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    <title>mindestenshaltbar 0305 (Vor meiner Zeit)</title>
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    <description>Vor meiner Zeit</description>
    <dc:publisher>DonDahlmann</dc:publisher>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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    <title>mindestenshaltbar 0305</title>
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    <title>95 Jahre</title> 
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    <description>I.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Problem lag zur Abwechslung mal ganz klar vor mir und was noch &amp;uuml;berraschender war: Ich konnte es sehen. Normalerweise gehen die Probleme und ich immer sehr nebeneinander her, ohne dass ich sie wahrnehme. Es ist nicht so, dass die Probleme sich nicht zu Wort melden w&amp;uuml;rden. Sie benehmen sich manchmal wie ein schlecht gelaunter Kindergeburtstag, machen viel Krach und zerdeppern sehr laut Dinge. Aber ich hatte schon immer das Gl&amp;uuml;ck einer &amp;auml;u&amp;szlig;erst selektiven Wahrnehmung. Alles, was mich nicht interessiert, findet einfach nicht statt. Egal, ob der laute Staubsauger der Nachbarin ist, der mich um den Schlaf bringen sollte, oder eben die drei Gl&amp;auml;ser Wein zu viel am Abend vor einem wichtigen Termin. Der Termin und somit das Problem ist ja erst morgen. Reicht doch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber hier lag die Sache dann von Anfang an anders. Mir war schon beim ersten Treffen klar: Das gibt Probleme. Gro&amp;szlig;e Probleme. Man schl&amp;auml;ft nicht einfach so mit einer verheirateten Frau, die zu dem ein Kind hat und ihrer Umwelt seit Jahren erfolgreich vorgauckelt, dass alles in sch&amp;ouml;nster Ordnung sei. Sie lachte nicht mal, wenn sie von ihren L&amp;uuml;gen an meinem K&amp;uuml;chentisch erz&amp;auml;hlte. Es war auch kein Vorwurf in ihrer Stimme, dass doch irgendjemand ihr emotionales Elend sehen m&amp;uuml;sse. Es sie erz&amp;auml;hlte es ohne das die Stirn sich in Falten legte, ohne auch nur einmal die Zigarette mit einer harten Bewegung des Handgelenks auszudr&amp;uuml;cken und ohne die Stimme zu erheben. Es war keine Abrechnung, es war eine n&amp;uuml;chterne Bilanz nach soundsovielen Jahren Ehe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem ich sie dreimal nach Hause geschickt habe, meinte sie beim vierten Mal, dass sie ihrem Mann erz&amp;auml;hlt habe, dass sie heute bei mir sei. Und dass es sp&amp;auml;t werden w&amp;uuml;rde. Vielleicht w&amp;uuml;rde sie auch gar nicht kommen. Er habe es zur Kenntnis genommen und genickt. In dem Moment sah ich dann die Wut in ihren Augen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Der glaubt nicht, dass ich mit dir ins Bett gehe,&quot; sagte sie.&lt;br /&gt;
&quot;Sind wir ja auch noch nicht,&quot; erwiderte ich besorgt, um in der gleichen Sekunde festzustellen, dass meine Antwort ein Gest&amp;auml;ndnis war.&lt;br /&gt;
&quot;...&quot; machte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
II.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Monate lang stahl sie sich einmal in der Woche Zeit. Zwei Monate lang v&amp;ouml;gelten wir in meinem nicht mehr ganz taufrischen Bett aus dem &quot;D&amp;auml;nischen Bettenlager&quot;. Zwei Holzlatten des Lattenrostes gingen zu Bruch. Nicht beim Sex, sondern immer vorher, weil sie wie ein Teenager aufs Bett sprang, so bald sie in meine winzige Wohnung kam. Es war unkompliziert, es war einfach Sex, es funktionierte tats&amp;auml;chlich. Bis zu dem Tag, an dem einen Bei&amp;szlig;fleck auf ihrer Schulter hinterlie&amp;szlig;. Sie meinte, das sei auch egal, er w&amp;uuml;rde sie kaum noch nackt sehen, ich erschrak, weil ich wusste, dass ich das bewusst unbewusst etwas gemacht hatte. Reviermarkierung. Und wenn man so was bei einer so scheinbar unkomplizierten Sache macht, dann geht was schief. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ach was,&quot; dachte ich, &quot;Es ist doch nur Spa&amp;szlig;.&quot; Und biss bei dem Gedanken auf meine Unterlippe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schaffte es tats&amp;auml;chlich, mir die Sache auszureden. Die Probleme meinte ich analysiert zu haben, sie lagen klar auf dem Tisch, meine Chancen waren gleich Null und au&amp;szlig;erdem: Wollte ich das eigentlich? Als nichtsnutziger Schreiberling, der sich am Monatsende immer entscheiden musste, ob er eine Flasche Wein oder was zu essen kaufen sollte, konnte ich mir wohl kaum eine etwas &amp;auml;ltere, brav in der Mittelschicht lebende Frau mit einem Kind leisten. Wenn die Probleme vor mir zeterten, dann wischte ich sie mit dem Satz &quot;Ich wei&amp;szlig;, wir sind ja hier nicht im Kino&quot; vom Tisch. Und entkorkte eine der Weinflaschen, die sie immer mitbrachte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
III.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Was ist denn das f&amp;uuml;r eine Tasche, die du da hast?&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Meine Klamotten&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Warum...&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Ich zieh f&amp;uuml;r ein paar Tage bei dir ein.&quot;&lt;br /&gt;
&quot;&amp;Auml;h... aber...dein Sohn, ich hab doch...&quot;&lt;br /&gt;
&quot;Sind Schulferien, der ist bei meiner Mutter. Ich hab mich in dich verliebt und du in mich. Was soll ich machen?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
IV.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machten halt die Dinge zusammen, die man halt so macht, wenn man was v&amp;ouml;llig unverantwortliches macht und sich in einer Euphorie verliert, von der man wei&amp;szlig;, dass sie nur ein fl&amp;uuml;chtiger Moment ist. Sie muss einfach vorbei gehen, sie darf nicht andauern, weil sie falsch ist, und weil bei so Konstellationen immer drei Leute verlieren und in diesem Fall war auch noch eine unbeteiligte vierte Person mit reingerissen wurde. Und je l&amp;auml;nger die Euphorie andauerte, desto klarer wurde mir, dass der Kater danach schrecklich sein w&amp;uuml;rde. Aber noch war alles ein Nebel aus Sommerferien, Hitze, Wein und sehr vielen Bei&amp;szlig;flecken auf ihrer Schulter. Es waren zehn perfekte Tage bis zu diesem einem Abend. Diesem einen perfekten Abend. Ich hatte gekocht, sie den Wein besorgt, einen schweren Rotwein aus Sardinien. Wir sa&amp;szlig;en auf meinem Balkon, es war warm, sie hatte ein Bein auf meine gelegt und meine Hand lag auf ihrem. Es war so still, dass ich das leise Knacken der Kerzen h&amp;ouml;ren konnte aber das Einzige, was mir durch den Kopf ging, war ein Gedanke: &quot;Das war es. So wird nie mehr wieder sein. Denn schon morgen wei&amp;szlig; sie, dass sie &amp;uuml;bermorgen ihren Sohn abholen muss, und dann geht das Karussell der Gedanken los und alle Dinge, die wir miteinander tun, werden ein Ring aus Blei mit sich rumtragen, den wir in jedem Moment sp&amp;uuml;ren werden und der schwerer wird.&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
V.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich h&amp;auml;tte ihr genauso gut eine Pistole an den Kopf setzen k&amp;ouml;nnen. Sie schaute mich v&amp;ouml;llig ungl&amp;auml;ubig an und ich fing an, meine kleine einstudierte Rede erkl&amp;auml;ren zu wollen. Man denkt sich das ja vorher immer so sch&amp;ouml;n zurecht. Was man sagt, wie es betont, welche Worte man benutzt, welcher Dramaturgie die Rede folgen soll. Und dann erz&amp;auml;hlt man alles und es geht in Hose. Dass das alles nicht gehen w&amp;uuml;rde. Dass es nicht gut sei. Dass wir keine Zukunft haben w&amp;uuml;rden, weil die Vergangenheit einfach zu stark sein. Es gab zu viel &quot;davor&quot; und zu wenig Hoffnung auf ein &quot;danach&quot;. &quot;Das ist,&quot; sagte ich am Ende, &quot;als ob Du schon 95 Jahre gelebt hast.&quot; Sie formulierte als Antwort halbe S&amp;auml;tze, erst, weil sie es nicht verstand, dann, weil sie es nicht mehr verstehen wollte. Dann, weil sie zu w&amp;uuml;tend war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wie hast du dir das gedacht? Das geht doch nicht, ich w&amp;uuml;rd ja wollen, aber es geht doch nicht.&quot; stammelte ich irgendwann hilflos, als mir das Drehbuch ausging. Um dann den schlimmen Satz &quot;Es tut mir ja auch leid&quot; hinterher zu h&amp;auml;ngen, der fast immer einer moralischen Bankrotterkl&amp;auml;rung gleich kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und es war eine Bankrotterkl&amp;auml;rung f&amp;uuml;r mich. Vorher dachte ich immer, dass Liebe alles besiegen kann. Was halt so denkt, wenn das Leben bisher immer nur geradeaus gegangen ist. Jetzt musste ich feststellen, dass das Leben auch in dem Punkt grausamer sein kann, als ich es mir jemals vorgestellt hatte. Man trifft sich, man verliebt sich, alles geht dann eben eine Zeit gut. Das man sich treffen und lieben kann, ohne eine Zukunft zu haben, weil zu viel in der Vergangenheit passiert war, das war eine Niederlage, deren Schwere mir erst klar wurde, als ich ihr dabei zu sah, wie sie ihre Tasche packte.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Kolumne</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:10:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1808/">
    <title>mauvais gout</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1808/</link>
    <description>am samstag bin ich mit einem indianerh&amp;auml;uptling ohne schuhen und einer dame mit f&amp;ouml;n-turm-frisur und traubenohrringen durch die nacht gegangen. ich trug ein neonpinkes band im haar, viel glitter auf den augen und rosa lippenstift, ein bisschen davon auf den z&amp;auml;hnen. von roten gummischuhen und pinken netzstr&amp;uuml;mpfen abgesehen, bot der mantel den betrachtern vor weiteren grausamkeiten zun&amp;auml;chst schutz. s&amp;auml;mtliche uns entgegen kommende menschen gr&amp;uuml;&amp;szlig;ten und w&amp;uuml;nschten lachend einen sch&amp;ouml;nen abend, zwei autos hupten laut, ein weiteres mit licht. in kleinen wohnungen wird es schnell voll. auf der innenseite der wohnungst&amp;uuml;r klebte ein puzzlebild von lady di, das zeigte, wie sie aufgereihten, aufgeputzten kindern die hand sch&amp;uuml;ttelt. sie tr&amp;auml;gt ein kurzes, tailliertes kost&amp;uuml;m in gr&amp;uuml;n und schwarze st&amp;ouml;ckelschuhe mit keilabsatz. an der stelle zwischen ihren beinen fehlte ein puzzlest&amp;uuml;ck, dort befand sich das gucklock der t&amp;uuml;r.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von lady di&apos;s tragischem tod hatte ich im radio geh&amp;ouml;rt, als ich gerade ins handtuch gewickelt aus dem kleinen bad kam, das zu meinem zimmer geh&amp;ouml;rte. ich erinnere mich, es war ein sch&amp;ouml;ner morgen, die sonne ging damals immer auf und direkt im anschluss in mein zimmer hinein. die nachricht vom tod ayrton sennas ein paar jahre fr&amp;uuml;her erfuhr ich auf genau dieselbe art, ich war gerade ins handtuch gewickelt aus dem dampfend hei&amp;szlig;en bad gekommen und im radio wurde in ehrw&amp;uuml;rdigem ton von tod, unfall und leben des verungl&amp;uuml;ckten berichtet. den tod ayrton sennas hatte ich in meinem tagebuch vermerkt. ich war dreizehn und beschrieb die seiten in enger und gedr&amp;auml;ngter schrift, manchmal h&amp;ouml;rte ich mitten im satz auf und st&amp;ouml;rte mich nicht daran, manchmal bel&amp;uuml;gte ich mich seitenlang selbst und vermerkte sp&amp;auml;ter an den seitenr&amp;auml;ndern sanftm&amp;uuml;tig &quot;tagtraum&quot;, noch sp&amp;auml;ter tadelnd mit bleistift &quot;l&amp;uuml;ge&quot;. zu ayrton sennas tod schrieb ich nur, dass ich mich fragte, wie sich alain prost f&amp;uuml;hlen m&amp;uuml;sse und ich tippte auf: doppelt schlecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am samstag nachmittag begab ich mich auf der suche nach eindr&amp;uuml;cklichen beispielen f&amp;uuml;r schlechten geschmack in die genfer einkaufsstra&amp;szlig;en und glaubte pl&amp;ouml;tzlich, alain prost zu sehen. mir fiel die unterstellung in meinem tagebuch ein und ich bemerkte, dass ich &amp;uuml;berhaupt keine vorstellung mehr davon habe, wie ayrton senna ausgesehen hat. sofort &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fte ich mein bilderged&amp;auml;chtnis und beruhigte mich schnell, ich wei&amp;szlig; immer noch, wie onkel s und mein gro&amp;szlig;vater ausgesehen haben, ich habe j und t ganz klar vor augen, aber es sind immer diesselben bilder, die kommen, immer dieselben erinnerungen, alle sehen immer so aus, wie sie kurz vor ihrem tod ausgesehen haben, ich kann sie mir nicht mehr j&amp;uuml;nger denken. onkel s war der onkel meines vaters und unter anderem daf&amp;uuml;r zust&amp;auml;ndig, uns kinder an die frische luft zu bringen, lange bevor ich in die schule ging. die spazierg&amp;auml;nge f&amp;uuml;hrten nicht selten in ein kleines landgasthaus, das mit seinen dunklen m&amp;ouml;beln selbst an den sonnigsten wintertagen eine finstere spelunke blieb, die mir einzig durch die spendierten pistazien und die n&amp;auml;he der molligen schafe hinterm haus ertr&amp;auml;glich war. an der theke standen immer dieselben m&amp;auml;nner, die jeder f&amp;uuml;r sich immer dieselbe reihenfolge auf ihrer tour durch die gasth&amp;auml;user des ortes einhielten. einer von ihnen griff sich mit auff&amp;auml;lliger regelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeit in den schritt. den onkel danach befragt, hie&amp;szlig; es, der mache das halt so. onkel s war kein gro&amp;szlig;er redner. er stellte keine fragen und wusste selten antwort. wenn er sich &amp;auml;rgerte, hielt er die luft an, bis seine hellen augen aus seinem rot angelaufenen kopf hervorzuspringen drohten und stie&amp;szlig; dann ein leises, mit einem brummen beginnendes &quot;meingott,na!&quot; aus, dann steckte er sich eine HB an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf dem fest des schlechten geschmacks kam ein m&amp;auml;dchen als mann der widerlichen sorte verkleidet mit aufgeklebten brusthaaren, goldketten und heraush&amp;auml;ngendem hemd. zur begr&amp;uuml;&amp;szlig;ung fasste sie mir an die brust, &amp;uuml;ber die auf grellpinkem untergrund in gro&amp;szlig;en wei&amp;szlig;en lettern MAGIC geschrieben stand. zwischen den kn&amp;ouml;pfen ihrer rissigen jeans blitze ein verkr&amp;uuml;mmtes, hartes w&amp;uuml;rstchen hervor, das sie sich kaugummikauend und mit gro&amp;szlig;er geste immer wieder zurecht r&amp;uuml;ckte. als sp&amp;auml;ter ganz mauvais gout ein grease-medley gespielt wurde, hatte sie l&amp;auml;ngst auf ihre rolle vergessen und tanzte die h&amp;uuml;ften schwingend, die hand aufs herz, mit schmollmund und papas-liebling-blicke werfend durch die k&amp;uuml;che, in der es nach bier und rauch und nicht mehr nach der salami roch, die man in scheiben auf dem unterk&amp;ouml;rper einer schaufensterpuppe kunstvoll angerichtet hatte. mit ebenso gro&amp;szlig;er wahrscheinlichkeit, wie menschen unmittelbar nachdem eine filmkamera auf sie gerichtet wird, zu winken beginnen, gibt es bei jeder gelegenheit, sich zu verkleiden, m&amp;auml;nner geschminkt und in frauenkleidern zu bewundern. die freiwillige feuerwehr meines heimatortes war da keine ausnahme, als sie zu fasching in rosa trikots und heidi-wangen den donauwalzer tanzte, in einer tragenden rolle jener herr, der gerne an den theken der wirtsh&amp;auml;user schmalzbrote bestellt und im jahr davor einen authentischen obelix gegeben hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich hatte mir &amp;uuml;berlegt, mich superachtziger in ein aerobic-trikot zu zw&amp;auml;ngen, den gedanken aber schnell verworfen. nachdem madonna, zu der ich ca. 94 in meinem tagebuch vorausahnend vermerkt hatte, ich w&amp;uuml;sste nicht wieso, aber irgendwie widere sie mich an, das aerobic-trikot salonf&amp;auml;hig gemacht hat, blieb als ausdruck des schlechten geschmacks nur noch die unvereinbarkeit mit meinem k&amp;ouml;rper &amp;uuml;brig, zu dem ich &amp;#8211; anders als der feuerwehrmann - ein absolut ironiefreies verh&amp;auml;ltnis pflege. zudem wollte ich mir nicht nehmen lassen, auch weiterhin mit schlangenbissigem mitleid &amp;uuml;ber die dicken m&amp;auml;dchen zu schimpfen, die ihre b&amp;auml;uche aus zu optimistischen hosen h&amp;auml;ngen lassen. mitleid, weil ich ihnen eine mir selbst in gedanken unzumutbare ern&amp;auml;hrung unterstelle, die nach nichts schmeckt, wodurch sich geschmack erst gar nicht entwickeln kann (giftschlangenzahnbissig ganz von natur aus). am fest des schlechten geschmacks wurden ganz ansehliche b&amp;auml;uche gezeigt, von grellen hawaihemden umflattert, von haaren bewachsen. die beiden bauchzeigenden jungs trugen ein wenig puder, wimperntusche und lippenstift, was gen&amp;uuml;gte, um ihre weiblichen seiten zu betonen. wenn sie sich nicht zu etwas tuntigen bewegungen verleiten lassen h&amp;auml;tten, w&amp;auml;ren sie auch nicht weiter von den &amp;uuml;berschminkten fernsehshow-m&amp;auml;nnern zu unterscheiden gewesen, was als ausdruck des schlechten geschmack genauso gut durchgegangen w&amp;auml;re.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich habe mich noch nie als mann verkleidet, wollte weder cowboy noch indianer sein. als sich meine mutter einmal einen schnurrbart aufgemalt hatte, gab ich ihr (vielleicht war ich vier, f&amp;uuml;nf) so viele feuchte k&amp;uuml;sse, bis sie sich den bart wegwischen musste (und ihn wieder neu auftrug, was ich nicht verstand, aber akzeptierte). fr&amp;uuml;her fand ich mich im anzug toll, weil fremd und entk&amp;ouml;rpert, heut finde ich mich im anzug toll, weil er mir lange beine macht und distanziert. in pinken netzstr&amp;uuml;mpfen und einer blitzblauen leggin dar&amp;uuml;ber hat man nicht die sch&amp;ouml;nsten beine und keine taschen, in die man etwas stecken k&amp;ouml;nnte. ich las einmal eine kurzgeschichte &amp;uuml;ber einen mann, der aus einem fenster st&amp;uuml;rzte und starb. nur der inhalt seiner hosentaschen gab auskunft &amp;uuml;ber seine identit&amp;auml;t - eine packung streichh&amp;ouml;lzer, ein hemdknopf, eine zusammengefaltete rechnung. das fest des schlechten geschmacks fing ganz langsam an, wurde erst sp&amp;auml;t zu einem rauschenden fest. einige gingen so fr&amp;uuml;h, dass sie es nicht mehr mitbekamen, wie die leute nach und nach die rollen ablegten, die sie sich zu spielen vorgenommen hatten. ich fragte mich, ob diejenigen, die zu fr&amp;uuml;h gingen, menschen, die sie noch nie zuvor gesehen hatten, in der rolle eines machos, als h&amp;auml;ngebr&amp;uuml;stige hausfrau oder als discomaus in erinnerung behalten w&amp;uuml;rden. was bleibt? warum bleibt manches, anderes nicht? es bleibt die erinnerung an einen vergn&amp;uuml;glichen abend und die ermunterung, manchmal die bilder zu &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen, die man sich so zusammen gereimt hat, mit dem wenigen, das einem manchmal zu verf&amp;uuml;gung steht. es blieb zum gl&amp;uuml;ck nicht der dreck der stra&amp;szlig;e an den fu&amp;szlig;sohlen haften, weil ich mit den schuhen in der hand nachhause ging. es w&amp;auml;re bestimmt auch nichts von dem neongelben nagellack zur&amp;uuml;ck geblieben, h&amp;auml;tte ich gestern daran gedacht, ihn zu entfernen.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Blogville</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:01:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1814/">
    <title>Editorial</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1814/</link>
    <description>Wo mag der Tisch, den man irgendwann mal auf einem Flohmarkt erworben hat, vorher gestanden haben? Wer hat an ihm gesessen? Welche Geschichten wurden an ihm erz&amp;auml;hlt? Auch die Menschen, die uns begleiten, haben ihre eigenen Geschichten. Wissen wir alles von unseren Partnern, welche Dinge werden uns verheimlicht? Diese Ausgabe versammelt Geschichten, die unter dem Thema &quot;Vor meiner Zeit&quot; gesammelt wurden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein paar Worte in eigener Sache. Seit einigen Wochen habe ich die Chefredaktion f&amp;uuml;r mindestenshaltbar.net &amp;uuml;bernommen und ich habe mir einiges vorgenommen. Doch diese Dinge lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Wir werden im Laufe der n&amp;auml;chsten Ausgaben langsam aber sicher das Magazin ver&amp;auml;ndern und - so hoffe ich - auch verbessern k&amp;ouml;nnen. Ich m&amp;ouml;chte mich an dieser Stelle schon mal beim Team von Knallgrau und ganz besonders bei Kristina Mittendorfer bedanken, ohne deren Hilfe diese Ausgabe nicht so reibungslos h&amp;auml;tte erscheinen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Dank geht an die Autoren: Mrs.Marla, Susanne Englmayer, suna, Stevan Paulsen, Merlix und Herrn Hilbig, die in dieser Ausgabe die Texte geliefert haben. </description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:38:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1813/">
    <title>Ernsthaft.</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1813/</link>
    <description>Na gut. Sie ist etwas dick, dachte ich, aber ich liebe sie, dachte ich, etwas &amp;uuml;berrascht von dem kleinen B&amp;auml;uchlein, das ich unter Verenas weitem Pullover entdeckt hatte. Der Fiat Panda war die Mitte der Welt. Hier w&amp;uuml;rde ich mit meiner neuen K&amp;ouml;nigin leben. Drau&amp;szlig;en fiel dichter Schnee, und durch die beschlagenen Fensterscheiben war mein Elternhaus nur noch verschwommen zu erkennen, wie durch ein eben geleertes Glas Milch. Die letzten Lichter im Haus verloschen, die Standheizung arbeitete verl&amp;auml;sslich, und wir zogen uns aus. Schneeflocken deckten uns zu, wohlig w&amp;auml;lzte ich mich in Verenas Umarmungen, als g&amp;auml;be es kein Morgen. Doch es gab ein Morgen. Die Nacht davor dauerte zwei spannende Jahre und begann mit der Entdeckung des Bauches. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lie&amp;szlig; sich Zeit. Ich liebte sie sehr und mit einer mir neuen, vorsichtigen Ernsthaftigkeit, als sie befand, die Zeit sei gekommen, &amp;uuml;ber den kleinen Bauch zu sprechen. Das st&amp;ouml;rt mich nicht, sagte ich. Ich bekomme ein Kind, sagte sie. Ich dachte an unsere Liebesnacht im Milchglas und &amp;uuml;berschlug hektisch die vergangene Zeit. Vierzehn Tage. Ich war unschuldig. Im dritten Monat sagte sie, und ich m&amp;ouml;chte, dass du aus meinem Leben verschwindest. Das geht jetzt noch, sagte sie, verschwinde. Sie stieg aus dem Fiat, umrundete den Wagen und &amp;ouml;ffnete die Beifahrert&amp;uuml;r. Verschwinde. Sie weinte. Ich blieb. Es ging nicht anders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immer wieder stach der Erzeuger, so nannte Verena den Vater des Kindes, nachts die Reifen des Fiats auf. Irgendwann erfuhr er von mir, wartete vor der Diskothek auf mich, schlug mir die Nase ein, die Augen blau und trat mir in den Bauch, bis ich kotzte. Ich schaffte es irgendwie zu Verena. Sie sa&amp;szlig; neben mir auf dem Sofa, mit Eisbeuteln in der Rechten und dem Telefonh&amp;ouml;rer in der Linken. Sie hatte erst meine Wunden versorgt, dann den Erzeuger angerufen, und der hatte dummerweise abgenommen. Und au&amp;szlig;erdem wollte ich dir noch sagen, dass du einen k&amp;uuml;mmerlichen Schwanz hast, br&amp;uuml;llte sie in den H&amp;ouml;rer, Minipimmel, echt, endlich werde ich mal richtig gefickt, endlich ein Mann im Haus, nicht so ein Eichh&amp;ouml;rnchenschwanz auf Halbmast wie bei dir, du Wichser. Ich h&amp;auml;tte noch stundenlang zuh&amp;ouml;ren k&amp;ouml;nnen, leider musste ich pl&amp;ouml;tzlich noch mal kotzen. Verena legte auf und holte den Teppichreiniger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzeuger wartete auch in der n&amp;auml;chsten Woche vor dem Club auf mich. Schwanzvergleich! Es war unfair, er hatte eine wirklich gro&amp;szlig;e Latte in der Hand. Ich hatte mich aber auch vorbereitet und erschien in Begleitung des &amp;ouml;rtlichen Footballteams. Olaf, der Quarterback, war von Natur aus allergisch gegen Baseballschl&amp;auml;ger und konfiszierte die Latte. Henning und Volker warfen sich derweil abwechselnd den Erzeuger zu. Prima, Jungs, lobte Olaf seine Mannschaft, erst aufh&amp;ouml;ren, wenn er kotzt, ich habe das unserem jungen Freund hier versprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fiat fuhr jetzt einen schlanken Fu&amp;szlig;, und meine Nase verheilte sehr sch&amp;ouml;n in den n&amp;auml;chsten Wochen. Ich besuchte regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig die Schwangerschaftsgymnastik und sah mir mit Verenas Vater Tennisspiele im Fernsehen an. Ich traute mich nicht, ihm zu sagen, dass ich Tennis irgendwie langweilig und langwierig fand. Ich traute mich so einiges nicht. Verena war mittlerweile im achten Monat und ich hatte es bis dato vers&amp;auml;umt, sie meinen Eltern vorzustellen. Das erledigte eine Patientin meiner Mutter beim n&amp;auml;chsten Praxisbesuch. Sie kannte mich schon von Kindheit an, hatte mich beim Kinderwagenkauf gesehen und gratulierte meiner Mutter recht herzlich zum Omagl&amp;uuml;ck. Sie entschuldigen mich kurz, bat meine Mutter, verlie&amp;szlig; das Behandlungszimmer, ging nach oben in die Wohnung und st&amp;uuml;rmte in mein Zimmer ohne anzuklopfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Max geboren wurde, sprachen meine Eltern wieder das N&amp;ouml;tigste mit mir, und ich hatte inzwischen verstanden, dass es nicht Verena oder Max waren, sondern mein Misstrauen, das meine Eltern bis ins Mark verletzt hatte. Sie wollten Verena nicht kennen lernen und auch Max nicht sehen. &amp;Uuml;ber Pro Familia erfuhren wir von den M&amp;ouml;glichkeiten, den Erzeuger doch noch zur &amp;Uuml;berweisung des Unterhalts zu bewegen, eine erneute Intervention durch Olaf, Henning und Volker lehnte die Pro Familia-Beraterin als un&amp;uuml;blich ab. &lt;br /&gt;
Verena liebte mich, ich liebte Verena, und zur Best&amp;auml;tigung dieser Tatsache liebten wir uns st&amp;auml;ndig. Das &amp;uuml;brige Leben schien nur eine &amp;auml;rgerliche Unterbrechung bis zur n&amp;auml;chsten verschwitzten Bettenakrobatik. Wir waren jung und immer gut durchblutet. In meiner Erinnerung ist sie nackt. Weiche, geschwungene F&amp;uuml;&amp;szlig;e mit Zehen wie Perlen und kleinen Zehenn&amp;auml;geln aus Perlmutt. Samtene, muskul&amp;ouml;se Beine, das spitze Becken. Der flache Bauch, ganz hart vom atemlosen Heben und Senken, die festen Br&amp;uuml;ste, die immer mit einer feinen G&amp;auml;nsehaut &amp;uuml;berzogen waren, ein langer Hals, ein fordernder Mund, klare braune Augen, kein Make-up, nie, wozu, und der strenge B&amp;uuml;rstenschnitt, so kurz, kein Halt. Ein sch&amp;ouml;nes Leben zwischen Windelnwechseln, Kinderwagen schieben, Sex und Arbeit. Es h&amp;auml;tte so weitergehen k&amp;ouml;nnen. Ich war zufrieden. Ich war 18 Jahre alt, Vater, Liebhaber und Freund. Mein Leben war vorbestimmt, und ich wollte diese Bestimmung annehmen, Verantwortung &amp;uuml;bernehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verenas Leben hingegen war vorbei, erkl&amp;auml;rte sie mir an einem Sonntagmorgen durch die Gegensprechanlage der Haust&amp;uuml;r, und nein, ich k&amp;ouml;nne jetzt nicht hochkommen, sie habe noch Besuch, und ja, sie h&amp;auml;tten miteinander geschlafen und ich solle bitte gar nicht mehr zu ihr kommen, ich w&amp;uuml;rde sie erdr&amp;uuml;cken mit meiner Ernsthaftigkeit, ihr Leben sei so vorbestimmt, so vorbei, dass k&amp;ouml;nne sie nicht, sie sei doch noch jung und es g&amp;auml;be so viel mehr da drau&amp;szlig;en als das. Das, das war ich, damit war ich gemeint. Ich ging und weinte ein bisschen, und ich kehrte nie mehr zur&amp;uuml;ck. Geblieben ist mir in den folgenden Jahren das Gef&amp;uuml;hl der Ernsthaftigkeit in Beziehungen, trotzig habe ich immer mein ganzes Herz in Liebesdinge investiert, habe mir dadurch immer wieder Schrammen, Verletzungen, Ablehnung und Betrug eingehandelt und die Leichtigkeit der Liebe in diesem Leben erst sehr sp&amp;auml;t entdeckt. 
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    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cover</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:33:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1812/">
    <title>Mein Ahnenkult</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1812/</link>
    <description>Vor meiner Zeit gab es zwei Gro&amp;szlig;v&amp;auml;ter, die habe ich nie kennengelernt. Der eine wurde nur einen Tag vor Kriegsende irgendwo in Polen erschossen, der andere war zwar gar nicht im Krieg, starb aber zu Hause an Lungenkrebs, bevor es mich gab. Von beiden Gro&amp;szlig;v&amp;auml;tern wei&amp;szlig; ich fast nichts. Kinder kommen aber oft nach den Gro&amp;szlig;eltern sagt man. Ich suche also aus den Erz&amp;auml;hlungen der &amp;Auml;lteren zusammen, was ich wei&amp;szlig;, sehe in den zersplitterten Spiegel der Familiengeschichte und folge den Ahnen nach:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eine war ein Glasmacher im Rheinland, der andere Glaser in L&amp;uuml;beck. Beide waren sehr trinkfreudig und ihre Frauen hatten es, wie die Familie &amp;uuml;berlieferte, nicht ganz leicht mit ihnen. Ohne von einander zu wissen, sie haben sich nie kennengelernt, kehrten die beiden Gro&amp;szlig;v&amp;auml;ter oft sp&amp;auml;t und angetrunken aus Kneipen heim, der aus L&amp;uuml;beck still l&amp;auml;chelnd, der aus dem Rheinland lauthals singend. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die n&amp;auml;chtlichen Wege des Rheinl&amp;auml;nders f&amp;uuml;hrten durch Gerresheim bei D&amp;uuml;sseldorf. Vor der ehelichen Wohnung lehnte er dann gef&amp;auml;hrlich schr&amp;auml;g mit dem R&amp;uuml;cken an einer Laterne und sang in endloser Folge die beiden Worte &amp;#8222;Wieder allein&amp;#8220;. Er sang diesen kurzen, aber auch treffenden Text zu einer sich spontan &amp;auml;ndernden Melodie. Er zog die W&amp;ouml;rter lang, er sang mal sehr tief und mal sehr hoch, er wechselte die Tonlagen wie es ihm gerade einfiel, er sang die Sterne und den Mond an, tr&amp;auml;llerte, schmetterte und spielte jaulend mit den T&amp;ouml;nen - bis in der Arbeitersiedlung, in der er wohnte, irgendwo ein Fenster aufflog und ihn eine keifende Stimme, halb deutsch und  halb polnisch fluchend,  w&amp;uuml;tend wegschickte, woraufhin er lachend ein paar Laternen weiterzog und sich dort erneut anlehnte, um den Kopf  zum Himmel zu recken. Er hatte einen silbernen Flachmann dabei, aus dem er von Zeit zu Zeit einen gro&amp;szlig;en Schluck nahm, um die Stimme zu verbessern. Der Flachmann des Gro&amp;szlig;vaters, ein damals sicherlich ungeheuer teures St&amp;uuml;ck, wird heute noch in m&amp;auml;nnlicher Linie weitervererbt. Diese n&amp;auml;chtlichen Gesangsauftritte hat sich meine Familie so gut gemerkt, da&amp;szlig; sie immer weiter und weiter erz&amp;auml;hlt wurden. Meine polnischst&amp;auml;mmigen Gro&amp;szlig;tanten machten noch im hohen Alter, als sie schon nicht mehr ganz so gut auf den Tischen tanzen konnten,  ihren l&amp;auml;ngst verstorbenen Bruder nach, lehnten sich auf Familienfeiern mangels Laternen ersatzweise an T&amp;uuml;rrahmen oder Schr&amp;auml;nke und spielten kichernd und aus Leibeskr&amp;auml;ften singend die ber&amp;uuml;hmte Laternenszene nach, wozu sie bereitwillig sehr viel Wodka tranken, um es m&amp;ouml;glichst echt wirken zu lassen.  Diese Inszenierungen fanden alle sehr komisch, au&amp;szlig;er meiner Gro&amp;szlig;mutter nat&amp;uuml;rlich. Die Gro&amp;szlig;tanten machten das so oft und so einpr&amp;auml;gsam, da&amp;szlig; ich heute noch, wenn ich nachts aus Kneipen nach Hause komme, mich gerne unterwegs an Laternen lehne und &amp;#8222;Wieder allein&amp;#8220; vor mich her singe, um meinen unbekannten Gro&amp;szlig;vater zu ehren. Es ist mir ein ganz nat&amp;uuml;rliches Verhalten geworden. So lebt er in mir weiter, wenn ich zuviel trinke und singe - und sich die Herzdame fragt, wo ich bleibe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gro&amp;szlig;vater aus L&amp;uuml;beck verhielt sich auf der Stra&amp;szlig;e nicht ganz so auff&amp;auml;llig, es h&amp;auml;tte auch nicht in die norddeutsche Gegend gepa&amp;szlig;t. Er war aber sehr ge&amp;uuml;bt darin, einen deutlich schickeren Lebenswandel vorzut&amp;auml;uschen, als er sich jemals leisten konnte. Er schenkte meiner Mutter, die in den F&amp;uuml;nfziger Jahren aus D&amp;uuml;sseldorf zu seinem Sohn nach L&amp;uuml;beck kam, jede Woche heimlich rote Rosen. Er bewunderte wortreich ihre rotlackierten Fingern&amp;auml;gel, Farbsignale aus dem lebensfrohen Rheinland, in L&amp;uuml;beck meist argw&amp;ouml;hnisch be&amp;auml;ugt, so etwas trug man nicht, H&amp;auml;nde waren doch zum Arbeiten da. Mein Gro&amp;szlig;vater sch&amp;auml;kerte und schwenkte die Rosen, die er  nur bezahlen konnte, in dem er das Geld daf&amp;uuml;r heimlich aus dem knappen Haushaltsgeld meiner Gro&amp;szlig;mutter entwendete. Er hatte, sagt meine Mutter, sehr viel Charme und &amp;uuml;berhaupt ein Auftreten wie Graf Koks. Rosen und Geschenke gab es nicht nur f&amp;uuml;r meine Mutter, sondern auch noch f&amp;uuml;r seine Geliebte, von der alle wu&amp;szlig;ten, ohne sie aber jemals zu erw&amp;auml;hnen. Die Geliebte war von geradezu mond&amp;auml;ner Erscheinung, trug &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig gro&amp;szlig;e H&amp;uuml;te mit Seidenblumen am Rand und ging, es war wirklich befremdlich, regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig in das Theater. So eine Frau war das. Die Familie hat jahrzehntelang versucht, ihre Existenz durch pure Nichtachtung  auszul&amp;ouml;schen, es ist ihr nicht gelungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um diesem Gro&amp;szlig;vater nachzufolgen, mu&amp;szlig; ich sch&amp;ouml;nen Frauen Blumen schenken, sie zum Essen und ins Theater einladen und ihre H&amp;uuml;te oder H&amp;auml;nde bewundern. Auch diesem Gro&amp;szlig;vater folge ich gerne und zwanglos nach. Das Haushaltsgeld allerdings verwalte ich sicherheitshalber alleine, denn man mu&amp;szlig; den Ahnen nat&amp;uuml;rlich auch nicht alles nachmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sicherlich waren die beiden Gro&amp;szlig;v&amp;auml;ter viel mehr, sie hatten nat&amp;uuml;rlich noch andere Eigenschaften, Geschichten und Umst&amp;auml;nde, aber davon wei&amp;szlig; ich nichts. Ich mu&amp;szlig; mich an das Wenige halten, was mir &amp;uuml;berliefert ist, ich mu&amp;szlig; annehmen, das es kein Zufall sein kann, was da durch Erz&amp;auml;hltradition ausgew&amp;auml;hlt wurde und es f&amp;uuml;r das Ganze nehmen. Ich finde es verbl&amp;uuml;ffend leicht, die beiden zu ehren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hoffe, sie sind stolz auf mich. &lt;br /&gt;

</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:28:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1811/">
    <title>Das Schweigen der Dinge</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1811/</link>
    <description>Zeit ist eine Illusion. So lautet ein g&amp;auml;ngiger esoterischer Grundsatz, die spirituelle Relativit&amp;auml;tstheorie quasi: Ich und die Zeit, wir springen im Quadrat, was eine unglaublich starke Energie freisetzt. Aber nein, ich sollte mich nicht lustig machen, denn bin durchaus geneigt, diesen Gedanken nicht unattraktiv zu finden. Zeit wird schlie&amp;szlig;lich von jedem Menschen anders interpretiert, anders empfunden sogar. Anders gef&amp;uuml;llt sowieso. Zeit &amp;ouml;ffnet ungeahnte M&amp;ouml;glichkeiten, und es ist ein &amp;uuml;beraus bemerkenswerter Vorgang, wie durch eine leichte Verschiebung von einem Hirn ins n&amp;auml;chste derselbe Augenblick vollkommen anders daherkommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit den Dingen verh&amp;auml;lt es sich diesbez&amp;uuml;glich grundlegend anders. Zeit geschieht um sie herum, ohne da&amp;szlig; sie pers&amp;ouml;nlich daran beteiligt w&amp;auml;ren. Im Gegenteil, sie ruhen in sich, sie k&amp;ouml;nnen gar nicht anders. Oft stehen sie jahrelang an ein und demselben Platz und werden alt, &amp;auml;lter, uralt mitunter. Manchmal auch wesentlich &amp;auml;lter als Menschen und das mit stoischer Leichtigkeit. So sammeln die Dinge die Zeit in sich, sparen sie auf, ohne gro&amp;szlig;e Anstrengung. Sie geben sie aber nicht wieder her. Die Erinnerungen, die Geschichten, Fragen ohne Antworten, die Vergangenheit. Denn die Dinge sprechen eine eigene Sprache, im Grunde schweigen sie beharrlich. Verschweigen ihre unendliche Erfahrung. Dinge sind die schwarzen L&amp;ouml;cher der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So auch das Gesellenst&amp;uuml;ck meines Vaters. Eine kleine Kommode auf hohen Beinen, mit zwei Schiebet&amp;uuml;ren und zwei Schubladen, wie in der Pr&amp;uuml;fungsordnung vorgesehen. Kirschholzfurniert. Ihren Erbauer hat sie nun schon um Jahre &amp;uuml;berlebt. Bald wird sie &amp;auml;lter sein als er, bis dahin ist es nicht mehr allzu lang. Sie wird auch mich &amp;uuml;berleben, denke ich manchmal. Wenn ich eilig die frisch gewaschene W&amp;auml;sche in sie hineinwerfe. Dieses kleine, inzwischen recht unansehnlich gewordene Ding, voller Flecken und mit abgesplitterten Kanten, gebrochenen Griffen. Die Zeit ist nicht spurlos an ihm vor&amp;uuml;ber gegangen. Soweit ich wei&amp;szlig; war die olle Kirschholzkommode meines Vaters viel auf Reisen in ihrem Leben. Weit mehr als es normal ist, selbst f&amp;uuml;r ein derart solide gebautes M&amp;ouml;bel. Ich pers&amp;ouml;nlich erinnere mich, wie wir das gute St&amp;uuml;ck aus Z&amp;uuml;rich mitgenommen haben. Das war Anfang der 80er. Damals mu&amp;szlig; sie in ihren besten Jahren gewesen sein, so um die 30, sch&amp;auml;tze ich. Zuvor ist sie unter anderem in Frankfurt und Genf, irgendwo in Afrika und m&amp;ouml;glicherweise sogar in Singapur gewesen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Genau kann das niemand mehr sagen. Ganz besonders ich nicht, das alles war vor meiner Zeit. Doch es ist zu vermuten, da&amp;szlig; die oben angef&amp;uuml;hrte Reiseliste nur beispielhaft und mit ziemlicher Sicherheit unvollst&amp;auml;ndig ist. Die Kommode selbst &amp;auml;u&amp;szlig;ert sich nat&amp;uuml;rlich so gut wie gar nicht dazu. Sie tr&amp;auml;gt die Zeichen der Zeit nicht ohne Stolz, das ist offensichtlich. Aber niemand, au&amp;szlig;er ihr, kennt die Ursachen der vielen Macken und Besch&amp;auml;digungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Schweiz haben wir die Kommode nach D&amp;uuml;sseldorf geschafft, wo sie dann, unter Altpapier verborgen, ein paar Jahre bei ihrem Sch&amp;ouml;pfer verbracht hat. Seine letzten Jahre. Anschlie&amp;szlig;end ist sie zu mir nach Wuppertal gezogen, beinah zwangsl&amp;auml;ufig. Wer sonst h&amp;auml;tte sie nehmen sollen? Die vorerst letzte Reise, wiederum mit mir, gab es erst vor kurzem. Eine Reise nach Berlin. Wie es von hier aus weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Das kann niemand, zu keiner Zeit. Vielleicht sollte ich das arme M&amp;ouml;belst&amp;uuml;ck endlich einmal restaurieren, dachte ich gestern zum ich-wei&amp;szlig;-nicht-zum-wievielten-Mal. Das t&amp;auml;te ihm sicherlich gut. Nein, halt! Ich selbst sollte das nat&amp;uuml;rlich nicht tun. Ich sollte es machen lassen, da mu&amp;szlig; zweifellos eine Fachkraft ran. Einstweilen geben meine Finanzen das aber nicht her. Und ich w&amp;uuml;&amp;szlig;te auch nicht, in welche H&amp;auml;nde ich es vertrauensvoll geben k&amp;ouml;nnte. Immerhin ist es das Gesellenst&amp;uuml;ck meines Vaters, angefertigt unter erschwerten Bedingungen. Ende der 40er Jahre, kurz nach dem Krieg. Materialmangel, auch bei Holz. Vielleicht darum die Kirsche? Weil es die gerade gab? Oder deshalb nur furniert? M&amp;ouml;glich. Doch wer wei&amp;szlig; das schon?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sieht also schlecht aus, k&amp;ouml;nnte man meinen. Au&amp;szlig;erdem handelt es sich nur um eine heruntergekommene Kommode, die da in meinem Schlafzimmer herumsteht. Wertlos und alt, l&amp;auml;ngst verbraucht. Man sieht es, auf den ersten Blick. Das hei&amp;szlig;t, ich sehe das nat&amp;uuml;rlich ganz anders. Sie wei&amp;szlig; von der Zeit. Vor mir, mit mir. Und nach mir.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Cosmopolis</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:25:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1810/">
    <title>rum ist die woche</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1810/</link>
    <description>aber stattdessen nur w&amp;uuml;tend 20 euro auf den tisch schmiss und dazu wetterte:&lt;br /&gt;
&quot;f&amp;uuml;r den rest kann er sich einen runterholen,der arsch!!!&quot;&lt;br /&gt;
&quot;ach,....&quot;,sprach da der mann,der mich heute in aller herrgottsfr&amp;uuml;he zu den 1.mai kundgebungen am rathausplatz gen&amp;ouml;tigt hatte,&lt;br /&gt;
&quot;lass uns doch auf teufel komm raus gerade heut&apos; an unserem letzten tag alles geniessen und irre gute laune haben.&quot;&lt;br /&gt;
ts.&lt;br /&gt;
vorhin noch hatte er mir zugeraunt,weinende m&amp;auml;dchen mit existenz&amp;auml;ngsten t&amp;auml;ten ihn &amp;uuml;berfordern.&lt;br /&gt;
das eine hysterische SP&amp;Ouml; politikerin mit &amp;uuml;bersteuertem megaphon uns vor 10 uhr morgens w&amp;ouml;rter wie: &lt;br /&gt;
&apos;freundschaft&apos; und &apos;internationale solidarit&amp;auml;t&apos; entgegenkreischte,&lt;br /&gt;
&amp;uuml;berforderte trotz und wegen eines 0,5 liter becher biers ebenfalls VOR 10 uhr MICH,&lt;br /&gt;
me,myself and I.&lt;br /&gt;
ich m&amp;ouml;cht&apos; doch einfach nur mal bleiben,baby.&lt;br /&gt;
und das 1000km entfernte parallelleben integrieren in wohlige wien kulisse,wo abgeschabte prachtbauten aussehen wie meine kindertraumwelt und mir vorgaukeln,&lt;br /&gt;
hier,nur hier allein,-da sei ein moment gut genutzt.&lt;br /&gt;
Bei gestrig nachmitt&amp;auml;glicher wien-beschlenderung durch leergefegtes rosig-weiches&lt;br /&gt;
licht begann bereits das politische engagement meines begleiters:&lt;br /&gt;
&quot;DA!&quot;,rief er und zeigte auf dem heldenplatz wirr in irgendeine richtung,&lt;br /&gt;
&quot;DA hat hitler gestanden!und DA wir, als wir gegen die regierung protestierten!&quot;&lt;br /&gt;
das formuliert er geschickt in einem rutsch,als ob er 1939 bereits dick mit im protestgesch&amp;auml;ft gesteckt h&amp;auml;tte.&lt;br /&gt;
da manche groschen bei mir sehr langsam fallen,war ich kurz verwirrt.&lt;br /&gt;
Und dann wieder beeindruckt.&lt;br /&gt;
Allein von diesen pr&amp;auml;chtigen geb&amp;auml;uden,die so ruhig,klar und souver&amp;auml;n genau da stehen,wo sie hingeh&amp;ouml;ren.&lt;br /&gt;
Mir war nach ehrf&amp;uuml;rchtigem niederknien. &lt;br /&gt;
allen,die daran gabaut haben wollte ich freudig entgegenschmettern:&lt;br /&gt;
&amp;#8222;leute,was habt ihr das sch&amp;ouml;n gemacht!!!!&quot;&lt;br /&gt;
die gesamte opulenz der sehr unbescheidenen geb&amp;auml;udemachart setzte ein klischeetriefendes wortabteil in meinem kopf in gang - besonders,als eine touristenbest&amp;uuml;ckte pferdekutsche klassisch kopsteinpflaster betrabte,&lt;br /&gt;
konnte ich nicht umhin (zum gl&amp;uuml;ck sehr leise) zu rufen:&lt;br /&gt;
&amp;#8222;o ihr edlen r&amp;ouml;sser,geschmeidiges muskelspiel unter stolz gl&amp;auml;nzendem fell,erhabener atem aus ungebrochenen n&amp;uuml;stern...&quot;&lt;br /&gt;
bullshit.&lt;br /&gt;
In der nacht zum 1.mai getr&amp;auml;umt,wien sei ein riesiger sahnebaiser,&lt;br /&gt;
der mir einer eisenkette an einem granitklotz verankert sei,&lt;br /&gt;
dabei h&amp;uuml;pfte ich durch staubige schaufenster, es war fr&amp;uuml;hling,ich war 8 jahre alt,trug rote kniestr&amp;uuml;mpfe&lt;br /&gt;
und zerrieb zwischen den fingern tagetes-bl&amp;auml;tter.&lt;br /&gt;
Gef&amp;uuml;hlskater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unsensibel schmeisst sich der wohnungseigner in sein cordjackett&lt;br /&gt;
(gestern noch jammerte er:&quot;ich sehe aus wie mein vater!nur dicker!!&quot;) &lt;br /&gt;
und laviert sich fadenscheinig weg aus meiner gesellschaft.&lt;br /&gt;
angeblich &apos;filme&apos; zur&amp;uuml;ck in die videothek bringen...&lt;br /&gt;
bateman,ick h&amp;ouml;r&apos; dir trapsen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wien,du bist die sch&amp;ouml;nste stadt der welt.</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
    <dc:subject>Instant Illusion</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 DonDahlmann</dc:rights>
    <dc:date>2007-05-08T10:20:00Z</dc:date>
  </item> 
  <item rdf:about="http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1807/">
    <title>die nacht</title> 
    <link>http://www.mindestenshaltbar.net/0305/stories/1807/</link>
    <description>sie sagt&lt;br /&gt;
wenn ich daran denke dass ich jahrelang..&lt;br /&gt;
er keucht&lt;br /&gt;
stellt den teller ab&lt;br /&gt;
schaut gegen die wand&lt;br /&gt;
sie sagt&lt;br /&gt;
i&amp;szlig; nur&lt;br /&gt;
morgen gibt es nichts mehr&lt;br /&gt;
(lacht)&lt;br /&gt;
ich mache scherze wie immer&lt;br /&gt;
du kennst sie bereits&lt;br /&gt;
du hast sie schon erw&amp;auml;hnt&lt;br /&gt;
all meine scherze&lt;br /&gt;
du sehnst dich nach ihnen&lt;br /&gt;
so eine lustige frau&lt;br /&gt;
sagst du&lt;br /&gt;
in der wirtsstube&lt;br /&gt;
alle l&amp;auml;stern &amp;uuml;ber ihre frauen&lt;br /&gt;
alle sind unzufrieden&lt;br /&gt;
nur du&lt;br /&gt;
du sagst immer&lt;br /&gt;
ich habe das gl&amp;uuml;ck gehabt&lt;br /&gt;
sie im richtigen moment&lt;br /&gt;
nach der anderen strassenseite zu fragen&lt;br /&gt;
das war lustig&lt;br /&gt;
sagst du&lt;br /&gt;
sie nach der anderen strassenseite zu fragen&lt;br /&gt;
ich fand es nicht lustig&lt;br /&gt;
ich war damals mit klaus zusammen&lt;br /&gt;
klaus war ein seher&lt;br /&gt;
er konnte alles voraussehen&lt;br /&gt;
er sah auch voraus dass ich ihn verlasse&lt;br /&gt;
er sagte&lt;br /&gt;
du wirst vergebens darauf warten dass ich dir verzeihe&lt;br /&gt;
er hatte recht&lt;br /&gt;
klaus ist ein seher&lt;br /&gt;
er ist auch wenn er nackt ist ein seher&lt;br /&gt;
ich sehe ihn oft nackt&lt;br /&gt;
und selbst da ist er ein seher&lt;br /&gt;
die meisten sind nackt eher blind&lt;br /&gt;
blinde taubennester finden ihren ger&amp;auml;umigen ort immer nur nachts&lt;br /&gt;
das hat meine gro&amp;szlig;mutter ein einziges mal gesagt&lt;br /&gt;
ich habe mir alles aufgeschrieben was sie ein einziges mal sagte&lt;br /&gt;
was sie ein einziges mal sagte war immer von bedeutung&lt;br /&gt;
meine gro&amp;szlig;mutter vor dem grab meines gro&amp;szlig;vaters&lt;br /&gt;
gro&amp;szlig;vater&lt;br /&gt;
fragte sie&lt;br /&gt;
warum sitzt du in der tiefe zwischen schneedecken begraben ohne mich zu kennen&lt;br /&gt;
warum reifen die w&amp;uuml;sten wie sandperlen&lt;br /&gt;
warum betrachten wir alles so als k&amp;ouml;nnten wir dadurch in not geraten....&lt;br /&gt;
es fehlt der wein vom letzten jahr&lt;br /&gt;
wei&amp;szlig;t du noch&lt;br /&gt;
wir a&amp;szlig;en rotkraut und waren fr&amp;ouml;hlich&lt;br /&gt;
du fragtest alle ob sie schon genug haben&lt;br /&gt;
alle das waren fritz und ich&lt;br /&gt;
fritz ist tot&lt;br /&gt;
du wei&amp;szlig;t es&lt;br /&gt;
du hast ihn erw&amp;uuml;rgt&lt;br /&gt;
er fl&amp;uuml;sterte mir zu&lt;br /&gt;
dass er mich abscheulich finde&lt;br /&gt;
dass er mein&lt;br /&gt;
lustig sein absto&amp;szlig;end finde&lt;br /&gt;
und ich sagte zu dir&lt;br /&gt;
erw&amp;uuml;rge ihn&lt;br /&gt;
er lachte so lange bis er nicht mehr lachen konnte&lt;br /&gt;
es war das erste mal dass er mich erstaunt ansah&lt;br /&gt;
nie werde ich diesen blick vergessen&lt;br /&gt;
schade dass man diesen blick nicht zur&amp;uuml;ckholen kann&lt;br /&gt;
ich h&amp;auml;tte es gerne wenn er hier mit uns am tisch sitzen w&amp;uuml;rde&lt;br /&gt;
aber man kann sich auch damit tr&amp;ouml;sten dass er nicht mehr ist&lt;br /&gt;
auch damit kann man sich tr&amp;ouml;sten wenn man will&lt;br /&gt;
wenn man will kann man alles&lt;br /&gt;
wenn man so will</description>
    <dc:creator>DonDahlmann</dc:creator>
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