
If you love somebody set them free
von banana
Es war nicht das erste Mal, dass ich mich darüber wunderte, was die Menschen so miteinander anstellen, aber aus irgendeinem Grund erinnere ich mich besonders an diesen Abend.
Ich saß auf der Rückbank eines Opel Corsa, auf dem Beifahrersitz saß die Besitzerin des Wagens und am Steuer saß ihr Freund. Sie waren sich uneins. Die Luft war dick und sie schien es zu sein, die die Suppe weiter eindickte. Den Anfang des Zwistes hatte ich nicht mitbekommen, denn ich war in die Angelegenheit erst eingestiegen, als das Mädchen mir den Beifahrersitz mit den Worten "weil du mich nicht heiraten willst!" gegen die Kniescheibe drosch und mir damit meinen Platz im Fond zuwies. Das Knie schmerzte, aber ich mochte mich nicht beschweren. Es schien mir kein günstiger Zeitpunkt zu sein und außerdem war ich nicht gemeint, weder mit der zornigen Klappstuhlattacke, noch mit dem Ehewunsch. Also schwieg ich und rieb mein Knie im Hintergrund. Vorne sagte der Freund etwas, das nach Verteidigung klang, aber zwischen seinen Worten konnte man eine Zukunft aufblitzen sehen, in der er nicht mehr hinter dem Steuer dieses Corsas sitzen würde.
Von meiner Position auf der Rückbank aus sah ich das. Die Frau auf dem Beifahrersitz aber hatte keine so gute Sicht. Sie schimpfte weiter, schoss mit Vorwürfen und rundete alles mit einer Aufzählung von Freundinnen, die bereits von ihren Freunden beantragt worden waren, ab.
Ich sah aus dem Fenster, versuchte zu erhaschen, ob es an den vorbeiwischenden Zigarettenautomaten Mentholzigaretten gab und wunderte mich.
In meiner Welt wurde bis dahin immer aus Liebe geheiratet. Man heiratete, weil man sich nichts Schöneres vorstellen konnte, als mit dem anderen Menschen zusammen zu sein, und meiner Welt war man sich darüber auch immer einig gewesen.
Mittlerweile glaube ich, dass meine eigene Sicht der Dinge darauf zurückzuführen ist, dass ich meine Kindheit in einem Karton voller Erstausgaben von "Morning's at Seven" verbracht habe, eingesperrt und ohne Englischkenntnisse. Die Welt außerhalb des Kartons habe ich nie richtig verstanden.
Ich hing das Erlebte unter die Decke meines Schädels und nahm es erst vier Jahre später wieder herunter, als mir die Geschichte eines Freundes zugetragen wurde, der seine Freundin zum Essen eingeladen hatte. Das war natürlich keine normale Einladung zum Essen; so ein Essen, bei dem man eine Viertelstunde in der Karte blättert, weil man sich nicht entscheiden kann. Ich bin sicher, dass mein Freund schon vor diesem Abend ganz genau wusste, was er bestellen würde, denn gemessen an der Wahl der richtigen Worte für das, was er vorhatte, war die Wahl des Essens lächerlich einfach.
Er stand dann zwischen Hauptgang und Dessert auf, ging direkt vor seiner Freundin und etwas weiter weg von den anwesenden Gästen auf die Knie, hielt einen Ring im aufgeklappten Ringaufgebahrungsgefäß zwischen sie und fragte, ob sie seine Frau werden wollte.
Sie wollte nicht. Der genaue Wortlaut der Absage ist genauso wenig überliefert wie das, was aus dem Dessert geworden ist. Fest steht nur, dass sie seinen Ford danach nicht mehr gefahren hat.
Wieder wunderte ich mich und ich fragte mich, wieso Menschen so eng zusammen sein wollen, obwohl sie doch offensichtlich so weit voneinander entfernt sind.
Ich dachte lange Zeit, der Schlüssel zu der Sache läge in den Automarken. Die Verkaufszahlen der beiden Marken waren aber genauso rückläufig, wie die Zahl der Eheschließungen, während die Zahl der Scheidungen anstieg.
Den Schlüssel kenne ich heute immer noch nicht. Es ist aber wenigstens statistisch belegt, dass es nicht die Autos sind.
Ich saß auf der Rückbank eines Opel Corsa, auf dem Beifahrersitz saß die Besitzerin des Wagens und am Steuer saß ihr Freund. Sie waren sich uneins. Die Luft war dick und sie schien es zu sein, die die Suppe weiter eindickte. Den Anfang des Zwistes hatte ich nicht mitbekommen, denn ich war in die Angelegenheit erst eingestiegen, als das Mädchen mir den Beifahrersitz mit den Worten "weil du mich nicht heiraten willst!" gegen die Kniescheibe drosch und mir damit meinen Platz im Fond zuwies. Das Knie schmerzte, aber ich mochte mich nicht beschweren. Es schien mir kein günstiger Zeitpunkt zu sein und außerdem war ich nicht gemeint, weder mit der zornigen Klappstuhlattacke, noch mit dem Ehewunsch. Also schwieg ich und rieb mein Knie im Hintergrund. Vorne sagte der Freund etwas, das nach Verteidigung klang, aber zwischen seinen Worten konnte man eine Zukunft aufblitzen sehen, in der er nicht mehr hinter dem Steuer dieses Corsas sitzen würde.
Von meiner Position auf der Rückbank aus sah ich das. Die Frau auf dem Beifahrersitz aber hatte keine so gute Sicht. Sie schimpfte weiter, schoss mit Vorwürfen und rundete alles mit einer Aufzählung von Freundinnen, die bereits von ihren Freunden beantragt worden waren, ab.
Ich sah aus dem Fenster, versuchte zu erhaschen, ob es an den vorbeiwischenden Zigarettenautomaten Mentholzigaretten gab und wunderte mich.
In meiner Welt wurde bis dahin immer aus Liebe geheiratet. Man heiratete, weil man sich nichts Schöneres vorstellen konnte, als mit dem anderen Menschen zusammen zu sein, und meiner Welt war man sich darüber auch immer einig gewesen.
Mittlerweile glaube ich, dass meine eigene Sicht der Dinge darauf zurückzuführen ist, dass ich meine Kindheit in einem Karton voller Erstausgaben von "Morning's at Seven" verbracht habe, eingesperrt und ohne Englischkenntnisse. Die Welt außerhalb des Kartons habe ich nie richtig verstanden.
Ich hing das Erlebte unter die Decke meines Schädels und nahm es erst vier Jahre später wieder herunter, als mir die Geschichte eines Freundes zugetragen wurde, der seine Freundin zum Essen eingeladen hatte. Das war natürlich keine normale Einladung zum Essen; so ein Essen, bei dem man eine Viertelstunde in der Karte blättert, weil man sich nicht entscheiden kann. Ich bin sicher, dass mein Freund schon vor diesem Abend ganz genau wusste, was er bestellen würde, denn gemessen an der Wahl der richtigen Worte für das, was er vorhatte, war die Wahl des Essens lächerlich einfach.
Er stand dann zwischen Hauptgang und Dessert auf, ging direkt vor seiner Freundin und etwas weiter weg von den anwesenden Gästen auf die Knie, hielt einen Ring im aufgeklappten Ringaufgebahrungsgefäß zwischen sie und fragte, ob sie seine Frau werden wollte.
Sie wollte nicht. Der genaue Wortlaut der Absage ist genauso wenig überliefert wie das, was aus dem Dessert geworden ist. Fest steht nur, dass sie seinen Ford danach nicht mehr gefahren hat.
Wieder wunderte ich mich und ich fragte mich, wieso Menschen so eng zusammen sein wollen, obwohl sie doch offensichtlich so weit voneinander entfernt sind.
Ich dachte lange Zeit, der Schlüssel zu der Sache läge in den Automarken. Die Verkaufszahlen der beiden Marken waren aber genauso rückläufig, wie die Zahl der Eheschließungen, während die Zahl der Scheidungen anstieg.
Den Schlüssel kenne ich heute immer noch nicht. Es ist aber wenigstens statistisch belegt, dass es nicht die Autos sind.


tata
am 9. Aug, 19:55
dieser satz spricht mir derartig aus der seele...