
Das Pizzakonglomerat
von Yetused
Ich bin also Studentin. So eine, die von zuhause ausgezogen ist um das Leben zu lernen. Mit elterlicher finanzieller Unterstützung, versteht sich. Da kann man sich dann schon mal eine ausschweifende Esskultur leisten. Mit regelmäßigen Einkäufen in Bio-Läden oder in bahnhöflichen Supermärkten samstags um 10 Uhr nachts. Apotheken nennen meine Eltern Letztere – ob ihrer Preise.
Aber manchmal, wenn es dann doch zu spät oder die Knochen zu müde wurden, muss man sich eben etwas Außergewöhnliches leisten. Einen Pizzalieferanten. Die ansässigen Pizzadienste haben diese weichen Standortfaktoren namens „Uninähe“ und „spendierfreudiges Elternhaus“ schon lange verstanden, und versorgen einen regelmäßig mit grün-roten Pizzaprospekten.
Und damit fängt es auch schon an. Welchen nehme ich? Ich habe hier 16 verschiedene Menükarten von 12 verschiedenen Lieferdiensten. 12? Ja, manche Blättchen gibt’s natürlich doppelt und dreifach. Welche das Aktuellste ist, kann man an den leise gestiegenen Preisen erkennen. Welchem Dienst man schon die Ehre erwiesen hat, an den darangetackerten Rechnungen und Gutscheinkarten (Ab 8 Karten eine Pizza gratis! – Gilt nicht für Familien- und Party-Pizzen).
Also noch 12 übrig. Gehen wir also nach der Entfernung. Du bist in einem anderen Stadtteil? Weg mit dir. Neun. Du bietest kein Tiramisu an? Sechs. Mezzo-Mix bei dir nur in Halbeliterflaschen? Fünf. Achso, das Sternchen hinter Schinken bedeutet bei dir „Formschinken und Phosphat“. Zwei. Das Los entscheidet.
Riiiing.
„Hallo, ich möchte gerne was bestellen.“
„Gibt’s bei uns nur sonntags.“
„Wie bitte?“
„Lieferung nur sonntags.“
„Oh, äh, na dann halt nich…“
Klack.
Eins.
Eine halbe Stunde später klingelt es dann tatsächlich an der Türe. Ein untersetzter kleiner Mann mit Schnauzer und gebrochenem Deutsch steht mit schwarzem Styroporkasten vor der Tür (das mit dem sexy Deliveryboy gibt es nur in Erotikfilmen 18+) und übergibt einem schwer atmend die heißbegehrte Bestellung. Man bezahlt schön artig. Wenn man lieb ist, gibt man noch 50 Cent Trinkgeld (die lieben Eltern hätten’s so gewollt) und bekommt noch einen schönen Abend gewünscht. Auf der Rechnung steht ein Nachname, der einem bekannt vorkommt, aber auch nicht so wirklich.* Man ist glücklich und später auch satt.
* So, und jetzt noch ein Rätsel. Wie heiße ich mit Nachnamen? Hinweise der Pizzatelefonassistenten lauten: Bebel, Teiber, Bibl, Bieber, Biebel, Biber, Bebell.
Aber manchmal, wenn es dann doch zu spät oder die Knochen zu müde wurden, muss man sich eben etwas Außergewöhnliches leisten. Einen Pizzalieferanten. Die ansässigen Pizzadienste haben diese weichen Standortfaktoren namens „Uninähe“ und „spendierfreudiges Elternhaus“ schon lange verstanden, und versorgen einen regelmäßig mit grün-roten Pizzaprospekten.
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am 29. Jul, 04:34
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