
Vive la révolution! Vive le chocolat!
von twoblog
Es gibt immer wieder Menschen, die behaupten, dass sich in der Schweiz nichts bewege und ich kann dazu nur immer sagen, dass oft genau das Gegenteil der Fall ist.
Ich bin Schweizer. Und ich esse gerne Schokolade. Und im Grunde genommen sind wir damit schon mittendrin in einer ziemlich grossen Bewegung in der zugegeben zwar kleinen, aber eben auch sehr feinen Schweiz.
Abgesehen davon, dass die Schweizer mit einem Konsum von 11,6 Kilogramm Schokolade pro Person und Jahr die Weltmeister im Geniessen von Schokolade sind, müsste ich mich dann wohl Mister Universum du Chocolat nennen, denn ich lasse schon seit Jahren auf meiner verwöhnten Zunge weit mehr als der Durchschnitt dahinschmelzen.
Und ich mache noch eine Ausnahme, da ich nur eine Marke bevorzuge, die schon im Namen so fein klingt wie ihre Produkte schmecken. Die Rede ist natürlich von Cailler, 1819 in dieses süsse Leben geboren, welches die älteste Marke in der Schokoladen-Industrie ist. Und bitte stellen Sie sich an dieser Stelle einfach einmal vor, dass Cailler jährlich 160'000 Tonnen feinster „Schoki“ herstellt.
Da muss ich sie doch fragen: „Ist das nicht süss?“
In diese Traditionsmarke kam vor ein paar Monaten eine Bewegung, die einem Schokoladenbeben entsprach, das auf der Kakaoscala die Zahl 10 zu überschreiten schien.
Cailler gehört seit 1929 zu Nestlé und Nestlé holte sich vor nicht allzu langer Zeit einen neuen „Chef Schweiz“.
Eine Frau ist es und sie hat vorher alles andere gemanagt,
nur eben so gar keine feine Schokolade.
Neue Besen kehren bekanntlich gut und so machte sich diese Dame von der ersten Minute ans Werk und stellte das Markenbild von Cailler fast vollkommen auf den Kopf.
Aus Cailler wurde Cailler of Switzerland, das macht man heute so in Zeiten der Globalisierung, und weil der Marke ein internationales Flair eingehaucht und aufgepfropft wurde, bestellte die Dame einen weltberühmten Herren aus der Welt der Architektur und bat ihn und sein Atelier, sie mögen doch ein neues Packungsdesign für Cailler aus dem Hut zaubern. Ein teures Projekt wurde angeschoben.
An dieser Stelle darf ich erwähnen, dass die Beteiligten sich auch schon vor dem Eintauchen in die Welt der feinen Schokoladen gut kannten, man nennt das witzigerweise auch im Land der Schokoladenberge gerne Seilschaft, und die Dame zu diesem Zeitpunkt bei Nestlé wohl noch die Carte blanche im Hause hatte. Diese Zeit ist allerdings vorüber. In der Presse munkelt man alles und nichts, aber das soll uns hier nicht weiter beschäftigen, denn nun kommen wir zum eigentlichen Drama dieses Artikels:
Bei den vollkommen neuen Verpackungen verzichtete man wie bis anhin auf Papier und entschied sich für PED, was keine Evolution sondern eben eher eine Revolution war. Interessant ist, dass die Manager auf der Schokoladenseite auf die Idee mit dem PED kamen und der Architekt es von Anfang an deutlich ablehnte, solch ein absolut unübliches und umweltunfreundliches Material für die Verpackung der Schokoladen von Cailler zu verwenden.
Unvorstellbar, das sich dieser berühmte Stararchitekt nicht durchsetzen konnte und somit der Unmut ungezählter Verbraucher seinen Lauf nahm. Eine Marktforschung ist offensichtlich auch erst gar nicht unternommen worden.
Wer will denn Schokolade lieben, die in PED verpackt ist?
Als ich, der grosse Cailler-Geniesser und Kenner vieler Bauten des Stararchitekten, die ersten Packungen im Handel fand, war ich zunächst angetan über den Mut, aber ich war auch sofort sicher, dass das ein schweres Unterfangen sei und ich war etwas verärgert, weil ich den Markenrelaunch auch noch bezahlen durfte, denn Cailler war über Nacht spürbar teurer geworden. Auch das noch.
Einer der ganz grossen Detailhändler in der Schweiz weigerte sich, die Preiserhöhung auf seine Kunden abzuwälzen und bezeichnete das Ganze sofort als einen Marketing-Gag und überwarf sich mit Cailler, hoppla.
Nun geschah der feinen Schokolade etwas, das ihr einfach nie passieren darf. Ihre Umsätze waren und sind nicht gut, aber noch hofft man auf das grosse Geschäft mit den besseren Umsätzen im Herbst und an Weihnachten und teilweise hat man die PED Verpackungen wieder durch Papier ersetzt, welches allerdings metallischen Charakter hat und auch so Cailler so etwas wie neuen Glamour gibt.
Ich werde dennoch in Zukunft meine heissgeliebte Cailler essen, denn nur weil eine etwas schokoladenunerfahrene Managerin und ein Stararchitekt, dem man nicht zuhören wollte, irgendwie eine Zeit lang auf dem Drahtseil des Marketings herumhüpften, werde ich mir doch den Appetit an etwas vom Allerfeinsten nicht verderben lassen.
Ich bin ja schliesslich eben ziemlich caillersüchtig.
Falls Sie Cailler nicht kennen, sorry, falls Sie Cailler of Switzerland nicht kennen, dann empfehle ich Ihnen den Gang zum nächsten Schokoladen-Regal. Sie schmeckt nämlich unvergleichlich wunderbar, diese Cailler.
Und da können mir alle anderen Marken, auch die aus anderen Ländern sagen, was sie wollen, ich schwöre auf Cailler. Aber die Story mit dem PED, die war und ist nun wirklich gar nicht lustig und hat so gar nichts Süsses. Nur eines sagt die Geschichte: In der Schweiz ist Bewegung.
Ich bin Schweizer. Und ich esse gerne Schokolade. Und im Grunde genommen sind wir damit schon mittendrin in einer ziemlich grossen Bewegung in der zugegeben zwar kleinen, aber eben auch sehr feinen Schweiz.
Abgesehen davon, dass die Schweizer mit einem Konsum von 11,6 Kilogramm Schokolade pro Person und Jahr die Weltmeister im Geniessen von Schokolade sind, müsste ich mich dann wohl Mister Universum du Chocolat nennen, denn ich lasse schon seit Jahren auf meiner verwöhnten Zunge weit mehr als der Durchschnitt dahinschmelzen.
Und ich mache noch eine Ausnahme, da ich nur eine Marke bevorzuge, die schon im Namen so fein klingt wie ihre Produkte schmecken. Die Rede ist natürlich von Cailler, 1819 in dieses süsse Leben geboren, welches die älteste Marke in der Schokoladen-Industrie ist. Und bitte stellen Sie sich an dieser Stelle einfach einmal vor, dass Cailler jährlich 160'000 Tonnen feinster „Schoki“ herstellt.
Da muss ich sie doch fragen: „Ist das nicht süss?“
In diese Traditionsmarke kam vor ein paar Monaten eine Bewegung, die einem Schokoladenbeben entsprach, das auf der Kakaoscala die Zahl 10 zu überschreiten schien.
Cailler gehört seit 1929 zu Nestlé und Nestlé holte sich vor nicht allzu langer Zeit einen neuen „Chef Schweiz“.
Eine Frau ist es und sie hat vorher alles andere gemanagt,
nur eben so gar keine feine Schokolade.
Neue Besen kehren bekanntlich gut und so machte sich diese Dame von der ersten Minute ans Werk und stellte das Markenbild von Cailler fast vollkommen auf den Kopf.
Aus Cailler wurde Cailler of Switzerland, das macht man heute so in Zeiten der Globalisierung, und weil der Marke ein internationales Flair eingehaucht und aufgepfropft wurde, bestellte die Dame einen weltberühmten Herren aus der Welt der Architektur und bat ihn und sein Atelier, sie mögen doch ein neues Packungsdesign für Cailler aus dem Hut zaubern. Ein teures Projekt wurde angeschoben.
An dieser Stelle darf ich erwähnen, dass die Beteiligten sich auch schon vor dem Eintauchen in die Welt der feinen Schokoladen gut kannten, man nennt das witzigerweise auch im Land der Schokoladenberge gerne Seilschaft, und die Dame zu diesem Zeitpunkt bei Nestlé wohl noch die Carte blanche im Hause hatte. Diese Zeit ist allerdings vorüber. In der Presse munkelt man alles und nichts, aber das soll uns hier nicht weiter beschäftigen, denn nun kommen wir zum eigentlichen Drama dieses Artikels:
Bei den vollkommen neuen Verpackungen verzichtete man wie bis anhin auf Papier und entschied sich für PED, was keine Evolution sondern eben eher eine Revolution war. Interessant ist, dass die Manager auf der Schokoladenseite auf die Idee mit dem PED kamen und der Architekt es von Anfang an deutlich ablehnte, solch ein absolut unübliches und umweltunfreundliches Material für die Verpackung der Schokoladen von Cailler zu verwenden.
Unvorstellbar, das sich dieser berühmte Stararchitekt nicht durchsetzen konnte und somit der Unmut ungezählter Verbraucher seinen Lauf nahm. Eine Marktforschung ist offensichtlich auch erst gar nicht unternommen worden.
Wer will denn Schokolade lieben, die in PED verpackt ist?
Als ich, der grosse Cailler-Geniesser und Kenner vieler Bauten des Stararchitekten, die ersten Packungen im Handel fand, war ich zunächst angetan über den Mut, aber ich war auch sofort sicher, dass das ein schweres Unterfangen sei und ich war etwas verärgert, weil ich den Markenrelaunch auch noch bezahlen durfte, denn Cailler war über Nacht spürbar teurer geworden. Auch das noch.
Einer der ganz grossen Detailhändler in der Schweiz weigerte sich, die Preiserhöhung auf seine Kunden abzuwälzen und bezeichnete das Ganze sofort als einen Marketing-Gag und überwarf sich mit Cailler, hoppla.
Nun geschah der feinen Schokolade etwas, das ihr einfach nie passieren darf. Ihre Umsätze waren und sind nicht gut, aber noch hofft man auf das grosse Geschäft mit den besseren Umsätzen im Herbst und an Weihnachten und teilweise hat man die PED Verpackungen wieder durch Papier ersetzt, welches allerdings metallischen Charakter hat und auch so Cailler so etwas wie neuen Glamour gibt.
Ich werde dennoch in Zukunft meine heissgeliebte Cailler essen, denn nur weil eine etwas schokoladenunerfahrene Managerin und ein Stararchitekt, dem man nicht zuhören wollte, irgendwie eine Zeit lang auf dem Drahtseil des Marketings herumhüpften, werde ich mir doch den Appetit an etwas vom Allerfeinsten nicht verderben lassen.
Ich bin ja schliesslich eben ziemlich caillersüchtig.
Falls Sie Cailler nicht kennen, sorry, falls Sie Cailler of Switzerland nicht kennen, dann empfehle ich Ihnen den Gang zum nächsten Schokoladen-Regal. Sie schmeckt nämlich unvergleichlich wunderbar, diese Cailler.
Und da können mir alle anderen Marken, auch die aus anderen Ländern sagen, was sie wollen, ich schwöre auf Cailler. Aber die Story mit dem PED, die war und ist nun wirklich gar nicht lustig und hat so gar nichts Süsses. Nur eines sagt die Geschichte: In der Schweiz ist Bewegung.


nahlinse
am 29. Sep, 09:06
Ach ja, wissen Sie was richtig gut ist? Dass Sie Ihre Artikel hier nicht löschen können.
am 29. Sep, 10:28
Liebe Frau Nahlinse, versuchen Sie, an die Cailler Vollmilch mit ganzen Nüssen heranzukommen. Ist aussen blau, diese Packung.
Für mich das Nonplusultra. Ja, löschen kann ich hier nicht.
am 10. Okt, 18:13
Ja ja der Keim das Schokohungers führt mich auch jeden Abend an meinen Kühlschrank, danach ist er leer :-(
LG Anke