
Rezepte für eine Person
von SvenK
Ein Paar und einen heimlichen Hausfreund. Vier Personen sind in der Regel zwei Paare. Das Gastgeberpaar und das Gastpaar. Wird Essen erst Thema, wenn man verpaart ist? Wenn das Schweigen und damit Langeweile in die Beziehungen eingezogen ist und man deswegen immer und in allem Ablenkung braucht, um Unverfängliches zu sagen, wie: "die Avocado-Mousse an Balsamico-Erdbeeren war echt voll der Hammer" statt "ich wäre schon seit Jahren gern mal allein mit Deinem Mann?"
Teile ein Rezept für vier durch zwei, koche - und du hast ein Candlelight-Dinner für zwei. Ja, auch einzelne Paare bekochen einander. "Weil es zu zweit eben Sinn macht", sagen viele, die ich danach frage. Sinn. Warum macht Kochen für zwei Sinn? Weil das Schweigen und damit Langeweile in die Beziehung eingezogen ist und Paare dann vor allem Ablenkung brauchen, um beim Abendessen bei der Tagesschau Unverfängliches zu sagen, wie: "das Schweinefilet à l'Orange war echt voll der Hammer" statt "warum schlafen wir eigentlich nur noch zweimal im Jahr miteinander?"
Ist Essen also Paarsache?
Teile ein Rezept für vier durch vier und du kannst dich selbst bekochen. Aber tust du das? Bekochst du dich selbst? Kochen wir für uns selbst ein Drei-Gänge-Menü, richten wir dann den Tisch schön her, machen Kerzen an und setzen uns mit uns selbst an die Tafel? Die meisten, die ich diesbezüglich frage, antworten mit nein, als hätte ich sie etwas völlig Lächerliches gefragt. "Wozu denn?" sagen die Leute dann, und: "Ich schicke mir ja auch selbst keine Bücher von seiner AMAZON-Wunschliste in Geschenkpapier - mit einem kleinen Kärtchen dabei: 'Von mir für mich. Danke, dass es mich gibt. Ich verspreche mir: ich lebe gern mit mir und hoffe, das geht noch ganz, ganz lange.' Mache ich ja auch nicht", sagen die Leute. "Warum eigentlich nicht?" denke ich dann immer. Warum schenken wir uns nichts von unserer AMAZON-Wunschliste? In Geschenkpapier. Mit Kärtchen. Die Gesamtausgaben von Strindberg und Ibsen in Herzchenpapier mit Diddl-Karte: "Von mir für mich in Liebe." Wär' doch mal was. Oder eine Familienpackung Kondome: "Kopf hoch, alter Sack - Gib Dir einen Ruck, geh mal wieder vor die Tür. Dein alter Kumpel, ich selbst." Meinetwegen auch Gedichte von Erich Fried. Erfährt ja keiner.
Aber zurück in die Küche. Ich meine, müssen Singles automatisch fernsehguckende Laffen sein, die in der muffelnden Unterwäsche vom Vortag auf ihren Bettsofas liegen, umgeben von leeren Colaflaschen und bis auf die Rinden aufgeknabberten Pizzas in ranzigen Kartons vom Bringdienst? Ich meine: du bist doch, was du isst. Ja. Wer immer nur ranzige Pizza isst, der sieht doch am Ende selbst aus wie eine ranzige Pizza. Doch. Schaut euch doch mal um unter den Singles an den Theken der Stadt. Eine Margherita neben der anderen. Nicht ein Filet darunter, ein schönes, festes Filet. Saftig und heiß geschmort, prall und heiß in seiner gleißenden Orangenmarinade... nur ein Salbeiblatt bedeckt seine knusprige Scham. An den Theken stehen nur Margheritas. Die Margaritas trinken. "Mit salzigem Rand ruft dieser sehr bekannte Drink nach Mexiko."
Nein. Das kann doch nicht alles sein.
Ist es auch nicht. Die Sache ist ganz einfach. Singles der Welt. Teilt die Rezepte durch vier. Bekocht Euch. Seid lieb zu euch, und man wird euch lieb haben. Kocht für Euch selbst. Und nicht nur Ravioli und Spiegelei auf Toast - "Strammer Max mit drei Eiern"... Wie soll der denn aussehen... Nein, kocht für euch selbst Drei-Gänge-Menüs. Und dann schlingt nicht alles aus dem Topf zur "Sportschau" runter. Oder zu "Mona Lisa TV". Nein. Richtet Euch den Tisch schön her, macht Kerzen an und setzt Euch mit Euch selbst an die Tafel. Habt Euch gern. Redet mit Euch selbst. Sicher, ist schwer, wenn keiner sagt: "Guten Appetit" oder "wer spricht das Tischgebet?" Aber für den Anfang merkt Euch: die Sache hat ja auch ihr Gutes. Wenn man mit sich alleine isst, und das sauteure argentinische Rinderfilet ist aus Versehen gut durch - wenn niemand dabei ist, kann man sich das problemlos schönreden. Und irgendwann klappt's dann, und - hey! - dann könnt ihr beide Filets essen, ist ja keiner da, mit dem ihr teilen müsst. Oder der sagt: "Jetzt übertreibst du aber, Schatz. Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass Du schon wieder zugenommen hast? Nein wirklich, wenn ich dich umarme, komm ich kaum noch rum." Und wenn ihr nach drei bis zwanzig Versuchen einmal Filets braten gelernt habt... oder "rösten", wie Ulrich Klever sagt, der alte Fernsehkoch aus den Siebzigern... wenn ihr dann immer ein paar gut geölte Stücke Fleisch im Kühlschrank liegen habt... zum reifen... wenn dann Besuch kommt... jemand, der mit verträumtem Blick Dinge sagt, wie: "Oh. So wohnst du also..." oder "das Sofa hab ich auch. IKEA, nicht?" dann könnt ihr sagen: "Du..." - und ihr sagt nicht - "Soll'n wir runtergeh'n, uns 'nen Döner fangen?" oder "Wie wär's wenn ich uns Pizza kommen lasse? Wenn wir zwei bestellen bekommen wir 'ne Flasche Lambrusco gratis"... nein, dann sagt ihr: "Duhu... Wie wär's - ich hab noch diesen selbstgemachten Kartoffelsalat - soll ich uns dazu schnell ein paar Filetsteaks in die Pfanne werfen?"
Ihr werdet sehen. Das geht ruck zuck, und ihr seid ein Paar. Und dann vergeht nicht viel Zeit, und ihr ladet andere Paare zum Essen ein.
Teile ein Rezept für vier durch zwei, koche - und du hast ein Candlelight-Dinner für zwei. Ja, auch einzelne Paare bekochen einander. "Weil es zu zweit eben Sinn macht", sagen viele, die ich danach frage. Sinn. Warum macht Kochen für zwei Sinn? Weil das Schweigen und damit Langeweile in die Beziehung eingezogen ist und Paare dann vor allem Ablenkung brauchen, um beim Abendessen bei der Tagesschau Unverfängliches zu sagen, wie: "das Schweinefilet à l'Orange war echt voll der Hammer" statt "warum schlafen wir eigentlich nur noch zweimal im Jahr miteinander?"
Ist Essen also Paarsache?
Teile ein Rezept für vier durch vier und du kannst dich selbst bekochen. Aber tust du das? Bekochst du dich selbst? Kochen wir für uns selbst ein Drei-Gänge-Menü, richten wir dann den Tisch schön her, machen Kerzen an und setzen uns mit uns selbst an die Tafel? Die meisten, die ich diesbezüglich frage, antworten mit nein, als hätte ich sie etwas völlig Lächerliches gefragt. "Wozu denn?" sagen die Leute dann, und: "Ich schicke mir ja auch selbst keine Bücher von seiner AMAZON-Wunschliste in Geschenkpapier - mit einem kleinen Kärtchen dabei: 'Von mir für mich. Danke, dass es mich gibt. Ich verspreche mir: ich lebe gern mit mir und hoffe, das geht noch ganz, ganz lange.' Mache ich ja auch nicht", sagen die Leute. "Warum eigentlich nicht?" denke ich dann immer. Warum schenken wir uns nichts von unserer AMAZON-Wunschliste? In Geschenkpapier. Mit Kärtchen. Die Gesamtausgaben von Strindberg und Ibsen in Herzchenpapier mit Diddl-Karte: "Von mir für mich in Liebe." Wär' doch mal was. Oder eine Familienpackung Kondome: "Kopf hoch, alter Sack - Gib Dir einen Ruck, geh mal wieder vor die Tür. Dein alter Kumpel, ich selbst." Meinetwegen auch Gedichte von Erich Fried. Erfährt ja keiner.
Aber zurück in die Küche. Ich meine, müssen Singles automatisch fernsehguckende Laffen sein, die in der muffelnden Unterwäsche vom Vortag auf ihren Bettsofas liegen, umgeben von leeren Colaflaschen und bis auf die Rinden aufgeknabberten Pizzas in ranzigen Kartons vom Bringdienst? Ich meine: du bist doch, was du isst. Ja. Wer immer nur ranzige Pizza isst, der sieht doch am Ende selbst aus wie eine ranzige Pizza. Doch. Schaut euch doch mal um unter den Singles an den Theken der Stadt. Eine Margherita neben der anderen. Nicht ein Filet darunter, ein schönes, festes Filet. Saftig und heiß geschmort, prall und heiß in seiner gleißenden Orangenmarinade... nur ein Salbeiblatt bedeckt seine knusprige Scham. An den Theken stehen nur Margheritas. Die Margaritas trinken. "Mit salzigem Rand ruft dieser sehr bekannte Drink nach Mexiko."
Nein. Das kann doch nicht alles sein.
Ist es auch nicht. Die Sache ist ganz einfach. Singles der Welt. Teilt die Rezepte durch vier. Bekocht Euch. Seid lieb zu euch, und man wird euch lieb haben. Kocht für Euch selbst. Und nicht nur Ravioli und Spiegelei auf Toast - "Strammer Max mit drei Eiern"... Wie soll der denn aussehen... Nein, kocht für euch selbst Drei-Gänge-Menüs. Und dann schlingt nicht alles aus dem Topf zur "Sportschau" runter. Oder zu "Mona Lisa TV". Nein. Richtet Euch den Tisch schön her, macht Kerzen an und setzt Euch mit Euch selbst an die Tafel. Habt Euch gern. Redet mit Euch selbst. Sicher, ist schwer, wenn keiner sagt: "Guten Appetit" oder "wer spricht das Tischgebet?" Aber für den Anfang merkt Euch: die Sache hat ja auch ihr Gutes. Wenn man mit sich alleine isst, und das sauteure argentinische Rinderfilet ist aus Versehen gut durch - wenn niemand dabei ist, kann man sich das problemlos schönreden. Und irgendwann klappt's dann, und - hey! - dann könnt ihr beide Filets essen, ist ja keiner da, mit dem ihr teilen müsst. Oder der sagt: "Jetzt übertreibst du aber, Schatz. Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass Du schon wieder zugenommen hast? Nein wirklich, wenn ich dich umarme, komm ich kaum noch rum." Und wenn ihr nach drei bis zwanzig Versuchen einmal Filets braten gelernt habt... oder "rösten", wie Ulrich Klever sagt, der alte Fernsehkoch aus den Siebzigern... wenn ihr dann immer ein paar gut geölte Stücke Fleisch im Kühlschrank liegen habt... zum reifen... wenn dann Besuch kommt... jemand, der mit verträumtem Blick Dinge sagt, wie: "Oh. So wohnst du also..." oder "das Sofa hab ich auch. IKEA, nicht?" dann könnt ihr sagen: "Du..." - und ihr sagt nicht - "Soll'n wir runtergeh'n, uns 'nen Döner fangen?" oder "Wie wär's wenn ich uns Pizza kommen lasse? Wenn wir zwei bestellen bekommen wir 'ne Flasche Lambrusco gratis"... nein, dann sagt ihr: "Duhu... Wie wär's - ich hab noch diesen selbstgemachten Kartoffelsalat - soll ich uns dazu schnell ein paar Filetsteaks in die Pfanne werfen?"
Ihr werdet sehen. Das geht ruck zuck, und ihr seid ein Paar. Und dann vergeht nicht viel Zeit, und ihr ladet andere Paare zum Essen ein.


schuehsch
am 9. Sep, 23:36
Hach, was für eine Idylle...
Schönes Manifest. Wenn mich das nächste Mal jemand wegen der Berge dreckigen Geschirrs fragt, ob ich Besuch gehabt hätte, sag ich einfach, ich hätte mir vorhin schnell selbst ein mehrgängiges Menü gezaubert =D