herr bertelskamp, der in einem laubhaufen hockte

von Christian Schwab
“hallo herr bertelskamp”, sagte der kleine timmy und kletterte von seinem dreirad. “was machst du da?”
herr bertelskamp, der in einem laubhaufen hockte und bis eben dachte, nicht gesehen werden zu können, zog seinen kopf ein stück weiter ein.
“ich… äh, verstecke mich”, flüsterte er gerade so laut, dass der kleine timmy ihn verstehen konnte.
“oh. vor einem bären?”, wollte der kleine timmy wissen, und herr bertelskamp sagte nur “ja, vor einem bären”, da er so hoffte, den kleinen timmy schnell los werden zu können.
“aber hier gibt es doch gar keine bären”, behauptete der kleine timmy, was allerdings nicht stimmte. denn frau schmuse aus dem achten stock, deren vater 1965 in dem fürchterlichen flammeninferno von gogelshausen ums leben kam, hatte einen kleinen bären. wenn auch einen gut getrimmten.
“doch, hier gibt es sehr wohl bären”, flüsterte herr bertelskamp, der frau schmuse recht gut kannte.
“hmm”, meinte der kleine timmy und kletterte auf sein dreirad. “das glaube ich nicht.”
dann radelte davon.
“hallo herr bertelskamp”, sagte der olle hinrich, der ein schlauchboot auf seinem kopf balancierte und vor dem laubhaufen stehen blieb.
“hallo oller hinrich”, sagte herr bertelskamp. “wieso kannst du mich sehen? und wieso zur hölle balancierst du ein schlauchboot auf deinem kopf?”
“das ist kein schlauchboot”, behauptete der olle hinrich. “das ist ein sushikutter.”
“quatsch”, sagte herr bertelskamp. “das ist kein sushikutter. sushikutter sind aus holz.”
“oder aus gummi.”
“so ein blödsinn. sushikutter sind doch nicht aus gummi.”
“doch, der olle hinrich hat recht. sushikutter können auch aus gummi sein”, krächzte die alte frau dosenfuß, die neben dem ollen hinrich stehen blieb und mit zusammengekniffenen augen auf den laubhaufen blickte. “herr bertelskamp, sind sie das da in dem laubhaufen?”
“ich… äh, ja”, gab dieser entnervt zu und beschloss, dass es keinen sinn mehr machte, sich weiterhin in dem laubhaufen zu verstecken, wenn ihn jeder, ja sogar die fast blinde frau dosenfuß, sehen konnte.
“meine güte”, begann frau dosenfuß zu schreien, als herr bertelskamp aus den laubhaufen kletterte und jede menge laub aufwirbelte. “herr bertelsmann, sie… sie sind ja nackt.”
“das ist so nicht richtig”, sagte herr bertelskamp und deutete mit einer hand auf das ding vor seinem zipfel, das er mit seiner anderen hand festhielt.
“was ist das”, wollte der olle hinrichwissen. “eine schleckmuschel?!”
“nein, das ist eine badewanne”, sagte herr bertelskamp, dem natürlich bewusst war, dass es sich bei dem ding vor seinem zipfel um eine schleckmuschel handelte.
“oh. aber eine sehr kleine badewanne”, meinte der olle hinrich, während herr bertelskamp nur die augen verdrehte und leise stöhnte.
“du meine güte. ach, du meine güte”, wiederholte sich frau dosenfuß immer und immer wieder, konnte aber ihren blick nicht von der schleckmuschel nehmen.
“wieso haben sie eine schleckmuschel vor ihrem penis, herr bertelskamp?”, wollte der kleine timmy, der plötzlich zwischen dem ollen hinrich und frau dosenfuß stand, wissen.
“das ist eine badewanne”, belehrte ihn der olle hinrich.
“das ist eine lange geschichte”, sagte herr bertelskamp.
“hat sie was mit der großen zipfelprüfung zu tun?”, fragte der kleine timmy.
“aber… woher weißt du…?”
“ach, mein vater…”, begann der kleine timmy, als plötzlich die erde zu beben anfing und etwas überaus massiges langsam aber unaufhaltsam um die ecke walzte.
“oho”, meinte der olle hinrich und warf sich blitzschnell zur seite, wobei der sushikutter aus gummi beinahe von seinem kopf gefallen wäre. und auch frau dosenduß machte einen für ihr alter ziemlich eleganten satz aus der laufbahn des elefantenartigen wesens, während der kleine timmy schon längst wieder auf seinem dreirad davongedüst war. nur herr bertelskamp, dem vor schreck beinahe die schleckmuschel hinunter gefallen wäre, reagierte zu spät. und so wurde er von dem ding aus schwerem fleisch gerammt und mit in den laubhaufen gerissen.
“bo…bonita…”, stöhnte herr bertelskamp und hatte recht. es war tatsächlich die dicke bonita aus dem fünften stock, die sich mit vorliebe in laubhaufen warf und deren schwammige brüste nun wie zwei vorhängeschlossnäpfe herrn bertelskamp die luft nahmen. dass er langsam das bewusstsein verlor, fand er in diesem augenblick nicht sonderlich schlimm.


Dieser Beitrag ist bereits im Weblog des Autors erschienen.
studierte sechs Jahre lang Ostasiatische Kunstgeschichte, bevor er merkte, dass er gar nicht Ostasiatische Kunstgeschichte studierte, sondern Molekulare Biotechnologie, worüber er sehr erschrak. Nun lebt er zurückgezogen auf einem nicht sonderlich hohen Baum in Mokunana, direkt neben einem anderen, etwas höheren Baum, in dem ein kleiner, putziger Elefant wohnt, dessen Namen er aber leider nicht kennt. In seinem Blog veröffentlicht Christian seine geistigen Ergüsse, über die zumeist nur er selbst lachen kann. Manchmal können das aber auch andere. Dann freut er sich.
mindestens haltbar 12/2006
Jahrgang 02
Ausgabe 20
ISSN 1816-8159
Autor: Christian Schwab
Titel: herr bertelskamp, der in einem laubhaufen hockte
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