Pop kommt von Poppen

von René Walter
Tenacious Ds "Fuck her hard" ist demzufolge ja sowas von Rock mit einem ganz großen R, im gleichen Song singt Jack Black aber auch, man solle die Liebste doch bitteschön ab
und an auch mal sanfter mit den Lenden schubsen und nennt dieses Stück auf der selben Platte ganz konsequent "Fuck her gently". Rock'n'Roll fickt, Pop macht Liebe und der Pop-Rock ist der Latin-Lover der musikalischen Schubladen. Der kann von hart bis zart, unheimlich flexibel, der Motherfucker, und so populär.

Es ist ja ein allgemein immer wieder hervorgetragener Irrtum, das Wörtchen ?Pop" käme vom oben erwähnten "Populär". Das ist Quatsch und wo wir diesen Blödsinn nun ein für allemal aus der Welt geschafft haben, dann können wir auch noch gleich mit wegschaffen: Britney Spears und die Aguillera, der Iglesias Enrique und der Timberlake Justin, die machen ja gar keinen Pop, wie so oft behauptet wird, sondern die machen Scheiße. Millionenschwer produzierte, mit aller Marketing-Power in die Hirne von unschuldigen Teenagern und unwissenden Mitmeschen gedrückte Scheiße. Mit ihrem Rezept, aus Nichts Scheiße zu machen, sollten sie sich mal bei der Zunft der Biogasbauern melden, die würden sich ehrlich und aufrichtig freuen ob dieses Scheißrezeptes und Justin und Britney könnten mit ihren Exkrementen so richtig viel Geld scheffeln, wenn sie das nicht sowieso schon getan hätten. Populär reimt sich nicht umsonst auf Vulgär.

Halten wir uns also nicht weiter mit Scheiße auf.

Die Beatles haben ja, das ist allgemein bekannt, den Pop erfunden. Sogar Menschen aus Klein-Hintertutzingen haben davon bereits gehört. Die, also nicht die Klein-Hintertutzinger, sondern die Beatles, die haben sich damals in Hamburg im Starclub folgendes gedacht: "Hey, Beat ist doch irgendwie blöd, auch wenn wir so heißen, ab heute machen wir Pop, schließlich haben wir uns nicht umsonst durch die komplette Herbertstraße gevögelt". Das ist natürlich nicht genauso abgelaufen,
aber John und Paul und Ringo und George ist der Pop ja nicht einfach so zugevögelt worden, nicht wahr? Ein Masterplan muss da schon dahintergesteckt haben. Ich schätze mal, das Gespräch lief irgendwie so ab:

John: "Jungs, wir sollten mehr Drogen nehmen. Beat ist ja ganz lustig und wir legen reihenweise die Weiber flach, aber ich will Visionen!"
Ringo: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!"

Ein Spruch übrigens, den der damals noch blutjunge Helmut Schmidt, der damals als Backstage-Alkoholreiche-Aushilfs-Jobber zufälligerweise mit anhörte, während er grade einen Gin-Tonic für Paul McCartney mixte, und den er Jahre später einfach so mopsen sollte, auf dass der Satz
"Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!" auf immer mit dem Kettenrauchenden Ex-Kanzler verwebt sei, was, wie nun auch Menschen aus Hinter-Oberranzlingen wissen, einer der größten Irrtümer der Geschichte ist, gleich nach Napoleons Exil. Das ist nämlich auch komplett erstunken und erlogen: Napoleon wohnt in unserer Nachbarschaft und die Hand steckt nicht im Revers sondern im Schritt.

So.

Wo war ich? Ach ja:

George: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!"
John: "Ich meine das ganz ernst, mich zieht es nach Indien, ich brauche Instant Karma, verdammt. Paul, sag doch auch mal was?"
Paul: "Na dann los", warf die dreibeinige Blondine zurück in die erste Reihe, nahm vier brünette Achtzehnjährige Pferdeschwanzmädchen Huckepack und hüpfte nach Bombay.
George: "Hmkay."

Dann fuhren die vier überall auf der Welt herum, ließen sich tierische Bärte wachsen und nahmen Sergeant Pepper auf, das erste Pop-Album der Musikgeschichte. Alle albernen Verkleidungen von Kiss bis zu den Flaming Lipps gehen auf Sergeant Pepper zurück, und wer etwas anderes
behauptet, muss dreimal das Album "Travelling Without Moving" von Jamiroquai anhören. Ich weiß, für manche mag das nicht grade wie eine Strafe klingen. Denen sei folgendes gesagt: hört man dieses Album dreimal hintereinander, erschließen sich die geheimen Botschaften dieses Albums, das einem ab da nur noch "Du bist jung, Du bist hip und Du bist so verdammt trendy!" ins Ohr flüstert, was erstens massenweise riesige Pickel und zweitens ein Zucken an der linken Schläfe
hervorruft, die man Zeitlebens nicht mehr losbekommt. Ich habe Euch gewarnt, nicht dass nachher hunderte Mittdreißiger meine Heimstatt belagern und sich über die Rückkehr der Pubertät beschweren.

Sowieso: Pubertät. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass man als Mensch Musik erst mit dem Erwachen der Libido wirklich entdeckt. Es liegt auf der Hand, hihi, dass mit dem ersten Orgasmus die Leidenschaft für den Rock erwacht. Steht ja auch für Ficken, der Rock, und für viel mehr interessiert man sich in dem Alter ja sowieso nicht. Ob man nun mit 16 poppt oder rockt ist dabei einerlei, hauptsache der Schlüpfer fällt. Und wer sich in diesem Alter dabei schon wie Gene Simmons bemalt oder als Sergeant Pepper verkleidet oder noch besser: als Sergeant Pepper
kostümiert die Zunge wie Gene Simmons gebraucht, dem steht mit Sicherheit ein sehr buntes Sexleben bevor.

Meine Lieblingsplatten derzeit sind übrigens "Flock" von Bell X1, einer hierzulande leider fast gänzlich unbekannten Pop-Band aus England, und "Era Vulgaris" der Queens of the Stone Age. Was sagte ich vorhin noch gleich über Pop-Rock?

Rene Walter

René Walter blogt bei Nerdcore, Spreeblick und
Fuenf-Filmfreunde
, ist nebenbei noch Webdesigner und Grafiker. Er hat eine popkulturelle Bandbreite von Mashups bis Metall, von B-Film bis Dokumentation, von den 50er Jahren bis 2057.
Kernkompetenzen liegen bei Musik, Film und Design, am liebsten gepoppten Punk oder gepunkteten Pop. Und Reggea ist eine Seifenmarke auf Norderney, oder nicht?
mindestens haltbar Juli/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 07
ISSN 1816-8159
Autor: René Walter
Titel: Pop kommt von Poppen
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am 6. Jul, 09:18

wie schon eins deiner zitate auf nerdcore so schön sagt:

popmusic is about saying "fuck me". rock is about saying "fuck you".
öhm, oder passt das jetzt doch nich hier her?

harhar :D


am 6. Jul, 09:58

I love it


am 6. Jul, 11:09

Das hier ist definitiv Rock. Weil: Fuck You.


am 7. Jul, 00:28

Endlich mal einer, der die Wahrheit über Jamiroquai sagt! Danke! Das rockt.