
Schokoladenschnitzel
von Idoru
Ich habe ein Liste Nerviger Worte, abgeschaut aus der Freud-Spezialausgabe des „Zeit“-Magazins. Da stehen Worte drauf wie „Stöckchenspiel“, „Chefdenker“ und „Budgetkonsolidierungsverhandlungen“ - ein Wort, nebenbei bemerkt, das in meinem Notizbuch eine gesamte Zeile einnimmt. Und ich überlege ernsthaft, ob ich das schöne Wort „Popkultur“ nicht auch daraufsetze.
„Popkultur“ ist ein typischer Fall von: Schnitzel ist gut, Schokolade ist gut - wie gut muss erst Schnitzel mit Schokolade sein! Was natürlich nicht heißt, daß dieses Prinzip grundfalsch ist, man denke nur an Piccata Milanese - Schnitzel mit Spaghetti. Im Falle von Schnitzel mit Schokolade allerdings treibt man das Spiel zu weit; und im Falle von Popkultur auch, denke ich. Pop ist populär, also gut. Und Kultur ist kulturell und ethisch wie moralisch toll, also auch gut. Wie gut muss erst Popkultur sein!
Meine Großmutter sagte immer zu mir „Red nicht, wenn du nicht verstehst“. Natürlich rede ich selbstredend andauernd über Dinge, von denen ich nichts verstehe (sonst hätte ich ja gar nichts mehr zu sagen) aber manchmal, manchmal mache ich mich ein wenig schlau und denke tatsächlich nach, bevor ich mich zu einem Thema äußere. Mir wurde klar, daß ich überhaupt nicht wusste, was Popkultur genau ist und ab wann man von Popkultur spricht. Gefühlsmäßig hätte ich gesagt, in der Musik ist, analog zu Popmusik, der Mainstream Popkultur. In der Kunst ist es die Moderne, nicht-alte nicht-hohe Kunst. So in etwa die „jungen Wilden“. Das Problem ist, daß auch die jungen Wilden mittlerweile alte Leute sind.
Fragt man zehn Menschen auf der Straße was Popkultur ist, bekommt man zehn grundverschiedene Antworten. Popkultur ist in den Köpfen der Menschen etwas in den Medien, etwas mit Kunst und Musik, etwas, das gerade irgendwie irgendwo passiert. Aber Popkultur ist viel älter, als man gemeinhin annimmt. Oder jedenfalls, als ich es annahm, denn jetzt weiß ich es besser. Popkultur kam mit der industriellen Revolution auf. Ab diesem Zeitpunkt war es technisch möglich, Inhalte wie etwa Musik, Gedankengut, kulturelle Strömungen oder auch Mode an eine große Masse von Menschen zu verbreiten. Die transportierten Inhalte wurden „populär“, der Großteil der Menschen in einem Kulturkreis konnte daran teilhaben - die Massenmedien waren geboren. Man spricht also schon sehr lange von Popkultur und trotzdem sollte es noch immer niemandem gelungen sein, für wortfixierte Menschen wie mich eine eindeutig fassbare Begriffsdefinition zu liefern - wie kommt das?
Popkultur beschreibt alles, was im 20. Jahrhundert auf irgendeine Art und Weise kulturell und gesamtgesellschaftlich passiert ist. Es ist ein schwammiger Überbegriff. „Popkultur“ heißt nichts. Der Begriff „Popkultur“ triggert keine definierte Response, weil „Popkultur“ Alles und Nichts bezeichnet. Und genauer betrachtet ist exakt diese Tatsache auch das Faszinierende an dem Wort. Popkultur ist ein Begriff, der so weit gefasst ist, dass er alle Gegensätzlichkeiten umfassen kann. So gesehen ist das Wort in seiner Unzulänglichkeit schon wieder genial, weil es etwas umschreibt, was kulturell und gesellschaftlich allübergreifend ist.
Um es mit einem ähnlichen Begriff zu beschreiben könnte man sagen, der Begriff Popkultur fängt den Zeitgeist einer gesamten Epoche ein. Popkultur ist Zeitgeist, Zeitgeist ist Popkultur. Der Begriff Zeitgeist geht übrigens, wie so vieles, auf Goethes Faust zurück, der ja - wiederum nebenbei bemerkt - von Charles Gounod vertont wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.
„Popkultur“ ist ein typischer Fall von: Schnitzel ist gut, Schokolade ist gut - wie gut muss erst Schnitzel mit Schokolade sein! Was natürlich nicht heißt, daß dieses Prinzip grundfalsch ist, man denke nur an Piccata Milanese - Schnitzel mit Spaghetti. Im Falle von Schnitzel mit Schokolade allerdings treibt man das Spiel zu weit; und im Falle von Popkultur auch, denke ich. Pop ist populär, also gut. Und Kultur ist kulturell und ethisch wie moralisch toll, also auch gut. Wie gut muss erst Popkultur sein!
Meine Großmutter sagte immer zu mir „Red nicht, wenn du nicht verstehst“. Natürlich rede ich selbstredend andauernd über Dinge, von denen ich nichts verstehe (sonst hätte ich ja gar nichts mehr zu sagen) aber manchmal, manchmal mache ich mich ein wenig schlau und denke tatsächlich nach, bevor ich mich zu einem Thema äußere. Mir wurde klar, daß ich überhaupt nicht wusste, was Popkultur genau ist und ab wann man von Popkultur spricht. Gefühlsmäßig hätte ich gesagt, in der Musik ist, analog zu Popmusik, der Mainstream Popkultur. In der Kunst ist es die Moderne, nicht-alte nicht-hohe Kunst. So in etwa die „jungen Wilden“. Das Problem ist, daß auch die jungen Wilden mittlerweile alte Leute sind.
Fragt man zehn Menschen auf der Straße was Popkultur ist, bekommt man zehn grundverschiedene Antworten. Popkultur ist in den Köpfen der Menschen etwas in den Medien, etwas mit Kunst und Musik, etwas, das gerade irgendwie irgendwo passiert. Aber Popkultur ist viel älter, als man gemeinhin annimmt. Oder jedenfalls, als ich es annahm, denn jetzt weiß ich es besser. Popkultur kam mit der industriellen Revolution auf. Ab diesem Zeitpunkt war es technisch möglich, Inhalte wie etwa Musik, Gedankengut, kulturelle Strömungen oder auch Mode an eine große Masse von Menschen zu verbreiten. Die transportierten Inhalte wurden „populär“, der Großteil der Menschen in einem Kulturkreis konnte daran teilhaben - die Massenmedien waren geboren. Man spricht also schon sehr lange von Popkultur und trotzdem sollte es noch immer niemandem gelungen sein, für wortfixierte Menschen wie mich eine eindeutig fassbare Begriffsdefinition zu liefern - wie kommt das?
Popkultur beschreibt alles, was im 20. Jahrhundert auf irgendeine Art und Weise kulturell und gesamtgesellschaftlich passiert ist. Es ist ein schwammiger Überbegriff. „Popkultur“ heißt nichts. Der Begriff „Popkultur“ triggert keine definierte Response, weil „Popkultur“ Alles und Nichts bezeichnet. Und genauer betrachtet ist exakt diese Tatsache auch das Faszinierende an dem Wort. Popkultur ist ein Begriff, der so weit gefasst ist, dass er alle Gegensätzlichkeiten umfassen kann. So gesehen ist das Wort in seiner Unzulänglichkeit schon wieder genial, weil es etwas umschreibt, was kulturell und gesellschaftlich allübergreifend ist.
Um es mit einem ähnlichen Begriff zu beschreiben könnte man sagen, der Begriff Popkultur fängt den Zeitgeist einer gesamten Epoche ein. Popkultur ist Zeitgeist, Zeitgeist ist Popkultur. Der Begriff Zeitgeist geht übrigens, wie so vieles, auf Goethes Faust zurück, der ja - wiederum nebenbei bemerkt - von Charles Gounod vertont wurde. Aber das ist eine andere Geschichte.




sokrates2005
am 20. Okt, 08:04
Popkultur als definierter Begriff ist ganz gewiß eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, ähnlich wie die Kultursoziologie, die ihnen im übrigen trefflich nachweisen würde, dass mehr oder weniger alles Kultur (Stichwort Alltagskultur) ist.
Genau genommen gibt es wohl dieses Phänomen schon länger, denken sie doch nur an die Minnesänger, an Mozart und die Hausmusik der Biedermeierzeit.
Da zu dieser Zeit der Beruf des Sozialwissenschafters noch unbekannt war, mussten wir eben bis zum 20. Jahrhundert warten, um zu benennen, was es eben schon viel länger gibt.
Was im Speziellen die Kultursoziologen so aushecken, um den Begriff "Kultur" einerseits möglichst zu verwässern und andererseits hinreichend zu verkomplizieren, wird sie als Kulturschaffende möglicherweise ein wenig irritieren, gehört aber zur soziologischen Wissenschaftskultur. ;-)
am 20. Okt, 15:46
liebster herr sokrates,
vielen dank für Ihren input. und ich muß sagen, Sie scheinen recht zu haben...
allerdings nennt man dieses phänomen so wie ich das nun verstanden habe eben erst mit beginn des 20. jahrhunderts popkultur - alles vorher gewesene fasst man dann unter dem begriff alltagskultur zusammen, nicht wahr? popkultur klingt auch gleich viel "inner", wenn Sie verstehen, was ich meine....
ich bin jetzt ein bisserl unter zeitdruck, muß nämlich dringend ins wochenende abhauen ;o) aber ich verspreche, ich werde Ihre worte überdenken und mich pünktlich zu rabeitsbeginn montag morgen wieder melden. büroblogging rules!