
Patchworkgesellschaft
von nberlin
Es gab Zeiten, da waren Familien noch Familien, Gemeinden noch Gemeinden und die Definitionen von Ländern und Nationalitäten waren eindeutig. Es gab zu der Zeit eine klare Vorstellung von Karriere und Werdegang und alles lief kollektiv linear vor sich hin. Das war für manchen langweilig und beengend, aber trotz allem gaben diese Richtlinien Sicherheit und ließen nicht viele Fragen offen, darüber wer man ist und was man werden möchte.
Man hatte Vater, Mutter, Opa, Oma und vielleicht noch Geschwister, machte seinen Abschluss an der Schule, fand einen Ausbildungs- oder Studienplatz, hielt ein paar „nicht Herrenjahre“ durch und war eine gemachte Person. Danach kam dann meist nichts mehr. Man arbeitete bis zur Rente, die man dann auch weitere 20-30 Jahre bekam und starb dann mehr oder weniger zufrieden, um auf den Friedhof der Gemeinde beerdigt zu werden.
Heute ist alles anders. Es gibt kaum mehr Familien, oder sagen wir es anders es gibt Familien aber das sind meist Patchworkfamilien. Frau mit Kind trifft Mann mit Kind. Oder Mann mit Kind trifft Frau ohne Kind. Oder die Oma Nachbarin wird adoptiert, weil sie keine Enkelkinder hat und die Kinder der allein erziehenden Mutter, dringend eine Oma bräuchten, die aber tot ist oder in Nicaragua lebt.
Auch kann es sein das ein Kind mehrere Geschwister, Omas, Väter und Mütter aus verschiedenen Beziehungen hat. Biologie war gestern, heute sind es Beziehungsabschnitte der Eltern die Familie definieren.
Man lebt selten nur noch einen Ort. Fast Niemand wird noch irgendwo geboren und begraben. Viele ziehen um, zu Ort A wegen der Beziehung, zu Ort B wegen der Universität und zu Ort C wegen dem Beruf.
Nichts ist mehr linear. Alles läuft im Zickzack und bruchstückartig ab. Wer etwas will, muss flexibel sein, in allen Bereichen. So sind die alternde Mutter oder die Freunde kein Grund mehr vor Ort zu bleiben. Den Studienplatz oder Ausbildungsplatz kriegt man meist auch nicht mehr im Heimatort. Wer etwas werden will, muss seine Gemeinde verlassen. Wer erfolgreich sein will, darf keine Rücksicht auf unflexible Menschen in seinem Umfeld nehmen, denn Auslandserfahrungen und Flexibilität sind die Pfeiler unserer globalisierten Welt geworden.
Sozial verankertes Verhalten kann sich heute niemand mehr leisten. Es sei denn er/sie verzichtet auf Karriere oder Beschäftigung. Da aber der Sozialstaat auch gerade abgeschafft wird, sieht eine unflexible Zukunft verdammt düster aus.
Vielleicht sind wir auch selber Schuld und nicht nur die Konzerne, die erwarten, dass wir unser ganzes Leben nach ihnen ausrichten. Wir sind verblendet von der Werbung, den Musterlebensläufen. Von der Modellfrau, die eine Karriere hat, niedliche Kinder, die sie nebenher aufzieht, drei Hobbys ausübt , sozial engagiert ist und dann natürlich auch noch Romeo an ihrer Seite hat, der ihr jede Nacht vor dem Einschlafen einen Minnegesang darbietet.
Glauben wir das echt? Sind wir so bescheuert? Wer das alles hat, hat doch in Wirklichkeit gar nichts. Er/Sie hat Bruchstücke von Allem, aber nichts richtig. Oft hat die Liebe nur ein kurzes Haltbarkeitsdatum, die Modellfigur wird durch Fettabsaugen unterstützt und die Kinder gehen früh in psychotherapeutische Beratung, weil sie sich entwurzelt und durch den ständigen Wechsel von Orten und Bezugspersonen verwirrt fühlen.
Vielleicht beenden wir auch zu schnell Beziehungen und Karrieren, weil sie mit dem medialen Bild so gar keine Ähnlichkeit haben. Wir glauben, wir müssen das alles haben. Wenn der Partner nur ein guter Elternteil ist und einem treu und ergeben ist, reicht das nicht, er/sie muss auch die sexuelle Erfüllung sein und abends noch singen.
Das kann tut er/sie aber nicht, weil er/sie müde ist vom Arbeiten, vom letzten Flug oder vom Kinder betreuen, also wird er/sie schneller als man gucken kann ausgetauscht.
Wie, der Partner will ihnen nicht nach Timbuktu folgen? Nicht seine Arbeit, seine Familie und seine Hobbys aufgeben? Angsthase! Ausgetauscht!
So Einen/so Eine trifft man auch woanders. Ach ja, da war doch was - er/sie ist der ErzeugerIn der Kinder, hat ihnen durch schwere Zeiten geholfen, die Großmutter betreut, tja Pech, wenn etwas aus ihnen werden soll, kann man auf solche Sachen keine Rücksicht nehmen.
Die Kinder weinen, weil sie nicht schon wieder neu eingeschult werden möchten, Papa, Mama oder Oma vermissen werden? Wie gut, dass die Kinder kein Mitspracherecht haben. Die Oma ist krank geworden? Dann stecken wir sie doch in ein Pflegeheim, von dem Gehalt, das man bald in Timbuktu verdient, wird man ihr auch das Beste vor Ort bezahlen können. So gute Pflege könnte man selber kaum leisten. Oma sollte dankbar sein! Ja, auch die Kinder sollten dankbar sein, denn sie bekommen fast mühelos schon früh wichtige Auslandserfahrung, Fremdsprachen und das richtige Quäntchen an Flexibilität eingeimpft!
Während früher stabile Verhältnisse als Sicherheit angesehen wurden ist es heute genau andersrum. Flexibilität ist Sicherheit. Jeder, der auf Stabilität pocht, ist dem Untergang geweiht.
Problem nur: Die Evolution hängt mal wieder hinterher. Der Mensch ist darauf nicht optimiert. Wir erleben bei jedem Wechsel einen Kulturschock. Unsere Gehirne, unser Körper und unsere Psyche rebelliert bei ständigen Wechsel und sozialer Entwurzelung. Wir sind immer noch soziale Gewohnheitstiere, aber diese Eigenschaften sollten wir schnell ablegen, wenn wir in der globalisierten Welt überleben möchten.
Der moderne Karrieremensch ist also ein egoistischer Einzelgänger. Er hat keine Familie, kein Zuhause, keine sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen.
Ist das menschlich? Ist Menschlichkeit nicht das miteinander? Werden wir so nicht zu einer allzeit auszuwechselnden Schraube in der Maschinerie der Konzerne und deren Globalisierung?
Müssen wir alles aufgeben, um Alles und gleichzeitig Nichts zu sein? Muss unser Lebenslauf im Zickzack verlaufen? Müssen wir losgelöst sein von allem, was mal wichtig war? Klar kann das auch toll sein, besonders für junge Menschen, man kann viel erleben, viele Länder sehen, Erfahrungen rund um den Globus sammeln, aber wenn man älter wird, Kinder bekommen möchte, oder vielleicht auch nicht mehr so gesund ist, was ist dann?
Ist man dann nicht mehr brauchbar? Wertlos, weil unflexibel? Ist jeder Mensch ab 30/40/50/60 ein Wegwerfartikel? Überholt und nicht mehr funktional? Lassen wir uns nicht alle verblenden? Sehen das große Geld und vergessen das Stabilität, Liebe und Glück auch wichtige Komponenten zur Zufriedenheit sind?
Wir verkaufen uns, verkaufen was uns ausmacht, verkaufen unsere Familie, unseren Lebenslauf. Alles ist käuflich geworden. Alles vergänglich.
Ein Leben ist nur noch ein Augenaufschlag. Schnell vergessen, bloß keine tiefen Bindungen aufbauen, es könnte hinderlich sein, wehtun und die Produktivität hemmen. Ewige Liebe - wer will das heute noch? Familie, Kinder wer kann sich das heute noch leisten?
Doch wer kriegt da noch Kinder? Wer kümmert sich um die Kinder, Alten oder anders Hilfebedürftigen? Niemand! Soziales Abseits! Kinder bekommen nur noch Leute, die keine Karriere zu erwarten haben, Pflege wird immer mehr zu einen Ding, das Kirchen oder sonstige karitativen Einrichtungen übernehmen. Nur wem alles egal ist, aus dem wird etwas.
Das Problem dabei, man muss sich auch selber egal sein! Denn was ist, wenn man selber mal Hilfe oder Liebe braucht? Dann ist da niemand, und so schnell wie man aufgestiegen ist, stürzt man auch wieder ab. Kein soziales Netz, das einen auffängt. Nichts. Wir sind alle Seiltänzer geworden. Solange man in Form ist, mag das eine spaßige Sache sein, aber was ist, wenn man mal ein Glas Wasser braucht, oder sich den Knöchel verstaucht? Auch mit Geld kann man sich nur begrenzt Hilfe leisten, und wenn man dann noch den Seiltänzerjob verliert, dann hört das mit der bezahlten Hilfe auch bald auf. Es ist erwiesen, das nicht allein Medikamente und hygienische Behandlung von Wunden zu Heilung führen. Oft ist es auch die Psyche, die an der Heilung maßgeblich beteiligt ist.
Wie gut kann bezahlte Fürsorge sein? Und gilt der Spruch: „Liebe heilt alle Wunden“? Wie sieht es mit bezahlter Liebe aus? Kann man die überhaupt kaufen? Jemand, der einem die Stirn küsst und einem in lieben Worten zuspricht das bald alles wieder gut sein wird? Wir werden alle Prostituierte! Ohne zu Hause, ohne Freunde, ohne Familie und wenn dann weit entfernt und verstreut über dem Globus. Wie will man da noch Geborgenheit spüren? Wie will man sich da unterstützen? Okay, es gibt Internet, Telefon und Videochats. Aber ist ein Kuss auf einem Bildschirm oder eine Umarmung per Chat das Gleiche? Wärmt es die Seele? Spürt man das auf der Haut? Ist die Beaufsichtigung der Kinder/der Eltern, die teuer ist, besser als wenn es in der Familie/Gemeinde aus Liebe gemacht würde? Ist der Trend, sich nicht mehr begraben zu lassen, sondern sich als Staub in die Meere oder in die Luft verstreuen zu lassen, nicht ein Sinnbild unserer Gesellschaft? Heimatlos über die Welt verstreut? Vergänglich ohne Erinnerung an das Dasein? Sofort verschwunden nach dem Tod?
Wo bleiben das Glück und die Zufriedenheit? Ist Glück finanzieller Erfolg? Ignorieren wir dabei nicht unsere essentiellen Bedürfnisse, das Menschsein? Wir leben in einem Land in dem Trinkwasser die Toilette runter fließt, Cellulose, die auf Kosten der Regenwälder hergestellt wurde, zum Arsch abwischen genutzt wird, ein Land, in dem die Fettleibigkeit langsam zum Problem wird und nicht der Hunger, ein Land, in dem fast niemand obdachlos ist, ein Land, in dem ein durchschnittlicher Single oder Hartz IV- Empfänger 2000 KW Strom im Jahr für sein Elektrogeräte verbraucht. Wer will uns einreden, dass wir uns soziale Systeme, kostenlose Schul- und Universitätssysteme, Rente und das Gesundheitssysteme nicht mehr leisten können, verkaufen müssen um zu überleben? Wir können uns frei entscheiden und es besteht kein Zwang!
Es ist genug Geld da! Doch das Kollektiv ist verschwunden, jeder denkt nur noch an sich, die Politiker, die Angestellten, alle denken nur: „ ich, ich, ich“ und lassen sich blenden von den kurzfristigen Vorteilen. Doch was ist später? Was ist, wenn sie alt und hilfsbedürftig werden? Was ist mit der nachkommenden Generation von jungen Menschen, die keine Bildung mehr bekommen, wer soll dieses Land in die Zukunft tragen? Klar, wer Geld hat, kann sich privat Bildung leisten, aber so wenige Kinder wie es in der Elite gibt, kann das wohl nicht die Antwort sein!? Die Renten werden auf Grund der Alterspyramide wegfallen, ich werde schon keine Rente mehr bekommen, darf aber jetzt noch einzahlen, obwohl es schon schwierig genug für mich war, überhaupt einen Einstieg in die Arbeitswelt zu bekommen. Staatliche Studienplätze gibt es auch immer weniger und zukünftig soll man dafür auch noch bezahlen.
Wie soll das funktionieren? Es ist alles zu kurzfristig gedacht, zu bruchstückhaft.
Mich reizt der Gedanke, aus dem System auszusteigen und kein Geld mehr einzuzahlen, um den Menschen, die das entschieden und hergeleitet haben, dann im Alter ins Gesicht zu lachen und zu sagen: „ So wie du mir so ich dir!“ Sie haben mich nicht unterstützt, also warum sollte ich sie unterstützen? Sie sind krank, alt, dachten, ich würde ihnen Rente bezahlen? Wieso sollte ich ihnen helfen? Ich habe jahrelang gekämpft, mich selbst ernährt, Kredite aufgenommen, die ich bis heute noch abbezahle und gleichzeitig in einen Rentenfond eingezahlt, aus dem ich nie einen Pfennig sehen werde. Was wollen sie von mir? Haben sie mich nicht schon genug ausgebeutet?
Jetzt liegen sie da in den Scherben des Systems, welches sie zerstört haben, ich hoffe, sie fühlen sich wohl und liegen gut! Ich halte mich an ihr Vorbild und kümmere mich um mich selbst!
Sie waren mir ein guter Lehrer!
Man hatte Vater, Mutter, Opa, Oma und vielleicht noch Geschwister, machte seinen Abschluss an der Schule, fand einen Ausbildungs- oder Studienplatz, hielt ein paar „nicht Herrenjahre“ durch und war eine gemachte Person. Danach kam dann meist nichts mehr. Man arbeitete bis zur Rente, die man dann auch weitere 20-30 Jahre bekam und starb dann mehr oder weniger zufrieden, um auf den Friedhof der Gemeinde beerdigt zu werden.
Heute ist alles anders. Es gibt kaum mehr Familien, oder sagen wir es anders es gibt Familien aber das sind meist Patchworkfamilien. Frau mit Kind trifft Mann mit Kind. Oder Mann mit Kind trifft Frau ohne Kind. Oder die Oma Nachbarin wird adoptiert, weil sie keine Enkelkinder hat und die Kinder der allein erziehenden Mutter, dringend eine Oma bräuchten, die aber tot ist oder in Nicaragua lebt.
Auch kann es sein das ein Kind mehrere Geschwister, Omas, Väter und Mütter aus verschiedenen Beziehungen hat. Biologie war gestern, heute sind es Beziehungsabschnitte der Eltern die Familie definieren.
Man lebt selten nur noch einen Ort. Fast Niemand wird noch irgendwo geboren und begraben. Viele ziehen um, zu Ort A wegen der Beziehung, zu Ort B wegen der Universität und zu Ort C wegen dem Beruf.
Nichts ist mehr linear. Alles läuft im Zickzack und bruchstückartig ab. Wer etwas will, muss flexibel sein, in allen Bereichen. So sind die alternde Mutter oder die Freunde kein Grund mehr vor Ort zu bleiben. Den Studienplatz oder Ausbildungsplatz kriegt man meist auch nicht mehr im Heimatort. Wer etwas werden will, muss seine Gemeinde verlassen. Wer erfolgreich sein will, darf keine Rücksicht auf unflexible Menschen in seinem Umfeld nehmen, denn Auslandserfahrungen und Flexibilität sind die Pfeiler unserer globalisierten Welt geworden.
Sozial verankertes Verhalten kann sich heute niemand mehr leisten. Es sei denn er/sie verzichtet auf Karriere oder Beschäftigung. Da aber der Sozialstaat auch gerade abgeschafft wird, sieht eine unflexible Zukunft verdammt düster aus.
Vielleicht sind wir auch selber Schuld und nicht nur die Konzerne, die erwarten, dass wir unser ganzes Leben nach ihnen ausrichten. Wir sind verblendet von der Werbung, den Musterlebensläufen. Von der Modellfrau, die eine Karriere hat, niedliche Kinder, die sie nebenher aufzieht, drei Hobbys ausübt , sozial engagiert ist und dann natürlich auch noch Romeo an ihrer Seite hat, der ihr jede Nacht vor dem Einschlafen einen Minnegesang darbietet.
Glauben wir das echt? Sind wir so bescheuert? Wer das alles hat, hat doch in Wirklichkeit gar nichts. Er/Sie hat Bruchstücke von Allem, aber nichts richtig. Oft hat die Liebe nur ein kurzes Haltbarkeitsdatum, die Modellfigur wird durch Fettabsaugen unterstützt und die Kinder gehen früh in psychotherapeutische Beratung, weil sie sich entwurzelt und durch den ständigen Wechsel von Orten und Bezugspersonen verwirrt fühlen.
Vielleicht beenden wir auch zu schnell Beziehungen und Karrieren, weil sie mit dem medialen Bild so gar keine Ähnlichkeit haben. Wir glauben, wir müssen das alles haben. Wenn der Partner nur ein guter Elternteil ist und einem treu und ergeben ist, reicht das nicht, er/sie muss auch die sexuelle Erfüllung sein und abends noch singen.
Das kann tut er/sie aber nicht, weil er/sie müde ist vom Arbeiten, vom letzten Flug oder vom Kinder betreuen, also wird er/sie schneller als man gucken kann ausgetauscht.
Wie, der Partner will ihnen nicht nach Timbuktu folgen? Nicht seine Arbeit, seine Familie und seine Hobbys aufgeben? Angsthase! Ausgetauscht!
So Einen/so Eine trifft man auch woanders. Ach ja, da war doch was - er/sie ist der ErzeugerIn der Kinder, hat ihnen durch schwere Zeiten geholfen, die Großmutter betreut, tja Pech, wenn etwas aus ihnen werden soll, kann man auf solche Sachen keine Rücksicht nehmen.
Die Kinder weinen, weil sie nicht schon wieder neu eingeschult werden möchten, Papa, Mama oder Oma vermissen werden? Wie gut, dass die Kinder kein Mitspracherecht haben. Die Oma ist krank geworden? Dann stecken wir sie doch in ein Pflegeheim, von dem Gehalt, das man bald in Timbuktu verdient, wird man ihr auch das Beste vor Ort bezahlen können. So gute Pflege könnte man selber kaum leisten. Oma sollte dankbar sein! Ja, auch die Kinder sollten dankbar sein, denn sie bekommen fast mühelos schon früh wichtige Auslandserfahrung, Fremdsprachen und das richtige Quäntchen an Flexibilität eingeimpft!
Während früher stabile Verhältnisse als Sicherheit angesehen wurden ist es heute genau andersrum. Flexibilität ist Sicherheit. Jeder, der auf Stabilität pocht, ist dem Untergang geweiht.
Problem nur: Die Evolution hängt mal wieder hinterher. Der Mensch ist darauf nicht optimiert. Wir erleben bei jedem Wechsel einen Kulturschock. Unsere Gehirne, unser Körper und unsere Psyche rebelliert bei ständigen Wechsel und sozialer Entwurzelung. Wir sind immer noch soziale Gewohnheitstiere, aber diese Eigenschaften sollten wir schnell ablegen, wenn wir in der globalisierten Welt überleben möchten.
Der moderne Karrieremensch ist also ein egoistischer Einzelgänger. Er hat keine Familie, kein Zuhause, keine sozialen und gesellschaftlichen Verpflichtungen.
Ist das menschlich? Ist Menschlichkeit nicht das miteinander? Werden wir so nicht zu einer allzeit auszuwechselnden Schraube in der Maschinerie der Konzerne und deren Globalisierung?
Müssen wir alles aufgeben, um Alles und gleichzeitig Nichts zu sein? Muss unser Lebenslauf im Zickzack verlaufen? Müssen wir losgelöst sein von allem, was mal wichtig war? Klar kann das auch toll sein, besonders für junge Menschen, man kann viel erleben, viele Länder sehen, Erfahrungen rund um den Globus sammeln, aber wenn man älter wird, Kinder bekommen möchte, oder vielleicht auch nicht mehr so gesund ist, was ist dann?
Ist man dann nicht mehr brauchbar? Wertlos, weil unflexibel? Ist jeder Mensch ab 30/40/50/60 ein Wegwerfartikel? Überholt und nicht mehr funktional? Lassen wir uns nicht alle verblenden? Sehen das große Geld und vergessen das Stabilität, Liebe und Glück auch wichtige Komponenten zur Zufriedenheit sind?
Wir verkaufen uns, verkaufen was uns ausmacht, verkaufen unsere Familie, unseren Lebenslauf. Alles ist käuflich geworden. Alles vergänglich.
Ein Leben ist nur noch ein Augenaufschlag. Schnell vergessen, bloß keine tiefen Bindungen aufbauen, es könnte hinderlich sein, wehtun und die Produktivität hemmen. Ewige Liebe - wer will das heute noch? Familie, Kinder wer kann sich das heute noch leisten?
Doch wer kriegt da noch Kinder? Wer kümmert sich um die Kinder, Alten oder anders Hilfebedürftigen? Niemand! Soziales Abseits! Kinder bekommen nur noch Leute, die keine Karriere zu erwarten haben, Pflege wird immer mehr zu einen Ding, das Kirchen oder sonstige karitativen Einrichtungen übernehmen. Nur wem alles egal ist, aus dem wird etwas.
Das Problem dabei, man muss sich auch selber egal sein! Denn was ist, wenn man selber mal Hilfe oder Liebe braucht? Dann ist da niemand, und so schnell wie man aufgestiegen ist, stürzt man auch wieder ab. Kein soziales Netz, das einen auffängt. Nichts. Wir sind alle Seiltänzer geworden. Solange man in Form ist, mag das eine spaßige Sache sein, aber was ist, wenn man mal ein Glas Wasser braucht, oder sich den Knöchel verstaucht? Auch mit Geld kann man sich nur begrenzt Hilfe leisten, und wenn man dann noch den Seiltänzerjob verliert, dann hört das mit der bezahlten Hilfe auch bald auf. Es ist erwiesen, das nicht allein Medikamente und hygienische Behandlung von Wunden zu Heilung führen. Oft ist es auch die Psyche, die an der Heilung maßgeblich beteiligt ist.
Wie gut kann bezahlte Fürsorge sein? Und gilt der Spruch: „Liebe heilt alle Wunden“? Wie sieht es mit bezahlter Liebe aus? Kann man die überhaupt kaufen? Jemand, der einem die Stirn küsst und einem in lieben Worten zuspricht das bald alles wieder gut sein wird? Wir werden alle Prostituierte! Ohne zu Hause, ohne Freunde, ohne Familie und wenn dann weit entfernt und verstreut über dem Globus. Wie will man da noch Geborgenheit spüren? Wie will man sich da unterstützen? Okay, es gibt Internet, Telefon und Videochats. Aber ist ein Kuss auf einem Bildschirm oder eine Umarmung per Chat das Gleiche? Wärmt es die Seele? Spürt man das auf der Haut? Ist die Beaufsichtigung der Kinder/der Eltern, die teuer ist, besser als wenn es in der Familie/Gemeinde aus Liebe gemacht würde? Ist der Trend, sich nicht mehr begraben zu lassen, sondern sich als Staub in die Meere oder in die Luft verstreuen zu lassen, nicht ein Sinnbild unserer Gesellschaft? Heimatlos über die Welt verstreut? Vergänglich ohne Erinnerung an das Dasein? Sofort verschwunden nach dem Tod?
Wo bleiben das Glück und die Zufriedenheit? Ist Glück finanzieller Erfolg? Ignorieren wir dabei nicht unsere essentiellen Bedürfnisse, das Menschsein? Wir leben in einem Land in dem Trinkwasser die Toilette runter fließt, Cellulose, die auf Kosten der Regenwälder hergestellt wurde, zum Arsch abwischen genutzt wird, ein Land, in dem die Fettleibigkeit langsam zum Problem wird und nicht der Hunger, ein Land, in dem fast niemand obdachlos ist, ein Land, in dem ein durchschnittlicher Single oder Hartz IV- Empfänger 2000 KW Strom im Jahr für sein Elektrogeräte verbraucht. Wer will uns einreden, dass wir uns soziale Systeme, kostenlose Schul- und Universitätssysteme, Rente und das Gesundheitssysteme nicht mehr leisten können, verkaufen müssen um zu überleben? Wir können uns frei entscheiden und es besteht kein Zwang!
Es ist genug Geld da! Doch das Kollektiv ist verschwunden, jeder denkt nur noch an sich, die Politiker, die Angestellten, alle denken nur: „ ich, ich, ich“ und lassen sich blenden von den kurzfristigen Vorteilen. Doch was ist später? Was ist, wenn sie alt und hilfsbedürftig werden? Was ist mit der nachkommenden Generation von jungen Menschen, die keine Bildung mehr bekommen, wer soll dieses Land in die Zukunft tragen? Klar, wer Geld hat, kann sich privat Bildung leisten, aber so wenige Kinder wie es in der Elite gibt, kann das wohl nicht die Antwort sein!? Die Renten werden auf Grund der Alterspyramide wegfallen, ich werde schon keine Rente mehr bekommen, darf aber jetzt noch einzahlen, obwohl es schon schwierig genug für mich war, überhaupt einen Einstieg in die Arbeitswelt zu bekommen. Staatliche Studienplätze gibt es auch immer weniger und zukünftig soll man dafür auch noch bezahlen.
Wie soll das funktionieren? Es ist alles zu kurzfristig gedacht, zu bruchstückhaft.
Mich reizt der Gedanke, aus dem System auszusteigen und kein Geld mehr einzuzahlen, um den Menschen, die das entschieden und hergeleitet haben, dann im Alter ins Gesicht zu lachen und zu sagen: „ So wie du mir so ich dir!“ Sie haben mich nicht unterstützt, also warum sollte ich sie unterstützen? Sie sind krank, alt, dachten, ich würde ihnen Rente bezahlen? Wieso sollte ich ihnen helfen? Ich habe jahrelang gekämpft, mich selbst ernährt, Kredite aufgenommen, die ich bis heute noch abbezahle und gleichzeitig in einen Rentenfond eingezahlt, aus dem ich nie einen Pfennig sehen werde. Was wollen sie von mir? Haben sie mich nicht schon genug ausgebeutet?
Jetzt liegen sie da in den Scherben des Systems, welches sie zerstört haben, ich hoffe, sie fühlen sich wohl und liegen gut! Ich halte mich an ihr Vorbild und kümmere mich um mich selbst!
Sie waren mir ein guter Lehrer!
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