dreizehn

von Ally Klein
dreizehn ist meine glückszahl. dreizehn stunden nach unserem ersten gespräch fand ich am ufer des inns einen stein in form eines herzens. menschen haben gestaunt. kitsch war nicht die deutung. es war passend. weil sein herz aus metall gemacht war. meines war aus stein. es waren stunden nach seinen ersten buchstaben, schwarz schwamm im unendlichen weiss. er wollte mich gehen lassen. er schrieb, es fiele ihm schwer, aber es war das richtigste, was er tun konnte. es war kokettiert, ich sollte kontern und ich habe es getan. lass mich nicht los. lass. mich. nicht. los. ich war betrunken genug, um sein drama fortzuführen. er schrieb weise reime auf meinen namen. zog mich aus und wieder an. notizen, die meine initialien trugen. träume von stummen küssen. melodien, worte fremder. in meinem sinne. er kannte kilometer besser als ich. er rechnete aus und teilte es mir mit. meilen. stunden. wir waren getrennt. seine stimme in meinen ohren - stalking. ich warte auf donnerstage. fünfhunderttausendschritte. aufwärts. ich bin bei ihm. wir meiden blicke. realität holt ein und zieht uns die schuhe aus. das erste warme wort, die erste berührung. nach dem letzten satz an alle, ein erstes wort an mich. seine finger fahren meinen rücken entlang. er drückt mich an sich, flüstert. ich wehre mich nicht - ich habe vergessen, wie das geht. zehn minuten sind sechshundert sekunden sind... wein und bier. der erste gitarrenriff, der erste ton der dritten erklingt, wir packen unser zeug und hauen ab. draußen ist es kalt. er lehnt sich an mich. kalt. kalt. wir gehen ins auto und drehen a silver mt. zion auf. ohren bluten. wir trinken. er nimmt, was er braucht. ich gebe, was ich brauche. münder sind nicht zum reden da. wir erinnern uns. ich kenne keinen unterschied zwischen knien und ellenbögen. keinen zwischen wein und bier. geschmäcke vermischen sich. songs auf repeat. eine stunde lang. austausch. worte. explosion. implosion. sätze brechen. finger verschwinden. autoscheiben laufen an. das herz aus stein drückt an meine brusttasche. unterbrochen. knochensplitter in fremden augen. der weg zurück ist immer kürzer. wir teilen unseren alkohol, wir teilen unsere heimlichen berührungen in der menge. er kennt meine blicke und weiss, wohin sie gehören. sie gehören unter die oberfläche. unter zwanzig sind wir sekundenlang zu zweit. körperkontakt. flüssigkeiten werden in flaschen abgefüllt und ausgetauscht. blicke vereinigen sich in der luft. ich nagele ihn an die wand und behalte diesen anblick in der erinnerung. ein eingetrockneter schmetterling. er schenkt mir souvenirs. keine abweichungen von meinen schritten. zu fünfzehnt im auto, seine hand fährt meine seite entlang. geht an stellen, wo freundschaft verboten ist. apathie aussenstehender regnet herab, aber alle wissen. wir sehen uns an. ich kenne bedeutung von zentimetern, aber ich habe angst sie zu erfassen. wir verpissen uns und rennen und kriechen. und er hält unerwartet die lauwarme dezemberhand der dritten. das herz aus stein drückt an die brust. ich bin zu einem gegner geworden. ich stelle fragen. seine antworten sind rhetorik. präziser, präziser. er kann meinen namen buchstabieren, aber das aussprechen... du stolperst und fliegst. und im endeffekt verlasse ich mich auf meine würde (woauchimmersiedavorwar). meine flucht ist sein segen. seine lüge ist meine rettung. ich kenne welten viel zu wenig. ich bin ein gedicht. ich bin ein song. ich bin gesagt und gefühlt. ich bin. mein körper steht in den buchstaben. er ruht in seinen worten. er versprach mir jetzt wach zu sein. trotz sekunden und minuten und stunden. folter, schrieb er. stein drückt. ich träume, ich bin am inn. knie mich nieder... und finde überall steine. steine sind herzform. er ist überall und nirgendwo. er sind alle. und alle sind zu finden. er muss sein versprechen erfüllen. und meine ohrmuscheln stehen in der topliste. absurd. er hat seinen namen für mich verloren. aufgelöst in melodien. vier buchstaben ohne körper. eine wolke der sinnlosigkeit. medium für musik. minuten, sekunden und meilen. aber unsere barriere ist mehr als das. fremde hände und küsse. lügen, verpackt und verziert in schönen schachteln. särge. zugeschüttet mit illusionen von beiden seiten. beerdigt.

Ally Klein

hört gerne Knochen unter ihren Füßen knacksen. Auf der Suche nach den richtigen fünfzehn Minuten: me i'm a sucker just a slave to sound.
mindestens haltbar Juni/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 06
ISSN 1816-8159
Autor: Ally Klein
Titel: dreizehn
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