
Heute bastel' ich mir ein Idol
von mao
Als ich noch klein war hatte ich keines, da mir die richtige Dosis Muttermilch zur Lebensbewältigung durchaus ausreichend schien. Dann kam Old Shatterhand; schließlich die Erkenntnis, dass ich keine Idole habe und dieser Text.
Man kann es sich ja leicht machen und behaupten, Idole wären nur etwas für Kinder, die zwecks hormonell bedingter Lösung aus dem Familienband ihre Altvorderen gerne mit den Fratzen von Doherty, Spears, Williams oder Schwarzenegger schrecken.Auch ich konnte mich der Faszination eines Mannes, der Bärentatzen bevorzugt wurmstichig genießt und aus christlichem Großmut seine Feinde nur zu Krüppeln macht, nicht erwehren (eher un-rebellisch, sieht man von einer tiefenpsychologischen Analyse ab). Old Shatterhand und seine Haberer verloren jedoch ziemlich schnell viel von ihrer Anziehungskraft, als ich feststellen musste, dass es heutzutage zur Bestreitung des Lebensunterhalts wenig beiträgt, sich auf ein Pferd zu setzen und irgendwo in der Prärie wahlweise auf Bären oder Kniescheiben zu schießen. Diese Entwicklung war zweifellos dem Fortschreiten meines Alterungsprozesses geschuldet; trotzdem heißt das nicht, dass man ab einem gewissen Alter keine Idole mehr hat, auch die von Erwachsenen produzierte Kleine Zeitung hat ja auch ihren „Arnie“. Also liegt es nicht am Alter.
Weichen wir aus: Was ist denn ein Idol überhaupt? Ein Vorbild, möchte man meinen, klarer Fall von Synonym. Allerdings behauptet der Duden: „Jemand, Etwas als Gegenstand schwärmerischer Verehrung“ mit dem kleinen Nachsatz „meist als Wunschbild von Jugendlichen“. Ein Vorbild hingegen ist lediglich eine „Person/Sache, die als (idealisiertes) Muster, als Beispiel angesehen wird, nach dem man sich richtet“. Schön, wenn man sich nicht mehr selbst den Kopf zerbrechen muss, sondern sich einfach auf eine Autorität berufen kann; da müßte sich doch ein schönes Vorbild dazu finden lassen und gelöst ist mein Problem. Dummerweise ist es mittlerweile nicht mehr en vogue, den Autoritätsgläubigen heraushängen zu lassen, man denkt natürlich selbst. Daher bildet man sich eine eigene Meinung, am besten, indem man sich die Meinungen anderer ansieht und sich das Bekömmlichste aussucht. Faustformel für eigene Meinung pro Thema: Einen Monat Leitartikel lesen, mindestens in zwei verschiedenen Zeitungen, abwägen ob man Links oder Rechts sein möchte (Könner machen das schon vor der Lektüre), fertig. In der Folge sucht man sich noch einen Proponenten der erlesenen Meinung und erwählt sie/ihn sich zum Vorbild.
Jetzt weiß ich zwar, wie ich zu einem Vorbild komme, eigentlich wollte ich aber ein Idol. So ein Vorbild ist ja eine ziemlich verkopfte – Obacht auf die treffende Vorsilbe – Angelegenheit und appelliert lediglich an den Verstand, beziehungsweise das, was an dessen Stelle getreten ist. Ist es oft fragwürdig, sich strikt an sein Vorbild zu halten, werden die Dinge wirklich suspekt, wenn das Vorbild in Personalunion mit dem Idol besteht. Einem „Gegenstand schwärmerischer Verehrung“ glaubt man freilich jeden Unsinn. Drum trennt man idealerweise, was sich nur ungut bindet, und kombiniert nach Herzenslust. KHG muss kein Widerspruch zu Herrn Guevara sein! Wichtig ist allein, dass man sich in seinen Vorbildern und Idolen wiederfindet, stilmäßig, schiefe Optik auf den ersten Blick verleiht der Mischung erst einen gewissen Reiz und macht interessant. Das bietet darüber hinaus den Vorteil, dass man flexibel bleibt, je nach Laune und Milieu mal der Eine, mal der Andere das Idol sein kann. Quintessenz: Sind Hirn und Herz erst einmal outgesourct, steigt die Lebensqualität mangels eigener Anstrengungen erheblich.
Woher krieg ich jetzt mein Idol? Ich weiß nicht, ich lese wohl besser erst einmal nach, wie Old Shatterhand das angestellt hätte.
Man kann es sich ja leicht machen und behaupten, Idole wären nur etwas für Kinder, die zwecks hormonell bedingter Lösung aus dem Familienband ihre Altvorderen gerne mit den Fratzen von Doherty, Spears, Williams oder Schwarzenegger schrecken.Auch ich konnte mich der Faszination eines Mannes, der Bärentatzen bevorzugt wurmstichig genießt und aus christlichem Großmut seine Feinde nur zu Krüppeln macht, nicht erwehren (eher un-rebellisch, sieht man von einer tiefenpsychologischen Analyse ab). Old Shatterhand und seine Haberer verloren jedoch ziemlich schnell viel von ihrer Anziehungskraft, als ich feststellen musste, dass es heutzutage zur Bestreitung des Lebensunterhalts wenig beiträgt, sich auf ein Pferd zu setzen und irgendwo in der Prärie wahlweise auf Bären oder Kniescheiben zu schießen. Diese Entwicklung war zweifellos dem Fortschreiten meines Alterungsprozesses geschuldet; trotzdem heißt das nicht, dass man ab einem gewissen Alter keine Idole mehr hat, auch die von Erwachsenen produzierte Kleine Zeitung hat ja auch ihren „Arnie“. Also liegt es nicht am Alter.
Weichen wir aus: Was ist denn ein Idol überhaupt? Ein Vorbild, möchte man meinen, klarer Fall von Synonym. Allerdings behauptet der Duden: „Jemand, Etwas als Gegenstand schwärmerischer Verehrung“ mit dem kleinen Nachsatz „meist als Wunschbild von Jugendlichen“. Ein Vorbild hingegen ist lediglich eine „Person/Sache, die als (idealisiertes) Muster, als Beispiel angesehen wird, nach dem man sich richtet“. Schön, wenn man sich nicht mehr selbst den Kopf zerbrechen muss, sondern sich einfach auf eine Autorität berufen kann; da müßte sich doch ein schönes Vorbild dazu finden lassen und gelöst ist mein Problem. Dummerweise ist es mittlerweile nicht mehr en vogue, den Autoritätsgläubigen heraushängen zu lassen, man denkt natürlich selbst. Daher bildet man sich eine eigene Meinung, am besten, indem man sich die Meinungen anderer ansieht und sich das Bekömmlichste aussucht. Faustformel für eigene Meinung pro Thema: Einen Monat Leitartikel lesen, mindestens in zwei verschiedenen Zeitungen, abwägen ob man Links oder Rechts sein möchte (Könner machen das schon vor der Lektüre), fertig. In der Folge sucht man sich noch einen Proponenten der erlesenen Meinung und erwählt sie/ihn sich zum Vorbild.
Jetzt weiß ich zwar, wie ich zu einem Vorbild komme, eigentlich wollte ich aber ein Idol. So ein Vorbild ist ja eine ziemlich verkopfte – Obacht auf die treffende Vorsilbe – Angelegenheit und appelliert lediglich an den Verstand, beziehungsweise das, was an dessen Stelle getreten ist. Ist es oft fragwürdig, sich strikt an sein Vorbild zu halten, werden die Dinge wirklich suspekt, wenn das Vorbild in Personalunion mit dem Idol besteht. Einem „Gegenstand schwärmerischer Verehrung“ glaubt man freilich jeden Unsinn. Drum trennt man idealerweise, was sich nur ungut bindet, und kombiniert nach Herzenslust. KHG muss kein Widerspruch zu Herrn Guevara sein! Wichtig ist allein, dass man sich in seinen Vorbildern und Idolen wiederfindet, stilmäßig, schiefe Optik auf den ersten Blick verleiht der Mischung erst einen gewissen Reiz und macht interessant. Das bietet darüber hinaus den Vorteil, dass man flexibel bleibt, je nach Laune und Milieu mal der Eine, mal der Andere das Idol sein kann. Quintessenz: Sind Hirn und Herz erst einmal outgesourct, steigt die Lebensqualität mangels eigener Anstrengungen erheblich.
Woher krieg ich jetzt mein Idol? Ich weiß nicht, ich lese wohl besser erst einmal nach, wie Old Shatterhand das angestellt hätte.
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