
Editorial
von Philipp Drössler
Ist schon mal wem aufgefallen, dass Osten, obwohl zumindest am Kompass klar definiert, ein Begriff ist, der in seiner Schwammigkeit nur schwer zu übertreffen ist. Osten, dass muss der Ort sein, wo herzensgute Strassenräuber vor lauter Hunger nicht wissen, ob sie mit Limousinen ihre Plattenbauten umkreisen oder doch auf Schränken voll mit Atomwaffen tanzen. Natürlich alles Ungläubige und unmoralische Heiden, diese erzreligiösen Spießer. Oder so. Wobei immer noch nicht klar ist, ob diese Wilden östlich von Wien oder Vladivostok leben, oder doch schon in Wels?Jahrzehnte der Trennung zwischen West und Ost durch den kalten Krieg haben ein gigantisches Reservoir an Halbwahrheiten, Vermutungen, Ängsten und Lügen über den Osten geschaffen, das erst langsam seit dem Fall des eisernen Vorhangs verebbt, und die historisch üblichen Animositäten zwischen diversen Landstrichen machen den Prozess auch nicht leichter. Aber es tut sich was. Länder wie Ungarn und Slowenien blühen nach wenigen Jahren der Freiheit auf, und seit kurzem sind auch Rumänien und Bulgarien offiziell Teil des westlich-demokratischen Europas.Apropos Veränderungen: Drössler, angenehm. Ich trete ab sofort als Chefredakteur von mindestenshaltbar in die schwer zu füllenden Fußstapfen von Robert Scharfenberg, den es in andere Gefilde gezogen hat.
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