
Das erste Erwachen
von Patricia Cammarata
Als ich sechszehn war, hat mir ein etwas älterer Mann seine Erlebnisse mit nächtlichen Eroberungen geschildert. Besser gesagt mit dem Morgen danach. Seine Schilderungen haben sich tief in meine Psyche eingegraben. Von Make-up-Resten im Damenbart war da die Rede.
So war mir seitdem klar, wer auch immer neben mir aufwacht, soll ein solch traumatisches Erlebnis nicht haben.
Ich erinnere mich beispielsweise an die erste Nacht mit meinem später langjährigen Freund.
Am Morgen darauf wurde ich von Vogelgezwitscher geweckt. Die Uhr zeigte 5.30 Uhr. Genau die richtige Uhrzeit schnell aufzuspringen und sich ein wenig frisch zu machen.
Ich schlich also ins Bad, putzte mir die Zähne, kämmte meine Haare, nahm eilig eine Dusche, rasierte mir noch schnell die Beine, frischte die Mani- und Pediküre des Vortags auf, trug rasch ein wenig Make-up auf, Wimperntusche, einen Hauch Lidschatten, der farblich perfekt auf meine Unterwäsche abgestimmt war und schon konnte ich wieder ins warme Bettchen zurück kriechen.
Da drapierte ich mich möglichst ästhetisch aussehend mit einem Lächeln neben ihn. Natürlich nicht ohne die Decke kunstvoll über meinen Körper zu drapieren. Dann stellte ich mich schlafend und wartete auf sein Erwachen, während ich seinem regelmäßigen Atem lauschte.
Sechs Stunden später wurde er wach und ich blinzelte ihn, möglichst niedlich wirkend an und hauchte ihm einen Gutenmorgengruß entgegen.
So war das als wir frisch verliebt waren.
Nur wenige Jahre später hat sich das Bild geändert.
Gerädert vom Alltag, der anstrengenden Arbeit, vom zunehmenden Alter, fällt man Abends ächzend ins Bett und es dauert keine zehn Sekunden bis man in das Reich der Träume übergleitet. Gerade mal Zähneputzen hat man geschafft. Abschminken war nicht drin.
Wenn dann um 6.30 Uhr der Wecker klingelt, weil der Partner aufstehen muss, wälzt man sich missmutig hin und her und grunzt ihm bestenfalls ein GUTNMORGN entgegen. Wird man dann eine halbe Stunde später mit einem frisch gebrühten Kaffee geweckt, raunzt man ihm erneut an und rollt sich missmutig aus der Schlafkuhle.
Von dort geht es an den Frühstückstisch. Die Wimperntusche klebt mittlerweile unter den Augen, dass man aussieht, als wäre man am Vorabend gefeierter Star einer Gruftiparty gewesen. Die Haare hängen strähnig ins Gesicht. Nur der Pony, der steht komischerweise grundsätzlich kreuz und quer nach oben. Vom Atmen wollen wir nicht sprechen. Man trägt ein uraltes, ausgeleiertes T-Shirt und eine an den Knien ausgebeulte Jogginghose. In der Regel prangt an einer gut einsehbaren Stelle ein kartografierungswürdiger Pickel mit stolzer Eiterkuppe .
Im vollen Bewusstsein darüber dass man aussieht wie ein Monster hat man sich nach mehreren glücklichen Beziehungsjahren eingeredet, es ginge gar nicht ums Aussehen. ?Mein Freund liebt mich wie ich bin?, denkt man, während man kaffeeschlürfend die Hühneraugen an den Füßen begutachtet.
Bis eines Morgens etwas Schreckliches passiert.
Der Freund verabschiedet sich zur Arbeit und öffnet die Eingangstür. Er gibt so den Blick frei zur nachbarlichen, direkt gegenüber liegenden Eingangstür, wo just der Nachbar hervor tritt und ebenfalls von seiner Freundin verabschiedet wird. Die letzten beiden Jahre hat man sie nur akustisch wahrgenommen, gesehen hat man die noch nie.
Und oh Schreck!
Oh Unglück!
Über die Schulter des eigenen Freundes ergibt die Musterung einen Horrorbefund.
Einen Meter sechzig ist sie maximal. Wiegt kaum fünfzig Kilo. Ihr Haar, glänzend und ordentlich zu einem Zopf zusammengebunden. Ihr Pfefferminzatem weht zum anderen Flurende. Ich rümpfe die Nase. Sie trägt ein enges, türkis-blau geringeltes Oberteil, dazu passend ein keckes Höschen.
Ihr Teint strahlt, dass meine Augen sich nach einer Sonnenbrille sehen. Als ich auf ihre gepflegten Füßchen, maximal Schuhgröße 36 schaue, verstehe ich plötzlich das Phänomen des Fußfetischismus.
Derweil stellt sie sich auf die Zehenspitzen und gibt ihrem Partner einen langen sanften Kuss.
Der Nachbar und mein Freund treffen sich in der Mitte des Gangs, grüßen sich und blicken noch einmal auf die geöffneten Wohnungstüren zurück, wo wir Frauen stehen.
Ich zische durch den Gang: ?Blöde Kuh! Frauen wie Du machen den ganzen Markt kaputt? und knalle die Tür zu, dass sie beinahe aus den Angeln fällt.
So war mir seitdem klar, wer auch immer neben mir aufwacht, soll ein solch traumatisches Erlebnis nicht haben.
Ich erinnere mich beispielsweise an die erste Nacht mit meinem später langjährigen Freund.
Am Morgen darauf wurde ich von Vogelgezwitscher geweckt. Die Uhr zeigte 5.30 Uhr. Genau die richtige Uhrzeit schnell aufzuspringen und sich ein wenig frisch zu machen.
Ich schlich also ins Bad, putzte mir die Zähne, kämmte meine Haare, nahm eilig eine Dusche, rasierte mir noch schnell die Beine, frischte die Mani- und Pediküre des Vortags auf, trug rasch ein wenig Make-up auf, Wimperntusche, einen Hauch Lidschatten, der farblich perfekt auf meine Unterwäsche abgestimmt war und schon konnte ich wieder ins warme Bettchen zurück kriechen.
Da drapierte ich mich möglichst ästhetisch aussehend mit einem Lächeln neben ihn. Natürlich nicht ohne die Decke kunstvoll über meinen Körper zu drapieren. Dann stellte ich mich schlafend und wartete auf sein Erwachen, während ich seinem regelmäßigen Atem lauschte.
Sechs Stunden später wurde er wach und ich blinzelte ihn, möglichst niedlich wirkend an und hauchte ihm einen Gutenmorgengruß entgegen.
So war das als wir frisch verliebt waren.
Nur wenige Jahre später hat sich das Bild geändert.
Gerädert vom Alltag, der anstrengenden Arbeit, vom zunehmenden Alter, fällt man Abends ächzend ins Bett und es dauert keine zehn Sekunden bis man in das Reich der Träume übergleitet. Gerade mal Zähneputzen hat man geschafft. Abschminken war nicht drin.
Wenn dann um 6.30 Uhr der Wecker klingelt, weil der Partner aufstehen muss, wälzt man sich missmutig hin und her und grunzt ihm bestenfalls ein GUTNMORGN entgegen. Wird man dann eine halbe Stunde später mit einem frisch gebrühten Kaffee geweckt, raunzt man ihm erneut an und rollt sich missmutig aus der Schlafkuhle.
Von dort geht es an den Frühstückstisch. Die Wimperntusche klebt mittlerweile unter den Augen, dass man aussieht, als wäre man am Vorabend gefeierter Star einer Gruftiparty gewesen. Die Haare hängen strähnig ins Gesicht. Nur der Pony, der steht komischerweise grundsätzlich kreuz und quer nach oben. Vom Atmen wollen wir nicht sprechen. Man trägt ein uraltes, ausgeleiertes T-Shirt und eine an den Knien ausgebeulte Jogginghose. In der Regel prangt an einer gut einsehbaren Stelle ein kartografierungswürdiger Pickel mit stolzer Eiterkuppe .
Im vollen Bewusstsein darüber dass man aussieht wie ein Monster hat man sich nach mehreren glücklichen Beziehungsjahren eingeredet, es ginge gar nicht ums Aussehen. ?Mein Freund liebt mich wie ich bin?, denkt man, während man kaffeeschlürfend die Hühneraugen an den Füßen begutachtet.
Bis eines Morgens etwas Schreckliches passiert.
Der Freund verabschiedet sich zur Arbeit und öffnet die Eingangstür. Er gibt so den Blick frei zur nachbarlichen, direkt gegenüber liegenden Eingangstür, wo just der Nachbar hervor tritt und ebenfalls von seiner Freundin verabschiedet wird. Die letzten beiden Jahre hat man sie nur akustisch wahrgenommen, gesehen hat man die noch nie.
Und oh Schreck!
Oh Unglück!
Über die Schulter des eigenen Freundes ergibt die Musterung einen Horrorbefund.
Einen Meter sechzig ist sie maximal. Wiegt kaum fünfzig Kilo. Ihr Haar, glänzend und ordentlich zu einem Zopf zusammengebunden. Ihr Pfefferminzatem weht zum anderen Flurende. Ich rümpfe die Nase. Sie trägt ein enges, türkis-blau geringeltes Oberteil, dazu passend ein keckes Höschen.
Ihr Teint strahlt, dass meine Augen sich nach einer Sonnenbrille sehen. Als ich auf ihre gepflegten Füßchen, maximal Schuhgröße 36 schaue, verstehe ich plötzlich das Phänomen des Fußfetischismus.
Derweil stellt sie sich auf die Zehenspitzen und gibt ihrem Partner einen langen sanften Kuss.
Der Nachbar und mein Freund treffen sich in der Mitte des Gangs, grüßen sich und blicken noch einmal auf die geöffneten Wohnungstüren zurück, wo wir Frauen stehen.
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xzcdv
am 28. Jun, 04:40
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