
Layout in Zeiten des Letraset
von Thomas Hassan
Vor Adobe und Apple, vor Desktop-Publishing und Laserdruckern war Letraset.
Echtes Letraset. Das Gestaltungsnirvana des Schülerzeitungs- und Fanzineredakteurs in den 70ern. Kennt das hier noch jemand? Große A3-Bögen mit Buchstaben zum Durchrubbeln. Garantiert reprofähiges Schwarz. Statt schlecht abgezeichneter Buchstaben aus dem Katalog, die grundsätzlich irgendwelche Grauschlieren dann im Offset hatten, echte, schöne, glatte, coole Buchstaben. Nur einfach die Folie auflegen, sorgfältig anreiben und voila: Perfektion. Zumindest theoretisch.
Letraset ist die Kunst der Beschränkung. Die Anzahl der Buchstaben ist limitiert. Alliteration ist ein Risiko. Wehe, wenn das letzte J beim Rubbeln nicht ganz rüberkommt. Die Anzahl der Schriften ist budgetbegrenzt. So ein Bogen ist richtig teuer, ein billiger Tintenspritzer heutzutage ist für weniger Geld zu haben.
In die tieferen Mysterien des Letraset bin ich nie eingestiegen. Da gibt's spezielle Marker und Transferfolien, mithilfe derer man farbige Schriften produzieren kann. Farben und Schriften sind haptische Begriffe, nicht nur Zahlen und Codes auf einem Bildschirm.
In der Praxis löst sich Haptik und Beschränkung und Ästhetik in einer Orgie aus Gefluche und Konzentration auf.
Nur ein Volldepp nimmt sich den Bogen, den Text und einen Kugelschreiber und fängt an draufloszurubbeln. Das kann nur schiefgehen. Der erste Buchstabe reißt. Mit dem dämlichen p ist man an der Unterlänge verrutscht und das t steht so leicht schief, daß der Text schief aussieht, ohne daß man weiß warum. Gelobt sei da ein erfahrener Mentor, der einen an der Hand nimmt und einweiht in die korrekten Rituale.
Man muß Breiten messen und Buchstaben zählen und nochmal Buchstaben zählen, diesmal auf dem Bogen. Dann ein möglichst glattes Papier nehmen. Glänzen soll's nur nicht. Dann mit feinem Bleistift die Ränder und Grundlinien zeichnen. Und so daß man's radieren kann. Und dann sorgfältig rubbeln. Auf den Bögen sind Grundlinien mit aufgedruckt. Aber Vorsicht, wenn man selbige mitrubbelt, wird's mühsam mit dem ausradieren.
Oh wie hab ich das Rubbeln verflucht. Weil die Scheißbuchstaben nämlich reißen, wenn man den Bogen nicht absolut stillhält. Und weil der sanfteste Kugelschreiber irgendwann doch durch die Folie geht. Und wenn alles perfekt ist, dann kommt der Artikel nochmal redigiert um 3 Zeilen länger aus der Redaktion und man sitzt 2 Stunden mit Messer, Schere, Uhu und Tipp-ex da und schneidet die Zeilen einzeln auseinander um sie etwas enger zusammenzukleben, damit der ganze Artikel auf die eine Seite passt, die noch nicht vollkommen fertig ist und die man im Wissen des Originaltextes genau passend vorbereitet hat...
Damit ist man aber noch lang nicht fertig. Alle Bestandteile muß man dann auf einem sauberen neuen Blatt aufkleben, dann die Kanten sorgfältig mit Tipp-Ex übermalen, damit sie keine Schatten werfen. Überhaupt das Papier. Damals kam zum ersten Mal Recyclingpapier auf. Und weil die Redaktion damals in der (noch nicht existenten) grünen Ecke angesiedelt war, mußte ich mit Engelsgeduld erklären, warum es in diesem einen besonderen Fall vielleicht dann doch keine soo gute Idee ist, die Druckvorlagen mit dem Textilband auf Recyclingpapier zu tippen.
Aber wenn dann die Hefte aus der Druckerei kommen, noch mit dem Geruch von frischer Druckerschwärze, mit klarem Schriftbild und ohne Schnittschatten, dann ist es den ganzen Aufwand wert.
Mit dem ersten Mac und Laserdrucker wanderten die Letraset-Bögen in die Lade, aus der Lade in eine Bananschachtel und dort liegen sie immer noch.
Hin und wieder sehe ich an Schaufenstern Beschriftungen in den selben alten Schriften, und erinnere mich. Dann packt mich die Lust, doch nochmal so ein richtig klassisches Zine zu machen. Die alte Kugelkopf-IBM auspacken, die Köpfe mit Alkohol putzen, und aus einem Antiquitätenladen gutes altes Carbonband auftreiben, damit's so richtig schön schwarz wird. Und dann würde ich meine Letraset-Bögen auspacken und rubbeln.
Aber so richtig old-skool ist das immer noch nicht. Letzens habe ich in einem Schulkeller eine Hektographen gesehen. Die Versuchung war groß.
Echtes Letraset. Das Gestaltungsnirvana des Schülerzeitungs- und Fanzineredakteurs in den 70ern. Kennt das hier noch jemand? Große A3-Bögen mit Buchstaben zum Durchrubbeln. Garantiert reprofähiges Schwarz. Statt schlecht abgezeichneter Buchstaben aus dem Katalog, die grundsätzlich irgendwelche Grauschlieren dann im Offset hatten, echte, schöne, glatte, coole Buchstaben. Nur einfach die Folie auflegen, sorgfältig anreiben und voila: Perfektion. Zumindest theoretisch.
Letraset ist die Kunst der Beschränkung. Die Anzahl der Buchstaben ist limitiert. Alliteration ist ein Risiko. Wehe, wenn das letzte J beim Rubbeln nicht ganz rüberkommt. Die Anzahl der Schriften ist budgetbegrenzt. So ein Bogen ist richtig teuer, ein billiger Tintenspritzer heutzutage ist für weniger Geld zu haben.
In die tieferen Mysterien des Letraset bin ich nie eingestiegen. Da gibt's spezielle Marker und Transferfolien, mithilfe derer man farbige Schriften produzieren kann. Farben und Schriften sind haptische Begriffe, nicht nur Zahlen und Codes auf einem Bildschirm.
In der Praxis löst sich Haptik und Beschränkung und Ästhetik in einer Orgie aus Gefluche und Konzentration auf.
Nur ein Volldepp nimmt sich den Bogen, den Text und einen Kugelschreiber und fängt an draufloszurubbeln. Das kann nur schiefgehen. Der erste Buchstabe reißt. Mit dem dämlichen p ist man an der Unterlänge verrutscht und das t steht so leicht schief, daß der Text schief aussieht, ohne daß man weiß warum. Gelobt sei da ein erfahrener Mentor, der einen an der Hand nimmt und einweiht in die korrekten Rituale.
Man muß Breiten messen und Buchstaben zählen und nochmal Buchstaben zählen, diesmal auf dem Bogen. Dann ein möglichst glattes Papier nehmen. Glänzen soll's nur nicht. Dann mit feinem Bleistift die Ränder und Grundlinien zeichnen. Und so daß man's radieren kann. Und dann sorgfältig rubbeln. Auf den Bögen sind Grundlinien mit aufgedruckt. Aber Vorsicht, wenn man selbige mitrubbelt, wird's mühsam mit dem ausradieren.
Oh wie hab ich das Rubbeln verflucht. Weil die Scheißbuchstaben nämlich reißen, wenn man den Bogen nicht absolut stillhält. Und weil der sanfteste Kugelschreiber irgendwann doch durch die Folie geht. Und wenn alles perfekt ist, dann kommt der Artikel nochmal redigiert um 3 Zeilen länger aus der Redaktion und man sitzt 2 Stunden mit Messer, Schere, Uhu und Tipp-ex da und schneidet die Zeilen einzeln auseinander um sie etwas enger zusammenzukleben, damit der ganze Artikel auf die eine Seite passt, die noch nicht vollkommen fertig ist und die man im Wissen des Originaltextes genau passend vorbereitet hat...
Damit ist man aber noch lang nicht fertig. Alle Bestandteile muß man dann auf einem sauberen neuen Blatt aufkleben, dann die Kanten sorgfältig mit Tipp-Ex übermalen, damit sie keine Schatten werfen. Überhaupt das Papier. Damals kam zum ersten Mal Recyclingpapier auf. Und weil die Redaktion damals in der (noch nicht existenten) grünen Ecke angesiedelt war, mußte ich mit Engelsgeduld erklären, warum es in diesem einen besonderen Fall vielleicht dann doch keine soo gute Idee ist, die Druckvorlagen mit dem Textilband auf Recyclingpapier zu tippen.
Aber wenn dann die Hefte aus der Druckerei kommen, noch mit dem Geruch von frischer Druckerschwärze, mit klarem Schriftbild und ohne Schnittschatten, dann ist es den ganzen Aufwand wert.
Mit dem ersten Mac und Laserdrucker wanderten die Letraset-Bögen in die Lade, aus der Lade in eine Bananschachtel und dort liegen sie immer noch.
Hin und wieder sehe ich an Schaufenstern Beschriftungen in den selben alten Schriften, und erinnere mich. Dann packt mich die Lust, doch nochmal so ein richtig klassisches Zine zu machen. Die alte Kugelkopf-IBM auspacken, die Köpfe mit Alkohol putzen, und aus einem Antiquitätenladen gutes altes Carbonband auftreiben, damit's so richtig schön schwarz wird. Und dann würde ich meine Letraset-Bögen auspacken und rubbeln.
Aber so richtig old-skool ist das immer noch nicht. Letzens habe ich in einem Schulkeller eine Hektographen gesehen. Die Versuchung war groß.


mig
am 18. Mrz, 10:40
am 18. Mrz, 12:56
Ach was waren das noch Zeiten. Da werden wieder Erinnerungen wach. Und heute.....
Gruß David
am 1. Jul, 22:58
hey leute, bin junger artist aus zürich, suche nach letrasets, also die buchstaben. falls ihr habt, bitte mir e-mail schreiben.
paze21@hotmail.com
thanks !!!