
Definitionssache
Aber was sie alle miteinander vergessen haben, die Herrschaften Deutschlandkenner, das sind ein paar Tipps zum Thema "Deutschland und die Zukunftstechnologien". Dabei wäre gerade dieses Thema wichtig gewesen bei Hinweisen zu einem Land, das von Technologie lebt, weil es über zu
konkurrenzfähigen Preisen verkäufliche Rohstoffe nicht verfügt.
Zum Beispiel Fernsehen, dafür müssen wir hier Gebühren bezahlen. Das versteht im Ausland kein Mensch. Da heißt es dann "Ja, für die Satellitenschüssel" oder "Ja, Kabelgebühren" oder "Ja, Pay-TV", und man müht sich ab, den Leuten klar zu machen, dass nichts von alledem zutrifft, sondern dass der pure Besitz eines Rundfunkempfängers ausreicht, um eine Gebührenpflicht von 17 Euro nulldrei im Monat auszulösen. Einfach so, weil man Rundfunk empfangen könnte. Das ist schon an Deutsche ausgesprochen schwierig zu vermitteln, was soll da erst ein Ausländer, der sich hier zu Gast bei Freunden aufhält, davon halten?
Noch schwieriger wird die Angelegenheit dann allerdings dadurch, dass der deutsche Gesetzgeber über das Konstrukt eines Rundfunkstaatsvertrages zwischen den Bundesländern (versuchen Sie das mal in Englisch rüberzubringen!) nunmehr nicht nur Radios und Fernseher mit Rundfunkgebühr belegt, sondern auch "neuartige Rundfunkempfangsgeräte" wie zum Beispiel Computer. Oder Mobiltelefone, wenn sie UMTS-fähig sind. Vielleicht reicht auch schon, dass sie GPRS-fähig sind, das ist noch nicht ganz raus.
Auf jeden Fall steht man vor dem Problem, erklären zu müssen, dass man in Deutschland durchaus einen Webserver zum Rundfunkempfänger deklarieren kann, ohne notwendigerweise einer amtsärztlichen Untersuchung zugeführt zu werden.
Nun bin ich kein Fürsprecher amerikanischer Fernsehverhältnisse, es ist auch in Ordnung, wenn man die Ausstrahlung von Nachrichten, Fernsehkrimis, Wagner-Opern und chinesischen Autorenfilmen mittels zentral erhobener Abgaben finanziert, aber statt dem Bürger hinterher zu spionieren, ob er nicht heimlich einen Server oder ein Telefon betreibt und so gebührenpflichtig sein könnte, wäre es womöglich ehrlicher - und praktischer - eine Mediengebühr von allen gleich mit der Steuer einzuziehen. Das würde nämlich den Kohl auch nicht mehr fett machen, weil sowieso schon - wieder ein Fakt, der unseren auswärtigen Freunden vorenthalten wird - 80 Prozent der Weltliteratur über Steuern in Deutsch erscheint.


Alexander Finger
am 22. Jun, 09:23
am 22. Jun, 10:03
Und das völlig zu Recht, wie ich finde. Aber Zufälle gibts...