gedanken zur kartographie

von Georg Wiltschek
wir sollten uns wieder mehr an der essenz zu schaffen machen. grundlagendforschung mag ja wirklich tolle erkenntnisse an's licht bringen, aber grundlagenmanipulation bringt spass ins leben. oder zumindest spannung. und vielleicht beweisen wir ja sogar etwas damit. zum beispiel, dass unser aller verhalten viel zu sprunghaft, viel zu unvorhersehbar, viel zu verdreht für den beobachter ist, um eine folgeerscheinung einiger, in winzingsten höhlen werkenden, physikalischen und chemischen wunderlichkeiten zu sein. halt. nicht, dass jetzt die in der letzten reihe sitzende und in gebete versunkene fraktion aufwacht und jubelnd einen beweis gottes wittert! dagegen finden wir ja möglicherweise auch einige gegenbeispiele...

trotzdem dürfte es irgendwo zwischen den grundlagen und dem ganzen eine grenze geben, an der sich jede logik von der klippe stürzt; oder, wem das zu drastisch ist: erkennt, dass hier die cocktails am anregesten, das klima am angenehmsten und die arbeitsmoral am annehmbarsten sind, und ausserdem beschliesst, dass sie schon lang genug unterwegs ist und die eingeborenen zudem noch jeden dahergelaufenen fremden als gott ansehen, dann bleibt sie vielleicht auch einfach dort, pflanzt einen baum und trinkt rum an der strandbar.

und dort haben wir dann irgendwie eine staatenfreie zone. das ding zwischen "bis neun bist du o.k." und "bei 10 erst k.o.". das dazwischen müsste auch irgendwie niemandsland sein, haben die sterne das jemals erklärt? also zurück. man sollte sich also aufgrund all dieser vermutungen ein wenig jenseits der grenze aufhalten und sehen, was sich so machen lässt. vielleicht ist es ja nicht viel, bloss unter das karussell kriechen, um mit einem schraubenzieher ein paar zahnräder zu blockieren. es muss ja gar nicht so weit gehen, dass man die rotationsrichtung des den zirkus beherbengenden planeten umkehren muss, um die holzpferdchen stillstehen zu lassen, irgendwie zumindest. nur so ein wenig. schauen, ob ein paar gedrückte knöpfe hier, ein paar umgelegte hebel dort irgendeine auswirkung zeigen.

oder vielleicht muss man ja nicht einmal die ganze grenze überqueren, vielleicht ist die kolonie der logik zwischen den grenzbalken ja der ort, an dem man man handeln kann. also zumindest, wenn sie sich nicht dort von der klippe gestürzt hat. und wahrscheinlich ist das auch keine idylische kleine siedlung am strand, sondern ein ziemlich apokalyptisches kriegsgebiet. so ein bisschen madmax artig oder von mir auch waterworldig, jedenfalls etwas in die richtung, mehr sand oder mehr wasser kann sich jeder aussuchen. nunja, wie auch immer. helm auf, und wo ist bei einem panzer der erste gang? ok, wem das wieder zu drastisch ist: man wandert von strandkorb zu strandkorb und versucht die bewohner mit noch mehr rum zu überreden, ein paar dinge mal testweise etwas anders zu machen. oder man muss sowieso so weit wandern, dass getriebe sabotieren und das universum umzupolen den gleichen aufwand bedeuten. wie auch immer, immer noch im zirkus.

Dieser Beitrag ist bereits im Weblog des Autors erschienen.

Freie Gedanken zu den relevanten Dingen des Lebens - Grundlagenforschung, Cocktails und Schraubenzieher.
lebt im Märchenland und studiert friedlich Informatik.
mindestens haltbar 02/2007
Jahrgang 03
Ausgabe 01
ISSN 1816-8159
Autor: Georg Wiltschek
Titel: gedanken zur kartographie
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