
Die Welt zu Gast am Spieß
von Maximilian "Merlix" Buddenbohm
In der Public-Viewing-Area zur WM in Hamburg, wo sich zu den Spielen bis zu 70.000 Menschen aufhalten, gibt es aus jedem teilnehmenden Land einen Stand, an dem Essen verkauft wird. Gedacht war sicherlich daran, daß die Nationen ein jeweils typisches Gericht anbieten, was natürlich eine exotische, bunte Mischung erwarten ließ. Man könnte sich bei so etwas einmal um die Welt essen, wenn alle paar Schritte ein anderer Ausschnitt aus einer Küchenkultur vorgestellt wird. Das typische Gericht ist aber, wie man bei einem Rundgang schnell merkt, in jedem Land ein Fleischspieß. Ein gewöhnlicher Fleischspieß mit Geflügel, Schwein oder Rind, jeweils per Schild als „Original“ angepriesen, also original angolanisch, australisch, tunesisch usw. Man staunt.
Da das nun bestimmt nicht mit den tatsächlichen kulinarischen Traditionen übereinstimmt, muß man sich fragen, wie es zu so etwas kommen kann. Sicherlich kommt nur Höflichkeit als Erklärung in Frage. Ich nehme an, die jeweiligen Köche haben sich vor der Reise Gedanken gemacht und nachgefragt, was Deutsche wohl gerne essen. „Viel Fleisch!“ wird die Antwort gewesen sein, verbunden mit dem Hinweis, daß wir im Sommer geradezu zwanghaft grillen, ja, daß hier Sommersonnentage ohne Grillfleisch geradezu verlorene Tage sind. Und weil die WM eine betont freundschaftliche Veranstaltung ist, wollten die Gäste alle nett sein und uns viel Fleisch grillen. So steht man staunend vor den Spießen und fragt sich, was daran landestypisch sein soll. Versuche lehren: Gegrilltes Fleisch schmeckt eindeutig genau wie gegrilltes Fleisch. Weltweit. Der Grill scheint das eigentlich menschheitsverbindende Kulturgut zu sein. Es scheint auch international gleich, dass der Mensch am Grill immer ein Mann ist und dass man nicht einfach bekommen kann, was man möchte, sondern dass er nach geheimnisvollem Insiderwissen Fleisch zuteilt.
Sogar die Länder, die zunächst ohne eigenen Grill begonnen haben, zogen angesichts dieser Übermacht ringsum nach einigen Tagen nach, seitdem tropft auch bei Korea und Japan schmelzendes Fett auf Kohle: „Original koreanischer Spieß“.
Vier Länder nur blieben standhaft und verweigerten sich dem Grill. Zum einen ausgerechnet der Gastgeber selbst, der die immerhin tatsächlich deutsche Erfindung Currywurst gewählt hat, um seine Küche zu repräsentieren, zum anderen etwa Portugal. Portugal grillt auch – aber kein Fleisch, sondern Sardinen, und die nicht einmal am Spieß. Welch Eigenständigkeit! Sie stehen damit auch in bester Tradition einer Kolonialmacht, denn der eher infernalische Geruch der gegrillten Fische nebelt etwa zehn andere Stände mit ein, die können machen was sie wollen, bei ihnen schmeckt alles nach verbranntem Fisch. Die Franzosen ein paar Meter weiter verweigern sich komplett der Massenkultur und verkaufen nur eine edle Käseauswahl und Austern, die Italiener wiederum hängen ganz alten Klischees nach und verkaufen ausschließlich Pizza.
Wie der fußballinteressierte Mensch bemerkt, sind die vier Verweigerer des kulinarischen Gruppendrucks die letzten vier Mannschaften im Turnier. Womit wieder erwiesen wäre: Wenn man zu spießig ist, kommt man auch nicht weiter.
Da das nun bestimmt nicht mit den tatsächlichen kulinarischen Traditionen übereinstimmt, muß man sich fragen, wie es zu so etwas kommen kann. Sicherlich kommt nur Höflichkeit als Erklärung in Frage. Ich nehme an, die jeweiligen Köche haben sich vor der Reise Gedanken gemacht und nachgefragt, was Deutsche wohl gerne essen. „Viel Fleisch!“ wird die Antwort gewesen sein, verbunden mit dem Hinweis, daß wir im Sommer geradezu zwanghaft grillen, ja, daß hier Sommersonnentage ohne Grillfleisch geradezu verlorene Tage sind. Und weil die WM eine betont freundschaftliche Veranstaltung ist, wollten die Gäste alle nett sein und uns viel Fleisch grillen. So steht man staunend vor den Spießen und fragt sich, was daran landestypisch sein soll. Versuche lehren: Gegrilltes Fleisch schmeckt eindeutig genau wie gegrilltes Fleisch. Weltweit. Der Grill scheint das eigentlich menschheitsverbindende Kulturgut zu sein. Es scheint auch international gleich, dass der Mensch am Grill immer ein Mann ist und dass man nicht einfach bekommen kann, was man möchte, sondern dass er nach geheimnisvollem Insiderwissen Fleisch zuteilt.
Sogar die Länder, die zunächst ohne eigenen Grill begonnen haben, zogen angesichts dieser Übermacht ringsum nach einigen Tagen nach, seitdem tropft auch bei Korea und Japan schmelzendes Fett auf Kohle: „Original koreanischer Spieß“.
Vier Länder nur blieben standhaft und verweigerten sich dem Grill. Zum einen ausgerechnet der Gastgeber selbst, der die immerhin tatsächlich deutsche Erfindung Currywurst gewählt hat, um seine Küche zu repräsentieren, zum anderen etwa Portugal. Portugal grillt auch – aber kein Fleisch, sondern Sardinen, und die nicht einmal am Spieß. Welch Eigenständigkeit! Sie stehen damit auch in bester Tradition einer Kolonialmacht, denn der eher infernalische Geruch der gegrillten Fische nebelt etwa zehn andere Stände mit ein, die können machen was sie wollen, bei ihnen schmeckt alles nach verbranntem Fisch. Die Franzosen ein paar Meter weiter verweigern sich komplett der Massenkultur und verkaufen nur eine edle Käseauswahl und Austern, die Italiener wiederum hängen ganz alten Klischees nach und verkaufen ausschließlich Pizza.
Wie der fußballinteressierte Mensch bemerkt, sind die vier Verweigerer des kulinarischen Gruppendrucks die letzten vier Mannschaften im Turnier. Womit wieder erwiesen wäre: Wenn man zu spießig ist, kommt man auch nicht weiter.


twoday.net:acqua
am 5. Jul, 22:30