Milchige Aura

von bittersweet choc
Ich esse gern und viel, nur keine Pommes wegen des Fetts, keine Wurst wegen des Nitritnitrats, keine Kinderschokolade, weil keine Schokolade darin ist und ich esse auch kein Obst. Kein Obst? Ja, kein Obst.

"Hast du NIE Lust, in einen Apfel zu beißen? Dir den Saft eines überreifen Pfirsichs über die Finger laufen zu lassen? Kirschkerne durch die Gegend zu spucken?"

Nein, habe ich nicht und ja, es stimmt: Essen ist etwas Sinnliches, aber man kann die Romantik auch übertreiben, finde ich. Viel zu viel Fructose im Obst. Meine Insulinkurve soll schließlich nicht durch den Fruchtzucker steil nach oben steigen und durch rapiden Abfall wieder zum lästigen Hungerumoren in meinem Bauch führen. Ich mag Zucchini, Tomaten, Champignons und Sellerie lieber, die sind vielleicht nur in Maßen sinnlich, bleiben aber bei den Kohlehydraten und Zuckern im gertenschlanken Bereich.

"Wie furchtbar!" schreit die Menge. "Warum," frage ich und überlege, ob man von den Eßgewohnheiten auf die sinnliche Persönlichkeit schließen kann? Ich weiss es nicht. Ich habe andere Vorlieben. Scharfe Chilischoten zum Beispiel. Je schärfer, desto rauschiger. Die machen auch ungeheuer heiße und rote Lippen, wenn man die Schoten darauf verreibt. Oder Zartbitterschokolade, die liebe ich. 85 Prozent Kakaogehalt sind mein größte Leidenschaft, das ist zwar so, als würde man ein Brikett kauen, aber schließlich ist da viel Theobromin drin. Theobromin ist göttlich und führt zu glücksseeligen Zuständen, ich schwöre!

Was mir jedoch Sorge macht, ist der freundliche alte asiatische Mann, der mir immer wieder beim Spazierengehen begegnet und lächelnd zu mir sagt "Sie sehen sehr glücklich aus." "Ja," sage ich jedes Mal begeistert, "das stimmt!" Er verbeugt sich kurz und drückt mir ein kleines laminiertes Kärtchen mit einer Weissagung in die Hand, die mich auffordert, an Kursen teilzunehmen, damit mein Glücklichsein anhält. Nach einer erneuten kleinen Verbeugung geht er langsam weiter. Jedes Mal das selbe Ritual, seit einigen Wochen jedoch nicht mehr.

Letzten Sonntag lief er mir wieder über den Weg. Er nahm meine Hand, sah mich ernst an und verbeugte sich so tief, dass er mich fast mit seiner kleinen Nase berührte und meinte allen Ernstes "Sie haben eine milchige Aura."

Bevor ich entsetzt "Was!?" rufen konnte, verschwand er schnell. Milchige Aura!? Ich liebe Joghurt, Hütten- und Ziegenkäse und trinke am Tag drei Liter Milch, einen davon kurz vor dem Schlafengehen. Versaut mir das meine Aura!? Was ist denn nun eine Aura? Verwechselt der Mann das mit "Karma" oder meinte er meinen Heiligenschein?
Vielleicht ist es wahr... So wie sich das Aussehen von Menschen manchmal dem ihrer Haustiere annähert, fangen manche Menschen vielleicht an wie ihre Lieblingsspeise auszusehen? Und was ist überhaupt eine milchige Aura?
bittersweet choc turnt glückseelig durch das puppenstubenhübsche Hamburg und überlegt, wie sie bis hundert schön und jung bleiben kann.
mindestens haltbar 11/2006
Jahrgang 02
Ausgabe 19
ISSN 1816-8159
Autor: bittersweet choc
Titel: Milchige Aura
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am 24. Nov, 02:23

lern dich mal deutsch. wegen dem stil. und AndereN diNgen.

am 24. Nov, 09:48

vielen herzlichen dank für deinen freundlichen hinweis, den ich zum anlass nehme, eine deutsche grundschule zu besuchen, um anschliessend auf einer weiterführenden schule noch schliff und stil zu bekommen.


am 24. Nov, 02:23

lern dich mal deutsch. wegen dem stil. und AndereN diNgen.


am 6. Dez, 01:07

Ich verstehs trotzdem nicht. Ich meine, ein Apfel...


am 11. Dez, 18:05

@an, was ist denn gegen den stil auszusetzen? Oo

@bittersweet choc: bist du ernährungswissenschaftlerin oder liest du zuviele frauenzeitschriften? :-P