
naCHtleben
von Brigitte
Jetzt, wo ich es mir mit einer Tasse Tee auf dem Sofa bequem gemacht habe, das Ibook auf meinen Knien, da frage ich mich, wieso ich überhaupt zugesagt habe, einen Beitrag zum Thema «Nachtleben» zu verfassen. Nicht dass mein Nachtleben inexistent wäre, mich als Kennerin der dafür zuständigen Zürcher Szene zu bezeichnen wäre aber schlicht gelogen. Vom grossen Angebot, das eine Stadt wie Zürich bietet, schöpfe ich nur einen kleinen Prozentsatz aus, und werde dabei von Jahr zu Jahr wählerischer.
Natürlich war das nicht immer so. Als ich etwa halb so alt war wie heute, spielte das Nachtleben bei mir eine bedeutend grössere Rolle. Ich wuchs in einer Kleinstadt auf, und in der gab es Menschen, mit denen man als Teenager gerne gesehen werden wollte, wie auch solche, die dem eigenen Ansehen eher schadeten. Es gab Lokale, in denen man Samstagabends aufzutauchen hatte, wollte man das kommende Wochenende mit den richtigen Menschen verbringen, und Lokale, die man aus Prinzip nicht betrat, weil dort sowieso nur irgendwelche Verlierer herumhingen.
Natürlich würde ich heute gerne behaupten, ich hätte als Teenager zu den Individualisten gehört, die schon in jungen Jahren ihren eigenen Weg gingen, sich nicht von jedem neuen Trend vereinnahmen liessen, eine eigene Meinung hatten und diese auch kund taten. Nur war dem leider nicht so. Ich wollte dazugehören, aber nicht nur das, ich wollte auch auffallen. Natürlich nicht, weil ich anders war, sondern einfach ein bisschen besser, ein bisschen «mehr» als der Rest. Das Nachtleben der Kleinstadt schien mir der ideale Ort, um dieses Ziel zu erreichen.
Zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass sich diese Oberflächlichkeit nach zwei Jahren bereits wieder von mir verabschiedet hatte. Vielleicht, weil ich einige Male zu oft enttäuscht Samstagnachts nach Hause gekommen war und mich dann für den Rest des Wochenendes in meinem Zimmer verschanzte, um mich mit «Keiner versteht mich und niemand hat mich gern»-Sound vollzudröhnen.. Ich fand irgendwann heraus, dass es weit angenehmer sein konnte, einen Samstagabend mit den Eltern vor dem Fernseher zu verbringen und «Wetten, dass..» zu schauen, als mich mit den vermeintlich richtigen Leuten einen Abend lang zu langweilen.
Wie gesagt, seither ist viel Zeit vergangen. Ich bin von der Kleinstadt in die grösste Stadt des Landes gezogen und wohne unter anderem auch hier, weil ich das breite Angebot an Nachtleben schätze. Probleme habe ich dann, wenn meine Interessen mit denen von Menschen korrelieren, die zwar meistens auch schon seit einigen Jahren die dreissiger-Grenze überschritten haben, aber noch immer nach meinen damaligen Pubertätsprinzipien handeln. In Zürich haben diese Leute einen Namen: Szenis nennen wir sie. Die Hauptaufgabe eines Szenis besteht darin, den Abend in der richtigen Location zu verbringen, um das dann am nächsten Morgen beiläufig zu erwähnen. Natürlich dort, wo man sich morgens eben trifft, um seinen Latte oder seinen Macchiato zu trinken.
Meine Erfahrungen mit den Zürcher Szenis haben mich gelehrt, dass ich das nächste Mal auf ein Konzertticket verzichte, wenn eine Band, die ich seit Jahren liebe, überraschend von einem Szenemagazin entdeckt wird und kurz darauf einen Auftritt in einem Zürcher Szenelokal hat. Die Szenis würden mir einmal mehr den Abend verderben. Nicht durch ihre blosse Anwesenheit - ich bin gut im Nichtbeachten - sondern durch ihr offenkundiges Desinteresse an den Künstlern selbst. Es wird geschwatzt und es wird ignoriert, ein mittelmässiger Pianospieler in einer typischen Hotelbar erhält mehr Aufmerksamkeit von seinem Publikum als eine Band in einem Szenelokal von seinen Stammgästen. Und ja, das nervt mich je länger je mehr. Manchmal wünsche ich mir, all diese Leute wären vor vielen Jahren auch mal zu Hause geblieben und hätten mit ihren Eltern «Wetten dass..» geschaut. Wobei, so gesehen gibt es noch Hoffnung für die Szenis, denn die Sendung läuft ja noch immer.
Natürlich war das nicht immer so. Als ich etwa halb so alt war wie heute, spielte das Nachtleben bei mir eine bedeutend grössere Rolle. Ich wuchs in einer Kleinstadt auf, und in der gab es Menschen, mit denen man als Teenager gerne gesehen werden wollte, wie auch solche, die dem eigenen Ansehen eher schadeten. Es gab Lokale, in denen man Samstagabends aufzutauchen hatte, wollte man das kommende Wochenende mit den richtigen Menschen verbringen, und Lokale, die man aus Prinzip nicht betrat, weil dort sowieso nur irgendwelche Verlierer herumhingen.
Natürlich würde ich heute gerne behaupten, ich hätte als Teenager zu den Individualisten gehört, die schon in jungen Jahren ihren eigenen Weg gingen, sich nicht von jedem neuen Trend vereinnahmen liessen, eine eigene Meinung hatten und diese auch kund taten. Nur war dem leider nicht so. Ich wollte dazugehören, aber nicht nur das, ich wollte auch auffallen. Natürlich nicht, weil ich anders war, sondern einfach ein bisschen besser, ein bisschen «mehr» als der Rest. Das Nachtleben der Kleinstadt schien mir der ideale Ort, um dieses Ziel zu erreichen.
Zu meiner Verteidigung darf ich sagen, dass sich diese Oberflächlichkeit nach zwei Jahren bereits wieder von mir verabschiedet hatte. Vielleicht, weil ich einige Male zu oft enttäuscht Samstagnachts nach Hause gekommen war und mich dann für den Rest des Wochenendes in meinem Zimmer verschanzte, um mich mit «Keiner versteht mich und niemand hat mich gern»-Sound vollzudröhnen.. Ich fand irgendwann heraus, dass es weit angenehmer sein konnte, einen Samstagabend mit den Eltern vor dem Fernseher zu verbringen und «Wetten, dass..» zu schauen, als mich mit den vermeintlich richtigen Leuten einen Abend lang zu langweilen.
Wie gesagt, seither ist viel Zeit vergangen. Ich bin von der Kleinstadt in die grösste Stadt des Landes gezogen und wohne unter anderem auch hier, weil ich das breite Angebot an Nachtleben schätze. Probleme habe ich dann, wenn meine Interessen mit denen von Menschen korrelieren, die zwar meistens auch schon seit einigen Jahren die dreissiger-Grenze überschritten haben, aber noch immer nach meinen damaligen Pubertätsprinzipien handeln. In Zürich haben diese Leute einen Namen: Szenis nennen wir sie. Die Hauptaufgabe eines Szenis besteht darin, den Abend in der richtigen Location zu verbringen, um das dann am nächsten Morgen beiläufig zu erwähnen. Natürlich dort, wo man sich morgens eben trifft, um seinen Latte oder seinen Macchiato zu trinken.
Meine Erfahrungen mit den Zürcher Szenis haben mich gelehrt, dass ich das nächste Mal auf ein Konzertticket verzichte, wenn eine Band, die ich seit Jahren liebe, überraschend von einem Szenemagazin entdeckt wird und kurz darauf einen Auftritt in einem Zürcher Szenelokal hat. Die Szenis würden mir einmal mehr den Abend verderben. Nicht durch ihre blosse Anwesenheit - ich bin gut im Nichtbeachten - sondern durch ihr offenkundiges Desinteresse an den Künstlern selbst. Es wird geschwatzt und es wird ignoriert, ein mittelmässiger Pianospieler in einer typischen Hotelbar erhält mehr Aufmerksamkeit von seinem Publikum als eine Band in einem Szenelokal von seinen Stammgästen. Und ja, das nervt mich je länger je mehr. Manchmal wünsche ich mir, all diese Leute wären vor vielen Jahren auch mal zu Hause geblieben und hätten mit ihren Eltern «Wetten dass..» geschaut. Wobei, so gesehen gibt es noch Hoffnung für die Szenis, denn die Sendung läuft ja noch immer.


Desideria
am 7. Nov, 22:18
sag' Bescheid, wenn mich liebst...
seit Tagen möchte ich das schon bemerken
am 9. Nov, 15:06
genau :-). und in 2 1/2 wochen spielen sie wieder. diesmal zum glück in einem ganz unspektakulären saal. ich freue mich :-)