die welt ist keine blackbox

von Georg Wiltschek
genauso wie die menschen die sich darauf tummeln. bloss, dass es keine meta-blackbox gibt. was diese ganze geschichte um die abstraktion, die die blackbox darstellen sollte völlig irre führt. wäre es, wie es nicht ist, wüsste man um die reaktionen von menschen und das zustandekommen dieser wäre egal. aber irgendwie ist es dann genau umgekehrt. möglicherweise weiss man zwar irgendwie, was passiert, aber das ergebnis ist dann doch nicht das erwartete. die welt ist vermutlich einfach zu gross, um einen überblick zu behalten. unser ereignishorizont ist stark beschränkt. wir sehen nur bis zum nächsten häuserblock, möglicherweise auch die a23 auf dem infokanal von telekabel. oder eine situationsbeschreibung per sms aus sonstwo. aber eigentlich weiss keiner, was wirklich passiert. und so wirken hunderte einflüsse auf jeden von uns und machen es allen anderen schwer nachzuvollziehen, was wir tun. wir verlieren uns ständig aus den augen und finden uns dann wieder. verändert. es müssen nicht mal jahre und tausende kilometer sein. es reichen minuten und eine ecke. aber gibt es eine möglichkeit, andere menschen auf dem laufenden zu halten? wieviele sinneseindrücke können wir in kürzester zeit wahrnehmen? wieviele bezüge herstellen, wieviele kreuz-und-quer-verbindungen in unseren köpfen zusammenschrauben? wieviele gedanken spinnen und wie wenig können wir in einem vielfachen dieser zeit wiedergeben? und wie können wir dinge erklären, bei denen wir nur verstehen, dass es so ist und nicht warum? gut, manchmal funktioniert es. manchmal haben mehrere menschen den gleichen gedanken. dann kann man sich einbilden, dass man irgendjemanden kennt. und dann funktioniert die blackbox wieder. der interne ablauf ist egal, das ergebnis nicht unerwartet. aber wieweit wollen wir das dann eigentlich? im prinzip ist wohl beides nicht das wahre, aber. an dieser stelle kann jetzt jeder seinen weiteren gedankengang einsetzen. vermutlich wäre es anders langweilig. aber wenn der ereignishorizont nicht nur bis zur nächsten kreuzung, sondern vielleicht drei busstationen entfernt wäre, wäre die welt vielleicht ein klein wenig unkomplizierter. und dadurch vielleicht schöner. besser. und die blackbox etwas zuverlässiger.

Dieser Beitrag ist bereits im Weblog des Authors erschienen.
Geschichten aus dem Zirkus.
lebt im Märchenland und studiert friedlich Informatik.
mindestens haltbar 03/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 02
ISSN 1816-8159
Autor: Georg Wiltschek
Titel: die welt ist keine blackbox
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