
Der Herr Schönbohm, Radio Multikulti und überlüssige Begrifflichkeiten.
von Kleinstadtelli
Sommer in Deutschland. In Frankreich. In England. Ganz Europa ächzt und stöhnt – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – unter der „mörderischen“ Hitze. Das Sommerloch ist also dieses Jahr um Myriaden größer als in kälteren Jahren und muss deswegen mit noch viel mehr komischen Vorstößen und Nachrichten gestopft werden. Diesen Anschein erweckt zumindest Herr Schönbohm, seines Zeichens Innenminister Brandenburgs. Der hat nämlich einen Brief geschrieben, der sich mit einer lebenswichtigen Problematik beschäftigt. Es sei, so seine Meinung, doch ganz sinnvoll, Radiomultikulti einen anderen Namen zu geben. Radio Integration nämlich. Oder, noch besser, Radio Schwarz-Rot-Gold, schließlich war ja grad die WM und da hätten ja auch gerade junge Zuwanderer und Zuwandererkinder Begeisterung demonstriert für unsere Nationalfarben. Nun gibt es besagten – übrigens unglaublich guten – Radiosender schon seit 12 Jahren, der Name ist etabliert und – ganz wichtig – auch Programm. Von 17 bis 22 Uhr wechseln sich Sendungen in den unterschiedlichsten Sprachen ab und gerade in lauen Sommernächten kann einem schwindelig werden von dem wunderbar-interessanten, doch mir leider völlig unverständlichen babylonischen Sprachwirrwarr. Und Weltmusik ist bei diesem Wetter ohnehin völlig perfekt. Doch ich schweife ab.
Dass Hannelore Steer, die stellvertretende Intendantin des rbb, zu dem Radiomultikulti gehört, nicht eben händeringend auf solche Vorschläge gewartet hat, ist sicher nicht verwunderlich. Dass in ihrer Stellungnahme dazu ein belustigter Unterton mitschwingt, sicher auch nicht. Und dass Herr Schönbohm ganz fix zurückruderte, nun ganz und gar nicht. Doch warum eigentlich das Ganze – abgesehen von der bereits erwähnten Sommerlochproblematik? Multikulti sei Neben-, Integration nun mal Miteinander und Multikulturalismus ohnehin ein gescheitertes Experiment, bringt Schönbohm den Grund seiner sorgendurchwachten Nächte auf den Punkt.
Doch was heißt das eigentlich genau: Multikulti ist gescheitert und das Schlagwort Integration plötzlich der Weisheit letzter Schluss? Schaut man sich die Definitionen beider Begriffe an, so sind sie sich in ihrer gemäßigten Bedeutung gleich: Kulturelle Eigenheiten behalten, Grund- und Menschenrechte achten, tolerant sein. Also könnte man ja auf eine Multikulti-/Integrationsdebatte – auch über Radiomultikulti hinaus – verzichten, meint der geneigte Leser? Könnte man auch, wenn die beiden Wörter nicht so negativ besetzt wären, die Fronten nicht derart verhärtet. Verwenden Multikulturalisten das Wort „Integration“, so meint man, als Nachsatz „beziehungsweise Assimilation“ zu hören, und stellt sich unwillkürlich eine Horde Gleichmacher vor, die in schönster Borg-Tradition jeglichen Individualismus verdammen und vernichten wollen. Sprechen Integrationsbefürworter indes von „Multikulturalismus“, so stehen unheilsschwanger die viel zitierten Parallelgesellschaften im Raum, voll von Ehrenmorden, Kopftuchdebatten und Negieren der demokratischen Ordnung. Doch während die einzelnen politischen Lager fröhlich vor sich hin debattieren, gefallen sich radikale Islamisten als lebende Bomben und radikale Neonazis als testosteronüberlaufende Schläger, und wähnen sich nicht ohne Grund als Gewinner – ganz in der Tradition der lachenden Dritten. Vielleicht sollte man sich einfach einen neuen Begriff ausdenken, der Multikulturalisten und Integrationsbegeisterte wieder auf die wesentlichen Ziele lenkt – wie wär‘s mit Multigration?
Dass Hannelore Steer, die stellvertretende Intendantin des rbb, zu dem Radiomultikulti gehört, nicht eben händeringend auf solche Vorschläge gewartet hat, ist sicher nicht verwunderlich. Dass in ihrer Stellungnahme dazu ein belustigter Unterton mitschwingt, sicher auch nicht. Und dass Herr Schönbohm ganz fix zurückruderte, nun ganz und gar nicht. Doch warum eigentlich das Ganze – abgesehen von der bereits erwähnten Sommerlochproblematik? Multikulti sei Neben-, Integration nun mal Miteinander und Multikulturalismus ohnehin ein gescheitertes Experiment, bringt Schönbohm den Grund seiner sorgendurchwachten Nächte auf den Punkt.
Doch was heißt das eigentlich genau: Multikulti ist gescheitert und das Schlagwort Integration plötzlich der Weisheit letzter Schluss? Schaut man sich die Definitionen beider Begriffe an, so sind sie sich in ihrer gemäßigten Bedeutung gleich: Kulturelle Eigenheiten behalten, Grund- und Menschenrechte achten, tolerant sein. Also könnte man ja auf eine Multikulti-/Integrationsdebatte – auch über Radiomultikulti hinaus – verzichten, meint der geneigte Leser? Könnte man auch, wenn die beiden Wörter nicht so negativ besetzt wären, die Fronten nicht derart verhärtet. Verwenden Multikulturalisten das Wort „Integration“, so meint man, als Nachsatz „beziehungsweise Assimilation“ zu hören, und stellt sich unwillkürlich eine Horde Gleichmacher vor, die in schönster Borg-Tradition jeglichen Individualismus verdammen und vernichten wollen. Sprechen Integrationsbefürworter indes von „Multikulturalismus“, so stehen unheilsschwanger die viel zitierten Parallelgesellschaften im Raum, voll von Ehrenmorden, Kopftuchdebatten und Negieren der demokratischen Ordnung. Doch während die einzelnen politischen Lager fröhlich vor sich hin debattieren, gefallen sich radikale Islamisten als lebende Bomben und radikale Neonazis als testosteronüberlaufende Schläger, und wähnen sich nicht ohne Grund als Gewinner – ganz in der Tradition der lachenden Dritten. Vielleicht sollte man sich einfach einen neuen Begriff ausdenken, der Multikulturalisten und Integrationsbegeisterte wieder auf die wesentlichen Ziele lenkt – wie wär‘s mit Multigration?
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