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    <title>mindestenshaltbar 0310 (Die RAF und was ??brig blieb)</title>
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    <description>Die RAF und was ??brig blieb</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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    <title>mindestenshaltbar 0310</title>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2051/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2051/</link>
    <description>B&amp;uuml;cher zu dem Thema gibt es viele, vor allem, wenn es um die Dokumentation dessen geht, was damals passiert ist. Aber die pers&amp;ouml;nlichen oder literarischen Gedanken zur RAF findet man selten. Das mag auch daran liegen, dass zeitgeschichtliche Ereignisse mehr als drei Jahrzehnte zur&amp;uuml;ckliegen m&amp;uuml;ssen, um sich mit ihnen auseinandersetzen zu k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ich die Idee hatte, die RAF zum Thema auf diesen Seiten zu machen, war ich sehr unsicher. Gibt es &amp;uuml;berhaupt gen&amp;uuml;gend Blogger und Autoren, die sich f&amp;uuml;r das Thema interessieren, und die etwas dazu beitragen wollen? Und sind die meisten Blogger/innen nicht viel zu jung, um von der RAF etwas mitbekommen zu haben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende bin ich erstaunt, dass so viele Autoren Texte zum Thema beigetragen haben. Die Spannbreite reicht von einem literarischen Versuch sich einer Figur wie Andreas Baader zu n&amp;auml;hern, &amp;uuml;ber eine Recherche zum Thema der Entf&amp;uuml;hrung der &quot;Landshut&quot; bis hin zu pers&amp;ouml;nlichen Erinnerungen aus der Zeit der permanenten Ringfahndung. Und es sind mehr Texte geworden, als ich mir habe vorstellen k&amp;ouml;nnen. Das hat mir gezeigt, dass man in diesem Medium auch schwierige Themen anfassen kann und genau das wird in Zukunft bei &quot;mindestenshaltbar.net&quot; auch immer mal wieder passieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich schwerer war es, vern&amp;uuml;nftige Bilder zum Thema zu finden. Da wir kein Geld f&amp;uuml;r Bilder haben um uns aus Pressearchiven zu bedienen, hatte ich ein paar Museen angefragt, die mir aber leider auch nicht weiterhelfen konnten. So haben wir uns dann daf&amp;uuml;r entschieden mittels Tapetenmuster ein wenig 70er Flair auf die Seite zu bekommen. Die Bilder sind gesponsort und wer sein Schlafzimmer demn&amp;auml;chst mit psychedelischen Mustern aufpeppen m&amp;ouml;chte, findet die Links zu den Anbietern auf der Startseite. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Dank gilt nat&amp;uuml;rlich den Autorinnen und Autoren, die diese Ausgabe mit ihren Geschichten zum Leben erwecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein Wort in eigener Sache: Wer Interesse hat, seine Geschichten bei &quot;Mindestenshaltbar&quot; zu ver&amp;ouml;ffentlichen, oder als Autor hier mitzuarbeiten, m&amp;ouml;ge einfach eine Mail an folgende Adresse senden:&lt;br /&gt;
mindestenshaltbar@dondahlmann.de</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T16:15:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2050/">
    <title>Hinter tausend St&amp;auml;ben keine Welt</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2050/</link>
    <description>Schon im Flur hing eine riesige, blutrote Fahne mit der Abbildung Che Guevaras, nat&amp;uuml;rlich. An seiner Zimmert&amp;uuml;r, eierschalenwei&amp;szlig;, dann der ebenfalls blutrote Stern mit der gekreuzten HK MP5. Er sprach es in einem aus, ge&amp;uuml;bt, Maschinenpistolensalve, &quot;raff&quot;, w&amp;auml;hrend sie z&amp;ouml;gerlich und nachdenklich Buchstaben f&amp;uuml;r Buchstaben aneinander reihen musste, &quot;R&quot; ... &quot;A&quot; ... &quot;F&quot;. Und &amp;uuml;ber seinem Bett dann schlie&amp;szlig;lich ein Plakat, helleres Rot, handschriftlich mit Edding: &quot;Furchtbar ist es, zu t&amp;ouml;ten. Aber nicht andere nur, auch uns t&amp;ouml;ten wir, wenn es nottut da doch nur mit Gewalt diese t&amp;ouml;tende Welt zu &amp;auml;ndern ist, wie jeder Lebende wei&amp;szlig;.&quot; Sie bekam G&amp;auml;nsehaut, beruhigte sich erst, als er sagte, dass dies ein Zitat von Brecht sei. Brecht war schon ein halbes Jahrhundert lang tot und harmlos, erst dann lie&amp;szlig; sie sich niederziehen auf die Matratze und lie&amp;szlig; sich lieben, dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Schwanz hart, als er sich von hinten an sie presste. Er packte sie am Haar und sie dachte an seines, dunkel, fast schwarz, an die dichten, buschigen Augenbrauen, die sehr breiten Koteletten, aber am Hintersch&amp;auml;del eine beinahe kahle Stelle schon, jetzt sp&amp;uuml;rte sie seinen Dreitagebart an ihrem Nacken kratzen. Er zog an ihrem Haar, er biss sie in den Hals, dr&amp;uuml;ckte sein aufragendes Geschlecht fest gegen ihren Hintern, aber sie dachte an seine strahlenden, blauen Augen, von einer Sonnenbrille verborgen und an seinen geschmeidigen, raubtierhaften Gang. Er lie&amp;szlig; sie los, nur um sich seiner eng-eleganten Kleidung zu entledigen, sein Hemd geb&amp;uuml;gelt, er roch nach Waschmittel, Rasierwasser, Kosmetika. Zog auch sie aus, das Rei&amp;szlig;en der Stoffe st&amp;ouml;rte ihn nicht, zwischen Leidenschaft und Brutalit&amp;auml;t, er klapste ihr auf den nackten Hintern. &amp;Uuml;berhaupt hatte er auch etwas prolliges, etwas von einem Zuh&amp;auml;lter, einem Kleinkriminellen, einem Gangsterboss. Er faszinierte sie. Er drang hinten in sie ein, wie ein Tier, es brannte, aber er hielt sie fest an der Taille, seine Fingern&amp;auml;gel in ihrem Fleisch, und als er kam, schrie er, laut und kehlig, dass sie beinahe erschrak.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war 34 und sie mehr als zehn Jahre j&amp;uuml;nger. Er beeindruckte und be&amp;auml;ngstigte sie zugleich. Immer wenn er sich an sie dr&amp;uuml;ckte, war sein Schwanz steif. Was auch daran liegen mochte, dass er sich sonst nie an sie kuschelte. Sonst redete er. Er war ein Arsch und ein Angeber. Sie wusste nicht, was er tat, wenn sie nicht zusammen waren. Sie wusste, dass er ihr nicht allein geh&amp;ouml;rte, aber in seinem Fall machte ihr das nichts aus. Er liebte andere Frauen und andere Frauen lie&amp;szlig;en sich von ihm lieben, weil er auf seltsame Art anziehend wirkte. Weil er andere sofort betatschte, wenn er mit ihnen sprach, seine Hand auf ihrem Arm, wie er es bei ihr gemacht hatte und weil viele das mochten, wie sie es gemocht hatte. Wenige fanden dies bei dem Mann mit der Raubkatzen-Eleganz zu aufdringlich. Manchmal nahm er sie mit auf Partys und stellte sie als seine Freundin vor, daf&amp;uuml;r war sie sch&amp;ouml;n und jung genug. Meistens ging er dann auch mit ihr wieder nach Hause. Oft, nachdem er sich ma&amp;szlig;los betrunken und daneben benommen hatte, bis sie ihn rausschmissen. Manchmal ging er als Frau, er schminkte sich mit Lidschatten und noch mehr Puder als er sonst verwendete, brachte mit Haarspray seine Frisur in Form. Auf einer Party pisste er mitten auf den Teppich, weil das Buffet leer war und der Gastgeber sich weigerte, nur f&amp;uuml;r ihn Nachschub zu bestellen. Einmal verpr&amp;uuml;gelte er einen Studenten, weil der sie angesprochen hatte. Er redete viel und gern, ob er betrunken war oder nicht. Er gab sogar vor ihr an mit seinen Frauengeschichten. Und mit Autodiebst&amp;auml;hlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal holte er sie ab, in einem neuen Wagen, einem Alfa, einem wei&amp;szlig;en Mercedes, einem lila Porsche, sie fragte nie, sie sagte nie etwas, wenn sie nachts viel zu schnell durch die Stadt rasten. Das Rasen gefiel ihr, die Ledersitze gefielen ihr, er gefiel ihr, mit der Sonnenbrille hinter dem Lenkrad in der Nacht. Gemeinsam ergab das ein Prickeln und Ruckeln unter ihren Schenkeln, das Vibrieren der Autositze erregte sie, durch das fliegende Auto &amp;uuml;bertrug sich seine Potenz auf ihren Scho&amp;szlig; und wenn sie aufstand, nach dem n&amp;auml;chtlichen, ziellosen Schnellen durch die Stadt, dann waren die Ledersitze manchmal feucht von ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wusste wenig von ihm, dar&amp;uuml;ber sprach er selten. Sie wusste, dass sein Vater Historiker oder Archivar oder etwas &amp;auml;hnliches gewesen war und seine alleinerziehende Mutter Sekret&amp;auml;rin, dass er keinen Schulabschluss hatte, weil er immer wieder geflogen war und das glaubte sie sofort. Sie wusste nicht, wovon er lebte, einmal erz&amp;auml;hlte er etwas von Schlafwagenschaffner. Richtig arbeiten ging er wohl nicht. Irgendwo hing ein Foto seiner Tochter, er hatte sie lange nicht gesehen, kein Vater, er. Wor&amp;uuml;ber er sonst redete, wusste sie ebenfalls nur ungenau, sie konnte ihm da nicht immer folgen und sie wusste auch nicht, ob sie es wollte. Es fielen Begriffe wie Gesellschaft, Kapitalismus, Faschismus, Revolution, Terrorismus, Gewalt und Bullen, Schweine, Arschl&amp;ouml;cher und Fotzen. Er sprach vulg&amp;auml;r, bem&amp;uuml;ht vulg&amp;auml;r und ereiferte sich, mit weitausholenden, vereinnahmenden, manchmal bedrohlich wirkenden Gesten, blitzenden Augen und tiefer Stimme, dazwischen ein zynisches Lachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie mochte seine Stimme, sie mochte das Gl&amp;uuml;hen in seinen Augen, wie bei einer vom Scheinwerferlicht angestrahlten Katze. Seiner Stimme lauschte sie, wenn er sprach, seine Worte verga&amp;szlig; sie dar&amp;uuml;ber. Seine Worte kamen ihr nur entfernt bekannt vor, ihr Vater benutzte manchmal &amp;auml;hnliche Begriffe, wenn er von fr&amp;uuml;her erz&amp;auml;hlte und davon, wie Ohnesorg damals erschossen worden war. Von ihm kamen diese Worte mindestens drei&amp;szlig;ig Jahre zu sp&amp;auml;t, er war zu sp&amp;auml;t. Und er war schon zu alt, um jung zu sterben, als Rebell, als Legende. Seine w&amp;uuml;tenden Worte blieben ohne Konsequenzen, dahingesagt, wie viele andere Worte. Er drehte sich nur im Kreise, wie ein Tier hinter Gittern, der Bezug zur Welt war ihm verloren gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal blieben sie auch einfach zu Hause bei ihm, sie v&amp;ouml;gelten, sie h&amp;ouml;rten Janis Joplin, rauchten, sie tranken viel Bier oder wei&amp;szlig;en Rum, er redete, er las Comics, Asterix, w&amp;auml;hrend sie schlief, sie sahen sich die &quot;Schlacht um Algier&quot; auf Video an, sie fickten wieder oder machten irgendein Tiefk&amp;uuml;hlgericht im Backofen warm. Sie sah ihm zu, wie er mit seinem Tigergang durch die Wohnung schlich, weich und kraftvoll, sie h&amp;ouml;rte ihm zu, wenn er sprach wie ein Irrer mit sch&amp;ouml;ner Stimme und wildem Blick, sie sp&amp;uuml;rte seine Bewegungen wie die eines Raubtiers in sich. Sie mochte seinen K&amp;ouml;rper, sein h&amp;uuml;bsches Gesicht, seinen muskul&amp;ouml;sen Torso, die Sicherheit, die ihm sein K&amp;ouml;rper gab, das Blitzen in seinen Augen und die Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit seines Selbstbewusstseins.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal wollte er auf eine Party gehen und sie hatte keine Lust, keine Lust, ihm wieder dabei zuzusehen, wie er einen Skandal machte. Sie weigerte sich. Er begann zu reden. Er machte ihr die absurdesten Vorw&amp;uuml;rfe, er beschimpfte sie, er redete sich selbst in Wut, drehte sich im Kreise, er wurde lauter, er schlug auf die Matratze neben ihr und sie bekam Angst vor ihm und dem wilden Blitzen in seinen Augen, das sie gemocht hatte, vor den Muskeln, die sie bewundert hatte. Sie stand auf und wollte gehen, sie hatte ihm nichts zu sagen. Da sprang auch er auf, pl&amp;ouml;tzlich, tigergleich, packte sie, dr&amp;uuml;ckte sie fest, hilflos, er wollte nicht, dass sie ging, und er biss zu, in ihre Nase, bis es blutete, wie ein hungriges Tier. Dann ging sie trotzdem. Sie wollte ihn nicht wiedersehen.&lt;br /&gt;
Zwei, drei Monate vergingen, sie hatte jetzt einen neuen Freund, einen richtigen, einen netten, der sie gut behandelte, sie war gl&amp;uuml;cklich. Doch er fragte sie, ob sie sich nicht wiedersehen k&amp;ouml;nnten, einmal, er wolle sie in die Oper einladen. Sie sagte ja. Er holte sie ab, in einem neuen Wagen, ein blutroter Alfa Romeo und sie fuhren viel zu schnell zur Oper. Sie sagte nichts. Sie sa&amp;szlig;en in der K&amp;ouml;nigsloge, erste Empore, genau in der Mitte, er hatte keine anderen Karten mehr bekommen, sagte er, sie wusste nicht, was sie dazu h&amp;auml;tte sagen k&amp;ouml;nnen, es gefiel ihr. Die Oper war sch&amp;ouml;n und r&amp;uuml;hrend, wie Opern sind, und sie hatte noch Tr&amp;auml;nen in den Augen, als sie wieder in den blutroten Alfa stieg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stille, nur das Ger&amp;auml;usch des Motors und des viel zu schnellen Rollens der Reifen auf der Stra&amp;szlig;e. Dann begann er zu reden. Er habe eine fixe Vorstellung gehabt w&amp;auml;hrend der Oper, unabl&amp;auml;ssig habe er daran denken m&amp;uuml;ssen. Er habe sie  nehmen und &amp;uuml;ber die Br&amp;uuml;stung der K&amp;ouml;nigsloge lehnen wollen, habe ihr das Kleid heben und hinten in sie eindringen wollen, vor all den Leuten, mit musikalischer Begleitung, habe sie zum St&amp;ouml;hnen bringen wollen an diesem Ort. Er wusste, dass sie einen neuen Freund hatte. Sie sagte nichts. Er fuhr noch schneller, nerv&amp;ouml;ser, sie wusste nicht, wohin. Er sah sie nicht an, er sah durch seine Sonnenbrille starr auf die Stra&amp;szlig;e. Sie sp&amp;uuml;rte seine Anspannung und Wut, seine Unberechenbarkeit und seinen Wahnsinn, &amp;uuml;bertragen durch die Ledersitze des Alfas und sie hatte Angst. Er war wie ein Raubtier hinter Gittern, um sich selbst kreisend, gef&amp;auml;hrlich, kurz vor dem Ausbrechen. Sie sch&amp;uuml;ttelte nur den Kopf, &quot;Nein&quot;, sagte sie, &quot;nein.&quot; An einer Ampel stieg sie aus, mitten in der Stadt, mitten in der Nacht. Sie sah Andreas nie wieder.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T16:07:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2043/">
    <title>Landshut liegt in Afrika</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2043/</link>
    <description>Die Bilder vom Deutschen Herbst sind vielen noch in Erinnerung, nicht zuletzt weil sie jetzt - 30 Jahre sp&amp;auml;ter - wieder durch die Medien wandern. Auch ich erinnere mich an die Bilder aus der Tagesschau. Bilder vom entf&amp;uuml;hrten Hanns Martin Schleyer, die in meiner kindlichen Auffassung denen auf den Fahndungsplakaten &amp;auml;hnelten. Bilder von einem Flugzeug in Afrika und Reporter, die Landshut und Somalia im selben Satz nannten. Als die Bilder von Mogadischu um die Welt gingen, ahnte ich nicht, dass ich einmal Angestellte einer Fluggesellschaft sein w&amp;uuml;rde. Viele Jahre sp&amp;auml;ter besch&amp;auml;ftigte ich mich, nicht zuletzt berufsbedingt, eingehender mit den damaligen Geschehnissen. Da wusste ich bereits, dass Landshut nicht in Afrika liegt. Was ich noch nicht wusste, waren politische Zusammenh&amp;auml;nge und die Rolle der Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Hauptinteresse gilt seit jeher den Menschen. Was geschah damals in der Landshut zwischen Mallorca und Mogadischu? Was f&amp;uuml;hlten Besatzung und Passagiere? Und wie verarbeiteten die Opfer ihre Erlebnisse? Es existieren unz&amp;auml;hlige Artikel zur Entf&amp;uuml;hrung der Landshut im Oktober 1977. &amp;Uuml;ber Souhaila Andrawes, der einzig &amp;uuml;berlebenden Entf&amp;uuml;hrerin, die schwer verletzt die Hand zum Siegeszeichen hebt, wurde ausf&amp;uuml;hrlich berichtet. Ebenso &amp;uuml;ber die Besatzungsmitglieder Gabriele von Lutzau geb. Dillmann, die damals 23-j&amp;auml;hrige Stewardess, und J&amp;uuml;rgen Vietor, den Copiloten, der die Maschine alleine von Aden nach Mogadischu flog. Um die Geschehnisse zu rekonstruieren, griff man vorwiegend auf die Erinnerungen dieser beiden Opfer zur&amp;uuml;ck. Fast entsteht der Eindruck, von Lutzau und Vietor seien neben dem ermordeten Kapit&amp;auml;n J&amp;uuml;rgen Schumann die einzigen Besatzungsmitglieder an Bord der entf&amp;uuml;hrten Maschine gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tats&amp;auml;chlich waren aber au&amp;szlig;er ihnen noch zwei weitere Besatzungsmitglieder an Bord: Die damals 28-j&amp;auml;hrige norwegische Stewardess Anna Maria Staringer und die &amp;ouml;sterreichische Chefstewardess Hannelore Piegler, 33 Jahre, die kurz danach das Buch &quot;Entf&amp;uuml;hrung - Hundert Stunden zwischen Angst und Hoffnung&quot; verfasste. Eher detaillierter Erfahrungsbericht als literarisches Meisterwerk, wurde der Druck wegen geringer Nachfrage nach der ersten Auflage eingestellt. Erstaunlich bleibt jedoch die Tatsache, dass sich die Medien sowohl &amp;uuml;ber das Buch, als auch die Existenz beider Besatzungsmitglieder mehr oder weniger ausschweigen. Journalisten ben&amp;ouml;tigen mitteilungsfreudige Betroffene, und dieses Attribut scheint zumindest auf Gabriele von Lutzau zuzutreffen. Ob sich Frau Staringer vor der traumatischen Erinnerung durch Schweigen sch&amp;uuml;tzt, kann nur spekuliert werden. Frau Piegler hingegen schweigt, weil man sie vermutlich zum Schweigen gebracht hat. Jemand der mit einem Buch an die &amp;Ouml;ffentlichkeit geht, ist bereit zu erz&amp;auml;hlen. M&amp;ouml;glicherweise sah sie die Notwendigkeit, nach der Entf&amp;uuml;hrung ihre Sicht der Dinge mitzuteilen. M&amp;ouml;glicherweise war jedoch diese Sicht nicht im Sinne von Gabriele von Lutzau oder derer, die sie anders sehen wollten. Ein kurzer Auszug aus Pieglers Buch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Die temperamentvolle Gabriele wollte mit ihrer Meinung nie gerne zur&amp;uuml;ckstehen. [Gabi ging] gerne &amp;uuml;ber die Grenzen hinaus. Es war wohl auch die immerw&amp;auml;hrende Angst und dazu das Bed&amp;uuml;rfnis, schwierige Situationen zu entspannen, die sie zu ihren einsamen Entscheidungen brachten.[...] Dabei war es aber auch wichtig, die Spielregeln der Terroristen nicht zu vergessen und genau das war es, was Gabriele manchmal fast in Teufels K&amp;uuml;che brachte.?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und weiter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Mia sagte einmal ganz verzweifelt: &apos;Hannelore, tu etwas, sie darf nicht politisieren!&apos; Ich versuchte Gabriele klarzumachen, dass ausgerechnet Politik wohl zu den hei&amp;szlig;esten Themen in unserer Situation geh&amp;ouml;rte. Mia hatte gro&amp;szlig;e Angst vor Gabrieles kleinen Extratouren und auch mir war es manchmal reichlich flau im Magen, wenn ich die Konsequenzen bedachte, die dadurch entstehen konnten.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ihrem Buch beschreibt Hannelore Piegler die Kollegin Gaby Dillmann als naive, exaltierte Person, deren unbedachtes Verhalten alle Beteiligten in Gefahr bringen konnte, w&amp;auml;hrend sich Gabriele von Lutzaus Erinnerungen eher wie ein gro&amp;szlig;es Abenteuer anh&amp;ouml;ren, das sie zu bestehen hatte. In einem Bericht des ZDF sagt von Lutzau beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Mich hat er auch gequ&amp;auml;lt. Mich hat er ja auch zum Schein erschossen. Ich kniete auch an der T&amp;uuml;r. Und ich habe ihn so w&amp;uuml;tend angeguckt, ihn so angefunkelt und habe mich nicht einsch&amp;uuml;chtern lassen. Und dann hat er gelacht und gesagt, okay, get up.&quot; (&lt;a href=&quot;http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/29/0,1872,7000573,00.html&quot;&gt;Zitat Quelle&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kritische Stimmen unterstellten Hannelore Piegler verletzte Eitelkeit. Als Chefstewardess hatte sie die f&amp;uuml;hrende Position in der Kabinencrew. Doch es war Gaby Dillmanns Stimme, die Captain Martyr Mahmud, dem Anf&amp;uuml;hrer der Geiselnehmer, als &amp;Uuml;bersetzerin und Sprachrohr in der Kabine diente. Es war Gaby Dillmann, die die Bitte um Hilfe aus dem Cockpit an die Au&amp;szlig;enwelt vortrug. &amp;Uuml;ber die Verhandlungen mit einem Vertreter der deutschen Botschaft in Somalia per Funk schreibt Piegler:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich bat Gabriele, den Bericht zu verfassen, da es ihr auf englisch leichter fallen w&amp;uuml;rde als mir. Ich besprach mit ihr, was sie sagen sollte und warnte sie noch einmal eindringlich vor der Verwendung falscher Worte, wie Terrorist oder Jude. Daf&amp;uuml;r standen die Bezeichnungen Freiheitsk&amp;auml;mpfer und Zionist. &quot;Sei vorsichtig, versprich dich nicht! Ich bleibe hier, falls man mich pers&amp;ouml;nlich sprechen will&quot;, sagte ich. Im selben Moment ert&amp;ouml;nte aus dem Lautsprecher eine Stimme mit unverkennbar deutschem Akzent: &quot;Is it possible to speak with the purserette Mrs. Piegler, please!&quot; Gabriele holte tief Luft und begann zu sprechen. Sie stellte sich vor und erkl&amp;auml;rte, dass ich neben ihr st&amp;uuml;nde, aber sie f&amp;uuml;r mich sprechen w&amp;uuml;rde.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EE5CFD1B8D56C4025AB9FF8834492E0D2~ATpl~Ecommon~SMed.html&quot;&gt;Bild &lt;/a&gt; vom Eintreffen der Befreiten in Frankfurt geht um die Welt. Man sieht die am Bein verletzte Gaby Dillmann, von Copilot Vietor gest&amp;uuml;tzt, das Flugzeug verlassen. Hinter Vietor folgt Hannelore Piegler, einen Blumenstrau&amp;szlig; haltend. Das Bild, das Hannelore Piegler von ihrer Kollegin zeichnet, passt nicht zu einer, die in den Medien zur Heldin avanciert. Ein Bericht der FAZ tituliert sie f&amp;auml;lschlicherweise gar als &lt;a href=&quot;http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EE5CFD1B8D56C4025AB9FF8834492E0D2~ATpl~Ecommon~Scontent.html&quot;&gt;Chefstewardess&lt;/a&gt;. Schlie&amp;szlig;lich wird Gaby Dillmann in der &amp;Ouml;ffentlichkeit als Engel von Mogadischu gefeiert. Wie k&amp;ouml;nnte Frau Piegler anders reagieren als mit Schweigen, da jede ihrer Aussagen mit dem Argument niederer Motive in einem v&amp;ouml;llig neuen Licht erscheint? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch J&amp;uuml;rgen Vietor hielt seine Erlebnisse kurz nach der Befreiung schriftlich fest. Anl&amp;auml;sslich der Hamburger Gerichtsverhandlung gegen Andrawes 1996 vertiefte er sich erstmals wieder in seine Aufzeichnungen. Er selbst bezeichnet sich als ein &quot;gro&amp;szlig;er Verdr&amp;auml;nger&quot;. Schon wenige Wochen nach der Befreiung flog er wieder als Pilot f&amp;uuml;r Lufthansa, sogar mit der Landshut. &quot;Die war ja kaum besch&amp;auml;digt, nur ein paar Haarrisse im Fahrwerk&quot;, &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2007/36/Pilot-Vietor&quot;&gt;so Vietor&lt;/a&gt;. Wie oft er noch &amp;uuml;ber die Stelle schritt, an der sein Kollege J&amp;uuml;rgen Schumann durch einen Kopfschu&amp;szlig; exekutiert wurde und was er dabei f&amp;uuml;hlte, bleibt sein Geheimnis. W&amp;auml;hrend er, heute Pension&amp;auml;r, eher ungern Rede und Antwort steht, scheint sich Gabriele von Lutzau, inzwischen Bildhauerin, im Rampenlicht wohl zu f&amp;uuml;hlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es obliegt mir nicht, &amp;uuml;ber die Opfer der Entf&amp;uuml;hrung und deren individuelle Verarbeitung des traumatischen Erlebnisses zu urteilen. Keiner kann mit Gewissheit sagen, wie er sich in einer &amp;auml;hnlichen Extremsituation verhalten w&amp;uuml;rde. Ob nun J&amp;uuml;rgen Vietor die Geschehnisse stark rationalisiert oder Gabriele von Lutzau das Erlebte zum pers&amp;ouml;nlichen Abenteuer verkl&amp;auml;rt, aus psychologischer Sicht ist jegliche Reaktion nachvollziehbar. Trotz allem sind die Stimmen der Opfer wichtige Zeitdokumente. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Man sieht&apos;s jetzt gerade wieder an der Mohnhaupt, die wird ja jetzt entlassen. Komischerweise wird da mehr Ged&amp;ouml;ns drum gemacht um die T&amp;auml;terin als um die Opfer&quot;, so Vietor in einem &lt;a href=&quot;http://www.daserste.de/ttt/beitrag_dyn~uid,1slafct6idc2j836~cm.asp&quot;&gt;Interview&lt;/a&gt; Anfang des Jahres. Opfer wie J&amp;uuml;rgen Schumann oder auch Hannelore Piegler und Anna Maria Staringer. Sie haben es nicht verdient, vergessen zu werden. Ebenfalls sollte man nicht vergessen, dass Meinungen durch die Medien ma&amp;szlig;geblich geformt werden. Das Feld zwischen richtig und falsch, zwischen schwarz und wei&amp;szlig; ist jedoch unendlich gro&amp;szlig;. Wer sich der Wahrheit ann&amp;auml;hern m&amp;ouml;chte, muss alle Facetten ber&amp;uuml;cksichtigen. Letztlich liegt sie n&amp;auml;mlich im Auge des Betrachters und Landshut manchmal doch in Afrika.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:31:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2044/">
    <title>Brauchen  wir eine neue RAF</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2044/</link>
    <description>1. Die RAF hat um sich selbst gek&amp;auml;mpft und dabei ohne erkennbares Wimpernzucken gemordet. &amp;Uuml;ber die Mordanschl&amp;auml;ge, die eine Befreiung der inhaftierten RAF-Mitglieder erzwingen sollten, und die diese Aktionen vorbereitende Beschaffungskriminalit&amp;auml;t ging das Tun der RAF eigentlich nie hinaus. Eine solche RAF ist nicht revolution&amp;auml;r, sie ist egoman. Egomanen Terror braucht niemand niemals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. So schlimm die Taten der RAF waren, sie sollten doch zu einer gerechten Welt f&amp;uuml;hren, in der alle Menschen freie Individuen sind. So oder so &amp;auml;hnlich wurden in linken Kreisen vielfach viele Augen zugedr&amp;uuml;ckt, wenn es um die Bewertung der RAF-Taten ging. Tun wir einen Moment so, als h&amp;auml;tte die RAF dieses Ziel ernsthaft verfolgt und fragen uns:&lt;br /&gt;
Kann eine kleine radikale Minderheit die Mehrheit in die richtige Gesellschaftsform zwingen?&lt;br /&gt;
Sie kann vielleicht, wie die Bolschewiki vor 90 Jahren in Russland, eine kriselnde Elite ersetzen. Aber solange die Menschen nicht an das Heilsversprechen der Revolution&amp;auml;re glauben, werden sie sich nicht freiwillig &amp;auml;ndern. In den 1970ern gab es wohl mehr Freunde des Eigenheims als Freunde einer RAF-Welt in der BRD. H&amp;auml;tte die RAF den Laden &amp;uuml;bernommen, sie h&amp;auml;tte Belegschaft und Kunden zur neuen Welt zwingen m&amp;uuml;ssen. Das f&amp;uuml;hrt zu autorit&amp;auml;ren Ma&amp;szlig;nahmen, Unterdr&amp;uuml;ckung und Polizeistaat. Eine Revolution der Wenigen ist keine Revolution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Baader, Meinhof und Co. waren &amp;uuml;berzeugt, gegen einen autorit&amp;auml;ren und faschistischen Polizeistaat zu k&amp;auml;mpfen. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland ehrt genau diese Art politischer Gewalt. Einer der postnazistischen Nationalhelden ist Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der hatte 1944 versucht, den elf Jahre zuvor durch Wahlen an die Macht gekommenen F&amp;uuml;hrer Nazideutschlands, Adolf Hitler, mit einer Bombe zu t&amp;ouml;ten. Sowohl die Taten der RAF als auch der Stauffenbergsche Attentatsversuch wurden in ihrer Zeit von offizieller Seite als Terrorismus verurteilt.&lt;br /&gt;
Es liegt immer auch in der sp&amp;auml;teren Deutung, ob politische Gewalt legitim und verehrenswert ist und wann sie auch im Nachhinein noch abgelehnt wird. Stauffenberg ist heute trotz aller nationalistischen, militaristischen und antidemokratischen Verstrickungen ein Held des offiziellen Deutschlands. Bei aller n&amp;ouml;tigen Kritik an der Verehrung  Stauffenbergs in der BRD, es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen ihm und der RAF: Deren Taten richteten sich trotz aller Altnazis mit hohen politischen &amp;Auml;mtern in der jungen BRD nicht gegen einen totalit&amp;auml;ren Vernichtungsstaat und sie bleiben unabh&amp;auml;ngig davon schon allein wegen der oben gestreiften Punkte weiterhin nicht zu akzeptieren.&lt;br /&gt;
Aber: Wenn ein Staat seine B&amp;uuml;rger unterdr&amp;uuml;ckt oder gar vernichtet, kann es zu einem Punkt kommen, an dem terroristische Mittel legitim werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutschland leistet sich 2007 einen Innenminister, der den Menschen die Intimsph&amp;auml;re rauben und der der Armee Polizeiaufgaben &amp;uuml;bertragen will. Gleichzeitig regt der Verteidigungsminister gegen geltendes Recht an, im Notfall Menschenleben gegen Menschenleben aufzurechnen und entf&amp;uuml;hrte Zivilflugzeuge vorsorglich abzuschie&amp;szlig;en, wenn sie zur Bombe werden k&amp;ouml;nnten. Weiter reden 2007 Politiker offen und unbehelligt davon, bestimmte Bev&amp;ouml;lkerungsgruppen vorsorglich zu registrieren und zu &amp;uuml;berwachen, weil sie (die zum Islam Konvertierten) potentielle Gefahren f&amp;uuml;r den Staat sein k&amp;ouml;nnten. Gerade werden in der &amp;ouml;ffentlichen Debatte und in Gesetzesbeschl&amp;uuml;ssen massiv die B&amp;uuml;rgerrechte kastriert. Aus dem Souver&amp;auml;n B&amp;uuml;rger wird so ein immer unfreieres, dauer&amp;uuml;berwachtes Subjekt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind noch fern von einem autorit&amp;auml;ren und antidemokratischen Regime. Aber wir bewegen uns in diese Richtung. Wenn wir rechtzeitig umkehren, braucht es vielleicht nie eine neue RAF, die sich gegen einen neuen deutschen Polizeistaat bewaffnen muss.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:34:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2045/">
    <title>Betroffenheit</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2045/</link>
    <description>Klar kannte ich als Kind die RAF. Nicht pers&amp;ouml;nlich, aber vertraut waren sie mir. Schlie&amp;szlig;lich hatte ich oft genug Zeit, mir ihre Gesichter gr&amp;uuml;ndlich anzuschauen. Meine Mutter stand in der &amp;uuml;blichen Warteschlange der Post, um Briefmarken zu kaufen und ich jedes Mal fasziniert vor dem Fahndungsplakat. Die waren ber&amp;uuml;hmt! Ganz sch&amp;ouml;n grimmige Gestalten waren das! Doch unsympathisch fand ich sie nicht. Sie machten mir auch keine Angst, denn Bedrohung ging in meiner kleinen Welt eher von b&amp;ouml;sen W&amp;ouml;lfen wie im M&amp;auml;rchen oder von M&amp;auml;nnern mit S&amp;uuml;&amp;szlig;igkeiten, mit denen wir nicht reden durften, aus. Die Bilder der Terroristen faszinierten mich. Ich wusste nicht, was diese Menschen gemacht hatten oder weswegen sie gesucht wurden. Doch was ein Terrorist ist, war mir sonnenklar: Mein kleiner Bruder machte oft genug Terror.&lt;br /&gt;
Ich gebe zu, ich hatte Lieblinge. Manche Menschen auf den Bildern erschienen mir netter als andere. Es traf mich gewaltig, als so ein Bild eines Tages durchgestrichen wurde. Mein Liebling wurde einfach weggekreuzt! Ich hatte keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. W&amp;auml;re ich heutzutage Kind, w&amp;uuml;rde ich wahrscheinlich denken, dass eine Jury meinen Favoriten &quot;rausgevotet&quot; hatte.&lt;br /&gt;
Als Schleyer entf&amp;uuml;hrt wurde, war ich auf Klassenfahrt. Ich war neun Jahre alt und unheimlich betroffen. Wir stapften in Cordhosen und gelben Regenm&amp;auml;nteln durch den Wald. Meine Freundin Andrea und ich diskutierten &amp;uuml;ber die Entf&amp;uuml;hrung. Wir fanden es ganz sch&amp;ouml;n gemein, dass Terroristen den Mann entf&amp;uuml;hrt hatten. Keine Ahnung, woher wir von der Entf&amp;uuml;hrung wussten. Irgendwie hatten wir es mitbekommen. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meine Eltern ein p&amp;auml;dagogisch wertvolles Gespr&amp;auml;ch mit mir &amp;uuml;ber das Thema gef&amp;uuml;hrt h&amp;auml;tten. Aber wir waren ja auch auf Klassenfahrt.&lt;br /&gt;
In unseren Kinderspielen gab es auch Entf&amp;uuml;hrungen. Doch das war etwas anderes. Wenn wir Indianer spielten, wussten wir, dass das eigentlich nichts mit der Welt, in der wir lebten, zu tun hatte. Wir nahmen Gefangene, banden sie an den Marterpfahl und h&amp;uuml;pften tanzend und singend um sie herum. Sp&amp;auml;testens wenn wir zum Essen gerufen wurden, gaben wir die Geiseln wieder frei und aus dem verfeindeten Bleichgesicht wurde wieder der doofe Wolfgang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass man einen Menschen entf&amp;uuml;hrt und ihn anschlie&amp;szlig;end erschie&amp;szlig;t, fanden wir fies. Das ist doch gemein! Wir bedauerten seine Kinder und fragten uns, wie es ihnen geht. Uns h&amp;auml;tte es gar nicht gefallen, wenn man unsere V&amp;auml;ter entf&amp;uuml;hrt und erschossen h&amp;auml;tte. Wir fragten uns, warum Terroristen so etwas taten und fanden keine Antwort. Am Ziel unserer Wanderung angekommen, verga&amp;szlig;en wir unsere Lehrerin zu fragen.&lt;br /&gt;
Meine Erinnerungen sind nebul&amp;ouml;s. Leider kann ich mich nicht an unsere Diskussion erinnern. Aber ich wei&amp;szlig;, dass es ein ernstes, gewichtiges Gespr&amp;auml;ch war. Ich habe deutlich vor Augen, wie wir durch den regennassen Wald stapften, um uns herum die Welt verga&amp;szlig;en, weil uns das, was wir besprachen so sehr besch&amp;auml;ftigte. Es war meine erste politische Diskussion. Und wie es sich f&amp;uuml;r die 70er Jahre geh&amp;ouml;rte, war ich ordentlich betroffen.&lt;br /&gt;
Diese Betroffenheit ist mir abhanden gekommen. W&amp;auml;hrend 9/11 war ich in Urlaub und zu allem &amp;Uuml;berfluss auch noch krank. Mit fieberndem Kopf sah ich die Bilder im Fernsehen. Es ber&amp;uuml;hrte mich nicht, unterschieden sich die Bilder doch nicht wesentlich von einem Actionfilm. Unser Urlaub ging weiter. Mich besch&amp;auml;ftigte damals mehr, ob ich noch ein paar gesunde Tage ohne Fieber am Strand verbringen k&amp;ouml;nnte, als mich um den Zustand der Welt zu sorgen. Das Fieber verschwand und wir hatten noch eine Woche Spa&amp;szlig;. Aus unsere Parallelwelt zur&amp;uuml;ck gekommen, fanden wir gro&amp;szlig;e Betroffenheit vor. Mit Grabesstimme wurden wir dar&amp;uuml;ber aufgekl&amp;auml;rt, dass unsere Welt fortan ein Ort der Bedrohung sei. Ich zuckte mit den Achseln und machte mich daran, hunderte von Mails aufzuarbeiten, die sich w&amp;auml;hrend meines Urlaubs angesammelt hatten.&lt;br /&gt;
Damals, in Cordhosen und gelbem Regenmantel, hatte ich es herbeigesehnt, gro&amp;szlig; und erwachsen zu sein, um die Welt zu retten. Heute wei&amp;szlig; ich, dass mein Einflu&amp;szlig; nur marginal ist. Ich bilde mir ein, die Macht der Medien zu durchschauen - und schaue weg. Manchmal frage ich mich, ob das, was in der Tagesschau l&amp;auml;uft, nicht genauso irreal sein k&amp;ouml;nnte wie unsere Indianerspiele. Immer seltener lese, schaue oder h&amp;ouml;re ich Nachrichten. Ich bin zu bequem und zu resigniert f&amp;uuml;r Betroffenheit und Diskussionen. Da schaue ich doch lieber Popstars. Die sind auch ein bisschen ber&amp;uuml;hmt.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:36:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2040/">
    <title>Durchgeknallte B&amp;uuml;rgerkinder und paranoide Staatsmacht</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2040/</link>
    <description>Wie so vieles liegen die Wurzeln in der 68er-Bewegung, die erste gro&amp;szlig;e Koalition hatte die linke Opposition geeint und mit dem Ende der Koalition zerfiel auch die Studentenbewegung. Der SDS l&amp;ouml;ste sich auf, die Leute gingen in Kaderorganisationen wie DKP oder ihre Studentenorganisation, den MSB Spartakus, sie schlossen sich maoistischen Gr&amp;uuml;ppchen an oder wurden apolitische Hippies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein paar Leute mit durchaus b&amp;uuml;rgerlichem Hintergrund meinten aber, die Revolution in Deutschland erreichen zu m&amp;uuml;ssen und wollten das zun&amp;auml;chst mit eher harmlosen Aktionen wie der Brandstiftung in einem Frankfurter Kaufhaus erreichen. Den Vertretern des deutschen Volkes gefiel das nun ganz und gar nicht und sie reagierten mit aller H&amp;auml;rte. Zun&amp;auml;chst &amp;uuml;berharte Urteile, die eine Gefangenenbefreiung nach sich zogen, die RAF-Leute in den Untergrund trieben und sie zu absolut sinnlosen Aktionen antrieben, worauf der Staat usw. usw.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich selbst war f&amp;uuml;r die 68er ein wenig zu jung, auch wenn wir an der Schule eine Politik AG gegr&amp;uuml;ndet hatten und dort von SDS-Aktivisten begleitet (oder indoktriniert?) wurden. Bei mir standen die &amp;uuml;blichen B&amp;auml;nde von Marx und Engels im Regal und wie fast alle Linken in der Anfangszeit der RAF hatte ich durchaus einige Sympathien f&amp;uuml;r Baader, Meinhof und Co. Allerdings war mir die Gewalt durchaus fremd, als theoretischer Revolution&amp;auml;r dachte ich immer, dass eine Revolution als Umsturz gegen &quot;die Herrschenden&quot; nur vom Volk ausgehen konnte und das stand den Ideen der RAF total ablehnend gegen&amp;uuml;ber. Also war ich so ein richtiger &quot;schei&amp;szlig;liberaler&quot; Halblinker, wie die Hardliner damals gesagt h&amp;auml;tten: manchen Ideen gegen&amp;uuml;ber offen, ein wenig sympathisierend, aber im Grunde des Herzens mit Unverst&amp;auml;ndnis gegen&amp;uuml;ber diesen B&amp;uuml;rgerkindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gegenseitige Gewaltspirale kumulierte dann vor 30 Jahren in der Schleyer-Entf&amp;uuml;hrung und der Entf&amp;uuml;hrung der Landshut nach Mogadischu. Der Staat reagierte in keiner Weise gelassen und wurde immer paranoider und das war dann durchaus im t&amp;auml;glichen Leben zu sp&amp;uuml;ren. Dabei folgten die Vertreter der deutschen Exekutive einfach alten Vorurteilen: w&amp;auml;hrend die RAF-Leute l&amp;auml;ngst in Mittelklassewagen mit Anzug und Krawatte unterwegs waren, waren den Durchschnittspolizisten immer noch b&amp;auml;rtige Langhaarige verd&amp;auml;chtig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich war damals noch vollb&amp;auml;rtig und langhaarig und so habe ich diese vorherrschende Paranoia in einigen Momenten hautnah gesp&amp;uuml;rt. Ich hatte 1977 im Deutschen Herbst gerade angefangen, in einer Computerfirma zu arbeiten und &quot;genoss&quot; meine ersten Dienstreisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal f&amp;uuml;hlte ich mich richtig in Lebensgefahr. Ich war auf dem Weg nach D&amp;uuml;ren, um einen von mir programmierten fr&amp;uuml;hen Kontoauszugsdrucker zu demonstrieren. Ich sa&amp;szlig; alleine in einem Erste-Klasse-Abteil des Intercitys, als pl&amp;ouml;tzlich ein junger Mann im Jeansanzug in mein Abteil st&amp;uuml;rmte, mit (entsicherter?) Maschinenpistole unterm Arm und nach meinem Ausweis verlangte. Mit zitternden Fingern kramte ich den aus meiner Tasche hervor und bemerkte erst nach der Pr&amp;uuml;fung, dass dieser Bewaffnete eine Armbinde trug mit der Aufschrift &quot;Kriminalpolizei&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderes Mal war ich abends privat mit unserem Firmenwagen unterwegs. Dieser Firmenwagen war ein wei&amp;szlig;er VW-Bully, ein VW-Bus wie er auch bei der Schleyerentf&amp;uuml;hrung verwendet wurde. Ich war mit meiner Begleiterin auf dem Weg nach Hause, als uns pl&amp;ouml;tzlich ein Zivilwagen folgte. Als ich in unserer Sackgasse parkte, standen die zivil gekleideten Insassen des Wagens pl&amp;ouml;tzlich neben uns, erkl&amp;auml;rten, sie seien von der Polizei und verlangten nach unseren Papieren. Wie es so ganz normal ist, hatte meine Begleiterin ihren Ausweis nat&amp;uuml;rlich in ihrer etwas gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Handtasche. Sie griff nach dieser und wollte nach dem Ausweis kramen, da st&amp;uuml;rzte einer der Polizisten vor, griff sich die Tasche und sagte: &quot;Ich mach das!&quot; Und dann durchw&amp;uuml;hlte er die Handtasche, ganz offensichtlich auf der Suche nach Faustfeuerwaffen. Hinter uns hergefahren sind sie &amp;uuml;brigens, weil ein R&amp;uuml;cklicht nicht funktionierte im Dunkeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Rekord aus dieser Zeit wird wohl f&amp;uuml;r mich immer bestehen bleiben: Innerhalb von zw&amp;ouml;lf Stunden an einem Tag ist mein Ausweis neunmal von der Polizei kontrolliert worden!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages nach der so genannten Wiedervereinigung erkl&amp;auml;rte sich die RAF dann f&amp;uuml;r aufgel&amp;ouml;st. Die paranoiden Gesetze blieben, genauso wie alle jetzt verabschiedeten Gesetze wegen der neuen &quot;Terrorgefahr&quot; bleiben werden, auch wenn die Gefahr vorbei sein sollte.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:22:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2046/">
    <title>Besser mal die Klappe halten</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2046/</link>
    <description>Der Tag, an dem mein Chef grunds&amp;auml;tzlich wurde, war ein Montag. Na, wenn Se sich da mal nich verheben. Sie warn damals noch nich mal auffer Welt, wie wollnse denn da was Vern&amp;uuml;nftiges &amp;uuml;ber die RAF schreiben? Geht nicht, m&amp;uuml;ssense akzeptieren. &lt;br /&gt;
Musste ich akzeptieren, klar. Als Volont&amp;auml;r - vulgo: als der Stift - in der Nachrichtenredaktion einer Tageszeitung, irgendwo in der Provinz. Keine Minute war vergangen, seitdem die Agenturmeldung, Brigitte Mohnhaupt komme frei, in die Redaktion getickert wurde. Brigitte Mohnhaupt. Frei. War klar, sagte der Feuilletonchef. Verdammt, sagte der Wirtschaftsredakteur, der seit diesem Moment im Februar 2007 dem Onliner einen Kasten Bier schuldete. Ich sagte nichts. Und k&amp;uuml;rzte weiter meinen Text &amp;uuml;ber, ich wei&amp;szlig; nicht mehr, es ging vermutlich um den Borkenk&amp;auml;fer. Brigitte Mohnhaupt. Frei. Das genaue Datum der Freilassung sei zwar nicht bekannt und w&amp;uuml;rde andernfalls unter Verschluss gehalten, aber: Lange k&amp;ouml;nne es nicht dauern bis zum Vollzug des gerichtlichen Beschlusses, das, was nach 24 Jahren von f&amp;uuml;nfmal Lebenslang &amp;uuml;brig bleibt, zur Bew&amp;auml;hrung auszusetzen. &lt;br /&gt;
Bis hierher las ich. Den Rest schenkte ich mir. Weil ich wusste, die &amp;uuml;brigen Zeilen waren - wie alle Mohnhaupt-Meldungen -  nichts als die Versatzst&amp;uuml;cke NEUNFACHER MORD und MEHRFACHER MORDVERSUCH, au&amp;szlig;erdem F&amp;Uuml;NFMAL LEBENSLANG, BESONDERE SCHWERE DER SCHULD, 25 JAHRE MINDESTHAFTZEIT und F&amp;Uuml;NF JAHRE AUF BEW&amp;Auml;HRUNG.  Ferner ZWEITE GENERATION, DUTZENDE ANSCHL&amp;Auml;GE, DEUTSCHER HERBST, UNTERGRUND und so weiter.  Und nat&amp;uuml;rlich: RAF, RAF, RAF, RAF, RAF, RAF, RAF. Ende der Meldung. &lt;br /&gt;
Mohnhaupt kommt frei, rief Chef vom Dienst, und: Blitzkonferenz. Anrei&amp;szlig;ertext mit Bild auf die Eins, wurde angeordnet, am besten nochmal dieses schwarzwei&amp;szlig;e, bei dem sie in Handschellen abgef&amp;uuml;hrt wird und den Kopf so auf die Arme legt, sie wissen schon, das kennen die Leut&apos;. Bericht mit Bildern dann hinten, nat&amp;uuml;rlich mit Zeitstrahl und Hintergrund zur RAF. Und, klar, Komment&amp;auml;rchen auch. Volle Breite, wie besprochen. Is&apos; ja auch der Hammer irgendwie. &lt;br /&gt;
&quot;Die Eins&quot; steht im Zeitungsjargon f&amp;uuml;r die Titelseite, &quot;hinten&quot; sind jene Seiten, worum sich auch mal der Volont&amp;auml;r k&amp;uuml;mmert. Zurzeit war das ich. Und keine Frage, dass Mohnhaupt hier heute nicht zum ersten Mal auftauchte. &lt;br /&gt;
Wer kommentiert, fragte der Chef vom Dienst schon &amp;uuml;ber dem Aufstehen. Chefsache, murmelte jemand. N&amp;ouml;, wurde erwidert, nicht schon wieder, hab&apos; doch erst gestern, kann doch nicht schon wieder dasselbe schreiben. Es hei&amp;szlig;t DAS GLEICHE, nicht DASSELBE, piesackte jemand.  Schlie&amp;szlig;lich hob ich die Hand. Ob man das Thema vielleicht auch aus einem anderen Blickwinkel angehen k&amp;ouml;nne, schlug ich fragend vor. Wie?, h&amp;ouml;rte ich. Nicht wie sonst mit War-krass-und-darf-man-nie-vergessen- obwohl-es-lange-her-ist-jaja-das-waren- Zeiten-Brille, sagte ich nicht. Sondern sinngem&amp;auml;&amp;szlig;: Mit den Augen eines Sp&amp;auml;tgeborenen, der einen Bezug zu den Geschehnissen von einst und seiner heutigen Gegenwart herzustellen sucht. Sprich: Ich, der ich 1984 geboren bin, w&amp;uuml;rde mir Gedanken &amp;uuml;ber eine Zeit machen, da sich meine Eltern noch nicht kannten, aber bald kennen w&amp;uuml;rden. Immerhin - so h&amp;auml;tte ich argumentiert, sofern ich zum Argumentieren Gelegenheit gehabt h&amp;auml;tte - immerhin haben wir zur RAF zurzeit t&amp;auml;glich was im Blatt, also betrifft mich das ja auch irgendwie. &lt;br /&gt;
Diesen Satz hatte ich noch gar nicht zu denken begonnen, da  war meine Initiative schon von Schweigen ausgebremst. Na, wenn Se sich da mal nich verheben, &amp;auml;u&amp;szlig;erte dann der Chef vom Dienst, Sie warn damals noch nich auffer Welt, wie wollnse denn da was Vern&amp;uuml;nftiges &amp;uuml;ber die RAF schreiben? Geht nich, m&amp;uuml;ssense akzeptieren. Er kommentierte dann doch selbst. Ansatzweise genauso wie am Vortag. Und ich &amp;auml;rgerte mich - so, wie sich nur Auszubildende &amp;auml;rgern, wenn sie in jene Situation kommen, in der ich mich befand. In einem Wort: Grmpf. &lt;br /&gt;
Mag sein, dass mein Nachgeben von Vorteil war. Auch, weil in einem Blatt, dessen Durchschnittsleser dringend &amp;uuml;ber die Planung seines unmittelbar bevorstehenden 50. Geburtstags nachdenken sollte, der Blick eines Greenhorns auf jene Ereignisse, die mehrfach Menschenleben kosteten, naja, wom&amp;ouml;glich nicht die bequemste L&amp;ouml;sung gewesen w&amp;auml;re (andererseits soll Bequemlichkeit ja nicht eben die oberste Maxime f&amp;uuml;r Zeitungsmacher sein). Der eigentlich ausschlaggebende Punkt passt in einen Satz, der viel k&amp;uuml;rzer ist  als der eben zu lesende. N&amp;auml;mlich: Ich habe keine Ahnung von der RAF. &lt;br /&gt;
Okay, ich wei&amp;szlig;, was RAF hei&amp;szlig;t und was sie ist, beziehungsweise wer sie ist, beziehungsweise wer sie war. Sofern das &amp;uuml;berhaupt jemand wei&amp;szlig;. Mir ist durchaus bewusst, was es mit Baader-Meinhof-Mohnhaupt-Klar und Buback-Ponto-Schleyer auf sich hat, ich kann erkl&amp;auml;ren, was Schleierfahndung ist und was Isolationshaft. &lt;br /&gt;
Nur: Dieses Gef&amp;uuml;hl, dass sich in den Magen schleicht, wenn Baader-Meinhof-Mohnhaupt-Klar und Buback-Ponto-Schleyer in der Tagesschau auftauchen, nicht zu irgendeinem Jahrestag oder weil Brigitte Mohnhaupt frei kommt, sondern tagesaktuell, direkt am Abend, mit hei&amp;szlig;er Nadel gestrickt und trotz aller Tagesschau-Attit&amp;uuml;de atemlos; das Gef&amp;uuml;hl zu wissen, das sind Leute wie du und ich mit einer streitbaren Ansicht dessen, was Recht ist und was nicht; die angstvolle Ahnung, jene Leute k&amp;ouml;nnten &amp;uuml;berall sein und das, was sich die &amp;uuml;brige Nation unter dem Begriff Innere Sicherheit sehnlichst w&amp;uuml;nscht, zerst&amp;ouml;ren: Dieses Gef&amp;uuml;hl k&amp;ouml;nnen die gerade gelesenen S&amp;auml;tze ebenso wenig nachempfinden wie B&amp;uuml;cher, Dokus, Meldungen. Was bedeutet: Ich kann es auch nicht nachempfinden. Das SPIEGEL-Sonderheft, das ich als Neunj&amp;auml;hriger auf Papas Schreibtisch gefunden habe, kann es nicht. Und der Beitrag der Zeitschrift NEON, worin heute die Tatorte von einst fotografiert sind, die Stra&amp;szlig;e mit den zerschossenen Autos, das Versteck der Schleyer-Entf&amp;uuml;hrer, die Gef&amp;auml;ngniszelle - der Beitrag kann es auch nicht. Wissen kann funktionieren. Aber nicht Verstehen.&lt;br /&gt;
Nat&amp;uuml;rlich: Objektiv betrachtet ist es alles andere als bedauerlich, besagtes Gef&amp;uuml;hl nicht zu kennen. Sich dar&amp;uuml;ber den Kopf zu zerbrechen statt sich um anderes zu k&amp;uuml;mmern, ist nichts als ein Luxusproblem. Zeitgeschichte bleibt trotzdem Zeitgeschichte. Und Wissensdurst bleibt Neugierde. &lt;br /&gt;
M&amp;ouml;glich sind allenfalls vage Vergleiche. Etwa mit dem 11. September: Was Al-Qaida ist, beziehungsweise wer es ist, beziehungsweise wer es damals war, l&amp;auml;sst sich nachvollziehen. Auch der Gedankengang eines Innenministers, der auf die Idee kommt, im Notfall Flugzeuge abschie&amp;szlig;en zu wollen, l&amp;auml;sst sich (ohne damit die Idee selbst gut zu finden, nicht im Entferntesten) angesichts der damaligen Ereignisse, naja, nicht verstehen, aber analysieren. Dass es damals Leute gab, die in den Tagen danach jedes Flugzeug am Himmel angstvoll be&amp;auml;ugten, warum jeder noch wei&amp;szlig;, was er tat, als er&apos;s erfahren hat - das kann keine Doku vermitteln.&lt;br /&gt;
Gut,  dass ich damals nicht kommentiert habe. Auch, weil ich den Beigeschmack meiner Worte im Kopf der Dabeigewesenen nicht absch&amp;auml;tzen kann. &quot;Isolationshaft&quot; bei Wikipedia zu suchen ist schlicht nicht dasselbe wie abends in der Kneipe oder noch w&amp;auml;hrend der Tagesschau dar&amp;uuml;ber zu diskutieren, nachdem das Wort gerade zum ersten Mal &amp;uuml;berhaupt in den Medien aufgetaucht ist. Die These von Ulrike Meinhof, &quot;Protest ist, wenn ich sage das oder das passt mir nicht; Widerstand ist, wenn ich daf&amp;uuml;r sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht l&amp;auml;nger geschieht&quot;, klingt dann anders. Die Bauernregel &quot;Wer im Fr&amp;uuml;hling nicht s&amp;auml;t, wird im Herbst nicht ernten&quot; auch. Wie? Keine Ahnung. &lt;br /&gt;
Nein, nein, klar: Gut, dass ich nachgegeben habe. Man verhebt sich leicht bei solchen Themen. Lieber mache ich mir schon mal Gedanken, wie ich meinen Kindern den 11. September erkl&amp;auml;re. Ist zwar nicht dasselbe. Aber vielleicht das Gleiche. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:38:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2042/">
    <title>Mein Deutscher Herbst</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2042/</link>
    <description>Rund um die Freilassung von Brigitte Mohnhaupt erinnerte ich mich neulich an diese Geschichte aus meiner Kindheit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der deutsche Herbst war bei uns ein kombiniert belgisch-deutscher - wir lebten damals seit 1975 im fl&amp;auml;mischen Nachbarland. Aber das Ende unseres kleinen Auslandsaufenthaltes war absehbar - April 1978 sollten wir aufs Dorf ziehen und so pendelten wir h&amp;auml;ufig zwischen Out Turnhout und Sauerland hin und her. So ein Neubau will ja schlie&amp;szlig;lich beim Wachsen beobachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
F&amp;uuml;r das weitere Verst&amp;auml;ndnis meiner kleinen Geschichte ist es noch wichtig zu wissen, dass wir in Belgien keine regul&amp;auml;ren, sondern nur Zollkennzeichen bekommen hatten. Au&amp;szlig;erdem - Bewohner der grenznahen Gebiete werden es best&amp;auml;tigen k&amp;ouml;nnen - die Flamen im allgemeinen nehmen es ja mit einigem nicht so genau. Und so bekamen wir jeweils zu Beginn eines Jahres ein Kennzeichen - und das andere musste man sich selbst malen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sauerl&amp;auml;nder Polizisten - vor allem welche, die &amp;auml;u&amp;szlig;erst nerv&amp;ouml;s nach den Jungs und M&amp;auml;dels auf den Fahndungsplakaten Ausschau hielten, wussten von all dem nat&amp;uuml;rlich nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sahen eines Freitag nachmittags erstmal ein komisches selbstgemaltes Nummernschild am roten BMW. Keines das sie kannten noch dazu - recht logisch, wer kennt schon Zollkennzeichen?&lt;br /&gt;
Auch der zweite Wagen, der auf einmal vor uns auftauchte, konnte offensichtlich nichts mit gemalten wei&amp;szlig;en Ziffern auf rotem Grund anfangen und so waren es auf einmal vier Wagen um uns herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie geleiteten uns deutlichst zum n&amp;auml;chsten Rastplatz und dort sa&amp;szlig; ich dann zum ersten und hoffentlich letzten Mal in meinem Leben vor dem falschen Ende einer Maschinenpistole.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir konnten das dann alles einigerma&amp;szlig;en schnell erkl&amp;auml;ren und durften weiterfahren - aber die geneigte Leserin kann sich vielleicht vorstellen, dass unser aller Adrenalinspiegel erst einmal oben war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darunter leiden mussten dann die Insassen des n&amp;auml;chsten Streifenwagens, der uns eine halbe Stunde sp&amp;auml;ter anhielt. Dass wir alle nur hysterisch kicherten, als sie mit einem mehr oder weniger freundlichen &quot;Guten Tag, Ihre Papiere bitte&quot; ans Fenster traten, fanden sie nicht gut. Dass wir kein deutsches Geld bei uns hatten erst recht nicht&lt;br /&gt;
Meine Eltern konnten sie dann nur mit M&amp;uuml;he davon abhalten, uns den Wagen auf der Stelle stillzulegen und uns mitzunehmen. Immerhin war mein Vater 60 in der Ortschaft gefahren.&lt;br /&gt;
Fanden sie nicht so lustig wie wir.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:28:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2038/">
    <title>Die geballte Kraft der Revolution</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2038/</link>
    <description>Was die RAF dazu bewogen haben mag, trotz der deutlichen geschichtlichen Vorzeichen zu glauben, man k&amp;ouml;nne mittels eines bewaffneten Kampfes die Bev&amp;ouml;lkerung dazu bringen, die Politik zu &amp;auml;ndern, ist mir bis heute verborgen geblieben. Und vielen der damals aktiven RAFler sicher auch. Auch fragt man sich in der R&amp;uuml;ckschau, gegen was f&amp;uuml;r einen Terror sich die Protagonisten eigentlich wehren wollten? Sicher, die Gem&amp;uuml;tslage, was heute und was damals als Terror empfunden wurde, ist nicht vergleichbar. Damals reichte eine gesprengte Demo, um den Hass auf den Staat zu sch&amp;uuml;ren, heute wird selbst die l&amp;uuml;ckenlose &amp;Uuml;berwachung des Privaten klaglos hingenommen. Das damalige System kannte noch klare Feindbilder, die man heute, ausser bei der diffusen Angst vor &lt;i&gt;den Islamisten&lt;/i&gt;, vergeblich sucht. Ich habe aber ehrlich gesagt keine Ahnung, warum die Akteure des Terrors der 70er Jahre den Weg in die Gewalt gew&amp;auml;hlt haben. Vielleicht war es so eine Art &quot;Che Guevara&quot; Haltung, so eine romantisierte Vorstellung vom Kampf im Untergrund und so weiter. Mir fehlt da vielleicht die Phantasie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Frage w&amp;auml;re, wann die Deutschen eigentlich so weit w&amp;auml;ren, dass sie auf die Barrikaden gehen. Oder in den Untergrund. Wenn das Fernsehen zu teuer wird? Man nicht mehr reisen darf? Der Gesetzesdschungel, bestehend aus Terror,- Notstand,- Steuer,- und Abmahnungsrecht ist so dicht geworden, dass selbst dann mit einem Bein vorm Gericht steht, wenn man glaubt sich ans Gesetz gehalten zu haben. Verwundert stellt man fest, dass man verd&amp;auml;chtig ist, wenn man sich als guter B&amp;uuml;rger beim BKA dar&amp;uuml;ber informiert, wer denn so auf der Fahndungsliste steht. Wer das macht, darf damit rechnen, dass sich das BKA die Adresse des neugiergen B&amp;uuml;rgers besorgt und ihn mal durch den Computer laufen l&amp;auml;sst. Und dieser Vorfall ist innerhalb der letzten 15 Jahre nur der letzte gewesen. Wir haben den &quot;gro&amp;szlig;en Lauschangriff&quot;, die Finanz- und Sozialbeh&amp;ouml;rden k&amp;ouml;nnen nach Belieben Konten &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen, man unterliegt einem omin&amp;ouml;sen Finanzscoring, das einen in Schwierigkeiten bringen kann, wenn man in der falschen Stra&amp;szlig;e wohnt, Internetprovider filtern schon jetzt das Netz, s&amp;auml;mtliche Telefondaten, Mails und Netzbewegungen werden aufgezeichnet. Es ist ein Eingriff ins Pers&amp;ouml;nlichkeitsrecht eines Polizisten, wenn man diesen auf einer Demo filmt, aber die Polizei darf mit Videokameras &amp;uuml;berwachen. Und wehe man wird arbeitslos. Da kann einem schon der Gedanke kommen, was alles noch passieren muss, damit sich so etwas wie eine neue APO bildet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich liegt es am Terror der &amp;Ouml;konomie. Man l&amp;auml;sst sich jahrelang als willenloser Lohnsklave f&amp;uuml;r irgendwelche Firmen in den von Krankenkassen prognostizierten Herztod schicken. Der Job als die ultimative Selbstbest&amp;auml;tigung, mit gr&amp;ouml;&amp;szlig;tm&amp;ouml;glicher Fachidiotie. Die Spezialisierung als Individualisationsma&amp;szlig;nahme um die eigene Existenz zu rechtfertigen, da drau&amp;szlig;en, auf dem harten Arbeitsmarkt. Besch&amp;auml;ftigt man sich eben mit Powerpoint-Programmierung, dem Texten von Talkshowmanuskripten mit dem Titel &quot;Hilfe, ich habe meine Tage!&quot; oder dem Design einer neuen Erdnussflipst&amp;uuml;te. Und wenn man ehrlich ist, wei&amp;szlig; man das auch schon ganz lange, dass man da irgendeinen Murks fabriziert, dessen Existenz f&amp;uuml;r das eigene Wohlergehen unwichtig ist. Und man wunderte sich auch hier und da, dass so ein Schei&amp;szlig;, den man da produziert, tats&amp;auml;chlich auch noch bezahlt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir sind bequem geworden. Faul und Bequem. Altruismus ist was f&amp;uuml;r Weicheier und nach rechts und links schauen ist unbequem. Nur schnell die Leiter hoch, den eigenen Besitzstand wahren und um noch einen DVD Player erweitern. Man wundert sich nicht, wenn man vor Ersch&amp;ouml;pfung und psychischer Belastung mal zusammenklappt oder durch die gesunde Ern&amp;auml;hrung aus abwechselnd Burger King, Cola-Light und Hungerkuren mager- oder fetts&amp;uuml;chtig wird. Immer noch nicht, wenn die Geschw&amp;uuml;re im Magen eine gro&amp;szlig;e Party werfen, die Leber sich, dank der allabendlichen Abt&amp;ouml;tung durch diverse Alkoholika, mal einen Ruhepause g&amp;ouml;nnt, die Libido gefesselt und geknebelt auf dem Boden liegt und r&amp;ouml;chelt oder der Tinnitus fr&amp;ouml;hlich weiter pfeift.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bleibt wenig Zeit f&amp;uuml;r revolution&amp;auml;re Gedanken, aber vielleicht ist das auch gut so, denn f&amp;uuml;r den Gang in den Untergrund habe ich heute einfach keine Zeit mehr. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:16:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2037/">
    <title>Oh, du lieber Augustin</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2037/</link>
    <description>&lt;i&gt;Wien ist ein Aphrodisiakum f&amp;uuml;r Nekrophile&lt;br /&gt;
(Andr&amp;eacute; Heller)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sibylle war gern hier. Der Zentralfriedhof war f&amp;uuml;r sie der sch&amp;ouml;nste Ort in Wien. Sie f&amp;uuml;hlte sich immer unverstanden, wenn Freunde von ausw&amp;auml;rts den Kopf sch&amp;uuml;ttelten, weil sie ihnen als eines der Wahrzeichen den Wiener Zentralfriedhof zeigen wollte.&lt;br /&gt;
Sie war eine Frau in den besten Jahren, also knapp &amp;uuml;ber vierzig. Dank einer sensationellen Anw&amp;auml;ltin erfolgreich geschieden, von ihrem Mann gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig abgefunden und Eigent&amp;uuml;merin einer stilvollen Altbauwohnung im siebenten Wiener Gemeindebezirk. Als Unternehmensberaterin hatte sie einen Beruf, der sie ausf&amp;uuml;llte und ihr Spa&amp;szlig; machte. Mit ihrem Leben war Sibylle also ganz zufrieden.&lt;br /&gt;
Aber neben dem Leben mochte Sibylle auch den Tod. Deshalb zog es sie immer wieder hierher. Bei sch&amp;ouml;nem Wetter, denn sie liebte zwar die Trauer, aber die K&amp;auml;lte und N&amp;auml;sse hasste sie.&lt;br /&gt;
Am liebsten war sie am Friedhof, wenn Beerdigungen stattfanden. An diesen Tagen zog sie ihren schwarzen Rock, eine schwarze Bluse und schwarze Str&amp;uuml;mpfe an und mischte sich unter die Hinterbliebenen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Der freie Mensch denkt an nichts weniger als an den Tod; und seine Weisheit ist ein Nachsinnen &amp;uuml;ber das Leben.&lt;br /&gt;
(Spinoza)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sibylle bevorzugte Bestattungen mit sichtbarem, &amp;uuml;berw&amp;auml;ltigendem Schmerz. Der wurde am deutlichsten sp&amp;uuml;rbar, wenn Kinder oder junge Menschen begraben wurden. Sie bekam Herzklopfen und weiche Knie, wenn eine Mutter von den Totengr&amp;auml;bern zur&amp;uuml;ckgehalten werden musste, weil sie ihrem Kind am liebsten in das offene Grab folgen wollte. Oder ein junger Mann am Grab stand, der gerade seine Frau verloren hatte und stumm weinte, w&amp;auml;hrend sein Gesicht Fassungslosigkeit, Schmerz und unendliche Liebe spiegelte. Und wenn die Kinder verloren und voller Fragen, die sie nicht zu stellen trauten, selbst gezeichnete Bilder in die Grube warfen.&lt;br /&gt;
Es war nicht so, dass sie Freude empfand oder Genugtuung, wenn sie Szenen wie diese beobachtete. Ganz und gar nicht. Auch Sibylle litt. Trotzdem, wenn ihr dann endlich die Tr&amp;auml;nen &amp;uuml;ber die Wangen liefen, dann war da auch ein warmes, sattes Gef&amp;uuml;hl, dessen sie sich nicht einmal sch&amp;auml;mte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Quem dei diligunt, adulescens moritur - Wen die G&amp;ouml;tter lieben, den lassen sie jung sterben&lt;br /&gt;
(Titus Maccius Plautus)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anderen Beerdigungen, die Sibylle so liebte, waren die, zu denen kaum Leute kamen. Oder h&amp;ouml;chstens eine Nachbarin oder eine entfernte Kusine, die v&amp;ouml;llig abwesend wirkten. Diese Abschiede waren viel einsamer als die Begr&amp;auml;bnisse voller ohnm&amp;auml;chtiger Verzweiflung der Liebenden. Wenn sie dann so hinter dem Sarg des Verstorbenen herging und das Laub unter ihren F&amp;uuml;&amp;szlig;en raschelte, entstanden in ihrem Kopf Geschichten. Da sah sie obdachlose Penner, erfroren vor Bahnh&amp;ouml;fen, die aus Gr&amp;uuml;nden der &amp;ouml;ffentlichen Ordnung verschlossen blieben. Die alte Frau, die erst gefunden wurde, als Verwesungsgeruch durch den Briefschlitz drang. Den Studenten vom Land, der dem Tempo der Gro&amp;szlig;stadt und dem Druck der Universit&amp;auml;t nicht standhielt und sich in seinem Untermietzimmer das Leben nahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Ich f&amp;uuml;rchte, dass mein Tod nicht bemerkt wird, au&amp;szlig;er durch meine zur&amp;uuml;ckgelassene Unordnung.&lt;br /&gt;
(Armin Mueller-Stahl)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Prominentenbegr&amp;auml;bnissen ging sie nie und an den Ehrengr&amp;auml;bern blieb sie nicht stehen. Sie mochte das einfache Leben und den einfachen Tod. Sibylle wusste von den Toten in der Regel nicht mehr als in den Todesanzeigen stand. Sie wollte auch gar nicht mehr wissen, denn es waren nicht die wahren Geschichten, die sie so aufw&amp;uuml;hlten, sondern ihre erdachten.&lt;br /&gt;
Sie wollte dabei sein, wenn es um den Tod ging. Vielleicht, um sich zu vergewissern, dass es sie selbst wieder einmal nicht getroffen hatte.&lt;br /&gt;
Der Hang zur Morbidit&amp;auml;t floss seit jeher durch ihre Venen. Als kleines M&amp;auml;dchen war sie am liebsten bei der Tochter des Bestatters zum Spielen gewesen, schaurig fasziniert von den S&amp;auml;rgen und den ernsten Mienen. W&amp;auml;hrend andere Kinder dem Oster- und Weihnachtsfest entgegenfieberten, wartete sie sehns&amp;uuml;chtig auf Allerheiligen. Und wenn ihre Mitsch&amp;uuml;lerinnen einander &quot;Mach es wie die Sonnenuhr, z&amp;auml;hl die heit&amp;acute;ren Stunden nur&quot; ins Poesiealbum schrieben, so entschied sie sich f&amp;uuml;r Spr&amp;uuml;che aus den Todesanzeigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Wie ein Blatt vom Baume f&amp;auml;llt,&lt;br /&gt;
So f&amp;auml;llt ein Mensch aus seiner Welt,&lt;br /&gt;
Die V&amp;ouml;gel singen weiter.&lt;br /&gt;
(Matthias Claudius)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft malte Sibylle sich ihr eigenes Begr&amp;auml;bnis aus. Eine richtig sch&amp;ouml;ne Leich, wie man hier sagte, wollte sie. Alle in Schwarz und ein Kranz mit wei&amp;szlig;en Rosen auf dem Sarg. Mozarts Requiem. Totengr&amp;auml;ber mit langen zerfurchten Gesichtern. Die weinerliche Stimme von Pater Gregor, der die &quot;liebe Verstorbene&quot; huldigte und Freunde, die ihr mit feuchten Augen ein Sch&amp;auml;uferl Erde ins Grab nachschmissen, w&amp;auml;hrend der Geistliche sagte: &quot;Asche zu Asche, Staub zu Staub.&quot; Und die Tr&amp;auml;nen w&amp;uuml;rden in Str&amp;ouml;men flie&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;
Auf jeden Fall sollte keine kalte Platte aus Marmor auf ihr liegen. Nur feuchte, weiche Erde w&amp;uuml;rde ihren Sarg bedecken. Und darauf wundersch&amp;ouml;ne Kr&amp;auml;nze mit r&amp;uuml;hrenden Abschiedsworten auf den Trauerschleifen. &quot;Wir werden dich nie vergessen&quot;. Danach w&amp;uuml;rden sie alle beim Wirten sitzen zum Leichenschmaus. Wiener Schnitzel mit Erd&amp;auml;pfelsalat. Zur Nachspeise Apfelstrudel. Und viel Wein. Den w&amp;uuml;rden sie auf Sibylle trinken. Die Traurigkeit m&amp;uuml;sste dann dem Lachen weichen und irgendjemand das Wienerlied &quot;Es wird ein Wein sein, und wir wer&amp;acute;n nimmer sein...&quot; anstimmen. Wahrscheinlich der Onkel Franz.&lt;br /&gt;
Eigentlich schade, dass sie das alles nicht mehr erleben konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Rien, je ne regrette rien&lt;br /&gt;
(Edith Piaf)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
w&amp;uuml;rde auf der Todesanzeige, die hier Partezettel hie&amp;szlig;, stehen. Gleich neben dem Foto, das sie an ihrem vierzigsten Geburtstag aufgenommen hatte. Mit Selbstausl&amp;ouml;ser auf dem Zentralfriedhof. Rien de rien. Ich bereue nichts.

&lt;center&gt;*&lt;/center&gt;

&quot;Die Angst vor dem Scheintod veranlasste Manchen anzuordnen, dass nach seinem Tod durch die Vornahme des Herzstichs die M&amp;ouml;glichkeit des Lebendig-Begraben-Werdens ausgeschlossen wurde. Der Herzstich durfte jedoch ausschlie&amp;szlig;lich von einem Arzt und erst nach der Totenbeschau vorgenommen werden&quot; , erkl&amp;auml;rte der Museumsreferent bestimmt schon zum tausendsten Mal.&lt;br /&gt;
Sibylle betrachtete gerade ein Stilett mit Holzgriffen und Stahlklinge, entstanden um 1900. Wenn der Sp&amp;auml;therbst sich mit seinen feuchten kalten Nebeln &amp;uuml;ber Wien legte, dann wurden Sibylles Besuche auf dem Friedhof seltener und die im Wiener Bestattungsmuseum h&amp;auml;ufiger.&lt;br /&gt;
&quot;Sie sind nicht zum ersten Mal hier, nicht wahr?&quot; fl&amp;uuml;sterte ihr ein Mann zu, der sie schon eine ganze Zeit von der Seite betrachtet hatte. Erschrocken blickte sie auf.&lt;br /&gt;
&quot;Ich?&quot; Sie l&amp;auml;chelte verlegen und stammelte: &quot;Nein ... ich ... wieso ... wie kommen Sie darauf?&quot; Sie f&amp;uuml;hlte sich ertappt.&lt;br /&gt;
&quot;Oh!&quot; Er grinste liebenswert. &quot;Ich habe ihre Lippen beobachtet. Und nicht nur, weil sie so sch&amp;ouml;n rot sind, sondern, weil sie gleichzeitig mit dem Museumsf&amp;uuml;hrer seinen Text gesprochen haben.&quot;&lt;br /&gt;
Sie sch&amp;auml;mte sich. Er w&amp;uuml;rde sie jetzt wahrscheinlich f&amp;uuml;r eine Verr&amp;uuml;ckte halten, die nichts anderes zu tun hatte, als sich in ihrer Freizeit im Bestattungsmuseum herumzutreiben. Dabei stimmte das gar nicht, sie war ja meistens auf dem Friedhof. Die Geschichten hier waren zwar skurriler als die ausgedachten vom Friedhof, aber der Tod drau&amp;szlig;en f&amp;uuml;hlte sich lebendiger an.&lt;br /&gt;
Der Mann war etwas j&amp;uuml;nger als sie und sah gut aus. Gro&amp;szlig; und schlank war er und dunkelblond. Sibylle err&amp;ouml;tete und &amp;uuml;berlegte sich gerade eine &amp;uuml;berzeugende Erkl&amp;auml;rung, doch er sprach einfach weiter.&lt;br /&gt;
&quot;Ein sch&amp;ouml;nes Stilett, nicht wahr? Wussten Sie, dass Arthur Schnitzler und Johann Nestroy den Herzstich testamentarisch verf&amp;uuml;gt haben?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Die Doctoren - selbst wenn sie einen umgebracht haben - wissen nicht einmal gewi&amp;szlig;, ob man todt ist.&lt;br /&gt;
(Nestroy)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nat&amp;uuml;rlich wusste sie das, sie war ja nicht zum ersten Mal hier.&lt;br /&gt;
&quot;B&amp;ouml;sendorfer auch&quot;, sagte sie und die Faszination am Tod hatte ihre vor&amp;uuml;bergehende Scham besiegt. &quot;Sie wissen schon, der ber&amp;uuml;hmte Klavierbauer.&quot; Er nickte. Er wusste. &quot;Kommen Sie mit, ich zeig Ihnen etwas!? Sibylle nahm den Fremden einfach an der Hand und f&amp;uuml;hrte ihn in den Nebenraum.&lt;br /&gt;
&quot;Mein Lieblingsst&amp;uuml;ck&quot;, sagte sie, als sie vor dem Josephinischen Gemeindesarg standen, einem Holzsarg mit Bodenklappen und einem &amp;Ouml;ffnungsmechanismus aus Schmiedeeisen.&lt;br /&gt;
&quot;Der Verblichene wurde nackt in einen Leinensack gen&amp;auml;ht und in diesem Sarg deponiert. Dann wurde der Sarg auf das Grab gestellt, der Totengr&amp;auml;ber klappte den Boden auf und der Leinensack plumpste ins Grab hinein&quot;, erkl&amp;auml;rte Sibylle voller Leidenschaft und er lauschte mit offenem Mund. &quot;Sparpolitik anno 1784&quot;, f&amp;uuml;gte sie noch l&amp;auml;chelnd hinzu.&lt;br /&gt;
&quot;Ich bin &amp;uuml;brigens der August&quot;, sagte er, noch immer mit einem Grinsen auf dem Gesicht.&lt;br /&gt;
&quot;Oh, der lieber Augustin!&quot;, antwortete sie und sie strahlten einander an. Jeder hier kannte die mythische Figur des S&amp;auml;ngers Augustin, der in einer Pestgrube &amp;uuml;bernachtete, um dann fr&amp;ouml;hlich weiter zu singen.&lt;br /&gt;
&quot;Ich hei&amp;szlig;e Sibylle.&quot; Sie wollte ihm gerade die Hand entgegenstrecken, als sie bemerkte, dass sie die seine w&amp;auml;hrend des Monologs die ganze Zeit gehalten hatte.&lt;br /&gt;
&quot;Komm, wir gehen wieder zur Gruppe, ja?&quot; Vorsichtig entzog sie sich ihm und schaute auf die Uhr. &quot;Jetzt kommt n&amp;auml;mlich gleich die grausige Geschichte von den Pestopfern.&quot;&lt;br /&gt;
Der Museumsf&amp;uuml;hrer erz&amp;auml;hlte erst von der Pest und sp&amp;auml;ter von alten und neuen Beerdigungsriten. Sie lauschten und f&amp;uuml;hlten, wie ihre Herzen ein bisschen heftiger pochten als noch eine halbe Stunde zuvor. Und das lag nicht nur an den makabren Geschichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Stirbt ein Bediensteter w&amp;auml;hrend einer Dienstreise, so ist damit die Dienstreise beendet.&lt;br /&gt;
(Bundesreisekostengesetz 1973)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drau&amp;szlig;en regnete es in Str&amp;ouml;men. Sie standen da und sahen einander an. &quot;Gehen wir noch auf einen Kaffee?&quot; fragte sie fast ein bisschen scheu.&lt;br /&gt;
&quot;Nur, wenn du mich an der Hand nimmst.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich glaub, das geht&quot;, sagte sie, griff nach seiner Hand und sie rannten zum Kaffeehaus um die Ecke und sangen dabei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Rock ist weg, Stock ist weg&lt;br /&gt;
Augustin liegt im Dreck,&lt;br /&gt;
Oh du lieber Augustin, alles ist hin&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sibylle war nicht blo&amp;szlig; zufrieden. Dies war einer der wenigen Momente, in denen Sibylle gl&amp;uuml;cklich war.&lt;br /&gt;
&quot;Hast du eigentlich Angst vor dem Tod?&quot; fragte August, w&amp;auml;hrend sie ihm durchs nasse dunkle Haar strubbelte und die Tropfen in ihren Kaffee spritzen.&lt;br /&gt;
&quot;Nein. Hab ich nicht.&quot; Ihre Antwort kam schnell, aber wenig &amp;uuml;berzeugend. In Wahrheit mischte Angst davor sich mit der Sehnsucht danach.&lt;br /&gt;
&quot;Magst du Friedh&amp;ouml;fe?&quot; fragte sie und er nickte.&lt;br /&gt;
&quot;Ich bin oft auf dem Grinzinger Friedhof drau&amp;szlig;en&quot;, sagte August. &quot;Meine Eltern sind dort begraben. M&amp;ouml;chtest du mitkommen n&amp;auml;chste Woche?&quot; Ja. Sie mochte.&lt;br /&gt;
Sie tranken ihren Kaffee und dachten nach. Und redeten. &amp;Uuml;ber den Tod haupts&amp;auml;chlich. Aber, weil der Tod ein Teil vom Leben war, auch &amp;uuml;bers Leben. Und &amp;uuml;ber den Sinn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Das, was dem Leben Sinn verleiht, gibt auch dem Tod Sinn.&lt;br /&gt;
(Antoine de Saint-Exup&amp;eacute;ry)&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie waren oft in dem Kaffeehaus. Meistens an Freitagen, an denen das Wetter ihren Friedhofsbesuchen einen Strich durch die Rechnung machte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann, der Winter war l&amp;auml;ngst vorbei, sa&amp;szlig;en sie wieder hier.&lt;br /&gt;
&quot;Hast du Angst vor dem Tod?&quot; Diesmal war es Sibylle, die diese Frage stellte. August f&amp;uuml;tterte sie mit Topfenstrudel und sagte z&amp;auml;rtlich:&lt;br /&gt;
&quot;Ja. Hab ich.&lt;br /&gt;
Vor deinem.&quot;</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:14:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2039/">
    <title>Hei&amp;szlig;er Herbst 77</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2039/</link>
    <description>Menschen werden in ihrer Jugend gepr&amp;auml;gt, davon bin ich &amp;uuml;berzeugt. Es sind die Dinge dieser kurzen Zeit - die Filme und B&amp;uuml;cher, auch die Begegnungen, die Freunde und die Lehrer sogar - die in gewisser Weise f&amp;uuml;r immer bleiben. Deutlich mehr als alles andere, was danach noch kommen mag. Das verbla&amp;szlig;t, da bleiben nur die H&amp;ouml;henfl&amp;uuml;ge, hier und da. Und die H&amp;auml;rten vielleicht. Alles andere ist, wie man heute in vielen Blogs sehr sch&amp;ouml;n nachlesen kann, Alltag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erinnere mich nicht gern, das gebe ich zu. Die 70er, das ist meine Zeit, Doch es war keine gute Zeit, nicht f&amp;uuml;r mich. Aber darum geht es ja hier nicht, zum Gl&amp;uuml;ck. Also.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Eltern, Kriegskinder und Nachkriegsjugendliche, finden unter &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer&quot;&gt;Adenauer&lt;/a&gt; zusammen. Wirtschaftswunderlinge, w&amp;auml;hrend im fernen &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg&quot;&gt;Vietnam&lt;/a&gt; bereits ein neuer Krieg reift. Die Amtszeit des alten Rh&amp;ouml;ndorfers neigt sich dem Ende zu, als ich geboren werde. Ich bin ein Kleinkind, als sich &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Georg_Kiesinger&quot;&gt;Herr Dr. Kiesinger&lt;/a&gt; &amp;ouml;ffentlich ohrfeigen lassen mu&amp;szlig;. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Beate_Klarsfeld&quot;&gt;Beate Klarsfeld&lt;/a&gt; bekommt daraufhin von einem &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_B%C3%B6ll&quot;&gt;bekannten deutschen Schriftsteller&lt;/a&gt;, der sp&amp;auml;ter den Nobelpreis erhalten wird, einen Strau&amp;szlig; Rosen, und ein &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Grass&quot;&gt;anderer bekannter deutscher Schriftsteller&lt;/a&gt;, der sp&amp;auml;ter ebenfalls den Nobelpreis erhalten wird, &amp;auml;u&amp;szlig;ert sich abf&amp;auml;llig dar&amp;uuml;ber. Kurz bevor mein kleiner Bruder geboren wird, stirbt &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Ohnesorg&quot;&gt;Benno Ohnesorg&lt;/a&gt;, ohne da&amp;szlig; ich davon wei&amp;szlig;. Im Jahr darauf wird &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Dutschke&quot;&gt;Rudi Dutschke&lt;/a&gt; niedergeschossen. Ich bin noch nicht einmal in der Schule. Selbst da&amp;szlig; es andere L&amp;auml;nder und sogar andere Sprachen gibt, in &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Mai_68&quot;&gt;Paris&lt;/a&gt; zum Beispiel, habe ich noch nicht wirklich begriffen. Das alles l&amp;auml;&amp;szlig;t sich zwar nachlesen, aber es geh&amp;ouml;rt nicht zu mir. Bis heute nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin ein Kind der 70er. Krieg und Diktatur ist allgegenw&amp;auml;rtig. Man redet &amp;uuml;ber Vietnam, &amp;uuml;ber Chile, Mexiko und Argentinien, &amp;uuml;ber den &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Naher_Osten&quot;&gt;Nahen Osten&lt;/a&gt;. Auch in den Schulen, so tickt der Geist der Zeit. Und es ist eine hei&amp;szlig;e Zeit, die heute seltsamerweise mit &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kalter_Krieg&quot;&gt;einer gro&amp;szlig;en, umfassenden K&amp;auml;lte&lt;/a&gt; in Zusammenhang gebracht wird. Rex Gildo singt dazu von der Fiesta Mexicana, w&amp;auml;hrend meine Mutter den Flokati k&amp;auml;mmt. Hossa! Daneben sind die Blumenkinder hip und werden deshalb Hippies genannt. Auch meine Mutter nennt mich so, als es ihr nicht mehr gelingt, mich sonntags in wei&amp;szlig;e Kniestr&amp;uuml;mpfe zu zwingen. Ich wei&amp;szlig; nicht genau, was sie damit meint. Doch sp&amp;uuml;re eine gewisse Verachtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sp&amp;auml;ter, in den 80ern, n&amp;auml;here ich mich dann dem Punk. Meine Mutter sagt dazu nichts. Wir reden kaum mehr ein Wort miteinander. Andere sind l&amp;auml;ngst &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Hei%C3%9Fer_Herbst&quot;&gt;friedensbewegt&lt;/a&gt;, was mich vorwiegend am&amp;uuml;siert. Auch wenn ich hier und da dabei bin, das will ich nicht verschweigen. Mein Ding ist das nicht. Doch das soll das ja hier nicht das Thema sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 70ern h&amp;auml;ngen Post&amp;auml;mtern, Telefonzellen und an Stra&amp;szlig;enbahnhaltestellen &amp;uuml;ber Jahre hinweg, wie mir scheint, die Fahndungsbl&amp;auml;tter mit den rot umrahmten Pa&amp;szlig;bildern der &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Armee_Fraktion&quot;&gt;Terroristen&lt;/a&gt;. Ab und zu werden die Bilder durch neuere Aufnahmen ersetzt. Immer h&amp;auml;ufiger sind auch einzelne Gesichter per Hand dick und schwarz ausgeixt. Morgens auf dem Weg zur Schule lese ich immer wieder die Namen an der Haltestelle. Sie pr&amp;auml;gen sich ein, das l&amp;auml;&amp;szlig;t sich nicht vermeiden. Auch wenn mir das alles unendlich weit weg erscheint. In der Schule sind zwar Bombendrohungen an der Tagesordnung. Das ist in dieser Zeit einfach effektiver als der althergebrachte Feueralarm, um sich und alle anderen vor dem Unterricht zu dr&amp;uuml;cken. (Vielleicht ist es ja derzeit gerade wieder genauso? Eine wiederkehrende Mode? Keine Ahnung, aber passen w&amp;uuml;rde es.) Regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig stehe ich mit dem Rest der Sch&amp;uuml;lerschaft hinten auf dem Sportplatz und warte darauf, da&amp;szlig; wir wieder eingelassen werden. Das ist wie ein Ritual, das von vorne bis hinten durchgef&amp;uuml;hrt werden mu&amp;szlig;. Daran f&amp;uuml;hrt kein Weg vorbei, aber ernst nimmt das niemand. Alle wissen Bescheid. Denke ich. Bis eine Mitsch&amp;uuml;lerin Angst und Abscheu bekundet und dar&amp;uuml;ber spekuliert, ob die Terroristen nicht vielleicht gleich hinten &amp;uuml;ber die Hecke auf uns schie&amp;szlig;en w&amp;uuml;rden. Ein absurder Gedanke, das ist sofort mir klar. Obwohl ich mir pl&amp;ouml;tzlich mehr sicher bin. Ich wei&amp;szlig;, noch im selben Moment, da&amp;szlig; da mehr ist. Da&amp;szlig; da mehr sein mu&amp;szlig;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ich durchaus nicht ver&lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Bild_(Zeitung)&quot;&gt;bild&lt;/a&gt;et bin. Zu Hause gibt es zwar &amp;uuml;berhaupt keine Zeitung, also auch keine Bildzeitung. Immerhin. Im roten Ruhrgebiet hat man daf&amp;uuml;r den vermeintlich roten &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Stern_(Zeitschrift)&quot;&gt;Stern&lt;/a&gt;. Eine Illustrierte, wie es damals hei&amp;szlig;t. Also ebenfalls mit &amp;uuml;bertrieben vielen Bildern versehen. Das ist trotzdem gar nicht so schlecht. Ich zumindest schaue immer &amp;ouml;fter da hinein. Nicht nur die Bilder, ich lese auch. Trotzdem wird zu Hause, wie fast &amp;uuml;berall, von der &quot;Baader-Meinhof-Bande&quot; gesprochen, nicht etwa von der &quot;Roten-Armee-Fraktion&quot;. Eine &quot;Bande&quot;, das ist mir irgendwie vertraut. Das hat zum einem etwas spielerisch, kindliches. Dar&amp;uuml;ber hinaus ist es nat&amp;uuml;rlich verrucht. Banden bilden, so etwas tun doch nur Verbrecher. Mein Vater wagt es, ein einziges Mal, davon zu reden, da&amp;szlig; er Texte von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Ulrike_Meinhof&quot;&gt;Ulrike Meinhof&lt;/a&gt; gelesen hat, denen er durchaus zustimmen konnte. Fr&amp;uuml;here Texte nat&amp;uuml;rlich, vermutlich zu einem sp&amp;auml;teren Zeitpunkt im Stern ver&amp;ouml;ffentlich. Wo sonst h&amp;auml;tte er darauf sto&amp;szlig;en k&amp;ouml;nnen? Aber das will niemand h&amp;ouml;ren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Herbst&quot;&gt;Herbst 1977&lt;/a&gt; wird alles anders. Die Menschen kleben an den Nachrichten, wochen-, monatelang. &amp;Uuml;berall laufen die Radios und Fernsehger&amp;auml;te. Ich bin vierzehn und habe andere Sorgen. Eigentlich. Doch das, was nun geschieht, geht auch an mir nicht spurlos vor&amp;uuml;ber. Ich werde in die Welt hineingezogen, ohne da&amp;szlig; ich es merke. Ohne, da&amp;szlig; ich es will. Die Toten davor haben mich wenig interessiert. Doch auf einmal gibt es Zusammenh&amp;auml;nge. Es geschieht Geschichte, das wei&amp;szlig; ich heute. Damals ist es nur eine eigenartige Verdichtung der Zeit. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Martin_Schleyer&quot;&gt;Hanns Martin Schleyer&lt;/a&gt; wird entf&amp;uuml;hrt und ermordet, die &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Flugzeugentf%C3%BChrung_der_Landshut&quot;&gt;Landshut&lt;/a&gt; wird entf&amp;uuml;hrt und irrt in der Welt umher. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Todesnacht_von_Stammheim&quot;&gt;Die Selbstmorde&lt;/a&gt;. Selbstmorde? Alles ist schief, h&amp;auml;ngt irgendwie daneben. Nichts funktioniert in diesem Herbst. Fast nichts. Die Befreiung der Passagiere in Mogadischu immerhin. Das ist beinah eine &amp;Uuml;berraschung. Die Erleichterung ist deutlich zu sp&amp;uuml;ren, &amp;uuml;berall. In den Medien, wie auf der Stra&amp;szlig;e. Doch wer wei&amp;szlig; schon, was und wie genau. Die Details, die Gr&amp;uuml;nde. Und die Abgr&amp;uuml;nde. Bis heute nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sp&amp;auml;ter lese ich die Reportage im Stern. Ich sehe auch die Bilder. Doch vor allem sind es wieder die Namen von Menschen und von Orten, die sich tief in mich einpr&amp;auml;gen. Darunter der des Flugkapit&amp;auml;ns &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Schumann&quot;&gt;J&amp;uuml;rgen Schumann&lt;/a&gt;, dessen Leiche &amp;uuml;ber eine Notrutsche aufs Rollfeld geworfen wurde, als sie in der Hitze der Maschine allzu schnell zu stinken begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Buchhinweis: Butz Peters: &quot;T&amp;ouml;dlicher Irrtum, Die Geschichte der RAF&quot;, Argon Verlag GmbH</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:19:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2036/">
    <title>Der Grundschulguerilla</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2036/</link>
    <description>Im Jahr 1989, als die 47 H&amp;auml;ftlinge der RAF in den Hungerstreik traten, sa&amp;szlig; ich vermutlich gerade in meinem Kinderzimmer und spielte mit He-Man Figuren, die ich meinem reichen Kindergartenfreund aus Neid geklaut hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kleine Amerikaner war f&amp;uuml;r mich damals das reichste Kind der Welt und lebte in einem Palast aus Spielzeug, das mir meine Eltern nicht einmal unter Androhung von Hungerstreik gekauft h&amp;auml;tten. Actionfiguren und abgefahrene Zeichentrickserien waren also das Einzige, was mich damals interessiert hat. Aber auch wenn ich nicht aktiv von den Ereignissen rund um die Rote Armee Fraktion erfahren habe, muss es dennoch einen unterbewussten Einfluss auf mich gehabt haben. Denn sp&amp;auml;testens ein Jahr nach meiner Einschulung wurde mir klar - ich werde Widerstandsk&amp;auml;mpfer! Dieses System der Noten und Arschkriecherei war mir, dem selbsterkl&amp;auml;rten Rebellen der 1A, schon immer zuwider und die aufgestaute Abneigung gegen&amp;uuml;ber der tyrannischen Klassenlehrerin gipfelte schlussendlich in einem lautstarken Herausbr&amp;uuml;llen meiner politischen Forderungen - inklusive theatralischem Weinkrampf. Dieser brachte mich jedoch leider nicht viel weiter als bis vor die T&amp;uuml;r der Klasse f&amp;uuml;r mein erstes Verh&amp;ouml;r inklusive Verurteilung zu mehrseitiger Strafarbeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch damit wollte ich mich nicht zufrieden geben und so trat ich als einsamer K&amp;auml;mpfer meinen Feldzug durch zwei Grundschulen, ein Gymnasium und eine Wirtschaftsschule an. Von Verweisen wegen Vergessen des Turnbeutels &amp;uuml;ber mehrst&amp;uuml;ndigen Diskussionen meines Rechts, eine Schirmm&amp;uuml;tze zu tragen - ich durchlief das volle Programm. Zuletzt verlor ich an der Berufsschule die Lust am Widerstandskampf und quittierte dies mit konsequenter Resignation und lautstarkem Schnarchen. Der soziale Aufstieg war somit unwiderruflich vorprogrammiert. Mittlerweile arbeite ich in einem gro&amp;szlig;en Versicherungsunternehmen und alles, was von meinem Rebellendasein &amp;uuml;brig ist, sind ein paar Rage against the machine CDs und das stille Feuer in meinen Augen, das nur noch auflodert, wenn ich betrunken dar&amp;uuml;ber philosophiere, warum die Deutschen nicht aufstehen und sich wehren oder was ich am liebsten alles besser, gerechter - utopischer machen w&amp;uuml;rde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist geblieben von der RAF und der Ideologie des Widerstands des Volkes?&lt;br /&gt;
In Zeiten der Informationsflut, angeblicher und realer Bedrohungen, sind wir Deutschen m&amp;uuml;de geworden, reagieren mit Entsetzen, wenn in Paris die Autos brennen und m&amp;ouml;chten uns nicht mehr einmischen, sondern uns nur noch zur&amp;uuml;cklehnen und besch&amp;uuml;tzen lassen. Ob man die Gewalt guthei&amp;szlig;en mag oder nicht - wo fr&amp;uuml;her Steine flogen und Menschen zu Massen gegen den Imperialismus protestierten, schweigt heute das Volk, wenn Politiker &amp;uuml;ber eine &amp;Auml;nderung des Grundgesetzes, gezielte T&amp;ouml;tung und Bundeswehreins&amp;auml;tze innerhalb Deutschlands diskutieren, Festplatten von Privatpersonen durchsuchen und Passagierflugzeuge ohne eindeutige rechtliche Grundlage abschiessen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Meinungen &amp;uuml;ber die Taten der RAF gehen weit auseinander: von sinnlosen Morden bis zur Glorifizierung wurden schon sehr viele Ansichten vertreten. Aber auch wenn sie die Geschichte Deutschlands definitiv beeinflusst haben, habe ich davon doch recht wenig mitbekommen. Doch dass ich dem verh&amp;auml;tschelten, amerikanischen Kapitalistenkind seine He-Man Actionfigur abgenommen habe, das finde ich auch heute noch mehr als gerecht.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:12:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2041/">
    <title>Sicht eines Sp&amp;auml;tgeborenen</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2041/</link>
    <description>&lt;b&gt;Frage: &quot;Zukunft: Ab wann gibt es eine Legitimierung f&amp;uuml;r RAF? Kann es sowas &amp;uuml;berhaupt geben? &quot;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ab wann&quot; impliziert f&amp;uuml;r mich, dass wir uns schon l&amp;auml;ngst auf einer Bahn befinden, die die RAF legitimierbar macht; wir m&amp;uuml;ssten nur noch einen bestimmten Punkt auf dieser Bahn erreichen. Das w&amp;auml;re dann keine Frage der Qualit&amp;auml;t -- was ist die RAF, wie sind die Umst&amp;auml;nde --, sondern nur noch der Quantit&amp;auml;t: Sind die Umst&amp;auml;nde inzwischen so schlimm oder revolution&amp;auml;r erfolgsversprechend, oder werden sie in absehbarer Zeit so schlimm oder revolution&amp;auml;r erfolgsversprechend sein, dass man die Strategien der RAF vertretbar nennen kann? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei war die Katastrophe der RAF keine Frage der quantitativen, sondern der qualitativen Differenz zur Wirklichkeit. Man kann nicht mit Stadtguerilla die kapitalistische Totalit&amp;auml;t, mit Geiselnahmen den Staat, mit Autobomben einen vermeintlichen US-Imperialismus st&amp;uuml;rzen. Das Konzept war damals in be&amp;auml;ngstigend l&amp;auml;cherlichem Ma&amp;szlig;e mit der Realit&amp;auml;t&lt;br /&gt;
inkompatibel, ist es heute weiterhin und wird es auch morgen noch sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei aller Sympathie mit sozialen und politischen Utopien: Im Fall der RAF braucht die Frage, ob Gewalt nicht vielleicht im Sinne der Revolution oder im Angesicht der schlimmen Zust&amp;auml;nde legitimierbar w&amp;auml;re, nicht einmal gestellt zu werden. Selbst der gewaltfreudigste Revoluzzer w&amp;uuml;rde zustimmen, dass Gewalt einer Revolution nicht zielgerichtet dienen&lt;br /&gt;
kann, wenn sie strategisch voll daneben liegt. So kann ich mir keinen auch nur halbwegs in der Realit&amp;auml;t unserer Welt fu&amp;szlig;enden Ma&amp;szlig;stab vorstellen, nach dem die RAF jemals, unter welchem gesellschaftlichen Extremalwert auch immer, legitimierbar w&amp;auml;re.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Frage: &quot;R&amp;uuml;ckblick: Hat das alles was gebracht? Kann sich einer eigentlich noch an die Ziele der RAF erinnern?&quot;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 68er im Ganzen haben betr&amp;auml;chtliche gesellschaftliche Emanzipationsgewinne mit sich gebracht, die RAF f&amp;uuml;r sich allein aber hat keinen einzigen gesellschaftlichen Emanzipationsgewinn in ihrem Sinne erzielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein gesellschaftlicher Nutzen der RAF, den man herbei spekulieren k&amp;ouml;nnte, w&amp;auml;re ihr Ausstrapazieren der Toleranzschwellen des Rechtsstaats. Die RAF wollte, dass der Rechtsstaat an ihr zusammenfalle. Und tats&amp;auml;chlich hat sie einige unangenehme Irritationen in ihm ausgel&amp;ouml;st. Aus diesen mag der Rechtsstaat reicher an Erfahrungen und Stabilit&amp;auml;t hervorgegangen sein, oder reicher an paranoischen Kontroll-Instrumenten, zu unserem Vor- oder Nachteil. Nur kollabiert ist er ganz gewiss nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht war die RAF einfach eine notwendige Feuerprobe der bundesdeutschen Nachkriegsdemokratie? Wie erst s&amp;auml;he der politische Umgang mit Gefahren des Terrorismus heute ohne diese Vorerfahrungen aus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schreibe das alles als arg Sp&amp;auml;tgeborener, Jahrgang &apos;84 (Ost). Aber ich war in meiner Jugendzeit sehr stark links gepr&amp;auml;gt, in meinen Assoziationen sogar tendenziell linksradikal. In diesem Umfeld rezipierten wir die RAF r&amp;uuml;ckblickend enorm und auch recht sympathisierend. Nicht selten lief bei uns dieses &quot;WIZO&quot;-Lied rauf und runter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rote Armee Fraktion, /&lt;br /&gt;
Ihr wart ein geiler Haufen! /&lt;br /&gt;
Rote Armee Fraktion, /&lt;br /&gt;
mit euch ist was gelaufen! /&lt;br /&gt;
Rote Armee Fraktion, /&lt;br /&gt;
ich fand euch immer spitze! /&lt;br /&gt;
Leider war ich noch zu klein /&lt;br /&gt;
um bereits bei euch dabei zu sein ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Schulunterricht konnten wir unseren Interessen fr&amp;ouml;hnen. Wir hatten breite Gelegenheit, linke Autoren zu lesen, mit besonderen Interesse-Schwerpunkten auf den hei&amp;szlig;en, aufregenden Zeiten in Westdeutschland in den 60ern und 70ern. Zwischen Unmengen Erich Fried, Heinrich B&amp;ouml;ll und anderen rutschte dann auch immer mehr Zeitgeschichtskontext in die Deutsch-Stunden hinein, bis hin zu mehrteiligen TV-Dokumentationen &amp;uuml;ber die RAF, die wir begeistert und romantisch verschlangen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der logische H&amp;ouml;hepunkt jeder individuellen RAF-Begeisterung war aber stets der Erwerb von Stefan Austs roter Bibel &quot;Der Baader Meinhof Komplex&quot;, die sich scheinbar so gut als Vorzeigeobjekt in der S-Bahn-Lekt&amp;uuml;re oder in der Regalzeile machte. Wenn man allerdings ein Weilchen drin gelesen hatte, setzte ruppige Desillusionierung ein, die detaillierte Zergliederung der RAF in einen Haufen psychisch verkorkster B&amp;uuml;rgerkinder als Gewaltt&amp;auml;tern mit ganz besonders verwirrter&lt;br /&gt;
Ideologieverbohrtheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es tat sein &amp;Uuml;briges, bei Antifa-Aktivit&amp;auml;ten eine auf den ersten Blick so irritierende und auf den zweiten Blick eigentlich ganz konsequente RAF-Lebenslauffortsetzung wie Horst Mahler auf der Gegenseite zu wissen. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-10-02T15:24:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0310/stories/2035/">
    <title>Test</title> 
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    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
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