
Hackfresse
von Grete
Der erste wäre, dass es die einzige finanzierbare Form des Wohneigentums ist, denn die allenthalben ausgewiesenen Preise für ein solches Fleckchen Eigentum nähren in mir den Verdacht, dass die Kapitaldienstberechnungen der Bank für Frau Verkäuferin und Herrn
Ingenieur Unterbezahlt mit zwei Kindern die Tilgung in den ersten zehn Jahren der Zinsbindung irgendwie vergessen haben. Für so viel monatliche Entbehrung könnte man am Stadtrand allerhand Wohnfläche mieten, Altbau hübsch saniert, gerade jetzt, da die
Wohnungsbauförderung der Nachwendejahre saure Früchte trägt. Aber nein: man kauft ein Häuslein um den gängigsten Statussymbolen eines hinzuzufügen. Ein Häusleinchen mit Grundstücklein. Oder kann es einen anderen Grund geben, sich auf Hör- und Sichtweite mit zankenden Fremdmenschen zu umgeben?
Der zweite denkbare Grund wäre Voyeurismus. Im weitergefassten Sprachsinn. Es ist nicht unangenehm, dem röchelnden Atem hinter der Thujahecke oder dem aussichtslosen verbal bis handgreiflichen Erziehungsversuch der pubertierenden Kinder des Nachbarn zuzuhören, die Essensgerüche aus der offen stehenden Balkontür einzusaugen oder einen Streit über die Schwiegereltern anzuhören - es ist spannend! Spannender als die große Schlagzeile der allmorgendlich beim Bäcker erworbenen Lieblingzeitung, spannender als das Getuschel am
Arbeitsplatz über die neue Mitarbeiterin und sogar interessanter, als der Seitensprung des entfernten Bekannten. Es ist näher! Realer!
Anfangs denkt man, sie seien nett, die Nachbarn, helfen mit Salz aus und laden zum Grillen ein, bis man besprochene Details in starker Variation aus einer anderen Ecke wieder vernimmt und begreift, dass mit den Vertrautheiten der Habenichtse im Wohnblock ein für allemal Schluss ist.
Als Liebhaberin besonnener Formulierungen lehne ich die Benutzung derber Begrifflichkeiten ab. Möglicherweise zeigen auch die Erziehungsversuche meines Vaters, die immer in dem stark
anspornstiftenden Satz "Aus dir wird nie eine Dame." mündeten, späte Ergebnisse. Aber nicht umsonst sind unsere Gedanken unhörbar gemacht und wann immer ich an das Zusammenwohnen in der Reihenhaussiedlung denke, formuliert meine Erinnerung einen sehr, sehr hässlichen Begriff.
Ingenieur Unterbezahlt mit zwei Kindern die Tilgung in den ersten zehn Jahren der Zinsbindung irgendwie vergessen haben. Für so viel monatliche Entbehrung könnte man am Stadtrand allerhand Wohnfläche mieten, Altbau hübsch saniert, gerade jetzt, da die
Wohnungsbauförderung der Nachwendejahre saure Früchte trägt. Aber nein: man kauft ein Häuslein um den gängigsten Statussymbolen eines hinzuzufügen. Ein Häusleinchen mit Grundstücklein. Oder kann es einen anderen Grund geben, sich auf Hör- und Sichtweite mit zankenden Fremdmenschen zu umgeben?
Der zweite denkbare Grund wäre Voyeurismus. Im weitergefassten Sprachsinn. Es ist nicht unangenehm, dem röchelnden Atem hinter der Thujahecke oder dem aussichtslosen verbal bis handgreiflichen Erziehungsversuch der pubertierenden Kinder des Nachbarn zuzuhören, die Essensgerüche aus der offen stehenden Balkontür einzusaugen oder einen Streit über die Schwiegereltern anzuhören - es ist spannend! Spannender als die große Schlagzeile der allmorgendlich beim Bäcker erworbenen Lieblingzeitung, spannender als das Getuschel am
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replica wathces
am 29. Jul, 04:26
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