
Ich mach' das dann morgen...
Mein alter Deutschleherer prägte mich, naiv wie ich damals ja glücklicherweise noch war. Seither habe ich ein bilaterales Verhältnis zur Bewegung. Bewegung ist schon eine schöne Sache, wer viel in Bewegung ist, sieht viel. Wer viel sieht, lernt viel. Wer viel lernt, ist gebildet und kommt beim anderen Geschlecht unübertrefflich gut an. Und wer beim anderen Geschlecht gut ankommt, hat mehr Sex und somit mehr Lebensqualität. Vorausgesetzt, man bewegt sich dabei. Denn wieviel Freude bringt schon eine statische Kohabitation; nicht umsonst produziert unser Körper doch natürliches Gleitmittel in Form von Vaginalsekret, respektive Präejakulat (auch "liquor of love"). So gesehen ein klares "Pro Bewegung".
Mein alter Deutschlehrer mochte dick belegte Pizza, geröstete Erdnüsse und zapffrisches Bier. Das Alles am liebsten vor dem Fernseher. Und wie das bei einem Mentor nunmal so ist: man plagiiert. Ich habe diese Art von Lifestyle also zwischen meinem neunzehnten und zweiundzwanzigsten Lebensjahr auf meine Weise reproduziert. Und für gut befunden. Denn Stillstand bedeutete Ruhe. Und irgendwie liegt doch in der Ruhe die Kraft. Und kräftig will man doch sein, denn wer kräftig ist kommt beim anderen Geschlecht unübertrefflich gut an. Und wer beim anderen Geschlecht gut ankommt, hat mehr Sex und somit mehr Lebensqualität. Schnell stellte ich jedoch fest, dass dies nicht funktioniert, wenn man aussieht wie der Sohn von Roseanne Barr und Jack Osbourne, mit der Gesichtshaut von Keith Richards und dem Charisma von Miroslav Klose. Auch ohne weiche Drogen wurde ich aufgrund meines miserablen BMI's träge und als ich zum Blutspenden ging, wies man mir sofort 4 Zivis zu. Ich fing also wieder an, mich zu bewegen.
Mein alter Deutschlehrer wollte sich auch wieder bewegen, wieder etwas Gewicht reduzieren. Bezüglich der Realisierung entschied er sich für Nordic Walking und frug ausgerechnet mich nach einer Wertung. Natürlich war mir klar, dass Nordic Walking (dessen Schöpfer eine Koryphäe im Bereich der Selbstunterschätzung und Monotonie sein musste) das neue TrimmDich war, nur in faulenziger. Nordic Walking hat so viel mit Bewegung zu tun, wie Elton John mit Still_stand. Ich meine, ich bewundere sie ja, diese Nordic Walker. Was müssen die für ein Ego haben, bei all der Gehweg Versperrerei und Stock-in-Speichen-Steckerei; wer wurde noch nicht von so einem weggegrätscht? Dann diese Selbstironie. Wer kann Nachts ohne zu weinen einschlafen, wenn er allabendlich lauthals von Passanten und Nachbarnskindern 60 Minuten am Stück ausgelacht wird? Dennoch sagte ich: "Gut! Nordic Walking ist gut. Auch schonender für die Gelenke, machen sie mal!".
Mein alter Deutschleherer war nämlich ein Arschloch. Jetzt wo ich weiss, dass er uns nur mit fadenscheinigen Argumenten das Kiffen vermiesen wollte, selbst aber mindestens fünf der sieben Todsünden in Perfektion auslebte! Jetzt, wo klar ist, dass Erdnüsse und Faßbier im Sitzen schlimmere Tränensäcke machen als ein "Schindler's Liste" Film-Marathon. Und jetzt, wo meine Waden von Nordic-Walkstöcken zerschunden sind und der träge Sack bis zur Rente auf meine Kosten jedes Jahr 12 Wochen Urlaub hatte - jetzt ist doch meine ganze Weltanschauung zerrüttet! Nicht viel, was bleibt. Das Einzige, was ich jetzt mit Gewissheit sagen kann: Bewegung ist Fortschritt. Aber Morgen ist auch noch ein Tag.




digga
am 29. Sep, 01:16
am 29. Sep, 01:18
hey, digga, Du kommst Dir wohl sehr schlau vor, was?
am 29. Sep, 09:18
Welche Melange meines Deutschlehrers meinen Sie genau?