, der mit dem Ba&amp;szlig; und - blo&amp;szlig; nicht zuletzt, nur das nicht - der mit der Gitarre. Der Schlagzeuger klemmt in seiner Maschinerie, in eine Raumecke gezw&amp;auml;ngt. Das Piano, gleich daneben, kaum zu h&amp;ouml;ren. Die Pianistin verzweifelt, wie immer. Auch sie h&amp;ouml;rt sich nicht. Dann noch eine Perkussionistin. Ohne Kabel bei den Proben, ist sowieso &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig. Warum sich Max nicht endlich ein bi&amp;szlig;chen Schnickschnack ans Schlagzeug bastelt, das wei&amp;szlig; kein Mensch. Meint Robbie. Der, mit der Gitarre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser dauernde Kampf. Diese Hitze, dieser Gestank. Und dieser L&amp;auml;rm, nicht zuletzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Winter dann das Gegenteil. Die Heizung im Proberaum bleibt immer kalt. (Wenn es &amp;uuml;berhaupt eine Heizung gibt.) Es lohnt nicht, den durchgek&amp;uuml;hlten Raum hochzufahren. F&amp;uuml;r einen Abend in der Woche, die paar Stunden, diese kalte Mischung aus Schwei&amp;szlig;, Bier und Rauch aufzukochen. Das mu&amp;szlig; nicht sein, da sind sich alle einig. Ute m&amp;uuml;&amp;szlig;te zwar nur am Abend vorher kurz vorbeikommen und das Nachtspeicherger&amp;auml;t aufdrehen. Sie wohnt gleich um die Ecke. Aber sie tut es nicht, selbst wenn man sie fragt. Also fragt niemand mehr. Sie hat schlie&amp;szlig;lich schon den Schl&amp;uuml;ssel. Sie mu&amp;szlig; da sein, immer. Auch wenn auf ihr Piano niemand h&amp;ouml;rt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So geht Musik! So, und nicht anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Winter, es liegt Schnee. Wir stehen vor dem Proberaum, seit &amp;uuml;ber einer halben Stunde. Die T&amp;uuml;r ist zu. Die K&amp;auml;lte kriecht, wir frieren. Es ist Zeit. Daggi, die, mit dem Mikro, ist noch nicht da. Das wundert niemanden, das ist normal. Die hat es gut, die macht es richtig. Alles. Noch nie hat Daggi beim Aufbau geholfen. Das Mischpult geschleppt, die Verst&amp;auml;rker verkabelt, die Trommeln gestimmt. Oder mit Ute das Piano getragen. Niemals.&lt;br /&gt;
&quot;Was ist los&quot;, fragt Walter. Der, mit dem Ba&amp;szlig;. So, als ob nichts w&amp;auml;re. Der kommt auch immer sp&amp;auml;ter.&lt;br /&gt;
Max zuckt mit den Schultern. Robbie mault rum, w&amp;auml;hrend er sich die vierte oder f&amp;uuml;nfte Zigarette ansteckt. Er &amp;auml;u&amp;szlig;ere sich jetzt mal besser nicht. Ich bin die Perkussionistin, die braucht kein Mensch. Da mu&amp;szlig; ich wohl auch nichts sagen, denke ich.&lt;br /&gt;
Nur Ute, die ist ganz offensichtlich nicht da.&lt;br /&gt;
&quot;Hat sie wen angerufen?&quot; fragt Walter.&lt;br /&gt;
Robbie lacht. Ich zucke mit den Schultern, weil ich ja nichts sagen will. Daggi ist immer noch nicht da, aber das ist ja normal. Max sch&amp;uuml;ttelt den Kopf. Er spielt mit seinem Handy, die ganze Zeit schon. Immer hat er das neueste Modell. Nie lernt er damit umzugehen. Schlie&amp;szlig;lich h&amp;auml;lt er es sich doch ans Ohr.&lt;br /&gt;
&quot;Sie kann heute nicht, einer soll den Schl&amp;uuml;ssel holen&quot;, sagt er. &quot;Hat sie mir auf die Mailbox gesprochen.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Wann denn?&quot; fragt Walter.&lt;br /&gt;
Max hebt beide Schultern.&lt;br /&gt;
&quot;Hab ich grad erst gesehen, ist wohl ne Weile her. Ich hab gestern die neueste Software aufgespielt. Da mu&amp;szlig; was durcheinandergeraten sein.&quot;&lt;br /&gt;
Robbie schnipst die Kippe weg und lacht laut los. Lustig klingt das nicht.&lt;br /&gt;
&quot;Und ich bin extra fr&amp;uuml;her aus dem Seminar, das darf doch nicht wahr sein. Leute, wir haben nen Auftritt n&amp;auml;chste Woche. Wie soll denn das gehen? Was denkt die sich?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Vor ner Stunde hab ich dich aber gem&amp;uuml;tlich mit Sammy in der Cafeteria sitzen sehen&quot;, sage ich. Obwohl ich doch eigentlich nichts sagen will.&lt;br /&gt;
Robbie glotzt mich bl&amp;ouml;d an. Ihm fehlen die Worte, das ist selten. Walter nimmt seinen Ba&amp;szlig; und will gehen. Wortlos. Das macht er manchmal. Max h&amp;auml;lt ihn nicht fest, diesmal. Robbie auch nicht. Er glotzt noch immer, aber weniger bl&amp;ouml;d. Eher ein bi&amp;szlig;chen b&amp;ouml;se. Dann kommt Daggi um die Ecke. Endlich, denke ich. Walter bleibt noch einmal stehen. Der Schnee knirscht unter seinen Schuhen, als er sich umdreht.&lt;br /&gt;
In der H&amp;ouml;lle, da spielt die Musik. Und es liegt Schnee. Oder so &amp;auml;hnlich. Da bin ich auf einmal ganz sicher.&lt;br /&gt;
&quot;Ich mu&amp;szlig; euch was sagen&quot;, ruft Daggi schon von weitem. &quot;Sammy hat mich gefragt, ob ich nicht bei ihm einsteigen will. Jungs, das ist &lt;em&gt;die&lt;/em&gt; Chance, das kann ich nicht absagen. Tut mir echt leid, aber? Das m&amp;uuml;&amp;szlig;t ihr verstehen. Ich mu&amp;szlig; dann auch gleich los.&quot;</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T21:25:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2087/">
    <title>Herbstschmerz; s&amp;uuml;&amp;szlig;</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2087/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Hingebreitet &amp;uuml;ber den Fluss liegt die Br&amp;uuml;cke, quer zur Str&amp;ouml;mung, die nicht so rei&amp;szlig;end ist, wie der Name des Flusses verhei&amp;szlig;en mag. Aus dem Vogelblick ein grauer Streifen Beton &amp;uuml;ber das Gr&amp;uuml;ngrau des Wassers gelegt und darunter der Flusslauf, an den Wellenbruchstellen wei&amp;szlig; bekr&amp;ouml;nt, vergilbte Wiese, von braunen Trampelpfaden durchzogen, und rostige B&amp;auml;ume, farbenfroh vergehend; dar&amp;uuml;ber, im herbstlichen Schr&amp;auml;glicht, das tiefe Dunkelblau des sp&amp;auml;tnachmitt&amp;auml;glichen Herbsthimmels.&lt;br /&gt;
Auf der Br&amp;uuml;cke rollende Gef&amp;auml;hrte, von einer Seite des Flusses auf die andere und zur&amp;uuml;ck, Autos, Busse, dr&amp;auml;ngelnde Mopeds, eilige Fahrradfahrer, Fu&amp;szlig;g&amp;auml;nger mit oder ohne Kinderwagen, mit oder ohne trottenden Hund. In der Mitte der Br&amp;uuml;cke ein Kommen und Gehen, ein Motorenl&amp;auml;rmen und Kinderrufen, ein Geschw&amp;auml;tz und Fahrradglockengel&amp;auml;ut, Musikfetzen aus einem Autoradio, ein Hundebellen und Menschenlachen, Menschenstimmen, Menschenk&amp;uuml;ssen; das Rauschen von Fluss und Herbstlaub &amp;uuml;bert&amp;ouml;nend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort, an den Beton des Br&amp;uuml;ckengel&amp;auml;nders gelehnt, direkt &amp;uuml;ber dem Wasser und starr darauf blickend, sie - und ihr Haar f&amp;auml;llt rostrot wie Herbstbl&amp;auml;tter auf ihre Schultern, vom Herbstwind bewegt, sanft. Sie sieht be&amp;auml;ngstigend konzentriert auf den Fluss, sich an die W&amp;auml;rme des von der tiefstehenden Sonne aufgeheizten Gel&amp;auml;nders dr&amp;auml;ngend, aber niemand zupft sie am &amp;Auml;rmel, niemand spricht sie an und heiratet sie, um zu verhindern, dass sie springt; das geschieht nur im Film. Unber&amp;uuml;hrt steht sie und ihr Blick sieht den Fluss nicht und ihr Ohr h&amp;ouml;rt die Menschen nicht, h&amp;ouml;rt nichts, inmitten des L&amp;auml;rms, inmitten der Farbpracht der Herbstsch&amp;ouml;nheit ist es dunkel und leer in ihrem Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist kein Schrei der Verzweiflung, der ihre, es ist leiser, sanfter und best&amp;auml;ndiger; ein Winseln und Wispern der Sehnsucht. Es ist kein stechender Schmerz, es ist ein s&amp;uuml;&amp;szlig;liches, z&amp;auml;hfl&amp;uuml;ssiges Flie&amp;szlig;en einer nie versiegenden Quelle der Qual. Es ist ihr nicht nur verhasst, es ist eine s&amp;uuml;&amp;szlig;e Sucht, wie das woll&amp;uuml;stige Kratzen des Schorfs von der eben verheilenden Wunde, pochendes Leid durchtr&amp;auml;nkt von stiller Befriedigung. Und sie fl&amp;uuml;stert fast lautlos, zur Erinnerung, nur ihre Lippen formen die Worte:&lt;br /&gt;
Mein Herz blutet Dir nach. Mein Herz ist ganz klein und mager in mir und es wei&amp;szlig; nicht, wohin es pochen soll, es wei&amp;szlig; nicht mehr, ob es pochen soll und wof&amp;uuml;r; mein Herz wird leer und leblos in mir, denn es wei&amp;szlig; nicht mehr, wem es angeh&amp;ouml;rt. Mein Herz liegt in Deiner Hand, die es presst und auswringt und bluten macht, nach Dir. Mein Herz ist unruhig, es &amp;auml;ngstigt sich, es zittert, ohne Dich. Mein Herz verhungert und verdurstet, vor Sehnsucht nach Dir, es krampft sich zusammen vor Angst, was werden soll. Mein Herz schl&amp;auml;gt, klein und mager und leer. Mein Herz ist sprachlos, wenn Du ihm nicht zuh&amp;ouml;rst, Du bist die Stimme, ohne die mein Herz immer schweigen muss und Du bist fort. Mein Herz ruft und weint nach Dir, mein Herz schreit und schluchzt, mein Herz will Blut spucken, wegen Dir. Denn Du bist ihm alles. Du bist ihm alles und es selbst, mein Herz schl&amp;auml;gt um Dich und wegen Dir und in Dir. Mein Herz h&amp;auml;lt den Atem an, denn Du bist der Atem meines Herzens, du bist sein Leben und bist sein Tod. Mein Herz blutet Dir nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Lippen schlie&amp;szlig;en sich, ihre H&amp;auml;nde lassen das von der Herbstsonne erw&amp;auml;rmte Gel&amp;auml;nder der Br&amp;uuml;cke los, ihr K&amp;ouml;rper l&amp;ouml;st sich und sie geht davon, unber&amp;uuml;hrt; ihre Gesichtsz&amp;uuml;ge bleiben unver&amp;auml;ndert, ihr Blick starr zu Boden gerichtet. Der Herbstwind weht durch ihr rostrotes Haar, vergilbte Bl&amp;auml;tter fallen, der Fluss rauscht dahin, die Br&amp;uuml;cke liegt dar&amp;uuml;ber hingebreitet; ein Vogel durchstreift in den Schr&amp;auml;gstrahlen des Herbstlichts den tiefblauen Abendhimmel.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T21:16:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2085/">
    <title>Jaco und Nina</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2085/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

So mit 16 las ich in einem Musik-Magazin, das mir Freunde in mein Dorf importiert hatten etwas &amp;uuml;ber Jaco Pastorius. Einen Jazz-Bassisten, der wohl manisch-depressiv war. Jazz war damals eine fremde neue Welt, Bassist war ich auch, &quot;manisch&quot; sagte mir nichts, es gab kein Internet zum Nachschauen aber das alles klang viel aufregender als die ewig gleichen Geschichten von zerst&amp;ouml;rten Hotelzimmern, Groupies und Drogen, die der Rock&apos;n&apos;Roll so lieferte.&lt;br /&gt;
Und auch &quot;depressiv&quot; klang spannend. Das klang so als g&amp;auml;be es einen Namen f&amp;uuml;r meine Traurigkeit, f&amp;uuml;r mein Verzweifeln an der Welt, &amp;uuml;ber das ich mit niemandem reden konnte. So, als w&amp;auml;re ich nicht alleine.&lt;br /&gt;
Und es kam sogar noch besser: Es war nicht nur ein Wort, nicht nur ein Name, es hatte auch noch den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Bassisten der damaligen Zeit kreativ befl&amp;uuml;gelt. So las es sich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beschloss: Ich wollte auch manisch-depressiv werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In meinem Kopf verwirbelte Depression mit Weltschmerz, mit Hesse und &quot;Still got the Blues&quot;, mit Werthers Leiden und einsamen Abenden auf dem Dorf, an denen mich wieder niemand zur Jahrgangsparty gefahren hatte.&lt;br /&gt;
Ich h&amp;ouml;rte jede traurige Schallplatte die jemals ver&amp;ouml;ffentlicht wurde, las aus jedem Text den Schmerz der ganzen Welt und wusste zum ersten mal seit Jahren, dass das alles einen Sinn machen w&amp;uuml;rde: Ich w&amp;uuml;rde ein wahrer, echter K&amp;uuml;nstler werden. Tiefgr&amp;uuml;ndig und bewundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jahre sp&amp;auml;ter lernte ich Nina kennen. Nina war ein eher muffiger Typ, ruppig, aber nicht ohne eine gewisse Herzlichkeit. Ich mochte sie irgendwie.&lt;br /&gt;
Nina verschwand alle paar Monate f&amp;uuml;r ein paar Wochen. Niemand der anderen, die sie alle schon l&amp;auml;nger kannten sprach dar&amp;uuml;ber und auch wenn sie dann eines abends wieder in der Kneipe stand fragte niemand. Ich also auch nicht.&lt;br /&gt;
Hinter vorgehaltener Hand erz&amp;auml;hlte mir dann jemand, sie sei &quot;wieder in der Klinik&quot;. Hinter vorgehaltenen H&amp;auml;nden sprechen war noch nie mein Ding und ich fragte sie mal, als sich die Gelegenheit ergab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seitdem hatten wir so etwas wie einen besonderen Draht. Wenn sie mich wieder einmal anpflaumte, schob sie ein &quot;Weisst doch wie ich bin&quot; hinterher, knuffte mir einen Moment sp&amp;auml;ter die Schulter und murmelte &quot;bin schlecht eingestellt&quot;.&lt;br /&gt;
Und wenn es ihr auf einmal wieder auffallend gut ging, wenn sie auf einmal Pl&amp;auml;ne zur &amp;Uuml;bername der Weltherrschaft in die Kneipe posaunte, dann konnte ich damit umgehen, dann wusste ich, sie w&amp;uuml;rde wohl bald wieder ein paar Wochen weg sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt ist sie schon lange mehr als ein paar Wochen weg. Als sie merkte, dass sie den Kampf nicht mehr gewinnen konnte, fuhr sie zur lange vorher ausgew&amp;auml;hlten Br&amp;uuml;cke und h&amp;ouml;rte einfach auf zu k&amp;auml;mpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt kaum einen Tag, den ich mich seitdem nicht f&amp;uuml;r meinen jugendlichen Wunsch gesch&amp;auml;mt habe.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T20:59:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2083/">
    <title>M&amp;uuml;de, so m&amp;uuml;de</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2083/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Eigentlich sind die Pflanzen auf der Dachterrasse die Sache von H. Aber es gibt zwei Zeitpunkte im Jahr, an denen ich mich darauf einrichten muss, hinzugezogen zu werden. Am Wochenende war es mal wieder soweit. Irgendwie ist das immer wie ein kleiner Umzug, schleppen ist angesagt, Oleander, Fuchsien, Blumenk&amp;auml;sten reinholen, auf die Lagerpl&amp;auml;tze im Treppenhaus. Umpflanzen, die Rosen in frostfeste T&amp;ouml;pfe. Ungewohnte k&amp;ouml;rperliche T&amp;auml;tigkeit, trotz der Hilfe von Nachbarn. Als H&amp;ouml;hepunkt wird der Klimakiller samt Gasflasche, der Heizpilz, auf die Terrasse verfrachtet. Ausruhen, nur ausruhen. Ich bin m&amp;uuml;de.&lt;br /&gt;
Richtig m&amp;uuml;de bin ich am Montag eigentlich immer, die Woche t&amp;uuml;rmt sich wie eine Wand und der schwere K&amp;ouml;rper muss gezwungen werden, sich auf den Weg zu machen. F&amp;uuml;nf Tage in der anderen Stadt, arbeiten fern vom Klimakiller, warten auf Freitag. M&amp;uuml;de bin ich immer noch, halb verschlafen und doch wach geht es zum Bahnhof. Viel matschig-verk&amp;uuml;mmertes Laub auf den Stra&amp;szlig;en, aus den Augenwinkeln beobachte ich unlustig die Umgebung. Es ist anders, Autofahrer sind zu Gange, kratzen die Scheiben, ganz ungl&amp;auml;ubig, eine Handlung schon fast vergessen.&lt;br /&gt;
Die S-Bahn ist voll wie immer am Montag morgens. Viele lesen, die Pendlerprofis haben ein dickes Buch in der Hand. Kopfh&amp;ouml;rer blasen die Weckmelodie in die Ohrmuscheln, iPods und andere werden hervorgefummelt, um die Wachmachmusik auszuw&amp;auml;hlen. Schwarze Finger drehen am Ger&amp;auml;t. Schwarze Finger? Dass es Wollhandschuhe gibt, hatte ich vergessen, es ist soweit, sie bleiben auch in der S-Bahn auf den Fingern.&lt;br /&gt;
Die letzte Zigarette am Hauptbahnhof vor der Fahrt mit dem Nichtraucherzug. Die Leute sind die gleichen, der wei&amp;szlig;e Rauch steigt auf vor dem Gesicht. Da sind aber welche, die keine Zigarette haben in der Hand. Der wei&amp;szlig;e Rauch ist keiner. Kalter Atem steigt auf und verfl&amp;uuml;chtigt sich in der Luft. Die Abluft vom Kraftwerk in Spandau steht waagerecht. Inversionswetterlage.&lt;br /&gt;
Im Zug sich der M&amp;uuml;digkeit hingeben. Schlafen. Aus den Augenwinkeln einen Blick nach drau&amp;szlig;en. Die Sonne &amp;uuml;ber der Mark Brandenburg l&amp;auml;sst den Reif auf den Wiesen glitzern. Warum wei&amp;szlig; ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll?&lt;br /&gt;
Der Zug kommt zum Stehen. Er steht und steht und steht. Aus dem Lautsprecher knarrt eine Stimme und redet von Signalst&amp;ouml;rung. Das gab es lange nicht mehr, ist es das Wetter? Sicher nicht, die Bahn redet nicht vom Wetter, ist es eine neue Form von Streik?&lt;br /&gt;
Endlich am Arbeitsort. Wach bin ich nicht gerade. Die Kollegin macht sich Sorgen, ob der Hausigel die K&amp;auml;lte noch aush&amp;auml;lt, ohne im Winterschlaf zu sein. Der Tag zieht sich hin, es w&amp;auml;re sch&amp;ouml;n, den Kopf auf die Tastatur zu legen, zu schlafen, zu schlafen.&lt;br /&gt;
Der K&amp;uuml;hlschrank ist leer. Auf dem Weg zum Supermarkt fallen die Frauen auf, die Schaftstiefel tragen. Im Laden gibt es nichts als Lebkuchen. Es wird dunkel. Endlich darf ich ins Bett.&lt;br /&gt;
Anders als vorher ist es dunkel als ich aufwache. Dienstag, ich freue mich auf das Wochenende. Und ich bin, frisch aus dem Bett, m&amp;uuml;de. Meine Stimmung ist mies, ich wei&amp;szlig; nicht, warum. Langsam zieht sich die Woche, endlich ist es Freitag, ab geht es nach Hause. Auf der Hausantenne versammeln sich die Stare, der Oleander ist geklaut, verschwunden aus dem Winterquartier.&lt;br /&gt;
Nein, es ist noch nicht Weihnachten, aber es wird Zeit f&amp;uuml;r den Winterschlaf.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T20:43:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2082/">
    <title>Der Zugang zur Welt</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2082/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Meine Freude ist die Melancholie, meine Ruhe sind die Qualen. Die Liebesflamme ist erloschen, die Seele ist kahl.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist wieder so weit. Kaum ist die Bl&amp;uuml;tezeit f&amp;uuml;r Pollenallergiker vor&amp;uuml;ber, erlebt die n&amp;auml;chste Volkskrankheit Konjunktur: die Depression. Eine ernst zu nehmende Sache! Weltweit gibt es 121 Millionen Prozac-Kandidaten, sagt die WHO. Der Neurotransmitter Serotonin spielt eine wichtige Rolle, sagt die Wissenschaft. Ist aber alles nichts Neues. Schon vor 460 Jahren beschrieb der 71-j&amp;auml;hrige Michelangelo Buonarotti mit den oben genannten Worten seinen Gem&amp;uuml;tszustand, und K&amp;ouml;nig Saul soll sich ja bereits ca. 1000 v.Chr. an Depressionen leidend ins Schwert gest&amp;uuml;rzt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit damals wurde angeblich alles besser, die Menschheit deswegen aber anscheinend nicht gl&amp;uuml;cklicher. Allein in Gro&amp;szlig;britannien stiegen die Verschreibungen von Prozac von 1994 bis 2004 von 9 Millionen auf 24 Millionen. Was dazu f&amp;uuml;hrte, dass die R&amp;uuml;ckst&amp;auml;nde dieses Psychopharmakons, die in Kl&amp;auml;ranlagen nicht gefiltert werden k&amp;ouml;nnen, mittlerweile im Trinkwasser nachweisbar sind. Immerhin wird Teetrinken somit auch fernab der traditionellen chinesischen Medizin zu einem psychischen Wellness-Zeremoniell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Depressionen k&amp;ouml;nnen die Ursache f&amp;uuml;r psychotische Reaktionen wie zum Beispiel Wahngedanken, Schuldgef&amp;uuml;hle, Krankheits&amp;auml;ngste, Verarmungs&amp;auml;ngste, oder ein stark mangelndes Selbstwertgef&amp;uuml;hl sein. Patienten, die nach Jahrelanger Erkrankung aus der Depression heraus finden, m&amp;uuml;ssen einen neuen Zugang zu dieser Welt erlernen. Jaja, la vita &amp;egrave; bella, schon klar, aber wie sieht der Zugang zu einer medial vermittelten Welt ohne Prozac im Hirn aus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst wenn meine Neurotransmitter nicht verr&amp;uuml;ckt spielen, und ich von jahrelangen Depressionen so viel Ahnung habe, wie Britney Spears von Kindererziehung, kann mir die Lust auf ein Leben im Scho&amp;szlig; dieser Welt schon manchmal vergehen. Davon ausgehend, dass es sich bei der miesen Laune nicht um eine genetische Pr&amp;auml;disposition handelt, finden sich &amp;uuml;berall Ursachen f&amp;uuml;r eine umfassende Gem&amp;uuml;tsverstimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits der Blick in den Spiegel sorgt f&amp;uuml;r ein gewisses Unbehagen. Ich sehe eine einzige Problemzone. Falten, Ausfallserscheinungen am Haaransatz, zum Six-Pack fehlen noch f&amp;uuml;nf Hubbel. Laut Gentlemen&apos;s Quarterly d&amp;uuml;rfte ich so nicht mal auf die Stra&amp;szlig;e. Mal abgesehen davon, dass mein Anzug nicht von einem Designer stammt, dessen Name irgendwie italientisch klingt, und meine Schuhe weder handgemacht noch rahmengen&amp;auml;ht sind. &amp;Auml;u&amp;szlig;erlich stinke ich also in Bezug auf das medial verbreitete hegemoniale M&amp;auml;nnerbild ziemlich ab. So viel zum Thema Selbstwertgef&amp;uuml;hl. Und nein, ich habe noch nie innere Werte in einem Hochglanzmagazin gesehen! Und im Fernsehen sind die Guten doch auch immer die Sch&amp;ouml;nen. Mal abgesehen von Quasimodo. Aber der war doch sicher auch depressiv! Oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Verarmungs&amp;auml;ngste anbelangt, punkte ich auf ganzer Linie. Ich z&amp;auml;hle n&amp;auml;mlich nicht zu jenen, die ihr Taschengeld seit dem 8. Lebensjahr in eine Altersvorsorge investieren. Naja, immerhin habe ich Arbeit. Noch. Und mein Kontostand? Sprechen wir nicht davon. Ich habe keine finanzielle Probleme. F&amp;uuml;r Banken gibt es auch keine Immobilienkrise. Alles in allem sieht meine Zukunft zwar nicht gerade rosig aus, will man all den Nachrichten &amp;uuml;ber die Entwicklung des Sozialstaates und den Anzeigen der Versicherungen und Banken Glauben schenken, das ist aber eigentlich schei&amp;szlig;egal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Raucher sterbe ich n&amp;auml;mlich sowieso fr&amp;uuml;her. Womit wir auch schon bei den Krankheits&amp;auml;ngsten angelangt w&amp;auml;ren. Mittlerweile d&amp;uuml;rfte wohl der Gro&amp;szlig;teil der von mir konsumierten Lebensmittel krebserregend sein. Beim Gedanken an spanische Paprikas bekomme ich hektische Flecken. Die Umwelt ist eine einzige Katastrophe. Feinstaub. Abgase. Elektrosmog. Vogelgrippe. Klimawandel. Ozonloch. Lungenkrebs. Hautkrebs. Prostatakrebs. Geb&amp;auml;rmutterhalskrebs. Sie finden meine Angst vor Geb&amp;auml;rmutterhalskrebs &amp;uuml;bertrieben? Schon m&amp;ouml;glich - wer wei&amp;szlig;!? Am meisten jedoch f&amp;uuml;rchte ich mich vor der Depression, vor der man sich gerade zu dieser Jahreszeit angeblich besonders f&amp;uuml;rchten muss. Mit dem Wetter kippt auch das Gem&amp;uuml;t ins Tr&amp;uuml;be, und Depressionen k&amp;ouml;nnen psychotische Reaktionen ausl&amp;ouml;sen, wie zum Beispiel Krankheits&amp;auml;ngste, Verarmungs&amp;auml;ngste, ein mangelndes Selbstwertgef&amp;uuml;hl, Wahnvorstellungen und Schuldgef&amp;uuml;hle...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schuldgef&amp;uuml;hle hab ich eigentlich keine. Au&amp;szlig;er wenn ich mit dem Auto fahre. Wenn ich Musik aus dem Internet lade. Wenn ich eine Thunfischpizza esse. Wenn ich Kleidungsst&amp;uuml;cke bei H&amp;amp;M kaufe. Wenn ich CO2 ausatme. Wenn ich nicht f&amp;uuml;r eine franz&amp;ouml;sische Kinderhilfsorganisation spende. Wenn ich... Wahrscheinlich bin ich doch an allem schuld!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht handelt es sich nur um Wahngedanken. Vielleicht von einer Depression verursacht. Vielleicht ist aber auch diese medial vermittelte Welt in der wir leben mittlerweile ein einziger Wahngedanke, und die Depression nicht Ursache, sondern Folge...</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-07T20:23:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2079/">
    <title>Die fette Kerbe</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0311/stories/2079/</link>
    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

I&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oft hatte mich irgendetwas wach werden lassen, meinen unruhigen Schlaf beendet, in dem mich immer wieder eine Bilderflut knapp an der Grenzen der Ersch&amp;ouml;pfung hielt. Die ersten Lichtstrahlen, die sich selbst noch m&amp;uuml;de durch die Feuchtigkeit arbeiteten, sorgten f&amp;uuml;r Klarheit zumindest in der Angelegenheit des Schlafs. An Ruhe war nicht mehr zu denken, nur noch an vergangenes. Ich konnte mich noch dunkel daran erinnern, wie fr&amp;uuml;her meine Hand sanft auf einer H&amp;uuml;fte lag und ich sp&amp;uuml;rte, wie sich ihr K&amp;ouml;rper mit den leichten Atemz&amp;uuml;gen hob. Immer im gleichen Rhythmus, immer mild und leise, den Kopf ein wenig nach unten gedr&amp;uuml;ckt, die Knie angezogen, so dass man sich einf&amp;uuml;gen konnte wie ein lange vermisstes Puzzlest&amp;uuml;ck. Manchmal dr&amp;auml;ngte ich in solchen Momenten meinen K&amp;ouml;rper an den ihrigen, dr&amp;uuml;ckte meinen Unterleib gegen sie und wartete darauf, dass ich eine Erektion bekam. Ich umfasste eine Brust, die ich sanft streichelte, k&amp;uuml;sste kaum merklich ihren Nacken, wischte das Haar aus ihrem Gesicht und lie&amp;szlig; die Phantasie kreisen. Wenn die Erektion da war, h&amp;ouml;rte ich auf, wartete, bis die Lust sich wieder aus meinem Kopf verabschiedete und lauschte ihrem Atem, der in der ganzen Zeit nur ein bisschen schwerer geworden war. Ich sagte ihr nie etwas davon, ich vollendete das Spiel nicht ein einziges mal. Ich wusste selber nicht, warum ich das tat. Vielleicht um nach zu sehen, ob sie mich auch dann liebte, wenn sie gar nicht bei sich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war kindisch, aber ich hatte eine wahnsinnige Angst davor, dass sie mich nicht lieben k&amp;ouml;nne. Das dies alles nur ein Spiel sei, dass ich nicht verstehen w&amp;uuml;rde. Das sie eines Tages einfach nicht mehr kommen w&amp;uuml;rde, weil ich sie langweilte, weil es sowieso doch nur f&amp;uuml;r den &amp;Uuml;bergang war. Lag vielleicht daran, dass ich selber oft bei diesen Gedanken ertappte, dass ich oft selber Liebe so abgestreift hatte. Wie eine Verpackung, die man nicht mehr braucht, weil einem der Inhalt schon lange abhanden gekommen ist. Ich glaube, so habe ich mehr Liebe verbrannt, als manche Menschen in ihrem ganzen Leben bekommen. Und nat&amp;uuml;rlich ist es eine Sucht. Am Ende will man auch gar nicht mehr die Liebe, sondern nur noch die Insignien. Ich will die Hingabe, ich will die Blicke, ich will das Denken. Von wem ist mir egal. Das ist kalt und dumm, das wei&amp;szlig; ich. Aber wie die innere Blockade &amp;uuml;berwinden, die eigenen Barrikaden, die man sich im Laufe der Zeit aufgebaut hat? Ich war ja froh, wenn ich es &amp;uuml;berhaupt schaffte mich so f&amp;uuml;r einen Menschen zu interessieren, dass ich ihn in mein Leben lassen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war fr&amp;uuml;her leichter. Aber da ging es auch nur um Sex. Da waren die Begegnungen in verrauchten K&amp;uuml;chen so zielgerichtet und einfach, dass sich die &amp;uuml;blichen Fragen einfach stellen mussten. Da reichten Schl&amp;uuml;sselreize wie eine Lackhose, zwei blitzende Augen und ein sarkastisches Gem&amp;uuml;t um nicht nur einen Abend, sondern auch die n&amp;auml;chsten Monaten zu f&amp;uuml;llen. Solange der Sex neu war, solange man nicht jeden Quadratzentimeter Haut erkundet, solange man die Grenzen der Lust und des Schmerz nicht gesehen hatte, solange blieb das spannend. Danach wurde es vorhersehbar, ein wenig fad, wie eine Mahlzeit, die man zu oft eingenommen hatte. Der Zauber des Nichtnachdenkens war verflogen und dann fingen die kleinen Dinge an zu st&amp;ouml;ren, die vorher nicht da zu sein schienen. Und diese pl&amp;ouml;tzlich auftretenden Kritik macht mich wahnsinnig, weil sie ein Zeichen f&amp;uuml;r Distanz ist. Dann sieht man den Schmutz, die Art wie jemand aufsteht und wie schlampig sie pl&amp;ouml;tzlich in Fragen der Unterw&amp;auml;sche geworden ist und beginnt zu hassen. Nicht diesen Menschen pers&amp;ouml;nlich, aber doch soweit, dass sie verantwortlich daf&amp;uuml;r ist, dass das der Zauber verflogen ist, dass der Alltag mit seiner Gartenzwergmentalit&amp;auml;t gewonnen hat. Die Lust an der gemeinsamen Entdeckung ist vorbei und was folgt ist der Abstieg in die Niederungen des Beziehungsleben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende wird der Ton giftiger, weil man nicht mehr damit besch&amp;auml;ftigt ist, den anderen zu entdecken, oder gemeinsam neue Sph&amp;auml;ren zu durchqueren, sondern nur noch damit besch&amp;auml;ftigt ist, den eigenen, immer kleiner werdenden Freiraum zu besch&amp;uuml;tzen. Im Grunde ist die Liebe ein ewig andauerndes R&amp;uuml;ckzugsgefecht. Da gibt es weder einen Status Quo, noch einen Status quo ante &amp;uuml;ber den verhandelt wird, sondern nur den R&amp;uuml;ckzug auf einen immer kleiner werdenden Raum, den man immer verbissener verteidigt. Der Gedanke ist mir schon zu anstrengend und wenn ich Zeuge solcher Gefechte bin, dann warte ich erschrocken, bis sich der Rauch wieder legt und warte unangenehm ber&amp;uuml;hrt darauf, dass ich mit einbezogen werde, dass die b&amp;ouml;se Frage &quot;Oder hab ich etwas nicht Recht?&quot; f&amp;auml;llt. Dabei will ich gar keinen Rat geben, au&amp;szlig;er einem, aber den will keiner h&amp;ouml;ren. Sie bleiben lieber in einander verbissen, als sich zu &amp;uuml;berlegen, wie es war als sie noch nicht zusammen waren. Das ist wie mit dem Rauchen. Ich habe in einem Seminar mal den Tipp bekommen, dass ich mir einfach mal vorstellen soll, wie es war, als ich noch nicht geraucht habe. Ich habe das Seminar daraufhin sofort abgebrochen, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte und mir war klar, dass ein Nichtraucher Seminar, dass auf einer solchen Pr&amp;auml;misse aufgebaut ist, bei mir auf keinen Fall erfolgreich sein w&amp;uuml;rde. Aber vielleicht ist es ja bei diesen Paaren genau wie mit meiner Raucherei. Vielleicht k&amp;ouml;nnen sie sich auch nicht mehr erinnern, wie es vorher war und liegen lieber Tage,- Wochen-, Monate,- und Jahrelang in einem ebenso stummen wie verbissenen Ringkampf, der niemals einen Sieger haben wird. Da wird dann die Lust an der Entdeckung mit der Angst vor Verlust getauscht. Jedenfalls habe ich Angst vor diesen Dingen, weil sie immer passieren, weil man ihnen nicht entgehen kann. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man feststellt, dass man nicht mehr anders kann, als mit diesem Menschen zusammen zu leben und dann hat man den Salat. Wer hat also Angst vor Virginia Wolff? Ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also bleibt die nur die ewige Flucht, aber je &amp;auml;lter ich werde, desto schwieriger wird es, weil ich mich nun selber fragen muss, was ich eigentlich will. Ich wei&amp;szlig;, dass ich das leise Atmen einer Frau im Nebenzimmer h&amp;ouml;ren m&amp;ouml;chte, w&amp;auml;hrend ich in der K&amp;uuml;che sitze und meinen ersten Tee trinke. Ich will dann sp&amp;auml;ter wieder unter die Decke, zu ihr, ihren schlafweichen K&amp;ouml;rper sp&amp;uuml;ren, meine ausgek&amp;uuml;hlte Haut an ihrer w&amp;auml;rmen. Ich will, dass sie sich umdreht und ihren Kopf in die mein Schultertal legt.&lt;br /&gt;
Aber wie umgeht man den Rest, den man an einem beliebigen Samstag in jedem Kaufhaus beobachten kann, wenn M&amp;auml;nner die ultimative Dem&amp;uuml;tigung erfahren, wenn sie in der Herrenausstatterabteilung von ihren Freundinnen und Frauen in braune Hosen gesteckt, wenn sie in Umkleidekabinen gejagt werden und am Ende den Befehl bekommen &quot;Dreh dich mal um.&quot; Man fragt sich unweigerlich: War das vielleicht sogar das erste, was die Frau gedacht hat, als sie ihn kennen lernte? &quot;Wenn ich mit ihm zusammen bin, dann kaufen wir erstmal eine vern&amp;uuml;nftige braune Hose, die hinten vern&amp;uuml;nftig sitzt&quot;. Deswegen gehe ich nie mit meinen Freundinnen einkaufen. Es ist der einzige Weg, dieser Form der Dem&amp;uuml;tigung zu entgehen. Es ist der einzige Weg dem sinnlosen Kampf um die wenigen Millimeter pers&amp;ouml;nlicher Freiheit zum entgehen, es ist ein Mittel, den Zauber zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VI&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Zauber ist das wichtigste. Nichts ist sch&amp;ouml;ner, als der Anblick einer Frau, schlafend, die sich in die Bettdecke gewickelt hat, ein Bein angewinkelt, das andere gestreckt, die Haare als fraktales Schauspiel &amp;uuml;ber das Kissen geworfen, die dort liegt, als w&amp;uuml;rde sie dahin geh&amp;ouml;ren, als w&amp;uuml;rde sie nie etwas anderes tun, als sei sie nur f&amp;uuml;r diesen Augenblick geschaffen worden, f&amp;uuml;r diesen einen Moment und jeder Moment, der darauf folgt ist eine Verschwendung von Zeit, Leben und Sein, denn der Anblick ist genug f&amp;uuml;r ein ganzes Leben und er frisst sich hinein und man merkt, wie er sich in das Gehirn hinein&amp;auml;tzt, und das er Halt sein wird, in den vielen dunklen Stunden, den kalten, wenn alles vorbei ist, und die Augen der Frau zu einer traurigen Waffenkammer verkommen sind, und die Mauer da ist und man merkt, dass es nun vorbei ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VII&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also gibt es eine Grenze. Oder auch eine Angst. Die Angst Sch&amp;ouml;nheit zu sehen, sie wieder zu verlieren um am Ende mit der Erinnerung alleine zu bleiben. Und mit der Frage, warum es einem schon wieder nicht gelungen ist, etwas zu bewahren, warum man schon wieder etwas nicht aufgehalten hat, sondern im besten Fall nur teilnahmslos zugesehen hat. Warum man lachend die erste Risse gesehen hat, warum man nicht so gut sein kann, wie man es selber gerne w&amp;auml;re. Warum man immer wieder genau bei den Menschen landet, die scheinbar f&amp;uuml;r solche Beziehungen gemacht sind, die eben auch nichts anderes haben wollen, als eine h&amp;uuml;bsche, fette Kerbe im Herzen, die nur sagt &quot;Ich war da&quot;.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
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    <title>Das ewige Wochenende</title> 
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    <description>&lt;hr&gt;&lt;/hr&gt;

Es beginnt an einem Freitagabend nach der Arbeit in Berlin, Prenzlauer Berg und wird nicht mehr aufh&amp;ouml;ren. Es beginnt mit ein paar Ouzo, aufgehellt mit Eiswasser, ein bisschen Musik von den Red House Painters, ein paar Zigaretten &amp;uuml;ber der Christinenstra&amp;szlig;e. Es setzt sich in einer dieser Kneipen fort, die eng und unrenoviert sind, in denen laute Musik aus schlechten Anlagen l&amp;auml;uft, in denen Joy Division l&amp;auml;uft. Du sitzt ganz eng am Tresen, weil kein Platz ist, du sitzt ganz eng an den M&amp;auml;dchen. Du trinkst Bier und wei&amp;szlig;t irgendwann gar nicht mehr was du noch trinken sollst. Du wechselst zum Schnaps, bevor dich die Vampire anfallen. Die M&amp;auml;dchen neben dir beginnen zu reden und du redest zur&amp;uuml;ck. Es wird voll in der Bar, dann wieder leer, dann wieder voll, dann burlesk, dann wieder leer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann liegen H&amp;auml;nde in meinen, irgendwann bezahle ich Taxis und irgendwo tanze ich und f&amp;uuml;hle mich alt und schwer. Irgendwo wache ich auf und irgendwann sitze ich in einem Cafe und schweige und rede. Irgendwo wartet jemand auf meinen Anruf und irgendwann trinke ich wieder mein erstes Bier. Irgendwer sitzt mir gegen&amp;uuml;ber. Irgendwer ruft an. Irgendwer bricht mir das Herz. Irgendwem breche ich den Stolz. Irgendwer vermisst mich. Irgendwen vermisse ich. Irgendetwas habe ich vergessen, irgendetwas muss ich trinken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es h&amp;ouml;rt nicht auf, es wird niemals aufh&amp;ouml;ren, wenn ich nicht damit aufh&amp;ouml;re. Von selbst h&amp;ouml;rt es nicht auf. Da bin ich, da vorne bin ich. K&amp;ouml;nnt ihr mich sehen, wie ich den Fremden zuproste, wie ich an der H&amp;auml;userwand lehne, wie ich mitten auf der Lottumstra&amp;szlig;e am Boden liege, wie ich mitten zwischen den Beinen dieses M&amp;auml;dchens liege und sie lecke und sie sich windet? K&amp;ouml;nnt ihr mich sehen, wie ich in einer Badewanne aus Blut liege und eine Zigarette rauche und weine? Ich weine Blut, ich schwitze Wasser, ich trinke und trinke bis der ganze Alkhol aus mir hinausl&amp;auml;uft und kleine Rinnsale auf der Christinenstra&amp;szlig;e bildet. Es h&amp;ouml;rt nicht auf. Ich gehe raus, ich gehe aus, es geht sich nicht aus, es wird knapp, aber ich schaffe es nicht, ich gehe weiter und bleibe doch f&amp;uuml;r die n&amp;auml;chsten acht Monate stehen. Es h&amp;ouml;rt nicht auf. Es beginnt an einem verregneten Tag im Januar, irgendwo in einer kleineren Stadt im S&amp;uuml;den des Landes. Es beginnt in der K&amp;uuml;che mit einem Kasten Starkbier, billigen Zigaretten und schlechtem Dope. Irgendwann sitzt du am Tresen dieser Kellerbar und w&amp;uuml;rdest du vom Barhocker aufstehen, dir w&amp;uuml;rde auffallen, dass du viel zu betrunken bist, um nochmals aufzustehen. Du gehst mit der Frau von der gegen&amp;uuml;berliegenden Seite der Bar nach Hause und l&amp;auml;sst dir einen blasen, w&amp;auml;hrend ihr Kind und die eigene Freundin nichtsahnend schlafen und die Essensreste von dem n&amp;auml;chtlichen Currygericht noch in den Z&amp;auml;hnen der Frau h&amp;auml;ngen. Zuhause wirfst du mit Gl&amp;auml;sern nach der Freundin und lange wirst du sie nicht mehr haben, aber lange wirst du noch hinaus gehen in die Nebellandschaft gro&amp;szlig;er St&amp;auml;dte. Es h&amp;ouml;rt nicht auf. Es hat gerade erst angefangen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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