Do all hanged people void themselves?

von Pango
Ich klappe mein Notebook auf und verbinde es mit dem Internet. Ich rufe die neuesten Nachrichten ab.

"suicide is the ultimate statement of unbelief. People commit suicide because they don't have faith that God will help them, and we are saved by faith."

Ich drehe mich vom Bildschirm weg, stehe auf und zünde mir eine Zigarette an. Eine silberblaue Wolke wird gleichmäßig aus meiner Nase geblasen und mein Blick fällt auf die gegenüberliegende Wand. An ihr kleben Bilder von toten Menschen, alles Menschen, die sich selbst aus dem Leben gelöscht haben. Es müssen hunderte sein. Prominente genau so wie Menschen, die dir gegenüber wohnen, wo du dir nie erwartet hättest, dass sie sich von einer Autobahnbrücke vor einen Lastwagen stürzen. Dann fallen einem meist kleine Details auf, die dieses Ende in ein „logisches Licht“ rücken: Sie waren nie auf Besuch. Du warst nie bei ihnen. Sie waren immer Still. Du kannst dich nicht erinnern, dass sie je Besuch bekommen haben. Jetzt bin ich selbst einer von diesen Menschen. Meine Fenster sind mit schwarzem Tape verklebt und die Griffe sind abgerissen. Der Parkettboden hat Brand- und Wasserflecken, ist völlig zerkratzt. Ich schlafe auf einer Matratze am Boden. Es stinkt nach Rauch und nach Kotze. Man könnte fast meinen, ein Junkie lebt hier. Vielleicht nicht so weit her geholt. Es piept hinter mir, das Zeichen, dass ich eine neue Nachricht bekommen habe.

Get up do the same boring fucking routine over and over and over again. What did you do today? Oh I went shopping BIG FUCKING DEAL. I needed to do this so I can eat for the week oh man ask me why I want to die again?

Ich drücke die Zigarette aus und gehe in die Küche um mir ein Bier zu holen. Dann klopft es an der Tür. Schaue raus und sehe meine Nachbarin. Sie sagt leise meinen Namen. „Non“. „Non“. Ich schließe kurz die Augen, atme tief durch und mache dann auf. Die Kette, die zwischen Tür und Rahmen gespannt ist scheppert und lässt einen Spalt entstehen. Sie drückt mir eine Zeitung in die Hand, eine zusammengerollte, großformatige Zeitung. Ich reiche ihr ein paar Zehner und sie geht wieder davon. Langsam drücke ich die Tür zu, nehme das Bier und gehe zurück in den Hauptraum. Die Augen toter Menschen starren mich auf monochromen Computerausdrucken an. Ich spüre ihre jenseitigen Blicke förmlich. Es beginnt weh zu tun, wenn sie das machen. Ich setze mich auf die Couch vis a vis der Meute, fege noch schnell eine leere Schachtel Ciraplex auf den Boden. Ich war schon lange nicht mehr bei der Therapie. Beim ausrollen der Zeitung fallen mir eine Stange Zigaretten und ein kleines Fläschchen auf den Schoß. Ich betrachte das braune Glas wie einen Schatz. Es ist der heilige Gral. Es piepst wieder.

People talk about life flashing before your eyes. I saw none of that. I only thought I mom, and how pissed she was going to be. At my funeral, yelling at my casket.

Vorsichtig stelle ich das Fläschchen auf den Beistelltisch. Mit ein paar geschickten Bewegungen meiner Finger öffne ich die Stange Zigaretten und fische eine Schachtel herraus, aus der ich mir eine Zigarette nehme. Wieder füllt der Rauch meine Lungen und er beruhigt mich. Kein Geräusch ist zu hören, aus meinem Atmen und dem knistern der Zigarette, wenn ich einen tiefen Zug nehme. Diese Bilder sind wie zweidimensionale Jagdtrophäen, nur dass ich kein Jäger war. Ich war ein Detektiv. Ich wollte wissen, wer sie waren und was sie taten. Und warum. Ich kenne den Namen jeder einzelnen Person an der Wand. Ich kenne ihre Geschichten. Zusammen mit dieser Wand bin ich ein gottverdammtes Kompendium menschlicher Tragödie. Ich war auf der Suche nach einer Lösung, nach einem Muster. Etwas nachvollziehbaren. Ich glaube nicht an biochemische Reaktionen im Gehirn. Ich glaube nur an das, was ich fühlen kann. Und an das, was ich in den Augen sehen kann. Augen sind kein Spiegel der Seele, Augen sind der Sitz der Seele. Es heißt nicht umsonst, dass das „Licht in den Augen erloschen ist“, wenn jemand stirbt, denn da verlässt die Seele den Körper. Sofern es eine gibt. Pieps.

Knowing that there is nothing that anyone can do to help make your life a happy one, and knowing that you will wake up every day to this suffering, is such a terrible feeling. It frustrates the hell out of me. I can't stand thinking about the future. All I see is pain, humiliation and fear. Even thinking about having to go to work the next day frightens me, and pisses me off. I hate dealing with people. I just want to be home, alone. :(

Ich stehe auf und gehe ins Badezimmer, wo sich der einzige Spiegel in der Wohnung befindet. Ich überprüfe da gerne, ob ich noch am Leben bin. Wenn man lange genug isoliert lebt, bekommt alles eine surreale Note. Irgendwann weißt du nicht mehr, ob es Tag oder Nacht ist. Welcher Wochentag. Mit der Zeit verliert das auch alles seine Bedeutung. Dann fragst du dich nur noch, ob du lebendig oder tot in deiner selbst geschaffenen Isolationshölle lebst. Hier kommt der Spiegel ins Spiel. Starre mir selbst in die Augen. Mir wird dabei Schwindlig und ich höre mich im Geiste selber. Meine Stimme, als wäre sie außerhalb meines Körpers. Ich bin vergänglich. Obsolet. Ich reisse mich los und mache den Kasten, dessen Tür der Spiegel ist, auf und nehme eine paar Tabletten raus, gehe mir ihnen zurück ins Wohnzimmer. Dort ziehe ich mir mein T-Shirt aus und gehe zum Beistelltisch der Couch, wo das Fläschchen steht. Ich öffne sie und schütte einen Teil des Inhalts auf meine Hand. Ich lege mich aufs Bett und blicke auf transparentes Plastik. Ich leuchte.

Ever since I considered suicide as an option, I don't think/worry about my problem that much. I remember just five months ago everyday I use to check online if any new treatment, cure been discovered, and afterwards I will drive myself crazy. But now all I think about is my suicide plan, method, and deadline. I wake up and fall asleep thinking about suicide. So not only is suicide going to solve my problems, but in the meantime it is distracting me from thinking about my illness. There are times I forget why I want to kill myself, and I have to remind myself.
Non a Noi denkt über das Leben nach. Zigaretten als Kapitelüberschriften, Selbstmordgedanken als Motivator und dazu eine große Portion Angst und Abscheu.
Baujahr 1984, lebt und wirkt in Wien als freier Grafikdesigner, Blogger, Amateurfotograf, Untergrundjournalist und Experimentalmusiker. Auch bekannt unter den Nym's Non, Pango und Scare.
mindestens haltbar 03/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 02
ISSN 1816-8159
Autor: Pango
Titel: Do all hanged people void themselves?
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