am 20. Okt, 09:47

Als ich Abitur machte, dachte ich ganz im Sinne des Bildungsbürgertums und der Werte, die mir im Leistungskurs Deutsch vermittelt worden waren, dass nur die hohe, ernste Literatur, die alten Klassiker, echte Kultur sei. Ich quälte mich durch Goethe, Schiller, Fontane und Mann und blickte abfällig auf meine Schulkameraden, die vergnügliche Stunden mit Simmel verbrachten. In der Uni hatte ich das Glück, eine Prof zu haben, der sich ganz bewusst mit der Popkultur auseinander setzte, und auf einmal wurde mir klar, wie schwierig es ist, gerade die Massen zu befriedigen, ein Buch zu schreiben, einen Film zu drehen, einen Song zu komponieren, den Millionen Menschen lieben. Und vor allem merkte ich, wie viel Spaß diese Art von Unterhaltung machen kann - wenn sie gut gemacht ist. Seitdem ist es mir nicht mehr peinlich, dass ich bei Thomas Mann leider immer einschlafe, während mich John Irving Nächte, Henning Mankell oder Diana Gabaldon nächtelang wach halten.
Im übrigen ist dieser Text eine wunderschöne Liebeserklärung an deine Heimat, der zeigt, wie sehr du mit ihr verwurzelt bist. Ein Leben ohne den Pott ist für dich vermutlich gar nicht denkbar, oder?




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