
alles macht weiter wie bisher
von mauszfabrick
es muss um das jahr 2003 herum gewesen sein, als a. und ich anfingen, die blöde zeit, bevor konzerte anfangen, mit dem band-t-shirts-suchspiel abzukürzen. das spiel hatte von mal zu mal (und manchmal auch am selben abend) sich ändernde regeln, sodass das beherrschen der regeln schon weit mehr als die halbe miete war. fast immer bekam man jedoch 20 punkte für das sichten einer xiuxiu-t-shirt-träger/in. später nahmen wir auch andere t-shirts als bandleibchen auf, es gab punkte für ländershirts (im derzeitigen wahnsinn würde das wohl wenig spaß machen), mickeymouse-retroshirts und alles andere, was es bei h&m im lauf der jahre zu kaufen gab. für wirsindhelden-shirts und die band des abends gab es natürlich immer minuspunkte.
irgendwann, wohl so um das jahr 2005, haben wir mit dem spiel dann aufgehört. dummerweise bemerkten wir erst, dass das spiel eigentlich vorbei war, als es schon vorbei war, also zu spät. wie war es soweit gekommen? wie hatten wir das veralbern der bandshirtmode erst nach der mode lassen können?
beim ersten musikfestival, das ich besuchte, trug ich, wie ich es in meiner provinzheimatstadt gelernt hatte, dass es sich gehört, das shirt meiner lieblingsband, die headlinete. noch während ich eine nachmittagsband anguckte, dreht sich das mädchen, das vor mir stand, um und sagte, da sei wohl einer fan der band x (name dem autor bek., geänd.), in einem tonfall, mit dem man heutzutage pete-doherty-hüte und -gesichtsausdrücke kommentieren würde. ich war nicht beleidigt, ich war verwirrt.
noch früher hatte ich es diffus unauthentisch gefunden, sich überhaupt mit dingen wie anziehsachen zu beschäftigen. (ähnlich jener phase im leben jedes normalen jungen menschen, in der man sich weigert, sich in einen diskurs über sich zu begeben, weil das schon denen ihr spiel spielen wäre. man ist gewissermaßen noch nicht zur sprache gekommen: weil man keine geschichte für sich erfunden hat, bringt man der welt, die man ablehnt, nur schweigen entgegen. das zeichen ist denen ihres, da mitzumachen kann man sich entblöden. 15-jährige denken nun mal nicht sonderlich dialektisch.)
dann wurde alles besser und bescheidenes gemüt, das ich bin, hatte ich mich dann in meiner provinzstadt immer (ca. alle sechs monate) gefreut, einen menschen mit einem t-shirt von radiohead oder fink zufällig auf straße zu sehen. es ist natürlich schwer zu entscheiden, ob es mich in den späten neunzigern nur meine ontogenese, die mir gerade die lesbarkeit der welt eröffnete, glauben ließ oder ob die phylogenese der welt tatsächlich gerade an dem punkt angelangt war, als band-t-shirts wieder tragbar wurden, jedenfalls: es wurden immer mehr.
zu viele, um alle noch von guten menschen bewohnt zu werden, das wurde sogar mir unter anderem auch auf meinem ersten festival klar. in seiner verwirrung wendet sich der junge mensch gern der geschichte zu und so lernte ich, dass dieses dilemma, dem ich bald alberne namen wie distinktion durch differenz geben konnte, so alt wie der brauchbarere teil der menschheitsgeschichte war. in den frühen achtzigern noch als ironie missverstanden, galt das prinzip des noch – nicht mehr – schon wieder in den frühen nullzigern, die mein nun halbwegs geschultes herz erlebte, noch immer. wie jedes zeichen braucht auch das bandshirt ständig neue grenzen, um frisch zu bleiben. genügen im stadium des noch noch die früher für statthaft gehaltenen normalen shirts, muss sich das coole bandshirt im stadium des nicht-mehr von den jetzt auch schon wieder uncoolen gewöhnlichen band-t-shirts abgrenzen. nach einem kurzen dekadenzgeplänkel mit zuerst ironisch getragenen, dann ironisch-unironisch getragenen shirts von slayer, ramones und led zep (kiss, guns'n'roses, nkitb, man ergänze selbst, es ist ein weites feld) waren bandshirts dann ganz vorbei, nur kurz, bevor es sie bei h&m gab, dem kackladen.
provinzkinder, die wir sind, hatten wir also bei unseren besuchen in den großen städten erst den niedergang des zeichens belächelt, anstatt das neue frische zeichen selbst, wie es sich gehört hätte. wir waren auch nicht besser und haben es noch nicht einmal gewusst. letzte woche war ich übrigens bei der eröffnung der poolbar. die dortigen jungen menschen hatten schon wieder band-t-shirts an und die haben natürlich immer recht. so gesehen war nicht alles geld für nichts, das good old kulturindustrie mir für fetzen aus der tasche gezogen hat.
irgendwann, wohl so um das jahr 2005, haben wir mit dem spiel dann aufgehört. dummerweise bemerkten wir erst, dass das spiel eigentlich vorbei war, als es schon vorbei war, also zu spät. wie war es soweit gekommen? wie hatten wir das veralbern der bandshirtmode erst nach der mode lassen können?
beim ersten musikfestival, das ich besuchte, trug ich, wie ich es in meiner provinzheimatstadt gelernt hatte, dass es sich gehört, das shirt meiner lieblingsband, die headlinete. noch während ich eine nachmittagsband anguckte, dreht sich das mädchen, das vor mir stand, um und sagte, da sei wohl einer fan der band x (name dem autor bek., geänd.), in einem tonfall, mit dem man heutzutage pete-doherty-hüte und -gesichtsausdrücke kommentieren würde. ich war nicht beleidigt, ich war verwirrt.
noch früher hatte ich es diffus unauthentisch gefunden, sich überhaupt mit dingen wie anziehsachen zu beschäftigen. (ähnlich jener phase im leben jedes normalen jungen menschen, in der man sich weigert, sich in einen diskurs über sich zu begeben, weil das schon denen ihr spiel spielen wäre. man ist gewissermaßen noch nicht zur sprache gekommen: weil man keine geschichte für sich erfunden hat, bringt man der welt, die man ablehnt, nur schweigen entgegen. das zeichen ist denen ihres, da mitzumachen kann man sich entblöden. 15-jährige denken nun mal nicht sonderlich dialektisch.)
dann wurde alles besser und bescheidenes gemüt, das ich bin, hatte ich mich dann in meiner provinzstadt immer (ca. alle sechs monate) gefreut, einen menschen mit einem t-shirt von radiohead oder fink zufällig auf straße zu sehen. es ist natürlich schwer zu entscheiden, ob es mich in den späten neunzigern nur meine ontogenese, die mir gerade die lesbarkeit der welt eröffnete, glauben ließ oder ob die phylogenese der welt tatsächlich gerade an dem punkt angelangt war, als band-t-shirts wieder tragbar wurden, jedenfalls: es wurden immer mehr.
zu viele, um alle noch von guten menschen bewohnt zu werden, das wurde sogar mir unter anderem auch auf meinem ersten festival klar. in seiner verwirrung wendet sich der junge mensch gern der geschichte zu und so lernte ich, dass dieses dilemma, dem ich bald alberne namen wie distinktion durch differenz geben konnte, so alt wie der brauchbarere teil der menschheitsgeschichte war. in den frühen achtzigern noch als ironie missverstanden, galt das prinzip des noch – nicht mehr – schon wieder in den frühen nullzigern, die mein nun halbwegs geschultes herz erlebte, noch immer. wie jedes zeichen braucht auch das bandshirt ständig neue grenzen, um frisch zu bleiben. genügen im stadium des noch noch die früher für statthaft gehaltenen normalen shirts, muss sich das coole bandshirt im stadium des nicht-mehr von den jetzt auch schon wieder uncoolen gewöhnlichen band-t-shirts abgrenzen. nach einem kurzen dekadenzgeplänkel mit zuerst ironisch getragenen, dann ironisch-unironisch getragenen shirts von slayer, ramones und led zep (kiss, guns'n'roses, nkitb, man ergänze selbst, es ist ein weites feld) waren bandshirts dann ganz vorbei, nur kurz, bevor es sie bei h&m gab, dem kackladen.
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replica wathces
am 29. Jul, 07:54
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