
Der Countdown läuft
von Jens Schröder
Es muss ein kühler Wintertag gewesen sein. Damals, im Januar 1983 in der niedersächsischen Provinz, unweit der Grenze zur DDR. Es gab nicht viel, was kleine Dorfjungs damals aus dem wohl behüteten Alltag herausreißen konnte. Allenfalls "Captain Future" schaffte das. Die Nachmittage bestanden vornehmlich aus Fußballspielen, im Winter Rodeln. Die Todesbahn auf dem Mühlenberg war legendär. Nur die Härtesten trauten sich dort herunter. Und dazu gehörte natürlich auch der kleine Junge. An diesem Januartag jedoch muss alles anders gewesen sein. Wahrscheinlich war es selbst zum Rodeln zu kalt gewesen und so passierte das, was das Leben des kleinen Jungen für immer ändern sollte.
Schon im Jahr zuvor hatte er erste Kontakte mit ernsthafter Musik gehabt. Also nicht die doofen 70er-Jahre-Schlager-Platten, die die Eltern bei ihren Partys auflegten. Der große Bruder hatte eine neue LP gekauft, auf der sich Lieder wie "Skandal im Sperrbezirk", "Der goldene Reiter" oder "Eisbär" befanden. Die Stücke gefielen dem kleinen Jungen, so sehr, dass er sie auf dem Schulweg vor sich her pfiff. Doch irgendwann hatte der große Bruder keine Lust mehr auf die Platte, wollte sie partout nicht mehr hören. Den Kleinen machte das traurig, hatte er doch kein eigenes Abspielgerät. Bis zum Januar 1983, als ein alter Radio-Cassettenrecorder - später sagte man dann Ghetto-Blaster dazu - als Geschenk den Weg in sein Kinderzimmer fand. Und dann war es soweit: Im Radio lief das Lied eines aus heutiger Sicht relativ uncoolen, unmusikalischen 27-jährigen Stuttgarter namens Pierre Michael Schilling. Da Pierre Michael ein ziemlich doofer Name war, nannte er sich Peter Schilling. Und dieser Peter Schilling sang im Januar 1983 von einem "Major Tom". Nie zuvor hatte der kleine niedersächsische Junge solch unglaubliche Töne gehört, wie gebannt saß er in seinem Kinderzimmer. Moderne Drumcomputer verbanden sich mit einem Killer-Refrain zu einer Melodie, wie sie nur von Gotteshand komponiert worden sein konnte.
"Gründlich durchgecheckt steht sie da und wartet auf den Start - alles klar." Worte, die der damals 8-Jährige auch 23 Jahre später noch nicht vergessen hat. Und Worte, die er in mancher ruhigen Stunde noch heute durch die Lautsprecher schallen lässt. Um sich zu erinnern. Erst viele Jahre später wurde ihm klar, dass "Major Tom" der Startschuss in ein neues Leben war. Von nun an saß der kleine Niedersachse jeden Samstagmorgen am Radio und hörte die "NDR 1 Hitparade", nahm sich die neuesten Songs von Schilling, Nena, Gazebo, Spandau Ballet und all den anderen auf Cassette auf. Entdeckte irgendwann, dass die offizielle deutsche Top 75 über einen Mittelwellen-Sender des Saarländischen Rundfunks bis in den Norden des Landes schallte und schrieb sie fortan Woche für Woche mit. Aus dem Jungen war ein Junkie geworden. Je älter und größer er wurde, desto mehr Musik kam in sein Leben: Zu den aufgenommenen Cassetten gesellten sich viele Vinyl-LPs und -Singles, dann CDs und noch später mp3s. Natürlich änderte sich mit der Zeit der Musikgeschmack: An die Stelle des Herrn Schilling traten im Laufe der Jahre Herr Hansen, Herr Lenz, Herr Cobain und schließlich Herr Yorke. Doch eins änderte sich im Kopf des Jungen nie: Die Erinnerung an jenen Tag im Januar 1983 und an den Song, der sein Leben ändern sollte.
Schon im Jahr zuvor hatte er erste Kontakte mit ernsthafter Musik gehabt. Also nicht die doofen 70er-Jahre-Schlager-Platten, die die Eltern bei ihren Partys auflegten. Der große Bruder hatte eine neue LP gekauft, auf der sich Lieder wie "Skandal im Sperrbezirk", "Der goldene Reiter" oder "Eisbär" befanden. Die Stücke gefielen dem kleinen Jungen, so sehr, dass er sie auf dem Schulweg vor sich her pfiff. Doch irgendwann hatte der große Bruder keine Lust mehr auf die Platte, wollte sie partout nicht mehr hören. Den Kleinen machte das traurig, hatte er doch kein eigenes Abspielgerät. Bis zum Januar 1983, als ein alter Radio-Cassettenrecorder - später sagte man dann Ghetto-Blaster dazu - als Geschenk den Weg in sein Kinderzimmer fand. Und dann war es soweit: Im Radio lief das Lied eines aus heutiger Sicht relativ uncoolen, unmusikalischen 27-jährigen Stuttgarter namens Pierre Michael Schilling. Da Pierre Michael ein ziemlich doofer Name war, nannte er sich Peter Schilling. Und dieser Peter Schilling sang im Januar 1983 von einem "Major Tom". Nie zuvor hatte der kleine niedersächsische Junge solch unglaubliche Töne gehört, wie gebannt saß er in seinem Kinderzimmer. Moderne Drumcomputer verbanden sich mit einem Killer-Refrain zu einer Melodie, wie sie nur von Gotteshand komponiert worden sein konnte.
"Gründlich durchgecheckt steht sie da und wartet auf den Start - alles klar." Worte, die der damals 8-Jährige auch 23 Jahre später noch nicht vergessen hat. Und Worte, die er in mancher ruhigen Stunde noch heute durch die Lautsprecher schallen lässt. Um sich zu erinnern. Erst viele Jahre später wurde ihm klar, dass "Major Tom" der Startschuss in ein neues Leben war. Von nun an saß der kleine Niedersachse jeden Samstagmorgen am Radio und hörte die "NDR 1 Hitparade", nahm sich die neuesten Songs von Schilling, Nena, Gazebo, Spandau Ballet und all den anderen auf Cassette auf. Entdeckte irgendwann, dass die offizielle deutsche Top 75 über einen Mittelwellen-Sender des Saarländischen Rundfunks bis in den Norden des Landes schallte und schrieb sie fortan Woche für Woche mit. Aus dem Jungen war ein Junkie geworden. Je älter und größer er wurde, desto mehr Musik kam in sein Leben: Zu den aufgenommenen Cassetten gesellten sich viele Vinyl-LPs und -Singles, dann CDs und noch später mp3s. Natürlich änderte sich mit der Zeit der Musikgeschmack: An die Stelle des Herrn Schilling traten im Laufe der Jahre Herr Hansen, Herr Lenz, Herr Cobain und schließlich Herr Yorke. Doch eins änderte sich im Kopf des Jungen nie: Die Erinnerung an jenen Tag im Januar 1983 und an den Song, der sein Leben ändern sollte.




MC Winkel
am 20. Okt, 15:19
Ich schrieb nicht nur alles mit und protokollierte es akribisch, ich bastelte mir aus 15 DinA4-Bögen eine selbstklebende Hitparaden-Collage, auf welche ich jeden Samstag vormittag die aktuellen Künstler entsprechend Ihrer Chartpositionen klebte. Die Bilder schnitt ich aus der Bravo aus und war immer ganz traurig, wenn jemand wie Phil Collins ("You can't hurry love") plötzlich als Einsteiger der Woche auf die 10 rutschte, und die Bravo hatte noch nicht über den/die/das berichtet.
So gesehen verstehe ich auch die Liebe zu den Charts und freue mich jede Woche auf die www.deutschenblogcharts.de, auch wenn technorati grundsätzlich suckt.
Ich hoffe, der PK-Junkie und sein dazugehörige Statistikfeuer im Herzen bleiben der Blogosphäre noch langer erhalten!
am 20. Okt, 15:21
"wurde", nicht "würde"
am 2. Feb, 02:01
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