
Zähneknirschen im Kunstmarkt
von eSeL
Seit offizell publik ist, dass die es bei der Austellung ARTmART während der viennaartweek (25. April – 1. Mai 2007) eine Woche lang jedes Kunstwerk um 70 Euro zu kaufen gibt, fliegen in eSeLs Maul die Fetzen. In der Welt der Kunst (und in meinem Hirn) sind die Widersprüche inzwischen zu groß geworden, um in meinem armen gebeutelten Unterbewußtsein nicht ständig Grabenkämpfe austzutragen.
Soooo gut geht´s dem armen Kunstmarkt mitunter gar nicht; die meisten Galeristen verdienen mit ihrem business modell nicht über die massen. Für den Idealismus (ja, den braucht es) wird man nicht bezahlt und die Gucci-Sohlen auf denen man treten muss, sind auch nicht gerade billig....
Wie viele von den Künstlern jedoch, die in Wien qualitätsvoll, kontinuierlich und GUT arbeiten, können am bestehenden Kunstmarkt teilnehmen? bzw. wie viele können davon leben?
Denn im Gegensatz zur ganz normalen Produktwirtschaft, wird beim symbolischen Kapital der Kunst ein Produkt umso wertvoller, je weniger es davon gibt. Verknappung ist State of the Art. Am besten möglichst wenig Unikate von möglichst wenig Künstlern. Wer dann sogar was verkauft, wird leider trotzdem nicht reich. Die Folgen: Verknappung bei Käufern (wenig haben Kohle) und Produzenten (viele haben wenig zu essen).
Das führt zu einem zweiten Paradoxon der Kunst: Justament jene, die behaupten, für die Gesellschaft gedankliche Inputs liefern zu wollen, müssen sich ihr möglichst entziehen, um finanziell überleben und symbolisch wirken zu können. Kann sich intelligente Künstlerarbeit nicht auf andere Weise gegen die Verdummung der Welt ein Platzerl sichern? Grübel, grübel, knirsch, knirsch.
Verliert eine Idee wirklich an Qualität, wenn sie von vielen konsumiert werden kann? Walter Benjamin hatte unrecht: Die "Reproduzierbarkeit" hat der "Aura" eines Kunstwerks nicht geschadet; Aura (und Prominenz des Künstlers) steigt sogar, je öfter es reproduziert wird.
Hier setzt ARTmART an. Wir lassen die Künstler eine Idee in mehreren Kunstwerken umsetzen. Und geben damit vielen Leuten viele Kunstwerke für wenig Geld mit nach Hause. Und verschaffen jenen, die in diesem Setting besonders gefragt sind, trotzdem Ruhm und Ehre für ihre weitere Karriere als Sammler-Investment. Zähneknirschen geheilt? Von wegen...
Schaden wir dem Marktwert der Künstler, die von unseren Kuratoren zum ARTmART geladen werden? Nein. Aber können Künstler von der 70 Euro Lösung langfristig überleben? Wahrscheinlich auch nicht. Darf also so ein Miniturmarkt in Wien überhaupt ausprobiert werden, ohne dass wir alle die Lösung für alle Sorgen am Silbertablett präsentieren können? Knirsch knirsch ..
Mein Zahnarzt sagt: man kann. Mittlerweile sagt er es in Ungarisch. Weil ich vom teuren Zahnarzt in Wien zum billigeren Zahnarzt nach Sopron gewechselt bin. Und der setzt halt doppelt so viel Implantate ums halbe Geld. Deswegen ist er billiger und hat überraschender Weise trotzdem das bessere Equipment. Zur Kontrolle geh ich übrigens trotzdem zu meinem alten Herrn Doktor. Weil ich mit ihm über Kunst reden kann. Und weil wir das mit den Kunstpreisen – im Gegensatz zum Ungarn - nur für eine Woche so billig machen. Um einfach mal zu schauen welche unerwarteten Nebenwirkung Kunst für viele sonst noch haben kann...
http://www.artmart.at - 25.4. – 1.5. im Künstlerhaus Wien
Soooo gut geht´s dem armen Kunstmarkt mitunter gar nicht; die meisten Galeristen verdienen mit ihrem business modell nicht über die massen. Für den Idealismus (ja, den braucht es) wird man nicht bezahlt und die Gucci-Sohlen auf denen man treten muss, sind auch nicht gerade billig....
Wie viele von den Künstlern jedoch, die in Wien qualitätsvoll, kontinuierlich und GUT arbeiten, können am bestehenden Kunstmarkt teilnehmen? bzw. wie viele können davon leben?
Denn im Gegensatz zur ganz normalen Produktwirtschaft, wird beim symbolischen Kapital der Kunst ein Produkt umso wertvoller, je weniger es davon gibt. Verknappung ist State of the Art. Am besten möglichst wenig Unikate von möglichst wenig Künstlern. Wer dann sogar was verkauft, wird leider trotzdem nicht reich. Die Folgen: Verknappung bei Käufern (wenig haben Kohle) und Produzenten (viele haben wenig zu essen).
Das führt zu einem zweiten Paradoxon der Kunst: Justament jene, die behaupten, für die Gesellschaft gedankliche Inputs liefern zu wollen, müssen sich ihr möglichst entziehen, um finanziell überleben und symbolisch wirken zu können. Kann sich intelligente Künstlerarbeit nicht auf andere Weise gegen die Verdummung der Welt ein Platzerl sichern? Grübel, grübel, knirsch, knirsch.
Verliert eine Idee wirklich an Qualität, wenn sie von vielen konsumiert werden kann? Walter Benjamin hatte unrecht: Die "Reproduzierbarkeit" hat der "Aura" eines Kunstwerks nicht geschadet; Aura (und Prominenz des Künstlers) steigt sogar, je öfter es reproduziert wird.
Hier setzt ARTmART an. Wir lassen die Künstler eine Idee in mehreren Kunstwerken umsetzen. Und geben damit vielen Leuten viele Kunstwerke für wenig Geld mit nach Hause. Und verschaffen jenen, die in diesem Setting besonders gefragt sind, trotzdem Ruhm und Ehre für ihre weitere Karriere als Sammler-Investment. Zähneknirschen geheilt? Von wegen...
Schaden wir dem Marktwert der Künstler, die von unseren Kuratoren zum ARTmART geladen werden? Nein. Aber können Künstler von der 70 Euro Lösung langfristig überleben? Wahrscheinlich auch nicht. Darf also so ein Miniturmarkt in Wien überhaupt ausprobiert werden, ohne dass wir alle die Lösung für alle Sorgen am Silbertablett präsentieren können? Knirsch knirsch ..
Mein Zahnarzt sagt: man kann. Mittlerweile sagt er es in Ungarisch. Weil ich vom teuren Zahnarzt in Wien zum billigeren Zahnarzt nach Sopron gewechselt bin. Und der setzt halt doppelt so viel Implantate ums halbe Geld. Deswegen ist er billiger und hat überraschender Weise trotzdem das bessere Equipment. Zur Kontrolle geh ich übrigens trotzdem zu meinem alten Herrn Doktor. Weil ich mit ihm über Kunst reden kann. Und weil wir das mit den Kunstpreisen – im Gegensatz zum Ungarn - nur für eine Woche so billig machen. Um einfach mal zu schauen welche unerwarteten Nebenwirkung Kunst für viele sonst noch haben kann...
http://www.artmart.at - 25.4. – 1.5. im Künstlerhaus Wien
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