
Ernährungstechnische Demarkationslinien
Aber beim was bleibt der Entscheidungsmarathon nicht stehen. Es zeigen sich auch ausgefeilte Differenzierungen bei der Essenszeit. Frühstück üppig oder ausfallen lassen? Mittags einen Salat - keinesfalls was Schweres, damit es ohne Müdigkeitsanfall weiter gehen kann. Gibt es eigentlich schon Arbeitsverträge in denen die erlaubten Nahrungsmittel während der gesetzlich zugestandenen Mittagspause schriftlich fixiert wurden? Abends noch mal warm? Nach zwanzig Uhr noch was zu sich nehmen? By the way, was ist eigentlich aus der traditionellen nachmittäglichen Kaffeetafel geworden?
Und wie hältst du es mit der Menge? In lukullischen Ferreri-Bergen oder eher Modellkarriere-kompatibel? Klar, die meisten von uns werden vernünftiger Weise irgendwo dazwischen liegen. Jedenfalls über einen längeren Zeitraum betrachtet. Ausnahmen kennen wir alle. Ein ausgewachsener „Jieper“ oder „Janker“ ist so eine Ausnahme, um mal plattdeutsch zu werden. Womit wir nahtlos in einen weiteren Fallstrick stolpern. Es grenzt schon an ein Wunder, dass wir nicht verhungern, während wir in anderen Gegenden dieses Landes unterwegs sind. Wer nach dem Weg fragen kann, hat noch lange nichts an der Ladentheke bestellt. Ich hab Pfannkuchen mitgebracht. Aber wolltest du nicht ein paar Berliner kaufen? Teilchenterror, nenn ich das. Versteht auch nicht jeder. Selbst abseits solch bekannter Beispiele des Lokalkolorits haben wir es nicht leicht. Schon das einfache „Brötchen“ kennt vermutlich eine so hohe Begriffsvielfalt wie die Republik Regionen hat. Zum Glück heißt Coffee to go in Stuttgart genauso wie in Hamburg.
Aber es ist nicht nur entscheidend wo jemand herkommt. Manchmal spielt das Alter eine entscheidende Rolle. In den 50er Jahren wurde im wesentlichen nur gegessen. In den 60er und 70ern wurde gegessen „was auf den Tisch“ kam. Die „Gastarbeiter“ bildeten während dessen die schleichende Vorhut der in den 80ern über alle Ozeane hereinschwappenden Einflusswellen. Wir sind ein nahrungstechnisches Einwanderungsland. Damit wir nicht irgendwann des Junkfoods überdrüssig wurden, haben uns die 90er denselben Schrott als functional food noch mal aufgetischt. Heute bekommt man alles zu kaufen, was unsere Eltern noch immer nicht aussprechen können. Die bunte Vielfalt scheint uns jedoch zu überfordern, denn zum Großteil wird nur noch virtuell gegessen. Wir gucken den Gästen unzähliger Koch- und Dinnershows zu, wie sie am Ende der Vorführung das Angerichtete verschlingen. Oder wir sind die willigen Leser von Ausgehtipps in qype [www.qype.com], gekoppelt mit Bildergalerien auf flickr.
Wenn man den Text so betrachtet, bekommt der Begriff Trennkost eine ganz neue Bedeutung. Zum Abschluss was Süßes. Als Nachschlag noch eine Frage an sprachbewanderte Besseresser da draußen: Wie heißt eigentlich die Mehrzahl von Nachtisch?




Besseresser
am 24. Nov, 12:26
am 24. Nov, 13:46
na, besseresser, da hast du es dir aber schön einfach gemacht :) ich esse auch gern mal 2 portionen nachtisch...
am 16. Jul, 08:03
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