Eine kleine Geschichte des Pop

von Ally Klein
er war kein schönling, irgendwas durchschnittliches, manchmal auch besser, aber diverse geschlechtsteile fremder passanten fühlten sich zu ihm hingezogen. so fickte* er alles, was ihm wohlwollend auf zwei beinen begegnete.

pop hasste es, wenn ihn irgendwelche menschen grundlos anlächelten. er fühlte sich oft davon provoziert, weil er sich entweder schadenfreude oder mitleid** einbildete und zu allem übel beides durcheinanderbrachte. diese tatsache verschlimmerte das eine oder das andere komplex von ihm und ärgerte ihn bis tief in die nacht hinein. er war faul und hat kaum gearbeitet, aber er hatte das vermögen seines fast toten onkels vierten grades geerbt und so konnte er problemlos bis zu seinem lebensende (voraussichtlich, man hat es nur grob geschätzt) über die runden kommen und sich ab und zu einen kleinen luxus gönnen. was sein überaus leicht einprägbares gesicht anging, so hasste er jegliche vergleiche seiner nase mit der von mozart, deren gemeinsamkeit einfach zu offensichtlich war. er hatte keine ahnung vom krieg und noch weniger von friedenserklärungen, kannte sich aber ausgezeichnet mit dialektischen abläufen aus (man vermutet, er hatte einfach ein händchen für sowas; manche nannten es sogar talent). jeder, aber auch jeder (außer manchen) kam mit ihm aus. solange er nicht zu viel trank, denn wenn er besoffen herumstolperte und der himmel violett war, hypertrophierte seine seele (was das zeug hielt). ja, direkt in einer riesigen menschenmasse, und er fing an zu glucksen und rülpsen und bekam einen schluckauf... und irgendwann wurde es zu abstrakt für die meisten. einmal zogen sogar zwei paar frösche einen revolver hinter seinem rücken, aber sie gingen in die andere richtung und alles endete in einem kompromiss (die rebellen mussten tantiemen an pop zahlen).

das glückselige im lächeln anderer (was oft an dämlichkeit grenzte), chemische fabriken (die die umwelt verpesteten), verständliche ellipsen und ja, wieder das werk von amadeus hielt er für eine farce, aber sein mund war seit seiner geburt von heuchlerischer freundlichkeit verzerrt und gegen den ungerechten lauf des lebens wehrt man sich (nun mal) kaum. mit dem alter erfuhr pop viele tragische ereignisse (die halbe familie wurde durch permanente zufälle ausgerottet) und absurde, kaum erdenkbare begebenheiten, die er seitdem irgendwie für sich zu behalten versucht. heute lebt er in einer einrichtung für opfer von blitzeinschlägen und genießt jeden morgen einen kakao aus kuba. gerüchten zufolge hat er bei all seinem hass auf das künstliche nie, niemals stromdosen und neologismen verabscheut.



* falls jemanden ein gutes synonym für den ausdruck eingefallen ist: man will seinem leser ja doch nicht alles so leicht machen.
** er hatte keine ahnung von schopenhauer, man möge ihm sein irrtum verzeihen.

Ally Klein

hört gerne Knochen unter ihren Füßen knacksen. Auf der Suche nach den richtigen fünfzehn Minuten: me i'm a sucker just a slave to sound.
mindestens haltbar Juli/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 07
ISSN 1816-8159
Autor: Ally Klein
Titel: Eine kleine Geschichte des Pop
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