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    <title>mindestenshaltbar 0306 (Meer und mehr)</title>
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    <description>Meer und mehr</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:date>2007-06-08T12:28:30Z</dc:date>
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    <title>mindestenshaltbar 0306</title>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1857/">
    <title>Auf dem Mount Baldy</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1857/</link>
    <description>Der Mount Baldy liegt am Lake Michigan, an der Nordwestk&amp;uuml;ste von Indiana, in den USA, und ist gar kein Berg, sondern eine lebendige D&amp;uuml;ne, die im Jahr vier bis f&amp;uuml;nf Fu&amp;szlig; weit nach S&amp;uuml;den wandert. Vom Kopf der D&amp;uuml;ne bis hinunter zum Strand sind es 37,5 Meter. In einigen Jahren wird der kleine Wald vernichtet sein, den die D&amp;uuml;ne zum Landinneren hin zu umschlie&amp;szlig;en begonnen hat. Ich sitze ganz oben auf der D&amp;uuml;ne, in der Abendsonne leuchtet der Strand in sattem Gelb und das Blau des Lake Michigan unterscheidet sich kaum vom Blau des Himmels. Nordwestlich kann ich die Skyline von Chicago sehen. Ich sitze hier aber nicht einfach, weil es so ein perfekter Strandtag ist, die Geschichte begann bereits vor einigen Wochen.&lt;br /&gt;
An einem hei&amp;szlig;en Tag klingelte das Telefon in meinem B&amp;uuml;ro in einem Vorort Chicagos, von wo ich Reisen nach Europa organisiere. Am anderen Ende fragte eine &amp;auml;ltere Frau namens Mrs. McDougal, die f&amp;uuml;r die n&amp;auml;chste Gruppe nach Kinsale in Irland gebucht war, ob ihr der Reiseleiter einen Tipp geben k&amp;ouml;nne, wo sie w&amp;auml;hrend des Urlaubs die Asche ihres Mannes im Meer beisetzen k&amp;ouml;nne. Ich erfuhr, dass ihr Mann schon seit Jahren verstorben war, sie es aber einfach nicht fertigbrachte, seine Asche wie gew&amp;uuml;nscht im Wasser beizusetzen. Alle bisherigen Versuche waren gescheitert, immer wieder hatte sie die Urne doch wieder mit nachhause genommen. Da ihr Mann irischen Ursprungs war, hatte sie es sich nun so ausgedacht und hoffte, dass es ihr im Ausland leichter fallen w&amp;uuml;rde, sich von ihm zu trennen.&lt;br /&gt;
Am Tag nach der Ankunft der Gruppe in Irland klingelte mein Telefon und unser Reiseleiter Jim berichtete, Mrs. McDougal sei eine liebenswerte, etwas vergessliche alte Dame, die v&amp;ouml;llig fasziniert sei von Irland, und er habe ihr schon eine geeignete Stelle zur Beisetzung der Asche im Meer gezeigt, alles also kein Problem. Ich freute mich, da&amp;szlig; Mr. McDougal nun also in Irland seinen Frieden finden w&amp;uuml;rde und verga&amp;szlig; die Angelegenheit. Bis einen Tag nach der Abreise der Gruppe wieder das Telefon klingelte: der Hotelmanager in Kinsale sagte, die Gruppe sei gl&amp;uuml;cklich abgereist, aber eine Dame in Zimmer 34 habe ein K&amp;auml;stchen im Nachtschrank vergessen, welches er nun an mich geschickt habe und ich k&amp;ouml;nne es dann an sie weiterleiten. Ich sah in meinen Listen nach. In Zimmer 34 hatte nat&amp;uuml;rlich, wie ich es gleich bef&amp;uuml;rchtet hatte, Mrs. McDougal gewohnt.&lt;br /&gt;
Ich rief sie an, ihr Redeflu&amp;szlig; war vor Enthusiasmus &amp;uuml;ber Irland kaum zu stoppen. Vorsichtig fragte ich an, ob sie ein K&amp;auml;stchen im Nachtschrank ihres Hotelzimmers vergessen habe. Es wurde einen Moment still, dann seufzte sie und sagte, sie k&amp;ouml;nne es nicht fassen. Im K&amp;auml;stchen befinde sich tats&amp;auml;chlich die Asche ihres Mannes. Mrs. McDougal war verzweifelt. Sie hatte gedacht, dass sie ihren Mann beigesetzt hatte, m&amp;uuml;sse es dann vor lauter Begeisterung vielleicht aber wohl doch vergessen haben. Dabei sei sie sich doch eigentlich sicher gewesen, oder vielleicht dann eben doch nicht. So &amp;uuml;berlegte sie eine Weile vor sich hin. Dann sagte sie ganz unvermittelt, dass sie das K&amp;auml;stchen nun auf keinen Fall zur&amp;uuml;ck wollte, immerhin habe sie bis gerade gedacht, es sei erledigt gewesen. Ob ich nicht den netten Reiseleiter bitten k&amp;ouml;nne, diese Aufgabe nachtr&amp;auml;glich f&amp;uuml;r sie zu &amp;uuml;bernehmen? &lt;br /&gt;
Ich brachte es nicht &amp;uuml;bers Herz ihr zu sagen, dass die Asche ihres Mannes schon auf dem Weg nach Chicago war. Und so sagte ich zu, dass Jim das bestimmt angemessen f&amp;uuml;r sie erledigen w&amp;uuml;rde. Sie schien sehr erleichtert und froh. Und ich beschloss, die Asche von Mr. McDougal dem Lake Michigan zu &amp;uuml;bergeben. &lt;br /&gt;
Zwei Tage sp&amp;auml;ter erhielt ich das Paket aus Irland. Ich nahm das K&amp;auml;stchen heraus und &amp;ouml;ffnete es vorsichtig. Da sa&amp;szlig; ich nun und sah auf die Asche eines mir unbekannten Mannes. Ich musste sofort losfahren, jetzt oder nie. Also nahm ich mir den Rest des Tages frei, setzte mich ins Auto, und mit dem K&amp;auml;stchen auf dem Beifahrersitz fuhr ich zu den Indiana Dunes, Highway 12 und County Line Road, zu meiner Lieblingsstelle, dem Mount Baldy. Ich erklomm die D&amp;uuml;ne und wollte mich vor der &amp;Uuml;bergabe ans Meer nur kurz setzen. &lt;br /&gt;
Nun also sitze ich hier oben. Aber schon seit drei Stunden. Und das K&amp;auml;stchen mit den &amp;Uuml;berresten von Mr. McDougal steht noch immer neben mir. Der Strand unten leuchtet wundersch&amp;ouml;n und ich m&amp;ouml;chte nicht an das Unm&amp;ouml;gliche denken. Ich denke stattdessen an den kleinen Wald, den die D&amp;uuml;ne unmerklich, aber unaufhaltsam einschlie&amp;szlig;t. Ich m&amp;ouml;chte nicht mit dem K&amp;auml;stchen hinuntergehen. Aber Mr. McDougal mit nachhause nehmen m&amp;ouml;chte ich auch nicht. Eigentlich nicht. Dann w&amp;uuml;rde es mir vielleicht wie Mrs. McDougal ergehen, die keinen Weg fand sich zu trennen. Ich kann nicht hinuntergehen und ich kann nicht wegfahren. Je l&amp;auml;nger ich sitze, desto schlimmer wird es.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:28:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1852/">
    <title>Hinterland</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1852/</link>
    <description>Keine Ahnung, wie ich hierher gekommen bin und wie lange ich schon hier stehe: auf einem kleinen Platz, den niedrige, h&amp;ouml;chstens zweist&amp;ouml;ckige, geh&amp;ouml;ftartige H&amp;auml;user einfassen, inmitten ein Brunnen. In einem Hof kl&amp;auml;fft ein Hund. Der Mond betrachtet sich im blanken Kopfsteinpflaster; er legt eine silberne Patina &amp;uuml;ber Gem&amp;auml;uer, vom Wind ausged&amp;uuml;nnte Baumkronen, Brunnenwasser. An dessen steinerner Einfassung kniend und im Wasser sich spiegelnd hockt eine Nixe, das Gesicht in den H&amp;auml;nden verborgen. Kaum merklich flimmert der Mond auf ihren Handr&amp;uuml;cken, Schultern und Armen und flie&amp;szlig;t in ihren Scho&amp;szlig;, um dort, in Wasser verwandelt, ins Becken zu flie&amp;szlig;en. Darin blinkt etwas. Ein Metallst&amp;uuml;ck, vielleicht der Abfluss. Ich beuge mich &amp;uuml;ber den Brunnenrand. Sieht aus wie eine M&amp;uuml;nze. Eine einzelne M&amp;uuml;nze in einem Brunnen mit Nixe dar&amp;uuml;ber auf einem leeren Platz. Fast sieht es aus, als blickte mich ein Auge metallisch an. Ich ziehe Jacken- und Hemd&amp;auml;rmel hoch, strecke den Arm aus und ins Wasser und versuche, es mit den Fingerspitzen zu erreichen. Ich schiebe mich weiter &amp;uuml;ber den Rand dem Auge entgegen, verliere beinahe das Gleichgewicht dabei - der Brunnen ist zu tief. Richte mich wieder auf, blicke um mich. Dem Brunnen gegen&amp;uuml;ber ragt fr&amp;uuml;hgotisch und dunkel eine Kirche empor. Wolken verfangen sich an der Spitze des Kirchturms, dessen Uhr ein Viertel schl&amp;auml;gt. Aber von welcher Stunde? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir f&amp;auml;llt wieder ein, dass ich Hilfe suche. Ich kann mir selbst nicht erkl&amp;auml;ren, wie ich lebend und noch dazu unverletzt davon gekommen bin. Mein Auto ein Wrack, das &amp;uuml;berschlagen am Hang hinter der scharfen Linkskurve liegt, kurz vor dem Ortseingangschild. Was hatte da drauf gestanden - Kindelbr&amp;uuml;ck? Aus einer Gasse, die rechts vom Platz zwischen zwei Hoftoren wegknickt, ein Lichtschein - der einzige in diesem Ort. Zwar gibt es vereinzelt Stra&amp;szlig;enlampen, jedoch leuchtet keine. Wohl auch hier der finanzielle Lochfra&amp;szlig; l&amp;auml;ndlicher Gebietsverwaltungen, wie &amp;uuml;berall im Hinterland der St&amp;auml;dte.&lt;br /&gt;
Ich folge dem Licht. Es dringt aus einem der Fenster. Die Gasse ansonsten dunkel. &amp;Uuml;ber dem Fenster zuckt auf Neonr&amp;ouml;hrenwei&amp;szlig; der Namenszug: eine Kneipe. Einige der schwarzen Frakturbuchstaben fehlen dem Namen, der nach Heimat klingen soll. Sie ist nicht gro&amp;szlig; und, da es schon sp&amp;auml;t zu sein scheint, relativ leer. Ein blasser Typ in Lederhose lehnt an der Bar vor einem Bier, das Haar zu einem d&amp;uuml;rren Pferdeschwanz zusammengebunden; neben ihm eine junge Frau, eher noch M&amp;auml;dchen, auf einem Barhocker. So recht will sie hier nicht hinein passen mit ihrem schwarzfransigen kurzen Haar und bleich geschminktem Gesicht. An einem Tisch neben der Bar ein Ehepaar Ende der Vierzig. Dazwischen, in der Ecke, zwei Doggen. Die eine schwarzwei&amp;szlig; gescheckt, sie hebt bei meinem Eintreten m&amp;uuml;de die Lider. Die andere, offensichtlich noch jung, springt auf und t&amp;auml;nzelt um mich herum. In ihrem schwarzen Fell auf der Brust drei wei&amp;szlig;e Flecken, die eine Diagonale bilden. Ich mag Hunde nicht. Das bleiche M&amp;auml;dchen bemerkt das, ruft nach dem Hund: &quot;Sirius!&quot; Der aber scheint meine Angst zu riechen, &quot;Sirius, bei Fu&amp;szlig;!?&quot; jedenfalls denkt er &amp;uuml;berhaupt nicht daran, von mir abzulassen. &quot;Sirius!&quot; dr&amp;ouml;hnt es pl&amp;ouml;tzlich &amp;uuml;ber die Bar hinweg. Der Wirt. Augenblicklich dreht das Tier ab und trollt sich in die Ecke.&lt;br /&gt;
Der Wirt, &amp;uuml;ber seinem Bauch spannt eine speckige Weste, nickt mir zu und deutet, w&amp;auml;hrend er Gl&amp;auml;ser sp&amp;uuml;lt, mit dem Kinn auf den Tisch rechts neben der T&amp;uuml;r, auf dem an einem Metallst&amp;auml;nderchen ein roter Wimpel baumelt: eine 3 prangt wei&amp;szlig; darauf.&lt;br /&gt;
Die W&amp;auml;nde, holzverkleidet und den Ruch rustikaler Gem&amp;uuml;tlichkeit verbreitend, sind mit Nippes vollgeh&amp;auml;ngt und -gestellt: verstaubte Pokale, Wimpel, Blechteller, vergilbte Fotos. In der Ecke ein altes R&amp;ouml;hrenradio. Sweet Home Alabama. &lt;br /&gt;
Frage ich gleich nach der Polizei oder erstmal nach einem Telefon, denk ich bei mir, da w&amp;auml;lzt sich der Wirt mit einem Glas Bier zum Tisch, neben dem ich noch stehe, und stellt es mir hin. &lt;br /&gt;
&quot;Hab gewusst, dass du kommst und schon mal f&amp;uuml;r dich gezapft. Ganz frisch.&quot; &lt;br /&gt;
Er grinst schmierig. &lt;br /&gt;
Unter seinem hochgekrempelten Hemds&amp;auml;rmel kriecht eine Schlange hervor, die eine Kugel im Maul tr&amp;auml;gt, nein, einen Apfel - der Stiel lugt seitlich hervor. &lt;br /&gt;
&quot;Gibt&apos;s hier ein Telefon? Ich m&amp;uuml;sste mal...&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Nu setz dich erstmal und trink.&quot; &lt;br /&gt;
Ich schl&amp;uuml;pfe also aus meiner Jacke, h&amp;auml;nge sie &amp;uuml;ber die Lehne des Stuhls neben mir und setze mich. &lt;br /&gt;
&quot;Ich zahl aber gleich.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Na, mal nich? immer so ne Eile, eins nach&apos;m anderen&quot;, sagt er da, diesmal mit einem etwas freundlicheren Tonfall im Grinsen, das ihm wie Fett im Gesicht gl&amp;auml;nzt. An der Wand neben der Bar ein gr&amp;uuml;nes Notausgangsschildchen. Dort geht&apos;s zu den Klos.&lt;br /&gt;
Das M&amp;auml;del l&amp;uuml;mmelt an der Bar, r&amp;uuml;hrt mit einem Strohhalm im fast leeren Glas Eisw&amp;uuml;rfel um. Um den Hals tr&amp;auml;gt sie ein Lederband, daran ein Pentagramm. Verkehrt rum. Ishtars Trauergemeinde.&lt;br /&gt;
Das Klingeln eines Telefons t&amp;ouml;nt durch den Raum. Der Wirt rollt zur&amp;uuml;ck hinter seine Bar. &quot;Ja, gut? Ja? Wei&amp;szlig; ich Bescheid.&quot; Legt wieder auf. Kopfnicken zu dem Blassen, der daraufhin sein Glas leert, es hart absetzt und nach seiner Jacke greift, die auf dem Barhocker zwischen ihm und dem M&amp;auml;del liegt. Das bricht in ein kr&amp;auml;hendes Lachen aus und verf&amp;auml;llt in einen Kindersingsang: &quot;Irgendwann sind wir alle dran, irgendwann sind wir alle dran!&quot; Der Blasse zieht eine M&amp;uuml;nze aus der Tasche und legt sie auf den Tresen. Nickt dem Ehepaar in seiner Ecke zu, ein kurzer Blick zum Wirt, dann verschwindet er zum Notausgang. &lt;br /&gt;
Der Wirt kommt hinter der Bar hervor und schiebt sich durch den kleinen Gastraum zur Eingangst&amp;uuml;r. Die schwarze Dogge springt auf und l&amp;auml;uft auf ihn zu. &quot;Aus!&quot;, der Wirt, und &quot;Platz!&quot;, wobei er mit dem Arm in die Ecke weist. Er holt einen Schl&amp;uuml;sselbund aus der Westentasche und schlie&amp;szlig;t ab. &quot;Heut kommt keiner mehr.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wie sp&amp;auml;t ist es eigentlich?&quot; frage ich in seinen R&amp;uuml;cken. Er wendet sich schwerf&amp;auml;llig um mit routiniert fl&amp;uuml;chtigem Blick aufs Handgelenk, an dem keine Uhr zu sehen ist. &quot;Gleich zwei. Warum willst du das noch wissen? Der Tag is eh gleich rum!&quot; &lt;br /&gt;
Er lacht heiser. Das M&amp;auml;del an der Bar summt noch immer die Melodie vor sich hin. Das Ehepaar kauert seltsam verschreckt auf der h&amp;ouml;lzernen Sitzbank. &lt;br /&gt;
&quot;Noch ne Beam-Cola, Charlie!&quot; kr&amp;auml;ht das M&amp;auml;del an der Bar. &lt;br /&gt;
&quot;F&amp;uuml;r dich is jetz genuch.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Komm schon!&quot; &lt;br /&gt;
Die Stimme schl&amp;auml;gt Purzelb&amp;auml;ume. Das Telefon klingelt wieder. &quot;Ja, okay.&quot; Der Wirt legt auf. &lt;br /&gt;
&quot;So, Lili, nu aber husch, husch.&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Ach schei&amp;szlig;e, Mann.&quot;&lt;br /&gt;
Sie mault noch etwas, w&amp;auml;hrend sie eine M&amp;uuml;nze auf das Holz des Tresens legt und der Wirt sie bereits zum Hinterausgang schiebt. Ich nehme einen gro&amp;szlig;en Schluck von meinem Bier, das ich bis jetzt nicht anger&amp;uuml;hrt habe. Sehe &amp;uuml;ber den Glasrand zum Ehepaar hin&amp;uuml;ber. Die Frau, d&amp;uuml;nne F&amp;auml;ltchen um die Mundwinkel, an die Seite ihres Mannes gedr&amp;uuml;ckt, als versteckte sie sich in seinem schmalen Schatten. Kurz sieht der Mann mich an, rei&amp;szlig;t seinen Blick weg. Ein einzelnes Bierglas vor den beiden in einer Pf&amp;uuml;tze. Ich angle nach meiner Jacke. Hole meine Zigaretten hervor. An der Au&amp;szlig;enseite der Jackentasche h&amp;auml;ngt der Stoff im Triangel heraus. Nur eine windschiefe l&amp;auml;sst sich noch rauchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finde mein Feuerzeug nicht. Es muss beim Unfall durch das Auto und wer wei&amp;szlig; wohin geflogen sein. Als ich aufblicke, wirft mir der Wirt eine Schachtel Streichh&amp;ouml;lzer zu.&lt;br /&gt;
&quot;Danke.&quot; Zum Ehepaar:  &quot;Sind Sie hier aus dem Ort?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Nee, Kannawurf.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Nachbarort, gleich dr&amp;uuml;ben, f&amp;uuml;nf Kilometer von hier&quot;, erg&amp;auml;nzt der Wirt und weist mit dem Arm in die Richtung. Auf seinem Unterarm dunkelgr&amp;uuml;n die Schlange. Und zu den beiden: &quot;Wollt ihr noch was?&quot;&lt;br /&gt;
Sie nicken stumm und sind pl&amp;ouml;tzlich ganz grau im Gesicht. Der Wirt sp&amp;uuml;lt Gl&amp;auml;ser und beginnt, ein weiteres Bier zu zapfen. &lt;br /&gt;
&quot;Sch&amp;ouml;nes Tattoo haben Sie da&quot;, sage ich.&lt;br /&gt;
Er brummt geschmeichelt.&lt;br /&gt;
&quot;Hab ich noch nie gesehn.&quot;&lt;br /&gt;
Da klopft es kr&amp;auml;ftig gegen die Scheibe am Vordereingang. &lt;br /&gt;
&quot;Jaja, immer mit der Ruhe!&quot;, gibt der Wirt zur&amp;uuml;ck und zapft das Bier fertig. Das Klopfen wird energischer. &quot;Komm ja schon!&quot; &lt;br /&gt;
Er bringt den beiden das Bier, schwimmt durch den Raum zur T&amp;uuml;r und schlie&amp;szlig;t auf. Eine alte Frau steht davor, auf einen Kr&amp;uuml;ckstock gest&amp;uuml;tzt, mit verzerrtem Gesicht. &lt;br /&gt;
&quot;Ja, Ilschen! Mit dir hab ich heut aber nicht gerechnet!&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich auch nicht&quot; entgegnet sie knapp und humpelt in den Gastraum. &lt;br /&gt;
&quot;Osiris sieht das anders. Gib mir nen Schnaps. Vom guten.&quot; &lt;br /&gt;
Sie zieht einen Stuhl von einem Tisch, lehnt den Stock an die Tischkante. Auf dem linken Ringfinger hockt ein schwerer, golden eingefasster Schmuckstein und schimmert perlmutt. Ihr zerfurchtes Gesicht kalkwei&amp;szlig;, ihr Blick tot. &lt;br /&gt;
Ich seh zu dem Ehepaar, zum Wirt, zu der Alten. Das Telefon klingelt abermals, der Wirt schwimmt zum Telefon, lebendig, &quot;ja, gut&quot;, legt auf. Die Hunde springen. Sie jagen durch den Raum, h&amp;uuml;pfen an der Alten hoch, kl&amp;auml;ffen, japsen. Das Ehepaar steht auf, die Frau sieht mich mitf&amp;uuml;hlend an - sie sind beide pl&amp;ouml;tzlich blut&amp;uuml;berstr&amp;ouml;mt, die Kleider und das Haar versengt, ihre Gesichter verbrannt, der Mann ist am Bein verletzt, sie st&amp;uuml;tzt ihn. &quot;Gasexplosion&quot;, erkl&amp;auml;rt sie mir im Hinausgehen und dr&amp;uuml;ckt dem Wirt zwei M&amp;uuml;nzen in die Hand. Der dr&amp;auml;ngt mit seinem K&amp;ouml;rper die Hunde von ihnen ab. &quot;Mintaka! Sirius! Aus!&quot;&lt;br /&gt;
Ich seh an mir herunter: Hemd und Jeans sind zerrissen, &amp;uuml;berall ist Blut, unter dem Stofffetzen am Oberschenkel klafft Fleisch und etwas Wei&amp;szlig;es hervor. Ich will an meinen Kopf fassen, kann aber nur noch meinen rechten Arm bewegen, die Hand ist verdreht und blutverkrustet.&lt;br /&gt;
&quot;Hier kommen alle vorbei, wenn sie gehen&quot;, sagt der Wirt. &lt;br /&gt;
&quot;Hastes jetz auch kapiert, Junge.&quot; &lt;br /&gt;
Die Hunde haben sich wieder beruhigt.&lt;br /&gt;
&quot;Ich verstehe nicht ganz?&quot; &lt;br /&gt;
&quot;Osiris braucht Trauzeugen?, erkl&amp;auml;rt die Alte konziliant. &quot;Wie jeden Herbst.&quot; </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:09:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1856/">
    <title>Endlich wieder zuhause </title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1856/</link>
    <description>Er stand zwei Meter von ihr entfernt, sah &amp;uuml;ber die Schulter zu ihr und l&amp;auml;chelte. &quot;Los, komm schon. Kneifen gilt nicht.&quot; Sie z&amp;ouml;gerte einen Moment, bevor sie nach der Hand griff, die er ihr hinhielt und sich mitziehen lie&amp;szlig;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sonne war gerade &amp;uuml;ber die D&amp;uuml;nen gekrochen und die Luft war feucht und k&amp;uuml;hl. Sechs Uhr war es h&amp;ouml;chstens und kein Mensch, au&amp;szlig;er ihnen, war auf dieser Stra&amp;szlig;e mit dem holprigen Pflasterstein unterwegs. Sie lie&amp;szlig; ihren Blick der Stra&amp;szlig;e folgen und wusste, dass an ihrem Ende das Haus lag, in dem sie als Kind gl&amp;uuml;cklich gewesen war. Das Haus, welches sie vor &amp;uuml;ber sieben Jahren klammheimlich verlassen hatte  und bisher noch nicht einmal zur&amp;uuml;ckgekehrt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie sp&amp;uuml;rte, wie er ihre Hand dr&amp;uuml;ckte und sah ihn an. &quot;Kommst du?&quot; Finns Augen waren klar und schauten sie ermutigend an. Sie l&amp;auml;chelte kurz, sah sich dann zu Lasse, Florian und Malte um, die neben ihnen standen und nickte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ganze Nacht hatten sie im Bandbus der vier Jungs gesessen und geredet, nachdem Lenas Tr&amp;auml;nen getrocknet waren und ihr Herzschlag sich wieder normalisiert hatte. Sie hatte von ihrer Kindheit gesprochen, von ihrer Familie, von alten Freunden. Sie hatte &amp;uuml;ber all das gesprochen, was sie die letzten sieben Jahre so vehement aus ihrem Leben verdr&amp;auml;ngt hatte. Zum ersten Mal. Und sie hatte vom Meer erz&amp;auml;hlt, das sie ebenso lang nicht gesehen hatte. Weder hier, noch an einer anderen K&amp;uuml;ste. Sie h&amp;auml;tte den Anblick nicht ertragen k&amp;ouml;nnen. Doch jetzt f&amp;uuml;hlte sie wieder diesen unb&amp;auml;ndigen Drang ihre nackten F&amp;uuml;&amp;szlig;e in den Sand zu bohren, das Wasser um ihre Kn&amp;ouml;chel schwappen zu sehen und in die unendliche Weite des Meeres zu starren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Finn hatte sie angegrinst, war aus der Bank gerutscht und hatte ihr fest in die Augen geschaut. &quot;Na, worauf wartest du dann noch?&quot; Verwirrt hatte sie ihn angesehen und schlie&amp;szlig;lich war es Lasse, der nach ihrer Hand griff und sie auf die F&amp;uuml;&amp;szlig;e gezogen hatte. &quot;Ja, lass uns hingehen und gucken, ob es noch da ist.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lena sah zum Himmel und erkannte, dass es ein st&amp;uuml;rmischer Tag werden w&amp;uuml;rde. Die wei&amp;szlig;en Wolken verrieten ihr, dass die See rau war, noch bevor sie sie sehen konnte. &quot;Wo lang?&quot;, fragte Lasse und grinste sie an. Lena hob den Arm und deutete in eine Gasse. &quot;Da hinten ist der Weg durch die D&amp;uuml;nen.&quot; Lasse lief voraus. Sie folgte ihm schweigend. Jeder schien seinen eigenen Gedanken nachzuh&amp;auml;ngen. Immer wieder sah Finn sie aufmunternd von der Seite an und zwinkerte ihr zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hatte sich als unglaublich stark erwiesen, sie in die Arme genommen, als ihre Gef&amp;uuml;hle sie nach Beendigen ihrer Geschichte &amp;uuml;bermannt hatten. Finn hatte ihr zugefl&amp;uuml;stert, dass er stolz auf sie sei, dass es das Richtige war, ihnen ihre Geschichte zu erz&amp;auml;hlen. Und Lena hatte sich sicher gef&amp;uuml;hlt. Sie fragte sich, wieso ihr nicht fr&amp;uuml;her aufgefallen war, welche St&amp;auml;rke er besa&amp;szlig;? Eigentlich war es in den schwierigen Moment immer Finn gewesen, der da gewesen war, zugeh&amp;ouml;rt hatte und sie auffing.  Er hatte nie nachgebohrt oder verlangt, dass sie mehr erz&amp;auml;hlte, als sie es ohnehin von sich aus tat. Er hatte sie ganz alleine auf sich zukommen lassen, sie nicht bedr&amp;auml;ngt und damit wahrscheinlich genau das erreicht, was Lena jetzt empfand: Vertrauen und Sicherheit auf eine ganz bestimmte, unabh&amp;auml;ngige Art und Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kamen an den Holzplanken an, die im Sand verliefen und hinaus in die D&amp;uuml;nen f&amp;uuml;hrten. Dahinter lag das Meer. Lena konnte es h&amp;ouml;ren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lasse stand bereits oben, reckte sie Arme in die H&amp;ouml;he und rief ihnen zu: &quot;Los, kommt schon. Es ist gro&amp;szlig;artig!&quot; Dann verschwand er auf der anderen Seite und nur noch ein leises Johlen wurde vom Wind &amp;uuml;ber die D&amp;uuml;nen zu ihnen getragen. Lena lachte. Sie lachte laut, ehrlich und herzlich. &lt;br /&gt;
Die drei Anderen sahen sie ebenfalls lachend an. Da war es wieder, dieses fr&amp;ouml;hliche Lena Lachen, nachdem sie sich heute Nacht alle so sehr gesehnt hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lena lie&amp;szlig; Finns Hand los, riss sich die Schuhe von den F&amp;uuml;&amp;szlig;en und rannte die D&amp;uuml;ne hoch. Oben angekommen blieb sie stehen, starrte in die Ferne und lie&amp;szlig; den Wind mit ihren Haaren spielen. Dann drehte sie sich zu den anderen um, die ihr gefolgt waren. &quot;Ist das nicht gro&amp;szlig;artig?&quot; Ihre Stimme war euphorisch und ihre Augen strahlten. Florian nickte und lie&amp;szlig; seinen Blick ebenfalls &amp;uuml;ber das Meer wandern, das so gro&amp;szlig; und gewaltig vor ihnen lag. Wie lange war er nicht mehr am Meer gewesen? Es musste Ewigkeiten her sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im flachen Wasser stand Lasse, der die Schuhe und seine Jeanshose achtlos in den Sand geworfen hatte. Er winkte mit beiden Armen und sprang wie Rumpelstilzchen von einem Bein auf das andere. Das Wasser spritzte.&lt;br /&gt;
Lena schloss die Augen, lauschte einem Moment dem rauschenden Meer und dem Wind, der ihr um die Ohren pfiff. Dann rannte sie los, haltlos. Als sie den k&amp;uuml;hlen Sand unter ihren F&amp;uuml;&amp;szlig;en sp&amp;uuml;rte, wusste sie, dass sie wieder zu Hause war. Dass dies hier in diesem Moment der gl&amp;uuml;cklichste und sch&amp;ouml;nste Ort der Welt f&amp;uuml;r sie war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie warf ihre Schuhe in den Sand, rannte ohne abzubremsen auf das Wasser zu, sp&amp;uuml;rte es an ihren Beinen hoch spritzen und warf sich dann mit offenen Armen Lasse entgegen. Gemeinsam fielen sie laut lachend ins Wasser und verschwanden f&amp;uuml;r einen Moment in den Wellen.&lt;br /&gt;
Als sie wieder auftauchten und nach Luft rangen, sahen sie, wie auch die anderen auf sie zu gerannt kamen. Im Lauf zerrten sie ihre Schuhe von den F&amp;uuml;&amp;szlig;en und warfen sie in den Sand. &lt;br /&gt;
Lena spritze Lasse mit Wasser voll, quiekte und lachte, wie ein kleines M&amp;auml;dchen, als die drei Anderen ebenfalls in die Fluten sprangen und das Wasser aufwirbelten.&lt;br /&gt;
Gemeinsam sprangen sie durch das h&amp;uuml;fthohe Wasser, warfen einander um, schubsten sich und sprangen dem anderen auf den R&amp;uuml;cken, bis der das Gleichgewicht verlor. Keiner der F&amp;uuml;nf hatte sich in den vergangenen Jahren so frei und ungezwungen gef&amp;uuml;hlt. Sie waren wie f&amp;uuml;nfj&amp;auml;hrige, die keine Sorgen oder Verpflichtungen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lenas T-Shirt klebte an ihrem K&amp;ouml;rper, ebenso wie ihre Haare und ihre Jeans. Bis auf Lasse hatten sich alle nur ihrer Schuhe entledigt. Sie lief aus dem Wasser, stellte sich mit ausgebreiteten Armen in den Sand und lie&amp;szlig; den Wind eiskalt durch ihre Kleidung &amp;uuml;ber ihre nasse Haut wehen. Sofort bekam sie eine dicke G&amp;auml;nsehaut, doch das st&amp;ouml;rte sie nicht. Es war einfach ein zu sch&amp;ouml;nes Gef&amp;uuml;hl.&lt;br /&gt;
Ein Auge geschlossen, eins leicht ge&amp;ouml;ffnet, sah sie, wie Lasse und Finn auf Maltes R&amp;uuml;cken hingen und versuchten ihn zu ertr&amp;auml;nken. Das Bild, das sich ihr bot, lie&amp;szlig; sie laut auflachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Florian sah grinsen auf, rannte auf sie zu und riss sie an der H&amp;uuml;fte mit sich zu Boden. Lachend und nach Luft ringend lagen beide nebeneinander auf dem R&amp;uuml;cken und sahen sich mit einander zugewandten Gesichtern an.&lt;br /&gt;
&quot;Du wirst mir fehlen.&quot;, lachte Florian leise und zwinkerte ihr zu. &quot;Ihr mir auch.&quot;, gab sie ebenfalls leise, aber nicht weniger herzlich zur&amp;uuml;ck. Beide wussten, dass sie nicht gemeinsam zur&amp;uuml;ck fahren w&amp;uuml;rden, auch wenn es noch keiner von ihnen laut ausgesprochen hatte. Denn Lena war angekommen. Endlich wieder zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Florian griff nach ihrer Hand, zog sie vom Boden hoch, warf sich die laut protestierende Lena &amp;uuml;ber die Schulter und rannte erneut auf die Wellen zu. Noch waren sie alle hier.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:25:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1853/">
    <title>Dann geh ich halt ins Wasser</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1853/</link>
    <description>Fr&amp;uuml;her, wenn man sich umbringen wollte, dann sagte man gerne &quot;Ich geh ins Wasser!&quot;. Der Tod im Meer war so beliebt, dass es in den 30er und 40er Jahren eine regelrechte Flut an Filmen gab, in denen eine Schauspielerin sich dramatisch ins Meer warf. Zur Zeiten der Nazis gab es eine Schauspielerin namens Kristina S&amp;ouml;derbaum, die so oft im Wasser endete, dass ihr das Publikum den nicht eben schmeichelhaften Beinamen &quot;Reichswasserleiche&quot; gab. Mittlerweile ist der Tod im Wasser schwer aus der Mode gekommen. F&amp;uuml;r mich w&amp;auml;re das auch nichts. Einerseits, weil ich dazu keine Lust habe, andererseits, weil mir das Schwimmen im Meer (und lebend wieder rauskommen um sp&amp;auml;ter noch mal schwimmen zu gehen) einfach mehr Spa&amp;szlig; macht. Wenn ich denn dazu komme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztes Jahr habe ich es mal wieder getan. Ich dachte, mein letzter Besuch im Meer w&amp;auml;re kaum ein paar Jahre her. Je l&amp;auml;nger ich dar&amp;uuml;ber nachdenken musste, desto mehr wunderte ich mich. Ich ging mit meinen Erinnerungen ins letzte Jahrtausend, in die 90er, in die 80er, zu meinem Abitur, zu meiner Mittleren Reife und schlie&amp;szlig;lich in die 70er. Ich wollte das gar nicht glauben, also habe ich noch mal von vorne angefangen, aber ich landete wieder in den 70ern. Das kann doch gar nicht sein, dachte ich, dass das so lange her ist. Ich &amp;uuml;berlegte in den folgenden Stunden weiter. Ich ging alle Jahre akribisch durch, versuchte mich zu erinnern, verscheuchte den ein oder anderen Nebel, der sich &amp;uuml;ber meine Erinnerungen gelegt hatte. Aber es wollte mir nicht einfallen. Ich musste tats&amp;auml;chlich zur&amp;uuml;ck in meine Kindheit. Ganz weit zur&amp;uuml;ck. Wie ich mit meinen Eltern den Sommerurlaub verbracht habe. Wie wir mit dem Auto von Bonn aus, &amp;uuml;ber die Schweiz nach S&amp;uuml;dfrankreich gefahren sind. Wie ich mir an irgendeiner einer franz&amp;ouml;sischen Gastst&amp;auml;tte den Magen an einem Br&amp;uuml;hw&amp;uuml;rstchen verrenkt hatte. Wie wir durch winzige kleine Orte gefahren sind, wie meine Eltern mir das r&amp;ouml;mische Theater in Nimes gezeigt hatten. Wie wir durch Avignon gelaufen sind und in einem Hotel &amp;uuml;bernachten mussten, das nur noch Zimmer zu einem winzigen Innenhof hatte, in dem es nach altem Frittenfett stank und in dem die Hitze unertr&amp;auml;glich war. Wie ich in unserer Urlaubsstadt das erste Mal einen ganzen Tintenfisch serviert bekam, wirklich einen ganzen, der mich aus seinen toten schwarzen Augen anstarrte und so auf einer Tomatenso&amp;szlig;e schwamm, dass es aussah, als w&amp;uuml;rde er in seinem eigenen Blut hocken. Wie unsere Zimmernachbarin im Hotel auf der Strasse zum Strand von einem Mofa angefahren wurde, und ihr Fu&amp;szlig; in alle erdenklichen, aber sicher nicht gesunden Richtungen abstand und meine Mutter versuchte ihr helfen, w&amp;auml;hrend der Mofafahrer hilflos daneben stand und seinen orangefarbenen Schal so festhielt, dass seine Finger wei&amp;szlig; wurden. Wie wir in der Mittagshitze an einem kleinen Kiosk diese leckeren Baguette holten, die immer auf ein wenig Eis gelagert waren und so frisch und lecker schmeckten, wie kein Baguette danach. Wie ich mit meinem Vater zum Rennstrecke von Le Castellet gefahren bin, vorbei an niedergebrannten W&amp;auml;ldern die nach Holzkohle stanken, nur um an der leeren Rennstrecke uns die Stellen anzusehen, an denen mal irgendwas passiert war, was wir im Fernsehen gesehen hatten und ich am Ende einen kleinen Formel Eins Wagen geschenkt bekam. Wie wir einmal mit Bekannten weit ins s&amp;uuml;dfranz&amp;ouml;sische Hinterland gefahren sind, wo es ein winziges Restaurant gab, dass Abends an eine riesigen offenen Kamin ein ganzes Schwein r&amp;ouml;stete und wir den Salat zum Schwein mit den H&amp;auml;nden zerrupften. Wie ich meine Zeit am Strand verbracht habe und einmal einen ganzen, aber toten Seeigel fand, den ich wie einen Schatz ins Hotelzimmer trug nur um am n&amp;auml;chsten Tag in einen lebenden zu treten, was ich als Rache der Natur an meiner Freveltat daf&amp;uuml;r empfunden habe, dass ich dem toten Seeigel kein vern&amp;uuml;nftiges Begr&amp;auml;bnis zugestanden habe. Wie ich unter einem Sonnenbrand litt, den meine Mutter mit irgendeiner Creme und Handt&amp;uuml;chern aus dem K&amp;uuml;hlschrank linderte. Wie ich den hei&amp;szlig;en Sand durch meine Zehen habe rieseln lassen. Wie ich mit den Wellen geschwommen bin, stundenlang, immer nur auf und ab, darauf hoffend, dass die n&amp;auml;chste Welle noch ein St&amp;uuml;ck h&amp;ouml;her sei, damit sie mich noch h&amp;ouml;her und weiter tragen w&amp;uuml;rde. Wie das Salz so dick auf meiner Haut klebte, dass es Kruste bildete, die ich abklopfen konnte. Wie das Meer auf meinen Lippen geschmeckt hat. Da war ich 12. Ich musste tats&amp;auml;chlich 39 werden, damit ich das erste Mal wieder im Meer schwimmen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sollte ich also irgendwann in verzweifelter Stimmung ank&amp;uuml;ndigen, ich w&amp;uuml;rde jetzt oder demn&amp;auml;chst ins Wasser gehen, muss man sich keine gro&amp;szlig;en Sorgen machen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:11:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1858/">
    <title>Ich bin eine Miesmuschel</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1858/</link>
    <description>Das schrieb ich dem Briefbekannten, den ich &amp;uuml;ber eine Annonce kennen gelernt hatte, und es gefiel ihm. Vermutlich, weil es mein Selbst, von dem ich wohlweislich noch nicht allzu viel preis gegeben hatte, mit einem wabernden Geheimnis umgab. Schon die Behauptung, eine Muschel zu sein, birgt allerlei Diskretion. Dabei meinte diese Beschreibung weiter nichts, als dass ich den Geruch der Seen liebe, der brandenburgischen und der mecklenburgischen. Und den abendlichen Moment, wenn das letzte Kr&amp;auml;useln der Wasseroberfl&amp;auml;che zu einem Spiegel wird. Wie trivial. Das wusste der Bekannte damals nicht; er machte sich ein wom&amp;ouml;glich liebenswertes Bild von mir, das leider nicht deckungsgleich war mit dem Foto, dass ich ihm irgendwann schickte, worauf die Post ausblieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte noch andere Annoncen-Brieffreunde. Ein paar Frauen schrieben mir, denn ich hatte explizit vermerkt, dass es keine Partnersuche sei, aber es endete in Anfeindungen und Vorw&amp;uuml;rfen und letztendlich waren die M&amp;auml;nner die besseren Briefeschreiber, ob sie nun eine Partnerschaft wollten oder nicht oder etwas ganz anderes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nat&amp;uuml;rlich kam irgendwann Post, in die ich hineinlesen konnte, wonach ich mich sehnte. Ich war  damals verheiratet. Das bin ich nun nicht mehr, was nicht so dramatisch ist, wie es immer hingestellt wird. Es war, es war gut, und nun ist es vorbei. Aber als neulich die Redakteurin von der &amp;ouml;rtlichen Zeitung, die so freundlich war, mich f&amp;uuml;r einen Zeitungsartikel, den ich dankend in meine PR-Mappe hefte, zu interviewen, fragte: verheiratet?, sagte ich einfach &quot;ja&quot;. Das ergibt keine Erkl&amp;auml;rungsbedarf. &quot;Geschieden&quot; hingegen ist wie ein Mal auf der Stirn. Schlug er sie oder ging sie fremd? Und dieses Merkmal bleibt gesetzt f&amp;uuml;r den Rest des Lebens. Es verj&amp;auml;hrt nicht. Es gehen vielleicht zwanzig Jahre ins Land und ich bleibe, so ich mich nicht wieder vereheliche &quot;geschieden&quot;. Ich sollte dazu  bergehen, wenn jetzt wer fragt &quot;verheiratet?&quot; zu sagen: &quot;Im Moment nicht&quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls verliebte ich mich in den Schreiberling Hals &amp;uuml;ber Kopf, alles nur um der sch&amp;ouml;nen Worte willen. Die ich gelesen, er aber so gar nicht geschrieben, oder wenigstens gemeint hatte. Wir trafen uns, aber es passierte nichts, obwohl ich alles daran setzte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verbrachte einen endlosen Urlaub mit Mann und Kindern; die Gedanken verheddert in  Tagtr&amp;auml;umen. Auf einem Zeltplatz an einem der vorbeschriebenen Seen, sa&amp;szlig; ich am Abend am Wasser, froh, dass die Kinder schliefen und der Angetraute mich in meiner Tr&amp;uuml;bseligkeit sitzen lie&amp;szlig;. Ein junger Mann kam mit einem Boot, einem ferngesteuerten. Ein sehr junger Mann. Als er das Hemd auszog, um das Boot, das weit auf dem Wasser trieb, zu holen, h&amp;auml;tte ich &amp;uuml;ber ihn herfallen m&amp;ouml;gen. Aber ich tat es nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber verheiratet bin ich nicht mehr.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:32:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1864/">
    <title>&amp;uuml;bersetzen - &amp;uuml;ber wasser</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1864/</link>
    <description>am anderen ufer ist noch licht. fliegen will ich. durch die nacht. die luft. &amp;uuml;ber das wasser. hin&amp;uuml;ber. mich &amp;uuml;bersetzen. in eine andere sprache. meine einzige. sprache. schwerelos. bodenlos. fremde welten. betreten. ein anderes land. ich allein. bin mir sicher. das leben ist. am anderen ufer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den weg gehen. der gegangen werden mu&amp;szlig;. niemand fragt. wie es geht. mir geht. warum ich gehe. oder wann. schon gar nicht wohin. das land. das ist nicht wichtig. kein wort ist wirklich. keine sprache w&amp;auml;chst. auf realem boden. am ufer. diesseits. meiner selbst. &amp;uuml;berlebt mein klang. nicht eine nacht. den klang des wassers. weggehen. ich wei&amp;szlig;. den weg. kann fliegen. schweben. jederzeit. &amp;uuml;ber wasser. es ist sp&amp;auml;t. auch heute wieder. die luft wird d&amp;uuml;nn. am fr&amp;uuml;hen abend schon. und k&amp;uuml;hl. die nacht. niemand fragt. wie es geht. wie lange. und warum. trotzdem. immer wieder. eine antwort. ein versuch. an jedem morgen. neu. und nur f&amp;uuml;r mich. allein. es geht mir gut. oder nicht. ich tr&amp;auml;ume. ich lache. manchmal. ich bin m&amp;uuml;de. jede antwort l&amp;uuml;gt. es ist traurigkeit. dahinter. verzweiflung. ich kann nicht &amp;uuml;bersetzen. ich bleibe. ohne worte. was ich auch sage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fenster &amp;ouml;ffnen. im licht des tages. in deine richtung. sehen. wollen. sprechen. jedes wort ein schritt. ein weg. ich gehe. entlang der feinen linie. vorw&amp;auml;rts. das land. ich lausche dem klang. deine antwort. schwer verst&amp;auml;ndlich. noch. immer. ich bleibe. bodenlos. unerreichbar. das wirklich menschliche. ist mir fremd. lebt. an einem anderen ort. nacht f&amp;uuml;r nacht. am tag. ein licht. das ich nicht finde. nicht kann. nicht sehen. nur ahnen. und wissen. von dir. im schlaf. im traum. das emotionale ged&amp;auml;chtnis ruft. r&amp;uuml;hrt durch meine eingeweide. r&amp;uuml;ttelt an tiefschlafenden speicherzellen. l&amp;ouml;scht feste datenbanken. im hirn. im knochenmark. unwiederbringlich. verwirft erinnerung. und worte durcheinander. was ich je zu wissen glaubte. ist verloren. verbirgt sich. weiter. tiefer. nimmt mich nicht mit. auf die reise. ohne wiederkehr. das land. es schl&amp;auml;ft sich gut. am anderen ufer. ruhig. unter dem matten licht des mondes. meiner verzweiflung. fern. niemand lacht. das unertr&amp;auml;gliche. die andere seite. unerreichbar. &amp;uuml;ber das wasser. fliegen. ich bleibe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich will. beim n&amp;auml;chsten vollmond. &amp;uuml;bermorgen. gehe ich. den weg. &amp;uuml;ber das wasser. setzen. nachts. kein schneller flug. und keine flucht mehr. unber&amp;uuml;hrbar. schwerelos. in den l&amp;uuml;ften. verborgen. den kopf. in den wolken. verstecken spielen. nein. stehend. im boot. fest. mit beiden beinen. eigenh&amp;auml;ndig. langsam das ruder. bewegen. im wasser. gleichm&amp;auml;&amp;szlig;ig. kr&amp;auml;ftig. vorw&amp;auml;rts treiben. leise. &amp;uuml;ber das wasser. dunkel wird weit. schwerer. und leicht. der weg. der klang. eindeutig. jeder moment. jeder schlag. erinnerung. von wasser gepr&amp;auml;gt. von licht. von beiden ufern. beiden seiten. getragen. das land. niemand fragt. warum. das wasser schl&amp;auml;gt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
boote tragen sicher. &amp;uuml;ber wasser. lange schon. auch mich. auf meinem weg. ins licht. ich folge meinen worten. feine linien. klar gezeichnet. vor mir. ich will. mu&amp;szlig;. &amp;uuml;bersetzen. mit den worten gehen. doch leben ist. auf beiden seiten. an beiden ufern. schl&amp;auml;ft die angst. und wartet. ich bleibe. hilflos. immerzu am rand. entlang. der angst. &amp;uuml;ber das wasser. ohne ende. immer weiter. ich tr&amp;auml;ume. das land. im kalten schwarz des neuen mondes. allein. neue tr&amp;auml;ume tr&amp;auml;umen. gegen&amp;uuml;ber meiner angst. zum trotz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch nur das wasser kennt bewegung. immer schon. wie konnte ich vergessen. seine richtung wirkt. mir entgegen. mein weg vergeht. mein netz von worten. feine linien. vor mir. ausgebreitet. gut verteilt. in alle himmelsrichtungen. verkn&amp;uuml;pft. schwach. bin ich. mein traum. das land. und alle meine ufer. schwinden. nur ich. mu&amp;szlig; bleiben. hilflos treiben. zwischen welten. hier nicht. dort nicht. noch nicht. nirgendwo zu hause. ich mu&amp;szlig; weiter. leben. &amp;uuml;bersetzen. das allein. bleibt wahr. vielleicht. zum schlu&amp;szlig;. das meer. der ozean. und kein zur&amp;uuml;ck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich folge dem wasser. freiwillig. dem flu&amp;szlig;. dem strom. in seine richtung. meine richtung. zeit vergeht. vergi&amp;szlig;t mich. endlich. und ich tr&amp;auml;ume. alles anders. lasse hinter mir. das land. und alle angst. verzweiflung. traurigkeit. tief in mir. verwurzelt. bleibt. mein weg. bei mir. wohnt mich fest. f&amp;uuml;hlt sich wohl. im wasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jenseits von allen ufern. mitten in der nacht. auf keiner meiner seiten. lebt ein geist. er kennt nur eine richtung. folgt dem flu&amp;szlig; des wassers. freiwillig. wie ich. seit tausenden von jahren. schon. immer. neben mir. sein atem spricht. trifft mich. tiefer. wirklicher. als jedes wort. ein geist. geht meinen weg. mit mir. erlebt den gleichen klang. singt mir das lied. den weg. frei. von allen ufern. allen wassern. allen tr&amp;auml;umen. er wei&amp;szlig; den weg. ich wei&amp;szlig;. nur bis zur n&amp;auml;chsten biegung. ein st&amp;uuml;ck vom weg. ein augenblick. nicht mehr. nicht weniger. ist unser weg.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-04T08:50:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1861/">
    <title>Cold Water</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1861/</link>
    <description>Eine schw&amp;uuml;le Hitzeglocke h&amp;auml;ngt schon morgens &amp;uuml;ber dem Mondsee. Als wir mit dem Bus ankommen, schwingt sich uns ein altes Weiblein erstaunlich flink auf Kr&amp;uuml;cken entgegen. Zwei Euro m&amp;ouml;chte sie haben, pro Kopf versteht sich. Die restlichen Besucher des kleinen Parkplatzes haben sich bereits aus ihren Wohnmobilen gesch&amp;auml;lt und bereiten die Grille f&amp;uuml;r das Mittagsfleisch vor. Die Ausr&amp;uuml;stung ist schnell zusammengebaut, doch vor Anziehen des dicken Trockentauchanzuges graut mir ein wenig. Hilft alles nicht, es muss sein, will ich drunten im See nicht frieren. Ich beginne mit der langen Unterhose, Socken, dar&amp;uuml;ber Neoprensocken, schlie&amp;szlig;lich ein Langarmshirt und ein Pullover. Dann steige ich in das dicke Unget&amp;uuml;m, lasse von meiner Kollegin den Rei&amp;szlig;verschluss am R&amp;uuml;cken schlie&amp;szlig;en, schl&amp;uuml;pfe in Kopfhaube und Handschuhe. Das restliche Equipment - Jacket mit Flasche, Blei und Lampen - wiegt gut und gerne nochmals 20 Kilo. So schleppe ich mich zum Wasser. An der Oberfl&amp;auml;che warte ich auf die Tauchgangsf&amp;uuml;hrerin mit ihrem Sch&amp;uuml;ler. Ich h&amp;auml;nge mich heute nur hinten dran. Als Tauchlehrer habe ich zwar Erfahrung, in letzter Zeit fehlt mir aber die Routine. Vor eineinhalb Jahren musste ich pausieren, danach war ich nur noch zwei-, dreimal im Wasser. Die Tiefe verlangt K&amp;ouml;rper und Psyche eine Menge ab. Kleine Fehler k&amp;ouml;nnen sich verheerend auswirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Zeichen zum Abtauchen lasse ich alle Luft aus Anzug und Jacket. Ich gleite langsam hinab in die Welt der Schwerelosigkeit. Sobald das Wasser mein Gesicht ber&amp;uuml;hrt, verlangsamt sich mein Herzschlag. Mein Innerstes ist vollkommen ruhig. Zun&amp;auml;chst wirkt die K&amp;uuml;hle erfrischend. Es soll diesmal kein tiefer Tauchgang werden. Ich orientiere mich am Grund, richte den Kompass und schaue mich nach markanten Gegenst&amp;auml;nden wie Astwurzeln, Erhebungen oder Steinen um, damit ich in der Lage bin, den Ausstieg wieder zu finden. Langsam gew&amp;ouml;hnen sich meine Augen an das D&amp;auml;mmerlicht. Kleine Barsche schwimmen in Gruppen Slalom um das Seegras. Der Grund, an dem wir entlanggleiten, f&amp;auml;llt seicht ab. Als wir die Sprungschicht erreichen, wird es merklich k&amp;auml;lter. Wangen, Kinn und Lippen sind die einzigen K&amp;ouml;rperstellen, die direkt mit dem kalten Wasser in Ber&amp;uuml;hrung kommen. Auf 15 Meter muss ich die Lampe einschalten, um den Grund deutlich zu sehen. Ein kleiner Hecht huscht durch den Lichtkegel. Sonst sehe ich nur Schlamm, Laub und Felsbrocken, doch selbst diese kleinen Dinge besitzen hier unten einen ganz eigenen, bizzarren Charme. Mit der Hand wirble ich ein wenig Schlamm auf und beobachte, wie er sich zeitlupenartig wieder senkt, um ein neues Muster auf den Boden zu zaubern. Zu den anderen Beiden lasse ich lieber Abstand, da der Sch&amp;uuml;ler mit seinem Flossenschlag viel Dreck aufwirbelt, der mir die Sicht tr&amp;uuml;bt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf 20 Meter beginnt mein Kopf zu arbeiten. Was, wenn jetzt mein Automat abbl&amp;auml;st? Damals im Walchensee habe ich es erlebt. An der Steilwand auf 40 Meter. Umh&amp;uuml;llt von Dunkelheit, unter mir unendlicher Abgrund, im Lichtkegel die bizzarre Felswand. Klettern ohne Anstrengung und ohne den Felsen zu ber&amp;uuml;hren. Ich f&amp;uuml;hre den Tauchgang, will tiefer, mein Partner geht mit. Auf 50 Meter beginnt aufgrund des hohen Umgebungsdruckes eins meiner Ventile zu vereisen. Der Automat bl&amp;auml;st die Luft aus der Flasche unkontrolliert ab. Ich deute meinem Partner, das vereiste Ventil abzudrehen und wechsle auf den anderen Automaten. Eine kurze Weile verharren wir frei schwebend. Er vergisst, das Ventil wieder zu &amp;ouml;ffnen. Ich will jedoch mein alternatives Ventil nicht &amp;uuml;berlasten, da dieses ebenfalls einfrieren k&amp;ouml;nnte und frage ihn per Zeichen, ob das erste wieder ge&amp;ouml;ffnet ist. Er nickt. Also wechsle ich wieder das Mundst&amp;uuml;ck, doch als ich anziehe, kommt keine Luft. Ich wechsle routiniert wieder auf das ge&amp;ouml;ffnete Mundst&amp;uuml;ck. Womit ich in diesem Moment nicht gerechnet habe, ist die Stickstoffnarkose. Der Kopf reagiert unter Druck verlangsamt, Reize werden von den Nervenzellen nicht mehr korrekt verarbeitet. So bin ich mir nicht mehr im Klaren, in welche Richtung wir m&amp;uuml;ssen. Oben und unten, rechts und links, &amp;uuml;berall pechschwarze Nacht. An den aufsteigenden Luftblasen k&amp;ouml;nnte ich mich orientieren, doch diese Information gelangt nicht mehr bis in mein Bewusstsein. Mein Partner &amp;uuml;bernimmt die F&amp;uuml;hrung. Seitdem wei&amp;szlig; ich, wieviel ein verl&amp;auml;sslicher Tauchpartner wert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pl&amp;ouml;tzlich kehrt die Tauchgangsf&amp;uuml;hrerin mit dem Sch&amp;uuml;ler um. Ich wei&amp;szlig; nicht wieso, denke zun&amp;auml;chst, sie will irrt&amp;uuml;mlich in die falsche Richtung, bis ich sehe, dass der Sch&amp;uuml;ler aus dem gelben Oktopus atmet. Sein Automat ist vereist. Langsam steigen wir auf. Der Sch&amp;uuml;ler atmet schnell und ohne Pausen. Sie versucht ihn zu beruhigen. Schlie&amp;szlig;lich vereist auch seine alternative Luftversorgung. Ich halte meine beiden &amp;uuml;brigen Mundst&amp;uuml;cke bereit. Seine Flasche hat sich geleert, doch wir zwei haben noch gen&amp;uuml;gend Reserven, um alle sicher an die Oberfl&amp;auml;che zu bringen. Seine Bestrebung, m&amp;ouml;glichst schnell nach oben zu gelangen, unterbindet sie gekonnt, h&amp;auml;lt ihn fest, sucht Blickkontakt und beginnt, mit ihm zu atmen, bis sich sein Atemrhythmus normalisiert hat. Kein leichtes Unterfangen, einen Taucher in Panik am unkontrollierten Aufstieg zu hindern. Die Folge w&amp;auml;re f&amp;uuml;r ihn - je nach Stickstoffs&amp;auml;ttigung - ausperlender Stickstoff in den Blutbahnen und Bl&amp;auml;schen, die eventuell Haargef&amp;auml;&amp;szlig;e verschlie&amp;szlig;en. Nach einer Weile ist er soweit, um den langsamen Aufstieg zu beginnen. Ich bin etwas entt&amp;auml;uscht, dass der Tauchgang so schnell beendet ist, doch der Sch&amp;uuml;ler ist mit Sicherheit sehr froh, wieder frei atmen zu k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir planen den folgenden Tauchgang im benachbarten Attersee. Nach einem Unfall muss man weiterfahren, vom Pferd abgeworfen sofort wieder aufsteigen und der Taucher sofort wieder runter. Die Hemmschwelle wird zu gro&amp;szlig;, wenn nach einem be&amp;auml;ngstigenden Ereignis zu viel Zeit vergeht. Ich habe damals einige Monate verstreichen lassen, bis ich wieder ins Wasser bin. Erst fehlte die M&amp;ouml;glichkeit, dann wurde ich immer &amp;auml;ngstlicher, zuletzt ein &amp;auml;rztliches Verbot. Beim Wiedereinstieg mied ich die Tiefe g&amp;auml;nzlich. F&amp;uuml;r einen Tauchlehrer fatal. Im Grunde ist so ein Vorkommnis nicht schlecht. Man agiert umsichtiger, zollt dem fremden Element den n&amp;ouml;tigen Respekt. W&amp;auml;hrend wir unsere Ausr&amp;uuml;stung einpacken, zum n&amp;auml;chsten Platz fahren und uns dort vorbereiten, spricht er fast ununterbrochen vom Vorfall. Er verarbeitet sein Erlebnis durch Sprechen. Wir helfen ihm dabei, indem wir Tipps geben, ihm zuh&amp;ouml;ren und ihm Mut zusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen dringen durch die aufgebrochene Wolkendecke erste Sonnenstrahlen. Ich bin schnell im Wasser und lasse mich an der Oberfl&amp;auml;che von den Wellen schaukeln. Beim Abstieg sehe ich die Sonnenstrahlen schr&amp;auml;g einfallen. Ich bewege mich in Zeitlupe, hie und da ein Flossenschlag. Dennoch legen wir einen beachtlichen Weg zur&amp;uuml;ck. Als wir umkehren, hat sich die leichte Str&amp;ouml;mung gedreht und zieht uns langsam an die Einstiegsstelle. Ich bewege mich kaum noch, kontrolliere nur noch die H&amp;ouml;he mit meiner Atmung und werfe ab und zu einen pr&amp;uuml;fenden Blick auf die Instrumente. Das Laub bewegt sich mit der Str&amp;ouml;mung, als ob ein leichter Windhauch dar&amp;uuml;ber hinwegbliese. Die Welt unter Wasser spiegelt die dar&amp;uuml;ber, doch nimmt sie ihr jegliche Hektik. Hier unten konnte ich immer entspannen, abschalten, mich hineingeben und vertrauen. W&amp;auml;hrend andere nach besonders pr&amp;auml;chtigen Exemplaren an Lebewesen oder anderen Kuriosit&amp;auml;ten (Kriegspatronen, Autowracks, etc.) Ausschau halten, um davon berichten zu k&amp;ouml;nnen, gilt mein Blick den Unscheinbarkeiten. F&amp;uuml;r mich gibt es keine langweiligen Tauchg&amp;auml;nge. Wenn ich nicht zur Entspannung tauche, dann um die Beherrschung des Geistes zu schulen. An die eigenen Grenzen sto&amp;szlig;en, mit &amp;Auml;ngsten aktiv umgehen, Grenzen erweitern. Und immer wieder reflektieren, antizipieren, lernen. Kaum einer versteht meine Intention. Deswegen bin ich still geworden, lasse lieber die anderen von ihren Heldentaten berichten und lausche kopfnickend. Auch das geh&amp;ouml;rt zu den Aufgaben eines Tauchlehrers. Denen, die es nicht kennen, brauche ich schon gar nicht ankommen. Warum ich mich absichtlich in Gefahr br&amp;auml;chte und wenn ich es dennoch beherrschte, wieso mir nicht wichtig sei, ob ich dort unten Spektakul&amp;auml;res sehe, so lauten die Fragen. Ich kann es ihnen nicht begreiflich machen, meine ganz eigene Form von Meditation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Heimfahrt bin ich m&amp;uuml;de. Gleichzeitig formen sich in meinem Kopf Gedanken. Am gemeinsamen Essen m&amp;ouml;chte ich nicht mehr teilnehmen, lieber f&amp;uuml;r mich sein. Sie d&amp;uuml;rfen gerne ihre Geschichten teilen, ich bin in diesem Falle ein schlechter Zuh&amp;ouml;rer. Jedes einzelne Wort bedeutet Anstrengung, der ich mich bewu&amp;szlig;t entziehe. Langsam wird es dunkel. Die obere Welt ist nass vom Regen. Ich sitze und starre in die Nacht, ganz ruhig, ganz aufger&amp;auml;umt. So f&amp;uuml;hlt sich Zufriedenheit an.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:41:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1865/">
    <title>Editorial</title> 
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    <description>Kaum etwas fasziniert die Menschen mehr als das Meer. Da passiert zwar meist nur sehr wenig, au&amp;szlig;er das gleichf&amp;ouml;rmig die Wellen ans Ufer schlagen, aber doch gibt es da etwas, was uns mit dem Meer verbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Am Meer versp&amp;uuml;re ich Sehnsucht nach dem Ufer, das ich nicht sehe.&quot; Das Zitat stammt vom Schweizer Autor Otto Baumgartner und wenn man einen melancholischen Tag hat, dann ist es wohl ein &amp;auml;hnliches Gef&amp;uuml;hl. dass man versp&amp;uuml;rt, wenn man ein paar Stunden die Wellen und die Weite beobachtet. Die Zeiten, in denen man mit dem Meer das gro&amp;szlig;e Abenteuer und die Entdeckung eines neuen Landstriches verbunden hat, sind leider lange vorbei. Aber was die eigenen W&amp;uuml;nsche und Sehns&amp;uuml;chte angeht, k&amp;ouml;nnen diese besonders gut mit einem Blick aufs Meer auf die Reise gehen. Die vielen Geschichten dieser Ausgabe, die rechtzeitig zur beginnenden Urlaubssession, erz&amp;auml;hlen in sehr unterschiedlichen Stilen von den Erlebnissen, die die Autoren am oder mit dem Meer gemacht haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle geht ein gro&amp;szlig;er Dank an die Autoren und die vielen Helfer im Hintergrund, die in diesem Monat daf&amp;uuml;r gesorgt haben, dass die neue Ausgabe wieder p&amp;uuml;nktlich erscheinen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein besonderer Dank geht an Herrn Paulsen, der in diesem Monat die Bilder f&amp;uuml;r diese Ausgabe zur Verf&amp;uuml;gung gestellt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich w&amp;uuml;nsche viel Spa&amp;szlig; bei der Lekt&amp;uuml;re&lt;br /&gt;
Don Dahlmann</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Editorial</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-04T08:53:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1855/">
    <title>Sommersonnentage</title> 
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    <description>Die F&amp;uuml;&amp;szlig;e im Sand, Schiffe fahren vorbei. Ein Nickerchen am Strand. M&amp;ouml;wen, Kinder, Strandk&amp;ouml;rbe. Den Steg hinausgehen, dann ins Wasser, das Wasser ist eiskalt. Zwei &amp;auml;ltere Damen mit Badem&amp;uuml;tzen baden mit Wonne, kommen Sie rein, rufen sie, es ist herrlich, und dann suchen sie wieder Quallen f&amp;uuml;r die Kinder auf dem Steg, fischen sie raus, guckt mal, sagen sie, ich hab eine ganz gro&amp;szlig;e! Sie stehen ja immer noch so halbtrocken da rum, sagt eine der Damen zu mir, ich habe mich erst bis zur H&amp;uuml;fte reingetraut, das geht doch so nicht, sie spritzt mich nass, und ich ergebe mich, lasse mich ins Wasser fallen, die K&amp;auml;lte raubt mir kurz den Atem. Und dann das Meer. Immer wieder das Wasser, immer wieder kostet es &amp;Uuml;berwindung, und dann ist es doch ein warmer Arm, auch wenn er kalt ist. Und wenn man rauskommt, ist man f&amp;uuml;r kurze Zeit ganz neu und ganz warm von der K&amp;auml;lte.&lt;br /&gt;
Dann die Promenade entlangflanieren, einen gro&amp;szlig;en Eisbecher essen, mehr Schiffe anschauen, eine M&amp;uuml;tze kaufen. Erinnerungen an andere Sonnentage. Countrymusik auf der Hedi, irgendeine Musik auf der Hedi, egal, zusammensitzen, reden, lachen. Eine Riesenfrikadelle zum Sonnenuntergang an der Alster. Entspannte Stunden mit Freunden an der Strandperle, r&amp;auml;keln und reden, faul, vertraut, gelassen. Mit den Kindern ein Loch buddeln, wenn man ganz tief buddelt, kommt unten Wasser, wie tief muss man buddeln, bis unten Wasser kommt? Der Mann buddelt ein Loch, das so tief ist wie sein Arm lang, w&amp;auml;hrenddessen steigt das Wasser der Elbe, aber das Loch reicht nicht bis da, wo unten Wasser kommt. Noch ein Bier und eine Frikadelle und eine Brezel und ein Bier. Da kommt eine Riesenwelle, die kommt bestimmt bis hier rauf!, und ein fremder Hund will ein St&amp;uuml;ck Wurst. Die Elbe flie&amp;szlig;t so dahin, die Gespr&amp;auml;che flie&amp;szlig;en so dahin, noch ein Bier. Gehst du jetzt mit mir Steine flitschen? Alles ist voll Sand und Sonne, und das Wasser glitzert, ist hier noch frei?, und die Tr&amp;auml;gheit genie&amp;szlig;en. Ein letztes Bier. Sch&amp;auml;ufelchen wieder ausbuddeln, F&amp;uuml;&amp;szlig;e entsanden, kriegen wir das Schiff noch, oder nehmen wir das n&amp;auml;chste, kommt, das kriegen wir, und wenn es anlegt, macht es einen Bums. Ihr sollt aber noch mit zu uns kommen, ich will euch mein Fahrrad zeigen und wie ich Fahrrad fahren kann. Wir sind auch voll Sand und Sonne, und der ganze Sommer liegt noch vor uns und glitzert. Und immer das Wasser, die Sonne. Und immer: wie gut es tut, anderes auf der Haut zu sp&amp;uuml;ren als Kleidung. Warme Luft, kaltes Wasser, Sand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wei&amp;szlig;: im Herbst werde ich wieder noch nicht satt sein. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:20:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1860/">
    <title>Das Halbe und das Ganze</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1860/</link>
    <description>Am Abend, wenn in allen Apfelbl&amp;uuml;ten schon der Mond hing, sa&amp;szlig; mein Vater in dem Sessel neben meinem Bett und las vor. &quot;Weit drau&amp;szlig;en im Meer,&quot;, las er, &quot;ist das Wasser so blau wie die Bl&amp;auml;tter der sch&amp;ouml;nsten Kornblume, und so klar wie das reinste Glas....&quot;, und ich zog mir die Decke bis unters Kinn und schlief ein, bevor die Meerjungfrau zur Meerhexe kam, und lange bevor sie den glatten, glitschigen, nassen Fischleib eintauschte gegen zwei Beine, die bei jedem Schritt schmerzten in ihrer schlanken Eleganz. Am Ende, dass wusste ich, w&amp;uuml;rde der Prinz eine andere heiraten, die ein Mensch war von Anbeginn, aus einem Gu&amp;szlig;, und die Meerjungfrau w&amp;uuml;rde ganz vergeblich das Wasserwesen von sich geworfen haben, und erst stumm, und dann zu Schaum werden und schlie&amp;szlig;lich vergehen als ein dienender Geist der Luft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weinen h&amp;auml;tte ich k&amp;ouml;nnen &amp;uuml;ber die Vergeblichkeit der Opfer, die Sprachlosigkeit der Meerjungfrau mit der zerschnittenen Zunge, und die Blindheit des Prinzen, der die Liebe nicht bemerkte, die da neben ihm schritt. Mag sein, dachte ich vielleicht, bemerkte der Prinz die Liebe der Nixe sogar, aber roch die erzauberte Natur der Beine, ekelte sich vor der M&amp;uuml;hsal und der dunklen Magie, die es gekostet hatte, den schillernden Unterleib der Meerjungfrau zu verwandeln, und so kehrte die Meerjungfrau Abend f&amp;uuml;r Abend ins Meer zur&amp;uuml;ck, nicht mehr Meerjungfrau, nie Prinzessin geworden, k&amp;ouml;rper- wie stimmloser Geist. Am Deck des Schiffes stand der Prinz und sah ihr nach, seine Braut im Arm. Der Prinz, wusste ich, w&amp;uuml;rde sie vergessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Prinzessinnen verschwanden aus den B&amp;uuml;chern, die im Nachttisch lagen und auf die abendliche Lesestunden warteten. Die Tiermenschen blieben, wuchsen, verloren die stumme Ergebenheit der Meerjungfrau mit der Sehnsucht nach den roten Blumen, und rasten als Zentauren durch die W&amp;auml;lder meiner N&amp;auml;chte. Als m&amp;auml;chtige &amp;Auml;rzte, Erzieher, Giftmischer fl&amp;uuml;sterten die Zentauren von menschlicher Klugheit gepaart mit tierhafter Energie, von Wildheit, vom rohen Fleisch, das sie n&amp;auml;hrte. Der Geruch der nassen Pferde nach einem Ritt durch den Sommerregen den Waldrand entlang musste ihrer sein, aber auch die Zentauren verblassten, und in den B&amp;uuml;chern, die sich nunmehr neben dem Bett stapelten, wurden die Tiermenschen weniger, keine wilden Schw&amp;auml;ne kreuzten den Abendhimmel und warfen bei Nacht ihre Federn ab, kein Gott verwandelte sich in einen schwarzen Stier, die Welt verlor ihre Verzauberung, und nur selten wurde unter den F&amp;uuml;&amp;szlig;en unter den gedrechselten Tischen im Kerzenschein ein Bocksfu&amp;szlig; sichtbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwo aber, weitab von dieser Stadt aus geborstenen Steinen und dem Staub der Baustellen, irgendwo in den W&amp;auml;ldern k&amp;auml;mpfen nach wie vor die Zentauren. Ein Stier mit goldenen H&amp;ouml;rnern teilt das Wasser. Und der Schaum, in dem die Meerjungfrau vergehen muss, gebiert ein neues Wasserwesen, unverletzlich, ganz, unteilbar und gepriesen von den St&amp;uuml;rmen, die nachts &amp;uuml;bers Meer kommen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:38:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1859/">
    <title>Das Nebelhorn</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1859/</link>
    <description> Ich wohne schon seit zwanzig Jahren nicht mehr an der K&amp;uuml;ste. Das ist meist nicht weiter schlimm, denn ich wohne in Hamburg, der einzigen Gro&amp;szlig;stadt, die nicht am Meer liegt, in der die See aber dennoch &amp;uuml;berall zu sp&amp;uuml;ren ist. Die Elbe tr&amp;auml;gt Geruch und Wetter von der Nordsee mit der Tide in die Stadt, die M&amp;ouml;wen, die hier schreien, waren eben noch drau&amp;szlig;en am Strand und wenn man an den Landungsbr&amp;uuml;cken steht, kann man das Meer zwar nicht sehen, aber es ist doch da. Immer wieder stehen da Touristen an den Fischbr&amp;ouml;tchenst&amp;auml;nden, die wirklich meinen, da&amp;szlig; da irgendwo, da gleich hinter den riesigen Docks von Blohm &amp;amp; Voss vielleicht, der Flu&amp;szlig; m&amp;uuml;nden m&amp;uuml;&amp;szlig;te, so &amp;uuml;berzeugend ist das K&amp;uuml;stengef&amp;uuml;hl am Hamburger Hafen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fehlt mir nicht, das Meer zu sehen, es fehlt mir nicht, am Strand entlang zu gehen. Ich habe oft genug erlebt, wie grausam langweilig, endlos &amp;ouml;de und leblos das Meer in einem norddeutschen Winter aussehen kann, in so einem z&amp;auml;hen Winter ohne Schnee, der nichts als bitterkalte Tage bringt mit dem immer schneidendem Wind, mit immergrauen Wolken &amp;uuml;ber dunkelgrauer See an fahlgrauem Strand. So grau ist das dann alles, da&amp;szlig; man verr&amp;uuml;ckt werden m&amp;ouml;chte, vor Sehnsucht nach einer Farbe. Wenn man da &amp;uuml;berwintert, wenn es da dann nicht M&amp;auml;rz werden will und die leeren Villen an der Promenade Woche um Woche verlassen dastehen wie Geisterh&amp;auml;user - das vermi&amp;szlig;t man nicht, nie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fehlt mir nicht, im Sommer im Meer zu sein, ich habe als Kind mehr gebadet als die meisten Menschen es im ganzen Leben schaffen werden. Es fehlt mir nicht, auf hei&amp;szlig;em Sand zu liegen, ich habe Jahre darauf verbracht, es hat gereicht. Wenn ich heute mal an das Meer fahre, ziehe ich mir nicht mehr die Schuhe aus und gehe barfu&amp;szlig; &amp;uuml;ber den Strand, ich setze mich lieber in ein Caf&amp;eacute; und sehe den anderen zu, die das machen und meinen, sie m&amp;uuml;&amp;szlig;ten sofort und auf der Stelle dadurch sehr gl&amp;uuml;cklich werden, obwohl sie sich nur blutige F&amp;uuml;&amp;szlig;e laufen, auf den Muschelschalen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich denke fast nie an das Meer. Aber wenn es Herbst wird und die ersten diesigen Tage kommen, an denen man etwas von Nebel ahnen kann, der hier in der Gro&amp;szlig;stadt doch nie so ganz richtig zum Nebel wird, dann fehlt mir doch etwas: Das Ger&amp;auml;usch des Nebelhorns am Abend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Nebelhorn von Travem&amp;uuml;nde h&amp;ouml;rte man mit Beginn des Herbstes nahezu jeden Tag, erst mit dem Fr&amp;uuml;hjahr gab es wieder sonnige Tage mit klarer Luft, an denen es ganz stumm blieb. &lt;br /&gt;
Mit der Abendd&amp;auml;mmerung der Oktobertage setzte es ein, ein tiefes, sehr tiefes Ger&amp;auml;usch, langgezogen, langsam, gewaltig. So tief, da&amp;szlig; man es nicht nachmachen konnte, so weit kommt keine menschliche Stimme hinunter. Das Ger&amp;auml;usch schob sich durch die Dunkelheit, durch den Dunst, weit auf die See, den Schiffen entgegen. Es war nicht gleichm&amp;auml;&amp;szlig;ig, es blieben St&amp;uuml;cke im Nebel h&amp;auml;ngen, es franste aus, es waberte durch die dicke Luft und das Ende verlor sich unklar und weit im Osten, dr&amp;uuml;ben in Mecklenburg und drau&amp;szlig;en, auf dem Meer. Man nahm das Nebelhorn an den Abenden erst gar nicht wahr. Es war immer da, man h&amp;ouml;rte es aber nicht, wie man den Wind nicht h&amp;ouml;rt oder wie man den Regen an den Scheiben nicht beachtet. Aber wenn man ins Bett ging und das Licht ausmachte, die Augen schlo&amp;szlig; und sich in die richtige Lage gedreht hatte ? dann war es un&amp;uuml;berh&amp;ouml;rbar da.  Ein majest&amp;auml;tischer Ton, der die Nacht regierte, von weit, weit weg, nebelverhangen, nachtged&amp;auml;mpft und doch immer so laut, da&amp;szlig; es im ganzen Ort zu h&amp;ouml;ren war. Im ganzen Ort, auch noch in den Nachbard&amp;ouml;rfern und drau&amp;szlig;en, auf der Fahrrinne, wo die Schiffe aus Schweden oder Finnland auf Travem&amp;uuml;nde zuliefen.  Das Nebelhorn war regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig, es tutete ein paar Sekunden, dann kam eine l&amp;auml;ngere Pause, dann wieder ein Tuten. Man konnte mit dem Rhythmus atmen, man konnte auf das n&amp;auml;chste Einsetzen warten und bei diesem Warten in Tr&amp;auml;ume fallen, zwischen zwei T&amp;ouml;ne fiel man da und wenn man nachts mal aufwachte, war es wieder da. Man lag im warmen Bett und immer mahnte das Horn im Minutentakt, da&amp;szlig; es drau&amp;szlig;en kalt sei, Herbst und Nebel. Durch das offene Fenster kam die Nachtk&amp;auml;lte, ein wenig tiefer unter die Decken gerutscht und auf das Nebelhorn gewartet, da war es wieder. Es war an manchen Abenden kaum zu h&amp;ouml;ren, wenn die Luft sehr dick war und die Wolken besonders tief &amp;uuml;ber dem Meer hingen, aber irgendwann fand man den Ton doch in der Nacht, wie man ein gro&amp;szlig;es Geb&amp;auml;ude im Dunst eben doch irgendwann sieht. Auf das Nebelhorn war Verla&amp;szlig; und um von den Tagesgedanken zu den Traumbildern zu kommen, war es das Beste, genau hinzuh&amp;ouml;ren, so angestrengt genau hinzuh&amp;ouml;ren, da&amp;szlig; man schon meinte, zwischen zwei Eins&amp;auml;tzen des Horns den leisen, grauen Wellenschlag am Strand zu h&amp;ouml;ren, da war man aber schon eingeschlafen und die letzte Wahrnehmung war gerade eben noch das n&amp;auml;chste Einsetzen des Horns, das einen tiefer in die Dunkelheit schob. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wird mir immer fehlen. Das Nebelhorn als meine sichere Br&amp;uuml;cke in die Nacht. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:35:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1854/">
    <title>Wellenbezwinger</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0306/stories/1854/</link>
    <description>Wiedergeburt, das ist ja so ein Thema f&amp;uuml;r Leute, die Schiss vor der eigenen Endlichkeit haben und zu selbstverliebt sind, um sich vorstellen zu k&amp;ouml;nnen, dass sich die Erde auch mal ohne sie dreht. Oder nat&amp;uuml;rlich f&amp;uuml;r kluge Buddhisten mit Durchblick. Ich geh&amp;ouml;re momentan keiner dieser beiden Gruppen an, denke aber viel nach in den letzten Tagen. Irgendwas stimmt nicht mit mir. Ich ver&amp;auml;ndere mich.&lt;br /&gt;
Ich wollte mich ver&amp;auml;ndern, als ich diesen Job in der Ferienanlage annahm. Arbeiten, wo andere Urlaub machen, und dann feststellen, dass es der Arbeit herzlich egal ist, wo sie stattfindet, sie findet statt. Macht aber nichts, denn die Nachmittage sind frei, jeden Nachmittag stehe ich am Meer. Und da passiert es, ich werde ein Anderer. Ich tauche ein, ich schwimme los, mit kr&amp;auml;ftigen Z&amp;uuml;gen. Mein K&amp;ouml;rper, den ich zu Hause immer ein bisschen ungelenk, verspannt und dicklich finde, bewegt sich geschmeidig. Meine d&amp;uuml;nnen Arme schaufeln kraftvoll, elegant durch die Wellen, ich schwimme weit hinaus, ich werde nicht m&amp;uuml;de, und es ist, als h&amp;auml;tte ich nie etwas anderes getan. Es ist nicht so, dass ich ein gro&amp;szlig;er Schwimmer w&amp;auml;re. Ich habe seit zwanzig Jahren kein Hallenbad mehr betreten, und der Besuch eines Freibades erscheint mir selbst bei heftigeren Hitzewellen v&amp;ouml;llig absurd. Muffig riechende Baggerseen mit Algenbefall animieren mich h&amp;ouml;chstens zum Grillen am Uferrand. Nein, f&amp;uuml;r mich muss es schon das Meer sein.&lt;br /&gt;
Jeden Tag schwimme ich eine Stunde, und erst am Strand bemerke ich, dass ich nichts gedacht habe, in der letzten Stunde, nur bemerkt. Die mir eigene Gedankenrastlosigkeit ertrinkt, w&amp;auml;hrend ich weiterschwimme. &lt;br /&gt;
Die Ger&amp;auml;usche des Wassers h&amp;ouml;ren, das weiche Wippen sp&amp;uuml;ren, das Perlen des Wassers durch meine H&amp;auml;nde. Unter Wasser lauschen. Das feine Klirren der Ankerketten im entfernten Fischerhafen, wie d&amp;uuml;nne Glasst&amp;auml;be, die aneinanderschlagen. Und wie das Meer riecht, wie das Meer schmeckt! Kein Koch w&amp;uuml;rzt so verschwenderisch wie das Meer und doch so elegant. Tauchen, tief eintauchen in die zunehmende K&amp;uuml;hle, dem verschwommenen Grund entgegen. Ich huste viel zu Hause, ich rauche ja auch viel. Im Meer habe ich Luft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute brandete das Meer den ganzen Tag schon in hellschaumiger Aufregung. Vom K&amp;uuml;chenfenster aus konnte ich sehen, wie sich die Wellen bereits auf dem offenen Meer brachen, eine gro&amp;szlig;e Freude erfasste mich. Ja, heute war ein roter Tag! &lt;br /&gt;
Ich bin sofort nach der Arbeit, sehr schnell zum Strand gelaufen, und meine Entt&amp;auml;uschung war grenzenlos. Gelb. Die Flaggen am Strand waren gelb. Gelb ist Kinderkacke, das haben wir hier jeden zweiten Tag, gelb machen Whirlpoolbesitzer zu Hause per Knopfdruck, gelb ist nichts f&amp;uuml;r Meeresbezwinger wie mich. Trotzdem st&amp;uuml;rzte ich mich sehr m&amp;auml;nnlich in die Fluten und bemerkte schnell, holla, das ist aber sehr gelb heute.&lt;br /&gt;
Um mich herum nur Wellenberge, kein Horizont mehr zu sehen, &amp;uuml;berall Wellen, sehr gro&amp;szlig;e Wellen, und heute mal nicht nur von vorn, nein auch von links und rechts, dazwischen flie&amp;szlig;ende, saugende Wellent&amp;auml;ler mit perlend sch&amp;auml;umenden Augen. Na, das ist doch voll mein Ding hier, denke ich noch, &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fe kurz, ob wenigstens der Strand noch da ist, und wende mich beruhigt wieder dem Meer zu. Ich habe sie nicht kommen sehen. Die Mutterwelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kommen ja immer so vier-f&amp;uuml;nf Babywellen, dann zwei-drei Halbstarke und dann folgt immer die eine, die Mutterwelle. Diese hier, vor mir, ist so gro&amp;szlig; wie eine Gartenlaube und so breit wie acht Getr&amp;auml;nkeautomaten nebeneinander. Eine Wand aus graugr&amp;uuml;nem Wasser, die Luft ist fl&amp;uuml;ssiges Salz. Ich habe sie nicht kommen sehen, es ist zu sp&amp;auml;t. Ich k&amp;ouml;nnte tauchen. Tauchen bei Wellengang ist was f&amp;uuml;r Gr&amp;uuml;n-Schwimmer, ich tue das einzig Richtige. Ich stelle mich der Gefahr. Ich springe seitlich auf die Gartenlaubenwand. Eine gute Entscheidung, sofort werde ich aufs Hausdach getragen, f&amp;uuml;r einen Moment gibt es wieder einen Horizont, sogar mein Po ist jetzt aus dem Wasser! Tolle Sicht. Aber nur kurz, pl&amp;ouml;tzlich bin ich im Inneren der Gartenlaube, Hausbesichtigung, ungef&amp;auml;hr zwanzig Sekunden lang, dann spuckt mich die Gischt am Strand aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich gehe ein bisschen unsicher. Ja, gut, ich wanke. Ich ziehe mir die Badehose wieder hoch und gucke mit brennenden Augen den Strand entlang. Ganz verschwommen sehe ich in der Ferne den Bademeister. Er winkt mir. Meint er mich? Neben dem Bademeister ist frisch beflaggt. Rot. Der kann mich mal, denke ich und kehre selbstverst&amp;auml;ndlich sofort zur&amp;uuml;ck ins Meer. Und es erfasst mich ein Gef&amp;uuml;hl der Freude, ein tiefer Stolz, als ich erkenne, ich bin nicht allein. Alle anderen Kinder bleiben auch noch im Wasser.&lt;br /&gt;

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    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-03T16:16:00Z</dc:date>
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    <title>dreizehn</title> 
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    <description>dreizehn ist meine gl&amp;uuml;ckszahl. dreizehn stunden nach unserem ersten gespr&amp;auml;ch fand ich am ufer des inns einen stein in form eines herzens. menschen haben gestaunt. kitsch war nicht die deutung. es war passend. weil sein herz aus metall gemacht war. meines war aus stein. es waren stunden nach seinen ersten buchstaben, schwarz schwamm im unendlichen weiss. er wollte mich gehen lassen. er schrieb, es fiele ihm schwer, aber es war das richtigste, was er tun konnte. es war kokettiert, ich sollte kontern und ich habe es getan. lass mich nicht los. lass. mich. nicht. los. ich war betrunken genug, um sein drama fortzuf&amp;uuml;hren. er schrieb weise reime auf meinen namen. zog mich aus und wieder an. notizen, die meine initialien trugen. tr&amp;auml;ume von stummen k&amp;uuml;ssen. melodien, worte fremder. in meinem sinne. er kannte kilometer besser als ich. er rechnete aus und teilte es mir mit. meilen. stunden. wir waren getrennt. seine stimme in meinen ohren - stalking. ich warte auf donnerstage. f&amp;uuml;nfhunderttausendschritte. aufw&amp;auml;rts. ich bin bei ihm. wir meiden blicke. realit&amp;auml;t holt ein und zieht uns die schuhe aus. das erste warme wort, die erste ber&amp;uuml;hrung. nach dem letzten satz an alle, ein erstes wort an mich. seine finger fahren meinen r&amp;uuml;cken entlang. er dr&amp;uuml;ckt mich an sich, fl&amp;uuml;stert. ich wehre mich nicht - ich habe vergessen, wie das geht. zehn minuten sind sechshundert sekunden sind... wein und bier. der erste gitarrenriff, der erste ton der dritten erklingt, wir packen unser zeug und hauen ab. drau&amp;szlig;en ist es kalt. er lehnt sich an mich. kalt. kalt. wir gehen ins auto und drehen a silver mt. zion auf. ohren bluten. wir trinken. er nimmt, was er braucht. ich gebe, was ich brauche. m&amp;uuml;nder sind nicht zum reden da. wir erinnern uns. ich kenne keinen unterschied zwischen knien und ellenb&amp;ouml;gen. keinen zwischen wein und bier. geschm&amp;auml;cke vermischen sich. songs auf repeat. eine stunde lang. austausch. worte. explosion. implosion. s&amp;auml;tze brechen. finger verschwinden. autoscheiben laufen an. das herz aus stein dr&amp;uuml;ckt an meine brusttasche. unterbrochen. knochensplitter in fremden augen. der weg zur&amp;uuml;ck ist immer k&amp;uuml;rzer. wir teilen unseren alkohol, wir teilen unsere heimlichen ber&amp;uuml;hrungen in der menge. er kennt meine blicke und weiss, wohin sie geh&amp;ouml;ren. sie geh&amp;ouml;ren unter die oberfl&amp;auml;che. unter zwanzig sind wir sekundenlang zu zweit. k&amp;ouml;rperkontakt. fl&amp;uuml;ssigkeiten werden in flaschen abgef&amp;uuml;llt und ausgetauscht. blicke vereinigen sich in der luft. ich nagele ihn an die wand und behalte diesen anblick in der erinnerung. ein eingetrockneter schmetterling. er schenkt mir souvenirs. keine abweichungen von meinen schritten. zu f&amp;uuml;nfzehnt im auto, seine hand f&amp;auml;hrt meine seite entlang. geht an stellen, wo freundschaft verboten ist. apathie aussenstehender regnet herab, aber alle wissen. wir sehen uns an. ich kenne bedeutung von zentimetern, aber ich habe angst sie zu erfassen. wir verpissen uns und rennen und kriechen. und er h&amp;auml;lt unerwartet die lauwarme dezemberhand der dritten. das herz aus stein dr&amp;uuml;ckt an die brust. ich bin zu einem gegner geworden. ich stelle fragen. seine antworten sind rhetorik. pr&amp;auml;ziser, pr&amp;auml;ziser. er kann meinen namen buchstabieren, aber das aussprechen... du stolperst und fliegst. und im endeffekt verlasse ich mich auf meine w&amp;uuml;rde (woauchimmersiedavorwar). meine flucht ist sein segen. seine l&amp;uuml;ge ist meine rettung. ich kenne welten viel zu wenig. ich bin ein gedicht. ich bin ein song. ich bin gesagt und gef&amp;uuml;hlt. ich bin. mein k&amp;ouml;rper steht in den buchstaben. er ruht in seinen worten. er versprach mir jetzt wach zu sein. trotz sekunden und minuten und stunden. folter, schrieb er. stein dr&amp;uuml;ckt. ich tr&amp;auml;ume, ich bin am inn. knie mich nieder... und finde &amp;uuml;berall steine. steine sind herzform. er ist &amp;uuml;berall und nirgendwo. er sind alle. und alle sind zu finden. er muss sein versprechen erf&amp;uuml;llen. und meine ohrmuscheln stehen in der topliste. absurd. er hat seinen namen f&amp;uuml;r mich verloren. aufgel&amp;ouml;st in melodien. vier buchstaben ohne k&amp;ouml;rper. eine wolke der sinnlosigkeit. medium f&amp;uuml;r musik. minuten, sekunden und meilen. aber unsere barriere ist mehr als das. fremde h&amp;auml;nde und k&amp;uuml;sse. l&amp;uuml;gen, verpackt und verziert in sch&amp;ouml;nen schachteln. s&amp;auml;rge. zugesch&amp;uuml;ttet mit illusionen von beiden seiten. beerdigt.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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