Interessant ist, dass gerade in unserer Jugend die alten Dinge oft wesentlich cooler waren als die neuen Strömungen; nach dem Motto 'Boah, ich kenne etwas, das vor meiner Geburt entstanden ist', als wäre das ein beinah unerreichbarer Status, den nur kulturelle Rückführungstherapierte schaffen. Heute würden wir die Einstellung 'alt = besser' womöglich eher als konservativ bezeichnen.
Mein Taschengeld jedenfalls gab auch keine Levis oder Wrangler her, und schon gar nicht beides. Gut zu wissen, dass meine oft eigenwillige Erscheinung trotzdem Popkultur war. ;]
Diese Tatsache, dass alles Popkultur ist, auch, was sich dagegen stemmt, ist ein fieser Teufelskreis sondergleichen, der offenbar einige Autoren hier beschäftigt hat. Sie mag aber vielleicht auch in jenem Phänomen begründet sein, dass mir diese Epoche zu kennzeichnen scheint: Alles, was ursprünglich off-mainstream war, wird von diesem irgendwann geschluckt, adaptiert und integriert - muss es sogar, wenn es überleben soll. Bleibende off-mainstream-Strömungen sind nicht finanzierbar und daher zum Aussterben verurteilt, wenn sie auch noch so sub und angeblich indie sind - von Independence ist da kaum zu sprechen. Was dem Indie da nur bleibt, ist eben mitunter das elitäre Denken des Erstkenners.
Mir schmeckt die Begriffsauffassung der Popkultur nicht so recht. Andere Kulturepochen sind aus den vorhergehenden zwar nachweislich hervorgegangen, waren aber doch so unterschiedlich zu jenen, dass sie einen eigenen Namen verdienten.
Alle unter 'Popkultur' in einen Topf zu werfen, jene, die sich den 50ern gegen unanständige Dinge wie Rock'n'Roll und Miniröcke auflehnten, und jene, die sich heute gothic oder sonstwie stylen, oder Indie-Musik hören, ist mir für mein bescheidenes Hirn im Begriff doch etwas zu weit gefasst.
Zuerst: Auch Kultur folgt den Marktgesetzen, das geht gar nicht anders.
Was den fiesen Teufelskreis betrifft, beruht der auf dem landläufig falschen Umgang mit dem Begriff. Popkultur bedeutet eben nicht Mainstream, sondern die Gesamtheit aller kulturellen und gesellschaftlichen Strömungen im Westen seit Anfang des letzten Jahrhunderts, zum großen Teil ausgehend von den USA.
Popkultur ist nicht eine Kultursparte oder Stilrichtung, sondern sie steht für Vielfalt. Sie ist nicht stilepochenbildend wie, sagen wir, die Renaissance oder die Romantik, sondern ich denke, man wird sich rückblickend eher an einzelne Strömungen erinnern, die Pop-Art, den Film Noir, den Hiphop etc.
Popkultur ist eher eine Ära des Pluralismus, demokratischer Freiheiten, der Internationalität und der Toleranz, in der jede Form der Alltagskultur erlaubt ist, auch wenn sie sich nicht am Markt etablieren kann. Und so gesehen, wollen wir gar nicht, dass sie endet.
Etosha
am 20. Okt, 14:06
Interessant ist, dass gerade in unserer Jugend die alten Dinge oft wesentlich cooler waren als die neuen Strömungen; nach dem Motto 'Boah, ich kenne etwas, das vor meiner Geburt entstanden ist', als wäre das ein beinah unerreichbarer Status, den nur kulturelle Rückführungstherapierte schaffen. Heute würden wir die Einstellung 'alt = besser' womöglich eher als konservativ bezeichnen.
Mein Taschengeld jedenfalls gab auch keine Levis oder Wrangler her, und schon gar nicht beides. Gut zu wissen, dass meine oft eigenwillige Erscheinung trotzdem Popkultur war. ;]
Diese Tatsache, dass alles Popkultur ist, auch, was sich dagegen stemmt, ist ein fieser Teufelskreis sondergleichen, der offenbar einige Autoren hier beschäftigt hat. Sie mag aber vielleicht auch in jenem Phänomen begründet sein, dass mir diese Epoche zu kennzeichnen scheint: Alles, was ursprünglich off-mainstream war, wird von diesem irgendwann geschluckt, adaptiert und integriert - muss es sogar, wenn es überleben soll. Bleibende off-mainstream-Strömungen sind nicht finanzierbar und daher zum Aussterben verurteilt, wenn sie auch noch so sub und angeblich indie sind - von Independence ist da kaum zu sprechen. Was dem Indie da nur bleibt, ist eben mitunter das elitäre Denken des Erstkenners.
Mir schmeckt die Begriffsauffassung der Popkultur nicht so recht. Andere Kulturepochen sind aus den vorhergehenden zwar nachweislich hervorgegangen, waren aber doch so unterschiedlich zu jenen, dass sie einen eigenen Namen verdienten.
Alle unter 'Popkultur' in einen Topf zu werfen, jene, die sich den 50ern gegen unanständige Dinge wie Rock'n'Roll und Miniröcke auflehnten, und jene, die sich heute gothic oder sonstwie stylen, oder Indie-Musik hören, ist mir für mein bescheidenes Hirn im Begriff doch etwas zu weit gefasst.
Wer entscheidet eigentlich, wann diese Ära endet?
am 21. Okt, 02:43
Zuerst: Auch Kultur folgt den Marktgesetzen, das geht gar nicht anders.
Was den fiesen Teufelskreis betrifft, beruht der auf dem landläufig falschen Umgang mit dem Begriff. Popkultur bedeutet eben nicht Mainstream, sondern die Gesamtheit aller kulturellen und gesellschaftlichen Strömungen im Westen seit Anfang des letzten Jahrhunderts, zum großen Teil ausgehend von den USA.
Popkultur ist nicht eine Kultursparte oder Stilrichtung, sondern sie steht für Vielfalt. Sie ist nicht stilepochenbildend wie, sagen wir, die Renaissance oder die Romantik, sondern ich denke, man wird sich rückblickend eher an einzelne Strömungen erinnern, die Pop-Art, den Film Noir, den Hiphop etc.
Popkultur ist eher eine Ära des Pluralismus, demokratischer Freiheiten, der Internationalität und der Toleranz, in der jede Form der Alltagskultur erlaubt ist, auch wenn sie sich nicht am Markt etablieren kann. Und so gesehen, wollen wir gar nicht, dass sie endet.
am 2. Feb, 02:03
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