
Nachtgedanken
von Nessy
Nachts ist es dunkel, und doch sehe ich klar. Während ich am Schreibtisch sitze, die Arbeitsfläche nur erhellt von einer schwachen Glühbirne, versinkt die Tiefe des Raumes hinter mir in Schwärze.
Meine Beine in eine Decke gehüllt, sitze ich da, höre leise Musik. Ich lausche in die Nacht hinein, höre das Brummen des Kühlschranks, das Knacken der Heizung, das Tropfen des Wasserhahns in der Küche. Der alte Mann über mir geht zur Toilette. Flach atmend verfolge ich seine schlurfenden Schritte, horche auf die Spülung, den Gang zurück ins Bett.
Nachts sind die Gedanken weicher, haben mehr Leben in sich. Sie erreichen eine Intensität, die ihnen im Licht des Tages verwehrt bleibt.
In der Ferne hallt das Signal eines fahrenden Zuges durch den Wind. Ein Uhu ruft. Die Scheinwerfer eines Dieselautos erhellen für einen kurzen Moment den Raum. Sie wischen die schützende Dunkelheit mit einem Handstreich beiseite, irren über die Wände, über Bücher, Regale und die Unordnung des Alltags. Einen Wimpernschlag lang versteckt sich mein Denken vor dem Schimmer, der das Zimmer in einer noch tieferen Dunkelheit hinterlässt.
Nachtgedanken blitzen nicht auf. Sie setzen sich fest im Kopf, kreisen umher, wandern durch Ideen und Pläne, wecken Gefühle und Bilder, nähren die Vorstellung, alles sei richtig, was man in diesem stillen Moment der Einkehr denkt.
Manchmal kriechen sie dorthin, wo über den Tag ein Lachen war, wo ich Zuversicht vorschob, meine Sehnsucht in einer kleinen Kiste verschloss, auf dass sie mich nicht stört in dem, was ich für mich und andere erledigen muss. Doch meine Nachtgedanken spitzen den Mund. Zart pusten sie die Maske alltäglicher Banalitäten beiseite, um sich direkt über meiner Seele auszubreiten.
Meine Nachtgedanken wiegen schwerer, sind mächtiger als ihre Tagesfreunde. Sie laufen auf meiner Seele, trampeln auf ihr herum, schälen sie wie eine Zwiebel und geben Antworten auf Fragen, die ich tagsüber nicht einmal zu stellen wage.
Ich nehme einen Stift zur Hand. Schreibe auf, was durch meinen Kopf spukt. Mache Skizzen, verfasse Texte, sammle Notizen, versuche mich in Zeichnungen, für die ich es tagsüber nicht für nötig befunden hätte, ein Blatt Papier zu schwärzen. Kratzend schabt die Mine über das Weiß, die Schrift krakelig, die Wörter wirr. Die Buchstaben fließen dahin, aus meiner Hand in den Stift und aus dem Stift hinaus, als wollten sie aus meinem Kopf fliehen, als sei es ihnen zu voll dort oben, wo die Gefühle widerstreiten und die Ideen miteinander kämpfen.
Geräusche über mir. Mit einem Mal werde ich müde. Die Musik, obwohl nur ein Hauch, dringt plötzlich schmerzend an mein Ohr. Ich stelle sie aus. Die Nachtgedanken sind fort. Ich fühle nur noch Schwere und Leere. Mir fröstelt. Ich lösche das kleine Licht auf dem Schreibtisch, lege die Decke aufs Sofa und schlurfe ins Bett.
Am nächsten Tag betrachte ich meine Notizen im grellen Licht der Morgensonne. Sie wirken irreal anklagend, als habe ein Eindringling sie aus meinem Kopf gestohlen. Doch wie ich lese und sie entdecke, fügen sich die Wörter zu Worten, Teile zu einem Ganzen, gewinnen die Bruchstücke an Form und Logik.
Ich falte das Papier, lege es in meinen Nachtschrank, setze meine Maske auf und beginne den Tag.
Meine Beine in eine Decke gehüllt, sitze ich da, höre leise Musik. Ich lausche in die Nacht hinein, höre das Brummen des Kühlschranks, das Knacken der Heizung, das Tropfen des Wasserhahns in der Küche. Der alte Mann über mir geht zur Toilette. Flach atmend verfolge ich seine schlurfenden Schritte, horche auf die Spülung, den Gang zurück ins Bett.
Nachts sind die Gedanken weicher, haben mehr Leben in sich. Sie erreichen eine Intensität, die ihnen im Licht des Tages verwehrt bleibt.
In der Ferne hallt das Signal eines fahrenden Zuges durch den Wind. Ein Uhu ruft. Die Scheinwerfer eines Dieselautos erhellen für einen kurzen Moment den Raum. Sie wischen die schützende Dunkelheit mit einem Handstreich beiseite, irren über die Wände, über Bücher, Regale und die Unordnung des Alltags. Einen Wimpernschlag lang versteckt sich mein Denken vor dem Schimmer, der das Zimmer in einer noch tieferen Dunkelheit hinterlässt.
Nachtgedanken blitzen nicht auf. Sie setzen sich fest im Kopf, kreisen umher, wandern durch Ideen und Pläne, wecken Gefühle und Bilder, nähren die Vorstellung, alles sei richtig, was man in diesem stillen Moment der Einkehr denkt.
Manchmal kriechen sie dorthin, wo über den Tag ein Lachen war, wo ich Zuversicht vorschob, meine Sehnsucht in einer kleinen Kiste verschloss, auf dass sie mich nicht stört in dem, was ich für mich und andere erledigen muss. Doch meine Nachtgedanken spitzen den Mund. Zart pusten sie die Maske alltäglicher Banalitäten beiseite, um sich direkt über meiner Seele auszubreiten.
Meine Nachtgedanken wiegen schwerer, sind mächtiger als ihre Tagesfreunde. Sie laufen auf meiner Seele, trampeln auf ihr herum, schälen sie wie eine Zwiebel und geben Antworten auf Fragen, die ich tagsüber nicht einmal zu stellen wage.
Ich nehme einen Stift zur Hand. Schreibe auf, was durch meinen Kopf spukt. Mache Skizzen, verfasse Texte, sammle Notizen, versuche mich in Zeichnungen, für die ich es tagsüber nicht für nötig befunden hätte, ein Blatt Papier zu schwärzen. Kratzend schabt die Mine über das Weiß, die Schrift krakelig, die Wörter wirr. Die Buchstaben fließen dahin, aus meiner Hand in den Stift und aus dem Stift hinaus, als wollten sie aus meinem Kopf fliehen, als sei es ihnen zu voll dort oben, wo die Gefühle widerstreiten und die Ideen miteinander kämpfen.
Geräusche über mir. Mit einem Mal werde ich müde. Die Musik, obwohl nur ein Hauch, dringt plötzlich schmerzend an mein Ohr. Ich stelle sie aus. Die Nachtgedanken sind fort. Ich fühle nur noch Schwere und Leere. Mir fröstelt. Ich lösche das kleine Licht auf dem Schreibtisch, lege die Decke aufs Sofa und schlurfe ins Bett.
Am nächsten Tag betrachte ich meine Notizen im grellen Licht der Morgensonne. Sie wirken irreal anklagend, als habe ein Eindringling sie aus meinem Kopf gestohlen. Doch wie ich lese und sie entdecke, fügen sich die Wörter zu Worten, Teile zu einem Ganzen, gewinnen die Bruchstücke an Form und Logik.
Ich falte das Papier, lege es in meinen Nachtschrank, setze meine Maske auf und beginne den Tag.




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am 3. Nov, 19:19