Wer anderen eine Grube gräbt...

von Andreas Wenig
Er gräbt und gräbt um endlich einen Raum zu schaffen in dem genug Platz für alle seine Träume ist. Grad hatte er das Gefühl der Platz könne reichen um jemanden hinein zu bitten. Gedacht getan und siehe da, der Raum war groß genug, nur leider hatte er nicht damit gerechnet, dass sie die kleine Luke ganz hinten in der Ecke öffnen würde. Alles was er in den letzten eineinhalb Jahren abgetragen hatte lagerte dort und sickerte nun unaufhaltsam in den Raum zurück. Die Enttäuschung, der Schreck und die Last erstickten alle Hoffnungen. Der Kummer war so groß, dass er erwachte. Dankbar für die Vorwarnung fing er an die Luke am Ende der Höhle sorgfältig abzudichten. Er wusste es würde ihn ein weiteres Jahr kosten, aber das sollte es ihm wert sein. Als das Jahr vergangen war träumte dem Maulwurf der Raum sei sicher genug und endlich lud er sie ein. Als sie aber in der Höhle ankam war er so nervös, dass er ohne es zu bemerken mit seinen großen Schaufeln an der abgesicherten Stelle einen kleinen Riss verursachte. Da wollte die Maulwurfdame unbedingt wissen was sich hinter der Mauer verbarg. In Panik geraten erwachte er und fing umgehend an ein schönes großes Fenster an der gesicherten Stelle einzubauen. Er wusste es würde viel Zeit brauchen um das Fenster dort zu platzieren, doch er wollte es so. Als das Fenster eingebaut war und alles in neuem Glanz erstrahlte beschloss er sofort loszuziehen und die Maulwurfdame seines Herzens zu sich einzuladen. Es dauerte nicht lange, da fand er sie. Sie sah seine kräftigen Schaufeln und seine vor Aufregung funkelnden Augen und war ganz entzückt aber er bekam kein Wort heraus. Ganz merkwürdig röchelte er vor ihr herum. Er hatte fast vier Jahre lang seine Stimmbänder nicht benutzt und nun bekam er keinen Ton heraus. Er sah wie sie enttäuscht von dannen zog und dachte still bei sich:
"Wer anderen eine Grube gräbt ..."



Dieser Artikel ist bereits im Weblog des Autors erschienen.
Der Maulwurf gräbt für seine Maulwurfdame eine wunderschöne Höhle. Doch wer alles perfekt machen will, sollte Acht geben, dass er rechtzeitig zu schaufeln aufhört...
alias Dr. Wahllos hat 1992/93 nach langer Odyssee in Kiel zur Landung angesetzt. Östereich, Spanien, die USA, Chile, Frankreich und Italien waren Stationen seines Nomadenlebens. Ein leidenschaftliches aber planloses Studium neigt sich nun dem Ende zu. Gestreift wurden die Fächer Deutsch und Französisch. Zu einem offiziellen Abschluss wird es in den Fächern Kunst und Sport kommen. Ein Lehrerdasein mit künstlerischen Nebentätigkeiten soll die nächsten Jahre ausfüllen. Der "reh volutionäre" Dr. Wahllos hat im Oktober 2005 mit dem Schreiben angefangen und wird mit Freude dabei bleiben, siehe auch: http://rehvolution.twoday.net/.
mindestens haltbar 07/2006
Jahrgang 02
Ausgabe 12
ISSN 1816-8159
Autor: Andreas Wenig
Titel: Wer anderen eine Grube gräbt...
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am 8. Jul, 07:44

Gottseidank sind sie nicht alle so überempfänglich für Minnesang und heiße Worte im Ohr, die holden Geschöpfe dieser Damenwelt.

Ein wenig sollte er seine Taktik freilich schon verbessern. In der Regel sind sie uns nämlich in Hör- UND Sehvermögen überlegen.