
Eulen nach Athen und Schokolade in die Schweiz tragen
von Jens-Rainer Wiese
In jungen Jahren besuchte ich zum ersten Mal die Schweiz und meinte, naiv und unerfahren, „Eulen nach Athen“ zu tragen sei was für Luschen, Schokolade aus Deutschland den Schweizern näher zu bringen, sei die wahre Herausforderung der modernen Zeit! Ich hatte zehn bunte Tafeln der Marke „Ritter-Sport“ gewählt, Sie wissen schon, diese quadratische, mit unterschiedlichen Füllungen. Rot war mit Marzipan, Grün mit Pfefferminz und Weiss, der absolute Gourmet-Traum, war mit Jogurtcreme gefüllt! Ich erlebte ein Fiasko. Die Schweizer mochten, wenn überhaupt nur Dunkelblau, das war die Nugat-Füllung.
Wenn Schokolade sportlich ist
Der schwäbische Schokoladenhersteller Alfred Ritter in Waldenbuch bei Stuttgart war übrigens eine dahinsiechende Schokoladenfabrik wie viele andere in Deutschland, bis man auf die geniale Idee kam, das Schokolade „quadratisch, praktisch, gut“ zu sein habe, damit das „Pralinentanten-Image“ abstreifte und sich der neuen Fitness-Generation öffnete. Sport-Schokolade wurde ein Verkaufsschlager.
Bruchstücke verschwinden leicht
Ich wohnte ein paar Jahre in der Nähe der Ritter-Schokoladenfabrik und kaufte beim Pförtner regelmässig Bruch. Den gab es nur von den gefüllten Sorten, weil die so extrem kompliziert herzustellen sind und dabei leicht zu Bruch gehen. Vollmilch geht hingegen nicht kaputt. Also ein Kilo Jogurt, Pfefferminz oder Marzipan für neun Mark, das war ein fairer Preis, da waren schnell ein paar Kilo beieinander. Und dann geschah regelmässig das grosse „Kühlschrankwunder“. Lagerte ich meine Bruchschokolade im gemeinschaftlich genutzten WG-Kühlschrank, hatte sie sich regelmässig nach max. 1-2 Tagen Aufenthaltsdauer von allein in Luft aufgelöst! Gleichzeitig war der sonstige Appetit meiner Mitbewohner merkwürdig reduziert. Da konnten noch so leckere Speisen am Abend auf den Tisch kommen, keiner hatte richtig Hunger.
Der Schokoladengeschmack der Schweizer ist anders, lernte ich später. Die stehen mehr auf Ragusa-Riegel und weniger auf Vollmilch.
Der Biss des Schweigens
Aber es gibt auch andere Extreme in der Schweiz. Ein für Deutsche absolut nicht nachvollziehbarer Genuss ist zum Beispiel der „Ovomaltine-Riegel“. Er besteht nachweisslich nur aus fest gepresstem Ovomaltine-Pulver. Ein Biss hinein, und du schweigst erst mal eine ganze Weile, weil Dir die Spucke zum Reden fehlt, so staubtrocken ist dieses Riegel. Beim Schweizer Militär ist er Teil der Feldnahrung, denn man kann ihn prima in heisser Milch anrühren. Aber essen? Geht das nicht gegen die Genfer Konventionen?
Der amerikanische Schokoladenhersteller Hershey lieferte der US-Army während des 1. Golfkriegs einen ganz ähnlichen Schokoriegel, genannt „Desert-Bar“, der auch bei 60 Grad Celsius noch nicht zu schmelzen begann. Die Begeisterung der Truppe über die 144.000 ausgelieferten Riegel hielt sich sehr in Grenzen. Von einer weiteren kommerziellen Produktion hat man Abstand genommen. Schade eigentlich. Vielleicht wäre das Ding ja in der Schweiz ein Mega-Erfolg geworden?
Wenn Schokolade sportlich ist
Der schwäbische Schokoladenhersteller Alfred Ritter in Waldenbuch bei Stuttgart war übrigens eine dahinsiechende Schokoladenfabrik wie viele andere in Deutschland, bis man auf die geniale Idee kam, das Schokolade „quadratisch, praktisch, gut“ zu sein habe, damit das „Pralinentanten-Image“ abstreifte und sich der neuen Fitness-Generation öffnete. Sport-Schokolade wurde ein Verkaufsschlager.
Bruchstücke verschwinden leicht
Ich wohnte ein paar Jahre in der Nähe der Ritter-Schokoladenfabrik und kaufte beim Pförtner regelmässig Bruch. Den gab es nur von den gefüllten Sorten, weil die so extrem kompliziert herzustellen sind und dabei leicht zu Bruch gehen. Vollmilch geht hingegen nicht kaputt. Also ein Kilo Jogurt, Pfefferminz oder Marzipan für neun Mark, das war ein fairer Preis, da waren schnell ein paar Kilo beieinander. Und dann geschah regelmässig das grosse „Kühlschrankwunder“. Lagerte ich meine Bruchschokolade im gemeinschaftlich genutzten WG-Kühlschrank, hatte sie sich regelmässig nach max. 1-2 Tagen Aufenthaltsdauer von allein in Luft aufgelöst! Gleichzeitig war der sonstige Appetit meiner Mitbewohner merkwürdig reduziert. Da konnten noch so leckere Speisen am Abend auf den Tisch kommen, keiner hatte richtig Hunger.
Der Schokoladengeschmack der Schweizer ist anders, lernte ich später. Die stehen mehr auf Ragusa-Riegel und weniger auf Vollmilch.
Der Biss des Schweigens
Aber es gibt auch andere Extreme in der Schweiz. Ein für Deutsche absolut nicht nachvollziehbarer Genuss ist zum Beispiel der „Ovomaltine-Riegel“. Er besteht nachweisslich nur aus fest gepresstem Ovomaltine-Pulver. Ein Biss hinein, und du schweigst erst mal eine ganze Weile, weil Dir die Spucke zum Reden fehlt, so staubtrocken ist dieses Riegel. Beim Schweizer Militär ist er Teil der Feldnahrung, denn man kann ihn prima in heisser Milch anrühren. Aber essen? Geht das nicht gegen die Genfer Konventionen?
Der amerikanische Schokoladenhersteller Hershey lieferte der US-Army während des 1. Golfkriegs einen ganz ähnlichen Schokoriegel, genannt „Desert-Bar“, der auch bei 60 Grad Celsius noch nicht zu schmelzen begann. Die Begeisterung der Truppe über die 144.000 ausgelieferten Riegel hielt sich sehr in Grenzen. Von einer weiteren kommerziellen Produktion hat man Abstand genommen. Schade eigentlich. Vielleicht wäre das Ding ja in der Schweiz ein Mega-Erfolg geworden?


Mik
am 7. Jul, 11:12
Was sagt das jetzt über mich aus?
Darf ich jetzt nicht mehr nach Deutschland fahren? ;-)
Ich hoff ja doch.
Bekanntlich sind Geschmäcker ja verschieden.
So, ich geh jetzt Schokolade kaufen, is ja ein Skandal, was man für einen Guster bekommt, wenn man den Artikel liest.
am 7. Jul, 23:07
mik:ich fuer meinen teil bin oesterreicherin - und die haben mich tatsaechlich einreisen lassen;,)
vermisse hier nur das "ovomaltine-pulver", das mir sehr viel geholfen hatte, bei den "heisshunger-attacken" ...
dich lassen sie durch, da bin ich mir sicher!
in diesem sinne: greetz from berlin in´s heimatland ...ute ;.)