
Obsolet
von Pandorama no.4
Obsolet ist der Wasserhahn. Aber welcher? In jedem Fall ist einer zu viel an diesem Waschbecken. Jeden Morgen fällt es mir schwer mich zu entscheiden, welchen Wasserhahn ich mehr verachte, den linken oder den rechten. Eigentlich sind mir beide egal, weil sie beide falsch sind. Sie sind genauso verkehrt wie der Teppich auf dem Laminat im Bad und die 40 Watt Birne als einziges erlaubtes Licht (health and safety), die man stecken muss und nicht schrauben kann. Ein 10er Pack IKEA 60W Birnen verstaubt.
Ich muss mir aber das Gesicht waschen, mich rasieren, mich wieder in die Welt der Popkultur bewegen, die, wird sie nach der Zahl der Wasserhähne gemessen, in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stehen geblieben ist, aber sonst ihrer Zeit voraus sein soll.
Links, rechts, links, rechts, links heiß, rechts kalt. "Du musst den Stöpsel rein machen und dann das Wasser mischen", hat man mir gesagt. Der Stöpsel leckt. Ich kann nichts mischen. Ich halte meine Hände zusammen, notdürftig, um das kalte Wasser aufzufangen. Meine Hände sind aber zu groß, die Hähne zu kurz. Schnell halte ich dieses etwas an Pfütze unter den linken Hahn. Heiß. Sehr heiß. Es wird warm, der Rest der Hand verbrennt. Schnell, das Ganze noch zwei Mal, dann bin ich sauber.
Alles ist klein hier auf dieser Insel. Man findet keine groß gewachsenen Menschen, keine hohen Gebäude und große Räume und auch sonst wenige, die einem das Wasser reichen könnten. Minicooper. Nur mein Ego kann mithalten. Ich muss mir täglich zusehen, wie ich fetter werde und mir meine Haare ausfallen. Dabei fresse ich nur noch Tofu und Gemüse. Meine vegane Ex wäre stolz auf mich. Das überteuerte grün- und braungefaulte Fleisch im Supermarkt ignoriere ich und bewundere den Kleinwüchsigen im Büro, der die Sonderangebote am unteren Regalrand nie übersieht. Auch beneide ich ihn, wenn ich morgens in die Badewanne steige. Ihm machen die schwachen Pumpen, die das heiße Wasser durch die altertümlichen Wasserrohre pumpen, nichts aus, wenn er sich duscht. Mir passiert es seit nun über einem Jahr, dass ich ab und zu aus Unachtsamkeit verbrenne, zumal die Wanne über eine Mischbatterie verfügt. Sie ist so protzig, so groß, sie könnte aus dem Hilton stammen. Der Wasserdruck ist trotz zweier Pumpen im ersten Stock mäßig. Hundepullern. Bis das Wasser die richtige Temperatur hat, vergehen Minuten, dann kann es losgehen und immer wieder: Duschkopf hoch, höher als der Boiler und das warme Wasser wird vom kalten zurückgedrängt – kalt! Schnell den Duschkopf nach unten – heiß! Und wieder einen Schritt weiter auf dem richtigen Weg – zur Kinderlosigkeit.
Der Kleinwüchsige hat es gut. Beim Duschen verbrennt er sich nicht, beim Waschbecken sind seine Hände klein genug, er ist auch zu klein, um ein Auto zu lenken - stattdessen fährt er Motorrad und überholt mich täglich im Stau.
Ich muss mir aber das Gesicht waschen, mich rasieren, mich wieder in die Welt der Popkultur bewegen, die, wird sie nach der Zahl der Wasserhähne gemessen, in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts stehen geblieben ist, aber sonst ihrer Zeit voraus sein soll.
Links, rechts, links, rechts, links heiß, rechts kalt. "Du musst den Stöpsel rein machen und dann das Wasser mischen", hat man mir gesagt. Der Stöpsel leckt. Ich kann nichts mischen. Ich halte meine Hände zusammen, notdürftig, um das kalte Wasser aufzufangen. Meine Hände sind aber zu groß, die Hähne zu kurz. Schnell halte ich dieses etwas an Pfütze unter den linken Hahn. Heiß. Sehr heiß. Es wird warm, der Rest der Hand verbrennt. Schnell, das Ganze noch zwei Mal, dann bin ich sauber.
Alles ist klein hier auf dieser Insel. Man findet keine groß gewachsenen Menschen, keine hohen Gebäude und große Räume und auch sonst wenige, die einem das Wasser reichen könnten. Minicooper. Nur mein Ego kann mithalten. Ich muss mir täglich zusehen, wie ich fetter werde und mir meine Haare ausfallen. Dabei fresse ich nur noch Tofu und Gemüse. Meine vegane Ex wäre stolz auf mich. Das überteuerte grün- und braungefaulte Fleisch im Supermarkt ignoriere ich und bewundere den Kleinwüchsigen im Büro, der die Sonderangebote am unteren Regalrand nie übersieht. Auch beneide ich ihn, wenn ich morgens in die Badewanne steige. Ihm machen die schwachen Pumpen, die das heiße Wasser durch die altertümlichen Wasserrohre pumpen, nichts aus, wenn er sich duscht. Mir passiert es seit nun über einem Jahr, dass ich ab und zu aus Unachtsamkeit verbrenne, zumal die Wanne über eine Mischbatterie verfügt. Sie ist so protzig, so groß, sie könnte aus dem Hilton stammen. Der Wasserdruck ist trotz zweier Pumpen im ersten Stock mäßig. Hundepullern. Bis das Wasser die richtige Temperatur hat, vergehen Minuten, dann kann es losgehen und immer wieder: Duschkopf hoch, höher als der Boiler und das warme Wasser wird vom kalten zurückgedrängt – kalt! Schnell den Duschkopf nach unten – heiß! Und wieder einen Schritt weiter auf dem richtigen Weg – zur Kinderlosigkeit.
Der Kleinwüchsige hat es gut. Beim Duschen verbrennt er sich nicht, beim Waschbecken sind seine Hände klein genug, er ist auch zu klein, um ein Auto zu lenken - stattdessen fährt er Motorrad und überholt mich täglich im Stau.


Verde
am 5. Apr, 00:27