
Badum-Bumm
von "Etosha" / Susanne Gritsch
Wenn ich das dringende Gefühl habe, ich müsse der Welt etwas mitteilen, dann unterlege ich meine Kundgabe zuweilen mit Akkorden: Ich schreibe Songs für meine Band.
Ein neuer entsteht in genau diesem Moment. Die Harmonien tragen meinen zuvor ausformulierten Seelenstriptease durch die Takte, die Strophe schwebt zwischen Major7- und Moll-Akkorden. Dann, im Refrain, ändert sich die Grundtonart zwar nach Dur, aber die Harmonien schleichen in den ersten Zeilen scheu um sie herum, im harmonischen Widerstand gegen die ersehnte Auflösung. Erst in der letzten Zeile des Refrains erlöse ich den Zuhörer - aber nur ganz kurz, er soll ja keinen Glücksrausch kriegen in diesem traurigen Stück. Wunderbar! Und jetzt zur Bridge, da könnte jetzt nochmal die Tonart wechseln, vielleicht nach...
Badum-bumm.
Na toll. Der wahnsinnige Teenager von nebenan ist heimgekommen.
Badum-bumm.
Er hat soeben das bis zum Anschlag aufgedreht, was er versehentlich für Musik hält. Gnade!
Badum-bumm.
Ich kriege einen zornigen Schweißausbruch.
Wozu gebe ich mir hier eigentlich Mühe? Warum anspruchsvolle Musik schreiben, wenn Badum-bumm? Mit seiner Anlage könnte der Nachbar mühelos eine mittelgroße Diskothek beschallen, die Bässe fressen sich so spielend durch die Hauswand wie Holzwürmer durch Fichte. Jedes Stück dauert zwanglose fünfzehn Minuten. Oder zwanzig. Und es ist immer das selbe, immer das selbe, immer Badum-bumm.
Eine kurze Pause entsteht. Meine Endorphine bereiten sich schon zum Andocken vor. Jedoch, zu früh: Die nächste Nummer kommt gleich hinterher. Buzk-buzk-buzk. Es sägt an meinen Nerven. Und an meiner Meinung über den Nachbarteenie. Wie schlicht muss man eigentlich geistig sein, um sich so einen Scheiß in dieser Lautstärke und Häufigkeit reinzuziehen? Henne oder Ei? Fährt man auf diese Musik ab, weil einem von Natur aus ein paar Hirnwindungen fehlen? Oder führt die Musik ihrerseits dazu, dass unbenutzte Areale nach und nach abgebaut werden?
Bei diesem Gedanken hatte ich bislang immer das Stoppschild gezückt. Toleranz! Bestimmt ist an seiner Musik etwas mehr dran als das, was ich davon mitkriege. Schließlich werden mir nur die Mauerbässe serviert. Daran hatte ich eisern festgehalten, bis zu jenem Tag vor vier Wochen, als seine Eltern verreist waren, und er eine Gartenparty gab. Was da aus den Lautsprechern quoll und in unseren Garten herüberschallte, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte, war ebenso anspruchslos wie die Version, die ich bereits kannte - nur um ein Vielfaches lauter. Seine gehörgeschädigten Freunde brüllten einander neben den Boxen anspruchslose Sätze zu. Badum-bumm. Buzk-buzk. Stundenlang. Diese Art von dumpfer Meditation würde bei mir zu infernalischer Langeweile führen mit der Endstation geschlossene Psychiatrie.
Repetitivkacke. So nenne ich auch das, was mich häufig dazu bringt, von unserem österreichischen Alternativ-Radiosender FM4 wegzuzappen.
Komponieren, das muss man wissen, kann nämlich ausgesprochen einfach sein. Man nehme eine Akkordfolge aus maximal drei Akkorden, darunter lege man buzk-buzk oder Vergleichbares, und darüber einen beliebigen Satz, von mir aus 'Leaving for the madhouse.' Wer braucht schon Strophen, Refrain oder gar eine Bridge? Man will ja nichts aussagen. Man lässt den Sänger einfach den gewählten Satz einmal draufsingen. Alles andere ist copy-paste.
Als ob das Gerät mich hören könnte, erkläre ich dem Radio nach dem fünften oder sechsten 'Leaving for the madhouse' meistens sowas wie 'Ja, ich habe das jetzt verstanden', und meine zuvor noch zarte Hoffnung auf Abwechslung wächst ins Unermessliche. Nach dem achten Mal schalte ich gnadenlos um.
Meistens zu spät, denn ich bin überaus anfällig für Ohrwürmer, je dämlicher, umso besser. Gerne auch von Weihnachts- oder Kirchenliedern. Unlängst, nach einem Tagesohrwurm von 'Schnucki, ach Schnucki', einem alten Wiener Kabarettlied, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: Dass nämlich ein 'wüder Tippisch' nicht etwa eine Sonderbezeichnung für einen wilden, etwas übergewichtigen Indianer von kleinem Wuchse ist, der einer Squaw nachschleicht, wovon ich bis zu jenem Ohrwurmtage überzeugt war, seit meiner Kindheit, die - wie in diesem Land vielerorts üblich - bis zum zehnten Lebensjahr relativ dialektbefreit abgelaufen war. Nein, es handelt sich vielmehr um das Wort 'typisch' in seiner Dialektform, wodurch auch plötzlich das Adverb nicht mehr fehlte in dem Satz 'Das ist, sprach sie drauf schnippisch, für so an Wüden tippisch.' Toll!
Eine so enorme Erkenntnis aufgrund eines Ohrwurmes ist bei mir aber eher selten. Und das Schnucki spielen sie auf FM4 auch gar nicht, dafür gelegentlich die Repetitivkacke, die sich gleichermaßen als Ohrwurm eignet.
Dabei mag ich FM4, so prinzipiell. Man beneidet uns Österreicher gar um diesen Alternativsender, der auf der Frequenz des früheren multilingualen UN-Senders Blue Danube Radio sendet. Aus dieser Vergangenheit sind dem Sender auch die Nachrichten in englisch und französisch geblieben, dazu die meist englischsprachigen Moderatoren, die in der Morningshow gemeinsam mit deutschsprachigen eine unterhaltsame multilinguale Melange zusammenplaudern. FM4 ist das wohltuende Gegenstück zu Chart-Mainstreamsendern wie beispielsweise Ö3. Wo sonst hört man Tori Amos, Heinz aus Wien, Aqualung oder die Remixes von Kruder & Dorfmeister, aber auch mal alte Jazz-Klassiker?
Auch eine Plattform für heimische Bands gibt es, und das ist schön, denn es wird gute Musik gemacht in diesem Land. Das war übrigens auch schon vor FM4 so. Allerdings wurde da prinzipiell nichts im Radio gespielt, was nicht aus dem Ausland kam, was ja offenbar schon für sich als Qualitätskriterium gilt, oder aber bereits durch alteingesessene Freunderlwirtschaft dort verankert war. Dies beschränkte sich im Schnitt auf etwa 3,7 inländische Interpreten. Was also früher an den gestrengen Schergen der Mainstreamwache nie und nimmer vorbeigekommen wäre, darf sich dem Land heute zuweilen auf FM4 präsentieren. Und der Hörer wärmt sich an dem Schein, ihm würde nicht mehr diktiert, was ihm gefallen darf.
Erfreulich ist die bescheidene Eigenwerbung in Form von Signations. 'F-M-4'. Maximal noch ein 'You're at home, baby' hinterher. Danke, das wars, weiter im Programm. Kein Vergleich zu den Litaneien auf anderen Sendern, in denen dir nach jedem gespielten Titel in quälender Langsamkeit aufgezählt wird, aus welchen Ären - und zwar gesondert nach Jahrzehnten - die tollen Hits, goldenen Oldies und genialen Hyper-Superschlager stammen. Danach werden dir freilich noch die tunlichst vierstimmig gesungenen Frequenzziffern in die Ohren gejagt. Nur mit dem Ausdruck 'die Nuller-Jahre' für das aktuelle Jahrzehnt wurden wir erstaunlicherweise bislang verschont.
Eine wie immer geartete Erlesenheit des FM4-Konsumenten lässt sich aus dem Gesendeten freilich nicht ableiten. Wenngleich es durchaus vorkommt, dass dort ein Stück zu hören ist, das später in die Charts einsteigt, hat es freilich noch niemanden zu einem besseren Menschen gemacht, dass er 'das schon viel früher gekannt hat' als die verachtenswerten Mainstream-Hörer. Wie exquisit müssten sich denn die betreffenden Songwriter da erst fühlen?
Umso beachtlicher ist es, dass mir immer wieder Leute unterkommen, die sich als FM4-Hörer für etwas ganz Besonderes halten und diese Tatsache in ihre oft generelle Mitteilsamkeit beiläufig einfließen lassen. Würde ich in Schubladen denken, dann befände sich diese Möchtegern-Hörerelite nur einen schmalen Wachspapiersaum entfernt von jenen Leuten, die nicht müde werden, mir die Minderwertigkeit von Windows gegenüber Mac mitzuteilen, oder auch die offenbar wissenschaftlich erwiesene Tatsache, dass Genesis mit Peter Gabriel viel besser waren als mit Phil Collins.
Es werden natürlich auf FM4 auch Musikrichtungen gespielt, die mir den letzten Nerv ziehen, Rap zum Beispiel, oder Badum-bumm, und andere, für deren Genre ich gar keine Bezeichnung kenne. Indessen habe ich dort großartige Indie-Bands kennengelernt, Musik, die auf anderen Sendern keinesfalls in den Player darf. Darin wiederum liegt eine Kehrseite verborgen, denn es erscheint mir, als würde bei der FM4-Musikauswahl mitunter allzu eilfertig auf Qualität verzichtet zugunsten dieser einen Begründung: 'Ö3 tät des niemois senden. Des spü ma.' Besonders independent finde ich das nicht.
Völlig unabhängig von diesen Betrachtungen würde ich jetzt aber gern meinen Song zu Ende bringen. Die Bridge. D-Dur ist gut.
Und völlig ausreichend. Ich baue jetzt meine Bridge aus nur einem Akkord und einem einzigen Satz: Leaving for the madhouse. Eigentlich eh net schlecht, denke ich, das steht da schon, ist leicht zu merken, und es sagt zudem aus, was ich empfinde. Zu mehr fehlt mir jetzt echt die Aufmerkdings. Ich kann mich nämlich bei dem Lärm von da drüben einfach nicht Badum-bumm.
Ein neuer entsteht in genau diesem Moment. Die Harmonien tragen meinen zuvor ausformulierten Seelenstriptease durch die Takte, die Strophe schwebt zwischen Major7- und Moll-Akkorden. Dann, im Refrain, ändert sich die Grundtonart zwar nach Dur, aber die Harmonien schleichen in den ersten Zeilen scheu um sie herum, im harmonischen Widerstand gegen die ersehnte Auflösung. Erst in der letzten Zeile des Refrains erlöse ich den Zuhörer - aber nur ganz kurz, er soll ja keinen Glücksrausch kriegen in diesem traurigen Stück. Wunderbar! Und jetzt zur Bridge, da könnte jetzt nochmal die Tonart wechseln, vielleicht nach...
Badum-bumm.
Na toll. Der wahnsinnige Teenager von nebenan ist heimgekommen.
Badum-bumm.
Er hat soeben das bis zum Anschlag aufgedreht, was er versehentlich für Musik hält. Gnade!
Badum-bumm.
Ich kriege einen zornigen Schweißausbruch.
Wozu gebe ich mir hier eigentlich Mühe? Warum anspruchsvolle Musik schreiben, wenn Badum-bumm? Mit seiner Anlage könnte der Nachbar mühelos eine mittelgroße Diskothek beschallen, die Bässe fressen sich so spielend durch die Hauswand wie Holzwürmer durch Fichte. Jedes Stück dauert zwanglose fünfzehn Minuten. Oder zwanzig. Und es ist immer das selbe, immer das selbe, immer Badum-bumm.
Eine kurze Pause entsteht. Meine Endorphine bereiten sich schon zum Andocken vor. Jedoch, zu früh: Die nächste Nummer kommt gleich hinterher. Buzk-buzk-buzk. Es sägt an meinen Nerven. Und an meiner Meinung über den Nachbarteenie. Wie schlicht muss man eigentlich geistig sein, um sich so einen Scheiß in dieser Lautstärke und Häufigkeit reinzuziehen? Henne oder Ei? Fährt man auf diese Musik ab, weil einem von Natur aus ein paar Hirnwindungen fehlen? Oder führt die Musik ihrerseits dazu, dass unbenutzte Areale nach und nach abgebaut werden?
Bei diesem Gedanken hatte ich bislang immer das Stoppschild gezückt. Toleranz! Bestimmt ist an seiner Musik etwas mehr dran als das, was ich davon mitkriege. Schließlich werden mir nur die Mauerbässe serviert. Daran hatte ich eisern festgehalten, bis zu jenem Tag vor vier Wochen, als seine Eltern verreist waren, und er eine Gartenparty gab. Was da aus den Lautsprechern quoll und in unseren Garten herüberschallte, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte, war ebenso anspruchslos wie die Version, die ich bereits kannte - nur um ein Vielfaches lauter. Seine gehörgeschädigten Freunde brüllten einander neben den Boxen anspruchslose Sätze zu. Badum-bumm. Buzk-buzk. Stundenlang. Diese Art von dumpfer Meditation würde bei mir zu infernalischer Langeweile führen mit der Endstation geschlossene Psychiatrie.
Repetitivkacke. So nenne ich auch das, was mich häufig dazu bringt, von unserem österreichischen Alternativ-Radiosender FM4 wegzuzappen.
Komponieren, das muss man wissen, kann nämlich ausgesprochen einfach sein. Man nehme eine Akkordfolge aus maximal drei Akkorden, darunter lege man buzk-buzk oder Vergleichbares, und darüber einen beliebigen Satz, von mir aus 'Leaving for the madhouse.' Wer braucht schon Strophen, Refrain oder gar eine Bridge? Man will ja nichts aussagen. Man lässt den Sänger einfach den gewählten Satz einmal draufsingen. Alles andere ist copy-paste.
Als ob das Gerät mich hören könnte, erkläre ich dem Radio nach dem fünften oder sechsten 'Leaving for the madhouse' meistens sowas wie 'Ja, ich habe das jetzt verstanden', und meine zuvor noch zarte Hoffnung auf Abwechslung wächst ins Unermessliche. Nach dem achten Mal schalte ich gnadenlos um.
Meistens zu spät, denn ich bin überaus anfällig für Ohrwürmer, je dämlicher, umso besser. Gerne auch von Weihnachts- oder Kirchenliedern. Unlängst, nach einem Tagesohrwurm von 'Schnucki, ach Schnucki', einem alten Wiener Kabarettlied, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz: Dass nämlich ein 'wüder Tippisch' nicht etwa eine Sonderbezeichnung für einen wilden, etwas übergewichtigen Indianer von kleinem Wuchse ist, der einer Squaw nachschleicht, wovon ich bis zu jenem Ohrwurmtage überzeugt war, seit meiner Kindheit, die - wie in diesem Land vielerorts üblich - bis zum zehnten Lebensjahr relativ dialektbefreit abgelaufen war. Nein, es handelt sich vielmehr um das Wort 'typisch' in seiner Dialektform, wodurch auch plötzlich das Adverb nicht mehr fehlte in dem Satz 'Das ist, sprach sie drauf schnippisch, für so an Wüden tippisch.' Toll!
Eine so enorme Erkenntnis aufgrund eines Ohrwurmes ist bei mir aber eher selten. Und das Schnucki spielen sie auf FM4 auch gar nicht, dafür gelegentlich die Repetitivkacke, die sich gleichermaßen als Ohrwurm eignet.
Dabei mag ich FM4, so prinzipiell. Man beneidet uns Österreicher gar um diesen Alternativsender, der auf der Frequenz des früheren multilingualen UN-Senders Blue Danube Radio sendet. Aus dieser Vergangenheit sind dem Sender auch die Nachrichten in englisch und französisch geblieben, dazu die meist englischsprachigen Moderatoren, die in der Morningshow gemeinsam mit deutschsprachigen eine unterhaltsame multilinguale Melange zusammenplaudern. FM4 ist das wohltuende Gegenstück zu Chart-Mainstreamsendern wie beispielsweise Ö3. Wo sonst hört man Tori Amos, Heinz aus Wien, Aqualung oder die Remixes von Kruder & Dorfmeister, aber auch mal alte Jazz-Klassiker?
Auch eine Plattform für heimische Bands gibt es, und das ist schön, denn es wird gute Musik gemacht in diesem Land. Das war übrigens auch schon vor FM4 so. Allerdings wurde da prinzipiell nichts im Radio gespielt, was nicht aus dem Ausland kam, was ja offenbar schon für sich als Qualitätskriterium gilt, oder aber bereits durch alteingesessene Freunderlwirtschaft dort verankert war. Dies beschränkte sich im Schnitt auf etwa 3,7 inländische Interpreten. Was also früher an den gestrengen Schergen der Mainstreamwache nie und nimmer vorbeigekommen wäre, darf sich dem Land heute zuweilen auf FM4 präsentieren. Und der Hörer wärmt sich an dem Schein, ihm würde nicht mehr diktiert, was ihm gefallen darf.
Erfreulich ist die bescheidene Eigenwerbung in Form von Signations. 'F-M-4'. Maximal noch ein 'You're at home, baby' hinterher. Danke, das wars, weiter im Programm. Kein Vergleich zu den Litaneien auf anderen Sendern, in denen dir nach jedem gespielten Titel in quälender Langsamkeit aufgezählt wird, aus welchen Ären - und zwar gesondert nach Jahrzehnten - die tollen Hits, goldenen Oldies und genialen Hyper-Superschlager stammen. Danach werden dir freilich noch die tunlichst vierstimmig gesungenen Frequenzziffern in die Ohren gejagt. Nur mit dem Ausdruck 'die Nuller-Jahre' für das aktuelle Jahrzehnt wurden wir erstaunlicherweise bislang verschont.
Eine wie immer geartete Erlesenheit des FM4-Konsumenten lässt sich aus dem Gesendeten freilich nicht ableiten. Wenngleich es durchaus vorkommt, dass dort ein Stück zu hören ist, das später in die Charts einsteigt, hat es freilich noch niemanden zu einem besseren Menschen gemacht, dass er 'das schon viel früher gekannt hat' als die verachtenswerten Mainstream-Hörer. Wie exquisit müssten sich denn die betreffenden Songwriter da erst fühlen?
Umso beachtlicher ist es, dass mir immer wieder Leute unterkommen, die sich als FM4-Hörer für etwas ganz Besonderes halten und diese Tatsache in ihre oft generelle Mitteilsamkeit beiläufig einfließen lassen. Würde ich in Schubladen denken, dann befände sich diese Möchtegern-Hörerelite nur einen schmalen Wachspapiersaum entfernt von jenen Leuten, die nicht müde werden, mir die Minderwertigkeit von Windows gegenüber Mac mitzuteilen, oder auch die offenbar wissenschaftlich erwiesene Tatsache, dass Genesis mit Peter Gabriel viel besser waren als mit Phil Collins.
Es werden natürlich auf FM4 auch Musikrichtungen gespielt, die mir den letzten Nerv ziehen, Rap zum Beispiel, oder Badum-bumm, und andere, für deren Genre ich gar keine Bezeichnung kenne. Indessen habe ich dort großartige Indie-Bands kennengelernt, Musik, die auf anderen Sendern keinesfalls in den Player darf. Darin wiederum liegt eine Kehrseite verborgen, denn es erscheint mir, als würde bei der FM4-Musikauswahl mitunter allzu eilfertig auf Qualität verzichtet zugunsten dieser einen Begründung: 'Ö3 tät des niemois senden. Des spü ma.' Besonders independent finde ich das nicht.
Völlig unabhängig von diesen Betrachtungen würde ich jetzt aber gern meinen Song zu Ende bringen. Die Bridge. D-Dur ist gut.
Und völlig ausreichend. Ich baue jetzt meine Bridge aus nur einem Akkord und einem einzigen Satz: Leaving for the madhouse. Eigentlich eh net schlecht, denke ich, das steht da schon, ist leicht zu merken, und es sagt zudem aus, was ich empfinde. Zu mehr fehlt mir jetzt echt die Aufmerkdings. Ich kann mich nämlich bei dem Lärm von da drüben einfach nicht Badum-bumm.


boomerang
am 20. Okt, 10:28
besonders viel genickt habe ich beim vergleich der mac-preiser mit den fm4-off-mainstream-predigern. die gehen mir auch beide auf die socken.