
Idolize me
von Idoru
Erinnert ihr euch auch, früher an diese Büchlein die man mit seinen Freunden getauscht hat, damit die etwas hineinschreiben? Ich meine nicht die echten Stammbücher die dem Schreibenden jede Freiheit lassen, sondern diese Quiz-Bücher, die eine Million nerviger Fragen stellen die man eigentlich nicht beantworten kann und vor allem nicht beantworten will - und sie selbstverständlich, unserem schulantrainierten Verlangen Fragen zu beantworten, Tests zu bestehen und Lückentexte zu füllen, doch nach bestem Wissen und Gewissen auszufüllen, damals wie heute. Ich mochte diese Quiz-FreundschaftsBücher damals schon nicht, hatte aber natürlich trotzdem eines, zusätzlich zum althergebrachten Stammbuch, wie die meisten bei uns, am Stadtrand von Wien, Anfang der 90er Jahre. Die schlimmsten Fragen waren die nach dem Lieblingsbuch, Lieblingsessen, LieblingsmusikerIn - zu viele Antworten! Unmöglich, auf der kurzen zumeist gepunkteten Linie alles unterzubringen - und die nach „meinem Idol“. Schon damals konnte ich das nicht zufriendenstellend beantworten und ließ das Feld meist leer. In mein eigenes Freundschaftsbuch schrieb ich im zarten Alter von zehn Jahren neben „Mein Idol“ - „brauche keins“.
Ich kann mich auch wirklich nicht daran erinnern, jemals ein Idol gehabt zu haben. Klar habe ich Vorbilder - aber für die verschiedensten Dinge. Die Frau die ich vorige Woche auf der Straße gesehen habe ist mein Vorbild, was den Plastikschmuck den sie trug betrifft. Meine Gesangslehrerin ist mein Vorbild in Bezug auf Technik und mein Interpretationslehrer ist mein Vorbild in Bezug auf Sprache. Angelika Kirchschlager ist mein Vorbild als junge österreichische Sängerin und Christa Ludwig ist mein Vorbild, was Gesang im allgemeinen betrifft. Siegfried Lenz ist mein Vorbild bei Sprache im Roman, Umberto Eco mein Vorbild beim Erzählen. Ich könnte noch lange, lange weiter meine Vorbilder aufzählen, meine Eltern, meine Granny, meine Kollegen und Freunde nennen; Musiker, Maler, Schauspieler, Bildhauer, die mich inspiriert und berührt haben, Künstler, Wissenschaftler und andere Menschen, die mich beeindruckt haben und trotzdem wäre ich der Frage nach meinem Idol nicht näher. Zum einen, weil Idole und Vorbilder nicht das gleiche sind - ein Idol ist eine einzelne Person, ein echtes So-möchte-ich-gern-sein-Mädchen, um mit Christine Nöstlinger zu sprechen. Und ich denke, genau da liegt auch mein Problem mit dem Konzept. Ich verstehe den Begriff „Idol“ so, daß das eben jemand ist, dem ich nacheifere, den ich nachahmen möchte. „Du bist mein Idol“ heißt „Ich wär gern genau wie du“.
Für mich stimmt das nicht. Ich wäre nicht gerne genau wie jemand anders, ich wäre gerne genau wie ich. Und das ist schon schwierig genug, auch ohne daß ich versuche, jemand anderem gerecht zu werden. Natürlich bin ich dafür, Ziele anzustreben, Ideale zu haben und immer zu versuchen, besser zu werden. Und dann noch besser. Und selbst wenn ich einmal die Beste wäre, würde ich immer noch besser werden wollen, einfach, um mich immer weiterzuentwickeln und immer etwas Neues zu lernen. Würde mir ein Idol dabei helfen, hätte ich vermutlich eines, aber so ist es nicht. Ich habe keines und ich will auch keines - „brauche keins“, genau wie damals.
Ich kann mich auch wirklich nicht daran erinnern, jemals ein Idol gehabt zu haben. Klar habe ich Vorbilder - aber für die verschiedensten Dinge. Die Frau die ich vorige Woche auf der Straße gesehen habe ist mein Vorbild, was den Plastikschmuck den sie trug betrifft. Meine Gesangslehrerin ist mein Vorbild in Bezug auf Technik und mein Interpretationslehrer ist mein Vorbild in Bezug auf Sprache. Angelika Kirchschlager ist mein Vorbild als junge österreichische Sängerin und Christa Ludwig ist mein Vorbild, was Gesang im allgemeinen betrifft. Siegfried Lenz ist mein Vorbild bei Sprache im Roman, Umberto Eco mein Vorbild beim Erzählen. Ich könnte noch lange, lange weiter meine Vorbilder aufzählen, meine Eltern, meine Granny, meine Kollegen und Freunde nennen; Musiker, Maler, Schauspieler, Bildhauer, die mich inspiriert und berührt haben, Künstler, Wissenschaftler und andere Menschen, die mich beeindruckt haben und trotzdem wäre ich der Frage nach meinem Idol nicht näher. Zum einen, weil Idole und Vorbilder nicht das gleiche sind - ein Idol ist eine einzelne Person, ein echtes So-möchte-ich-gern-sein-Mädchen, um mit Christine Nöstlinger zu sprechen. Und ich denke, genau da liegt auch mein Problem mit dem Konzept. Ich verstehe den Begriff „Idol“ so, daß das eben jemand ist, dem ich nacheifere, den ich nachahmen möchte. „Du bist mein Idol“ heißt „Ich wär gern genau wie du“.
Für mich stimmt das nicht. Ich wäre nicht gerne genau wie jemand anders, ich wäre gerne genau wie ich. Und das ist schon schwierig genug, auch ohne daß ich versuche, jemand anderem gerecht zu werden. Natürlich bin ich dafür, Ziele anzustreben, Ideale zu haben und immer zu versuchen, besser zu werden. Und dann noch besser. Und selbst wenn ich einmal die Beste wäre, würde ich immer noch besser werden wollen, einfach, um mich immer weiterzuentwickeln und immer etwas Neues zu lernen. Würde mir ein Idol dabei helfen, hätte ich vermutlich eines, aber so ist es nicht. Ich habe keines und ich will auch keines - „brauche keins“, genau wie damals.


camelopard
am 30. Jan, 05:04
Ob mir das jemals so bewußt war, weiß ich nicht mehr. Ich hatte einfach nie ein Idol. Schon als Kind habe ich bestimmte Menschen geliebt, oder auch nur Aspekte von ihnen.