
Essen hält Leib und Seele zusammen
von Viktor Haase
Zumindest der Lebenden. Soweit ich auch zurückdenke und mir jeden einzelnen Trauerfall meiner an Mitgliedern und Tragödien reichen Familie zurück ins Gedächtnis rufe, empfinde ich die Verquickung von hervorragenden Speisen mit Todesfällen frappant. Unsere Familie, im Norden Deutschlands und im Westen Russlands verwurzelt, hat die Frustbewältigung immer über den Gaumen und nie über eine lockere Zunge geführt. Als man meine Tante, die fast 100 Jahre auf dem Buckel hatte, aufgrund eines nicht selbst verschuldeten Treppensturzes - angeblich hat Oma (85) ihre ein Beinchen gestellt - bizarr zusammengefaltet vor der Kellertür fand, gab es anschließend die besten Königsberger Klopse, an die ich mich erinnern kann.
Als Onkel Friedhelm, der von allen anderen Familienmitgliedern mehr oder weniger liebevoll nur der "Arsch" genannt wurde, sich endlich zum Wohle aller zu Tode gesoffen hatte, war die Beerdigung durch eine nervöse Unruhe und die freudige Erwartung des Leichenschmauses geprägt. Es lagen Lachsbrötchen und Omas Weltklassehühnersuppe in der nieseligen Luft, als den Trägern der glitschige Sarg aus den Fingern glitt. Der kleine Onkel, in seiner zu großen Sperrholzkiste, klatschte für alle hörbar mit seinem Säuferschädel ans Kopfende. Tante Hedwig, Frau und Opfer des Arschs, mutmaßte dass er sich wohl jetzt auch noch das Genick gebrochen habe. Skandal, schrie der kleine Arsch, der Sohn des großen Arschs und zuppelte an seinem Flachmann. Der etwas zu schnell seinem Bestimmungsort entgegen geglittene Sarg, verkanntete sich so unglücklich, dass die Träger ihn trotz schweren Ruckelns und Ziehens nicht mehr würdevoll aus dem Grab wuchten oder ihn waagerecht hineinmanövrieren konnten. Tante Hedwig entschied, dass ein schiefes Ende besser als keines sei, und warf zügig Erde und Blumen auf den verkeilten Sarg. Beides rutschte am Kopfende wieder hinunter.
Die Lachsbrötchen waren vom Feinsten, belegt mit wildem fangfrischen Lachs aus Irland, mit selber angerührtem Meerrettich perfekt abgestimmt. Dazu gab es hervorragendes Päffgen - Kölsch und einen Zwetschgen Schnaps aus dem Elsass. Das Alles, dem Leben zur Ehre.
Als Onkel Friedhelm, der von allen anderen Familienmitgliedern mehr oder weniger liebevoll nur der "Arsch" genannt wurde, sich endlich zum Wohle aller zu Tode gesoffen hatte, war die Beerdigung durch eine nervöse Unruhe und die freudige Erwartung des Leichenschmauses geprägt. Es lagen Lachsbrötchen und Omas Weltklassehühnersuppe in der nieseligen Luft, als den Trägern der glitschige Sarg aus den Fingern glitt. Der kleine Onkel, in seiner zu großen Sperrholzkiste, klatschte für alle hörbar mit seinem Säuferschädel ans Kopfende. Tante Hedwig, Frau und Opfer des Arschs, mutmaßte dass er sich wohl jetzt auch noch das Genick gebrochen habe. Skandal, schrie der kleine Arsch, der Sohn des großen Arschs und zuppelte an seinem Flachmann. Der etwas zu schnell seinem Bestimmungsort entgegen geglittene Sarg, verkanntete sich so unglücklich, dass die Träger ihn trotz schweren Ruckelns und Ziehens nicht mehr würdevoll aus dem Grab wuchten oder ihn waagerecht hineinmanövrieren konnten. Tante Hedwig entschied, dass ein schiefes Ende besser als keines sei, und warf zügig Erde und Blumen auf den verkeilten Sarg. Beides rutschte am Kopfende wieder hinunter.
Die Lachsbrötchen waren vom Feinsten, belegt mit wildem fangfrischen Lachs aus Irland, mit selber angerührtem Meerrettich perfekt abgestimmt. Dazu gab es hervorragendes Päffgen - Kölsch und einen Zwetschgen Schnaps aus dem Elsass. Das Alles, dem Leben zur Ehre.
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