0219 - Mahlzeit
Die Allesfresser-Problematik
Schnatterliese
Der Koala-Bär muss sich keinen Kopf machen: Wenn etwas aussieht, riecht und schmeckt wie Eukalyptus, dann ist es entweder sein Frühstück, Mittag- oder Abendessen.
Ich habe großes Glück gehabt. Ich mag und esse theoretisch alles. Kalbshirn und Pferdefleisch inbegriffen. Aber es gibt Dinge, auf die ich verzichten kann, Saubohnen, beispielsweise, und Auberginen. Essig hat in meiner Linsensuppe nichts verloren, Kindheitstrauma eben. Und es gibt Speisen, die ich moralisch bedenklich finde, wie Fois-Gras und Froschschenkel, oder sättigungstechnisch wenig sinnvoll, wie Weinbergschnecken. Im Gegensatz zu Woody Allen, der sagt 'I will not eat oysters. I want my food dead – not sick, not wounded – dead', schrecke ich selbst vor Lebendem nicht zurück.
Möglich (und Glückssache), dass in Suppenhühnern, die man bei einem Bauern kauft, nebst Innereien auch ein Ei im Huhn zu finden ist. Es ist normal, dass es im Dezember keine hiesigen frischen Tomaten gibt. Weidevieh frisst Gras und Heu. Es ist hingegen nicht normal, wenn Kühe quasi mit Kühen gefüttert werden, es ist nicht normal, dass Zuchtlachse genetisch so modifiziert werden, dass ihnen problemlos Körnerkraftfutter verabreicht werden kann. Und Schweine sind, wie Menschen und Ratten, Allesfresser. Für mich ist Essen die Transformation von Natur in Kultur, und ich habe ein Problem. Ich möchte wissen, was ich esse, wo es herkommt, warum und wie es gemacht wurde.
Vertreter der konventionellen Landwirtschaft, und ganz besonders der industriellen Nahrungsmittelwirtschaft, werden, auf ihre Produktionsmethoden angesprochen, nicht müde zu betonen, dass sie vorrangig einen wichtigen Beitrag zum Wohle der Menschheit und zur Beendigung des Hungers auf der Welt leisten würden. Ich nenne es die Hölle, und die Hölle hat einige Namen: Industrieller Ackerbau. Massentierhaltung. Genetische Manipulation. Monopolwirtschaft. Mais.
Mais ist dufte, Mais ist praktisch, lässt sich nahezu überall anbauen und wächst mit ein wenig Dünger wie doof. Außerdem kann man aus Mais so gut wie alles herstellen. Wir essen und trinken Mais, wir laufen auf, in und mit Mais, unsere Autos sind aus und fahren mit Mais, unsere Magazincover glänzen ebenso wegen Mais, wie frische grüne Gurken. Chicken Nuggets und eine Cola beispielsweise sind wenig mehr als ein wunderbares Potpourri aus Mais in Mais mit Mais, verpackt in – tja, wer hätte das gedacht – Mais. Schnitzel, Steaks, Eier, Lachsfilet – alles (in unterschiedlicher Konzentration)
Mais. Da kann man schnell hysterisch werden. Wenn es um Mais geht, dann gilt, was nicht passt, wird passend gemacht. Mehr Ernte -> mehr Dünger. Mehr Produkte -> mehr Technik. Mehr Schädlinge –> mehr Genmanipulation. Mehr Kosten –> mehr Profit. Viel ist gut, besser ist mehr.
Und wer hat's erfunden? Wir können uns bei den
Herren Haber und Bosch bedanken, die im Sinne der nationalen Verteidigung eine Lösung fanden, dringend benötigten Sprengstoff – Salpeter aus Chile war grade nicht zu kriegen, Krieg eben - auf dem Wege der Ammoniaksynthese zu gewinnen. Welcher unerfreulicher Weise nach Kriegsende nutzlos in den Sprengstofffabriken herumlagerte. Also nichts wie die Umwandlung in Stickstoffdünger in Gang gesetzt und das 'Wundermittel' ans Bauernvolk verteilt. Ähnlich verfuhr man mit den Restbeständen an Giftgas aus dem Ersten Weltkrieg, der Logik folgend, was wir haben, haben wir und was Menschen tötet, tötet auch Insekten. Wundert es da noch, dass das
Unternehmen, das sich seinen weltweiten Ruhm mit 'Agent Orange' erworben hat, heute Marktführer und Quasimonopolist in Sachen Saatgut, gerne auch genetisch manipuliert, ist?
Ich persönlich finde zwar die Vorstellung grotesk, dass die Verwendung konventionellen Sprengstoffes in der Landwirtschaft ein billiges Hochglanzcover für ein teures Magazins sichert.
Alfred E. Neumann kann man ja bei der Gelegenheit auch wieder mal zitieren: 'We are living in a world today where lemonade is made from artificial flavors and furniture polish is made from real lemons.' Aber das ist mein geringstes Problem.
Womit wir immer noch beim Mais wären. Und in den Mast- und Zuchtbetrieben, ebenso wie in den Hühnerfarmen. Wo unter enorm hohem Einsatz an fossilen Brennstoffen reine
Fütterungsfabriken betrieben werden, um in möglichst kurzer Zeit, maximal vielen Tieren unter anderem Unmengen an Mais (und Soja) einzutrichtern, was ja so nett billig ist. Zwei Kilo Futtermittel generieren ein Kilo Lebendhuhn. Dieses scheinbar vertretbare Umwandlungsverhältnis von Kalorien in Materie (2:1) verringert sich auf den Faktor 18:1, wenn der komplette Energieaufwand der Zucht und Haltung sowie der Futtermittelproduktion einberechnet werden, und dennoch, mit diesem absurden Verhältnis ist ein Kilo Huhn immer noch deutlich kostengünstiger als ein Kilo Schwein, Kuh, Kalb oder Rind. Zur Verbesserung des Ertragsfaktors werden – folgerichtig - Schlachtabfälle aufbereitet und dem Viehfutter wieder beigemischt, oder landen in der lustig-lachenden Kinderwurst in heimischen Supermarktkühltheken. So wird aus der Überwindung des Welthungers schnell die Institutionalisierung eines
Weltekels.
Mir scheint, solche Produktionsprozesse können nicht einmal im Ansatz kostendeckend sein. Wie kommt es dennoch zu Suppen- und Brathühnern, die an den Endverbraucher für € 1,50 verscheuert werden? Um das wirtschaftliche Abkacken der Branche sowie der Zulieferer zu verhindern, wird der komplette kommerzielle Agrarbereich bis in die Steinzeit und zurück
durchunddurchsubventioniert. Je größer das Unternehmen, je 'monopolitischer' dessen Position, desto geballter werden Fördermittel kassiert. Bäuerliche Familienbetriebe und auch traditionelle Landwirtschaftszweige werden auf der Strecke bleiben, weltweit. Die Maisfarmer in Iowa ebenso, wie die Sojabauern in Brasilien, trotz alljährlicher Rekordernten, die ihre Preisanpassungen allesamt an der Börse erfahren.
Monokulturen,
Terminatorgene,
Hybrid - Hühner, alles gegen den Welthunger? Nicht wirklich...
Wie gesagt, wenig ist weiter weg von einem Huhn, als ein Chicken Nugget, und darin liegt der Witz. Eine manichäische Sichtweise auf – industrialisierte und zunehmend auch auf Bio - Nahrung ist extra für uns Allesfresser wegtechnokratisiert worden. Kein Blut ist in Schokolade. Ruckedigu.
Welcome to the Church of Holy Cabbage. Lettuce pray. Ich darf alles essen, was mich nicht umbringt. Aber ich bin kein Idiot. Ich lasse mich nicht verarschen oder für dumm verkaufen. Geiz ist nicht geil. There is no such thing as a free lunch. Es ist nicht das Fleisch- oder Fischessen, das abgeschafft werden sollte, sondern der Hamburger für 99 Cent oder Suppenhühner für unter 2 Euro. Genetisch durchmendeltes
Saatgut empfinde ich als Angriff auf meine, unsere Gesundheit und unser Gemeinwesen. Und warum ist eigentlich unpolierter
Reis teurer als polierter Reis, wenn doch das Polieren den zusätzlichen Kostenfaktor darstellt? Wieso soll man mehr für das unbehandelte, leichter verderbliche aber bessere Produkt bezahlen, als für das behandelte, nährstoffärmere aber haltbarere?
Nur weil an jeder x-beliebigen Börse Wachstumsraten erst bei 5%-10% relevant werden, hat sich das Gros der Esser daran nicht zu halten, denn wir Menschen wachsen eben nur zwischen 1% und 2% weltweit. Und weil ihr Industriefraßhersteller nicht aufhören wollt, mir eure teuer produzierten nutzlosen Kalorien unverschämt und raffiniert, zudem auf Kosten anderer, unterzujubeln, kauf' ich bei euch nichts mehr. Ich geh' auf den
Markt. Mein Suppen- und mein Brathuhn hatten ein nettes Leben, sie durften sogar Gras fressen, dafür kosten sie drei- bis viermal so viel, wie in euren Supermärkten und wenn ich ein Maishuhn haben will, dann wird es richtig teuer. Ein Maishuhn wäre in dem Fall übrigens quietschgelb.
Ja, höre ich den ein oder anderen denken, aber diesen ganz Biokram kann ja kein Schwein bezahlen. 12% des durchschnittlichen Einkommens auf Nahrung zu verwenden muss reichen, gelle, aber ein Premiere-Decoder im Haus sollte schon drin sein, oder wie? Gut, man kann auch überlegen, nicht mehr so viel Fleisch in sich zu schaufeln, und mal ganz ehrlich, es geht ja nicht verloren, ich schätze irgendein freundlicher Mensch mit einer wirklich großen Tiefkühltruhe wird sich schon finden, der den ganzen Mist für das ein oder andere Jahrzehnt einfriert.
Frau Schnatterliese
(39) lebt mit ihren beiden sehr dicken Katzen in Berlin.
Sie liebt und kauft Schuhe, die sie bisweilen nicht einmal anzieht, und Haushaltsgeräte, die sie dann nicht benutzt. Aber das ist nicht so schlimm. Schlimm sind nur spinnen.
Editorial
robert scharfenberg
Würde „Du bist, was du isst“ stimmen, müssten wir jetzt wahrscheinlich analog zu „Wir sind Papst“ behaupten, wir seien Schnitzel. Oder Currywurst. Oder Rösti. Aber die Sache ist komplexer und weit interessanter, als Menschen einfach in Essensschubladen zu stecken.
Ob gutes Essen zum Leben dazugehört, darüber lässt sich sicherlich streiten. Aber das Essen an sich zum Leben dazugehört, da sind sich wohl alle einig.
Und irgendwie wohl auch in dem Punkt, dass an dem Satz „Du bist, was du isst“ was dran ist. Nicht so sehr im Sinne von „Du bist ein Hotdog“ und du bist „Nougatknödel im Walnusskleid an Himbeerspiegel“, sondern eher in dem Sinne, dass man – wie z.B. bei der Kleidung – ein bisschen durchblicken lässt, wie man gestrickt ist.
Und natürlich stürzen wir uns nur zu gern auf diese Möglichkeit, Menschen in Schubladen zu stopfen: Eva isst nur Tiefkühlpizzen – Eva hat keinen Sinn fürs Genießen und ist bestimmt eine langweilige Liebhaberin. Johannes isst gerne im Haubenlokal – Johannes ist ein Connaisseur und malt in seiner Freizeit Aquarelle. Margit isst gerne gesund – Margit ist eine fanatische Öko-Anhängerin und geht in ihrer Freizeit Wale retten.
Und in Wirklichkeit ist Eva eine Sexbombe, Johannes liest ausschließlich Comics und Margit bremst nicht für Tiere.
Aber wer sind jetzt Eva, Johannes und Margit? Keine Ahnung. Aber sie
könnten Autoren dieser Ausgabe sein.
Lesen Sie doch heute nicht nur den Text, sondern versuchen Sie doch auch einmal den Menschen hinter dem Tellerrand zu erkennen – Spannung garantiert.
Guten Appetit!
PS: Ab Ende des Jahres werde ich mich dem letzten Semester meines Studiums widmen und kann dieses wunderbare Projekt leider nicht mehr betreuen. Bitte werfen Sie doch einen Blick hierhin, ob diese Stelle für Sie interessant ist.
robert scharfenberg
robert ist auf der suche. nach interessanten autoren, nach faszinierenden grafikern und fotografen, nach dem lächeln oder dem stirnrunzeln, dass einen beim lesen überkommt. deshalb ist er jetzt bei mindestenshaltbar und darf genau diese dinge finden.
Milchige Aura
bittersweet choc
Essen ist nicht nur ein sehr probates Mittel zum satt werden, sondern kann auch sehr sinnlich und sehr gut für das vielbesprochene "ich" sein. Aber kann es sein, dass man bei exzessiven Verzehr einer Speise deren Eigenschaften annimmt?!
Ich esse gern und viel, nur keine Pommes wegen des Fetts, keine Wurst wegen des Nitritnitrats, keine Kinderschokolade, weil keine Schokolade darin ist und ich esse auch kein Obst. Kein Obst? Ja, kein Obst.
"Hast du NIE Lust, in einen Apfel zu beißen? Dir den Saft eines überreifen Pfirsichs über die Finger laufen zu lassen? Kirschkerne durch die Gegend zu spucken?"
Nein, habe ich nicht und ja, es stimmt: Essen ist etwas Sinnliches, aber man kann die Romantik auch übertreiben, finde ich. Viel zu viel Fructose im Obst. Meine Insulinkurve soll schließlich nicht durch den Fruchtzucker steil nach oben steigen und durch rapiden Abfall wieder zum lästigen Hungerumoren in meinem Bauch führen. Ich mag Zucchini, Tomaten, Champignons und Sellerie lieber, die sind vielleicht nur in Maßen sinnlich, bleiben aber bei den Kohlehydraten und Zuckern im gertenschlanken Bereich.
"Wie furchtbar!" schreit die Menge. "Warum," frage ich und überlege, ob man von den Eßgewohnheiten auf die sinnliche Persönlichkeit schließen kann? Ich weiss es nicht. Ich habe andere Vorlieben. Scharfe Chilischoten zum Beispiel. Je schärfer, desto rauschiger. Die machen auch ungeheuer heiße und rote Lippen, wenn man die Schoten darauf verreibt. Oder Zartbitterschokolade, die liebe ich. 85 Prozent Kakaogehalt sind mein größte Leidenschaft, das ist zwar so, als würde man ein Brikett kauen, aber schließlich ist da viel Theobromin drin. Theobromin ist göttlich und führt zu glücksseeligen Zuständen, ich schwöre!
Was mir jedoch Sorge macht, ist der freundliche alte asiatische Mann, der mir immer wieder beim Spazierengehen begegnet und lächelnd zu mir sagt "Sie sehen sehr glücklich aus." "Ja," sage ich jedes Mal begeistert, "das stimmt!" Er verbeugt sich kurz und drückt mir ein kleines laminiertes Kärtchen mit einer Weissagung in die Hand, die mich auffordert, an Kursen teilzunehmen, damit mein Glücklichsein anhält. Nach einer erneuten kleinen Verbeugung geht er langsam weiter. Jedes Mal das selbe Ritual, seit einigen Wochen jedoch nicht mehr.
Letzten Sonntag lief er mir wieder über den Weg. Er nahm meine Hand, sah mich ernst an und verbeugte sich so tief, dass er mich fast mit seiner kleinen Nase berührte und meinte allen Ernstes "Sie haben eine milchige Aura."
Bevor ich entsetzt "Was!?" rufen konnte, verschwand er schnell. Milchige Aura!? Ich liebe Joghurt, Hütten- und Ziegenkäse und trinke am Tag drei Liter Milch, einen davon kurz vor dem Schlafengehen. Versaut mir das meine Aura!? Was ist denn nun eine Aura? Verwechselt der Mann das mit "Karma" oder meinte er meinen Heiligenschein?
bittersweet choc
bittersweet choc turnt glückseelig durch das puppenstubenhübsche Hamburg und überlegt, wie sie bis hundert schön und jung bleiben kann.
Das Pizzakonglomerat
Yetused
Von der organisierten Pizzadistribution und angemessenen Verhaltensweisen. Wie schwierig es manchmal sein kann Pizza zu essen.
Ich bin also Studentin. So eine, die von zuhause ausgezogen ist um das Leben zu lernen. Mit elterlicher finanzieller Unterstützung, versteht sich. Da kann man sich dann schon mal eine ausschweifende Esskultur leisten. Mit regelmäßigen Einkäufen in Bio-Läden oder in bahnhöflichen Supermärkten samstags um 10 Uhr nachts. Apotheken nennen meine Eltern Letztere – ob ihrer Preise.
Aber manchmal, wenn es dann doch zu spät oder die Knochen zu müde wurden, muss man sich eben etwas Außergewöhnliches leisten. Einen Pizzalieferanten. Die ansässigen Pizzadienste haben diese weichen Standortfaktoren namens „Uninähe“ und „spendierfreudiges Elternhaus“ schon lange verstanden, und versorgen einen regelmäßig mit grün-roten Pizzaprospekten.
Und damit fängt es auch schon an. Welchen nehme ich? Ich habe hier 16 verschiedene Menükarten von 12 verschiedenen Lieferdiensten. 12? Ja, manche Blättchen gibt’s natürlich doppelt und dreifach. Welche das Aktuellste ist, kann man an den leise gestiegenen Preisen erkennen. Welchem Dienst man schon die Ehre erwiesen hat, an den darangetackerten Rechnungen und Gutscheinkarten (Ab 8 Karten eine Pizza gratis! – Gilt nicht für Familien- und Party-Pizzen).
Also noch 12 übrig. Gehen wir also nach der Entfernung. Du bist in einem anderen Stadtteil? Weg mit dir. Neun. Du bietest kein Tiramisu an? Sechs. Mezzo-Mix bei dir nur in Halbeliterflaschen? Fünf. Achso, das Sternchen hinter Schinken bedeutet bei dir „Formschinken und Phosphat“. Zwei. Das Los entscheidet.
Riiiing.
„Hallo, ich möchte gerne was bestellen.“
„Gibt’s bei uns nur sonntags.“
„Wie bitte?“
„Lieferung nur sonntags.“
„Oh, äh, na dann halt nich…“
Klack.
Eins.
Eine halbe Stunde später klingelt es dann tatsächlich an der Türe. Ein untersetzter kleiner Mann mit Schnauzer und gebrochenem Deutsch steht mit schwarzem Styroporkasten vor der Tür (das mit dem sexy Deliveryboy gibt es nur in Erotikfilmen 18+) und übergibt einem schwer atmend die heißbegehrte Bestellung. Man bezahlt schön artig. Wenn man lieb ist, gibt man noch 50 Cent Trinkgeld (die lieben Eltern hätten’s so gewollt) und bekommt noch einen schönen Abend gewünscht. Auf der Rechnung steht ein Nachname, der einem bekannt vorkommt, aber auch nicht so wirklich.* Man ist glücklich und später auch satt.
* So, und jetzt noch ein Rätsel. Wie heiße ich mit Nachnamen? Hinweise der Pizzatelefonassistenten lauten: Bebel, Teiber, Bibl, Bieber, Biebel, Biber, Bebell.
Ernährungstechnische Demarkationslinien
Sabbeljan
Wir essen, also sind wir. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Die Trennlinien ziehen sich durch Generationen und Mengen bis hin zu geografischen und sprachlichen Regionen.
Magst Du Rosenkohl? Die Mimik des befragten Gegenüber fährt das gesamte Grenzsicherungsarsenal hoch. Unwillkürlich werden Bäh-Salven losgeschossen. Bei dieser Frage marschiert eine Art innerer Geschmackspolizei auf. Aber das ist beileibe nicht die einzige kulinarische Frage, an der sich die Kochlöffel und Bestecke scheiden. Wir essen, also sind wir. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Fisch zum Beispiel ist so eine Grätenfragen. Gemüsearm oder fleischlos gehört dazu. Milch in schwarzen Tee, Pommes rot oder weiss, hartes oder weiches Ei, um ein paar weitere Markierungslinien abzustecken.
Aber beim was bleibt der Entscheidungsmarathon nicht stehen. Es zeigen sich auch ausgefeilte Differenzierungen bei der Essenszeit. Frühstück üppig oder ausfallen lassen? Mittags einen Salat - keinesfalls was Schweres, damit es ohne Müdigkeitsanfall weiter gehen kann. Gibt es eigentlich schon Arbeitsverträge in denen die erlaubten Nahrungsmittel während der gesetzlich zugestandenen Mittagspause schriftlich fixiert wurden? Abends noch mal warm? Nach zwanzig Uhr noch was zu sich nehmen? By the way, was ist eigentlich aus der traditionellen nachmittäglichen Kaffeetafel geworden?
Und wie hältst du es mit der Menge? In lukullischen Ferreri-Bergen oder eher Modellkarriere-kompatibel? Klar, die meisten von uns werden vernünftiger Weise irgendwo dazwischen liegen. Jedenfalls über einen längeren Zeitraum betrachtet. Ausnahmen kennen wir alle. Ein ausgewachsener „Jieper“ oder „Janker“ ist so eine Ausnahme, um mal plattdeutsch zu werden. Womit wir nahtlos in einen weiteren Fallstrick stolpern. Es grenzt schon an ein Wunder, dass wir nicht verhungern, während wir in anderen Gegenden dieses Landes unterwegs sind. Wer nach dem Weg fragen kann, hat noch lange nichts an der Ladentheke bestellt. Ich hab Pfannkuchen mitgebracht. Aber wolltest du nicht ein paar Berliner kaufen? Teilchenterror, nenn ich das. Versteht auch nicht jeder. Selbst abseits solch bekannter Beispiele des Lokalkolorits haben wir es nicht leicht. Schon das einfache „Brötchen“ kennt vermutlich eine so hohe Begriffsvielfalt wie die Republik Regionen hat. Zum Glück heißt Coffee to go in Stuttgart genauso wie in Hamburg.
Aber es ist nicht nur entscheidend wo jemand herkommt. Manchmal spielt das Alter eine entscheidende Rolle. In den 50er Jahren wurde im wesentlichen nur gegessen. In den 60er und 70ern wurde gegessen „was auf den Tisch“ kam. Die „Gastarbeiter“ bildeten während dessen die schleichende Vorhut der in den 80ern über alle Ozeane hereinschwappenden Einflusswellen. Wir sind ein nahrungstechnisches Einwanderungsland. Damit wir nicht irgendwann des Junkfoods überdrüssig wurden, haben uns die 90er denselben Schrott als functional food noch mal aufgetischt. Heute bekommt man alles zu kaufen, was unsere Eltern noch immer nicht aussprechen können. Die bunte Vielfalt scheint uns jedoch zu überfordern, denn zum Großteil wird nur noch virtuell gegessen. Wir gucken den Gästen unzähliger Koch- und Dinnershows zu, wie sie am Ende der Vorführung das Angerichtete verschlingen. Oder wir sind die willigen Leser von Ausgehtipps in qype [www.qype.com], gekoppelt mit Bildergalerien auf flickr.
Wenn man den Text so betrachtet, bekommt der Begriff Trennkost eine ganz neue Bedeutung. Zum Abschluss was Süßes. Als Nachschlag noch eine Frage an sprachbewanderte Besseresser da draußen: Wie heißt eigentlich die Mehrzahl von Nachtisch?
Sabbeljan
Dem Hamburger Jung fällt gelegentlich was aus dem Gehege seiner Zähne, wenn er sich so durch Berlin arbeitet, bewegt und lebt. Nachlesbar unter
sabbeljan.de
Wo man abnehmen kann und wo nicht
tilak
Es gibt solche und solche Länder. In manchen ist die Nadel der Waage nach der Rückkehr weiter rechts, in manchen weiter links. Und ausgerechnet Österreich hat eine Küche, die die Waage ziemlich belastet...
Wer kennt das nicht, das ewige Problem mit dem Gewicht ?!
Meine Mutter war groß und schlank, mein Vater war/ist klein und dick und ich habe die Gene meines Vaters geerbt. Außerdem habe ich sicher schwere Knochen, ganz sicher. Dazu kommt, dass ich ein Genussmensch bin, durch und durch, essen ist bei nicht nur Mittel zum Zweck, sondern wird gerne auch zelebriert. Die richtige Stimmung kommt halt bei mir nicht auf, wenn ich einen Apfel schäle und in vier Teile schneide.
Ich bin aufgewachsen mit den Sprüchen:
„Iss, damit du groß und stark wirst.“ und auch „Iss auf, damit es morgen schön wird.“ war ein Renner. Der liebste Spruch meines Erwachsenenlebens lautet: „Schoki macht glücklich.“, ein Motto, welches mich flott durch den Winter bringt. Und meine Waage zur Verzweiflung.
Es gibt 3 Situationen im Leben, die mich extrem unrund machen:
wenn ich müde bin, wenn ich keinen Sex habe und wenn ich hungrig bin.
Ich kann mich nur an sehr wenige Lebenssituationen erinnern, wo ich auch Essen verzichtet habe:
- Als ich in Florida durch Disney Land gewandert bin, hatte ich Angst etwas zu versäumen und mir keine Zeit zum Essen genommen (eine Tüte Popkorn musste reichen).
- Während der 3 Tage in Hongkong habe ich mich von Pringels ernährt, weil ich nicht wusste, was diese Straßenhändler als Nahrung verkauften.
- In Vietnam habe ich eine Woche lang hauptsächlich Reis gegessen, weil ich nie sicher war, ob nicht doch irgendwo ein Hund statt Huhn drin ist.
Überhaupt habe ich auf Reisen in Asien immer abgenommen und in den USA immer zugenommen. Ich weiß noch, der Burger King in den USA hatte die besten Pommes.
Die österreichische Hausmannskost versorgt uns auch mit dem einen oder anderen Fettpölsterchen. Obwohl wir nicht mehr mit Schmalz herausbacken, schon allein die Vielzahl an Gebackenem lässt die Blutfettwerte explodieren: gebackene Leber (ui, ganz schlecht: Innereien und dann noch gebacken), Backhenderl, Schnitzel, ja selbst Nudeln überbacken wir (Schinkenfleckerl). Schweinsbraten & Co, machen uns ein Leben lang froh. Zwischen meinem 13. und 15. Lebensjahr habe ich bei jedem Restaurantbesuch Bauernschmaus bestellt und Niemand hat etwas abbekommen, nicht einmal ein Stück Würstel. Und erst unsere Mehlspeisen, ach ich darf gar nicht daran denken. Grießkoch könnte ich heute noch jeden Tag essen, aber unbedingt ein Stückerl Schokolade darin schmelzen.
Seit über einem Jahr lebe ich nach den Regeln von weight watchers und habe tatsächlich 16 Kilo abgenommen. Ich esse soviel Obst und Gemüse, wie seit meiner Kindheit nicht mehr. Ich versuche mindestens 2 Liter Wasser / Tag zu trinken, ich gehe schwimmen und reiten und merke, wie mein Körper sich verändert. Aber ich merke auch, dass es ein täglicher „Kampf“ ist, ich muss mich immer wieder motivieren und daran erinnern, was gesund ist und was ich bleiben lassen sollte.
Ich bin grundsätzlich kein neidischer Mensch, aber, wenn ich Leute beobachte, die essen können, was sie wollen und trotzdem gertenschlank sind, dann regt sich in meinem Inneren ein kleines Teufelchen.
Dann halte ich mich an Komplimente, so, wie neulich ein Kunde zu mir sagte:
„Sie sind ein besonders gelungenes Geschöpf.“
tilak
tilak, Wienerin, Mitte 30, single,
Ich lese gerne und wäre am Liebsten Schriftstellerin geworden. Als Ausgleich führe ich ein weblog und freue mich, wie ein Schneekönig, wenn ich gelesen werde.
Mein Lieblingsreiseziel ist Asien, mein größter Wunsch ist es, einmal Nepal zu besuchen.
Gestatten, Brötchen, Käse Brötchen
Petra Schmitz
Der folgende Text gewinnt, wenn Sie sich vor dem Lesen in die Mahlzeit verwandeln, die Sie zuletzt zu sich genommen haben. Sie können es aber auch lassen und einfach nur so lesen.
»Mahlzeit -- du bist, was du isst!« plus »typisch deutsche Sichtweise«, so die Vorgaben fürs Ressort Nabelschau. Da bleibt mir ja nun wirklich nix anderes übrig, als mich gebührend über diesen Unsinn zu beschweren, liebes Team von mindestens haltbar. Wie unfair, meckere ich typisch deutsch. Wie unfair gegenüber Menschen wie mir, die sich Kochorgien verweigern. Denn würde ich nur Spaß am Brutzeln, Backen und Blanchieren haben, würde ich natürlich behaupten, das sei ganz richtig, das mit dem »Du bist, was du isst!« und im Anschluss ekstatisch über die sinnliche Erfahrung der Verspeisung eines guten, selbst zubereiteten Essens güldene Worte der Verzückung fabulieren, um am Ende zu behaupten, dass sich das aufs Wesen überträgt und mich folglich zu einer ungemein sinnlichen Zeitgenossin werden lässt, deren Anwesenheit man nur zu gerne genießt – in großer Runde. Und dann würde ich überraschenderweise den Bogen zu einem wahnsinnig ausufernden Gangbang schlagen. Weil die Leserschaft ja überrascht werden will. Und Sex geht sowieso immer.
Weil ich aber nicht gerne koche, bleibt mir nur Gemeckere: Wenn Wahrheit durch das Sinnsprüchlein »Du bist, was du isst!« wehen würde, wäre ich aktuell ein paar Vollkornbrotscheiben in eine Fertigsuppe getunkt, deren ursprünglich dafür geplantes Wasser zur Hälfte neben dem Topf landete. Wie sollen denn bitte ein paar Vollkornbrotscheiben in Fertigsuppe getunkt, deren ursprünglich dafür geplantes Wasser zur Hälfte neben den Topf ging, an einem Rechner sitzen und einen Text tippen? Aber das allein ist es ja nicht mal, denn vor den labbrigen Vollkornscheiben wäre ich ein Käsebrötchen aus der Kantine gewesen. Ein hübsches, leckeres Käsebrötchen zwar, mit Tomatenschnipsel und Salatblatt optisch und geschmacklich aufgewertet, aber das hätte sicherlich noch größere Probleme gehabt, Wasser in einen Topf zu füllen.
Außerdem: Ich würde mich nicht sonderlich wohl fühlen, wenn sich auf der Autobahn plötzlich der Fahrer im Opel Astra neben mir in einen Popel oder Ohrschorf verwandeln würde. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass noch niemand Popel oder Ohrschorf auf Fahrtüchtigkeit überprüft hat, aber mein gesunder Menschenverstand behauptet, dass sei ohnehin sinnlos.
Oder: Wie sollen denn bitteschön ein paar Schluck Wasser und ein Minz-Dragée die neueste Mailänder Mode vorführen? Das geht doch gar nicht. Das muss man doch einsehen!
Jetzt aber mal andererseits typisch praktisch deutsch: Wäre es nicht doch toll, wenn »Du bist, was du isst!« stimmen würde? Man könnte beim Betreten einer Party voller unbekannter Menschen gleich zwischen genormten Hühnchenteilen, Nudeln mit Ketchup, Nusskuchen und Crème Brûlée unterscheiden und sich dann die bevorzugten Gesprächspartner aussuchen. Die Nusskuchen würde ich meiden, ich hab’ eine Nussallergie. Bei den genormten Hühnchenteilen würde ich kurz anhalten und anklagend vegetarisch mit Gurken-Armen wedeln. Die Nudeln mit Ketchup wären für einen schnellen wie befriedigenden Schwatz ganz ausgezeichnet, denke ich. Und bei der Crème Brûlée würde ich den Abend dessert-artig abschließen, mit geistreichen Formulierungen an der Karamellkruste kratzen und hoffen, dass die Crème darunter das Versprechen der köstlichen Kruste darüber hält.
Aber jetzt mal abschließend klugscheißerisch deutsch: Wenn »Du bist, was du isst!« stimmen würde, würde ich mich nur noch von Cate Blanchett oder wunderschönen, langbeinigen sowie rotmähnigen Literaturnobelpreisträgerinnen, die in ihrer Freizeit an der Weltformel schrauben und Klaviersonaten klimpern, ernähren. Aber a-tens hält Frau Blanchett ja auch kein Leben lang und b-tens gibt es sicher keine wunderschönen, langbeinigen sowie rotmähnigen Literaturnobelpreisträgerinnen, die in ihrer Freizeit an der Weltformel schrauben und Klaviersonaten klimpern. Und c-tens könnte ich mir so eine exklusive Ernährung bestimmt auch gar nicht leisten.
Petra Schmitz
tippt seit 2000 vornehmlich Artikel über Killerspiele, bloggt seit Ende 2003 auf
Schmitzchen.org und träumt -- wie jeder, der die Tastatur mit einer gewissen Hingabe benutzt -- in der restlichen Freizeit von mehr Freizeit, um endlich mal über die ersten zehn Seiten des schon ewig angedachten Romans hinauszukommen. Dass der dann auch gekauft, gelesen und gut gefunden wird, ist ein anderer Traum.
Buurezmorge
Christian Leu
So ein Buffet ist schon eine tolle Sache - überall. Aber nur in der Schweiz gibt es den Buurezmorge - ein "Frühstück am Bauernhof". Das darf auch gerne mal zelebriert werden mit eigenem Gedenktag und allem drum und dran...
Liebe Freunde der gepflegten Esskultur! Wir nehmen heute ein Thema auf, das vorwiegend zur warmen Jahreszeit in jedem 2ten Garten stattfindet und in der kalten Jahreszeit ihre Fortsetzung in
Seminaren, Hotelrestaurants und Geburtstagsfeieren findet. Wir sprechen vom gepflegten Buffet, das im Sommer vor allem den Salat betrifft und in der gehobenen Gesellschaft jegliche weiteren Speisen.
Ein Buffet ermöglicht es dem Essenden seinen Teller mit Speisen seiner Wahl und Lust zu füllen. Je nach dem Stand der Gesellschaft und dem Preis des Buffets geschieht dies in verschiedenen Variationen, angefangen bei der schlichten Selbstbedienung und der damit verbundenen chaotischen Bedienung eines Salatbestecks und dem gleichzeitgen festhalten am Teller was dann zumindest in der Erkenntnis endet dass 3 Hände noch praktischer wie 2 Hände wären. Dann lieber noch ein bedientes Buffet, an dem man nur sagen kann was man will und eine Fachperson für das anständige Aufladen der Speisen verantwortlich ist. Inklusive einer fachlich durchgedachten Präsentation und Aufbereitung.
Das Frühstücksbuffet, das in der Schweiz jeweils als "Frühstück auf dem Bauernhof" am 1. August mit einem nationalen Gedenktag gefeiert wird und ansonsten in fast jedem Hotel anzutreffen ist muss aus diesen Betrachtungen ausgeschlossen werden. Ein Frühstückbuffet ist etwas vom praktischsten das es gibt, denn man weiss eigentlich eh was man will und die neue Situation dass mittlerweile zumeist auch Apfelsaft vorhanden ist, ist umso sympathischer. Ein Frühstücksbuffet kann einem soweit bringen seinen permanenten Wohnsitz in ein einfaches Landhotel zu verlegen, da damit auch die Pflege der Bettwäsche eingeschlossen wäre. Aber um zuhause auf regelmässiger Basis ein Frühstücksbuffet zu organisieren, dazu fehlt vielerorts der Durchhaltewillen der Haushaltsverantwortlichen!
Kommen wir wieder zu den anderen Veranstaltungen, an denen man erwartungsvoll hingeht um sich dann an Speis und Trank zu erfreuen. Sobald man sitzt stellt man also fest dass man wieder aufstehen muss um dann in einer Schlange von Menschen an verschiedensten Speisen vorbeizugehen. An Speisen, denen man teilweise nicht ansieht was es ist, und es teilweise auch nicht wissen will. Hat man die falsche Strategie gewählt hat man den Teller schon voll bevor überhaupt was leckeres auftaucht und dauernd hat man Stress wieviel man nun eigentlich will.
Dass es auch anders geht sieht man in der griechischen Esskultur, in der jeweils ein "Alphaesser" sich für eine Auswahl von Speisen entscheidet und diese für den ganzen Tisch bestellt. Man hat dann nämlich den Vorteil auch was zu probieren und wenns passt gleich zuzuschlagen und die ganze Platte abzuräumen. Sowas kann man jederzeit einem Buffet vorziehen und hat sogar den Vorteil das alte Sprichwort "Was der Bauer nicht kennt isst er nicht" auszuschalten. Ein Schlag gegen die schweizerische vorsichtige Esskultur!
Kommen wir also zum Schluss dass ein Buffet grundsätzlich in etwa genauso anstrengend ist wie morgens vor dem Kleiderschrank zu stehen und sich für einen der 2 Pullover zu entscheiden die noch sauber sind. Eine Entscheidung die den weiteren Verlauf des Tages prägt und genauso mag ich am Buffet nicht zu entscheiden was nun genau in welcher Kombination auf meinen Teller kommt. Ich entscheide so schon genug den lieben langen Tag. Im Endeffekt bestell ich lieber einen Teller mit einer Kombination die bewährt ist, anständig angerichtet ist und in einer Menschenfreundlichen Portion!
Aber den Buurezmorgebuffet am 1. August lass ich mir nicht entgehen...
Nur sollte man diesen mal analysieren und die verschiedenen Taktiken der Besucher offenlegen...
Der LeuMund.ch
Christian Leu ist seit 2002 Herausgeber der Weblogs
"der LeuMund.ch",
relab.ch und
minded.ch und schreibt für Blick Online in
Blogstetten.ch. Der LeuMund.ch wurde im Mai 2006 für den Swiss Blog Award nominiert und leider nur zweiter. Christian Leu arbeitet als Exportleiter in einem Schweizer KMU und hat einige Jahre im Bereich Internet und Werbung gearbeitet. Seit Anfangs Mai betreibt er mit
Bloggrrr.com eine internationale Plattform zur qualitativen Beurteilung von Weblogs!
Wenn Kippen Kalorien hätten
Martina Kink
Die meisten Menschen - besonders Damen - verbieten sich ab und zu gewisse Speisen. Der Gesundheit, der Linie und wohl auch dem verqueren Frauenbild der Gesellschaft zuliebe. Nur bei einer Sacher wären ein paar Kalorien nicht ganz unpraktisch: Zigaretten. Was wäre wohl, hätten Zigaretten Kalorien?
Als Kind war ich dick, als Teenager war ich dick, dann war ich kurz mal dünn, hab nicht aufgepasst, dann war ich wieder dick. Heute bin ich schlank, in meinem Kopf und vor jedem Spiegel werde ich trotzdem immer dick sein, aber das ist eine andere Geschichte.
Weiber. Ich kenne kaum eine, die nicht schlagartig vom gesunden Menschenverstand verlassen wird, wenn es um Kilogramm oder das eigene Spiegelbild geht. Natürlich gibt es überall das ein oder andere elfengleiche Ding, das damit auch meist lautstark rumkokettiert: 'Ich kann machen was ich will ich nehm einfach nicht zu, Penne Quattro Formaggi, bitte'. Der Rest am Tisch starrt währenddessen genervt auf den Salatteller und betrachtet das Messer plötzlich mit ganz anderen Augen. Weil unser Nachname nicht Buendchen lautet, und weil uns ausserdem ein Y Chromosom fehlt, wissen wir um den Kampf, den ein Stoffwechsel auf Valium mit sich bringt. Männern ist der ganze Wahnsinn sowieso rührend naiv egal, solange sie nicht weinerlich 'Schatz, findest Du mich zu dick?' gefragt werden. Es gibt darauf nur eine Antwort, meine Herren: 'Nein'. Schnell, überzeugt, ohne prüfend hinzukucken und mit einem verliebten Lächeln. Wenns sein muss lügen. Dann aber aufpassen, Körpersprache!
Man kann einiges machen, wenn man wochenlanges Frustessen plötzlich glasklar als solches erkennt. Dann denkt man 'unglücklich von mir aus, aber nicht auch noch fett!' und dann fangen die Menschen an, Joghurts zu essen. Zum Abnehmen. Der Joghurt mit der Ecke, knickknack hat man Zucker galore im Becher. Für die, die sich wirklich überhaupt nicht lieb haben gibt es Ersatzmahlzeitspulvershakes, Slimfast und dergleichen. Das ist kein Shake, das ist ekelhaft und kostet so 200 Euro. Shakes müssen Smoothie heissen, oder Frappuccino, da muss ganz schön Zucker rein, und Eis, und manchmal Bananen. Trennkost funktioniert angeblich, ist aber kompliziert. Wenn ich das richtig verstehe, darf man immer nur vollfetten Käse essen, aber ohne Brot. Mein absoluter Liebling aber ist die Pasta Diät. Das geht so: man kocht 20 Gramm Nudeln, am besten Spaghetti, die Kate Moss unter den Nudeln. Dann kommt nichts dran, ausser ein paar Tomaten, mit 2 Tropfen Olivenöl. Wenn ich sowas auf meinem Teller hab reib ich eine halbe Stunde Parmesan drüber, und aus Trotz trink ich 5 Gläser Wein dazu. Alkohol. Völlig aussen vor, selbst bei den Frauen, die alles aus dem effeff mit Kalorienwert versehen können. Alkohol hat so irrsinnig viele Kalorien, man glaubt es kaum. Ein Glas Wein hat ungefähr soviel wie zwei Snickers. Seltsamerweise nimmt man mehr zu, wenn man 10 Snickers am Abend in sich reinstopft. 'Flüssig hat keine Kalorien' behauptet seit Jahren kategorisch eine Freundin, und bestellt sich noch ein Glaserl.
Body Mass Index, Kalorien, Joule. BMI ist zu kompliziert, man braucht einen Taschenrechner und kann dann immer noch nichts damit anfangen. Joule hat sich natürlich auch nicht durchgesetzt, wer will schon hören, dass ein klitzekleiner Joghurt 2 Millionen Joule hat. Als ich ein dicker, weltschmerzgeplagter Teenager war, gabs noch die Mär vom Idealgewicht. Das war Körpergrösse minus 100 minus 20%, Normalgewicht war Körpergrösse minus 100. Am allerliebsten war mir die Geschichte von den schweren Knochen. Jahrelang hab ich das geglaubt. Am besten stellt man sich eine herkömmliche Waage ins Bad, dann kann man auch behaupten, dass die nicht stimmt, und je nach Tagesform mit einem 'Ach, leck mich doch am Arsch' oder einem 'Kill me. Kill me now' wieder runtersteigen.
Das alles kann man sich antun, wenn man glaubt, man sei zu dick. Man kann aber auch einfach seine Koffer packen und in eine andere Stadt ziehen. New York zum Beispiel eignet sich hervorragend, falls Gewichtsverlust erwünscht ist. Es ist nicht nur die Stadt, die niemals schläft, es ist auch die Stadt, in der die Frauen nichts essen. Damit nimmt man relativ schnell ganz schön viel ab. Wenn ich übrigens 'nichts' sage, dann meine ich tatsächlich nichts. 'Ich hab so einen Hunger, ich hab heut noch gar nichts gegessen' heisst in München: 'Zwei Toasts, ein Joghurt, dann waren alle bös zu mir oder ich fühlte mich PMS-bedingt wie eine trächtige Elefantenkuh, deshalb den ganzen Nachmittag Kekse, dafür hasse ich mich jetzt abgrundtief, Pizza mit extra Käse, bitte'. Nothing in New York heisst genau das: Nichts, Nada, Zip.
Umgeben von superschlanken Frauen, die ein einziges Sushi-Stückchen zum Abendessen deklarieren, bestellt sich auch die Selbstbewussteste keinen Teller Nudeln mit Sahnesauce. Denn man lernt schnell: Pasta, Pizza ist gleich Kohlenhydrate, diese werden liebevoll Carbs genannt, ansonsten aber behandelt wie die allerschlimmste Droge auf der ganzen Welt. Selbst im Obst verstecken sie sich – ich kenne Frauen, die würden sich eher erschiessen, als einen Apfel zu essen und es ist ihnen auch ganz egal, dass einer am Tag den Doktor fernhalten würde. Manchmal schleicht sich aber doch eine Pizza in den Speiseplan, in Manhattan allerdings auch nur in Form eines Slice. Dieses wird sorgfältig mit der Serviette abgetupft wie die Nasenspitze nach einem langen Arbeitstag. Dann beisst man einmal ab und lässt den Rest liegen. Vielleicht liegt dieses seltsame Verhalten daran, dass in New York Models einfach so frei rumlaufen dürfen. Da fühlt sich eine schlanke Größe 38 schonmal wie eine sagenhaft fette Kuh.
Andererseits ist zu dünn natürlich auch nicht sexy. Irgendwann muss man sich mal entscheiden, ob man lieber Wangenknochen oder Busen haben möchte, beides geht nicht. Doch, beides geht auch, das kostet dann aber. Ein Glück haben Zigaretten keine Kalorien. Zigaretten haben erst Kalorien, wenn man sie weglässt. Ich war nach Monaten ohne Kippen hysterisch genug, mir wieder eine anzuzünden. Das Nichtrauchen an sich war gar nicht so schwer, nur ich wurde so schwer, obwohl ich 'Ersatzbefriedigung' blind erkenne. Natürlich wollte ich auch unbedingt mal wieder eine rauchen, nur eine, ich dachte, das geht. Das ging auch, und zwar den Bach runter. Wenn Kippen Kalorien hätten, dann wäre wahrscheinlich wenigstens das Problem mit dem Rauchen gelöst.
Martina Kink
"Man hat nur ein Leben." Das hat
Martina Kink irgendwann irgendwo gehört und sich gut gemerkt. Seither versucht sie, mitzunehmen, was es halt so bringt, das Leben. Derzeit in München, davor in Rosenheim, Reit im Winkl und New York. Es klappt immer so mittel.
LCS*
glamourdick
* stands for "life changing sex"
"Bistn Hübscher, bist fast schön - Für dich lass ich die andren sitzen - Für dich lass ich die andren stehn"
Im Salon projiziert ein Projektor
Einen noch nicht vertriebenen Film
Auf Parkett sitzen Zweitliga-Medien-Menschen
Und trinken und schauen und kommen sich schick vor
Manche zucken bereits leicht angekokst
Ich schaue mich um, find nirgendwo Trost
Geh in die Küche auf ein Glas Pinot noir
Da stehst du, rührst im Chili, es ist noch nicht gar
Bistn Hübscher, bist fast schön
Für dich lass ich die andren sitzen
Für dich lass ich die andren stehn
Komm wir drehn unsern eigenen Film
Laß das Chili und sei mir zu Willen
Die Bilder im Salon an der Wand
Abstrakt und absurd - „Die Blumen des Bösen“
Mir sagen sie nichts und ich will auch nichts hören
Die hast du gemalt in schwarz und in sand
Was soll´s - vielleicht gibt´s ja noch andere
Ich bin um dich rum, ich bewund´re, mäand´re
Ich warte, daß du mich küsst
Und einfach mal das Scheiß-Chili vergißt
Bistn Hübscher, bist fast schön
Für dich laß ich die andren sitzen
Für dich laß ich die andren stehn
Komm wir malen unser eigenes Bild
Wie das hinhaut: du jung und ich wild
Na endlich, wir küssen einander, wie schön
Gepresst aneinander, mein Weinglas fällt hin
Das Chili brennt an, aber das ist egal
Der Film ist vorbei, was ich will ist banal
Die Stadt pocht im Nieselregen
Wir greifen einander - o, wie verwegen
Flanieren, spazieren, marschiern
Eine Stunde und wir sind bei mir
Bistn Hübscher, bist fast schön
Für dich lass ich die andren sitzen
Für dich laß ich die andren stehn
Komm laß uns eine Nacht Liebe spielen
Voll Wollust das Spannbettlaken verwühlen
Wir kuessen und brennen, umarmen, erstrahlen
Wir wälzen uns, kommen
Verschwitzt und benommen
Ich werd wach als du mir das Nasenbein brichst
Und mein Blut auf die rosa Tapete spritzt
Ich denke noch - kann das die Wirklichkeit sein?
Denk zu lange, da bricht schon mein Schlüsselbein
Die Blumen des Bösen erblühen als Veilchen
Bis du mich tot hast, das dauert ein Weilchen
Bemühst dich zwar sehr, aber dafür braucht´s mehr
Doch da zückst du das Messer und schon geht es besser
Ein tiefer Stich, ein fester Hieb
Wahrscheinlich hatte dich deine Mutter zu lieb
Ein Schlag ins Gesicht und ein Tritt in den Sack
Und wenn du mich tot hast ist alles im Lack
War ein Hübscher, war fast schön
Jetzt läßt du mich im Blute liegen
Werd ohne Geleit in den Himmel gehn
Du drapierst meine Leiche
Schaltst das Nachttischlicht ein
Du wäschst deine Hände
Und trinkst ein Glas Wein
Zu regnen hat es jetzt aufgehört
Du bist etwas matt
Aber sonst nicht verstört
Du schließt mir die Augen
Und knipst noch ein Bild
Es wird dieses Bild sein
Das dein Album füllt
Dann schreitest du auf die Straße hinaus
Hinterm Altenheim kommt die Sonne heraus
* stands for "life changing sex"
Dieser Beitrag ist bereits im Weblog des Autors erschienen.
glamourdick
GlamourDick lebt und schreibt in Berlin. Sein
blogbetrachtet er als Informationskunst. Seine Leser schätzen seine Besessenheit und seinen Hang zum emotionalen Exhibitionismus. Und die ganzen Sexgeschichten natürlich.
Eyes On - Das Liebesleben der Schimpansen
robert scharfenberg
Schimpansen unterscheiden sich doch ganz erheblich von Menschen und zwar in der Wahl ihrer Partner. Während Menschenmänner eher zu jüngeren Partnerinnen tendieren, gehen Schimpansenmännchen den genau umgekehrten Weg.
Während in der Menschenwelt die Männer meist nach einer jüngeren Partnerin Ausschau halten, suchen Schimpansenmännchen ganz gezielt nach älteren Weibchen - sie kämpfen sogar darum, mit dem ältesten Weibchen der Gruppe Sex haben zu dürfen. Warum das so ist, darüber rätseln die Forscher.
robert scharfenberg
robert ist auf der suche. nach interessanten autoren, nach faszinierenden grafikern und fotografen, nach dem lächeln oder dem stirnrunzeln, dass einen beim lesen überkommt. deshalb ist er jetzt bei mindestenshaltbar und darf genau diese dinge finden.
Eyes On - If I did it
robert scharfenberg
Seit Jahren wird diskutiert: War ers? War ers nicht? OJ Simpson hat jetz ein Buch darüber geschrieben. Nicht so sehr über das "ob", sondern viel mehr über das "wie wenn"...
Wenn, ja wenn OJ Simpson seine Frau hätte umbringen wollen, dann hätte er es so und so gemacht. Derweil geht es auf den Nebenschauplätzen umso heißer zu - die Fernsehsender, die das Interview mit ihm ausstrahlen wollen geraten unter Beschuss. Herrn Simpson kann das nur Recht sein - er bekommt Publicity und gleichzeitig sind die Bösen die anderen, in diesem Falle FOX.
robert scharfenberg
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Mahlzeit
verschiedenen flickr-Usern
Essen gibt es von bis. Vom Fast-Food-Stand am Rande eines kaum frequentierten Highways bis zum Nobelrestaurant über Paris' Dächern - alles ist möglich.